NSU-Bekennerfilm wurde nicht von Zschäpe abgegeben!

Immer wieder wird seitens der Bundesanwaltschaft gebetsmühlenartig wiederholt, dass der NSU …

„… eine kleine, persönliche, abgeschottete Gemeinschaft, mit einem kleinen Kreis von Unterstützern. Es gebe keine Anhaltspunkte für Beteiligung ortskundiger Dritter oder anderer Gruppen, und auch keine Hinweise auf Verstrickung staatlicher Stellen in die Straftaten. Greger sagte, die Ermittler gingen davon aus, dass der NSU von drei Personen gegründet worden sei und diese Konstellation auch bis zu seiner Auflösung so erhalten geblieben sei.“(focus)

Der NSU-Abschlussbericht des Bayerischen Landtages stimmt ein und bestätigt, dass „15 DVDs (…) von Beate Zschäpe an folgende Adressaten verschickt“ (S. 131) wurden. Dann kommt die Adresse der Nürnberger Nachrichten.

Dass diese Aussagen falsch sind, zeigt folgende Information:

Laut der Nürnberger Nachrichten wurde der NSU-Bekennerfilm bei Ihnen erst am 11. November abgegeben! „Eine unbekannte Person steckt einen Umschlag in das Postfach der Nürnberger Nachrichten.“ (BR)

Bekanntlich stellte sich Frau Zschäpe aber am 08. November der Polizei und war in Haft. Sie konnte also gar nicht in Nürnberg gewesen sein, um den Umschlag eingeworfen zu haben.

„Die DVD wurde am 11. November bei uns abgegeben, also tatsächlich erst nach dem Auffliegen des NSU. Dass wir erst nach dem Spiegel darüber berichteten, hatte technische Gründe: Die DVD ließ sich erst mit einigen Tricks unserer IT-Spezialisten öffnen, die an diesem Tag nicht mehr greifbar waren.“ (Quelle)

Es ist ein Schande für Deutschland. Bisher konnte nicht ermittelt werden, wer den rechtsextremen NSU-Bekennerfilm an die Nürnberger Nachrichten zustellte. Bis heute ist auch der Öffentlichkeit unbekannt, wer den menschenverachtenden Film überhaupt erstellte. Beschämend.

2 Gedanken zu „NSU-Bekennerfilm wurde nicht von Zschäpe abgegeben!“

  1. Die Version der Bundesanwaltschaft / BKA wird auch vor Gericht durchgezogen (siehe BKA-Zeuge „Sche.“) und auch nicht seitens des Gerichts hinterfragt. Nicht einmal die Anwälte der Angeklagten scheinen über obigen Sachverhalt informiert zu sein:

    „Sche. berichtet, am 7. November 2011 sei die DVD zum ersten mal öffentlich geworden. Die DVD sei an die PDS in Halle geschickt worden. Insgesamt 15 dieser DVDs seien versendet worden. (…) Eingegangen sei das Video unter anderem beim Sender Phoenix, beim Türkischen Generalkonsulat, bei türkischen Kulturvereinen und den Nürnberger Nachrichten. Götzl hält weitere Adressaten vor, die Television Zwickau GmbH, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Springer, ein Deutsch-Türkischer Kulturverein. (…) Götzl hält Adressaten der adressierten Umschläge vor und nennt N24, die Botschaft der Türkei in Berlin, die ARD.ZDF Medienakademie. Sche. sagt, seiner Erinnerung nach sei auch ein kommunistischer Verein dabei gewesen. Frankiert seien die Umschläge alle mit der Sonderbriefmarke zu 1.100 Jahren Limburg an der Lahn, die erstmalig am 2. Januar 2010 in Umlauf gekommen sei. (…)RA Klemke, Verteidiger von Wohlleben, fragt, ob Sche. den Briefumschlag an die PDS Halle selbst gesehen habe. Sche. sagt, das könne er nicht mehr sagen. (…) Auf Frage von Götzl sagt, ob ermittelt worden sei, wo die DVD an die PDS Halle aufgegeben worden sei. Da sei im Paketzentrum Leipzig-Schkeuditz gewesen, eingegangen sei sie am 7. November 2011. Götzl hält vor, sie sei am 6. November abgestempelt. (…) RA Narin will wissen, ob Sche. bekannt sei, ob unter den Empfängern auch Personen aus dem rechtsextremen Spektrum seien. Soweit er wissen, seien keine darunter, so Sche. Narin hält vor, in den Akten stehe der “Patria-Versand” in 84434 Kirchberg am 23. November 2011″; der Umschlag sei entsorgt worden und in der Fußnote weiter vorne stehe, es handle sich um eine Einrichtung aus dem rechten Spektrum. (…) Danach fragt RAin Schneiders Sche., ob er Ermittlungen gemacht habe, inwieweit “das so genannte Apabiz” an die Bekenner-DVD gekommen sei. Sche. fragt: “Stehen die im Verzeichnis?” Schneiders sagt, sie habe nichts gefunden. Sche. “Dann nicht” Von ihm seien keine Ermittlungen getätigt worden, ob da was angekommen sei. RA Stahl fragt in Bezug auf das Schreiben an die PDS Halle, was Sche. mit ‘aufgegeben’ meine. Sche. sagt, das sei der erste Zeitpunkt, wo das Schreiben nachweisbar festgestellt werden konnte.“ (nsu-watch) http://www.nsu-watch.info/2013/10/protokoll-50-verhandlungstag-24-oktober-2013/

  2. Die Sachverständige Andrea Röpke klärte die Abgeordneten des Bayerischen Landtages über den Sachverhalt in einer Anhörung auf, das kam sogar in den Abschlussbericht! Offenbar bekam auch die „Kommunistische Arbeiterzeitung“ (KAZ) eine -unfrankierte- DVD, direkt in den Briefkasten geschmissen. Das hinderte jedoch die Abgeordneten nicht, das Gegenteil im Abschlussbericht zu behaupten, die DVD wurde „verschickt“ (S. 131):

    „Die Sachverständige stelle sich folgende Frage: Wie kann es sein, dass tatsächlich zwei unfrankierte DVDs mit dem „Paulchen Panther“-Logo in Nürnberg direkt in die Briefkästen eingeworfen wurden? Wer habe diese Bekenner-DVDs eingeworfen, wenn nicht Frau Zschäpe? Also, müsse es irgendwo irgendjemanden gegeben haben, der in der Lage gewesen sei, diese DVDs einzuwerfen.“ (S. 35, Abschlussbericht, Bayerischer Landtag, NSU-Ausschuss)

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