NSU-Bekennervideo: Welche Erkenntnisse können gezogen werden?

Der eigentliche Film dauert von 0:05 bis 13:45. Davor kommt eine Eingangsfolie, danach ein Abspann bis 14:53 und schließlich eine Schlussfolie mit Fotos u. a. vom Heilbronner Polizistenüberfall.

Der Film war laut Aussage eines BKA-Ermittlers „im Grunde genommen im März, also 21. März 2007, fertig“. Die Folien wären erst im November 2011 hinzugefügt worden, anschließend verbesserte er sich auf November 2007. Hier ist der Film vertextet, der hier kann er gesehen werden kann.

Durch den Film führt eine Stimme, die die Handlungen und Gedanken der Comicfigur Paulchen Panther wiedergibt.

  • Am Anfang ist rosarote Kater „arbeitslos“. Er trifft auf ein Plakat, dort wirbt „ein Soldat“ für „den Dienst am Vaterland“. Auf dem Plakat steht: „NSU: Steh zu Deinem Volk, Steh zu Deinem Land, Unterstütze den NSU“. Panther salutiert und wird angeworben.

Der Geheimdienst „MAD“ der Bundeswehr versuchte, Uwe Mundlos während seiner Dienstzeit anzuwerben. Angehörige und Freunde sagen, dass er gerne Paulchen-Panther sah. Offensichtlich ist Mundlos im Film Paulchen Panther. In der Eingangsfolie steht, dass der NSU ein „Netzwerk von Kameraden“ sei, dass „Aktivitäten“ nach dem Motto „Taten statt Worte“ durchführe.

Die Aussage ist, dass Uwe Mundlos vom NSU rekrutiert wurde.

  • Panther geht auf einer Straße in der Nacht, über ihn sind Gedankenblasen … „Keine Worte sondern Taten, NSU Was sonst, das Bömbchen“. Ton: „Nun geht es nicht mit Muskelkraft, mal sehen ob das Dynamit es schafft.“ Er legt die Bombe in der Probsteigasse.

Mundlos wird verantwortlich gemacht, diese Bombe gelegt zu haben. Das ist jedoch ausgeschlossen, siehe Phantombild und Aussage der Zeugen.

  • In einem Fernsehbericht über den Bombenanschlag ist ein Polizist zu sehen. Im Bericht ist der Arm von Paulchen eingebaut, mit einem Revolver. Er schießt dem Polizist in den Kopf. Die gezeigte Waffe ist jedoch nicht die Tatwaffe des Heilbronner Polizistenüberfalls gewesen.

Auch hier eine klare Bezichtigung, für den Bombenanschlag verantwortlich zu sein. Die Szene als Panther einen Polizisten in den Kopf schießt, drückt Hass gegen Polizisten aus. Der Heilbronner Polizistenüberfall wird aber nicht im Film thematisiert, nur in der Abschlussfolie. Als der Film fertig war (ohne Folien am Anfang und Ende), hatte sich der Überfall noch nicht ereignet, (aber war vielleicht geplant).

Die am 25.04.07 überfallenen Heilbronner Polizisten waren an einer Anti-Drogenaktion beteiligt, bei der die Russenvon Heilbronn „nach Neckarsulm“ (Abkürzung NSU) vertrieben wurden. Im Rahmen der Ermittlungen zum Überfall wurde auch gegen eine „Pink-Panther“ – Bande ermittelt. Interessanterweise tauchte in den Vorgängerversionen (aus dem Jahr 2001) des Bekennerfilms „Paulchen Panther“ noch nicht auf.

  • Paulchen findet einen Faden auf der Straße liegen und folgt ihm zu einem Mann. Er zieht am Faden und löst die Oberbekleidung des Mannes auf. Dessen Hose fällt runter, so dass er in Unterhose dasteht. Auf seinem Bauch steht „RAF“. Dadurch ist  Knoll (…) zusätzlich verklemmt“.

dapd/DAPD

Foto: dapd/DAPD

Der damalige Chef des Thüringer Landeskriminalamtes Uwe Kranz (1992-1997) warnte während interner Besprechungen, vor den „sich verfestigenden Strukturen der Rechtsextremisten“ , wörtlich:

„Die Gefahr besteht, dass sich so etwas bildet wie eine Braune Armee Fraktion.“ (TLZ)

  • Panther folgt dem Faden weiter, er endet in einem Haus, durch dessen Kamin Paulchen eintritt und sich am Feuer den Hintern verbrennt: „Die Sache ist doch zu verdreht. Großartig. Sherlock Holmes ist überhaupt ein Dreck dagegen. Geheimagent Paulchen Panther.“ 

Das könnte eine Anspielung sein, dass der „Thüringer Heimatschutz“ von den Geheimdiensten aufgebaut wurde, oder er selbst ein Geheimdienst-Informant war.

  • Paulchen präsentiert verschiedene Poster, die die „NSU-Deutschlandtour“ zeigen: Die Ceska-Mordopfer. Das letzte Poster: „Aktion Sternchen für den NSU“. Es 

Der Film macht also den „NSU“ für die Ceska-Morde verantwortlich.

  • Paulchen schaut sich Nachrichten über die Morde an. Ein Phantombild wird gezeigt: „Der Burscha da, ein berüchtigter Bombenleger wird steckbrieflich gesucht. Da könnten Sie sich Lorbeeren verdienen, wenn Sie der Polizei das neueste Foto von ihm liefern würden.“

Das im Film gezeigte Phantombild hat Ähnlichkeit mit einer Aufnahme des jungen Uwe Böhnhardts. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war er ca. 8 Jahre älter als während des Ceska-Mordes, als das Phantombild entstand. Zu der Zeit hatte kein volles Haupthaar mehr, sondern eine fast-Glatze mit „Geheimratsecken“. Es ist offensichtlich, dass dem Autor der Filmes die Ähnlichkeit aufgefallen ist und Böhnhardt belasten will.

Quelle: tagesspiegel

Uwe Böhnhardt kann jedoch nicht der gefilmte Bombenleger der Keupstraße gewesen sein, dass er wesentlich größer ist.

  • Paulchen geht ins Bett, weil in den Nachrichten nur „Mist“ läuft. Er träumt und kommt an zwei der ersten Ceska-Tatorte vorbei. Stimme sagt: In Wirklichkeit hat er hier nichts zu melden. Er sieht nach allem aus, nur nicht nach einem Helden.“ Es erscheint ein von den Tätern gemachtes Tatortfoto des ersten Mordopfers, Herrn Simsek. „Und dass da schon zwei Polizisten stehen, kann auch mit rechten Dingen nicht zugehen.“

Tatsächlich machten Polizisten Fotos vom sterbenden Herrn Simsek, als er noch in seinem Transporter lag. Sind diese Fotos im Bekennerfilm? 

  • Panther flieht und kommt in die Schneiderei des zweiten Opfers. Auch hier erscheint ein Tatortfoto, welches die Stimme sinngemäß kommentiert: Jede „üble Tat“ folgt einer Strafe –  „hier hat die Strafe sich beeilt.“ Ein Tatortfoto des dritten Opfers wird gezeigt, gleich darauf ein Totenkopf mit einem Einschussloch, mit Leichenmarke und drei rosa NSU-Sternen. Ton:  „In jedem Fall sitzt in der Tinte, wenn aus dem Eichhorn klein und flink, ein Scheusal wird wie dieses Ding.“ Es wird zwar eine ohne Schalldämpfer feuernde Schusswaffe gezeigt, jedoch wieder nicht die Tatwaffe! Das Opfer wird als Eichhorn unterlegt, der Totenkopf mit dem Scheusal. Panther schläft schnarrchend weiter.

Dieser Abschnitt macht klar, dass das Opfer für etwas, was es getan hat, bestraft wurde! Aber was? Wurden sie bestraft, weil sie Ausländer waren? Die Rolle von Paulchen ist unklar. Im Traum kann man keine Menschen erschießen. Was bedeutet: Panther hätte „nichts zu melden“?

  • Er wird vom Wecker geweckt, findet wieder einen Faden und folgt ihm. Ein Hund sitzt darauf und lässt ihn nicht weiter, „doch manches kann man mit Gewalt erreichen“. Er tritt den Hund, der ihn aber verfolgt.
  • Paulchen wundert sich über verdreckte Straßen, wo „jeder, was er nicht mehr braucht, ganz einfach auf die Straße“ wirft. Nicht immer landet  sowas Weggeworfenes eines Polizisten Nase.“ Tatsächlich ist die gezeigte Straße sauber und menschenleer. Und da jetzt Schluss sein soll mit dieser Ferkelei, muss Paulchen auf die Bürgermeisterei“. Es sind eine Frau mit Kopftuch und Männer mit Migrationshintergrund zu sehen.
  • Bei der „Bürgermeisterei“ wird ihm „kurzer Prozess“ gemacht. Um „ihn zu belehren“, „drückt man ihm einen Besen in die Hände“ und „lässt den eigenen und den fremden Dreck ihn kehren“. 

Es geht um „Ferkeleien“, die Polizisten nicht immer mitbekommen. Daher müsste Paulchen dagegen vorgehen. Sind diese „Ferkeleien“ Migranten? Aber dann müssten das doch Polizisten mitbekommen, dass in der Straße Migranten leben? Es macht keinen Sinn.

  • Er geht daraufhin in ein Gebäude mit der Aufschrift „NSU“. Dort wird er von einem weißen Männchen für Plan A und Plan B geschult. Er soll eine Bombe in der Keupstraße zünden. Die erste Bombe explodiert nicht, erst beim zweiten Mal.

Panther wird also von der „NSU“ geschult, den Bombenanschlag in der Keupstraße auszuführen. Tatsächlich gab es dort zwei Versuche der Tatgehung.

„Der Anschlag in der Keupstrasse wurde 2 mal an jenem Tag versucht, aber beim 1. Mal war die mutmassliche kurdische Zielperson noch nicht anwesend. Die bekannten Viva-Bilder mit dem Bombenfahrradschieber stammen von diesem 1. Versuch.“ (nsu-leaks)

  • Die Stimme berichtet, dass ein „Herr Schramm“ sich darüber beschwert. Panther ist ihm schon seit vielen Jahren ein „bekannter und übel wollender Geselle, der Tag und Nacht bei Schramm zur Stelle.“ An dieser Stelle sind Polizisten zu sehen, die Steckbriefe verteilen, ein Schuss ist zu hören.
  • Das weiße Männchen, nun als Polizist, zeigt Panther den Steckbrief von der Keupstraßenfahndung. „Er ahnt ja nicht, dass wir schon wissen, dass hinter beiden Ärgernissen der rosarote Panther steckt, der wieder mal was ausgeheckt, was bösen Leuten Kummer macht. Und über das der Gute lacht.“ In diesem Moment sind Aufnahmen von verletzten Anwohnern der Keupstraße zu sehen, auch ein Schuss ist zu hören.
  • Das weiße Männchen beglückwünscht Panther. Denn jetzt sind die Straßen „blitzeblank“.

Dieser Abschnitt ist unverständlich: Über welche „zwei Ärgernisse“ sind „wir“ schon informiert? Wer ist „wir? „Wir“ und Panther sind unterschiedliche Personen. Trotz der „Ärgernisse“ beglückwünscht das weiße Männchen Panther. Gehört der Bombenanschlag nicht zu den „Ärgernissen“?

  • Panther findet wieder einen Faden und folgt ihm. Am Fadenende ist eine Bombe, die explodiert: „Aber als die Bombe er erblickt, dann ist er weniger entzückt. Sie explodiert, jawohl, es kracht, und hat den Frühling mitgebracht.“

Tatsächlich explodierte die Wohnung von Beate Zschäpe in der Frühlingsstraße am 04.11.: Erst danach wurden die Filme verteilt.

Wollten sich die am 04.11 gestorbenen (angeblichen) Täter Mundlos/Böhnhardt selbst „würdigen“ oder sollten „gewürdigt“ werden? Der Zeitpunkt der Verteilung spricht dafür, dass sie die Täter waren oder gezielt verantwortlich gemacht werden sollten.

Fehler im Bekennerfilm

  • Der vertonte Film wäre im November 2007 fertiggestellt worden, zu diesem Zeitpunkt lebte das Trio noch ganz woanders. Erst im April 2008 zog es in die Frühlingsstraße. Woher wusste der NSU, dass die „Selbstenttarnung“ dort 2011 stattfinden wird? Am Ende des Filmes explodiert eine Bombe in einem Haus, die den „Frühling“ bringt.
  • Einerseits zeigt der Film Tatortfotos, die vom Täter stammen müssen, enthüllt Täterwissen zum Keupstraßen-Bombe, andererseits lässt der Film vieles offen, wie die Frage: Wie wurden die Opfer ausgewählt und ausspioniert? Es gibt außerdem haarsträubende Fehler. Das Datum eines Ceska-Mordes war falsch, ein Grieche wurde als Türke bezeichnet.

Versteckter Text/Bild Zeigen

  • Warum zeigte Paulchen Panter eine Deutschlandkarte mit den heutigen Grenzen? Rechtsextreme würden Deutschland mit den Ostgebieten zeigen. Warum werden die Tatwaffen nicht gezeigt, sondern falsche Waffen?
  • und …

NSU Keupstraße: Bombenleger „Gerri auf Kamera“ ist nicht Uwe Böhnhardt

Fazit

Die Analyse des „Bekennervideos“ des National-Sozialistischen-Untergrundes (NSU) zeigt, dass kein richtiges Bekenntnis zu den Taten vorliegt. Es gibt zuviele wirre Aussagen. Der Film belastet jedoch den NSU als Auftraggeber, Unterstützer und das Duo Böhnhardt/Mundlos als Täter, obwohl nicht einmal ihre Stimmen zu hören sind.

Es kommt mir vor, dass der Film eine Auftragsarbeit war. Die Ersteller des Filmes waren wahrscheinlich nicht direkt bei den Verbrechen beteiligt, sondern handelten im Auftrag des Täterkreises.

2 Gedanken zu „NSU-Bekennervideo: Welche Erkenntnisse können gezogen werden?“

  1. Warum wachen Verteidiger der Angeklagten auf, als ein Nebenklage-Anwalt darauf hinweist, dass der Film kein Bekenntnis von UM und UB enthält, sondern des NSU?

    „9. zu E 1, S. 34 – „Beweis ihres Tuns“ / E 2, S. 16 (F 34) / E 3, S. 8 f. (F 13 + F 14) :
    Sie erklärten: „UM wollte, daß alle Beweise im Zusammenhang mit ihren Taten vernichtet werden und der einzige Beweis ihres Tuns die DVD sei.“ Sind Sie nicht tatsächlich davon ausgegangen, daß die Morde und Anschläge als Bestandteil „des Tuns“ von UM/UB mit verarbeitet wurden bzw. würden?
    Sie führten aus: „Es ging nicht darum, Beweise zu vernichten, die ihre Straftaten offenlegen würden – die DVDs, die ich verschicken sollte, belegen auch das Gegenteil.“
    Das Verschicken der DVDs belegt nicht das Gegenteil, da in diesem „Bekennervideo“ kein Bekenntnis von den Personen UM/UB ersichtlich ist, sondern nur eines des (bis dahin unbekannten) NSU. Bitte nehmen Sie zu diesem Widerspruch Stellung.

    An dieser Stelle beschweren sich RA Heer und Eminger-Verteidiger RA Kaiser ohne Mikrofonverstärkung. Was sie sagen, ist auf der Besucherempore nicht zu verstehen.“

  2. Beate Zschäpe kann die Bekennervideos am 04.11.2011 nicht verschickt haben. Darüber wurde im Strafprozess auch Beweis erhoben. Das Geständnis der Zschäpe ist also in diesem Punkt unwahr.

    Die Frage nach dem Inhalt des Videos ist also eine Nebelkerze. Der Inhalt des Bekennervideos steht zudem im klaren Gegensatz zu einen Bekenntnis, welches erst nach dem Tod erfolgen sollte. Schon die Eingangssequenz stellt einen unauflöslichen Widerspruch dar. Ein solches Bekennervideo hätte ja wohl mit den Worten:

    „Wenn Sie dieses Video sehen, sind wir bereits den Heldentod gestorben. Der Kampf muss aber weitergehen“

    beginnen müssen. Der Inhalt des Bekennervideos steht praktisch von der ersten Sekunde an im Widerspruch zur These der Bundesanwaltschaft, das Video wäre speziell für die Situation einer Selbsttötung von Böhnhardt und Mundlos gefertigt worden.

    Das Zschäpe es unter den im Prozess bezeugten Umständen so überhaupt nicht verschickt haben kann, kommt noch dazu.

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