NSU: Rekonstruktion der tödlichen Ereignisse am 04.11.11

Bis heute ist teilweise unbekannt, was wirklich am 04.11.2011 passierte, als die Zwickauer Geheim-Zelle aufflog: Wie erfuhr Frau Zschäpe vom Tod ihrer beiden Lebensgefährten, wer informierte sie über die Umstände, warum erschoss Mundlos Böhnhardt und verübte dann Selbstmord? Es gibt eine Reihe von Indizien, die zwar seitens der Sicherheitsbehörden ignoriert werden, die jedoch etwas Licht in die Dunkelheit bringen könnten. Ein Versuch der Rekonstruktion.

Oktober 2011, ein Wohnwagen

Mitte Oktober 2011 mietete Frau Zschäpe das Wohnmobil zusammen mit Herrn Böhnhardt an:

„Am 14. Oktober 2011 mieteten Herr Böhnhardt und Frau Zschäpe ein Wohnmobil an. Dabei verwendete Böhnhardt den Namen “Holger Ge.”.

“Böhnhardt trat als “H. Ge. ” auf, Mundlos als “M. B. “; entsprechende amtliche Ausweispapiere verschafften sie sich unter Mitwirkung der Genannten.” (BGH)

Laut Aussage von Zeugen spiegelten Böhnhardt und Zschäpe vor, einen Familienurlaub zu beabsichtigen. Sie hatten ein Kind dabei.

“Zum vereinbarten Abholtermin am 25. Oktober 2011 erschien Böhnhardt wiederum in Begleitung der Beschuldigten sowie eines bislang unbekannten Kindes.” (ebd.)

Handelte es sich um ein Kind des Ehepaares E., dass das Trio im Untergrund unterstützte?

„Auch unten beim Griechen soll Susann E. mit ihren beiden Kindern oft mit Beate Zschäpe am Tisch gesessen haben (…).“ (taz)

Der Vater André E. wurde vom Generalbundesanwalt angeklagt, das Trio geholfen zu haben (Generalbundesanwalt).

01. November 2011, Abschiedsschmerz

Frau Zschäpe verhielt sich laut Aussage ihrer Freundin Heike R. un-normal. Sie vermutet, dass Frau Zschäpe ihr etwas sagen wollte und, dass die Drei „einen Pakt geschlossen haben, dass sich alle drei das Leben nehmen.“

„Drei Tage vor dem Banküberfall und dem Hausbrand besuchte Beate Zschäpe sie ein letztes Mal in ihrer Zwickauer Wohnung in der Polenzstraße. „Sie war ein bisschen verändert. Sie war sehr in sich gekehrt, sehr gesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir etwas sagen wollte“, erinnert sich Heike K. an Zschäpe im Interview mit dem NDR. „Sie war ein bisschen unruhig.“ (tagesschau)

Die Trennung bei ihrem letzten Treffen verlief dramatisch. Sie warteten offenbar gemeinsam auf das Taxi …

„Beim Lebewohl habe die Zschäpe sie „bestimmt eine ganze Minute“ an sich gedrückt und Tränen in den Augen gehabt. Als dann das Taxi gekommen sei, habe Zschäpe sich „komischerweise noch einmal verabschiedet“. Das habe sie sonst nie gemacht. Dann sei sie „fast weggerannt“.“ (SZ)

02.11.12, Streit

Die Tagesschau berichtet von einem Streit zwischen den Herren Mundlos und Böhnhardt einerseits und Frau Zschäpe andererseits, übrigens in unmittelbarer Nähe zur Wohnung des mutmaßlichen Unterstützers, André E.

„So will ein Zeuge zwei Tage vor dem dramatischen Ende einen Streit zwischen zwei jungen Männern und einer Frau vor einem Wohnmobil gesehen haben. Im Zwickauer Stadtteil Niederplanitz will der 37-jährige Dominik R. beobachtet haben, wie die beiden Männer immer wieder abwechselnd auf die Frau einredeten und lautstark mit ihr diskutierten. „Ich konnte sehen, wie die Frau gestikulierte. Sie schüttelte immer wieder mit dem Kopf und hat sich mit der ganzen Hand an die Stirn gegriffen“, sagt R. Nur 500 Meter von der Stelle des Streits entfernt lebte damals der wichtigste Unterstützer der Zelle, André E.“ (tagesschau)

03.11.11, Sorge um Katzen

Frau Zschäpe hätte „für einen längeren Zeitraum“ ein Zuhause für ihre Katzen gesucht, glaubt sich eine Tierpension-Betreiberin zu erinnern:

„Einen Tag später meldete sich eine Frau telefonisch bei Susanne S., die eine Tierpension im Umland von Zwickau betreibt. „Ich glaube, sie hatte sich mit dem Namen Zschäpe gemeldet und wollte ihre beiden Katzen für einen längeren Zeitraum bei mir abgeben“, sagt die Tierbetreuerin. Zschäpe liebte ihre Katzen sehr. (tagesschau)

 04.11.11, das Ende des „NSU“

An diesem Tag sollte das Wohnmobil, wie vereinbart, zurückgegeben werden.

09.30-12:00, Banküberfall und „Flucht“

Um 09.30 hätten die Herren Mundlos und Böhnhardt eine Bank in Eisenach überfallen, sie flüchteten per Fahrrad und anschließend per Wohnmobil. Die Polizei ist auf den Einsatz eines Wohnmobils vorbereitet und sucht gezielt nach dem Wagen. Obwohl die Herren den Polizeifunk abhören würden, verbleiben sie im Wohnmobil. Sie flüchten nicht per Fahrrad, die sie im Wohnmobil verstaut haben. Gegen 12:00 werden sie von einer Polizeistreife entdeckt.

12:00, Mord und Selbstmord?

Nach ihrer Entdeckung hätte Herr Mundlos erst Herrn Böhnhardt erschossen und anschließend sich selbst. Davor zündete Mundlos den Wohnwagen an. Ermittler finden später im Wohnwagen viele Beweismittel, etwa einen Bekennerfilm, die Dienstwaffe der ermordeten Polizistin Kiesewetter und Banknoten vergangener Banküberfalle (friedensblick).

Laut Spiegel soll Frau Zschäpe von Zeugen gesehen worden sein, wie sie gegen 12 Uhr das Wohnmobil verließ:

„Zeugen wollen gesehen haben, wie Beate Z. gegen 12 Uhr den Wagen verließ, der kurz darauf in Flammen aufging. (…)

Die Fahnder bleiben außerdem bei ihrer Theorie, dass sich die beiden Männer in dem Wohnmobil selbst töteten, ob gegenseitig oder im Sinne eines doppelten Suizids, wollte die Polizei nicht kommentieren. Die Männer starben an einem Brust- und einem Kopfschuss.“ (Spiegel)

Der Spiegel hinterfragt kritisch:

„Aber warum sollten sie sich selbst töten? Warum sollte Beate Z., wenn sie das Wohnmobil mit den Toten anzündete, um Spuren zu verwischen, Geld aus dem Banküberfall zurücklassen? Spurentechniker sollen auch in der ausgebombten Wohnung in Zwickau verbrannte Scheine gefunden haben.“

Auch der Stern berichtet über Zeugen-Aussagen, dass eine Person, kurz vor dem Brand, aus dem Wohnwagen geklettert und geflüchtet sei.

“Berichte von einer dritten Person, die kurz vor dem Eintreffen der Polizei das Wohnmobil verlassen haben soll, verstummen im Eisenacher Neubaugebiet Wartburgblick dennoch nicht. (Stern)

Der frühere Polizeipräsident Udo Nagel zweifelte „erheblich“ an der Selbstmordtheorie und denkt eher an Konflikte innerhalb der Gruppe:

„Auch ich habe an der Selbstmordtheorie erhebliche Zweifel. Solche Tätertypen bringen sich in der Regel nicht selbst um. Ich gehe eher davon aus, dass es innerhalb der Gruppe Stress gab. Wir haben im Rahmen unserer Recherchen mit einem Augenzeugen gesprochen, der von einem lauten Streit zwischen mindestens zwei Personen in dem Wohnmobil der Täter in Eisenach berichtet.“ (Bild)

10:34-12:43, Zschäpe auf Informationssuche im Internet

Als das NSU-Wohnmobil in Stregda mit den toten Böhnhardt und Mundlos “gegen 12:00″ (Quelle: TZ ) zu brennen anfing, würde Frau Zschäpe im Internet surfen. Die Frage ist, ob Frau Zschäpe im Internet surfte oder eine andere Person. Bereits um 10:34 machte also Frau Zschäpe oder eine andere Person den Laptop auf und fängt zum surfen an. Sie sucht nach den Begriffen „Bild“ (10:34), „Sachsennachrichten“ (10:40), „promi news“ (11:11), „autounfall sachsen 31 10 (11:39) (stern). Sie geht auf Internetseiten von „Zeitungen und Radiostationen“ und sucht nach „Meldungen über Autounfälle am Vortag“ bis 12:43.

12:05-12:11, Zschäpe erhält 51-Sekunden-Anruf

In dieser Zeit hätte Frau Zschäpe entweder einen behördlichen Anruf auf ihr Handy erhalten (Neues Deutschland) oder sie hätte ihren Anrufbeantworter abgehört (Sächsische Zeitung). Laut Stern hätte es um 12:05 stattgefunden, laut Spiegel um 12.11. Die Dauer betrug 51 Sekunden. Laut einer frühen Version von Ermittlern hätten Böhnhardt und Mundlos Frau Zschäpe angerufen und ihr aufgetragen “sämtliche Spuren in der gemeinsamen Wohnung in Zwickau zu vernichten.” (SPON).

12:11-13:26, Fortführung der Suche

Frau Zschäpe sucht nach dem Anruf jedoch weiter: „Zwickauer news“ (12:11), „blldl“ (12:15), „bild 3 11“ (12:24), „sachsen radio“ (12:43), „greenpeace“ (13:07), „gegen pelze“ (13:13) und schließtlich „biobauern zwickau“ (13:26) (stern).

Laut Berliner Zeitung hätte um 13.05 Frau Zschäpe nach „Natürliche Mittel gegen Übelkeit“ gesucht. (BZ)

14:20, Zschäpe schaltet Laptop aus

Sie schaltet den Laptop laut Verlaufsprotokoll aus (ebd), offenbar weil sie informiert wurde. Es ist auch nichts darüber bekannt, dass Frau Zschäpe versucht habe Böhnhardt oder Mundlos telefonisch zu erreichen.

14:00 – 15:00, die Todesnachricht wird überbracht!

Es gibt bis heute keine Erkenntnisse auf welchem Weg und von wem der Internetsurfer über die Vorkommnisse in Eisenach informiert wurde. Das ist seltsam, da Telefonate zwischen Mundlos / Böhnhardt und Zschäpe nachvollziehbar sein müssten. Der Bundesgerichtshof schreibt lapidar, dass Zschäpe …

“Von diesen Ereignissen auf unbekanntem Wege in Kenntnis gesetzt (…).” (BGH)

… wurde.

Die unbekannte vierte Person

Höchstwahrscheinlich kam jemand persönlich in die Zwickauer Wohnung zwischen 14:00 und 15:00 und überbrachte dem Internetsurfer die Nachricht. Es wurden mit den Vorbereitungen der Flucht mit vorheriger Brandstiftung begonnen. Die Frage ist, wer diese Person gewesen sein könnte.

Anrufe von Frau Zschäpe an die Eltern von Böhnhardt und Mundlos am 05.11.11 machen misstrauisch:

Laut der Aussage der Mutter von Uwe Böhnhardt beim BKA hätte Zschäpe ihr mitgeteilt, “dass die beiden sie angerufen“ hätten, mit dem Auftrag, sie über das Schicksal ihres Sohnen zu informieren. (Karl Nolle).

Beate Zschäpe: “Frau Böhnhardt, der Uwe kommt nie mehr zurück.”

Frau Böhnhardt: “Ist der Uwe tot?”

“Ja, der Uwe ist tot, er kommt nicht wieder zurück.”

“Wann? Warum?”

“Die beiden Jungs haben sich das Leben genommen, sie haben keinen Ausweg mehr gesehen und wollten aber auch nicht ins Gefängnis gehen. (…)

Frau Böhnhardt, es tut mir so unheimlich leid, aber die beiden Uwes haben mich beauftragt, noch einmal einen letzten Gruß den Eltern zu schicken.” (SPON)

Desweiteren richtete Frau Zschäpe auch der Familie Mundlos aus, dass Böhnhardt und deren Sohn ihren Wohnwagen “in die Luft gesprengt” hätten (mdr). Im Wohnwagen war in der Tat der Gas-Herd aufgedreht, jedoch kam es trotzdem zu keiner Explosion.(Focus)

15:00, Brandstiftung

Frau Zschäpe zündete um 15:00 die Wohnung an, weil sie Beweismittel vernichten hätte wollen. In Anbetracht der vielen Funde in der Wohnung und übrigens auch im Wohnwagen kann davon aber keine Rede sein. Warum zündete Frau Zschäpe überhaupt die Wohnung an? Folgende Punkte sprächen dagegen:

  • „Die Miete war bezahlt.
  • Die Mieterin lebte unter falschem Namen, keiner wollte etwas von ihr oder suchte sie gerade.
  • Der Kühlschrank war voll.
  • Geld war im Haus vorhanden.
  • Die Handwerker waren gerade zum Bäcker Pause machen.
  • Kein Mensch würde an diesem Tag nach den männlichen Mitbewohnern fragen.
  • Kein Mensch würde an diesem Tag nach dem Verbleib des vor der Tür möglicherweise tagsvorher geparkten und beobachteten Wohnwagen fragen und Zusammenhänge konstruieren wollen.
  • Es war viel Zeit, belastendes Material, wenn es denn vorhanden war, in einer Reisetasche zu sammeln und im nächsten Gewässer zu entsorgen und dann selber sich zu verdünnisieren und in Luft aufzulösen. Zettel an die Tür: „An alle Freunde. Sind für zwei Wochen verreist.“
  • Und dann ab mit etwas Wäsche, Bargeld, Katzen und Laptop zur Freundin mit dem Kind, die immer Mittwochs baden kam.
  • Und dann hätte man weiter sehen können….
  • Hat der André E. ihr etwa geraten sich sofort zu stellen oder das Amt? Was versprach sie sich davon?“ (politikforen)

Die Anwälte von Frau Zschäpe räumen die Brandstiftung offenbar ein, fordern jedoch …

„… den Vorwurf der besonders schweren Brandstiftung in „schwere Brandstiftung“ abzumildern.

In ihrem Brief an das Oberlandesgericht München weisen sie darauf hin, dass Zschäpe die Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße nicht angezündet habe, um Straftaten zu vertuschen. Sie habe auch als Laie wissen müssen, dass Tatwaffen nicht durch einen Brand vernichtet würden.“  (tagesschau)

Zwischenfazit

Es ist ausgeschlossen, dass Frau Zschäpe diese detaillierten Informationen übers Internet oder Radio am 04. oder 05. November erhielt. Erst gegen 15:00 wurde von den beiden Toten im ausgebrannten Wohnwagen berichtet (lichtstadt). Der Überbringer der Information muss über das „selbstmörderische“ Vorgehen informiert gewesen sein. Es gibt drei Möglichkeiten, die Aussagen von Frau Zschäpe zu erklären:

  1. Frau Zschäpe erhielt um 12:11 wirklich seitens der Herren Böhnhardt und Mundlos eine telefonische Nachricht. Dort wäre Zschäpe über die geplanten Selbstmorde aufgeklärt worden. In diesem Fall wäre das weitere Surfverhalten von Frau Zschäpe ab 12:11 jedoch ungerührt bis kaltschnäuzig. Doch selbst Frau Zschäpe hätte so einen Anruf bestätigt: Am 05.11. hätte Frau Zschäpe die Eltern Böhnhardts angerufen. Dabei hätte Frau Zschäpe der Mutter Böhnhardts ausgerichtet, dass „die beiden sie angerufen hätten“, um „noch einen letzten Gruß den Eltern zu schicken.“
  2. Frau Zschäpe log Mutter Böhnhardt über den „letzten Gruß“-Anruf ihres Sohnes bei ihr an. Stattdessen wurde sie persönlich von einer bisher unbekannten Person über die Geschehnisse informiert.
  3. Frau Zschäpe selbst war im Wohnwagen während des Banküberfalls und der „Selbstmorde“ präsent. Danach kehrte sie von Eisenach in ihre Zwickauer Wohnung zurück. Die Frage stellt sich dann, wer sonst im Internet hätte sein können.

ab 15:05, Zschäpes Flucht

Dem Lichtstadtblog wurden offenbar Informationen aus der Anklage zugespielt. Danach hätte eine Funkzellenabfrage des Handys von Frau Zschäpe ergeben, dass sie unmittelbar nach der Brandstiftung André E. angerufen hätte. André hätte ihr anschließend zur Flucht zum Bahnhof verholfen (lichtstadt).

„Der Generalbundesanwalt belegt dies durch die Spur Zs, die Fährtenhunde in Richtung des Zwickauer Bahnhofs verfolgen können, bis diese nach etwa zwei Kilometern abbricht. Sie wissen deshalb, wo genau Z in das Auto von AE eingestiegen ist und können sämtliche Anrufe auf sein Handy durch die Funkzellenabfrage beweisen.“ (lichtstadt)

Danach wurde das Ehepaar E. bei der brennenden Zwickauer Wohnung von der Polizei aufgenommen:

„Denn als das Haus in der Frühlingsstrasse lichterloh brannte, nahm die Polizei routinemäßig auf, wer sich um den Brandort herum aufhielt. Häufig ist bei Brandstiftungen nämlich der Brandstifter unter den Zuschauern, weil er sein “Werk” bewundern will. Und – hoppla – man traf auf das Ehepaar E., dessen Name den Ermittlern zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel sagte.“ (swr)

In André E. PKW wären Spuren des Benzins gefunden, mit dem Frau Zschäpe die Wohnung anzündete (Lichtstadt). Wahrscheinlich wurde E.´s Auto erst untersucht, nachdem man ihn am 24.11.11 festnahm (FR). Als Frau Zschäpe am 08.11.11 festgenommen wurde, fand man an ihren Schuhen dieselben Spuren.

„Sowohl in AEs PKW als auch an den Schuhen von Z finden sie Spuren des Benzins, mit dem Z die Wohnung in Brand gesetzt hat.“ (lichtstadt)

Am 21.04.2013 berichtet der Focus, dass Frau Susann E. Frau Zschäpe „saubere Kleider“ gegeben hätte.

„Die Ermittler glauben, dass Zschäpe das Feuer gelegt hat und ihre mit einem Brandbeschleuniger verschmutzten Kleider wechselte.“(focus)

An den Schuhen von Frau Zschäpe fand man DNA-Material von Frau Susann E.:

Ein weiteres belastendes Indiz ist laut FOCUS, dass Experten des Bundeskriminalamts (BKA) an den Schuhen, die Zschäpe am Tag ihrer Festnahme trug, DNA-Spuren von E. feststellten. Ihre Genmuster fanden sich unter anderem am Fersenschaft, auf den Laschen und an den Schnürsenkeln. Vermutlich hatte Zschäpe die Schuhe nach der Brandlegung von E. bekommen.“ (ebd)

Ein möglicher Weg des Benzin an E.´s Schuhe und Auto:

1. Frau Zschäpe verschüttet das Benzin in ihrer Wohnung, ihre Kleidung und Schuhe sind mit Benzin „infiziert“.
2. Sie ruft das Ehepaar E. an und bittet um Fluchthilfe, etw saubere Klamotten und Schuhe.
3. Andre E. sammelt sie auf, sie steigt in sein Auto. Dabei verteilt Zschäpe Spuren des Benzins im Auto.
4. Zschäpe zieht sich um, zieht die neuen Schuhe von Susann E. an, wechselt jedoch nicht ihre Socken.
5. Dabei kontaminiert Zschäpe die sauberen Schuhe von Susann mit Benzin.

04.11.11 – 08.11.11, die Flucht

Schon etwa 1 Stunde nach Brandbeginn in der Zwickauer Wohnung, gegen 16:32, begann das sächsische Innenministerium und die Polizei Frau Zschäpe anzurufen. (stern)

Die ARD berichtet, dass Spürhunde die Fährte von Frau Zschäpe „am Wohnmobil“ aufnahmen. Der Zeitpunkt der Suche ist jedoch unklar; wann wurde die Verbindung zwischen der brennenden Zwickauer Wohnung und dem Eisenacher Wohnmobil gemacht?

Schon wenige Stunden nach dem Brand der Wohnung der “Zwickauer Zelle” in der Frühlingsstrasse in Zwickau am 04. November 2011 setzte die Polizei Hunde ein: Spezielle “Mantrailer”, die auf das Aufspüren von Personen trainiert sind. Mit ihnen wollte man die Mieterin der brennenden Wohnung finden – und später, als man wusste, dass sie mit dem brennenden Wohnmobil in Eisenach zu tun hatte, bzw. Beate Zschäpe ist, ihre Spur verfolgen.“

Die Spürhunde nahmen Zschäpes Fährte nicht nur „am Wohnmobil“ auf, sondern auch in Eisenach! Es wäre sicher, dass sie sich in den Tagen vor dem Banküberfall dort aufgehalten haben muss:

„Die Ermittler packten einen Mantrailer-Hund ins Auto und führen nach Eisenach. Und hier wurde es richtig interessant: Der Hund schlug auch dort mehrfach an. Unter anderem am Wohnmobil, in dem Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt starben. War Beate Zschäpe also am Todestag ihrer Kameraden doch vor Ort? Diesen “Treffer” könnte man vielleicht noch damit erklären, das Beate Zschäpe das Wohnmobil in den Tagen vor dem 04. November betreten oder benutzt haben könnte. (…)

Doch der Hund schlug auch anderswo in Eisenach an, heißt es in Ermittlerkreisen. Die Polizei ist sich nach meinem Eindruck sicher: Beate Zschäpe war an den letzten Tagen des Trios ebenfalls vor Ort in Eisenach. Aber wo? Und was war ihre Aufgabe? Beate Zschäpe habe in der Nacht vor dem letzten Raubüberfall auf eine Sparkasse in Eisenach übernachtet – jedoch nicht in dem Wohnmobil, lautet das derzeitige Fazit in Ermittlerkreisen.“ (swr)

Offenbar wurde die Flucht per Bahn, bereits in den Wochen vor dem 04.11.11 geplant …

„In den Wochen vor dem dem Brand in der Frühlingsstraße hatte unter dem Benutzername „Liese“ schon jemand in der Zschäpe-Wohnung auf der Webseite der Deutschen Bahn Fahrplanauskünfte eingeholt. Und Zschäpe startete an diesem 4. November wahrscheinlich eine Tour mit der Eisenbahn durch Deutschland.“(stuttgarter-nachrichten)

Am 05.11.11, gegen 14.00 Uhr, besuchte Frau Zschäpe den Eisenacher Ortsteil Stregda, wo die Herren Mundlos und Böhnhardt zuvor starben. (Bild)

Während ihrer Flucht hätte Zschäpe in verschiedenen Orten Umschläge mit Bekenner-Filmen aufgegeben – eine terroristische Selbstbezichtung! Doch welche Beweise gibt es, dass Frau Zschäpe die Bekenner-DVDs zur Post brachte? Auf den Umschlägen wäre keine DNA gefunden worden heißt es aus Sicherheitskreisen (taz).

Die unbekannte vierte Person

Zwei dieser Filme gelangten auch zur Nürnberger Zeitung, ein zweites zur Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ).

Der KAZ wurde dabei ein unfrankierter Umschlag mit dem Video in den Briefkasten geworfen. Da Zschäpe nach dem 4. November aber nicht in Nürnberg war, muss eine bislang unbekannte Person den Film eingeworfen haben.” (FR)

Es ist bislang unklar, wer den Bekennerfilm überhaupt erstellte. Der Verdacht gegen André E. konnte offenbar nicht erhärtet werden, so dass er aus der Untersuchungshaft entlassen wurde (friedensblick).

08.11.11, Ende der Flucht

Bevor sich Frau Zschäpe am 08.11.11 der Polizei stellte, suchte sie sich einen Rechtsanwalt. Sie bat den Juristen, sie zur Polizei zu begleiten. Sie wolle sich „wegen einer Brandstiftung“ stellen (Focus).

Mehr Informationen, NSU – die wesentlichen Ungereimheiten

12 Gedanken zu „NSU: Rekonstruktion der tödlichen Ereignisse am 04.11.11“

  1. [Zitat]
    Höchstwahrscheinlich kam jemand persönlich in die Zwickauer Wohnung zwischen 14:00 und 15:00 und überbrachte den Internetsurfer die Nachricht. Die Frage ist, wer diese Person gewesen sein könnte!

    Es ist ausgeschlossen, dass Frau Zschäpe diese explosive Info übers Internet oder Radio am 04. oder 05. November bekam. Derjenige, der Frau Zschäpe informierte, war wirklich über das „selbstmörderische“ Vorhaben der Beiden sehr gut informiert. Diese Person muss vor Ort in Stregda anwesend oder in das Vorhaben involviert gewesen sein.
    [Zitat Ende]

    Beate Zschäpe hat die Unglücksnachricht ganz simpel über Radio erfahren, nämlich berichtete Antenne Thüringen um 15:00 Uhr über den Brand des Wohnmobils.
    Das steht im Lichtstadt-Blog:
    http://lichtstadt.blogspot.de/2012/08/inside-nsu-details-aus-der-anklage-was_20.html

    [Zitat]
    Schon etwa 1 Stunde nach Brandbeginn in der Zwickauer Wohnung, gegen 16:32, begann das sächsische Innenministerium und die Polizei Frau Zschäpe anzurufen. (Quelle: stern)
    [Zitat Ende]

    Beate Zschäpe wurde nicht vom „sächsische Innenministerium“ angerufen, sodern ganz
    simpel von Polizei. Die Telefone der Polizei sind nämlich auf das jeweilige Innenministerium angemeldet.

    Die Polizei wiederum kam über mindestens zwei Ansätze auf Zschäpe:
    1. Das Nummernschild des Wohnmobils und dessen Anmietung
    2. Zeugenaussagen, die dieses Wohnmobil in Zwickau vor diesem Haus in der Frühlingstraße gesehen hatten.

    1. Wie wurde Zschäpe benachrichtigt?
      Auch die Lichtstadt-Version besagt, dass Frau Zschäpe bereits zwischen 14:00 und 14:45 mit den Vorbereitungen ihrer Flucht und der Brandstiftung begann. So dass sie gegen 15:00, nach der Radio-Meldung, sofort die Bude anzünden hätte können. Der Unterschied zu meiner Version: Laut Lichtstadt hätte sie nur deshalb mit den Vorbereitungen begonnen, weil sich ihre Lebensgefährten vorher nicht bei ihr telefonisch meldeten. Sie hätte also irgendwie geahnt, dass etwas nicht stimmt.
      ——————————–
      Anrufe bei Zschäpe
      Ja, das sächsische Innenministerium sagt, dass “dieser Anschluss trotz der Kennung für das Innenministerium zur Polizeidirektion Südwestsachsen gehört.” Doch wer benützte das Handy? Niemand nahm ab als sächsische Abgeordnete dort anriefen! Parallel zu diesen Handy-Anrufen kam es zusätzlich zu Anrufen direkt von der Polizei. Daher: Warum sollte Frau Zschäpe doppelt von der Polizei angerufen werden? Sinnvoller wäre es, wenn zwei unterschiedliche Stellen sie anriefen, eben das Innenministerium und die zuständige Polizeidirektion Südwestsachsen.

      1. Du hast Recht.
        Ich hatte ganz verdrängt, dass dieser Telefonanschluss von Abgeordneten angerufen wurde.
        Dieser Anruf wurde angenommen und angehört, aber es wurde nichts geantwortet.
        Das spricht eindeutig gegen Polizei, aber stark für Geheimdienst.

        Beate Zschäpe war V-Frau.

  2. Sehr interessanter und detaillierter Bericht bei lichtstadt und eine recht plausible Darstellung des 4.11.2011.
    Trotzdem merkwürdig, daß Z ausgerechnet so kurz nach 12 ihre Mailbox abgefragt, bzw. wie „böse Zungen“ bis dato behaupten, um 12:11 Uhr einen Anruf erhalten haben soll.(http://www.neues-deutschland.de/artikel/228143.telefonanrufe-bei-der-terror-frau.html). Allerdings scheinen die Nachrichten wirklich nicht allzu beunruhigend für sie gewesen sein, siehe weiteres Surfverhalten.

    Warum ergibt die Funkzellenabfrage für vormittags keine exakteren Zeitangaben zu Anrufen?
    Gab es bis 15 Uhr nur diesen einen Anruf auf die Mailbox?

    1. Entschuldige, aber ich finde es nicht plausibel, dass Zschäpe kurz nach 12 Uhr eine „nicht allzu beunruhigende Nachricht“ erhielt, aber schon 2 Stunden später ihre Flucht mit vorheriger Brandstiftung vorbereitete – ohne, dass sie in der Zwischenzeit eine neue, sehr beunruhigende Nachricht erhielt. Der Bundesgerichtshof schreibt auch, dass sie „auf unbekannter Weg“ vom Tod ihrer Lebensgefährten erfuhr! Eine alternative Erklärung könnte sein, dass Zschäpe wusste was passieren wird.

      1. Hallo Georg,

        die Nachrichten, die Z spätestens kurz nach 12 empfangen hat (Mailbox oder Anruf) können nicht schlecht im Sinne der Nazis gewesen sein, sonst hätte Z laut der von Ermittlern der „Besonderen Aufbauorganisation Trio“ / „BAT“ ausgewerteten Internet-Protokolle (AUFBAUORGANISATION?) nicht bis gegen 13:30 relativ ziellos weitergesurft und Zeit verschwendet, den Notfallplan umzusetzen. Oder?
        Nach dieser Quelle spräche das abwartende Surfverhalten imho auch gegen eine (mögliche) Warnung von dritter Seite und der Ansage an Z, noch stillzuhalten.

        Möglicherweise hat sie dann aber auf eine weitere Meldung gewartet, ist dann zunehmend nervöser geworden, als die ausblieb und hat begonnen, die Maßnahmen einzuleiten. Um 15 Uhr dann die Bestätigung im Radio.

        Das erscheint mir, dann ein möglicher und plausibler Ablauf zu sein.

        Ab 12 Uhr gab es allerdings definitiv keine „guten“ Nachrichten mehr.
        „Gegen 12 Uhr bemerken sie, wie ein Streifenwagen an der Straße „Am Schafrain“ vorbeifährt“
        Daß Z über längere Zeit das Handy unbeachtet lässt, während gleichzeitig ihre Kumpane einen Bankraub begehen, und möglicherweise erst eineinhalb Stunden später eine Nachricht darauf entdeckt, erscheint mir wiederum allerdings wenig plausibel. Zumal, wenn es für das Trio, offenbar, üblich war, per Handy Meldungen bei solchen Aktionen durchzugeben.
        B und M müssten daher ziemlich kurz vor ihrer Entdeckung angerufen haben.

      2. Es gibt auch Zeugenaussagen, wonach die Person, die am Tattag das Wohnmobil verließ, eine Frau war.
        Es gibt auch Zeugenaussagen, wonach drei statt nur zwei Personen diesen Banküberfall begangen haben.
        Es gibt auch DNS-Spuren, die auf eine vierte Person im engsten Umkreis hindeuten bzw dieses beweisen.

        Die offizielle Version der Ereignisse hat demzufolge noch ein paar Schwachstellen, um es mal nett zu formulieren.

  3. WICHTIG!

    Nach langem Suchen habe ich eine alte SPIEGEL-Online Seite vom 12.11.2011 (!) wiedergefunden, die von polizeilichen Observationsmaßnahmen in der Zwickauer Frühlingstraße während der Zeit vor dem 04.11.2011 berichtet hat:

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/rechtsextreme-terrorgruppe-kameraden-bis-in-den-tod-a-797384.html

    „Die Siedlung in Weißenborn, in der sie zuletzt lebten, gehört zu den besseren Vierteln Zwickaus. Im Frühjahr kam es dort zu einer Einbruchserie.“

    „Die Präsenz der Fahnder sei spürbar gewesen, sagt auch der direkte Nachbar der mutmaßlich rechtsextremen Terroristen – „und zwar standen die hier teilweise exakt vor deren Haustür“. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass es wochenlang intensive Kontrollen in der unmittelbaren Umgebung des Hauses gegeben habe.“

    Komischerweise will heute davon keiner mehr etwas wissen.

  4. lichtstadt berichtet davon, daß SPON-Redakteure die Anklageschrift des GBA durchforstet haben. Auch in der Anklageschrift gilt die Frage, wie Zschäpe von den Ereignissen in Eisenach erfahren hat, als ungeklärt!

    „Das Abbrennen der Wohnung sollte der Verwischung von Spuren diesen, so die Anklageschrift. Allerdings gibt es in der Anklage keinen Hinweis darauf, wer Zschäpe vom Tod der Freunde unterrichtet hat oder ob sie aufgrund eines nicht eingehaltenen Informationsplans der beiden Terroristen davon ausgehen musste, dass sie nicht mehr am Leben sind.“

    http://lichtstadt.blogspot.de/2012/11/wieviele-helfer-hatte-der.html

  5. “ . . . Auch in der Anklageschrift gilt die Frage, wie Zschäpe von den Ereignissen in Eisenach erfahren hat, als ungeklärt! . ..“
    und weiter:
    „. . .in der Anklage keinen Hinweis darauf, wer Zschäpe vom Tod der Freunde unterrichtet hat oder ob sie aufgrund eines nicht eingehaltenen Informationsplans der beiden Terroristen davon ausgehen musste, dass sie nicht mehr am Leben sind.”
    Hier liegt eine mögliche Erklärung: Im Trio wurde vereinbart, dass sich die Männer bei Zschäpe melden, wenn der Bankraub erfolgreich abgelaufen ist. Diese Meldung traf nicht ein und somit musste Z. davon ausgehen, dass etwas passiert ist. In einem Zustand von Hilflosigkeit und Panik wurde dann die Wohnung in Brand gesetzt.

    1. 04.11.2011 – 15 : 00 Uhr:

      Niemand konnte zu dem Zeitpunkt wissen, dass es sich um die beiden Uwes im Wohnmobil handelte, aber Zschäpe wurde ab 15:00 Uhr ca. 15 Mal von einem Abgeordneten und der Polizei angerufen.

      Anhand des Mietvertrags ist ersichtlich, dass der Vermieter weder eine Tel. Nr. noch einen Kopie vom Ausweis/Führerschein des Mieters (Herrn Dienelt) notiert hat und es auch eine andere Anschrift, als die in Zwickau war. Somit steht fest, dass Zschäpe wohl für den V-Schutz arbeitet und wer zweifelt bei all den Vorkommnissen noch daran?

      Was ich nicht verstehen kann, ist, dass der Vermieter des Wohnmobils sich bei einem 45.000 €ur Fahrzeug keine Tel. Nr. oder Kopie des Ausweises gemacht hat, was Versicherungen eigentlich immer verlangen und er in seiner Aussage sogar noch anfügte, dass ihm der Mieter irgendwie suspekt/seltsam vorkam.

      Hinzu kommt noch die Auswertung des PCs von Zschäpe – in all den Verbindungen die sie über die Monate zuvor hatte, wurden nie solche Abfragen, wie an dem Morgen des Raubes 04.11.2011 getätigt – nur an diesem Tag rief sie wie wild, alle bekannten Nachrichtensender auf und wollte Infos bzgl. Verkehrsunfälle etc. – sie wusste also vom Raub an diesem Tag und sicher noch viel mehr …

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