Teil 2) Vertuschte Kriminalpolizei Heilbronn Einsatz von Michele Kiesewetter?

Es ist bis heute unklar, warum Michele Kiesewetter (MK) schon am Vormittag mit einem bis heute unbekannten Kollegen auf Streifenfahrt war. Die „offizielle“ Darstellung lautet, dass sie nicht für die Kriminalpolizei Heilbronn tätig war, sondern für die Heilbronner Fahndungs- und Ermittlungsgruppe (FEG). Sie hätte zwei Gruppen mit sechszehn Böblinger Bereitschaftspolizisten angefordert, darunter MK. Die zusätzlichen Polizisten hätten die „normale“ Streifenarbeit der Dienstelle unterstützen sollen, jedoch gezielt in der Innenstadt. Die FEG-Aktion hatte den Namen „sichere City“. Es sollte in der Innenstadt verstärkt Polizeipräsenz gezeigt, mit Geschäftsleuten in der Fußgängerzone in Kontakt getreten und der Bevölkerung das Gefühl der Sicherheit vermitteln werden. Uwe Z. (Damaliger Leiter FEG Heilbronn):

„Ziele des Konzeptionseinsatzes waren Brennpunkte der Straßenkriminalität zu erkennen und entsprechend zu bearbeiten, einen Informationsaustausch mit den Geschäftsleuten der Fußgängerzone zu ermöglichen und natürlich das subjektive Sicherheitsgefühl aller Bürger und Anwohner zu stärken.“

Die offene Frage ist, warum das Polizeipräsidium Heilbronn wirklich zwei Gruppen bei der Bereitschaftspolizei Böblingen bestellte? Sechszehn Polizisten für die Aktion „sichere City“?

Daneben führte eine Ermittlungsgruppe des Polizeireviers Heilbronn und der Kriminalpolizei Heilbronn unter Leitung von Jörg T. die Aktion „Blizzard“ durch. Das Ziel war die gezielte Bekämpfung der Drogenszene im Stadtgarten Heilbronn. Laut des Kollegen Thomas K. hätte man mit der „Blizzard“-Aktion „die Russen“ „nach Neckarsulm“ (Abkürzung NSU) vertrieben. Die Aktion endete jedoch Anfang April.

Tobias S.: „Die Konzeption der EG BLIZZARD war zielgerichtet auf den Stadtgarten Heilbronn und die dortige Rauschgiftszene. Die Ausrichtung war die dortige Rauschgiftszene zu verdrängen.
Bei der EG BLIZZARD waren verdeckte Ermittler eingesetzt, die in der Szene, d. h. im Bereich Stadtgarten, Scheinkäufe durchführten und Informationen beschafften. Parallel dazu wurden Observationsmaßnahmen durchgeführt und letztlich gegen zahlreiche Personen Haftbefehle erlassen.
Während der ganzen Zeit der EG BLIZZARD war eine Gruppe der BFE Böblingen unterstützend tätig. Dies war hauptsächlich im Bereich Observation und Folgemaßnahmen, wie z. B. Festnahmen oder Durchsuchungen. (…)
Die EG BLIZZARD unter der Leitung von Kollege T., hat klare Vorgaben gemacht, sodass sich die Bepo-Kräfte, die für die FEG Heilbronn im Rahmen der Konzeption Sichere City unterwegs waren, sich vom Stadtgarten fernhalten sollten. Diese Absprachen liefen zwischen den FEG und EG BLIZZARD Leitern. Von einem konkreten Fall, bei dem sich Kräfte der FEG oder EG BLIZZARD bzw. der Bepo oder den im Stadtgarten eingesetzten verdeckten Ermittlern, in die „Quere“ kamen, ist mir nichts bekannt.“

MK führte am Vormittag lediglich zwei Kontrollen in abgelegenen Parks der Innenstadt durch, etwa im „Szenetreff“ „Fontäne“. Diese Orte würden eher zur Einsatzkonzeption „Blizzard“ passen:

„10:50 Uhr Kontrolle mehrerer Personen im Bereich der Unteren Neckarstraße/Hospitalgrün, beim Szenentreff „Fontäne“
11:09 Uhr Kontrolle einer männlichen Person beim alten Friedhof

Sicher ist, dass MK zusammen mit anderen Bereitschaftspolizisten von 12:30 bis 13:30 eine Schulung im Polizeipräsidium erhielt:

Der Leiter der FEG Uwe Z. erklärte den sechszehn Böblinger Bereitschaftspolizisten, wie sie Anzeigen im Computer eingeben könnten. Er konnte sich jedoch an keine Einsatzbesprechung  erinnern. Eine Besprechung am Anfang des Einsatzes würde angeboten werden, auch würden sich FEG-Beamte an der Bestreifung beteiligen. Davon sagt keiner der befragten FEG-Beamten etwas.

Die Version von Z. wird teilweise von seinem Kollegen Matthias P. gestützt: Er hätte MK erst um 12:30 in der FEG gesehen, als die „zweite“ Gruppe von Bereitschaftspolizisten kam. Der Arbeitsbeginn von MK in Heilbronn war jedoch um 09:30! 

Gaby M. fing um 09:30 bei der FEG an. Laut ihr hätte die morgendliche Einsatzbesprechung entweder ihr Chef Uwe Z. gemacht, oder Volker M. von der Kriminalpolizei Heilbronn durchgeführt!

„Ich schätze, ich habe gegen halb 10 angefangen zu arbeiten an dem Tag, aber genau steht es im Tätigkeitsbuch der FEG drin. (…)
Ich weiß hoch, dass die Bepo-Kräfte kamen und im Büro eingewiesen wurde. Sie wurden dann von Koll. M. oder Z. eingewiesen.

Z.´s Reaktion als FEG-Leiter auf den Überfall würde dafür sprechen, dass er sich nicht zuständig fühlte. Nachdem er vom Überfall hörte, wäre er im Polizeipräsidium geblieben. Erst nach Drängen einer bis heute unbekannten Kollegin wäre er mit ihr zum Tatort gefahren. Dann führte er am Bahnhof zusammen mit Bereitschaftspolizisten Kontrollen durch.

„Ich weiß nicht genau, was ich dann gemacht habe, ich war auf jeden Fall im FEG Raum, dann gab es ein Geschrei auf dem Revier. Es war ein totales Durcheinander, ich bin vor zum Funk. Dem Funk war nichts zu entnehmen, es herrschte Chaos am Funk. Ich dachte erst, es seien Revierkräfte betroffen, ich weiß gar nicht wie und wann ich erfahren habe das es Bepo-Kollegen waren auf die geschossen wurden. Ich habe auch keine Kräfte rausgeschickt, ich selber bin auch erst nicht raus gefahren.

Schließlich bin ich mit einer Kollegin raus gefahren, die wollte unbedingt raus und spätestens, als ich den BMW sah, wir hatten so ein Fahrzeug nicht, war mir klar, dass nur Kollegen von der BePo betroffen sein können. Das Mädle lag auf dem Boden neben dem Streifenwagen, ihre Stiefel guckten unten raus.Der Koll. Arnold war sicherlich schon abtransportiert, ich sehe keine Rettungskräfte oder fremden Leute in meiner Erinnerung.

Ich weiß dann noch, dass der Andy M., der Revierführer, zu mir kam und sagte, dass die BePo-Kräfte beschäftigt werden müssen. Ich denke, ich bin dann rein gefahren, weil die BePo-Kräfte drinwaren und habe ihnen den Auftrag gegeben, die Bahnhofsvorstadt auf Verdächtige zu kontrollieren. Die sind dann auch raus gefahren.

Wenn ich jetzt noch einmal darüber nachdenke, glaube ich, dass ich ihnen den Auftrag auf der Theresienwiese oder in Tatortnähe gegeben habe und nicht auf dem Revier. Ich selber bin mit der Kollegin auch zum Bahnhof gefahren und habe geguckt nach den Kräften und nach Verdächtigen. Wir haben einfach nach Verdächtigen Ausschau gehalten, es gab keine Suchkriterien.“

Volker M., Kriminalpolizei Heilbronn

Während des Überfalls befanden sich führende Kriminalpolizisten in der Nähe des Tatortes in ihrer „Dienststelle“, die 300 Meter entfernt war! Sofort fuhren folgende zwei Männer und eine Frau zum Tatort: KHK B., KOKin K. und Volker M..

„An Nachmittag des 25.04.2007 wurde ich von meinem Dezernatsleiter, KHK B., davon in Kenntnis gesetzt, dass in Heilbronn auf dem Parkplatz Theresienwiese 2 Polizeibeamte angeschossen worden wären. Bereits Minuten zuvor fiel mir auf, dass offensichtlich auf der Süd/Karlsruher Straße zahlreiche Fahrzeuge mit eingeschaltetem Martinhorn fuhren.
Daraufhin fuhren KHK B., KOKin K. und ich mit einem Dienstfahrzeug zu dem etwa 300 m von unserer Dienststelle entfernten Parkplatz.
(…)
Ich erhielt von KOR M. den Auftrag zusammen mit Kräften der Schutz- und Kriminalpolizei die Personalien der auf dem Parkplatz Theresienwiese beim Frühlingsfest anwesenden Personen festzustellen.
Daraufhin begann ich zusammen mit Kollegen aus nördlicher Richtung über den Festplatz zu gehen, um die Personalien der anwesenden Personen festzustellen. Gleichzeitig wurden die Kennzeichen der dort befindlichen Fahrzeuge notiert.
Die angetroffenen Personen wurden befragt, ob sie vom Tatgeschehen etwas mitbekommen bzw. irgendwelche sonstige Feststellungen gemacht hätten.
Bei diesen Personalienfeststellungen wurden auch Wohnwagen, Wohnmobile und Anhänger, die nicht verschlossen waren, betreten um nachzusehen, ob sich darin Personen befinden.
Von den in diesen Fahrzeugen befindlichen Personen wurden ebenfalls die Personalien festgestellt und Befragungen durchgeführt.
Es wurden die Personalien und Fahrzeugkennzeichen der Fahrzeuge, im nördlichen Bereich beginnend ab einer Linie Zufahrt zum Tatort/Elektroverteilerhäuschen bis zur Karlsruher Straße inklusive des dortigen Kiosks, notiert. Diese Daten wurden anschließend von den jeweils kontrollierenden Beamten an die Soko Parkplatz übermittelt.“

Laut eines Vermerks der Kriminalpolizei Heilbronn vom 25.04.07 …

„… begab sich KHK B. zusammen mit weiteren Beamten aus der Bahnhofstraße zur Theresienwiese“. 

MK nahm um 13:45 in ihrer Anfahrt vom Polizeipräsidium in der John-F-Kennedystraße zur Theresienwiese nicht den direkten Weg. Kurz vor ihrem Tod um 14:00 fuhr sie ausgerechnet am Bahnhof vorbei, direkt an der dortigen Dienststelle der Polizei. Dort könnte sich Volker M. befunden haben, der eventuell die Einsatzbesprechung mit ihr durchführte.

In der Heilbronner Zeitung „die Stimme“ erschien 2004 der Artikel „Inzwischen muss man die Süchtigen suchen“. Dort kommt Dieter B., Chef des Heilbronner Drogendezernats, zu Wort. Er nannte die Orte, wo Drogengeschäfte getätigt werden, etwa die „Fontäne“, und die polizeilichen Gegenmaßnahmen.

Nachdem Volker M. zum Tatort fuhr, verblieb er dort und kontrollierte Schausteller. B. wurde dagegen von Andreas M. zum Bahnhof zurückgeschickt. Dort fand er heraus, dass die Überwachungskameras des Bahnhofes nichts aufzeichneten, da sie defekt waren.

„Durch KHK B. wurde überprüft ob vom Bahngelände/Bahnhofsvorplatz Videoaufnahmen vorhanden sind. Lt. Auskunft des Diensthabenden bei der Bundespolizei (N.) sowie dem Diensthabenden bei der Bundesbahn sind die Videoaufzeichnungsgeräte derzeit defekt, so dass keinerlei Aufzeichnungen vorhanden sind.“

Steffen B., FEG Neckarsulm

Steffen B. vom Polizeirevier Neckarsulm forderte am Tattag gleichfalls ein Gruppe Bereitschaftspolizisten aus Böblingen an. Laut Aussage des Gruppenführers Thomas K. wäre auch die Gruppe, in der MK dabei war, in Neckarsulm am Vormittag eingesetzt gewesen.

„Thomas, was kannst Du uns zum Mord in Heilbronn am 25.04.2007 sagen?
Die Gruppe von Timo H. und ich waren an dem Tag in Neckarsulm. Wir waren gerade zurück im Polizeirevier Neckarsulm als die Funksprüche reinkamen. Beim dritten Funkspruch wurde mitgeteilt, dass Michele die Tote ist. Wir waren da schon auf der Anfahrt zum Tatort. Ich habe dann die Gruppe anhalten lassen und habe jeden gefragt, ob er in der Lage ist, den Einsatz zu fahren. Alle haben gesagt ja sie können das machen.“

Steffen B. war der Leiter der FEG in Neckarsulm.

Nachdem er die ersten Funksprüche über den Überfall hörte, wäre er mit seiner Kollegin B. zum Tatort gefahren. Dort traf er auf die bereits anwesenden Kriminalpolizisten Jörg T. und Bettina S.! Steffen B. sah keine Absperrung, keinen Rettungswagen bzw. -hubschrauber und MK hing noch mit dem Oberkörper aus dem Auto heraus.

Das würde heißen, dass die heilbronner Kriminalpolizisten Jörg T. und Bettina S. die ersten Beamten am Tatort waren und, dass sie den Überfall eventuell sogar mitverfolgten, siehe Artikel „Teil 5: War Polizei bereits um 14:00 vom Überfall informiert?“

Was passierte laut Steffen B. anschließend?

Sie wären „auf Anregung des Kollegen T.“ zur Böckinger Brücke gefahren, die etwa 1,5 Kilometer südlich der Theresienwiese liegt.

„Wir sind dann auf Anregung des Kollegen T. an den Neckarradweg an der „Böckinger Brücke“ (beim Ruderclub), um dort Personenkontrollen durchzuführen.“

Nach einer halben Stunde wären sie zu den Schrebergärten auf der anderen Seite des Neckars. Dort hätten sie sich umgeschaut.

„Wir haben uns dort ca. eine halbe Stunde oder so aufgehalten, genau kann ich das nicht mehr sagen. Wir sind dann gegenüber vom Trafo-Häuschen – auf der anderen Neckarseite – in die dortigen Schrebergärten gefahren und haben uns da umgeschaut. Ich kann mich nicht mehr erinnern, dass wir irgendetwas Auffälliges festgestellt hätten. Da müsstet ihr sicherheitshalber noch den Kollegen T. dazu befragen.

Jörg T. (Kriminalpolizei Heilbronn)

Der Leiter der Aktion „Blizzard“ wurde zum ersten Mal am 21.03.2011 von der Soko zum Tattag befragt!

Er erwähnt zwar die Kontrolle der Kleingartenanlage mit Steffen B., jedoch nicht die vorherige Fahrt zur Böckinger Brücke! Stattdessen wäre er nachdem er am Tatort ankam, zusammen mit Bettina S. „zunächst in Richtung H7 (Puff)“ gegangen!

„Ich wurde vom damaligen Inspektionsleiter darüber verständigt, dass man wohl im Bereich Theresienwiese Kollegen mit Schussverletzungen aufgefunden hat. Ich bin hierauf sofort mit Kollegin S. zur Theresienwiese. Bei unserem Eintreffen waren die Kollegin Kiesewetter und der Kollege Arnold noch vorort. Bewusst habe ich noch den Kollegen Joachim T. vom Revier Heilbronn wahrgenommen. Wer sonst noch da war, kann ich nicht genau sagen, es waren aber mehrere Polizisten da.

Nachdem man mir gesagt hatte, dass auf die Kollegen wohl geschossen wurde, sind wir (S./T.) zunächst in Richtung H7 (Puff) um von dort aus die Hecken am Neckarufer, sowie das untere Neckarufer zu überprüfen. Nachdem wir dies getan hatten, ist die Kollegin S. zur Dienststelle zurück um unsere Mobiltelefone sowie unsere Schutzwesten zu holen.

Anschließend sind wir nach Böckingen rüber um dort zusammen mit dem Kollegen B. / der Kollegin B. die Kleingartenanlage nach der Fußgängerbrücke über den Neckar zu überprüfen.“

Gegen 14:00 sah der Augenzeuge Thorsten Udo B. drei rennende Männer nördlich der Theresienwiese. Er wäre die Hafengasse in Richtung Theresienwiese gefahren, als er kurz vor der Eisenbahnbrücke „drei Männer auf der rechten Seite die Böschung herunter“ rennen sah. Sie rannten genau in die Richtung, wo sich das Puff „H7“ befand. In der Theresienwiese war bereits Polizei. 

„Vor der Eisenbahnbrücke sah er 3 Männer rechts die Böschung in Richtung Puff hinunter rennen.
– I.Ein Mann 25-35 J., 165-180cm, kurze dunkle Haare, schlank, kurze Hose, TShirt
o. Hemd, helle Farben
– 2. Mann 30-40 J. etwas größer, stämmige Figur, Kleidung wie Nr. 1
– 3. Mann – keine Beschreibung möglich
Laut Telefonverhalten müsste es sich bei der Beobachtungszeit um ca. 14:48 Uhr handeln. Laut Kollege B. vermutlich Polizeibeamte“ (Ermittlungsordner 34, S. 354)

Obwohl der Zeuge angab, die Beobachtung kurz vor 14:00 gemacht zu haben und dabei von seiner Verlobten unterstützt wurde, legte die Soko die Beobachtung auf 14:48 fest. Für mehr Infos siehe Artikel „die vertuschte drei-Männer Spur“.

Bettina S. (Kriminalpolizei Heilbronn)

Bettina S. bestätigte die Darstellung von Jörg T. nicht, dass sie mit ihm in Richtung Puff gegangen wäre. Laut ihrer knappen Schilderung des Tattages wäre sie mit Jörg T. zwar zum Tatort gefahren, sie wäre dann jedoch alleine wieder zurückgefahren.

„Als die Meldung kam, war ich hier  beim Rauschgiftdezernat. Hier habe ich schon immer gearbeitet, auch 2007. Wir wollten rausfahren und deswegen waren wir gerichtet. Dann kam der Inspektionsleiter und hat gesagt, dass auf Kollegen geschossen wurde.

Dann sind Kollege T. und ich raus gefahren. Vor Ort war dann schon der Kollege S., als wir angekommen waren. Ich bin dann auf den Tatort zugelaufen und habe die Michele liegen gesehen. Ich war vielleicht so einen Meter von Michele entfernt. Ich habe auf jeden Fall nichts angefasst. Später war ich dann beim ED und musste mich um die Handys der Opfer kümmern. Wir sind dann zur Werkzeughalle, wo das Opferauto dann stand und haben nach den Handys gesucht. Ich weiß nur nicht, ob wir ins Auto gelangt haben oder ob wir die Handys angerufen haben und nichts geklingelt hat und wir deswegen die Türen gar nicht erst aufgemacht haben. Die Telefonnummern hat irgendjemand besorgt gehabt. Es ist jetzt schon eine Weile her, so genau kann ich mich nicht erinnern. Ich glaube, dass vor Ort schon die Rettungskräfte waren, aber vor allem an Kollegen Stein kann ich mich erinnern.“

Sie wären später zur Garage gefahren, in dem das abgeschleppte Opferfahrzeug geparkt war. Sie hätten dort erfolglos nach Handys der Opfer gesucht. Laut Jörg T. ging man zu „diesem Zeitpunkt (…) noch davon aus, dass mehrere Mobiltelefone zusammen mit den Dienstwaffen entwendet wurden“.

Das private Handy von Arnold wurde tatsächlich erst um 16:00 im Krankenhaus sichergestellt. Die beiden Ermittler sprechen jedoch von zwei fehlenden privaten Handys!

Zwei fehlende private Handys machen keinen Sinn, da das private Handy Kiesewetters (angeblich) direkt neben ihr liegend noch am Tatort sichergestellt worden wäre. Das dürfte jedoch nicht der Wahrheit entsprechen. Neben ihrer Hand lag das dienstliche Handy!

Dieses dienstliche Handy wurde jedoch noch am Tattag als privates Handy „undeklariert“, so dass das private Handy vom Tatort verschwinden konnte. Das Problem war jedoch, dass so ein Handy fehlte. Laut Bettina S. hätten sie in der Garage die gesuchten Handys durch Anklingeln nicht hätten ausmachen können.

Dagegen steht in einem Vermerk der Soko, dass Jörg T. und Bettina S. das dienstliche Handy gesucht und durch Anwahl der Nummer durch den Klingelton hätten finden können. Der Vermerk wurde jedoch erst am 29.05.2009 angefertigt, also mehr als zwei Jahre nach dem Überfall. 

„Am Mittwoch, dem 25.04.2007, gg. 18.50 Uhr wird der Sicherstellungs- und Abladevorgang durch KHK S.dokumentiert. (…) Bei dem Vorgang sind (…) KHK T. und KOK’in S. für eine äußerliche Prüfung des Dienst-Kfz. nach einem dienstlichen Handy (…) zugegen.“

„KHK T. und KOK’in S. führen von außen, ohne die Türen zu öffnen, eine Sichtkontrolle des Fahrzeuginnenraums durch. Das Handy ist nicht zu sehen. Danach wählt KHK T. das Handy an. Kurz darauf ist ein Ton und der Vibrationsalarm eines Handys im mittleren Bereich des Armaturenbrettes oberhalb der Mittelkonsole zu hören.“

Diese Darstellung dürfte nicht der Wahrheit entsprechen. Im Verbindungsnachsweis der MK t-mobile Nummer stehen just um 18:54:05 und 18:54:11 zwei entgangene Anrufe. Hinter der Nummer 0160 735 61 58 dürften Jörg T. und Bettina S. stehen. Bettina S. gab der Soko nicht ihre damalige Handynummer, als sie am 30.03.2011 danach gefragt wurde.

Der Vorgang würde gut zur möglichen Erklärung passen, die ich in Teil 7 meiner Artikelserie vorstellte, kurz:

Der Grund, warum das MK-Handy verschwinden musste kurzzeitig als gestohlen galt, könnte gewesen sein, dass sie zwei private Handys am Tattag benützte, aber nur eines zum Einsatz nach Heilbronn mitnahm. Ihre beiden Handys liefen mit zwei unterschiedlichen Nummern, mit O2 und t-mobile. Sie waren aber durch eine Ruf- und SMS-Weiterleitung verbunden. Das O2-Handy blieb in ihrer Wohnung, leitete jedoch nur die SMS weiter, die von anderen O2-Handy abgeschickt wurden. Genauso informierte es per SMS nur über die entgangenen Anrufe, die von O2-Handys eingingen.

„Das könnte ein großes Problem für die Soko gewesen sein, wenn sie bestimmte SMS über den Einsatz vertuschen hätte wollen. Durch die Weiterleitung erschienen die SMS-Nachrichten in beiden Handys und wurden von beiden Providern in den Verbindungsnachweisen registriert.

Deshalb reichte es nicht aus, nur den Handy-Speicher des am Tatort angetroffenen Sony-Handys zu löschen. Es musste komplett verschwinden. Dessen „t-mobil“-SIM-Karte wurde (gelöscht) nachträglich in das Nokia-Handy 6111 gesteckt. Die O2-SIM-Karte, die ursprünglich dort war, verschwand, genauso wie das Sony-Ericsson Handy.“

Das Motiv könnte gewesen sein, das Einsatzziel zu vertuschen, welches ihr per SMS mitgeteilt worden sein könnte. Am 01.05. gibt es in Ordner 11 einen interessanten Vermerk: Bereits am 25.04 vernahm Bettina S. Marcello P., der die letzte Nacht mit MK verbracht haben soll. 

„Eine Recherche ergab, dass POM P. am 25.04.2007 durch KOK’in S. in dieser Sache bereits vernommen wurde.“

Gleichfalls noch am selben Tag vernahm um 16:35 der heilbronner Kriminalpolizist Bernd K. den böblinger Bereitschaftspolizisten Volker G., der an dem Tag in derselben Gruppe wie MK war. Volker G. sagte, dass ihr Einsatzziel die Kontrolle „verdächtiger Personen“ in „milieuspezifischen Orten in Heilbronn, im Stadtgarten, Hospitalgrün, Alter Friedhof und Friedensplatz“ war. Derselbe Bernd K. hatte am Tattag sein privates Auto auf der Theresienwiese, in Tatortnähe, geparkt, weshalb das Kennzeichen notiert wurde. Aktenkundig wurde das Ergebnis der Überprüfung erst Mitte 2010!

Falls meine Theorie richtig wäre, erstaunt der große Aufwand und das Geschick, von Tag 1 an zu vertuschen. Es müsste wohl eine große Aktion an dem Tag gelaufen sein. Dazu würde das (umstrittene) Observationsprotokoll der US-Militärgeheimdienstes „DIA“ passen, welches nahelegt, dass der Dienst den Überfall beobachtete. Die DIA ist auch in Lateinamerika aktiv, wo sie gegen Drogenhändler vorgeht. 

„Defense Intelligence Agency (DIA) und der Drug Enforcement Administration (DEA) arbeiten in der Drogenbekämpfung im Ausland eng zusammen.“ aus dem Buch „Bolivien: Staatszerfall als Kollateralschaden“ (google)

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