NSU: Analyse des Verfassungsschützers Andreas Temme

In diesen Tagen wird der ehemalige Verfassungsschützer Andreas Temme beim NSU-Verfahren befragt. Seine Anwesenheit beim letzten „Ceska-Mord“ am 6. April 2006 wird medial und politisch als Zufall dargestellt, jedoch gibt es viele ungeklärte Fragen. Sie werden in dieser Analyse aufgezeigt, genauso wie der Sachverhalt auf Grundlage eines alten Friedensblick-Artikels und neuer Informationen in überarbeiteter Form.

06. April 2006

13 Uhr, 6 Minuten

Der hessische Verfassungsschützer Temme führt „mit seinem Diensthandy ein 17 Sekunden dauerndes Gespräch mit einer in Kassel registrierten Festnetznummer (…). Angemeldet war dieser Anschluss auf die Wohnung des V-Manns „GP 389“. Der Kasseler Neonazi mit Verbindung zum Blood & Honour Netzwerk wird von Temme seit November 2003 als Verfassungsschutz-Informant (V-Mann) geführt. (Freitag)

16 Uhr, 11 Minuten

„GP 389“ ruft um 16.11 Uhr die Kasseler Außenstelle des hessischen Landesverfassungsschutzes (LfV) an. „Sein Gesprächspartner dort dürfte sein Verbindungsführer Temme gewesen sein.“ (ebd.)

16 Uhr, 23 Minuten

„Andreas T. verlässt früh die Kasseler Außenstelle des hessischen Verfassungsschutzes, laut Stempeluhr um 16.43 Uhr.“ (welt)

16 Uhr, 50 Minuten, 56 Sekunden

Andreas Temme loggt sich in dem Internetcafe von Yozgat ein – als „wildman70“ in die Kontaktbörse iLove.de. (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40).

„Von seinem Platz hatte er durch die offenen Türen  einen Ausschnitt des Eingangsbereichs sehen können.“(ebd, S. 41)

Der Spiegel zeigt die Gäste im Internetcafe: Eine telefonierende Frau mit ihrem Kind,  zwei surfende 14- und 16 jährige männliche Jugendliche und einen telefonierenden Mann in der linken Telefonkabine (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40). Spiegel-Online rekonstruierte die räumliche Begebenheit und positioniert auch Andreas Temme als gelbe Figur:

Quelle: Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40

Der surfende Gast „Ahmed A.“ ist über einen unbekannten Gast im Cafe verwundert und gibt später im Polizeiprotokoll an:

„Diese Person [wäre] ca. 10-15 Minuten am PC gesessen und dort auch aktiv gewesen. Er habe sich noch gewundert, weil man für 50 Cent ja eine halbe Stunde am PC arbeiten kann.

Der Zeuge erwähnte auch eine Tüte, die der T. in der Hand gehabt haben soll. Er sagte noch, dass er diese Tüte bemerkt habe, als der Mann das Internet Cafe betrat. Wo er sie hingestellt hat, konnte er nicht sagen. Ob der Mann die Tüte beim Gehen wieder mitgenommen hat, konnte er auch nicht sagen.“ (daseerste, panorama)

Die Zeit schreibt, dass dieser Zeuge Temme weiter schwer belastet: Erst nachdem Temme seinen Computer verließ, hörte der Zeuge ein „dumpfes Geräusch“.

„Ein Zeuge hatte kurz vor dem Mord einen Mann in den Computerraum hineinkommen sehen, mit einer Plastiktüte in der Hand, in der ein schwerer Gegenstand den Boden durchdrückte. Für wenige Minuten saß dieser Mann an einem Computer, dann verschwand er aus dem Blickfeld des Zeugen. Kurz darauf hörte der Zeuge ein dumpfes Geräusch, als sei etwas umgefallen. (…)

Den Mord hatte niemand gesehen, aber alle hatten das dumpfe Geräusch gehört, das der erste Zeuge beschrieb. Nur T. hörte nichts.“(Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Kurz vor 17.01, 2 Sekunden

Laut Darstellung des zdf steht Andreas T. „kurz vor dem Mord“ auf und …

„… will am Tresen bezahlen, doch der Internetbetreiber Yozgat ist nicht da. T. geht vor die Tür, um ihn zu suchen. Jetzt fallen zwei Schüsse – so die Aussage von Hamadi S., der zur selben Zeit im Internetcafé telefoniert. Andreas T. geht zurück ins Internetcafé, findet den Betreiber aber immer noch nicht. Er legt eine Münze auf den Tresen und geht, so seine Aussage.“ (zdf)

Diese zdf-Darstellung wird von der Kasseler Stadträtin Esther Haß gestützt:

„Soviel ich weiß ist der Verfassungsschutzmann zwar vorher angeblich rausgegangen, aber sein Computer lief beispielsweise noch“(youtube, zeitindex 5.00)

Kurz vor 17.01, 2 Sekunden Uhr – der Mord passiert

Halit Yozgat wird durch zwei Kopfschüsse mit einer schallgedämpften Ceska erschossen. 

„Nur T. hörte nichts. Die Computerdaten belegen, dass er bis 17.01 Uhr im Netz surfte. Zu diesem Zeitpunkt war Yozgat aber, das schloss die Polizei aus den Zeugenaussagen, wahrscheinlich bereits tot. “ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Ein Zeuge beschreibt die beiden Schussgeräusche als „wie wenn ein Luftballon explodiert“ (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40).

Der telefonierende Iraker „Faiz H.“ hielt sich nur wenige Meter entfernt auf:

„Kurz bevor Faiz H. um 17:01 Uhr und zwei Sekunden sein Telefongespräch beendete, hört er neben sich Knallgeräusche. Er steht mit dem Rücken zur Glastür seiner Telefonkabine. Vermutlich in diesem Moment erschießen die NSU-Terroristen ihr Opfer Halit Yozgat mit einer schall-gedämpften Ceska, über die zusätzlich eine Plastiktüte gestülpt ist – so die Rekonstruktion der Polizei.“ (ebd, S. 40)

„Ein Poster an der Glastür der Telefonkabine versperrte dem irakischen Zeugen den Blick auf den Tatort. Kurz darauf sah er durch einen Spalt einen „kräftigen Mann, etwa 180 cm groß, mit heller Kleidung“, der zum Tisch geschaut habe und in Eile gewesen sei.“ (ebd, S. 41)

Am gleichen Tag wäre ein Herr „Sh.“ verhaftet worden, der „zur Tatzeit am Tatort in einer der Telefonzellen im linken Bereich“ sich aufhielt (nsu-watch). Handelt es sich bei ihm um den (angeblichen) Verfassungsschutz-Informanten „Mehmet“? (Friedensblick)

Es wird ein „Mann südländischen Typs“ beobachtet, der „zur Tatzeit vom Internetcafé quer über die vielbefahrene Holländische Straße in Richtung Kasseler Hauptfriedhof gelaufen sein“ soll (Spiegel). Laut der Welt hätte diese Person dunkle Haare gehabt (welt).

Der sterbende Halit Yozgat liegt hinter der Theke, die polizeiliche Tatortskizze:

40 Sekunden später um 17 Uhr, 1 Minute, 40 Sekunden

„Andreas Temme loggt sich am Terminal 2 aus.“ (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40)

Kann es sein, dass Yozgat Temme noch ausloggen konnte, bevor er erschossen wurde? Auch die 50 Cent auf seiner Theke würden dafür sprechen. Die „Zeit“ vertritt deshalb den Standpunkt, dass Yozgat zu diesem Zeitpunkt bereits tot war:

„Die Computerdaten belegen, dass er bis 17.01 Uhr im Netz surfte. Zu diesem Zeitpunkt war Yozgat aber (…) wahrscheinlich bereits tot. (…) Er habe Yozgat gesucht, um zu bezahlen, ihn aber nicht gefunden. Also habe er 50 Cent auf die Theke gelegt und sei gegangen. Gesehen habe er nichts.“ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Auch die Welt beschreibt den Ablauf auch so, fügt jedoch hinzu, das Temme Yozgat gar auf der Straße gesucht hätte:

Er findet Yozgat im Cafe nicht, sucht ihn daher auf der Straße, findet ihn dort auch nicht, Temme kehrt zurück ins Cafe, legt eine Münze auf den Tisch und verlässt das Cafe.

Jedoch merkt die Welt kritisch an, dass Temme …

„(…) beim Verlassen des Lokals mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den niedergestreckten Besitzer Halit Yozgat registriert haben [müsste].“

In diesem Polizeifoto sieht man die niedrige Theke an der Temme (190 cm groß) seitlich vorbei-gelaufen ist. Er hätte den dahinter liegenden Menschen also leicht sehen können.

17 Uhr, 2 Minuten, 45 Sekunden

“… will er [Andreas Temme] das Café erneut verlassen haben und in seinen Mercedes eingestiegen sein. Das muss, so die Analyse der Polizei, spätestens 15 Sekunden vor 17.03 Uhr gewesen sein.” (welt)

vor 17 Uhr, 3 Minuten, 26 Sekunden

Laut „panorama“ hätte „Hamadi S.“ „um 17:03:26 Uhr sein Telefonat“ beendet. (panorama)

Laut zdf hätte „Hamadi S.“ während seines Telefonates die Schüsse gehört, danach jedoch weitertelefoniert (zdf). Genau in dieser Zeit wäre Temme auf der Straße vor dem Internetcafe gewesen.

„Jetzt fallen zwei Schüsse. So die Aussage von Hamadi S., der zur selben Zeit im Internetcafe telefoniert. Andreas T. geht zurück zum Internetcafe, findet den Betreiber aber immer noch nicht. Er legt eine Münze auf den Thresen und geht.“

„Kurz darauf“ beendet „Hamadi S.“ das Gespräch und findet mit Yozgats Vater den sterbenden Menschen (zdf).

Panorama schreibt davon abweichend, dass „Hamadi S.“ zwar „in einer Telefonkabine nur wenige Meter neben der Ladentheke, hinter der Halit Yozgat erschossen wurde“ telefonierte, aber wie Temme nichts gehört, auch nichts gesehen hätte!

„Es könnte aber auch daran liegen, dass er [Temme] ganz einfach nichts gehört und nichts gesehen hat – so wie es anderen Zeugen auch ergangen ist. Etwa Hamadi S.: Der telefonierte in einer Telefonkabine nur wenige Meter neben der Ladentheke, hinter der Halit Yozgat erschossen wurde. (…)

Als S. um 17:03:26 Uhr sein Telefonat beendete und aus der Telefonkabine trat, ging er in Richtung Theke um zu zahlen. Dort sei aber niemand gewesen. Als er den Betreiber auch in dem anderen Raum des Internetcafés nicht fand, ging er zurück und wartete etwa eine Minute. Dass Yozgat nicht weit von ihm blutend hinter seiner Ladentheke lag, bemerkte er nicht. Erst der Vater Yozgats fand seinen Sohn.“ (daseerste, panorama)

17 Uhr, 3 Minuten, 26 Sekunden

Laut welt.de hätte um diese Uhrzeit der Vater seinen verblutenden Sohn gefunden.

„26 Sekunden nach 17.03 Uhr findet Vater Yozgat seinen toten Sohn.“ (welt)

Die Medien wählten Fantasie-Nachnamen, um die Identität des Zeugen zu schützen. Daher gibt es unterschiedliche Namen für ein und demselben Zeugen in der linken Kabine. „Hamadi S.“ ist identisch mit „Faiz H.“ und „Sh.“.

Polizeiliche Klarstellung

Durch die Vernehmung eines Kasseler Kriminalpolizisten im Rahmen des Zschäpe-Prozesses wurde klar: Insgesamt gab es 6 Zeugen, die kurz vor oder nach dem Mord im Cafe waren:

Temme, 2 jugendliche Internet-Surfer, 2 Telefonierende und eine Person, die kurz nach dem Mord in den Laden kam. Der Kasseler Polizist berichtet, dass …

„… dass sechs Zeugen während der Tat im Internetcafé gewesen seien, zwei hätten im Internetbereich gesurft, zwei im Telefonbereich telefoniert (…) und dann sei ein weiterer Kunde herein gekommen und habe gefragt, ob noch jemand da sei.“ (nsu-watch)

Weiter wird klargestellt, dass der genaue Zeitpunkt des Mordes für die Polizei unklar ist.

„Die Tatzeit sei einigermaßen einzuschränken gewesen, ein irakischer Zeuge habe von 16.54 bis 17.03 Uhr telefoniert, also sei vor 16.54 Uhr noch alles in Ordnung gewesen. Als der Zeuge um 17.03 Uhr seine Telefonzelle verlassen habe, sei die Tat schon begangen gewesen.“ (ebd)

„Sh. habe die Geräusche spätestens bei der zweiten PIN-Eingabe gehört, er, Bi., meine, das sei um 17.01 Uhr gewesen.“ (ebd)

17 Uhr und „einige Minuten“

Laut dem Spiegel hätte der Vater seinen Sohn „einige Minuten“ nach 17 Uhr gefunden:

„Einige Minuten später kommt Ismail Yozgat, der Vater des Opfers, in den Laden. „Mein Sohn! Mein Sohn“!, ruft er, als er Halit hinter dem Schreibtisch entdeckt. ((Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 41)

„Als İsmail Yozgat seinen Sohn hinter der Theke liegen sah, ging er zu ihm und sah Blut im Bereich beider Ohren. Daraufhin schrie er laut, so dass ein 17jähriger Jordanier, der im Nebenraum an einem Internetrechner surfte, zur Hilfe kam.

Während der jordanische Staatsangehörige Erste- Hilfe-Maßnahmen durchführte, versuchte der İsmail Yozgat zunächst, vom Café aus den Notruf zu erreichen und lief dann in eine benachbarte Teestube, von wo aus dann angerufen wurde.“ NSU-Abschlussbericht, S. 497

Die Zeugen konnten noch am Tattag befragt werden (Freitag). Andreas Temme meldet sich nicht auf den Fahndungsaufruf. Durch eine Zeugenaussage wäre die Polizei überhaupt erst auf ihn gekommen, sagt der NSU-Ausschuss des Bundestages.

„Nachdem ein Zeuge in seiner zweiten Vernehmung am 12. April 2006 von einer weiteren Person berichtete, die sich am Tatort aufgehalten hatte, konnte diese am 19. April 2006 durch eine Anschlussermittlung beim Anbieter der von 16.51 Uhr bis 17.01 Uhr besuchten Flirt-Internetseite als Andreas Temme identifiziert werden.“ (NSU-Abschlussbericht, S. 624)

Erst nach dieser Aussage, wurde Temmes Computer „einer besonderen Untersuchung unterzogen.“

„Diese Person hatte eine Flirthotline aufgesucht – ilove.de -, und über die Anschlussinhaberdaten, die hier bei einem Provider in Berlin zu erheben waren, haben wir dann herausgefunden, dass dort unter einem Pseudonym mit einer Handynummer die jeweiligen Rechnungen bezahlt worden sind. (…) Den Ermittlern der Mordkommission war Herr Temme nicht bekannt.

Allerdings war es so, dass Herr Temme in unserem Hause, im Staatsschutzkommissariat, durchaus bekannt war und dort auch ein und aus ging.“ (Protokoll 21, Bundestag)

Ist bekannt, mit wem er chattete?

17 Uhr, 5 Minuten

„Gegen 17.05 Uhr fand der Vater des Opfers den Sohn blutüberströmt unter der Theke.“ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Der Vater sah erst Blutstropfen am Tresen, er trat näher heran und sah ihn dahinter liegen:

„Ich habe den Wagen geparkt, bin reingegangen. Kein Halit. Ich rief: „Halit, wo bist du, sitzt du grad selbst an einem der Computer?“ Mein Blick richtete sich auf das Pult am Eingang, dort, wo die Kunden bezahlen. Ich sah drei kleine rote Tropfen darauf. Ein, zwei, drei kleine rote Tropfen, akkurat nebeneinander. Ich ging näher an das Pult heran. Wieder rief ich: „Halit, was machst du denn hier mit der roten Farbe?“ Da sah ich ihn. Er lag dahinter, auf dem Boden. (Zeit)

Die Geldmünze zeigt ein 20 Cent Stück, nicht 50 Cent. Temme hätte jedoch ein 50-Cent Münze auf den Tisch gelegt! Dahinter ist jedoch eine weitere Geldmünze zu sehen! Könnte sie Temmes 50 Cent Stück sein? Dann könnten die 20 Cent das Wechselgeld sein, welches Temme vom noch lebendigen Yozgat herausgeben wurde. Eine halbe Stunde kostete 50 Cent. Da Temme nur 15 Minuten blieb, hätte er aber 25 Cent zurückbekommen müssen.

17 Uhr, 20 Minuten

Ein Informant aus der Islamisten-Szene ruft Temme an. (Freitag)

4 Tage später

 „Laut Kalender war T. (…) mit seinem V-Mann [GP 389] zu einem Treffen verabredet.“ (ebd.)

Etwa 2 Wochen später und die nachfolgenden Wochen

Der Unbekannte kann schließlich ausfindig gemacht werden. Es ist der Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 42). Er wird kurzzeitig wegen Tatverdacht festgenommen. Jedoch kann der Tatverdacht nicht erhärtet werden, obwohl sich Temme in Widersprüche verstrickt:

„Der Beamte bestritt zunächst, zur fraglichen Zeit überhaupt am Tatort gewesen zu sein. Er habe den Internetladen einen Tag vor dem Mord besucht. Schließlich musste er sich korrigieren, bestand aber darauf, den Laden verlassen zu haben, bevor die Schüsse fielen.

Die Fahnder stutzten: Wenn T.s Version stimmt, hätten die Mörder maximal 41 Sekunden Zeit gehabt. Die Kripo-Spezialisten hielten dies zwar für möglich, aber äußerst unwahrscheinlich.“ (ebd., S. 41)

„Hoffmann und seinen Kollegen blieb schleierhaft, wie der über 1,90 Meter große T. in dem kleinen Café die Leiche nicht gesehen haben will, er habe ja schließlich den Laden abgesucht. Zudem war die Thekenoberfläche voller Blutspritzer.“ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Der Mordverdächtige wird durch den Psychologen Herrn „Sch.“ verhört, ein „kognitives Interview“. Temme berichtet nun auch „von einem Geräusch, als seien Möbel gerückt worden. Ein Poltern, aber kein Schuss.“ Der Psychologe bewertet Temme als „scheinangepasst“, er hätte sich „nicht wirklich auf das Interview eingelassen“.

„Eine Verdrängung einzelner Wahrnehmungen im Internet-Café oder eine Form für Amnesie hält der Psychologe für „unmöglich“. Aber was verbirgt T.?“ (welt)

Unbekannter Zeitraum nach dem Tod Yozgats

Laut eines Spiegel-Berichts am 22.08.2011 gab es …

„Festnahmen, doch die Verdächtigen musste man wieder laufen lassen, und sie verschwanden Stunden später aus Deutschland, Richtung Schweiz und Türkei.“ (Spiegel, 34/2011, S. 32)

Behinderung der Aufklärung

Der Polizei werden weder die dienstliche Erklärung Temmes zu den Mordvorwürfen übergeben, noch seine Sicherheitsüberprüfung, noch die Identitäten der „V-Leute, mit denen T. am Tattag gesprochen haben wollte, gab das hessische LfV […] preis (…).“

„In seiner Arbeit als Verfassungsschützer war Andreas T. für den Bereich Ausländerextremismus zuständig. Er soll mehrere V-Leute des Geheimdienstes geführt haben. Dazu zählte auch ein Mitglied der rechtsextremen türkischen „Graue Wölfe.“ (Bild)

Dabei wären vor allen Dingen, die bis heute ungeklärten Identitäten seiner islamistischen Zeugen von Interesse! Es könnten sich Verbindungen zum Kiesewetter-Mord auftun. (Friedensblick) und (Friedensblick)

Laut des Sonderkommission-Chefs Gerald Hoffmann habe es „von Beginn an kein Interesse an sachfördernder Kooperation“bestanden.

„Rückendeckung erhielt das LfV vom damaligen Innenminister, dem heutigen Regierungschef Volker Bouffier.“(spiegel)

Die damalige Vorgesetzte beim Verfassungsschutz trifft Temmes konspirativ. Es fand nicht im Dienstgebäude statt, sondern in einem Vieraugengespräch an einer Autobahnraststätte. „Die Polizei beobachtet das konspirative Treffen der beiden Verfassungsschützer.“ (ebd)

2008

Die Ermordung von Halit Yozgat ist der einzige „Ceska-Mord“ „bei dem es zwischenzeitlich einen Tatverdächtigten gibt“ (stern). Trotzdem kann  sie nicht aufgeklärt werden – die „Ceska-Morde“ hören jedoch auf. Kam die Polizei dem Täterkreis zu nahe?

Andreas Temme wird entlastet, jedoch bleiben Restzweifel bei den Ermittlern.

„Die Ermittler kamen laut Bericht der Kasseler Staatsanwaltschaft 2008 zu dem Fazit, „dass T. und sein persönliches Umfeld mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit … nicht an einer oder mehreren zur Serie zuzuordnenden Tötungsdelikte beteiligt waren“. Allerdings räumten die Fahnder schon damals „geringe Restzweifel“ an T.s Unschuld ein.“ (Quelle: Freitag)

2011-jetzt

Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages Sebastian Edathy spricht davon, dass es „keinerlei Indizien“ für eine geheimdienstliche Verwicklung gäbe (Friedensblick). Petra Pau von der Linken distanziert sich gar von „Verschwörungstheorien“ bei denen „Geheimdienste eine Rolle“ spielten. „Gleichwohl haben wir uns als Linke im Bundestags-Untersuchungsausschuss nie darauf eingelassen.“ (Friedensblick).

Die Kasseler Staatsanwaltschaft schrieb am 4. Januar 2012 einen Vermerk an die Bundesanwaltschaft. Dort weist sie auf Temme hin:

„Nach dem Auffinden der Tatwaffe „Ceska 83“ und dem rechtsextremen Hintergrund der Morde sei die Kasseler Tat „neu zu bewerten“. Soweit ersichtlich, sei „hier einziger Anknüpfungspunkt die Spur T.“ (welt)

In der Zwickauer „NSU-Wohnung“ wurde Kartenmaterial aus Kassel gefunden, welches von Andreas T. stammen könnte! In einem „stark verkohlter Falk-Stadtplan von Kassel,“ sind handschriftliche Markierungen und Notizen des höchstwahrscheinlichen Täterkreises zu sehen, mögliche Anschlagsziele etwa mit „Ali“ vermerkt.

„Der Nebenkläger-Anwalt Kienzle hat herausgefunden, dass alle Markierungen, bis auf eine, auf den täglichen Fahrtrouten von T. zu finden sind. T. nämlich hatte in zwei Vernehmungen 2006 mitgeteilt, welche Strecken er üblicherweise täglich abfährt.

„Von neun auf dem Kartenmaterial markierten möglichen Tatorten liegen fünf unmittelbar an der Fahrtstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsstelle“, sagt Kienzle.“ (welt)

Mehr Informationen: „Andreas Temme

10 Gedanken zu „NSU: Analyse des Verfassungsschützers Andreas Temme“

  1. 1.
    Zitat:
    mit einer Plastiktüte in der Hand, in der ein schwerer Gegenstand den Boden durchdrückte.
    [/Zitat Ende]

    Warum sollte T., der mit seinem Auto direkt vor der Tür parkt, extra einen schweren Gegenstand mit ins Internet-Cafe nehmen? Zum Surfen braucht er sowas nicht. Warum sollte der Zeuge lügen und sowas erfinden?
    Annahme: T. hatte in der Tüte die Waffe dabei.

    2.
    Eine Skizze des Internetcafes ohne die abgeschnittene obere Ecke, wo man den Hinterausgang sieht:
    http://i.imgur.com/TDGBT8o.jpg

    dazu ein Zitat:
    Yozgat sagt, hinten am Café habe es auch einen Eingang gegeben, er frage sich, ob die Täter, durch den Hintereingang geflüchtet sind.
    [/Zitat Ende]
    http://www.nsu-watch.info/2013/10/protokoll-41-verhandlungstag-1-oktober-2013/

    3.
    Zitat:
    T. geht vor die Tür, um ihn zu suchen.
    [/Zitat Ende]

    Alternativen:
    – T. geht vor die Tür um Schmiere zu stehen, während ein anderer drinnen tötet.
    – T. geht mal kurz vor die Tür, um zu sehen „ob die Luft rein ist“, geht wieder hinein und erschießt Yozgat selbst.

    Problem bei diesen beiden Alternativen:
    Yozgat hätte Temme nicht einfach so weggehen lassen, wenn der nicht bezahlt hätte. Yozgat hätte mit Sicherheit etwas gesagt, was die anderen Zeugen gehört hätten.

    4.
    Zitat:
    Andreas T. geht zurück ins Internetcafé, findet den Betreiber aber immer noch nicht.
    [/Zitat Ende]

    Problem:
    Nach Schüssen gibt es Geruch nach Schießpulver, ganz besonders in geschlossenen Räumen und auch dann wenn ein Schalldämpfer benutzt wurde.
    Wenn man in einer ungewöhnlichen Situation ist (man will bezahlen, aber das klappt nicht) und man riecht gleichzeitig auch noch Pulverqualm, dann sollte man hellhörig werden, vor allem wenn man wie Andreas T. im Bereich Observation geschult ist.

    Außerdem ist diese Theke zur Seite hin offen. Wenn man da vorbeigeht, dann kann man problemlos hinter die Theke schauen. Wenn man also jemanden hinter der Theke sucht, dann gibt es dabei kein erkennbares Problem.

    5.
    Widerspruch: Wie kann Andreas T. bereits seit dem Jahr 2003 dieses Internetcafe besuchen, und sich dabei auch ausdrücklich auf die Freundlichkeit von Yozgat beziehen, wenn die Yotgats erst wenige Monate vor der Tat im Jahr 2006 Geld geliehen hatten, um dieses Internetcafe zu eröffnen?

    Zitat:
    Gemeinsam mit seinem Vater hatte er sich erst wenige Monate zuvor Geld geliehen, um den Laden im Norden Kassels zu eröffnen.
    [/Zitat Ende]
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-zeugen-zum-mord-an-halit-yozgat-a-924534.html

    Zitat:
    Götzl: „Wie lange besuchen Sie das Internetcafe schon?“
    Temme: „Mindestens seit 2003. Ich war damals auf der Fachhochschule, dort haben sie Hausarbeiten und so per E-Mail an die Schüler verschickt. Weil der Internetzugang zuhause nicht ging, habe ich Yozgat gefragt, ob ich ausnahmsweise eine Diskette wegen der Mails verwenden darf. Yozgat hat mir dies erlaubt. Ich fand dies sehr nett, bin deswegen immer dahin gegangen.“
    [/Zitat Ende]
    http://juergenpohl.wordpress.com/tag/tanymany/
    (NSU-Prozess Tag 41 – Wortprotokoll: Die komplette Vernehmung von Andreas T.)

    6.
    Zitat:
    Beruflich ist der Besuch ebenfalls ein Fiasko. Denn das Internetcafé liegt nur vier Hausnummern von einer Moschee entfernt, um die sich T. dienstlich kümmern soll. Ein Verfassungsschützer, der sich in direkter Nähe eines Observationsobjekts wiederholt in eine kompromittierende Lage bringt, verstößt in grober Weise gegen Dienstvorschriften.
    [/Zitat Ende]
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article109109946/Was-sah-der-raetselhafte-Verfassungsschuetzer.html

    War er vielleicht doch beruflich dort im Rahmen einer Observation?
    Dann braucht der Beobachter (Andreas T.) natürlich eine passende Legende, warum er im Internetcafe war. Also erfindet man einen Erotik-Chat, von der seine Frau nichts wissen darf.

    7.
    Zitat:
    „Kurz bevor Faiz H. um 17:01 Uhr und zwei Sekunden sein Telefongespräch beendete, hört er neben sich Knallgeräusche.
    […]
    „Ein Poster an der Glastür der Telefonkabine versperrte dem irakischen Zeugen den Blick auf den Tatort. Kurz darauf sah er durch einen Spalt einen „kräftigen Mann, etwa 180 cm groß, mit heller Kleidung“, der zum Tisch geschaut habe und in Eile gewesen sei.“
    (Spiegel, Ausgabe 36/2012, Seiten 40 und 41).
    [/Zitat Ende]

    „Kurz darauf“, also praktisch unmittelbar nach den Schüssen.
    „helle Kleidung“ passt zu Andreas T.s „weißes Hemd mit dünnen grünen Streifen“ ( http://daserste.ndr.de/panorama/polizeiakte101.pdf )
    „kräftiger Mann, etwa 180 cm groß“ (Aussage Faiz H.) passt zu „groß und dick“ (Aussage Ahmet T.) passt zu Andreas T. Statur (189 cm, leicht untersetzt).

    Faiz H. hört also beim Telefonieren die Knallgeräusche, dreht sich um und sieht durch einen Spalt Andreas T. vor dem Tresen stehen und dann eilig fortgehen.
    Andreas T. hatte einen schweren Gegenstand (Waffe?) in einer Tüte dabei (Aussage Achmet T.). Diese Tüte wurde im Internetcafe nach der Tat nicht gefunden, also hat Andreas T. diese Tüte mit Gegenstand beim Rausgehen auch wieder mitgenommen.

    1. Nachtrag zu meinem Zitat:
      „Faiz H. hört also beim Telefonieren die Knallgeräusche, dreht sich um und sieht durch einen Spalt Andreas T. vor dem Tresen stehen und dann eilig fortgehen.“
      [/Zitat Ende]

      Vor allem sah Faiz H. (= Hamid S.) nur 1 Person, aber nicht 2.
      „1 Person“ passt zu Andreas T., „2 Personen“ hätte (Konjunktiv) zu Böhnhardt und Mundlos gepasst.

  2. 17:01:02-bis jetzt ist nicht klar ob dieser Zeitpunkt das Ende des ersten oder den Anfang des zweiten Gesprächs angibt. Zwischen den beiden Zeitpunkten soll es laut H., während der PIN-Eingabe, geknallt haben.
    17:01:40-Es ist nicht klar ob T. zu diesem Zeitpunkt den Chat beendet oder ob der Rechner offline geht. Trifft letzters zu müsste das vom Tresen aus geschehen sein-nach dem Mord. Zumindest wann T. seinen letzten Kommentar verfasst hat sollte bekannt sein, das ginge in dem Punkt alles noch etwas genauer.
    17:02:45-Wann T. spätestens weggefahren ist basiert auf früheren Angaben T.’s, er sei vor dem bezahlen zu seinem Wagen gegangen, ca 2 Minuten weg gewesen( müssen die mal vorrechnen ). Mittlerweile erklärte er aber er habe nur kurz vor dem Cafe gestanden, damit ist nun sein Zeitfenster weg. Er muss direkt in der Nähe gewesen sein.
    17:20-In einem anderen Bericht( denke in mehreren ) ist das auch wieder Benjamin G. :“Aus der Telefonüberwachung geht unter anderem hervor, dass etwa zehn Minuten nach der Tat ein Telefongespräch zwischen dem Verfassungsschützer und seinem Informanten Benjamin G. geführt wurde.“http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/NSU-Prozess-Nebenklaeger-draengen-auf-Freigabe-von-Abhoerakten-1212707328
    4 Tage später-Laut stern sollte T. an dem Tag den Staatsschutz Kassel über den Mord auf dem laufenden halten, T. wurde noch nicht damit in Verbindung gebracht, es war schon bekannt das der Mord zur Ceska-Serie gehört :
    http://www.stern.de/politik/deutschland/2-nsu-prozess-so-nah-wie-moeglich-an-der-wahrheit-2061859.html

    1. Bei der Betrachtung der knappen Zeit kam mir auch mal kurzzeitig der Gedanke, dass Andreas T. und Faiz H. gemeinsam ins Internet-Cafe gingen, denn die Startzeitpunkte (surfen bei AT und telefonieren bei FH) liegen sehr dicht beieinander.

      Es wäre nötig, Faiz H. (bzw = Hamid S.) mal vor Gericht zu befragen, aber gerade der ist nicht vorgeladen.
      Der wurde damals festgenommen und nach seiner Freilassung hat er sich abgesetzt und ist bis heute verschwunden.
      Er befand sich an einer idealen Schussposition, aber das ist kein Verurteilungsgrund, denn er bleibt am Tatort.
      Jedenfalls sind AT und FH in diesem Fall anhand mehr Kriterien verdächtig als es Böhnhardt und Mundlos sind.

      1. Faiz H. (oder wie immer der heisst) dürfte einer der islamischen V-Leute von Andreas Temme sein, nur dann macht sein Verschwinden und „Temme“ überhaupt Sinn.

        Auch das Mauern von Bouffier macht dann Sinn, die Polizei diese V-Leute nicht vernehmen zu lassen, wenn Faiz H. der Hitman eines „Befreundeten Ausländischen Dienstes“ ist…

        (bloss so eine Idee)

        Es fällt jedenfalls auf, dass beide Temme-Zeugen nicht geladen sind bzw. schon 3 Mal der Ladung nicht folgten.

      2. Also diese Faiz H.-Spekulationen haben nicht allzuviel Substanz. Ausschliessen kann man da natürlich wenig, aussagen sollte der schon. Das er nicht geladen wird muss nicht daran liegen das er eine VP ist, er ist ja unbequem für Andreas T., seine Aussage grenzt den Tatzeitpunkt auf einige Sekunden ein, weshalb T. nun mal etwas mitbekommen haben muss. Das kann als Grund reichen, und wäre er einer von T.’s Leuten wäre gerade er derjenige gewesen der die Gelegenheit hatte dem ein Alibi zu verschaffen. In Schussposition war er auch nicht, sondern in der Telefonzelle, Yozgat soll von vorne erschossen worden sein als er vorm Monitor stand.

        Was anderes, Mundlos und T. sollen die gleiche Kneipe besucht haben :
        “ Denn am 1. Dezember 2011 meldete sich um 12.45 Uhr ein Informant…er habe zu Beginn der 2000er Jahre in der Kneipe „Scharfe Ecke“ in Reinhardshagen mehrfach Uwe Mundlos gesehen…Sonst hätten sie recherchiert, dass Andreas T. nur 21 Kilometer von seinem Heimatort aus fahren musste, um sich in die „Scharfe Ecke“ zu setzen. Stammgäste erinnern sich, dass der Geheime immer wieder mal auf ein Bier vorbeikam. “
        http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.nsu-prozess-dubioser-zeuge-mit-neigung-zu-nazis.16c579a5-58fa-44b8-a2e9-15d524d61780.html
        Ausserdem soll T. nach dem Bericht Nazi-Bücher in seinem Büro gehabt haben.

        1. „Zumal es noch einen weiteren Bezug Heises zu einem anderen Mordfall gibt, der dem NSU zugerechnet wird: Heise trank, so erinnern sich frühere Besucher, in 1990er Jahren und Mitte 2000 immer wieder mal sein Bier in der Kneipe „Scharfe Ecke“ in Reinhardshagen bei Kassel. Zu einer Zeit, als das Bistro noch nicht seinem heutigen Besitzer Gaetano Dell’Aquila gehörte. Und sich dort vor allem die Rocker der Hells Angels trafen.“
          http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.untersuchungsbericht-zur-nsu-welche-verbindungen-hatte-nsu-in-den-suedwesten.f78042f5-1d90-4e62-98f4-718de36b425c.html

  3. Nachträge zum Faktor „Zeit“:
    – Der Vater des Opfers hatte am darauffolgenden Tag Geburtstag, den er aber seitdem nie wieder feiern will.
    – Das Opfer hätte eigentlich nicht mehr vor Ort sein sollen, da er eigentlich zur Abendschule gehen musste. Er bleibt nur deshalb etwas länger, weil sich sein Vater verspätet hatte.

    Vielleicht war also gar nicht Halit das eigentliche Opfer, sondern der Vater?
    – War es eine Verwechslung?
    – Hat man den Sohn getötet, um den Vater dadurch zu emotional zu bestrafen?

    – Hat es etwas mit dem Kredit zu tun?
    Solche erst kurz zuvor erfolgten Geschäftseröffnungen bzw Geschäftsneugründungen bzw Kreditaufnahmen gab es auch bei den anderen Opfern.

  4. Ich war jahrzehntelang Strafverteidiger, habe natürlich kaum solche spektakulären Fälle betreut. Trotzdem habe ich sicher ein Dutzend Tötungsverbrechen verhandelt, und meistens war die Indizienlage bei einer Verurteilung deutlich dünner als es hier für Temme der Fall ist. Wenn ich hier von Aussagen lese, er hätte eine Plastiktüte mit einem schweren Gegenstand ohne nachvollziehbaren Zweck bei sich gehabt (was glauben Sie, wie ein Provinzrichter allein das im Verhör nachprüfen würde!) oder er zischt genau zur Tatzeit in einer fluchtartigen Absetzbewegung davon (was soll das sonst sein, genau zum Tatzeitpunkt?) bzw. meldet sich dann nicht und verdunkelt etc., dann ist der dringende Tatverdacht gegeben. In vielen Fällen wäre er an anderer Stelle klar verurteilt worden. Ich kenne Richter, die triumphierend in der Urteilsbegründung lebenslang rechtfertigen würden, weil man ja schließlich einen Schalldämpfer benutzt und später Plastikreste gefunden hätte. Was für eine Heimtücke!
    Temme hat einfach Glück, was er wirklich gemacht hat weiß natürlich keiner.

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