NSU: Zündete Beate Zschäpe wirklich die Wohnung an?

Lange Zeit erschien klar, dass Beate Zschäpe ihre Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße anzündete, weil sie kurz vor dem Brand das Gebäude verließ, weil sie und ihre Anwälte diese Anschuldigung nicht bestreiten. Jedoch lassen neueste Informationen an Zschäpes Brandstiftung zweifeln. Der Sachverhalt lässt sich jedoch nicht aufklären und wird immer nebulöser, wie soviel anderes in der aufgetischten NSU-Geschichte.

Wie auch im angezündeten Wohnwagen wurden in der Zwickauer Brandruine eine Vielzahl erhaltender Beweise gefunden.

„Im Brandschutt“ wurden 2,5 kg Sprengstoff, „vermutlich Schwarzpulver“ (nsu-nebenklage) gefunden, weitere nicht-verbrannte Beweise waren sogar mit „Ottokraftstoff kontaminiert“ (nsu-watch): Zusammen geheftete Folien, mit Zeitungsartikel über die Ceska-Morde.

Im Flur des Eingangs des Hauses wurden „Spuren von ausgegossenem Benzin“ gefunden, „der Brand war in einem der Treppenhäuser dabei, auf das darüber liegende Stockwerk überzugreifen.“ (nsu-nebenklage)

Wie entfachte Beate Zschäpe das Feuer?

Sie hätte brennende Teelichter in der benzingetränkten Wohnung zurückgelassen, die kurz darauf das entstandene Gas-Luft-Gemisch angezündet hätten. Es wurden im Brandbereich und in der Küche „Ottokraftstoff festgestellt“(nsu-watch), Teelichtern „mit nach oben gerichtetem Docht“(nsu-nebenklage) – an denen sei jedoch „kein Ottokraftstoff nachzuweisen gewesen.“ (nsu-watch)

Vor dem NSU-Gerichtsverfahren sagte Kriminalhauptmeister Frank Lenk, von der Polzeidirektion Südwestsachsen, als zuständiger Brandermittler aus; vom 4. bis zum  28. November 2011 zuständig für alle gefundenen Spuren, bis zur Übergabe ans BKA:

Brennende Teelichter könnten als die „brandverursachende Zündquelle“ zwar nicht ausgeschlossen werden, aber deren Einsatz wäre für Frau Zschäpe selbst lebensgefährlich und unkontrollierbar gewesen.

„Wenn sich eine Person in der Wohnung befinde und offenes Feuer zünde, dann könne diese Person die Wohnung nicht mehr unverletzt verlassen. Scharmer erwidert, es gebe aber doch einen Zeitverzug zwischen der Entstehung des Gas-Luft-Gemisch und dem Zeitpunkt der Zündung. L. sagt, das Problem sei, dass ein Gas-Luft-Gemisch unkontrollierbar sei. Man könne nicht entscheiden, wann das Gemisch entstehe und wann das Gemisch zur Zündung komme. Scharmer fragt, ob L. andere Zündmechanismen gefunden habe, was L. verneint.“

Dann fragt Setzensack nach den Elektrogeräten, die als Zündquellen in Frage kämen. L. antwortet, einige seien angeschlossen gewesen, er habe aber nicht sicher feststellen können, ob sie eingeschaltet gewesen seien.“

Folgende Aufnahmen veranschaulichen die Gefahr. Sie zeigen wie ein benzingetränktes Osterfeuer verpufft:

Quelle: youtube

Wie kam das Benzin überhaupt in die Wohnung?

Im Eingangsbereich der Wohnung wurde ein Benzinkanister gefunden. Dort wäre „nur noch ein kleiner Rest Benzin“ gewesen. Ob die ebenfalls „gefundene Ausgusstülle“ zum Kanister passt, ist vom Brandermittler nicht überprüft worden.

Das Landeskriminalamt hätte bei „verschiedenen Benzinproben in der Wohnung unterschiedliche Kraftstoffzusätze“ gefunden. Weiter passen die Benzinproben nicht mit dem Benzin in „dem einen gefundenen Kanister zusammen.“ Es wären „keine weiteren Kanister gefunden worden.“ (nsu-watch).

Der Benzinkanister von Beate Zschäpe wurde vom Brand kaum beschädigt.

“Bis auf ein paar Rußflecken hatte der Kanister, mit dem die Täterin von Zimmer zu Zimmer gelaufen sein muss, den Großbrand unversehrt überstanden. Als „Spur 05“ wurde der Behälter gesichert und von Kriminaltechnikern untersucht – mit überraschendem Ausgang: Nirgends fanden sich Zschäpes Fingerabdrücke. Nach ihrem DNA-Muster suchte man ebenfalls vergeblich.” (focus)

Es wurde in Zschäpes schwarzen Socken Benzin nachgewiesen. Das Socken-Benzin und das Benzin aus der Wohnung würden jedoch „aus zwei verschiedenen Quellen“ stammen!

„Die Rückstände an den schwarzen Socken stammten höchstwahrscheinlich von Benzin, erläuterte der LKA-Sachverständige. Auch in der ausgebrannten Wohnung, in Teppichen und Polstern, fand der Experte Spuren von Kraftstoff. Allerdings stammten die brennbaren Stoffe nach Einschätzung des Sachverständigen aus zwei verschiedenen Quellen.“ (stuttgarter-zeitung)

Die oben genannten Benzin-Spuren erscheinen doch sehr fabriziert, als „Elefanten-Beweise“, als nachträglich gezielt abgelegt und präsentiert.

Am 27.07. stellte der Blogger „fatalist“ den Untersuchungsbericht der Benzin-Socken vor. Dort steht, dass …

„… in der Gasphase über den mit VM 07 und VM 08 bezeichneten Socken mit sehr geringen Detektionsintensitäten Kohlenwasserstoffe nachweisbar, als deren Herkunftsquelle Ottokraftstoff nicht ausgeschlossen werden kann.“ (fatalist)

Im münchner NSU-Gericht fragte Rechtsanwalt Stahl den Gutachter, wie lange sich diese Spuren an den Socken halten können.

„Dr. Japes sagt, dies sei abhängig von Umgebungstemperatur und einer eventuellen Kapselung bzw. Verpackung, genauere Aussagen zu der Verweildauer seien daher nicht möglich. Da aber auch leichtflüchtige Komponenten gefunden worden seien, sei nicht von einer langen Zeitdauer auszugehen.“ (ebd)

Waren die Spuren so gering, dass sie sich nicht hätten halten können bis zur Festnahme von Beate Zschäpe am 08.11., wenn sie vom 04.11. stammen würden? Könnten sie auch davon herrühren, dass Beate Zschäpe vor ihrer Festnahme an einer Tankstelle Zigaretten kaufte?

Wurde das Feuer durch eine Explosion verursacht?

Eine Nachbarin hörte zuerst Explosionen, danach sah sie Beate Zschäpe aus der Wohnung gehen und erst dann Feuer:

„Sie sei beim Laubrechen gewesen, als es auf einmal geknallt habe. Zu einem Nachbarn, der ebenfalls im Garten gewesen sei, habe sie gesagt, da sei wohl etwas explodiert. Dann habe es ein zweites Mal und noch weitere Male geknallt. Sie hätten damals gedacht, dass sie ihr Auto raus holen müssten, und dass es wohl eine Gasexplosion gewesen sei. (…)

F. berichtet, Zschäpe sei zur Haustür heraus gerannt und Richtung Bushaltestelle weggelaufen. Sie habe noch zum Nachbarn gesagt: “Gott sei Dank, der ist nichts passiert.” (…) Zschäpe sei nicht schnell, aber auch nicht langsam gegangen. (…)

Dass es Zschäpe war, könne sie schon sagen. Götzl fragt F., ob sie schon Flammen gesehen habe, als sie Zschäpe gesehen habe. F. antwortet, sie glaube nicht.“ (nsu-watch)

Eine andere Zeugin, Antje H. Sie sprach etwa eine halbe Minute mit einer Frau mit Katzenkörben, die vom Tatort kam. Sie nahm keinen Benzingeruch.

„Frage: Konnten sie an Frau ZSCHÄPE Benzingeruch oder andere Gerüche wahrnehmen?
Antwort: Nein.“

Heer fragt zur Distanz zwischen H. und der Frau mit den Katzenkörben. H. sagt, es seien vielleicht ein bis zwei Meter gewesenDas Gespräch sei sehr kurz gewesen, sagt H., es habe keine 30 Sekunden gedauert.“

Interessanterweise wurde genau das Gegenteil berichtet, von der Zeitung „Thüringer Allgemeine“. Erst Qualm, dann die Explosion!

„Noch während Zschäpe zwei Katzen bei der Nachbarin abgibt und wegrennt, qualmt es aus der rund 120 Quadratmeter großen Wohnung in der Frühlingsstraße 26. Sekunden später erschüttert eine Detonation die beschauliche Straße. (TA)

Folgende beide Fotos bestätigen jedoch, dass es erst zu Explosionen kam, dananch erst zum Brand. Bei Foto 1 ist deutlich zu sehen, dass der rechte Fensterrahmen noch intakt ist, und dass auf der linken Haushälfte noch kein Feuer brennt. Dort ist jedoch schon ein Teil der Hauswand herausgebrochen. Bei Foto 2 ist der Rahmen inzwischen nicht mehr zu sehen und auch die linke Haushälfte steht in Feuer. Foto 1, Fotos 2:

Notrufe bestätigen die Explosion:

„Hier Frühlingsstraße, Brand! Ich seh‘ die Nummer nicht, Scheiße … da hat’s ’ne ganze Etage weggesprengt!

Machen sie schnell, hier brennt alles weg“

„Explosion!“

„Die eine, die da wohnt, die ist gerade raus“ (BR)

Wurde das Benzin in der Wohnung nachträglich „gepflanzt“?

Heinrich Günnel, Chef des Zwickauer Feuerwehramtes, war der Einsatzleiter der Feuerwehr, die den Brand am 4. November 2011 in der NSU-Wohnung bekämpfte. Während eines Interviews ist …

„… ihm noch immer Anspannung anzumerken. Der 57-Jährige weiß mehr, als er öffentlich sagen darf.“ (mz-web)

Als Günnel über den Einsatz am 04.11 spricht, verliert er über Benzinkanister, Brandbeschleuniger oder Benzin-Verpuffung kein Wort:

„Während draußen Schaulustige aus sicherer Entfernung zuschauen, greifen Feuerwehrmänner von außen und innen gleichzeitig an. Drei Kollegen sind für den „Innenangriff“ eingeteilt. Sie stürmen ins erste Stockwerk, wo die Detonation offenbar ausgelöst wurde. Es geht darum, Menschleben zu retten. Aber nur eine der beiden Türen lässt sich problemlos aufbrechen. Die andere scheint besonders gesichert. Erst später, als Kettensägen zum Einsatz kommen, gibt die Tür nach.“ (mz-web)

Wenn er über die Explosion spricht, sagt er nur: „Das waren keine Dilettanten“. (mz-web)

Dabei hätten seine Leute das verschüttete Benzin schon im Treppenhaus bemerken müssen, auch den Benzinkanister. Warum spricht er darüber nicht? Seine Zeugenaussage vor dem NSU-Verfahren wäre mehr als angebracht!

Die Berichte erwähnen allesamt kein Benzin, es wird sogar ausdrücklich verneint. Am 05.11. berichtet etwa der „MDR“ um 10:20 Uhr, dass „die Ursache des Unglücks“ noch immer „unbekannt“ wäre.

„Ein Polizeisprecher sagte, „in den Trümmern befinden sich keine Leichen. Wir wissen aber nicht, wo die drei Bewohner abgeblieben sind.“ Sicher sei nur, dass das Haus bewohnt und in einem guten Zustand war. Die Doppelhaushälfte war am Freitag explodiert und ausgebrannt. Die Ursache des Unglücks ist noch unbekannt. Auch der Einsatz der Spürhunde am Sonnabend hat nach Angaben der Polizei keine neuen Anhaltspunkte erbracht. Bevor Einsatzkräfte die Ruine betreten konnten, mussten wegen der Einsturzgefahr einige Wände abgestützt und das Dach abgetragen werden. Der Schaden wird derzeit mit mindestens 100.000 Euro beziffert. Die andere Doppelhaushälfte blieb vom Feuer weitgehend unbeschadet.“ (mdr)

„Die Polizei setzte am Folgetag mehrere Leichen- und Brandbeschleunigerspürhunde ein, fand aber nichts. Es konnte definitiv ausgeschlossen werden, das sich die vermissten Personen im Gebäude befanden.“ (blaulichtfahrzeuge)

Dagegen will der Brandermittlers L. verdächtigen Benzingeruch wahrgenommen haben, weswegen er schon am 05.11 um 2 Uhr morgens „das Objekt für alle gesperrt“ hätte.

„Das sei der Einsatz des Baggers gegen 22 Uhr bis 2 Uhr, wo er, L., das Objekt übernommen habe. Schneiders hält vor, in den Akten stehe, L. habe gegen 22 Uhr das weitere Abreißen des Gebäudes untersagt. L. sagt, das müsse 2 Uhr heißen, da habe er das Objekt für alle gesperrt. Schneiders fragt nach dem Grund dafür. L. sagt, das sei das normale Vorgehen, um Spuren zu sichern, angesichts des Ausmaßes des Brandes und der Verwendung von Ottokraftstoff, den er schon selbst habe riechen können.“(nsu-watch)

Dieser Benzingeruch ist so früh offenbar sonst niemanden aufgefallen. Erst ab 07.11. wurde von Brandbeschleuniger berichtet, ein Hund hätte „etwas erschnuppert“:

„Gegen Mittag verfolgten sie, wie zwei Männer mit Hunden in der Ruine verschwanden. Inzwischen gibt es nur noch einige Polizisten zu sehen.

Sie bewachen die Unglücksstelle, solange die Ermittlungen laufen. „Das dauert noch ein Stück“, sagte am Sonntag Polizeisprecher Joachim Kelpin. Von den Tieren war das erste – ein belgischer Schäferhund – ein Leichensuchhund. Er war aufgeregt, als er in das Haus durfte, und ruhig, fast erschöpft, als er es wieder verließ. Angeschlagen hat er nicht. „Also liegt zu 99,9 Prozent niemand in den Trümmern begraben“, sagte Alexander Beitz, Leiter des Polizeireviers Zwickau. Kurz darauf nahm ein Brandmittelspürhund die verkohlten Reste des Gebäudes unter die Nase. Am Sonntag bestätigte Kelpin, dass das Tier etwas erschnuppert hatte: „Es wurde ein Brandbeschleuniger verwendet. Das Gebäude ist vorsätzlich angezündet worden.“ (freie-presse)

Ermittler hätten „an 19 Stellen in der Wohnung (…) Benzin nachgewiesen, (…)“ (sz)

Bernd Merbitz, „damals Chef der Soko-Rex in Sachsen, heute Polizeipräsident von Leipzig“ ist darüber offenbar nicht informiert gewesen. Er meinte vor dem Thüringer NSU-Ausschuss, dass man bis zum 09.11.11 „erst von Fahrlässigkeit oder einem Arbeitsunfall“ ausgegangen wäre. “Niemand hätte irgendwo geglaubt, dass es dann solche Dimensionen annimmt”. Erst nach dem Fund der Ceska mit Schalldämpfer am 09.11.11 hätte er, Bernd Merbitz, das BKA (Bundeskriminalamt) angerufen und um Hilfe gebeten! (haskala) Siehe vertiefender Artikel „Die späte „Entdeckung der NSU-Schusswaffen“.

Gegen die späte Einbindung des BKA steht Günnel: Seine Feuerwehr-Einheit und die Zwickauer Polizisten wären schnell abgezogen worden, weil das BKA die Ermittlungen übernahm.

„Um 2.00 Uhr in der Nacht ist der Einsatz beendet. Ein Bagger hat bereits so viele Trümmer beseitigt, dass es zum Einsturz nicht mehr kommen kann. Am Tag darauf sind die Zwickauer Polizisten und Feuerwehrleute noch einmal in der Brandruine. Doch dann kommt überraschend der Befehl zum Abzug. Die Verbindung zwischen den Tatorten Eisenach und Zwickau hat sich geschlossen. Fortan haben die Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) das Sagen. Sie bleiben lange in Zwickau. Für alle anderen bleibt das Gebäude tabu.“(mz-web)

Zschäpe gibt Brandstiftung zu

Die Anwälte von Frau Zschäpe räumen die Brandstiftung ein, fordern jedoch …

“… den Vorwurf der besonders schweren Brandstiftung in “schwere Brandstiftung” abzumildern. (tagesschau)

Gleichzeitig betonen sie, dass Zschäpe die Wohnung nicht anzündete, „um Straftaten zu vertuschen.“

„Sie habe auch als Laie wissen müssen, dass Tatwaffen nicht durch einen Brand vernichtet würden.“ (ebd)

Warum zündete Frau Zschäpe dann überhaupt die Wohnung an und lenkte damit das Augenmerk der Ermittler erst darauf? Den Sinn der Brandstiftung hinterfragte ein Forist im Internetforum „politikforum“ treffend:

  • “Die Miete war bezahlt.
  • Die Mieterin lebte unter falschem Namen, keiner wollte etwas von ihr oder suchte sie gerade.
  • Der Kühlschrank war voll.
  • Geld war im Haus vorhanden.
  • Die Handwerker waren gerade zum Bäcker Pause machen.
  • Kein Mensch würde an diesem Tag nach den männlichen Mitbewohnern fragen.
  • Kein Mensch würde an diesem Tag nach dem Verbleib des vor der Tür möglicherweise tagsvorher geparkten und beobachteten Wohnwagen fragen und Zusammenhänge konstruieren wollen.
  • Es war viel Zeit, belastendes Material, wenn es denn vorhanden war, in einer Reisetasche zu sammeln und im nächsten Gewässer zu entsorgen und dann selber sich zu verdünnisieren und in Luft aufzulösen. Zettel an die Tür: „An alle Freunde. Sind für zwei Wochen verreist.“
  • Und dann ab mit etwas Wäsche, Bargeld, Katzen und Laptop zur Freundin mit dem Kind, die immer Mittwochs baden kam. (politikforen)

Der diffuse Sachverhalt erscheint, als ob Frau Zschäpe von der Gefahr wusste, und sie deshalb die Wohnung kurz vor der Explosion verließ. Tatsächlich deuten ihre Verhaltensweisen vor dem 04.11.11 auf einen Streit mit den Herren Mundlos, Böhnhardt hin sowie auf einen beabsichtigten Abschied und Flucht ihrerseits (friedensblick).

Viele belastende Beweise gegen die „Brandstifterin Zschäpe“ könnten nach dem 06.11.11 nachträglich gepflanzt worden sein. Schützt Frau Zschäpe mit einem falschen Geständnis, den wahren Drahtzieher der Ereignisse? Ist sie erpressbar? Gibt es eventuell eine Vereinbarung zwischen den Anwälten Zschäpes und der Bundesanwaltschaft, dass Frau Zschäpe für ihr Geständnis „nur“ der schweren Brandstiftung verurteilt wird (Strafmass: 5 Jahre) aber nicht für die Ceska-Morde? Die Hintergründe bleiben unklar.

11 Gedanken zu „NSU: Zündete Beate Zschäpe wirklich die Wohnung an?“

  1. Hat Zschäpe Mundlos und Böhnhardt getötet, hat sie sich eine schöne Geschichte ausgedacht, auf die garantiert jeder hereinfällt? […] Klingt doch logisch?

  2. „Bis auf ein paar Rußflecken hatte der Kanister, mit dem die Täterin von Zimmer zu Zimmer gelaufen sein muss, den Großbrand unversehrt überstanden. Als „Spur 05“ wurde der Behälter gesichert und von Kriminaltechnikern untersucht – mit überraschendem Ausgang: Nirgends fanden sich Zschäpes Fingerabdrücke. Nach ihrem DNA-Muster suchte man ebenfalls vergeblich.“
    http://www.focus.de/magazin/archiv/report-terror-album_aid_789320.html

  3. Das Trio hatte in den 90ern schon unmittelbare Erfahrungen mit den Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden, z.B. Wohnungsdurchsuchung, wovon Uwe&Uwe offenbar nicht nur eine erlebt hatten.

    So was prägt. Das sage ich auch eigener Erfahrung. Und aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass es zwar theoretisch einiger, praktisch jedoch keiner Voraussetzungen für eine Wohnungsdurchsuchung bedarf. Die wird einfach angeordnet. Die Obergerichte erklären zwar später reihenweise die Durchsuchungsbefehle für rechtsfehlerhaft und ungültig, aber das nützt dem Betroffenen dann auch nichts mehr.
    Will sagen: Wer so was erlebt hat, dem steckt der Schreck in den Gliedern. Und der wird vorsichtig.

    Das als Vorrede zu meinem Anliegen:

    1.

    Bei der Bewertung des Brandgeschehens können wir noch einen Schritt vorher anfangen. Nämlich bei der Frage, wo eigentlich das Benzin herkam, mit dem Zschäpe die Wohnung angezündet haben soll.
    Bis jetzt habe ich in den Medien diese Fragestellung noch nie gesehen. Und auch die Justiz zeigt ein merkwürdiges Desinteresse.

    Spontan wird dieser und jener sagen, der angebliche NSU hatte einen Benzinkanister in der Wohnung, um im Fall der Fälle alle Beweise zu beseitigen.
    Aber wie realistisch ist das?

    Wenn ich weiß, mit welcher Lässigkeit die Durchsuchungsbefehle ausgestellt werden, da sehe ich doch zu, dass ich gar keine Konterbande in der Wohnung habe. Bzw. dass das wenige mit ein paar Hammerschlägen (HDD) und einem beherzten zupacken mit der Rohrzange (USB-Stick) ratzfatz unbrauchbar wird. Falls aus sentimentalen Gründen ein paar Papierchen da sind, treffe ich Vorsorge, dass ich die im Fall der Fälle (wenn es früh um sechs heftig klingelt) in die Badewanne knülle, Streichholz und gut.

    Das bedenkend kann ich beim besten Willen keinen Grund sehen, warum das Trio einen Benzinkanister in der Wohnung hätte haben sollen. Es gab schlicht keinen Grund. Und natürlich gibt es keinen Beweis.

    Dass Zschäpe nicht mal einen Versuch zur Beseitigung der Waffen unternahm, zeigt darüber hinaus, dass die angebliche Motivation der Beweisvernichtung von vornherein nicht gegeben war.

    2.

    „… dann hat Zschäpe die Wohnung angezündet“ – so ungefähr steht es in allen Medienberichten.
    Nur wie sie das gemacht hat, dazu haben wir bis heute noch keine Erklärung gehört. Was als Erklärung (Teelichte) angeboten wird, ist jedenfalls (wie von Ihnen zutreffend ausgeführt) Humbug.

    Ganz einfach macht es sich der BGH. Anstatt die Tat nachzuweisen, setzt er die als gegeben voraus (Beschluss vom 28. Februar 2012 über die Fortdauer der Untersuchungshaft von Zschäpe
    http://tinyurl.com/6mh6lkm):

    „Hierzu brachte sie noch am selben Tag gegen 15.00 Uhr aus einem Kanister Ottokraftstoff auf dem Fußboden der Wohnung aus, entzündete diesen und verließ sodann das Gebäude. Einen Teil der versandfertigen DVDs nahm sie mit. Die sich entwickelnden Benzindämpfe führten zu einer Verpuffung, die große Teile des Mauerwerks des Gebäudes zum Einsturz brachte“

    Diese Beschreibung klingt vielleicht erst mal ganz gut, hat aber einen entscheidenden Nachteil:
    D-a-s g-e-h-t n-i-c-h-t.

    Sobald das vergossene Benzin brennt, entwickeln sich durch die Wärme sehr schnell sehr große Mengen Benzindämpfe. Das stimmt erst mal. Aber die brennen sofort ab. Das sieht dann genauso aus wie im angezeigten Video. Das macht Wuff und (bei viel Masse) Puff. Wer dummerweise in der Nähe ist, muss vielleicht danach zum Arzt und die Wunden versorgen lassen.
    Aber eine Knallgasexplosion, die das Mauerwerk einstürzen lässt, ist in dieser Konstellation unmöglich.
    Wenn es richtig pufft, fliegen die Fenster raus. Und die Türen. Die Decke wird eingedrückt und evtl. fliegen die Pfannen vom Dach. Vielleicht fallen die 12er Innenwände um. Aber die 36er Außenwand bleibt stehen.

    Mit Benzin geht so ein Explosionsgeschehen nicht – aber mit Sprengstoff. Haben die in den Trümmern nach Sprengstoffresten (nach einer Sprengstoffexplosion bleiben immer Sprengstoffteilchen zurück, weil Wucht der Detonation auch den Sprengkörper zerfetzt) gesucht?
    Ich vermute mal: NEIN.

    3.

    Alle Medienberichten zufolge ging Zschäpe mit den Katzenkörben in der Hand auf die Nachbarinnen zu. Dann hat´s geknallt.
    Warum nicht, wenn man einen Zeitzünder einsetzt.

    Hatte Zschäpe einen Zeitzünder?
    Davon habe ich noch nie gehört. Und ich kann mir das auch nicht vorstellen. Einen Zeitzünder bauen erfordert schon einige Arbeit und einiges Geschick. Wegen der unkalkulierbaren Benzinverdampfung muss man bei der Konstruktion einiges tun, damit es zwar zündet, aber nicht zu zeitig. Ein Puff im geschlossenen Raum ist nämlich für den Menschen äußerst unangenehm; die geplante Flucht könnte wegen Verletzungen ausfallen. Oder stark erschwert werden, weil man ohne Wimpern und ohne Augenbrauen ziemlich auffällt.
    Wenn der „NSU“ mit erheblichen Aufwand einen Zeitzünder vorbereitet haben sollte, dann hätten die die ganze Vernichtungsaktion ebenso professionell vorbereitet und natürlich auch durchgeführt; die Ermittler hätten nichts gefunden.

    4.

    „Dann habe es ein zweites Mal und noch weitere Male geknallt.“

    Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Sprengstoff!
    Es ist 100% ausgeschlossen, dass Benzin mehrfach knallt. Benzin macht einmal puff, und das war es dann. Wie soll das denn gehen, das mehrfache knallen?
    Eben, d-a-s g-e-h-t n-i-c-h-t.
    Jedenfalls nicht mit Benzin. Mit Sprengstoff jedoch ist das ganz einfach. Entweder mit dem Einsatz von Verzögerungszündern oder wenn die Sprengkörper mit jeweils eigenen Zündschnüren ausgestattet sind.

    5.

    „Die oben genannten Benzin-Spuren erscheinen doch sehr fabriziert, als “Elefanten-Beweise”, als nachträglich gezielt abgelegt und präsentiert.“

    Sehe ich auch so. Zum einen, weil unmittelbar nach dem Brand die Suchhunde nichts gefunden haben. Und es gibt einen weiteren Grund:
    Man sehe sich die Bilder von der Flammenhölle an, speziell das verlinkte Foto2.
    Benzin ist leichtflüchtig. Unter dem Eindruck von Hitze verdampft es sofort. Und die Dämpfe verbrennen (so wie das angezeigte Video das illustriert). Nach der Darstellung der gedungenen „Fachleute“ sind also die leichtflüchtigen (deshalb auch leicht riechbaren) Flüssigkeiten verdampft und verbrannt – und nach der vollständigen Verbrennung waren die immer noch im Haus.
    D-a-s g-e-h-t n-i-c-h-t.

    Wenn Tage danach das Haus nach Benzin gestunken hat, kann das nur sein, weil das nachträglich jemand reingeschüttet hat. Eine andere, mit den Naturgesetzen übereinstimmende, Erklärung gibt es nicht.

    6.

    Zschäpes Benzinsocken sind auch so ein Ding.
    Haben die „Fachleute“ sich schon mal zur Frage geäußert, in welcher Menge das Benzin in den Socke vorlag? Ich habe jedenfalls davon noch nichts gehört.
    Mit den modernen Analysemethoden kann man nämlich überall alles finden. Rein qualitativ untersucht, ist unser wirklich sauberes Trinkwasser (Milliarden Menschen beneiden uns darum) ein Giftcocktail sondersgleichen. Aber weil, wie schon der gute alte Paracelsus wusste, es die Dosis macht, können wir es unbesehen trinken.
    Kann ja sein, dass man auch Benzin in Zschäpes Socken gefunden hat. Aber wie wenige Moleküle waren das?

    Darüberhinaus ist das ohnehin unglaubwürdig, dass die Besitzerin von mehreren zehntausend Euro über vier Tage lang kein Geld hat, im Supermarkt ein Dreierpack Socken und Unterwäsche zu kaufen.

    7.

    Hohen Unterhaltungswert hat dieses Ding der Nebenklage:

    „… sowie 2,5 kg eines Sprengstoffes, vermutlich Schwarzpulver, wurden im Brandschutt gefunden,“

    Total plemplem.
    Wir wissen zwar nicht, was das für ein Stoff ist. Aber wir wissen, es ist Sprengstoff.

    Warum BKA und OLG das noch nicht vom Kriminallabor haben untersuchen lassen?
    Ach was, gehn Se doch weiter! In diesem politisch gesteuerten Schauprozess haben Wahrheit und Logik nichts zu suchen.

    ____________________________________________________________

    Soweit meine Meinung zu dieser Facette der Räuberpistole.
    Habe ich was übersehen, vergessen, falsch eingeschätzt?
    Kritik willkommen!

  4. Die sz schreibt über die Aussagen des Gutachters Christian Setzensack im NSU-Verfahren:

    „Der Gutachter hält es für wahrscheinlich, dass der Brandstifter an der Wohnungstür das Benzin anzündete. Wie bei einer Lunte verbreitete sich dann das Feuer von Benzinlache zu Benzinlache.“

    Entgegen früherer Berichte, wäre jetzt noch ein zweites „Behältnis mit einem Brandmittel“ „im Brandschutt“ gefunden worden!
    „Im Hausflur, am Eingang von Zschäpes Wohnung, fanden die Ermittler einen fast leeren Zehn-Liter-Benzinkanister. Im Brandschutt wurde später noch ein weiteres Behältnis mit einem Brandmittel gefunden.“
    http://www.sueddeutsche.de/politik/nsu-prozess-zschaepe-soll-an-stellen-benzin-verschuettet-haben-1.1863510

    Im Brandschutt wurde ein unverbranntes Behältnis sogar mit Brandmittel gefunden – Wie ist das möglich?

  5. „Zum Brandauslöser könne er sich nicht zu 100 Prozent festlegen, betonte der Experte. Eine Gasexplosion oder Sprengstoff schloss er aus. Theoretisch sei auch ein in der Wohnung gefundener Toaster als Auslöser denkbar. Anhand der gefundenen Indizien gehe er aber davon aus, dass der Brand vom Treppenhaus aus gezündet wurde. Dort war etwa einen Meter von der Wohnungseingangstür entfernt auch ein schwarzer Benzinkanister gefunden worden.

    Der Gutachter hält es für wahrscheinlich, dass mit Benzin eine Lunte von der Wohnungstür in die Wohnung vergossen und diese dann entzündet wurde. Ein Täter hätte so gute Chancen gehabt, nicht verletzt zu werden. Als Indizien für dieses Szenario sieht er, dass es im Flur kaum Brand- und Explosionsschäden gebe, da die Lunte dort nur durchgezüngelt sei, bis sie im Sportraum das Benzin-Luft-Gemisch zur Explosion gebracht hatte.

    Mit seiner Aussage am 74. Verhandlungstag bekräftigt der bayerische Experte den Verdacht der Brandstiftung im letzten mutmaßlichen NSU-Quartier.

    Andere Experten vor ihm konnten bisher keine plausiblen Erklärungen für das Entzünden des Feuers liefern.“
    http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/rechtsterrorismus/detail/-/specific/NSU-Prozess-Explosion-in-Zwickauer-Wohnung-war-Brandstiftung-999119452

    Ja, wurden denn Überreste einer Lunte gefunden?
    Wie hätte Zschäpe den Toaster anmachen sollen, wenn sie außerhalb der Wohnung war?

    Das sind wohl zu schwierige Fragen für die Verteidigung gewesen.

      1. Es soll doch auch Benzin im Treppenhaus gewesen sein! Es müsste also auch dort gebrannt haben, wenn Zschäpe von der Eingangstüre aus, die Benzin-„Lunte“ angezündet hätte.
        Was mich schockiert, dass die sogenannte „Verteidigung“ Zschäpes kein Aufklärungswillen zeigte!

      2. Die Tür zum Sportraum scheint gleichzeitig offen und geschlossen gewesen zu sein. Das Gemisch konnte nicht in den Flur, wo die Luntenspur war, entweichen, konnte aber von dieser entzündet werden, also muss die Tür zugleich geschlossen und geöffnet gewesen sein.
        Schlüssellochzündung, Katzentürzündung, Zündung durch nichterwähnte verbrannte Tür ?
        Was kommt da in Frage, was ist realistisch ? Das wird hier nicht erhellt :
        “ Die Flammen, so Setzensack, hätten irgendwann den Sportraum erreicht und dann hätte es dort eine Explosion gegeben. Die Strecke von drei bis fünf Metern hätte…
        RA Scharmer weist darauf hin, dass die Tür zum Sportraum offen gewesen sei, da müsse sich doch das Benzin-Luftgemisch verteilt haben, möglicherweise in den Flur. Im Prinzip habe RA Scharmer recht, so Setzensack, aber es sei unklar, wie die Stellung der Tür im Sportraum gewesen sei. Man wisse nicht, ob sie offen oder geschlossen war. “
        http://www.nsu-watch.info/2014/01/protokoll-74-verhandlungstag-15-januar-2014/

  6. „Setzensack sprach von einer „Luntenspur“, die beweise, dass Benzin bis zur Wohnungstür verschüttet wurde und dort gezündet worden sein muss, dass diese Spur Unterbrechungen aufweise, die den Brandausbruch verzögerten. Auf diese Weise habe „der Täter“, wie der Sachverständige immer wieder sagte, die Wohnung gefahrlos verlassen können.
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-sachverstaendiger-zum-brand-in-zwickau-a-943725.html

  7. Laut Ermittlungsakten hätte das „Futter“ und das „Türblatt“ der Ausgangstüre, von wo Zschäpe die Lunte gelegt hätte, keine Brandspuren gehabt haben, im Gegensatz zur Türe gegenüber.


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