Gibt es eine Verbindung zwischen Umfeld des überfallenen Polizisten Arnold und möglichen Täterkreis?

Der Baden-Württemberger NSU-Ausschuss befragte Kriminalhauptkommissarin Bettina F., die nach dem 04.11.11 Befragungen im persönlichen Umfeld von Martin Arnold durchführte. Bis heute Unbekannte griffen den Polizisten Arnold zusammen mit seiner Kollegin Michele Kiesewetter an, die dem Heilbronner Polizistenüberfall am 25.04.2007 zum Opfer fiel. Der Ausschuss lud Bettina F. „über das Landeskriminalamt Baden-Württemberg“ zur Befragung. 

Die wichtige Information aus dieser Befragung ist, dass das persönliche Umfeld Arnolds über den möglichen Täterkreis informiert gewesen sein könnte.

Bettina F. schilderte, dass bei der Vernehmung von Mutter Arnold ihr damaliger „Lebensabschnittsgefährte“ anwesend war, „der Herr H. R.“.  

„Und er hatte ja dann von sich aus direkt berichtet gehabt, dass er eben früher beim Bundesverfassungsschutz in Köln gearbeitet hat und dass es da einen Zwischenfall, sage ich jetzt mal, mit seinem Bruder gegeben hatte. Er wurde deswegen 2006 gekündigt, weil eben sein Bruder in Verbindung gebracht wurde mit Prostitution, Menschenhandel im Zusammenhang mit russischen Frauen.“

Herr H. R. wäre 2006 von seiner Arbeit beim Geheimdienst „Verfassungsschutz“ entlassen worden, weil dort nichts über die möglichen Verbindungen des Bruders zur Russen-Mafia bekannt gewesen wäre. 

H. R. und die Mutter Arnold wären aber erst …

„… im Januar 2011 zusammengekommen, kannten sich aber im Prinzip seit der Kindheit. Also, die Eltern kannten sich, glaube ich, aus Kasachstan, sind dann irgendwann mal in den Siebzigerjahren nach Deutschland gekommen, die eine Familie Richtung Bremen, glaube ich – das war die Familie von M. A. –, und die andere Familie Richtung Frankfurt. Und dann war es im Prinzip so, dass der Kontakt mehr oder weniger abgerissen ist. Die Frau A. hatte immer mal wieder noch lose Kontakt zum Bruder von H. R., und das war es dann aber im Grunde genommen auch.“

Die wichtige Frage ist, ob ein Kontakt zwischen Martin Arnold und H. R. sowie seinem Bruder bestand? Aus folgendem Grund:

Im Frühjahr 2007, als Michele Kieseswetter und ihr Kollege Martin Arnold mörderisch angegriffen wurden, vollzog sich in Heilbronn eine Sonderaktion der Polizei mit der Bezeichnung „EG Blizzard“, ein „massiver Schlag gegen die Heilbronner Rauschgiftszene.“

Diese Aktion hätte dazu geführt, dass die Heilbronner Stadtgarten-Szene von „Russen“ „aus Öhringen“ übernommen“ worden wäre, „Spätaussiedler aus den angrenzenden Landkreisen“. Laut des Kollegen Thomas K. hätte man mit der „Blizzard“-Aktion „die Russen“ „nach Neckarsulm“ vertrieben. In dem zusammenfassenden Ermittlungsbericht aus dem Jahr 2012 führt die Sonderkommission (Soko) „Parkplatz“ allein fünf Zeugen auf, die in Kasachstan geboren wurden.

Tatortzeugen schilderten flüchtende Männer meist als osteuropäisch aussehend. Ein blutverschmierter Verdächtiger hätte, laut einer Zeugin auf russisch, „Dawei, Dawei“ („Mach schnell“) gerufen, als er in ein Fluchtauto sprang.

Die Soko „Parkplatz“ zog aufgrund dieser Aussagen in Erwägung … 

„… einen Experten i. S. osteuropäische OK, wie z. B. „Russenmafia“ o.a. im Vorfeld gezielt hinsichtlich der o. a. Fragestellungen zu kontaktieren bzw. ggf. auch in die Analyse mit einzubeziehen.“

Eine weitere mögliche Verbindung zum Umfeld Arnolds war möglicherweise der Deutschrusse Arthur Christ, der am 25.01.2009 Selbstmord begangen hätte. Ein Phantombild hätte laut der Soko eine „verblüffende Ähnlichkeit“ mit ihm ergeben. Seine Eltern stammen aus Kasachstan. Laut der Sonderkommission Parkplatz hätten Folgeermittlungen ergeben, …

„… dass Christ offensichtlich zu Personen Kontakt hatte, die sich nachweislich am Tatort auf der Theresienwiese aufgehalten haben.“ (nsu-leaks)

Bei seinem Tod „kann nicht mit letzter Bestimmheit gesagt werden, ob es sich um einen Unglücksfall, Suizid oder ein Gewaltverbrechen handelt.“

Eine Vertrauensperson der Polizei sagte aus, dass während des Polizistenüberfalls ein Drogentransport am Tatort stattfand und, dass Christ Zeuge des Überfalls und deshalb ermordet worden wäre.

„Der Artur Christ wurde aus Vorsorgegründen ermordet, damit er keine Aussagen machen kann. Es war dieselbe Gruppierung wie beim Polizistenmord, nur andere Leute. Christ wurde auch „der Depp mit der Käpp“ genannt. weil er Hip-Hop-Klamotten trug.“ (nsu-leaks)

„Den Angaben der VP zufolge befand sich am Tattag ein Fahrzeug auf der Theresienwiese, in das 10 kg reinstes Heroin versteckt eingearbeitet gewesen sei. Der Fahrer des Drogenfahrzeugs sei aus Kirgisistan gekommen und hätte teils aus technischen Gründen die vereinbarten Treffpunkte der Übergabe nicht erreicht. Er habe deshalb sein Fahrzeug auf der Theresienwiese geparkt und sei mit dem Taxi zum vereinbarten Treffpunkt gefahren.“ (nsu-leaks)

„In diesem Zusammenhang erzählte S. die Sache mit der Theresienwiese. Dort hätte ein Drogengeschäft mit Türken stattgefunden. Bei diesem Geschäft seien überraschend Polizisten gekommen, die dann weggemacht werden mussten, d.h. sie mussten umgebracht werden, da sie ansonsten für eine
lange Zeit hätten ins Gefängnis müssen.“

Auf Fragen der Abgeordneten diesen Themenkomplex betreffend, antworteten Polizisten höchst unergiebig.

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Die noch laufenden Ermittlungen im Fall Christ wurden schließlich beendet, „da sich durch die Ereignisse des 04.11. weitere Ermittlungen erübrigten“. Die „Selbstenttarnung des NSU“  am 04.11.11 beendete übrigens auch den DNA-Krimi gegen die Kollegen Kiesewetters und Arnolds.

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Es gäbe also einen möglichen Ermittlungsansatz, das Umfeld von Arnold zu Verbindungen nach Heilbronn zu untersuchen. Könnte es sein, dass Michele Kiesewetter und Martin Arnold über Vorwissen über den geplanten Drogenverkauf verfügten? Fuhren sie deshalb an dem Tag zweimal die Theresienwiese an oder ist alles nur ein Zufall?

Nichts Verdächtiges sah Kriminalhauptkommissarin Bettina F. bei ihrem Treffen mit Mutter Arnold und ihrem Lebensgefährten. Dabei wäre zu hinterfragen, warum H. R. diese Information offenbar nicht bereits 2007 der Polizei gab, gerade wegen der damaligen Ermittlungsrichtung „Russen-Mafia“.

Als sie die Information über dessen damalige Arbeit beim Geheimdienst von ihm erhielt, und die mögliche Verbindung seines Bruders zur Russen-Mafia, wertete sie dies als nicht weiter ermittlungsrelevant.

„Also, insofern haben wir da kein Motiv gesehen oder keinen Grund gesehen, ihm da noch weiter auf den Zahn zu fühlen.“

Als Entlastend bewertete die Ermittlerin, dass H. R. von sich selbst darüber sprach. Ansonsten hätten die Ermittler nichts über die möglichen Verbindungen zum Geheimdienst und Russen-Mafia gewusst. Außerdem wurden Mutter Arnold und H. R. erst 2011 ein Paar. Immerhin gibt Kriminalhauptkommissarin Bettina F. zu:

Wir haben alles in den Bericht mit reingeschrieben, wo man sagen könnte, da könnte man vielleicht anderer Meinung sein.“ (die-anstifter)

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Dazu passend:

NSU: Hat Kiesewetter-Kollege Martin Arnold Angst auszusagen?

4 Gedanken zu „Gibt es eine Verbindung zwischen Umfeld des überfallenen Polizisten Arnold und möglichen Täterkreis?“

  1. „Die wichtige Frage ist, ob ein Kontakt zwischen Martin Arnold und H. R. sowie seinem Bruder bestand?“

    – warum fehlen 20 Nummern im Telefonbuch von MAs Handy in der Akte?

    – warum fehlen die Anrufe/gewählten Rufnummern in MAs Handy ab dem 20.4.2007 in der Akte?

    – warum fehlen die Zeugenaussagen von 1 Schwester und die der Mutter in MAs Akte?

    – warum wurden die Netzbetreiber-Abfragen für die Handys beider Opfer nur für den Tattag angefordert, und nicht für die Tage davor? (zumal ja nicht klar war, wie MK zu ihrem HN-Einsatz kam)

    Was den Namen H. R. angeht, so frag doch mal Thomas Moser an, wie der richtig heisst. Könnte hilfreich sein. Und wie der Bruder heisst natürlich auch.

  2. Diese Theorie ist ja ein Denkansatz, doch auch bei dieser Theorie gäbe es nichts was man als Staat vertuschen muß.
    Es stellt sich die Frage warum die Waffen bei den Uwe’s gefunden wurden und warum eine Jogginghose mit Blut von
    Kiesewetter in der Frühlingsstr. gefunden wurde.
    Für eine Täterschaft reicht das sicher nicht aus, doch sie waren am Tatort. Weiterhin steht ja noch die Aussage von Zschäpe, die für die Täterschaft der beiden Uwe’s sprechen.
    Die ganzen Debatten hier bringen nichts, es wird nach einer Wahrheit gesucht die nicht rauskommt und es wird nach einem Sinn gesucht für die Taten der beiden Uwe’s.
    Es mag für den Außenstehenden nicht alles Sinvoll und plausibel sein.
    Doch wohlmöglich haben die beiden Uwe’s für sich plausibel gehandelt.

    1. Nur U&U?
      Bedeutet „gleiches Kaliber(wie „Dürümmörder)“, vom thüringer Onkel (FALSCH behauptet) etwa nichts?

      Kein Bock auf „Döbeln“, „Laichingen“ … . Und der Augsburger Polizistenmord tut auch nichts zur Sache.

      (Motorrad klauen: Wolle & C. Sch.;)
      in dem Verlauf Rechner FS 26 gab es keine tiefe (behördliche) Recherche – obwohl wenigstens „Döbeln“ aufgerufen wurde.
      Döbeln(Laichingen) und Augsburg, die Ereignisse waren zeitlich und thematisch Nahe dran, an dem was uns als „NSU“ pr(a)esentiert wird.

      Besonders dann glaubwürdig, als es keine Lebenszeichen mehr gab^^
      ———
      Bevor ich „Deine“ Journalisten (in´s) Folter(-museum einlad)e, bitte sie doch einmal darum Stellung zu beziehen – ohne Ideologie… .
      —–
      Die sind doch nicht beschränkt oder so – es würde mich einfach interessieren welche Begebenheiten (ihrer Meinung nach) sie als Ursprünglich benennen… 😉


      Einfach mal „frei Schnauze“, aus dem Bauch, schreiben.

      Beste Grüße

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