Tagesschau – Intensivbettenlüge reloaded

Unvorsichtigerweise hatte ich heute Abend noch die Website der Tagesschau aufgerufen und wurde mit diesem Unsinn konfrontiert:

https://www.tagesschau.de/inland/zahl-der-intensivpatienten-steigt-101.html

Blick ins DIVI-Intensivregister von heute (4. April 2021):

Am 4. April 2021 werden 4048 COVID-19 „Fälle“  intensivmedizinisch behandelt, bei insgesamt 19764 intensivmedizinisch betreuten Patienten.

Blick ins DIVI-Intensivregister vom Vortag (3. April 2021):

Am 3. April wurden 3870 COVID-19 „Fälle“ intensivmedizinisch behandelt, bei insgesamt 20093 intensivmedizinisch betreuten Patienten.

Was ist also passiert? Die Gesamtauslastung der Intensivstationen hat sich vom 3. zum 4. April um 329 Patienten verringert! Die Auslastung der Intensivstationen ist also gesunken und nicht gestiegen, wie uns die Tagesschau weismachen will! Ist das Leid eines intensivmedizinisch behandelten COVID-19-„Falls“ anders zu bewerten als das Leid der anderen intensivmedizinisch betreuten Patienten? Wohl kaum! Da kann man den als Lügnern verkleideten Journalisten bei der Tagesschau nur empfehlen, sich mit gruppenbezogener Diskriminierung einmal ernsthaft zu beschäftigen. 

Aber schauen wir uns doch noch einmal den postulierten „Belegungshöchststand“ an, welchen die Intensivstationen erstmals seit 2 Monaten wieder erreicht haben sollen.  Hier der Screenshot vom 3. Februar 2021:

Insgesamt waren am 3. Februar 2021 also 20913 Intensivbetten belegt, gegenüber 19764 am heutigen Tag belegten Intensivbetten. Demzufolge ist die Gesamtbelegung der Intensivstationen im Vergleich sogar um satte 1149 Intensivbetten gesunken. Was die Tagesschau hier also berichtet und wie die Zahlen verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen „aufbereitet“ werden, dient zu nichts anderem, als im Vorfeld des Mega-Lockdowns  die nötige Panik zu verbreiten um die Akzeptanz zu erhöhen.

10 Gedanken zu „Tagesschau – Intensivbettenlüge reloaded“

  1. Und das Dumme an der Sache ist, dass diese billige Masche wohl Erfolg haben dürfte. Man lausche nur dem unqualifiziertem Geschwätz im ÖPNV.

    MfG

    1. das große problem, was ich unterschätzte, ist der Erfolg der mainstream-Medien, ihre Zuschauer zu „impfen“: Es werden „Aluhüte“ auftauchen, „Corona-Leugner“, die Euch Quatsch erzählen wollen. Denen braucht ihr erst gar nicht zuhören.
      Dieses Desinteresse, dieser Unwillen sich mit unseren Argumenten erst gar nicht zu beschäftigen, kann ich mir schwerlich erklären.
      Wenn die mainstream-Medien mit dem Schwachsinn durchkommen, jetzt schon über ein Jahr, dann stellt sich die Frage, welche Verrücktheiten Sie noch ihren Zuschauer einreden werden? Wo soll das alles enden? Idiocracy? http://friedensblick.de/6503/der-film-idiocracy-warnt-vor-einer-verdummten-gesellschaft/

      Heute las ich einen interessanten Spruch von Erich Fromm:

      „Ich glaube, dass die Erkenntnis der Wahrheit nicht in erster Linie eine Sache der Intelligenz, sondern des Charakters ist.
      Dabei ist das Wichtigste, dass man den Mut hat, nein zu sagen und den Befehlen der Machthaber und der öffentlichen Meinung den Gehorsam zu verweigern; dass man nicht länger schläft, sondern menschlich wird; dass man aufwacht, und das Gefähl der Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit verliert.“

      1. Ich stimme da nur teilweise zu. Denn es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, wie die Verwaltungsgerichte in der sich anbahnenden Welle der Hauptsacheverfahren diese Tatsachen vom Tisch bekommen wollen. Ich stelle mal beispiehaft einen Ausschnitt aus einer Erwiderung auf die Einlassung einer Landesregierung in einer solchen Verwaltungsrechtssache online. Und das war eine laue Aufwärmübung von vor 4 Monaten.

        https://www.directupload.net/file/d/6144/rmc8g8m8_pdf.htm

        Wie man unschwer erkennen kann, handelte es sich hier aber um eine Popularklage, welche vor dem VG zweifellos unzulässig ist. Der Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz wurde in der Folge auch abgelehnt und die Hauptsache hiernach von der Antragstellerin für erledigt erklärt. Gekostet hat es natürlich trotzdem. Aufschlussreich ist das Verfahren aber insofern, dass wie gezeigt, die Landesregierung dem in der Sache nichts entgegenzusetzen hatte, sondern sich letztendlich auf Formalien – hier unzulässige Popularklage – zurückziehen musste. Und genau das funktioniert so in den anderen Verfahren eben nicht. Das sind keine Popularklagen mehr.

        De Maizieres Vorstoß zur Verfassungsänderung um den Ausnahmezustand zu verhängen, ist meiner Meinung nach der letzte Rettungsanker für die Regierung. Ansonsten fliegt denen der Laden im Laufe des Jahres 2021 unweigerlich um die Ohren. Und das hier ist kein NSU-Verfahren. Da geht der Riss auch quer durch die Richter- und Ärzteschaften. Ist jedenfalls meine Ansicht dazu.

  2. Die Zahl der vom RKI angegebenen täglichen Corona-Toten (bundesweit an und mit Corona verstorben) ist seit Januar im Sinkflug:
    – 21.01.: 1.013 = letztmalig mehr als 1.000
    – 11.02.: 666 = letztmalig mehr als 600
    – 03.03.: 418 = letztmalig mehr als 400
    – 11.03.: 321 = letztmalig mehr als 300

    Seit dem 12. März schwanken die Tageszahlen zwischen 43 und 252. Die Alarmrufe sind seit Januar aber ständig lauter geworden, von einer Ministerpräsidenten-Runde zur nächsten.

    Nichtz nur der Bankkaufmann mit Rechenschwäche fabuliert seit Januar von der 3. Welle. Die promovierte Physikerin im Bundeskanzleramt sieht und sah die ganze Zeit über sogar einen drohenden bzw. schon begonnenen „exponentiellen Anstieg“, den es zu unterbinden gelte.

    O.k., die beiden (und eigentlich unsere gesamten Obrigkeiten samt den ihnen genehmen Experten) orientieren sich nicht so sehr an Todeszahlen. Sie wollen nämlich vorausschauend Todesfälle verhindern und heften daher ihren (Tunnel-)Blick an den ihrer Meinung nach alles entscheidenden Anfangspunkt: die Infektionszahlen, neudeutsch als Inzidenzen benannt.

    „Es ist töricht, die Corona-Politik an Inzidenzwerten auszurichten“, erläutert Jens Berger am 24. März in einem gut begründeten Artikel auf den Nachdenkseiten, [1].
    Schon im Januar hatte er das Thema Inzidenzen im Artikel
    „Corona und das Politikversagen, über das kaum wer spricht“
    angerissen, [2]:
    „Das ist nicht neu und seit dem Frühjahr bekannt. Nötige Forderungen nach einem konsequenten Konzept zum Schutz der Risikogruppen wurden jedoch stets belächelt. Man starrte lieber auf Inzidenzwerte. Die hat man nun. Gerade in der Gruppe der Hochbetagten sind die Inzidenzwerte heute um ein Vielfaches höher als beim Rest der Bevölkerung.“

    Die Mainstream-Medien ignorieren allerdings die Nachdenkseiten; Virologe Alexander Kekulé (der wie sein Kollege Hendrik Streeck sich immer wieder mal kritisch äußert und daher angefeindet wird, aber wie jener trotzdem im Mainstream immer wieder mal zu Wort kommt), betonte am 2. März im MDR-Podcast:
    „Die Inzidenz alleine ist, glaube ich, v.a.bei den Lockerungen ein schlechter Berater. Die Inzidenz ist dann gut, wenn sie plötzlich steigt, bundesweit oder in einer Region. Dann ist relativ klar, dass man was falsch gemacht hat und dass man nachschärfen muss. Aber wenn die Inzidenz jetzt auf diesen Plateau rumhängt, dann brauchen wir tatsächlich andere Methoden“, [3].

    Eine Woche zuvor war er bei Markus Lanz. Bei den damals im Februar noch viel niedrigen Inzidenzen raunten bekanntlich einige Inzidenz-Fanatiker noch von „Zero Covid“ und „No Covid“ – diese Träumer sind inzwischen sang- und klanglos verstummt und (vorläufig?) fast in Vergessenheit versunken.
    Kekulé stellte damals jedenfalls unbeirrt klar: Die Gesellschaft auf eine Inzidenz von 35 zu bringen, würde einen zu großen sozialen Kollateralschaden verursachen. Wie Streeck ist er der Meinung: Wir werden mit Corona leben müssen und auch leben können (also wie mit der Grippe, was man ja kaum aussprechen darf).

    Dass „andere Methoden“ – nämlich intelligente Test- und Öffnungsstrategien – möglich sind, wissen wir schon seit Herbst am Beispiel Tübingen. Neben Bewunderung für diese immer noch als Modellregion laufende Stadt, werden allerdings auch Bedenken und Häme geäußert von Lockdown-Hardlinern. Denn das kleine Tübingen ist natürlich keine Insel, sondern lockt „Öffnungs-Tourismus“ an, was Neuinfektionen begünstigt.

    In New York regieren schon seit jeher die Demokraten (nicht Trumps Republikaner). Und da Bidens USA in der Nach-Trump-Ära wieder als das große Vorbild gelten (für Mainstream-Medien ebenso wie für die deutsche Elite), sollten diese USA-Fans ruhig mal einen Blick auf New York und seinen entspannten Umgang mit (hohen) Inzidenzen werfen:
    Das ZDF meldete am 20. März, dass man wieder Läden und Cafés „im ehemaligen Hotspot New York öffnet – bei einer Inzidenz von 300“. Eine mehr als doppelt so hohe Inzdidenz als derzeit in Deutschland! [4]

    New York hat allerdings (wie Tübingen) eine ausgefeilte Test- und Öffnungsstrategie. Also eine Blick- und Handlungsweise, die einer Angela Merkel schon alleine als Begriff nicht so schnell über die Lippen kommen wird:
    Sie raunt lieber mit tiefbesorgter Miene von „Öffnungsorgien“ und „Zügel anziehen“.

    [1] https://www.nachdenkseiten.de/?p=71008
    [2] https://www.nachdenkseiten.de/?p=68791
    [3] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/kekule-corona/kekule-corona-kompass-folge-einhundertvierundfuenfzig-100-downloadFile.pdf
    [4] http://friedensblick.de/31583/todesursache-covid-auch-ohne-positiven-test/#comment-10186

  3. Ich kann keine Lüge erkennen. Tagesschau sagt genau das, was die Zahlen des Intensiv-Registers aufzeigen. Der Wert der intensiv-behandelten Corona Patienten übersteigt erstmals den Wert 4000 seit Anfang Februar. Das ist doch Tatsache und nicht erfunden. Zum zweiten gibt die Tagesschau nicht ihre persönlich Einschätzung wider, sondern die Warnung der Intensiv-Mediziner. Das sind die Leute, die täglich vor Ort unter massiver Belastung arbeiten und die Menschen versorgen und pflegen. Ich finde es ungeheuerlich solche Aussagen als Lüge zu betiteln!
    Selbst wenn die Gesamtzahl der belegten Intensivbetten etwas nach unten ging, ist das sicher kein Anzeichen von Entwarnung und schon gar nicht durch Corona hervorgerufen. Da muss man sicher genauer hinschauen woher das kommt (z.b. weniger OPs vor den Osterfeiertagen). Es können jederzeit durch ein paar Unfälle oder sonst was intensivpatienten hinzukommen, für die auch ein Platz benötigt wird!
    Das was hier den Medien vorgeworfen wird, nämlich Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen und verdreht darzustellen, praktizieren sie selbst in diesem Beitrag! (ich vermute um Stimmung zu machen)
    Nein, ich bin nicht von der Tagesschau, oder sonst wem bezahlt. Ich kann aber die einseitige Stimmungsmache von solchen selbst-ernannten Experten , die meinen, mit dem Vergleich von 2 Zahlenwerten das komplexe Geschehen durchblickt zu haben, nicht mehr ertragen !!!
    Im übrigen liegt die Gesamtzahl heute bereits wieder bei 20769!

    Das musste jetzt raus!

    1. Es ist Ihr gutes Recht sich so zu äußern. Von meiner Seite möchte ich wie folgt erwidern:

      Losgetreten wurde die irreführende Debatte, weil sich der Chef der Deutschen Krankenaushausgesellschaft einen Tag vorher zu Wort gemeldet, und eine Überlastung der Intensivstationen etc. ausgeschlossen hatte:

      https://www.nordbayern.de/politik/krankenhausgesellschaft-keine-uberlastung-der-kliniken-in-sicht-1.10971503

      https://www.dkgev.de/dkg/verband-auf-einen-blick/geschaeftsstelle/

      Sie selbst wissen offenbar garnicht, von was Sie reden, ansonsten hätten sie nicht die heutige Gesamtbelegung von 20769 Intensivbetten angegeben, von welchen ein Anteil von ca. 4500 SARS-CoV-2-positiv getesteten Intensivpatienten zu verzeichnen ist.

      Wenn Sie bitte mal den Link in meiner Antwort vom 5. April öffnen. Am 20. August 2020 waren 22077 Intensivbetten mit einem Anteil von nur 230 SARS-CoV-2 positiv getesteten Patienten belegt. Also höhere Gesamtbelegung als heute, obwohl über 4000 SARS-CoV-2-positive Testfälle weniger zu verzeichnen waren.

      Hätten Sie die Entwicklung der Intensivbettenkapazitäten nicht nur an 2 Tagen im Jahr verfolgt, dann wäre Ihnen auch aufgefallen, dass man seit Mai 2020 effektiv 7000 (!) Intensivbetten abgebaut hat, anstatt wie am 17. März 2020 im Bundeskanzleramt mit den Landesregierungen vereinbart, die Anzahl der Intensivbetten von 28 000 auf 56 000 zu verdoppeln.

      Netter Beitrag zu des Ministers Ammenmärchen übrigens auch wieder von der mit Sicherheit kompetenten DKG.

      https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/78-milliarden-euro-angebliche-zusatzfinanzierung-der-kliniken-haelt-einem-faktencheck-nicht-stand/

      Zitat daraus:

      „Keinen einzigen Cent will Spahn für die Mehrkosten bei allen anderen Berufsgruppen, Ärzte und sonstige Mitarbeiter bezahlen, nichts für Überstunden, nichts für Honorare der Freiwilligen keinen einzigen Cent. Die vollen Kosten dafür bleiben bei den Krankenhäusern.“ Zitat Ende

      https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/das-ist-kein-schutzschirm-das-ist-ein-fataler-politischer-fehler-des-ministers/

      Jetzt schauen Sie einfach mal nach, wieviele Betten einschließlich Notreserve heute tatsächlich zu Verfügung stehen – von den 56 000 Intensivbetten, welche es eigentlich nach den Plänen der Bundesregierung hätten sein sollen.

      Und jetzt, nachdem Sie nunmehr wenigstens eine schwache Ahnung davon haben, was sich in diesem Land seit einem Jahr in Punkto Warnungen vor einem Zusammenbruch der Intensivstationen abspielt, lesen Sie nochmal die Überschrift meines Blogbeitrags. Möglicherweise können Sie jetzt nachvollziehen, auf welch dreiste Weise die Leute von öffentlich-rechtlichen und anderen Medien verarscht – und anders kann man das nicht mehr bezeichnen – werden.

      Die Bundesregierung hat seit einem Jahr 1,3 Billionen (!) Euro für ihre „Rettungsmaßnahmen“ ausgegeben, anstatt mit einem winzigen Bruchteil dieser gigantischen Summe Intensivbettenkapazitäten an die Erfordnernisse der Pandemie anzugleichen, Personal auszubilden und anständig zu bezahlen, und also ihre eigenen Beschlüsse umzusetzen, und danach die Eindämmungsmaßnahmen aufzuheben, weil kein „Notstand“ im Gesundheitswesen mehr droht.

    2. Ein Covid-Patient ist nicht, wenn er eine Lungenentzündung hat, sondern wenn er positiv getestet wurde. Ein positiver Drosten-Test weist keine Infektion nach!
      Wenn es eine Pandemie an Corona-Lungenentzündungen gäbe, warum hält sich die Gesamtzahl der Lungenentzündungen im Jahr 2020 im Rahmen der letzten Jahre?
      2020 gab es sogar weniger Atemwegs-Erkrankungen als in den Vorjahren. Quelle: GrippeWeb,

      : „(…)unter dem Niveau der Werte der Vorsaison.“ Die Fälle in Krankenhäusern behandelter „schwerer akuter respiratorischer Infektionen“ sind „vergleichbar mit dem Höhepunkt der Grippewellen in den Vorjahren.“

      Beispiel: Motorradfahrer hat Unfall, bricht sich Genick, wird künstlich beatmet. Positiver Coronatest = Covid-Patient. Wenn er stirbt – „Covid-Toter“.

      Es ist so wie Dr. Wodarg seit einem Jahr sagt: Je mehr man testet, desto mehr findet man „Covid-Patienten, „Covid-Tote“, desto größer wird die „Pandemie“.

  4. @Heinz:
    Wenn Sie „alternative Wahrheiten“ nicht mehr ertragen können, dann werfen wir doch mal zum Einstieg einen gemeinsamen Blick auf das Wahrheitsfinder-Portal correctiv.org [1], das auftragsgemäß (und für Sie nervenschonend) bemüht ist, immer nur „offizielle Wahrheiten“ unters Volk zu bringen und die „alternativen“ als Unwahrheiten zu entlarven.

    Die Details, die correctiv einem Dr. Schiffmann vorwirft, sollen hier mal nicht interessieren, auch nicht die Umstellungen in der Zählweise, was die Vergleiche der Zeiten vor August 2020 mit der seitherigen Zeit erschwert.
    Betrachten wir lediglich die dritte Grafik [2], die correctiv sich am 2. Dezember bei DIVI als Screenshot ausgeborgt hatte:
    Sowohl die Brutto-Gesamtzahl gemeldeter Intensivbetten sank von August bis Dezember 2020 als auch die Netto-Gesamtzahl (d.h. ohne Notfallreserve).

    Vermutlich fänden Sie genauso wie ich es sinnvoller, wenn vom Hochsommer auf Weihnachten hin die Bettenzahl gestiegen und nicht gesunken wäre. Denn nicht nur Merkel, Spahn und ihre handverlesenen Experten warnten bereits im infektionsarmen Sommer vor der für Herbst / Winter zu erwartenden zweiten und größeren (Corona-)Welle – man weiß seit Jahrtausenden, dass im kalten dunklen Winter deutlich mehr Atemwegserkrankungen zu erwarten sind als im Sommer.

    Es sieht aber auch nicht so aus, als ob vor August 2020 ein Betten-Aufstockungs-Boom stattgefunden hätte (quasi eine Blase entstanden sei, aus der man ggf. Luft rauslassen hätte können):
    „Die Kliniken sollen nach dem Willen von Bund und Ländern wieder mehr Operationen und andere wichtige Behandlungen aufnehmen.“
    Denn bis zu dieser Nachricht vom 01.05.2020 waren für Corona-Fälle „40 Prozent der Intensivbetten frei gehalten“ worden, was (spätestens) nach Abklingen der ersten Corona-Welle eben einfach nicht mehr nötig war, [3].

    Die dem neoliberalen Konzern- und Privatisierungs-Kapitalismus gegenüber kritisch eingestellte Website Labournet [4] verweist in einem ausführlichen Artikel auf …

    – eine vierseitige taz-Beilage „Klinikschließungen – Zahlen, Gründe, Folgen“: „Der ehemalige Klinikleiter Klaus Emmerich macht darauf aufmerksam, dass das Krankenhausschließungsmantra vor allem von einer kleinen Gruppe von BeraterInnen um Gesundheitsminister Jens Spahn seit Jahren wiederholt wird. Emmerich fordert, den Einfluss von solchem Lobbyismus auf unsere Krankenhäuser zurückzudrängen.“

    – das „Kliniksterben in der Pandemie“: „Ausgerechnet der Corona-Rettungsschirm verschärft jetzt das große Kliniksterben in der Pandemie: Ende Januar – auf dem Höhepunkt der Pandemie: Eine Demonstration vor dem Bundesgesundheitsministerium. Die Regierung hatte zwar beschworen, eine Überlastung der Krankenhäuser mit allen Mitteln zu vermeiden. Jedes Klinikbett zähle. Trotzdem wurden 2020 genau 20 Kliniken dichtgemacht – trotz Corona. Und es sollen nicht die letzten sein.“

    Wenn Ihnen politisch linke Seiten nicht so gefallen, dann werfen sie mal einen Blick auf die Grafiken, die der privatwirtschaftliche Helios-Konzern seit Oktober täglich neu für jede seiner bundesweit rund 100 Kliniken (samt einer Gesamtgrafik) als PDF-Dateien ins Netz stellt, [5]. Als (Privat-)Konzern ist er ja eher ein Gewinner als ein Verlierer der im Rahmen der Privatisierungs-Politik anstehenden Schließung (öffentlicher) Kliniken.

    Die Grafiken stechen ins Auge mit einer seit Oktober 2020 recht gleichmäßigen Auslastung – wie im Vorjahr.
    Im Gegensatz zum corona-freien Vorjahr liegt die waagrechte Kurve allerdings 20 – 30 Prozent tiefer – entsprechend ist die Unter-Auslastung im Vergleich zum Vorjahr.
    Helios hat offensichtlich keine Häuser geschlossen, Betten abgebaut oder (Kassen-)Patienten abgewiesen – es kamen einfach weniger in die Kliniken und das lag bestimmt weniger an der heilsamen Wirkung von Corona, sondern eher an der geschürten Panik vor Corona, die Verzicht und Aufschiebung notwendiger Behandlungen nach sich zog.

    Neben der Gesamtbelegung eines jeden Hauses liefern die Helios-Grafiken auch die jeweiligen Covid-Fälle auf Normal- und Intensivstation seit Oktober – nirgends sind sprunghafte Fallanstiege zu sehen, schon gar nicht „exponentielle“.

    Über eine „Triage“ wurde in Deutschland nie ernsthaft nachgedacht – anders als in Frankreich, wo das Thema offen angesprochen wurde und anders als im chaotischen Spanien, wo de facto wohl eine stillschweigende „Triage“ stattfand, die allerdings mehr auf Panik, Panikmache und Misswirtschaft zurückzuführen war als auf das eigentliche Seuchengeschehen.

    Wie intensiv die Intensivmedizin bei altersschwachen, multi-morbiden Methusalems sinnvollerweise noch sein soll, ist aber nicht nur eine Kapazitäts-Frage (Stichwort „Triage“) oder gar eine gesellschaftliche Kosten-Nutzen-Frage, sondern in erster Linie auch eine Frage des würdevollen Sterbens in Zeiten der Apparate-Medizin.

    Selbst der oberste Funktionär der „Intensivmediziner hinterfragt Beatmung alter Schwerstkranker“ inzwischen, [6]:
    „Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens, sieht in der Corona-Pandemie einen Anlass, dass sich die Menschen in Deutschland mehr Gedanken über das Lebensende und die eigene Sterblichkeit machen. Gerade den Hausärzten, die hochbetagte, vielleicht schon bettlägerige und kranke Menschen zu Hause oder im Pflegeheim betreuten, komme hier eine besondere Verantwortung zu (…).
    Ohne selbst eine Antwort geben zu wollen, warf Janssens in dem Blatt die Frage auf, ob es wirklich Sinn ergebe, ‚Menschen in sehr hohem Alter, die aus eigener Kraft schon lange kaum mehr leben können und schwere chronische Begleiterkrankungen haben, noch zu intubieren und auf einer Intensivstation zu beatmen, wenn sie schwer an Covid-19 erkrankt sind und kaum Chancen haben, davon zu genesen’“.

    „Janssens und Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, beruhigten angesichts der Angst vor einem qualvollen Tod (…). Sie sagten (…), es gebe genügend wirksame Medikamente, um die Symptome von Covid-19 zu lindern – sowohl Schmerzen als auch Atemnot und Angst. Dies gelte auch dann noch, wenn Schwerstkranke nicht mehr zu retten seien.“

    Was Janssens eher dezent verschweigt: Sehr alte Menschen (d.h. die typischen Covid-Patienten) sterben zu mehr als der Hälfte unter den Beatmungsmaschinen (d.h. „an“ und nicht nur „mit oder trotz“ den Maschinen) und die überlebenden tragen schwere Schäden bzw. weiteren körperlichen Abbau davon.
    Es handelt sich also einerseits oft um ein sinnloses Quälen, das höchstens wenige Tage und Wochen Weiterleben (im Kranken- oder Pflegebett) bringt – und andererseits um ein sogar oftmals kontraproduktives Beschleunigen des Todes.

    Kaum zu glauben, aber im Netz gut recherchierbar: Intensivmediziner / Anästheisten einerseits und Lungenärzte andererseits trennt seit Jahren und immer noch ein tiefer Graben bei der Frage, ob die teuren Maschinchen eher nutzen oder eher schaden, sprich: möglichst früh oder möglichst spät bzw. lieber gar nicht zum Einsatz kommen sollen.

    Hier fragt sich, ob es in der Medizin Scheuklappen und mehr als nur eine Wissenschaft gibt? Oder ob wirtschaftliche Interessen hinter den Maschinen (Tagessatz bis zu 20.000 Euro) sich auf die Sichtweise verschiedener Facharztrichtungen verschieden auswirken?

    [1] https://correctiv.org/faktencheck/2020/12/03/nein-waehrend-der-pandemie-wurden-nicht-nonstop-intensivbetten-abgebaut/
    [2] https://correctiv.org/wp-content/uploads/2020/12/Bildschirmfoto-2020-12-02-um-17.19.21.png
    [3] https://www.kma-online.de/aktuelles/politik/detail/kliniken-sollen-mehr-intensivbetten-fuer-planbare-ops-nutzen-a-43205
    [4] https://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-allgemein/bertelsmann-fordert-kliniksterben-der-pflegenotstand-laesst-sich-auch-neoliberal-beseitigen/
    [5] http://www.helios-gesundheit.de/qualitaet/auslastung/
    [6] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_87639602/corona-krise-intensivmediziner-hinterfragt-beatmung-alter-schwerstkranker.html

  5. Kaum haben wir erwähnt, dass „Triage“ kein Thema in Deutschland war bzw. ist, kommt ein für seinen Corona-Pessimismus bekannter deutscher Funktionär mit diesem Panik-Plakat um die Ecke (wenn auch meist etwas leiser als der Lauterbach):
    „Weltärztechef Montgomery ist sicher, dass die Triage bald im Raum steht“,
    https://www.morgenpost.de/vermischtes/article231999903/Corona-News-RKI-Zahlen-Impfung-Astrazeneca-Lockdown-Triage.html

    Die 7-Tage-Inzidenz ist seit letzer Woche von 110 auf 120 gestiegen, wie schrecklich. Es hat wohl keiner dem Radiologen Montgomery gesagt, dass vor einer Woche Karsamstag war und dass am langen Osterwochende noch mehr Melde-Rückstände aufstauen als an normalen Wochenenden.

    Bei einer noch viel schrecklicheren Inzidenz von 300 beendete New York beendete vor fast einem Monat seinen Lockdown – der Deutsch-Brite Montgomery hat entweder noch nichts von diesem englisch-sprachigen Städtchen gehört oder verfügt er zwischenzeitlich über Triage-Infos von dort, die er der deutschen Öffentlichkeit noch nicht zumuten will?

    Für die deutschen Todesfälle (Anstieg von 120 auf 246 binnen einer Woche) muss ein ähnlicher Ostern-/Nach-Ostern-Effekt gelten, denn auch bei den „sowieso“ (d.h. nur „mit“ Corona) verstorbenen Senioren standen feiertagsbedingt verständlicherweise nicht so viele fleißige Test-Abnehmer bereit.

    Frank Ulrich Montgomery sieht dies anders:
    „Wir werden in den Kliniken jetzt eingeholt von den Infektionen, die vor vier Wochen stattgefunden haben.“
    Wie schön, wenn man auf ein nicht klar fassbares und daher umso unheimlicheres Infektionsgeschehen verweisen kann.

    Dafür „übersieht“ man gerne doch gerne mal die viel exakter fassbare Entwicklung der RKI-Sterbezahlen seit Januar, die wir oben bereits erwähnt hatten:
    – 21.01.: 1.013 = letztmalig mehr als 1.000
    – 11.02.: 666 = letztmalig mehr als 600
    – 11.03.: 321 = letztmalig mehr als 300 (bis Osterpause)
    – 11.04.: 246 = heute

    Vor dem Karsamstag 3. April (120 Tages-Tote) lagen der Gründonnerstag mit 201 und der Karfreitag mit 232 so gut wie auf heutigem Niveau – und schon ist die Verdoppelung als reiner Oster-Pausenknick entzaubert.
    Mittwoch bis Freitag dieser Woche (7.-9. April) pendelte die Totenzahl zwar um die 300 – die drei Tage zuvor (Ostersonntag bis Dienstag) aber zwischen 50 und 90.

    Aus der täglich aktualisierten Excel-Tabelle des RKI kann man ganz leicht den mathematischen Schnitt errechnen für die letzten
    … 7 Tage: täglich 193 Tote
    … 14 Tage: täglich 176 Tote
    … 21 Tage: täglich 175 Tote
    … 28 Tage: täglich 176 Tote
    … 35 Tage: täglich 184 Tote
    … 42 Tage: täglich 199 Tote
    … 49 Tage: täglich 215 Tote

    Nur der Vollständigkeit halber: die täglichen Toten beziehen sich auf alle 83 Millionen Menschen Deutschlands, während die ähnlich aussehenen (infektions-)Inzidenzen je 100.000 Einwohner gerechnet werden. (Bei einer Straßenumfrage dürfte das anzutreffende Wissen hierüber vermutlich eher schwach ausgeprägt sein, woran Panik-Strategen sich natürlich kaum stören werden, ist es doch eher Wind auf ihre Mühlen.)

    Fazit: Seit sieben Wochen pendelt die Zahl der „an und mit“ Corona Verstorbenen stabil bei knapp 200 täglich und die im März wieder angestiegenen Infektions- (bzw. Test-positiv-)Zahlen liegen laut RKI-Dashb oard-Grafik immer noch deutlich unter den Werten vom Januar, die bekanntlich ebenfalls nicht einmal in die Nähe einer „Triage“ geführt hatten. Wo Montgomery seine angeblich vor vier Wochen gesähte Massaker-Saat hernimmt, bleibt sein Geheimnis.

    „Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht einen sogenannten 7-Tage-R-Wert an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Freitag bei 0,82. Am Vortag hatte er bei 0,80 gelegen. Dieser Wert bildet das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen ab.“
    https://www.morgenpost.de/vermischtes/article230723508/RKI-Corona-Neuinfektionen-Fallzahlen-Inzidenz-R-Werte.html

    Auf dem Morgenpost-Newsblog ändern sich die Texte (und die Überschrift) fast stündlich; heute morgen war noch zu lesen:
    „Liegt der R-Wert über eins, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen an. Liegt der Wert unter eins, verringert sich die Zahl der Neuinfektionen langfristig.“

    Das musste inzwischen weg, denn diese Info passt bei R=0,82 natürlich überhaupt nicht zum neuen apokalyptischen Aufreißer von Montgomery. Außerdem konnte man heute morgen glauben, die Marke 1,0 werde mit der nächsten Meldung sowieso gerissen, denn es hieß noch: „Der bundesweite R-Wert lag laut Lagebericht des RKI vom Freitag bei 0,82 (Vortag 0,65).“

    Mit dem auf 0,80 (statt 0,65) korrigierten Vortageswert birgt der gleich gebliebene Freitags-R-Wert von 0,82 aber kein dramatisches Anstiegspotenzial mehr in sich.

    Da alles geht an den Lockdown-Besessenen vorbei:
    „Der Corona-Gipfel wurde offiziell abgesagt. Kanzlerin Angela Merkel fordert einen neuen Lockdown – und will ein Gesetz für bundeseinheitliche Notbremsen im Eilverfahren verabschieden.“
    Wiederholt soll er ja nur „kurz“ sein, beteuerte sie jedenfalls gestern, jedoch:
    „Laut dem ersten Gesetzesentwurf sind neue Corona-Regeln in Planung, welche deutlich strenger sind, als die bisherigen. Unter anderem sind Ausgangssperren und härtere Kontaktbeschränkungen im Gespräch“,
    https://www.fr.de/politik/corona-regeln-merkel-coronavirus-infektionsschutzgesetz-deutschland-lockdown-notbremse-covid-19-news-90316371.html

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