NSU – Wer war alles Verfassungsschutz-Informant?

Es bestehen Verdachtsmomente einer bezahlten Informanten-Tätigkeit bei zwei mutmaßlichen NSU-Mitgliedern – aber auch bei Personen, die zum NSU-Umkreis gezählt werden. Darüberhinaus gibt es auch enttarnte Informanten. Dieser Artikel fasst die Anhaltspunkte  zusammen.

NSU-Mitglieder

Im Schutt des von Zschäpe in Brand gesetzten Hauses in Zwickau fanden die Ermittler  eine Vernehmungsakte zu Jan W. Er wäre ein mutmaßlicher Unterstützer des Trios gewesen. Der Hintergrund des Fundes könnte sein, dass der Verfassungsschutz und das Trio zusammenarbeitete in der Form, dass man sich gegenseitig Dokumente austauschte. So wäre auch der Fund von Prozessakten zum Landser-Verfahren erklärbar (6.2).

Eine Zielfahndung suchte von 1998-2002 nach dem untergetauchten Trio. „Nach dem Ende ihrer Arbeit bzw. der Rückgabe des Fahndungsvorgangs samt Akten“ hätte sich deren Leiter Herr Wunderlich „noch öfter gefragt, wo das Trio denn untergetaucht sein könnte. (…) Diese Unterhaltung habe er auch einmal mit dem dem Herrn Wießner [Anmerkung:  Auch V-Mannführer von Tino Brandt] vom Thüringer Verfassungsschutz geführt. Als Wunderlich sich vor ihm fragte, wo das Trio denn vielleicht jetzt stecken möge, antwortete Wießner: “Die sind gar nicht so weit weg und denen geht es eigentlich ganz gut.” (Haskala)

Beate Zschäpe (?)

1996 wurde sie wurde über eine Kreuzverbrennung des Ku Klux Klan befragt und steckte bereitwillig der Polizei die Namen der beteiligten Personen:

„Insgesamt 13 Tatverdächtige identifiziert die Sonderkommission Rechtsextremismus („SoKo REX“) des Thüringer Landeskriminalamts später. Dabei half der Polizei vor allem Beate Zschäpe. Sie erzählte in ihrer Vernehmung am 28. September 1996 alles und schrieb die Namen der Beteiligten neben die sichergestellten Fotos.“ (7)

Der Thüringer Verfassungsschutz hätte Ende der 90er Jahre erwogen, Beate Zschäpe als Informantin anzuwerben. Jedoch hätten die Thüringer Abstand von dieser Idee gewonnen, anders als bei anderen drogenabhängigen Informanten, „wegen Zschäpes Drogenkonsum“ (7.1).

Die BILD-Zeitung berichtete von einem anonymen Zeugen, „der aus der Neonazi-Szene ausstieg!“ Er hätte Beate Zschäpe gekannt, „traf sie mehrfach“ etwa bei NPD-Veranstaltungen. Dort wäre die Existenz der NSU bekannt gewesen; „Ich weiß von elf Mitgliedern der Gruppe.“ Er weiß auch von Kontakten zwischen „Zschäpe und dem Verfassungsschutz“:

„Beate Zschäpe hat ganz offen gesagt, man solle mit dem Verfassungsschutz arbeiten und denen falsche Informationen liefern. Sie hatte Kontakt zu einem Beamten in Thüringen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass da niemand gewusst haben will, wo Zschäpe all die Jahre war …“ (bild)

Während der Zielfahndung nach dem Trio teilte der Vater von Uwe Mundlos den Fahndern mit, dass laut eines anonymen Briefes Frau Zschäpe vermutlich eine vom Verfassungsschutz geführte und bezahlte Quelle wäre.

“Zu seiner früheren Feststellung, „die Befragung von Kontaktpersonen und Familienangehörigen führte zu dem Schluss“, eine gesuchte Person sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ vom TLfV als Quelle geführt worden, berief sich der Beamte nunmehr auf den Vater des Uwe Mundlos, der ihm von einem anonymen Brief berichtet habe, in dem Beate Zschäpe als Informant des TLfV bezeichnet wurde. Der Brief war dem Beamten nicht vorgelegt, über seinen Verbleib nichts mitgeteilt worden.” (8)

Im Rahmen einer Rekonstruktion vernichteter Akten über Informanten aus dem THS kam heraus, dass es einen Anwerbeversuch bei “einer in Katzen vernarrten Frau (…), die viel mit ihrer Oma machte“ gab. Außerdem hätte sie Verbindungen zum Führungskader des THS gehabt. Diese Beschreibung würde auf Frau Zschäpe passen, jedoch würde es sich um eine andere Frau handeln (8).

Noch am 04.11.11 als Frau Zschäpe zu ihrer Flucht aufbrach, wurde sie immer wieder von Handys angerufen, welche auf das sächsische Innenministerium zugelassen sind. Bis heute ist nicht bekannt, wer diese Handys bediente (8.1). Es wurden in ihrer Wohnung Vernehmungs- und Prozessakten gefunden (8.2).

Laut Gesprächsprotokolls der 58. Sitzung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages fragte die Bundestagsabgeordnete Gisela Piltz (FDP):

“Wenn unsere Informationen richtig sind, hat sich im Jahre 2003 Frau Zschäpe bei den Behörden in Gera gemeldet, um einen Anspruch auf ein – in Anführungszeichen – „normales“ Leben einzufordern”. (zgt-online)

Warum ging Frau Zschäpe zur Polizei, um ein “normales Leben” einzufordern, zu einem Zeitpunkt, wo sie als Teil des NSU schon vier Türken ermordet haben soll?

Uwe Mundlos (?)

Während seiner Bundeswehrzeit fiel er wegen seiner rechtsextremen Ansichten auf und wurde vom Geheimdienst der Bundeswehr „MAD“ vernommen. Der Verlauf der Vernehmung würde laut des Vorsitzenden des Bundestag-UA, Sebastian Edahty nach einem typischen Anwerbeversuch aussehen (9). Auf die Mundlos-Akte der Bundeswehr wurde der UA monatelang nicht ausdrücklich hingewiesen, schlimmer auf persönliche Nachfrage stellte der MAD in Abrede, dass es eine Mundlos-Akte überhaupt gäbe. Die Bundestagsabgeordnete Pau kommentierte: “Ich bin vom MAD belogen worden”. (10). Mehr Infos: (11).

NSU-Umkreis

Der Verfassungsschutz hatte einen V-Mann sehr nahe an der NSU platziert. So war man sogar über Pläne bzgl. einer möglichen Flucht nach Südafrika bestens informiert. In einem Verfassungsschutz-Papier stünde laut Welt.de:

„Während Böhnhardt und Mundlos mit dem Ziel einverstanden seien und dies auch als Daueraufenthaltsort anstrebten, beabsichtige Zschäpe, die nicht ins Ausland wolle, sich nach der Abreise der beiden den Behörden zu stellen.“ (Welt)

André E. (?)

Laut dem Bericht der Berliner-Zeitung, Mitte Februar 2012, hätte “das BKA […] Ermittlungsdaten löschen [gelassen]“, die den wichtigen mutmaßlichen NSU-Unterstützer André E. beträfen. Dies ist bemerkenswert, da bekannt ist, dass Andre E. von Frau Zschäpe am 04.11.2011 angerufen wurde (12) und sie bei ihrer Flucht unterstützte. Andre E.´s Frau Susann soll an mehreren Stellen ihre Identität Beate Zschäpe geliehen haben (13).

Andre E. Handy wurde vom BKA zur Auswertung einem Referat der Bundespolizei übergeben, dass spezialisiert auf die technische Auswertung von Mobiltelefonen ist. Nachdem eine DVD mit dem ermittelten Daten dem BKA übersandt wurde, …

“… kam von dort am 9. Dezember vergangenen Jahres per E-Mail die Weisung, die Handydaten im Computer des Referats zu löschen.” (14)

Dies wäre laut Rechtsexperten ein …

“… nicht nur ungewöhnlicher, sondern auch rechtswidriger Vorgang (…)”. Denn in Strafverfahren muss die Bundespolizei sämtliche Ermittlungsergebnisse aufbewahren, und zwar mindestens bis zum rechtsgültigen Abschluss eines möglichen Gerichtsverfahrens. Schließlich könnten die Forensik-Experten als wichtige Zeugen in einem Prozess Auskunft geben über die von ihnen technisch wieder hergestellten Daten.” (ebd)

Über die Ergebnisse der Untersuchung des Handys ist bisher nichts bekannt.

Ein alarmierter Bundespolizist informierte die Medien über diesen Lösch-Befehl, da er offenbar fürchtete, dass wenn die Kopie der Handydaten gelöscht wäre, das Bundeskriminalamt an dem Original manipulieren könnte. „Focus“ brandmarkte ihn daraufhin als Verschwörungstheoretiker, da er annehme, das BKA würde einen Informanten schützen; „weshalb er eine Verschwörung [witterte]“.(15) Der Bundespolizist, der die Handydaten auswertete und den Lösch-Befehl angeblich hätte ausführen sollen, verteidigte sich in einer gerichtlich verfügten Gegendarstellung:

“Die Daten habe ich von meinem Arbeitsplatz in den Trash-Ordner verschoben, sie blieben also bei der Bundespolizei vorhanden. Ich habe sie nicht gelöscht.” (Quelle: Bild.de)

Ob das Abbild der Handydaten bei der Bundespolizei noch verhanden ist oder vom Trash-Ordner gelöscht wurde – ist bis heute unbekannt.

Ein weiterer Verdachtsmoment gründet sich auf einen Bericht der Berliner Zeitung [Erscheinungsdatum des Artikels: 13.02.2012]. Sie berichtete, dass das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz versuchte, wichtige Informationen über E. zurückzuhalten. Deren Präsident Reinhard Boos teilte vor drei Monaten noch mit, dass…

“… E. im Informationssystem seines Amtes lediglich als Teilnehmer eines rechtsextremen Konzertes im Mai 2011 in Mecklenburg auftauche. Mehr Angaben zu ihm habe man nicht.”

Tatsächlich aber war E. eine solch wichtige Figur in der Neonazi-Szene, dass das …

“… LfV ihn in den letzten Jahren dreimal ansprach, um ihn als V-Mann anzuwerben. In der geheim tagenden Kontrollkommission des Landtages gab LfV-Präsident Boos vor wenigen Wochen allerdings an, dass keins dieser Werbegespräche erfolgreich gewesen sei (16).

Die Berliner Zeitung weist darauf hin, dass ein solches behördliches Vorgehen, “dem Schutz von Informanten” dienen könnte.

Andre  E. wurde in der Nähe der brennenden Wohnung von der Polizei als Zeuge aufgenommen (16.1). Er stand ..

“… laut der Ermittlungsakten (…) von 1998 bis zum letzten Tag in Kontakt mit dem Trio. Nachdem sich Mundlos und Böhnhardt im November 2011 in ihrem Wohnmobil in Eisenach erschossen hatten, war es seine Nummer, die Zschäpe sofort anrief.” (16.2)

Darüberhinaus hätte die Frau von Andre E, Susann E.. regelmäßig mit ihren Kindern das NSU-Trio besucht.

Böhnhardt und Zschäpe holten Ende Oktober 2012 das Wohnmobil, das für den Bankraub in Eisenach benutzt wurde, in Begleitung “eines bislang unbekannten Kindes” (16.3).

Thomas Starke, „VP 562“

Der UA des Deutschen Bundestages wurde auch hier monatelang belogen und nicht über diesen Informanten in NSU-Nähe informiert – trotz mehrfacher ausdrücklicher Rückfrage beim Berliner Landes-Innenministerium. Erst am 13.09.2012 wurde der NSU-Ausschuss informiert – obwohl seit März 2012 der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) Bescheid wusste! (16.4)

Thomas Starke war von 2000 – 2011 eine “Vertrauensperson” (VP) des Berliner Landeskriminalamts (LKA). Davor wäre er bereits von 1998-1999 vom Verfassungsschutz abgehört und überwacht worden. Starke war bereits in der DDR ein Informeller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit, “nach der Wende rutscht S. in die rechte Skinheadszene seiner Geburtsstadt ab.” (17) Er wird straffällig und ein führender Kopf der inzwischen verbotenen Neonazi-Organisation Blood & Honour (B&H). Während seiner Haftstrafe besuchten ihn Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe, mit der er ein “Techtelmechtel” gehabt hätte. 1998 belieferte er sie mit dem TNT aus ungeklärter Herkunft (17.1). Damit werden ihre Rohrbomben bestückt. Er unterstützte das Trio während ihrer Flucht vor der Zielfahndung. Er organisierte ihr erstes Versteck.

Er wies 2002 auf mögliche Aufenthaltsorte des Trios hin – es ist unbekannt, wo diese Hinweise versickerten. Der damalige Berliner Innensenator Körting (SPD) wäre darüber nicht informiert worden (18). Obwohl Starke dem Verfassungsschutz als Rechtsextremist bekannt war, bleibt er bei deren Sicherheitsprüfungen unbeanstandet. Dies rief beim NSU-Ausschussvorsitzende Edathy ein „spontanes Stirnrunzeln“ hervor (19).

„Dem Vernehmen nach soll das Berliner Landeskriminalamt die Nichtweitergabe von VP-Informationen an andere Behörden damit begründet haben, dass ein ausländischer Geheimdienst mit der Beendigung der Zusammenarbeit gedroht habe. Diese Anweisung habe generell gegolten, nicht speziell für VP 562.“ (tagesspiegel)

Ralf Wohlleben (?)

Zwar bestreitet der Thüringer Verfassungsschutz, dass „Ralf Wohlleben ein V-Mann gewesen sei. Dennoch gab es offenbar Gespräche zwischen Sicherheitsbehörden und dem mutmaßlichen Unterstützer der NSU-Terrorzelle. Möglicherweise sollte er angeworben werden.“ (focus)

Der Bundesanwalt Hans-Jürgen Förster war vor 10 Jahren im NPD-Verbotsverfahren beteiligt. Er arbeitete in der Abteilung „Innere Sicherheit“ im Bundesinnenministerium als Unterabteilungsleiter. Dort lass er auf …

… auf einem vom BfV [Bundesamt für Verfassungsschutz] in die Arbeit eingeführten DIN A 3-Blatt den Namen „Wohlleben“ (…). Als vom Verfassungsschutz geführten V-Mann!“ (20)

Juliana W.

„Nach der Aktenlage wurde das Trio vom damaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben und seiner damaligen Freundin Juliane W. unterstützt. W. tauchte am 26. Januar 1998 vor der Wohnung des gesuchten Uwe Mundlos in Jena auf, als die Wohnung gerade von der Polizei durchsucht wurde. Auf die Fragen der Polizisten gab sie an, Fernsehen schauen zu wollen. In der Wohnung befand sich aber kein Fernsehgerät. Die Polizei notierte damals: „Es ist der Eindruck entstanden, sie sei lediglich zur Überprüfung zu der Wohnung geschickt worden.“ Den Auftrag hatte sie offenbar von Wohlleben erhalten. (mdr)

War sie Informantin

„Im sächsischen NSU-Untersuchungsausschuss sind neue Informationen über die Nähe zwischen dem Thüringer Verfassungsschutz und dem Terrornetzwerk ans Licht gekommen. Der Obmann der Grünen im Ausschuss, Johannes Lichdi, berichtete am Freitag über eine Geldübergabe in Höhe von 200 D-Mark an die Freundin des ehemaligen NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben.

Lichdi berief sich dabei auf die Aussage des Thüringer Zielfahnders Sven Wunderlich, der am Freitag im Untersuchungsausschuss aussagte. Wunderlich war von 1998 bis 2001 mit der Suche nach dem NSU-Trio befasst und bei der Geldübergabe anwesend.“ (mdr)

Es wurde die Personalakte von einer „Juliane W.“ geschreddert.

„Beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) wanderten Personalakten von 94 Neonazis in den Reißwolf. Darunter waren nach Informationen von stern.de Akten von drei Personen mit NSU-Bezug: Juliane W. (…) Juliane W. soll nach dem Untertauchen des Trios noch direkten Kontakt zu Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gehabt haben.“ (stern)

Carsten Szczepanski, Deckname „Piato“

Carsten Szczepanski “zeigte reges Interesse an der Idee” und bezeichnet sich als “Führer der “White Knights of the Ku Klux Klan/Germany.” (21)

“… inszenierte im September 1991 in der Nähe von Königs Wusterhausen eine Kreuzverbrennung (…).” (22)

Er war auch Informant des VS, Deckname “Piato”. Er hätte “die militante rechte Szene in Brandenburg von Anfang an mitaufgebaut.” (23).

Nach der vorzeitigen Haftentlassung arbeitete er in einem „Szeneladen“. Deren Besitzerin Antje Probst hätte dann Beate Zschäpe ihre Identität geliehen:

„Das macht das LfV dann auch ganz aktiv. Als Freigänger hat Szczepanski ab 1999 einen Job im Szeneladen von Antje Probst in Sachsen, eben jener Antje Probst, die Beate Zschäpe ihre Identität lieh. Der V-Mann des LfV sitzt also im Umfeld des Trios und erlangt so seine vorzeitige Haftentlassung, da er ja feste Arbeit hat. Wie zum Hohn heißt es in den Auflagen des Gerichts, Szczepanski müsse sich glaubhaft aus der Szene lösen. Dass er im Gegenteil jetzt mittendrin war, verschweigt das LfV gegenüber dem Gericht, dass natürlich auch im Unklaren darüber gelassen wird, dass es sich um einen Naziversand handelt.
Der im Ausschuss vernommene V-Mannführer von Szczepanski konnte oder wollte zu allen diesen Vorhaltungen mehr oder weniger nichts sagen, war aber ganz offensichtlich von den Fragen und Vorhaltungen der Abgeordneten so mitgenommen, dass die Vernehmung nach knapp zwei Stunden aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen werden musste.“ (linksfraktion)

Er gab 1998 dem VS einen Hinweis auf das flüchtige Trio …

Ein V-Mann des märkischen Verfassungsschutzes mit dem Decknamen „Piato“ hatte vor 13 Jahren berichtet, dass der sächsische Neonazi Jan W. dabei sei, Waffen für Uwe Bönhardt, Beate Zschäpe und Uwe Mundlos zu beschaffen. Mit den Waffen habe das Trio weitere Überfälle begehen und sich mit geliehenen Pässen absetzen wollen. Die Informationen leitete die märkische Behörde an die Kollegen in Sachsen und Thüringen sowie an das Bundesamt für Verfassungsschutz weiter. ” (24)

Auch diese Infos schafften es nicht zur Thüringer Zielfahndung, doch überwachte sie Jan W.´s Handy. Es wurde eine SMS an ein Handy aufgenommen, welches beim Brandenburgischen Ministerium des Inneren registriert war. Es lautete: „Wo ist die Bums?“ Da jedoch die Zielfahndung nicht vom Verfassungsschutz informiert wurde, das sich das Trio bewaffnen wolle, wurde diese Spur nicht weiterverfolgt (25).

“Piato” wurde “im Jahre 2000 als V-Mann der Verfassungsschutzabteilung des Innenministeriums des Landes Brandenburg enttarnt” (21) und kam in ein Zeugenschutzprogramm.(26) „Sein Aufenthaltsort wird gehütet wie ein Staatsgeheimnis.” (27)

Mehr Infos: Carsten Szczepanski

Jan W. (?)

„Jan W. war ein führendes Mitglied der mittlerweile verbotenen Organisation „Blood & Honour“. Aktiv war er vor allem in der Sektion Sachsen, in der auch Mandy S. mitmischte. Er gilt als Größe in der braunen Musikszene, er soll im großen Stil Tonträger der umstrittenen Band Landser in Umlauf gebracht haben. Im Jahr 2005 wurde die Band vom Bundesgerichtshof als kriminelle Vereinigung eingestuft. Im Rahmen der NSU-Ermittlungen wurde seine Wohnung durchsucht. Jan W. soll nach Waffen für das Trio gesucht haben, bestreitet dies jedoch vehement.“ (spiegel)

Wie Starke soll er auch im Sold der Berliner Behörde gestanden haben:

„Laut einem Bericht der Berliner Zeitung (Onlineausgabe) vom Freitag arbeitete Werner zwischen 2001 und 2005 mit dem LKA zusammen. Sie zitiert ein Fax des LKA an das Bundeskriminalamt vom 22. August 2001 – darin seien die Wiesbadener
Kriminalisten von ihren Berliner Kollegen gebeten worden, sie vor „Maßnahmen“ gegen Werner zu informieren. Solche Absprachen seien üblich bei Anwerbung von Informanten, so die Zeitung. In einem Geheimdokument des Thüringer Verfassungsschutzes vom 30.11.2011, das jW vorliegt, wird Werner als Kontaktmann zum NSU beschrieben. Er „soll damals den Auftrag gehabt haben, „die drei Skinheads mit Waffen zu versorgen“. (jw)

Holger Ge. – Deckname „Tarif“?

Zu dem Unterstützerkreis zählte auch Holger Ge. Er kannte das Trio von Thüringer Zeiten von der “Kameradschaft Jena”. Der nach Niedersachsen umgezogene Ge. wurde vom Niedersächsischen Verfassungsschutz 1999 observiert, es hätte eine Spur zum gesuchten Trio gegeben. Die Akten dazu wurden “vorschriftsmäßig” vernichtet, wie auch (nicht vorschriftsmäßig) die Akten zum Informanten, Deckname “Tarif”.  Im Zuge der Fahndung nach dem Trio heißt es in einem geheimen Papier des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV):

„Das BfV hatte in diesem Zusammenhang eigene Quellen, insbesondere den u. a. aus der niedersächsischen Neonazi-Szene berichtenden VM Tarif, sensibilisiert und befragt.“(28)

Wer hinter „Tarif“ steckt, ist nicht rekonstruierbar, jedoch liegen Informationen vor:

„Dabei handelt es sich um den vermutlich aus Thüringen stammenden Spitzel „Tarif“, der unter anderem über die niedersächsische Naziszene berichtet haben soll. Der Klarname von „Tarif“ wurde aus unbekannten Gründen nicht in den Quellencomputer des Dienstes eingetragen; da auch seine Fallakte nicht mehr existiert, gibt es kaum Möglichkeiten, seine Identität herauszubekommen.“ (29)

Dass der Verfassungsschutz Holger Ge. aus den Augen verlor, wird von der Niedersächsischen Antifa bezweifelt:

“Holger G. ist uns seit seinem Auftauchen 1998 permanent aufgefallen. Er war in der Kameradschaft „Verena“ dabei, die permanent überwacht wurde. Von daher kann es nicht sein, dass der Verfassungsschutz Holger G. nicht wahrgenommen hat. Uns ist der die ganze Zeit aufgefallen. Das kann nur Absicht sein oder Ignoranz.” (30)

Ge. hätte laut Anklageschrift der Bundesanwaltschaft “dem NSU Führerschein, einen Reisepass, ADAC- und AOK-Karte besorgt.” (31).

Holger Ge. belastete das Trio schwer: Das Trio hätte 1998 eine Entscheidung gefällt:

“H. Ge. hat bei seiner Beschuldigtenvernehmung am 1. Dezember 2011 die nach den Vorfällen in Jena von den “beiden Uwes” angestoßene Diskussion darüber geschildert, ob man nur demonstrieren oder “mehr machen” und sich bewaffnen solle. Die Beschuldigte [ Frau Zschäpe] sei immer dabei gewesen. Die Diskussion habe schließlich “drei gegen zwei” geendet; er und W. hätten gegen “die Drei” gestanden. (32)

Holger Ge. wurde aus der Haft entlassen, da er „umfangreich“ aussagte gegen …

„… die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle (…) und gestand, das Trio unterstützt zu haben – nun hat der Bundesgerichtshof den Haftbefehl gegen Holger G. aufgehoben. Es lasse sich derzeit nicht beweisen, dass G. mit den Mordanschlägen rechnen konnte.”(33)

Michael von Dolsperg (Tarif)

„Der 39-Jährige, der inzwischen in Schweden lebt, war seit den frühen 90er-Jahren eine der Führungsfiguren der Neonazi-Szene im thüringischen Eichsfeld. Später zog der mehrfach Vorbestrafte nach Hann. Münden.

Weil er dort antijüdische Hetzschriften erstellt und bundesweit vertrieben hatte, verurteilte ihn das Amtsgericht im Herbst 2000 wegen Volksverhetzung zu drei Monaten Freiheitsstrafe. Das Landgericht Göttingen wandelte das Urteil in eine Bewährungsstrafe um. (…)

Aus dem Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses geht hervor, dass unter anderem „Tarif“ bis 2002/2003 Geld vom Verfassungsschutz erhalten hat – also auch noch lange nach seinen Verurteilungen in Thüringen und Hann. Münden. Kraft ist darüber entsetzt: „Es kann doch nicht sein, dass der Staat Straftäter finanziert. Mein Vertrauen in diesen Rechtsstaat ist erheblich erschüttert.“ (weser-kurier)

Er sagt aus, „Tarif“ gewesen zu sein.

 „Von Dolsperg meint gegenüber tagesschau.de, er könne sich die Vernichtung seiner Akte nur damit erklären, dass er den erwähnten Hinweis an den Verfassungsschutz gegeben habe. „Das ist in meinen Augen die einzige Brisanz meiner Tätigkeit für das BfV.“

Es gibt jedoch Ungereimtheiten.

„Über den Fall berichtete zuerst das MDR-Magazin „Fakt“ in seiner Sendung am Dienstagabend. Die Hintergründe: Michael S. wurde von Mitte der neunziger Jahre bis mindestens 2001 beim Bundesverfassungsschutz als V-Mann „Tarif“ geführt. Geld soll laut dem Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses aber noch bis 2002/2003 gezahlt worden sein. „

Rätselraten um Akten

„Zudem hat die Geschichte nun noch eine weitere Wendung genommen. Kurz vor Weihnachten wollte die Linken-Abgeordnete Martina Renner in einer Fragestunde des Bundestags wissen, wie viele Quellenberichte des V-Mannes „Tarif“ sich derzeit im Besitz des Bundesamtes für Verfassungsschutz befänden. Die Antwort des Innenministeriums: exakt 157.

Das sorgt wiederum bei den Abgeordneten für Aufsehen, die diese Berichte offenbar nicht kennen. SPD-Obfrau Högl meint, wenn der Verfassungsschutz dem NSU-Ausschuss wichtige Unterlagen zu „Tarif“ vorenthalten habe, sei das ein „unerhörter Vorgang“. Sie verlange „eine vollständige Antwort darauf, ob die Unterlagen dem Untersuchungsausschuss absichtlich nicht vorgelegt wurden, warum dies geschah, wer das entschieden hat und wer davon wusste“. Darüber hinaus fordert sie die Einsicht in die Unterlagen.

 Das Innenministerium erklärte auf Anfrage von tagesschau.de hingegen, dem Ausschuss seien sämtliche „zum damaligen Zeitpunkt“ rekonstruierten Akten vorgelegt worden. Das waren offenbar aber nicht allzu viele, folgt man der Linken-Abgeordneten Renner. Keine einzige der mehr als 150 Quellenmeldungen zu „Tarif“ sei dem NSU-Untersuchungsausschuss vorgelegt worden.

 Dabei hätten die Akten schon vorliegen müssen, als der NSU-Ausschuss noch im Amt war, denn die Regierung selbst antwortete erst im Oktober 2014 auf die Frage, ob seit der Abgabe des Abschlussberichts des U-Ausschusses weitere Teile der Akte „Tarif“ beim BfV rekonstruiert werden konnten, mit „Nein“. Das heißt im Umkehrschluss: Die 157 Quellenberichte zu „Tarif“ lagen bereits vor, als die Abgeordneten im Ausschuss noch versuchten, den NSU-Komplex aufzuklären.“ (tagesschau)

Carsten S., Deckname „Tusche“?

Der Thüringer Carsten S. war Mitglied im “Thüringer Heimatschutz” und lernte dort das Zwickauer Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe kennen. Er wäre eine “maßgebliche Kontaktperson” während deren Flucht in den Jahren 1999 und 2000 gewesen. Er gab an, dem Trio die Mordwaffe der Marke „Ceska“ übergeben zu haben!

“Zwischen Herbst 1999 und Sommer 2000 habe er den Untergetauchten die Waffe geliefert.” (34)

Kurz darauf stieg er im Oktober 2000 aus der rechten Szene aus und kommt kurz darauf in ein Aussteigerprogramm des Verfassungsschutzes. Jedoch wurde er bereits 2000 vom Verfassungsschutz protegiert:

Im Juli 2000 berichtete der Thüringer Verfassungsschutz in einem Bericht über seine Wahl  zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungen Nationaldemokraten (JN). Es wurde sogar sein voller Name genannt, Carsten Schulze. Jedoch verschwand sein Name vom Bericht wenige Monate später als der Thüringer Innenminister den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2000 herausgab (35).

Nach dem Auffliegen des Trios im November 2011 wird er verhaftet, jedoch nach einem Antrag der Generalbundesanwaltschaft 2012 freigelassen. Der Generalbundesanwalt verteidigt seine Freilassung:

“Der Beschuldigte hat sich umfassend zum Tatvorwurf eingelassen und entscheidend zur Tataufklärung beigetragen. Er hat sich glaubhaft von rechtsradikalem Gedankengut abgewandt und seit spätestens 2001 keine Kontakte mehr in rechtsextremistische Kreise.” (36)

S. befindet sich jetzt in einem Zeugenschutzprogramm (37).

Es könnte sein, dass hinter ihm der geheimdienstliche Deckname „Tusche“ steckt. Der Hintergrund diesen Verdachtes ist, dass „Tusche“ 2000 als Informant ausstieg!

Es folgten „Tobago“ und „Tonfall“, die beide bis 2001 auf der Gehaltsliste des Verfassungsschutzes standen. „Tonfarbe“ kam 2000 dazu und spitzelte zwei Jahre. „Tusche“ kam ebenfalls 2000, stieg aber noch im selben Jahr wieder aus (38).

„Tusche“ hätte jedoch bereits 1999 seine Tätigkeit aufgenommen (39). Die Akte „Tusche“ ist gleichwohl vom Verfassungsschutz geschreddert worden und wurde für den U-Ausschuss rekonstruiert. Mehr Infos: Portrait des Ceska-Lieferanten Carsten S.

Jürgen H.?

H. ist aus Jena, ist ein Freund des Thüringers Ralf W. „Beide sollen sich aus einem Kinderheim kennen.“

„Unmittelbar nach dem Untertauchen Zschäpes und ihrer Freunde soll H. in Absprache mit Wohlleben und dem Jenaer André Kapke in die Betreuung des Trios einbezogen worden sein.“ (FR)

H. wurde offenbar abgehört:

„Nach Informationen der Berliner Zeitung überwachte das Landeskriminalamt Sachsen bereits sechs Wochen nach der Flucht das Telefon eines Verbindungsmannes der drei.“ (ebd)

Laut mdr Thüringen hätten Ermittler im Mai Jahr 1999 beobachtet, wie “ein Kurier einen Beutel mit Geld für die Untergetauchten an einen Mittelsmann übergab.” Zwei Thüringer LKA-Beamte hätten den Kurier in einer Kaserne aufgesucht und befragt. Dies fand im Mai 1999 in der Bundeswehrkaserne Mellrichstadt statt, “der damals 23-Jährige leistete seinen Dienst in der bayerischen Panzerkompanie.” Es gibt Hinweise, dass hinter dem Kurier Jürgen H. steckt und, dass er Informant des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), des Geheimdienstes der Bundeswehr, war.

“Mitte November 2011 war zudem bekannt geworden, dass ein V-Mann des MAD kurz nach dem Abtauchen des Nazi-Trios 1998 deren neuen Aufenthaltsort an die MAD-Stelle 71 in Leipzig gemeldet habe. Die Information sei jedoch liegen geblieben. War Jürgen H. aus Jena dieser V-Mann? Der MAD lehnt jede Stellungnahme ab.” (FR)

Die taz berichtet.

„Auch der Jenaer Jürgen H., der Wohlleben seit seiner Kindheit kennt und bis heute NPD-Mitglied ist, hat dem BKA Erhellendes berichtet. 1998 habe Wohlleben ihn zu einer Telefonzelle im Osten Jenas geschickt. Dort habe dann Uwe Böhnhardt angerufen und H. darum gebeten, ihm etwas zu bringen. Einige Tage später habe er dann eine Plastiktüte mit Geld zu einem McDonald’s an der A 4 bei Zwickau gebracht und einem ihm angeblich Unbekannten in die Hand gedrückt.

Für einen Kurierdienst eingespannt

Später, so Jürgen H., habe Wohlleben ihn dann noch mal für einen Kurierdienst eingespannt. Wieder sollte er zu einer Telefonzelle gehen, wieder hatte er Böhnhardt in der Leitung. Kurz darauf habe Wohlleben ihm ein Päckchen vorbeigebracht, das er in einer Sackgasse in Jena ebenfalls an einen Unbekannten weitergegeben haben will. „Ich hatte bei der Sache kein gutes Gefühl“, sagt H. „Mit dem heutigen Wissen vermute ich, dass es eine Waffe gewesen ist.“

Genau jener Jürgen H. war es auch, der schon während seines Wehrdiensts im September 1999 dem Militärgeheimdienst MAD freimütig seine Kontakte zum Neonazitrio im Untergrund eingestanden hatte. Diese hätten sich „schon auf der Stufe von Rechtsterroristen bewegt“, sagte er damals – ein Jahr später begann das Morden.“ (taz)

Ist Jürgen H. identisch mit Jürgen L.?

“Die Bundesanwaltschaft hält es für erwiesen, dass noch zwei Personen mitmischten: Jürgen L. als „Waffenlieferant“ an den Madley-Inhaber und davor „zumindest als Kontaktmittler oder sonstiger Mitwisser“.

http://www.derbund.ch/bern/kanton/So-kam-die-Pistole-aus-Bern-zu-rechtsextremen-Moerdern/story/18020861

„Wie der Feststellungsteil bereits ausführt, fand bei den ersten vier Morden eine seltene Munition des Herstellers Patten & Morgan Metal Corporation Verwendung. Dessen Hauptimporteur sitzt in Mellrichstadt. Es besteht ein merkwürdiger Zusammenhang darin, dass sich auch Jürgen H., ein guter Freund von Ralf Wohlleben, in einer Bundeswehrkaserne in Mellrichstadt befand. Dort wurde er im Rahmen der Suche nach dem Trio am 27. Mai 1999 vom MAD befragt (MAT_A_TH-1-20, Bl.323).“ (FDP)

Thomas Richter, Deckname „Corelli“ 

Laut des Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU), wäre die Causa Thomas R. „Sache des Bundesamtes für Verfassungsschutz, denn dort wird die Quelle seit Jahren geführt“ (taz).

„R. soll mindestens von 1997 bis 2007 Informationen an das Bundesamt für Verfassungsschutz verkauft haben. Der Neonazi kannte offenkundig die NSU-Terroristen, sein Name tauchte auch auf einer Telefonliste von Uwe Mundlos auf, die Ermittler im Jahr 1998 in Jena gefunden hatten.

R. unterstützte unter anderem das Neonazi-Szeneheft „Der weisse Wolf“, in dem im Jahr 2002 ein Gruß an den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) veröffentlicht worden war. Außerdem gilt R. als ein Gründer des deutschen Ablegers des rassistischen „Ku Klux Klan“, zu dessen Mitgliedern auch Polizisten aus Baden-Württemberg gehörten. Diese Beamten waren Kollegen von Michele Kiesewetter, die 2007 vom NSU durch Kopfschüsse in Heilbronn ermordet wurde.“ (tagesschau)

Benjamin G.

Sein V-Mann Führer war der Verfassungsschutz-Beamter Andreas Temme, der an einem der Tatorte zur ungefähren Tatzeit anwesend war.

„Der von Andreas Temme geführte V-Mann, Benjamin G., hatte enge Kontakte zum NSU-Unterstützungsnetzwerk Blood & Honour. Ideologisch und räumlich besteht eine große Nähe zu »Combat 18« bzw. dem »Sturm 18« aus Kassel. Welche Erkenntnisse hat der Innenminister über Verdachtsmomente gegen Benjamin G., zumal dieser auf der sogenannten 129er Liste von NSU-Helfern geführt wird und mögliche Querverbindungen zwischen Temme – Blood& Honour – Sturm 18 in Kassel? (jw)

Toni S.

„V-Mann mit Decknamen „Heidi“

Über Jahre reist das Trio offenbar unbemerkt quer durch die Republik, mietet Autos, fährt Bahn und womöglich auch Taxi. Das behauptet dieser Taxifahrer, ein V-Mann der Dortmunder Polizei mit dem Decknamen „Heidi“. Am 1. April 2006, drei Tage vor dem Mord am Kioskbesitzer Mehmet Kubasic, will Heidi einen verurteilten Rechtsextremisten aus Dortmund am Bahnhof abgeholt haben, sein Name Toni S. Und Toni S. sei an diesem Tag nicht allein gewesen, erzählt Heidi uns heute. Wir fragen ihn: „Wie sicher sind sie sich, dass die Fahrgäste Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gewesen sind?“ Er antwortet: „Also bei Uwe Mundlos bin ich mir sicher, den habe ich 2011 sofort wiedererkannt, darauf hin habe ich auch meinen damaligen VP-Führer angerufen, habe ihm das mitgeteilt. Bei der Zschäpe bin ich mir nicht zu hundert Prozent sicher.“

Forschungen nach Fahrgast Toni S.

Stimmt die Geschichte? Dass „Heidi“ V-Mann war und tatsächlich auf die rechte Szene angesetzt war, bestätigen vertrauliche Dokumente. Wir stoßen auch auf Ermittlungen zu möglichen Waffengeschäften mit dem NSU. Und wir forschen nach seinem Fahrgast Toni S. Er war früher als V-Mann für den Verfassungsschutz tätig.“ (wdr

Deckname „Primus“

„In Unterlagen einer Zwickauer Autovermietung fanden Beamte Verträge für Fahrzeuganmietungen auf den Namen des V-Mannes, die zeitliche Überschneidungen mit zwei Morden des NSU im Juni und August 2001 in Nürnberg und München aufweisen. Bei beiden Taten fehlten bisher Hinweise zu Fluchtwagen.

Den Abrechnungen zufolge waren die Wagen jeweils für lange Fahrten genutzt worden, die es ermöglicht hätten, von Zwickau zu den Tatorten in Bayern zu kommen.

Bei seiner Vernehmung Mitte Februar gab M. an, zum fraglichen Zeitpunkt eine Baufirma betrieben zu haben, mit den Fahrzeugen seien vermutlich Mitarbeiter transportiert worden.“(spiegel)

Vertrauensperson 620, „das Phantom der NSU“

Seit geraumer Zeit verlangen die Berliner Oppositionsabgeordnete von Grünen, Linken und Piraten volle Akteneinsicht zum bezahlten Informanten “VP 620″. Die Grüne Clara Herrmann wirft den Berliner Behörden “scheibchenweise Aufklärung” vor.

Das Parlament habe noch immer nicht die vollständigen Akten zur VP 620 erhalten, „das wird uns bis heute verwehrt“.

Bis heute ist nicht bekannt, welche Person hinter dem Informanten “VP 620″ steckt! Die Berliner Zeitung nennt ihn das “Phantom des NSU” (BZ) und schreibt:

“Die Spur, die zum “Waffenmann” führt: Der Chemnitzer Jan W. war führendes Mitglied der mittlerweile verbotenen Organisation „Blood & Honour. Im Rahmen der Ermittlungen wurde seine Wohnung durchsucht, die Bundesanwaltschaft führt ihn als Beschuldigten. Der Brandenburger Verfassungsschutz hatte ihn im Verdacht, dem Trio Waffen zu besorgen –was W. bestreitet. VP 620 berichtete dem LKA über W.’s „Lügen“.”

In der Zwickauer NSU-Wohnung wurde die Vernehmungsakte von Jan W. gefunden! (Friedensblick)

Informant „Alex“

„Am Untertauchen der mutmaßlichen NSU-Rechtsterroristen 1998 ist einem Medienbericht zufolge auch eine Quelle des Thüringer Landesverfassungsschutzes beteiligt gewesen. Wie „Der Spiegel“ gestern berichtete, half ein sogenannter Gewährsmann, das auf dem Weg nach Sachsen offenbar mit einer Panne liegen gebliebene Fluchtauto wieder zurück nach Thüringen zu bringen.

In seiner Vernehmung habe die unter dem Namen „Alex“ geführte Person angegeben, im Auftrag des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf W. nach Sachsen gefahren und von dort das Fahrzeug abgeholt zu haben.“ (otz)

Frontal 21 berichtete über „das falsche Spiel der Spitzel“.

7 Gedanken zu „NSU – Wer war alles Verfassungsschutz-Informant?“

  1. Du hast vergessen, daß die Personalakten der Freundin von Wohlleben „Juliane W.“ vernichtet worden sind.

    Auch hast Du Thorsten „Tarif“ Heise vergessen, bei dem das Trio untertauchen wollte.

  2. zu Tusche: Liest man die Akten bei NSULeaks sorgfältig, wird klar, daß Carsten S. schon 1999 zulieferte — ebenso wie „Tusche“. Das wird daran klar, daß das Thüringer Amt über Gespräche zwischen S. und zwei weiteren Leuten so genau Bescheid wußte. In diesem Sinne sind die Zeitangaben mit 2000 nur ungenau, aber nicht falsch. Dies kann daran liegen, daß der Anwerbeprozess teils sehr lange dauert, d.h. eine Quelle sprudelt, bevor sie offiziell VM wird. Die Koop begann also wahrscheinlich 1999, aber die Einstufung fand erst Anfang 2000 statt.

    Nachdem Tusche über sein Coming-Out sich mit Tobago zerstritt, stieg er aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.