Prozess- und Vernehmungsakten waren in der NSU-Wohnung

Udo Casper vom Morgenländers-Blog machte mich auf einen SZ-Artikel vom 15.09.12 aufmerksam. Auf der zweiten Seite versteckt, berichtet sie über einen brisanten Fund in der abgebrannten NSU-Wohnung:

„In dem Prozess belastete S. auch Jan W., einen ehemaligen Kompagnon. Im Schutt des von Zschäpe nach dem Auffliegen des NSU in Brand gesetzten Hauses in Zwickau fanden die Ermittler dann seltsamerweise eine Vernehmungsakte zu Jan W. Auch er ist ein mutmaßlicher Unterstützer des Trios gewesen.“

Wenn diese Meldung stimmen sollte, müsste das NSU-Trio über Kontakte zu den Strafverfolgungsbehörden verfügt haben! Der NSU-Blog „das Dossier“ zeigt mögliche Hintergründe auf:

Der Verfassungsschutz und rechtsextreme Kreise arbeiten offensichtlich Hand in Hand, eine Hand wäscht die andere, etwa tauscht man sich gegenseitig Dokumente aus. Laut dossierwürde das erklären, warum in der Zwickauer Wohnung …

„Prozessakten zum Landser-Verfahren gefunden worden sind – zu Jan Werner, über den das BfVS Akten vernichtete. Auch die 10000er Liste des NSU erscheint in neuem Lichte. Umgekehrt landen auch die Anti-Antifa-Rercherchen beim VS.“

Der enttarnte V-Mann Kai-Uwe Trinkaus packte vor dem mdr aus:

„Im Gegenteil, die Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz war offenbar keine Einbahnstraße. Trinkaus gibt an, dass er vertrauliche Behördenunterlagen von seinem V-Mann-Führer bekommen habe.

Behörden-Unterlagen vom V-Mann erhalten

Am 23. Juni 2007 überfielen Linksautonome einen bekannten Szenetreff von Neonazis in Erfurt. Die Polizei konnte damals ein Dutzend Autonome vorläufig festnehmen. Mitte Oktober 2007 tauchten dann die Namen und Anschriften von elf Festgenommenen auf der Homepage der Erfurter NPD auf. Die Staatsanwaltschaft Erfurt hatte damals ein Verfahren gegen Unbekannt eingeleitet, um herauszufinden, wer der NPD die Ermittlungsunterlagen zugespielt hat. Der Fall konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Jetzt sagte Trinkaus dem MDR, dass er die Liste von seinem V-Mann-Führer bekommen habe. (…)

Trinkaus gibt an, auch klare Beschaffungsaufträge erhalten zu haben. Beim NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2007 wurde ein Reporter der »Thüringischen Landeszeitung« von Neonazis überfallen. Dabei wurde ihm seine Kamera gestohlen – mit Fotos von Rechtsextremisten und vom linksautonomen Block der Gegendemonstranten. Diese Bilder kursierten dann wenig später in der Neonazi-Szene. Der Verfassungsschutz wollte davon eine CD haben. »Die waren ganz scharf auf die Bilder«, sagte Trinkaus.“ (mdr)

Fazit: Wann hören die Politiker endlich auf, die Floskel zu wiederholen, der „Verfassungsschutz hätte versagt“?

2 Gedanken zu „Prozess- und Vernehmungsakten waren in der NSU-Wohnung“

  1. Die Firma, die die Hausverwaltung für die Zwickauer Frühlingsstraße 26 innehatte, die also auch für die Vermietung zuständig war und die Reparaturaufträge für das betreffende Objekt vergeben hat, ist offenbar die Firma „L.S.E. Immobilien“ aus Aue. Das kann man auf diesem Foto gut erkennen (siehe das Werbebanner zwischen den Fenstern):

    http://www.blaulichtfahrzeuge.net/v2/displayimage.php?album=9516&pid=12850#top_display_media

    Um nun an die beiden ominösen Handwerker zu gelangen, die am 04.11.2011 im besagten Objekt am werkeln waren, wäre es im Sinne eines investigativen Journalismus angebracht, die betreffende Firma L.S.E. zu kontaktieren, um Auskunft über die Fremdfirma zu erbitten, die am 04.11.2011 Reparaturarbeiten in der Frühlingstraße 26 in Zwickau erbracht hat.

    http://home.immobilienscout24.de/5329626/content/417945

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.