Wer erstellte und verteilte wirklich den NSU Bekennerfilm?

In der Anklage der Bundesanwaltschaft gegen Beate Zschäpe hat der NSU Bekennerfilm einen großen Stellenwert. Jedoch ist noch immer unklar, wer den Film überhaupt herstellte und verteilte. Trotz gegenteiliger Faktenlage behauptet auch die Politik, dass Beate Zschäpe den Film ab dem 04.11.11 verschickte, ohne DNA zu hinterlassen. Es gelingt ihr sogar Filme am 10.11.11 in Nürnberger Briefkästen zu schmeißen, obwohl sie am 08.11.11 bereits inhaftiert ist. Wer soll das noch glauben?

Hier ist der Film zu sehen:

Der eigentliche Film dauert von 0:05 bis 13:45. Davor kommt eine Eingangsfolie, danach ein Abspann bis 14:53 und schließlich eine Schlussfolie mit Fotos u. a. vom Heilbronner Polizistenüberfall, mit einer nicht identifizierbaren Schusswaffe. 

Im ganzen Film sind weder Böhnhardt noch Mundlos noch Zschäpe zu sehen oder zu hören. Es wird im Film weder die Ceska-Mordwaffe mit Schalldämpfer präsentiert, noch die erbeuteten Dienstwaffen der Heilbronner Polzisten Kiesewetter / Arnold.

Der Film besteht aus zusammen-geschnittenen Tatort-Fotos, davon wurden drei von den Tätern gemacht, Medien-Berichten und Paulchen Panther Trickfilmen. „Paulchen Panther“ kommentiert hämisch die schrecklichen Bilder (siehe Auswertung der Antifa) und macht sich über die Verbrechen lustig. Am Ende des Filmes entdeckt „Paulchen Panther“ eine Bombe, die explodiert, mit der Vertonung:

„Aber als die Bombe er erblickt, dann ist er weniger entzückt. Sie explodiert, jawohl, es kracht, und hat den Frühling mitgebracht.“

Beate Zschäpe lebte in der Frühlingsstraße, die tatsächlich am 04.11. von ihr angezündet wurde!

Der Film würde beweisen, dass die „Ceska-Mordserie“, die Bombenanschläge einen rechts-extremistischen Hintergrund hätten und maßgeblich von der Terrorzelle, dem Trio Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe, verübt wurde.

Beate Zschäpe als Absenderin?

Ab dem 04.11.11 befindet sich Beate Zschäpe auf einer wilden Bahnreise von Stadt zu Stadt. Dabei hätte sie vom 04.11-08.11 an 15 verschiedene Adressen Umschläge mit Bekenner-Filmen verschickt – eine terroristische Selbstbezichtigung!

Der Bayerische Untersuchungsausschuss schreibt auf Seite 131 über ein Verzeichnis:

„15 DVDs wurden von Beate Zschäpe an folgende Adressaten verschickt (818)

•„PDS Geschäftsstelle“ in Halle.

•Türkisches Generalkonsulat in München.

•„TeleVision Zwickau GmbH“ in Reinsdorf

• Redaktion der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ in Berlin.

• „Axel Springer Verlag“ in Halle.

• „ Ali-Pasa-Moschee Wandsbek Türkisch-Islamischer Kulturvereinve. V.“ in Hamburg.

• Redaktion der Zeitung „Nürnberger Nachrichten“ in Nürnberg.

• Ehemaliger Kreisverband der Partei „PDS“ in Riesa-Großenhain.

• Gruppe „Kommunistische Arbeiterzeitung“ (KAZ) in Nürnberg.

• „Deutsch-Türkischer Kulturverein“ in Köln/Mühlheim.

• Internetversandhandel „Patria-Versand“ in Kirchberg.

• „Islamische Union Verein für Einrichtung und Unterstützung der Selimiye-Moschee“ in Völklingen.

• Fernsehsender „Phoenix“ in Bonn.

• „Lippische Landes-Zeitung“ in Detmold.

• „Verein Türkisch Islamischer Kultur“ in München.“

Der erste Empfänger war anscheinend die „PDS in Halle“, heute „die Linke“.

“Sche. berichtet, am 7. November 2011 sei die DVD zum ersten mal öffentlich geworden. Die DVD sei an die PDS in Halle geschickt worden. Insgesamt 15 dieser DVDs seien versendet worden. (…) Auf Frage von Götzl sagt, ob ermittelt worden sei, wo die DVD an die PDS Halle aufgegeben worden sei. Da sei im Paketzentrum Leipzig-Schkeuditz gewesen, eingegangen sei sie am 7. November 2011. Götzl hält vor, sie sei am 6. November abgestempelt. (nsu-watch)

Am 8. November um 13:00 Uhr geht Frau Zschäpe zur Polizei, „wegen einer Brandstiftung“ und wird festgenommen.

„Am 8. November, kurz nach 13 Uhr, stellt sich die Jenaerin. Ihren Aufenthaltsort in der Zwischenzeit hat sie bislang nicht verraten.“ (TA)

Erst wesentlich später, nachdem sie inhaftiert war, berichteten Medien über den Bekennerfilm!

Wahrscheinlich ging der NSU-Bekennerfilm der „Linken“ zu „apabiz“, dem antifaschistischen Pressearchiv. Bisher ist nur bekannt, dass dem Archiv von irgend-woher „das brisante Material zugespielt“ wurde. Von dort aus wurde es Journalisten zum Kauf angeboten. Das Magazin „der Spiegel“  schlägt zu und hätte bis Dienstag, 15.11.11 exklusiv davon berichten dürfen.

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Am 12. November berichtete „der Spiegel“ vom Bekennerfilm:

 „Auch dieses obskure Bekennervideo, was dem Spiegel und Spiegel TV exklusiv vorliegt, offenbart unvorstellbares.“ (Spiegel TV, 13.11.2011).

„In dem Video, das Spiegel TV erstmals exklusiv zeigt, rühmen sich die Terroristen ihrer Taten und verhöhnen ihre meist türkischen Opfer.“ (Spiegel TV, 13.11.2011).

Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell, kommentierte kritisch den Ankauf des „Spiegels“:

„Es gibt einen ganz natürlichen Wettbewerb unter Journalisten, Informationen früher als andere zu bekommen und natürlich auch, wenn ich der Erste bin, eine Weile lang von dieser Exklusivität zu leben.

Aber nochmal: Als Staatsbürger finde ich es nicht in Ordnung, wenn es Dinge gibt, die wirklich für die gesamte Gesellschaft von Interesse sind, dass die eine Zeitlang einfach monopolisiert sind.“(mdr)

Zu weiteren Geschäften kommt „apabiz“ anscheinend nicht mehr:

Das „Monopol“ des Spiegels wird „erst gebrochen“, „als weitere Kopien auftauchen. Mehreren Redaktionen wird das Video nun auch von anderer Stelle angeboten.“ (ndr)

Im NSU-Verfahren fragten Anwälte nach, wie „apabiz“ an den Bekennerfilm gekommen sei. Der Ermittler „beantwortete“ frech die Frage, dass deren Adresse nicht „im Verzeichnis“ der 15 Empfänger stehen würde. Von ihm seien keine Ermittlungen getätigt worden.   (nsu-watch)

Die “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” (VVN-BdA) äußerte starke Zweifel an dieser Darstellung! Wenn Frau Zschäpe die Bekennerfilme bis zum 08.11 an die 15 Empfänger verschickte, warum berichteten sie nicht früher als „der Spiegel“?

“Selbst wenn sie mit dem Abschicken bis zum 8. November gewartet haben sollte, müssten die Sendungen am 9. oder 10. November den einen oder anderen Adressaten erreicht haben.

Warum ist das nicht sofort öffentlich geworden? Und warum musste der Spiegel sie erst käuflich erwerben, um darüber am 12. November exklusiv berichten zu können?” (friedensblick)

Obwohl die „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) einen Filme erhalten hätte, berichtete sie nicht vor dem „Spiegel“. Am 15.11.11. ist zu lesen, dass ein „neuer Film der rechtsextremen Terrorgruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” aufgetaucht sei. Er wäre nur etwa 90 Sekunden lang und ähnle „einem Internet-Teaser, mit dessen Hilfe in einer Kurzfassung Zuschauer für die längeren Version des Filmes eingefangen werden sollen.“ Diese …

„… nun aufgetauchte DVD wurde am 6. November 2011 im Briefzentrum Leipzig abgefertigt.“ (WAZ)

Am 21.11.11 stellte sich der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) Jörg Ziercke den Fragen der Abgeordneten. Er gab Auskunft, dass bis dato sie erst „acht solcher CDs, die in den Versand gekommen sind, detektieren“ konnten.

Die unbekannte vierte Person

Laut dieses „Verzeichnisses“ wären zwei dieser Filme nach Nürnberg geschickt worden. Nach Aussagen der Nürnberger Zeitung, schmissen Unbekannte am 11.11 einen Film in ihr Postfach (Friedensblick).

“Die DVD wurde am 11. November bei uns abgegeben, also tatsächlich erst nach dem Auffliegen des NSU. Dass wir erst nach dem Spiegel darüber berichteten, hatte technische Gründe: Die DVD ließ sich erst mit einigen Tricks unserer IT-Spezialisten öffnen, die an diesem Tag nicht mehr greifbar waren.” (Quelle)

Ein zweiter Film fand sich im Briefkasten der Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ).

Der KAZ wurde dabei ein unfrankierter Umschlag mit dem Video in den Briefkasten geworfen.” (FR)

Die Sachverständige Andrea Röpke erklärte den bayerischen Volksvertretern den Sachverhalt in einer Anhörung. Ihre Ausführungen schafften es sogar in den Abschlussbericht!

“Die Sachverständige stelle sich folgende Frage: Wie kann es sein, dass tatsächlich zwei unfrankierte DVDs mit dem „Paulchen Panther“-Logo in Nürnberg direkt in die Briefkästen eingeworfen wurden? Wer habe diese Bekenner-DVDs eingeworfen, wenn nicht Frau Zschäpe? Also, müsse es irgendwo irgendjemanden gegeben haben, der in der Lage gewesen sei, diese DVDs einzuwerfen.” (S. 35, Abschlussbericht, Bayerischer Landtag, NSU-Ausschuss)

Eigentlich logisch: Da Beate Zschäpe ab dem 08.11 in Haft war, muss am 10.11. die Filme in Nürnberg jemand anders abgegeben haben. Das spricht jedoch gegen die staatlich propagierte „Kleinstzelle“. Daher behaupten die bayerischen Abgeordneten parteiübergreifend einfach das Gegenteil: In ihrem Bericht steht, dass die Nürnberger Filme per Post verschickt wurden! (S. 131)

Nachdem ich die damalige grüne Abgeordnete Susanna Tausendfreund auf diese Diskrepanz hinwies,  verteidigte sie die falsche Darstellung. Der Generalbundesanwalt hätte sie abgesegnet, deshalb müsse quasi diese Darstellung die richtige sein:

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Alles nur gelogen?

Doch welche Beweise existieren grundsätzlich, dass Frau Zschäpe die Bekenner-DVDs zur Post brachte? Am 24.01.12 steht in der „taz“, dass auf den Umschlägen keine DNA gefunden worden wäre (taz), Mitte 2012 wird hinzugefügt, nicht einmal einen Fingerabdruck entdeckt! (fr-online). Am 24.04.13 wird von „Fingerabdrücke“ bei einem einzigen Umschlag berichtet (nsu-watch).

Frau Zschäpe hatte keine Tasche dabei, als sie am 04.11. von ihrer explodierenden Zwickauer Wohnung floh. Wo hätte sie die Filme verstecken sollen?

„Auch gibt es übereinstimmende Zeugenaussagen, wonach Zschäpe bei ihrer Flucht aus dem brennenden Haus in Zwickau nur eine mittelgroße Handtasche dabei hatte. In diese aber dürften die angeblich von ihr verschickten 15 Umschläge kaum hineingepasst haben.“ (nsu-watch)

 2. Der NSU-Bekennerfilm – wessen Werk?

Der Lichtstadt-Blog hat Einsicht in die Ermittlungsakten der Bundesanwaltschaft und berichtet:  Ermittler hätten in der ausgebrannten Wohnung ein „auf Papier verewigtes Drehbuch“ des Bekennerfilmes gefunden. Die Handschrift hätte man Mundlos zugeordnet können.

Problem: Diese Darstellung entspricht nicht der Wahrheit:

Während des NSU-Verfahrens sagte ein Ermittler, dass ein Schriften-Vergleich nur „leicht überwiegende Wahrscheinlichkeiten“ ergab.

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Dazu scheinbar im Gegensatz steht im BKA-Gutachten KT51-758/11 vom 06.12.2011, dass der Schrifturheber des Drehbuches die Personennummer 37936-T wäre und:

Mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ ist allerdings auszuschließen, dass Uwe Mundlos Urheber der entsprechenden Notizen ist.“

Person 37936-T hinterließ außerdem seine Schrift auf diversen Stadtplänen mit handschriftlichen Ergänzungen und auf einem Lebenslauf „Fiedler“, Zahnarzt-Bonusheft sowie diversen Einzelzetteln. 

Weiter phantasiert der „Lichtstadt-Blog“, dass Mundlos „die treibende Kraft“ gewesen wäre. Er hätte „sich viel selbst beigebracht über Videoerstellung und elektronischen Schnitt“. Professionelle Unterstützung hätte Mundlos von André E. erfahren (lichtstadt).

Auch laut der „Süddeutschen“ wären sich die Ermittler sicher, dass Andre E. am Bekennerfilm beteiligt gewesen wäre. Er wurde tatsächlich Ende November 2011 festgenommen.

Er hätte die Videoproduktionsfirma „Aemedig“ betrieben, die auf die Aufbereitung von Filmen und Videos spezialisiert war. Außerdem: “In den Trümmern des ausgebrannten Hauses fanden die Fahnder Flyer dieser Firma.” (SZ)

Die Festplatte des Trios war identisch mit zwei seiner mobilen Festplatten. Dort fand man „das NSU-Bekennervideo und zwei frühere Fassungen dazu.“

„Bei ihm soll die Polizei bei einer Durchsuchung zudem zwei mobile Festplatten sichergestellt haben, die identisch mit der ausgewerteten Platte aus dem Brandschutz gewesen seien, so die BKA-Beamtin. (der Westen)

Die Auswerter im Bundeskriminalamt kamen zum Schluss:

„Auffällig sind in erster Linie die Dateien die im nahezu identischen Verzeichnis auch auf der Festplatte EDV 11 (sichergestellt in der Frühlingsstraße 26 in Zwickau) gesichtet wurden. (…) Der Dateipfad ist ab dem Unterordner „bilder“ auf allen drei Festplatten identisch in Form und Inhalt. (…)

Diese Tatsache erhärtet die bereits im Auswertebericht zu EDV 11 geäußerte Vermutung, dass E. Eigentümber bzw. Ersteller der Dateien ist. Auf welchem PC diese erstellt worden und in welcher Richtung diese ausgetauscht worden sind, kann hier nicht konstatiert werden.“ (Quelle)

Auf E. Computer fanden Ermittler keine Beweise, dass er tatsächlich den Bekennerfilm erstellte. Daher hob im Juni 2012 der Bundesgerichtshof den Haftbefehl gegen Andre E. auf. Es bestünde kein dringender Tatverdacht, dass er den Bekennerfilm ausgearbeitet hätte.

Für den NSU-Film hätte E. unbedingt den Zeichensatz “COSMIC2N.ttf” gebraucht. Der fand sich auf keinem Computer, keiner Festplatte, keinem sonstigen Datenträger von Andre E.!

Der Bundesgerichtshof weist darauf hin, dass das Trio nicht in der Lage war, den Film auszuarbeiten. Wenn dann hätte der Beschuldigte Andre E. die Programmierung gekonnt:

„Im Umfeld des “Nationalsozialistischen Untergrunds” verfüge – aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit – allein der Beschuldigte über die erforderlichen Fähigkeiten. Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe seien selbst nicht in der Lage gewesen, die Videosequenz herzustellen.“ (Bundesgerichtshof)

Im Jahr 2007 wäre der Film fertig gewesen (ND). Es gab offenbar noch weitere Arbeiten im November 2007: Erst zu diesem späten Zeitpunkt wurde die Eingangs- und Schlussfolie dem Film angefügt!

Der Film wurde also auf einem bis heute unbekannten Rechner erstellt und vertont! Die Dateien wurden dann auf die Zwickauer Festplatten (des Trios und Andre E.) abgespeichert – wann genau kopiert wurde, ist unklar.

Harald Dern vom Bundeskriminalamt analysierte den Film und nannte dem baden-württembergischen Ausschuss als den Zeitpunkt der letzten Bearbeitung zunächst November 2011, später verbesserte er sich auf November 2007:

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Diese Darstellung muss nicht richtig sein, denn es ist möglich die Datumsangabe im Computer zu verändern.

„Danach fragt RA Heer, wie zuverlässig der Erstellzeitpunkt sei. Bo, sagt , der Erstellzeitpunkt sei nur insofern zuverlässig, als dieser Zeitpunkt bei dem Computer zu dem Zeitpunkt eingestellt gewesen sei.“

Dern fand jedoch dafür keine Anhaltspunkte:

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Der Bundesgerichtshof schrieb, dass erst Anfang November 2011 Vorbereitungen zur Versendung getroffen wurden:

Anfang November 2011 trafen sie Vorbereitungen zu deren Versendung insbesondere an Zeitungsredaktionen und an religiöse und kulturelle Vereinigungen türkischstämmiger Personen in Deutschland.“ (BGH)

Die aufgemalten Blumen am Schaufenster eines Ceska-Mordopfers passen nicht zum originalen Zustand der  türkischen Schneiderei (Friedensblick), in der Herr Özüdogru 2001 erschossen wurde. Höchstwahrscheinlich wurden die Blumen von dem Betreiber des Blumenladens angebracht, „der nach Özüdogrus Tod einzog.“ (ruhrnachrichten). Noch später, 2011, zog dorthin ein „asiatischer Laden mit Kunsthandwerk“. Sind im Film neben den Blumen „auch noch asiatisch aussehende Objekte im Schaufenster“ zu sehen? (Bolko) Ausschnitt:

 Foto: David Ebener, DPA

Spekulation

Laut offizieller Darstellung wäre die Mordwaffe „Ceska“ in Zwickauer Wohnung  am 09.11. oder 10.11. gefunden worden.

Vor dem NSU-Ausschuss des Bundestages sagte der Zielfahnder Wunderlich dagegen aus, dass die Ceska “entweder am Sonnabend [06.11] oder am Montag [7.11.] früh spruchreif geworden” wäre! Leider bleibt bei seiner Aussage unklar, ob auch Bekennerfilme so früh gefunden wurden. (friedensblick)

Für ein frühes Auffinden der Ceska spräche jedoch, dass sie im NSU-Gerichtsverfahren als „W4“, Waffe 4, bezeichnet wurde. Wenn sie als letzte Waffe des Arsenals gefunden worden wäre, am 09.11. oder 10.11., dann hätte sie W11 oder W12 heißen müssen.

Daher ist eine legitime Überlegung, ob die NSU-Bekennerfilme am 04.11. noch nicht fertig waren und von Unbekannten erst nachträglich im Wohnmobil und in Zwickau gepflanzt und verteilt wurden. In diesem Zusammenhang ist auf einen unbeschädigten Rucksack verwiesen, der im Wohnwagen gefunden wurde. Erst nach Wochen wurden dort auf einmal Bekennerfilme gefunden.

Die entscheidende Frage ist, wer die ersten NSU Bekennerfilme an das PDS Büro in Halle und an „apabiz“ verschickte.

9 Gedanken zu „Wer erstellte und verteilte wirklich den NSU Bekennerfilm?“

  1. Wer erstellte wirklich den NSU Bekennerfilm : Das kann nur jemand gemacht haben der die selbstgemachten Tatortfotos von den ersten drei Mordopfern hatte, und eine beim Polizistenmord erbeutete Pistole. Also aller Wahrscheinlichkeit nach der/die Mörder oder eine denen nahestehende Person. Mal angenommen das hätte jemand gemacht der nichts mit dem Trio zu tun hatte, dann sollte dieser Täter dennoch die selbe Einstellung haben, denn die Wahl der Opfer war ja dementsprechend. Die ersten drei Opfer wurden fotografiert, dann gibt es noch einen vierten Mord, dann zweianhalb Jahre Pause. Dann werden bis 2007 fünf weitere Morde an Migranten verübt, zwei Sprengstoffanschläge und ein Polizistenmord. Auf die Täter gibt es keine Hinweise, und die Bekennervideos tauchen erst vier Jahre später auf. Also etwa zehn Jahre nach den Morden, bei denen die Täter Fotos gemacht haben. Das spricht alles in allem nicht dafür das die Morde begangen wurden um sie jemandem unterzuschieben. Das hätte derjenige wohl nach den ersten Morden gemacht, dazu gab es ’01 schon ein Video, welches zudem szenetypisch ist( es gibt ja drei Versionen, erster Mord, erste vier Morde und Rohrbombe, und die gesamten bekannten Fälle).
    Der mobile Tatort Wohnmobil könnte hergerichtet und dann geparkt worden sein, die ausgebrannte Wohnung in Zwickau würde sich dafür weitaus schlechter eignen. Zschäpe war bis unmittelbar vor Ausbruch des Brandes dort, und es gibt zu viel Waffen und Munition als das alles dort hätte plaziert werden können. Darunter immerhin drei Mordwaffen, Datenträger und Zeitungsausschnitte, das müsste ja alles einigermassen glaubhaft im Brandschutt plaziert werden, in einer durch die Explosion von aussen einsehbaren Wohnung. Die Bedingungen dürften nicht allzu günstig gewesen sein.
    Das das Video auf einer Festplatte bei André E. gefunden wurde wage ich mal zu bezweifeln, der soll 20 Tage Zeit gehabt haben Dateien zu löschen, dem fielen dann auch derer 3000 anheim[1].
    Das der Film, wie im Artikel hier behauptet, noch 2011 bearbeitet worden sein muss ist nicht logisch, wenn die Blumen vom neuen Besitzer angebracht wurden heisst das lediglich das die Aufnahme irgendwann nach der Ermordung Özüdogrus gemacht worden sein muss, also zwischen 2001 und 2007.

    Wer verteilte den NSU Bekennerfilm wirklich : Sechs DVD’s kann Zschäpe in Halle oder Leipzig eingeworfen haben(56 Verhandlungstag), das passt zu ihrer Bahntour(66. Verhandlungstag). Den in Nürnberg offensichtlich nicht, bei den anderen ist mir das nicht bekannt. Ein paar Fragen die mir einfallen : von wo aus wurden die anderen DVD’s verschickt, war der Fingerabdruck von Zschäpe an einem Umschlag der in Halle eingeworfen wurde, wie lange hat sich Zschäpe vor Beginn ihrer Tour in Chemnitz aufgehalten, was hat sie in Hannover oder Braunschweig gemacht ?
    Zwar wurde nur ein Fingerabdruck von Zschäpe auf einem der Umschläge gefunden(Papier soll ein schlechter Träger sein), aber von anderen Fingerabdrücken wurde nichts berichtet. Wenn das also dagegen sprechen soll das Zschäpe DVD’s verschickt hat, dann müsste es ja erst recht dagegen sprechen das jemand anderes sie verschickt hat…das Argument bringt einen daher nicht weiter.
    Allerdings macht es wenig Sinn sechs DVD’s an einer Stelle einzuwerfen, und dann bis zu acht, bei denen es zudem fragwürdig ist ob genug Platz in der Tasche dafür war, auf einer Rundreise quer durch Deutschland. Acht der fünfzehn gingen an erklärte Feinde der Neonazis, eine an einen rechten Versand. Sechs an die Medien, zwei davon ans Fernsehen, die anderen vier an Verlage. Zwei davon an Regionalblätter. In Nürnberg wurde die DVD direkt eingeworfen, in der Stadt wurden am meisten Morde verübt, daher gibt es einen Bezug. Aus der Reihe fällt dann die „Lippische Landes-Zeitung“ in Detmold. In der Stadt soll es keine NSU-Anschlagsziele geben, aber dafür in den nahen Nachbarstädten, Bielefeld und Paderborn. Überhaupt gibt es in der Gegend in so ziemlich allen Städten ab 150.000 Einwohner in ca 100km Radius Anschlagsziele, die Konzentration ist, abgesehen von Hamburg und München, einmalig[2]. In Detmold wohnt Meinolf Sch., der die Gruppe „Die Neue Ordnung“ gegründet hat. Als der Anfang der 90er noch Anführer der „Nationalistischen Front“ war soll bei ihm Thomas R.(Corelli) gewohnt haben[3]. In der Nähe gab es den „KKK Herford“, der hatte wohl Kontakt zu dem Klan von Carsten Szczepanski(Piato), einem Kader der NF. Ausserdem wohnt Gerd U. in Detmold[4], ein Bekannter von Peter Naumann, der ’95 ein Waffenlager der Polizei übergab(…Lembke). Da bekannt ist das es sich beim NSU um eine abgeschottete Dreierzelle handelte hat das natürlich nichts zu sagen. Warum also gerade Detmold ?

    [1] http://www.spiegel.de/video/zwickauer-zelle-neues-bekennervideo-aufgetaucht-video-1172497.html ; Min 2:35
    [2] http://www.fr-online.de/neonazi-terror/rechter-terror-nsu-spaehte-terror-ziele-im-ganzen-land-aus,1477338,20073004.html
    [3] “ Blut und Ehre „; S.197
    [4] http://hajofunke.wordpress.com/2013/05/23/hintergrund-bfv-gefahr-eines-bewaffneten-kampfes-deutscher-rechtsextremisten-entwicklungen-von-1997-bis-mitte-2004/

  2. Warum zieht jemand eine Festplattenkopie von den beiden NSU-Rechnern und schleppt das Zeug nach Hause, dass es brav vom BKA gefunden werden kann? Wer sagt, dass das nicht die Images waren, die man auf die beiden Rechner in der Frühlingsstraße aufgezogen hat? Das sind alles Dinge, die die „Ermittler“ nicht klären können, und dazu gibt es auch keine definitiven Aussage.
    RA Heer hat im Prozess nachgefragt, ob es so gelaufen sein könnte, und der Expertendarsteller – ein einfacher Kriminalpolizist – wollte das natürlich nicht ausschließen.
    Die Geheimnistuerei beim apabiz verstehe ich nicht so recht. Man überschlägt sich zwar vor antifaschistischer Empörung, aber allzu tief will man da auch nicht bohren, wie ich aus persönlichem Gespräch weiß.
    Alle, die ein Interesse an der Aufklärung haben, sollten sich verständigen und die Karten auf den Tisch legen. So toll ist der bürgerliche Rechtsstaat hier auch nicht, dass man sich von den Ermittlern gegen einander ausspielen lassen sollte.

    1. Welche Festplattenkopien, die bei E. ? Da wird nicht strafrechtlich relevantes mehr drauf gewesen sein. Worauf bezieht sich das mit den Images, hast du vielleicht die Experten vom 43.(Bo.) und 50.(Sche.) vermengt ?

        1. “ Auf einen Datentransfer vom Angeschuldigten Eminger auf die Festplatte des Trios lässt eine teilweise Übereinstimmung der Verzeichnisstruktur und Dateiinhalte mit gelöschten Daten auf zwei Festplatten des Angeschuldigten Eminger schliessen. Eine konkrete Einbindung des Angeschuldigten Eminger in den Erstellungsprozess belegen diese Umstände jedoch nicht“(‚Der NSU-Prozess, Band 1‘, Position 2433)

          Am 43. Verhandlungstag wird der Ordner „Bildermix“ erwähnt( daher kommt diese Schwedenspur, die die Ermittler aber wohl nicht interessiert hat ).

          1. Wenn ich mir vorstelle, dass die Festplatten aus der Frühlingsstraße als „Beweismittel“ herhalten sollen, dann muss die Frage beantwortet werden, wie weit diese strukturellen Übereinstimmungen gehen. Wer die Herrschaften IT-Experten beim BKA mal in einem Filmbeitrag gesehen hat, dem stehen die Haare zu Berge. Strengbeweislichen Wert können solche Festplattenstrukturen sowieso nicht haben, es sind einfach vage Indizien.
            Die gesamte Festplattenauswertung in Zwickau muss auf sehr tönernen Füßen stehen. In der OK werden ganze Indizienprozesse nur mit ausgewerteten Festplatten gemacht. Hier sind die Ermittler verdächtig still. Wenn es ernsthaft was gäbe, würden sie darauf herumreiten.
            Die „leicht überwiegende Wahrscheinlichkeit“ beim graphologischen Gutachten ist nicht einmal ein Indiz. Es wundert mich, dass so etwas von der Verteidigung nicht beeinsprucht wird.
            Krüger, du kennst dich sehr gut aus in der Sache. Wenn ch irgendwie behilflich sein kann, damit du dir den Film ansehen kannst, dann lass es mich wissen. Es muss ja nicht alles im Internet verbleiben.

  3. Es könnte laut Tagesspiegel eine Verbindung nach Brandenburg geben.

    „LAND BRANDENBURG, 10. Januar 2000 bis 30. Januar 2001

    Eine ominöse „Nationale Bewegung“ verübt im Land Brandenburg Brandanschläge auf türkische Imbisse und weitere Straftaten. Als am 8. Januar 2001 die Trauerhalle des jüdischen Friedhofs in Potsdam bei einem Brandanschlag beschädigt wird, übernimmt die Bundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts die Ermittlungen. Eine Verbindung zu den Taten des Jenaer Trios könnte sich über ihre zynische DVD ergeben. In dem Film, in dem mehrere Morde gefeiert werden, tauchen Schriftzüge auf, die mit der Schrift in den Bekennerschreiben der Nationalen Bewegung übereinstimmen könnten.“
    http://www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremistischer-terror-ermittler-pruefen-hintergrund-nicht-aufgeklaerter-taten/5860022.html

    Was auch weiter recherchiert gehörte, ist die Aussage des Bundesgerichtshofes, dass die Bekennerfilme bereits vor dem 04.11.11 versandfertig gemacht worden wären.

    Weiß jemand mehr zu den beiden Meldungen?

    1. Zu zwei anderen dort erwähnten Fällen fällt mir was ein :
      “ RUHRGEBIET, 14. Juni 2000 Der Rechtsextremist Michael Berger erschießt in Dortmund und Waltrop drei Polizisten. “
      Der soll mit Sebastian Seemann befreundet gewesen sein, einer VP(Oidoxie-Umfeld), und der wiederum mit Robin S., dem Brieffreund von Zschäpe. Als Robin S. dann den Tunesier in dem dortmunder Supermarkt niederschoss will er ursprünglich einen Raubüberfall geplant haben, um Drogenschulden bei Seemann zu begleichen.

      “ PASSAU, 13. Dezember 2008 Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl wird durch einen Messerstich in den Oberkörper schwer verletzt. “
      Mannichls Kollegen hatten ua den Tatort nicht abgesucht, das sieht nach Sabotage der Ermittlungen aus. Mannichl hatte sich auf der Beerdigung von Friedhelm Busse unbeliebt gemacht. Busse hatte Norman Bordin als seinen Nachfolger empfohlen, die Entscheidung wurde in einem Rundbrief bekannt gegeben, der wird auf den 27. Februar ’04 datiert. Der NSU setzte die Ceska-Mordserie am 25. fort. Bordin wird dann im Zusammenhang mit den Kartenauswertungen der ‚Skinheads Meran‘ vom italienischen Geheimdienst erwähnt. Die Auswertung soll an die des NSU erinnern.

      Das mit den vorher versandfertigen DVD’s könnte darauf zurückgehen das eine an die PDS adressiert war, die benannte sich ja in ‚die Linke‘ um( Könnte aber auch ein Statement sein ).

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