Thüringer NSU-Ausschuss propagiert Mundlos Selbstmord

„NSU-watch“ veröffentlichte heute eine Stellungsnahme zum (angeblichen) Selbstmord von Uwe Mundlos und stützt sich dabei auf den parlamentarischen NSU-Ausschuss in Thüringen. Wenig überraschend kam der Ausschuss zum gleichen Ergebnis wie das Bundeskriminalamt (BKA): Selbstmord Mundlos, kein dritter Mann. Ich gehe kritisch auf diese Darstellung in ausgewählten Punkten ein.

Problem des dritten Schusses

Angeblich schoss Uwe Böhnhardt mit einer Maschinenpistole vom Inneren des Wohnmobils auf zwei außen stehende Polizisten. Weder die durch das Projektil hervorgerufene Beschädigung (Schussdefekt) noch das Projektil (bis auf einen Teil auf dem Fahrersitz liegend) selber wurden gefunden! In den Ermittlungsakten ist lediglich von zwei Schussdefekten im Wohmobil die Rede: Am Dach. Aufgrund der Hinweise der Streifenpolizisten auf einen dritten Schuss suchten Ermittler erfolglos einen dritten Schussdefekt, sowohl in der Umgebung (Häuserwände) wie auch im Wohmobil selber, Ergebnis :

„Das Wohnmobil wird am 22.11.2011 in das TLKA verbracht. Eine eingehende Spurensuche nach einem weiteren Schussdefekt im Wohnmobil verläuft negativ.

Im Gegensatz dazu steht bei nsu-watch, dass ein Projektil „später in der A-Säule des Wohnmobils gefunden“ wurde.

„Aus Sicht der beiden Täter geht das BKA von folgendem Szenario aus: Es sei versucht worden, einen Schuss nach außen abzugeben, was jedoch misslungen sei. Das Projektil wird später in der A-Säule des Wohnmobils gefunden. Daraufhin habe Mundlos erst Böhnhardt erschossen, im Anschluss daran Feuer gelegt und sich dann selbst erschossen.“

Handelt es sich (mal wieder) um eine passende Nachfindung?

Gefundene Heilbronner Dienstwaffe

Im Wohnmobil wäre laut „nsu-watch“ noch in Stregda eine Dienstwaffe einer der überfallenen Heilbronner Polizisten gefunden und geborgen worden.

„Schließlich wurden die Leichen sowie eine Dienstwaffe der Polizei gefunden. Diese Waffe konnte schnell in den Zusammenhang mit dem Mord an Michèle Kiesewetter gerückt werden.“

Laut Darstellung des Spurensicherung wäre es jedoch eine andere Schusswaffen-Marke gewesen, eine P10, keine P2000 wie sie die Heilbronner Polizisten damals benutzten. Ein anderer Polizist nahm die aus dem Wohnmobil geborgene Waffe in Augenschau und fand keine „Bestempelung vom Bundesland“, die an polizeilichen Dienstwaffen eingraviert ist, und nur eine einzige eingravierte Waffennummer. Als Zeuge des NSU-Gerichtsverfahrens sagte er, dass aus dem Wohnmobil noch in Stregda „eine topaktuelle Waffe“ herausgeholt wurde.  Danach wäre das Wohnmobil abgeschleppt worden. Erst in der Halle wären dann die zwei Heckler & Koch Schusswaffen der überfallenen Polizisten geborgen worden und der Bezug nach Heilbronn so hergestellt worden.

Passend zu den Lügen-Festspielen im Erfurter Parlament, sich gegenseitig und selbst widersprechenden Polizisten, konnte der Ausschuss bis heute nicht herausbekommen, welche Dienstwaffe wann gefunden wurde.

Dritter Mann

Der thüringer Ausschuss ignorierte die Zeugen, die einen dritten Mann aus dem Wohnmobil kommen sahen, bevor die Polizeistreife überhaupt eintraf. Durch Gespräche mit Journalisten und privaten Bloggern sind die Aussagen jedoch gut bekannt. Eine Zeugin bemerkte sogar Brandgeruch aus dem Wohnmobil, bevor überhaupt das Wohnmobil von den Streifenpolizisten entdeckt worden wäre.  

Der Ausschuss schließt einen dritten Mann aus, da kein Zeuge einen blutverschmierten Mann aus dem Wohnmobil kommen sah. Der Mann hätte blutverschmiert sein müssen. In dieser Aussage stützt sich der Ausschuss auf Zeugenbefragungen der Polizei am 04.11.11! Warum verzichtete der Ausschuss darauf, die Zeugen selber vorzuladen und zu hören? 

Problem der zweiten Hülse

Entgegen der Aussage in den Ermittlungsakten kam der Ausschuss zur Erkenntnis, dass Mundlos bei seinem Selbstmord gestanden sein musste. Denn dann hätte seine Pumpgun auf den Boden fallen und sich selbst entladen können. Zur Untermauerung dieser These fehlt jedoch eine Blutspuren-Analyse, die nicht vorgenommen wurde. Dass ficht jedoch den Ausschuss nicht an, von Selbstmord auszugehen.

„Damit hätte festgestellt werden können, ob Mundlos zum Zeitpunkt seines Selbstmordes gestanden oder gesessen habe“

Warum verzichtete der Ausschuss darauf, selber eine Blutspuren-Analyse in Auftrag zu geben, um seine Idee zu überprüfen? Die Tatortfotos in den Akten zeigen keine Blutmuster an den oberen Wandpartien hinter Mundlos, weder auf der oberen ausgeklappten Matratze, noch auf der unteren hochgeklappten. Dabei hätte Mundlos in diese Richtung fallen müssen.

Todeszeitpunkt Mundlos/Böhnhardt

Die Polizei ließ keine genaue Temperaturmessung der Körper vornehmen, so dass der Todeszeitpunktes nicht genau festgestellt werden konnte. Es wurden von der Gerichtsmedizin nur die Leichenflecken untersucht, am 05.11.11. Das Ergebnis war, dass Mundlos/Böhnhardt „am Morgen des 04.11“ gestorben wären.

„Ergebnis war, Mundlos und Böhnhardt seien am Morgen des 04.11. gestorben. Sie waren also nicht bereits länger tot an den Auffundort gebracht worden.“

Laut den Totenscheinen sollen die Männer jedoch gegen Mittag, gegen 12:00, gestorben sein, als die Polizisten die Schüsse aus dem Wohnmobil hörten! Außerdem war das Wohnmobil ja während des Banküberfalls gegen 9:30 gar nicht in Stregda gestanden.

Mit obiger Darstellung will der NSU-Ausschuss ernsthaft der These entgegentreten, dass Böhnhardt/Mundlos bereits tot im Wohnmobil lagen, als die Schüsse gegen 12:00 gehört wurden. Es gäbe darauf aufbauend „keinen alternativen Handlungsablauf, der einen gleichen Grad an Plausibilität erreiche“, wie die offizielle Darstellung.

Beweismittel-Manipulation

Die Auffindesituation der Leiche Böhnhardts wurde gravierend verändert. Sein Körper rutschte etwa einen halben Meter in Richtung des Fahrerhauses. Dies will der Ausschuss mit der Verladung des Wohnmobils erklären.

„Tatsächlich habe es sich nicht um eine 40°-Rampe gehandelt, sondern um eine mit nur 10-20° . Trotzdem sei das Wohnmobil nicht spurenschonend verladen worden. Vielmehr sehe es auf den Fotos so aus, als sei Böhnhardt leicht verrutscht.“

Es ist ausgeschlossen, dass Böhnhardt durch die Verladung einen halben Meter nach vorne rutschte. Wenn dann hätte er in Richtung von Mundlos rutschen müssen, da das Wohnmobil auf der Fahrerseite hochgehoben wurde.

Entsorgte Gehirnmasse von Mundlos/Böhnhardt

Der Ausschuss kritisiert zwar die Entsorgung der Gehirnmasse verschweigt jedoch ein mögliches Motiv: Die Gerichtsmedizin fand sechs Munitionsteile im Resthirn Böhnhardts. Die Teile wurden nicht untersucht, also keiner Munition zugeordnet. Könnte es sein, dass deswegen die Gehirnmasse von der Spurensicherung weggeschmissen wurde?

Der Ausschuss hätte eine Untersuchung der Munitionsteile veranlassen müssen, genauso wie den nicht untersuchten Schmauch aus den Kopfwunden. Der Schmauch an der Hand Böhnhardts wurde untersucht, Ergebnis: Schmauch aus einer Polizeiwaffe.

Fazit

In Thüringen gibt es eine rot-rot-grüne Regierung, unter dem linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Er wurde auch deswegen gewählt, um den NSU-Skandal aufzuklären. Dem Wählerauftrag wird nicht nachgegangen. Statt offensichtlich notwendige Untersuchungen voranzutreiben, erklärt der NSU-Ausschuss die ungenügenden Ermittlungen mit „schlechter Polizeiarbeit“ („Also nicht um eine Vertuschungsaktion.“)  und bestätigt trotzdem das Ermittlungsergebnis, welches bereits um 15:00 feststand:

„Am 04.11.2011 kamen die Ermittler_innen zu ihrem Ergebnis, es hätte sich um erweiterten Selbstmord gehandelt. Bereits um 15:00 Uhr des selben Tages wird dieses der Staatsanwaltschaft mitgeteilt.“

Die politischen Hintergründe der verweigerten Ausschussarbeit schilderte die linke Abgeordnete im Ausschuss Katharina König: Die Untersuchungen lenken vom eigentlichen Thema ab: Dem Rassismus in der Gesellschaft.

„Und es spielt hier überhaut keine Rolle. Und wird der Fokus meines Erachtens, der entscheidende Fokus, nämlich auf den Rassismus der deutschen Gesellschaft zu gehen, auf die Verwicklung des Verfassungsschutzes innerhalb der Naziszene zu gehen, der wird weg-geschoben und wird hin-geschoben zu einer Theorie und ich sage Verschwörungstheorie rund um den 4. November, weil zwei komme irgendwas Gramm Kilo Nazihirn fehlen.“

Bodo Ramelow und seine Linksregierung können sich sicher sein, dass die Medien nicht die Ausschussarbeit hinterfragen werden, und sie damit durchkommen. Aber es gilt nur kurzfristig, nicht mittel- und langfristig. Dieser Ausschuss wird anders als gehofft in die Geschichtsschreibung eingehen.

5 Gedanken zu „Thüringer NSU-Ausschuss propagiert Mundlos Selbstmord“

  1. Wieso soll dieses Durchkommen nur kurz – und nicht mittel – oder langfristig sein ? Wessen Durchkommen denn ? Wen kümmerts denn, ob in wasweißichwieviel Jahren irgendein Historiker, Kriminologe, Blogger, wer auch immer, faktenbasiert nachweisen kann, dass alles ganz anders war ? Die Verantwortlichen für Doppelmord und Vertuschung ( sinds dieselben ? ) werden straffrei ausgehen, nur darum ging es ! Wie sagte schon Schorsch dabbelju ? Mission accomplished !

    MfG

    1. FALSCH!
      Da schon lange faktenbasiert nachgewiesen ist, dass es unmöglich laut der offiziellen Version abgelaufen sein kann…
      Selbst das adipöse Dummerle hat’s ja schon lange kapiert, kann nur nicht aus ihrer Elefantenhaut raus, ihre fütternde Hand totbeißen & es zu stoppen ihre Paranoia „Rassismus der Gesellschaft“ (die größte Rassistin aller Zeiten scheint sie selbst) auf unbescholtene Bürger, die sie sogar noch mästen müssen, zu projizieren…
      Wir werden noch erleben dürfen, dass diese Linksfaschisten (am besten mit allen anderen Faschisten zusammen!) in den Orkus abschmieren werden.

      1. Das werden wir erleben ? Ich weiss nicht, wie alt Sie sind, aber ich ( Jahrgang 1961 ) werde es mit Sicherheit nicht mehr erleben, auch wenn ich nichts dagegen hätte ! Dass die Linksfaschisten, wer immer das auch sein soll, im Orkus abschmieren, das vielleicht, aber dass einer der Akteure des NSU Theaterstücks zur irgendeiner Art von Verantwortung gezogen wird, das ganz sicher nicht ! Da verwette ich meinen Hartz4 Satz drauf !

        MfG

        1. 1. Kommt es anders 2. als man denkt…

          Selbstverständlich werden niemals die echten Killer aus dem OK Milieu belangt werden, aber hier wird es in den nächsten 10-20 Jahren noch dermaßen verrückt, da wird sich noch mancher wundern… 😉

          Ihren Hartz Satz möchte ich Ihnen garnicht streitig machen, gönne ich Ihnen komplett! Denn bereits mit Brexit & Trump habe ich fett abgesahnt. Was waren die Auszahler angepxsst.
          MfG

  2. Ja, Ihrer ersten Zeile ist nicht zu widersprechen ! Insgesamt sind wir wohl d`accord, was die nächsten Jahre betrifft. Ob die deutschen Schlafschafe allerdings revoltieren, ich wünsche es zwar, bezweifele es aber sehr, aber, wie gesagt, Ihre erste Zeile triffts genau.
    Was Trump und Brexit betrifft : herzlichen Glückwunsch ! Habe in meinem Bekanntenkreis leider keinen gefunden, der mit mir wetten wollte.

    MfG

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