NSU-Bekennervideo: Drehbuch-Autoren mit „geringer Wahrscheinlichkeit“ Böhnhardt, Mundlos

Am 16. März 2016 berichtete ZEIT-Journalist Tom Sundermann vom 270. Verhandlungstag des NSU-Prozesses. Es sagten zwei BKA-Polizeibeamte zum NSU-Bekennervideo aus. Sie betonten, dass bis heute unklar sei, „auf welchem Computer die Dateien hergestellt wurden.“ Dann bringt Sundermann einen Satz, der anscheinend konträr zu den Ermittlungsakten steht. Es wäre lediglich „einigermaßen gesichert“, dass Böhnhardt/Mundlos das Drehbuch zum NSU-Bekennervideo skizziert hätten.

Einigermaßen gesichert ist lediglich die schöpferische Tätigkeit von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt: Sie verfassten einem Schriftgutachten zufolge eine Art Drehbuch auf 49 Seiten, in dem die Handlung des Bekennerfilms skizziert wird.“

Dazu im Gegensatz schreibt NSU-watch in ihrem Prozess-Protokoll, dass das Schriftgutachten dafür nur eine leicht überwiegende Wahrscheinlichkeit ergeben hätte!

„Ein Gutachten habe ergeben, dass es zwei Ersteller gegeben habe, einer sei mit leicht überwiegender Wahrscheinlichkeit Böhnhardt und der andere mit leicht überwiegender Wahrscheinlichkeit Mundlos.“

Laut des Behördengutachten KT51-758/11 vom 06.12.2011 erhielt ein Schrifturheber des Drehbuches die Personennummer 37936-T:

„Auf Basis der bis dato vorliegenden Vergleichsmaterials ist bisher keine Identifizierung dieses Schrifturhebers (…) möglich gewesen. Mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ ist allerdings auszuschließen, dass Uwe Mundlos Urheber der entsprechenden Notizen ist.“

Person 37936-T hinterließ außerdem seine Schrift auf diversen Stadtplänen mit handschriftlichen Ergänzungen und auf einem Lebenslauf, Zahnarzt-Bonusheft sowie diversen Einzelzetteln.

Könnte es sich um Uwe Böhnhardt handeln? Die Polizei fand einen Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses, der auf den Namen eines Herrn Fiedler lief, mit Foto von Uwe Böhnhardt darin!

„Die Art und Weise der Beantragung lässt darauf schließen, dass der Uwe Böhnhardt den in Frage stehenden Reisepass, unter Vorlage der o.g. Originaldokumente des Gunter Frank Fiedler, persönlich beim EMA Chemnitz beantragt haben minüsste.
Laut Auskunft EMA Chemnitz ist es ausgeschlossen, dass Anträge ohne Gegenwart eines Mitarbeiters unterschrieben werden.
Der aufgefunden Antrag mit dem Passfoto des Böhnhardt wurde spurenschonend im Original sichergestellt (Anlage 3).“ (nsu-leaks)

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit besteht Urheberidentität
zwischen den folgenden Schreibleistungen:
*
Komplex 2 des hier vorliegenden Gutachtens
*
,Lebenslauf Fiedler“ (Ass.Nr. 2.12.364, vgl. Gutachten
KT 51/758/11)
*
Komplex 2 ,Drehbuch Paulchen“ (Ass. Nr. 2.12.2
bis 2.12.34, vgl. Gutachten KT 51/759/11)
*
Komplex 1 ,Stadtpläne“ (Ass. Nr. 2.12.200, Ass.Nr. 2.12.201
(teilw.), Ass. Nr. 2.12.210, Ass. Nr. 2.12.211, Ass. Nr. 2.12.212
(teilw.), Ass. Nr. 2.12.213 – Ass. Nr. 2.12.217, Ass. Nr. 2.12.219
(teilw.), Ass. Nr. 2.12.223, Ass. Nr. 2.12.224, Ass. Nr. 2.12.225
(teilw.), Ass. Nr. 2.12.226 – Ass. Nr. 2.12.228, Ass. Nr. 2.12.234,
Ass. Nr. 2.12.235 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.236 – Ass., Nr. 2.12.238,
Ass. Nr. 2.12.239 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.240 – Ass. Nr. 2.12.246,
Ass. Nr. 2.12.247, Ass. Nr. 2.12.248 – Ass. Nr. 2.12.251, Ass. Nr. 2.12.252 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.280 (R) (teilw.), Ass. Nr. 2.12.282,
vgl. Gutachten KT 51/763/11)
https://fdik.org/nsuleaks/Uralt-Listen%20Ausz%C3%2583%C2%BCge.pdf

Der andere Autor war die Personen-Nr. 37945-C. Dessen Schrift ist mit hoher Wahrscheinlichkeit identisch der von Uwe Mundlos.

„Zwischen dem übersandten fraglichen Schriftmaterial X3 und X6 und dem unter der Personen-Nr.: 37945-C asservierten fraglichen Schriften, die bereits dem Vergleichsschreiber Uwe Mundlos zugeordnet wurden, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit Urheberidentität.
Die fraglichen Unterschriften können ebenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit dem unter o.g. Nummer einliegenden Schriftmaterial zugeordnet werden.
Auf die Personen-Nr.: 37945-C beziehen sich u.a. folgende Vorgänge, bzw. Schriftstücke:

Lebensläufe ,Burkhardt“ auf Geburtsurkunden und
Unterschrift ,Max Burkhardt“ in Reisepasskopie
Komplex 1 ,Drehbuch Paulchen“
Komplex 1 ,Notizzettel
Formblatt Firma ,AEMEDIG“
Komplex 2 ,Stadtpläne“
Geburtsurkunde/Lebenslauf ,,Burkhardt“
Mietvertrag Wohnmobil
6 Überweisungsträger
1 Blatt DIN A4, Lebenslauf ,,Fiedler“
4 Unterschriften ,M. Burkhardt“
Einzahlungsbeleg Deutsche Bank, Schreiben Deutsche Annington
Fahrradpass, Zahlscheine, Kassenbelege
Adress- und Telefonbuch
1 Quittung
2 Notizzettel
Überweisungsträger, Notizzettel

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit besteht Urheberidentität zwischen den folgenden Schreibleistungen:
*
Komplex 1 des hier vorliegenden Gutachtens und
*
,Lebenslauf Burkhardt“ (Ass.Nr. 2.9.5 und 2.9.18.1, vgl. Gutachten
KT 51/748/11)
*
Komplex 1, Drehbuch Paulchen“ (Ass.Nr.2.12.2 bis 2.12.34, vgl.
Gutachten KT 51/759/11)
*
Komplex 2, Stadtpläne“ (Ass. Nr. 2.12.201 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.202, Ass. Nr. 2.12.204, Ass. Nr. 2.12.205, Ass. Nr. 2.12.207, Ass. Nr. 2.12.212 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.218, Ass. Nr. 2.12.219 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.220, Ass. Nr. 2.12.221, Ass. Nr. 2.12.222, Ass. Nr. 2.12.225(teilw.), Ass. Nr. 2.12.229, Ass. Nr. 2.12.230, Ass. Nr. 2.12.231, Ass. Nr. 2.12.232, Ass. Nr. 2.12.233, Ass.
Nr. 2.12.235 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.239 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.252 (teilw.), Ass. Nr. 2.12.252, Ass. Nr. 2.12.254, Ass. Nr. 2.12.254, Ass. Nr. 2.12.256, Ass. Nr. 2.12.257, Ass. Nr. 2.12.258, Ass. Nr. 2.12.260, Ass. Nr. 2.12.262, Ass. Nr. 2.12.263, Ass. Nr. 2.12.264, Ass. Nr. 2.12.266 – Ass. Nr. 2.12.270, Ass. Nr. 2.12.273 – Ass. Nr. 2.12.279, Ass. Nr. 2.12.280 (R), Ass. Nr. 2.12.281, vgl. Gutachten KT 51/763/11)

Ein Gedanke zu „NSU-Bekennervideo: Drehbuch-Autoren mit „geringer Wahrscheinlichkeit“ Böhnhardt, Mundlos“

  1. Urheber dieses Machwerks ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das apabiz. Wer „Exklusivrechte“ vergibt, ist entweder selbst Urheber oder hat mit dem Urheber eine entsprechende vertragliche Vereinbarung. Anders geht es nunmal nicht.

    http://lexikon.jura-basic.de/aufruf.php?file=8&pp=&art=6&lexi=&input=&find=Nutzungsrechte%20%3E%3EExklusivrechte

    Vor diesem Hintergrund ist es besonders skandalös, dass gegen das linksextremistische apabiz, nach Bekanntwerden der exklusiven Vergabe der Rechte am Bekennervideo an den „Spiegel“ – siehe auch „zapp“ -, nicht sofort ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eröffnet wurde.

    Man stelle sich nur einmal vor, dass apabiz würde die Exklusivrechte an Bekennervideos zu 9/11, oder den Pariser oder Brüsseler Terroranschlägen verticken! Da würde kein BKA jemals nachfragen? Aber Hallo! Da wäre ein Riesenrummel samt Durchsuchung des apabiz und Haftbefehlen gegen Jentsch und Konsorten wegen Verdunklungsgefahr fällig!

    Es wäre auch normale Ermittlungsroutine, Schriftproben der apabiz-Mitarbeiter mit den an den Tatorten aufgefundenen Beweismitteln abzugleichen.

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