Teil 1) Warum war Profiler Alexander Horn dem NSU bereits 2006 auf der Spur?

Einerseits erbrachten die Ermittlungen vor Ort keine Hinweise, dass die Ceska-Morde von Böhnhardt/Mundlos begangen wurden, andererseits führt der Weg der Ceska-Tatwaffe von der Schweiz direkt ins Umfeld des sogenannten NSU-Trios; NSU steht für „National-Sozialistischer-Untergrund“. Im Brandschutt vor Zschäpes Wohnung fanden Ermittler die Tatwaffe. Der Verdacht erhärtete sich jedoch nicht: Trotz umfangreicher Ermittlungen, etwa Befragungen von Zeugen und Informanten der Behörden, ist der Ermittlungsstand bis heute der gleiche geblieben: Ein NSU ist nicht erkennbar.

Angesichts dessen ist die Frage, warum der Profiler Alexander Horn 2006 eine neue Fallanalyse präsentierte, die zwei rechtsextreme Männer als Täter nahelegt. Bis heute ist ungeklärt, wie die Polizei auf diese neue Ermittlungsrichtung kam.  Wurden die Ermittlungen in die „politisch richtige“ Richtung gelenkt, beruhten sie auf Vorwissen auf eine mögliche „NSU-Selbstenttarnung“, die im Jahr 2006 oder 2007 stattfinden sollte? Vorauswissen könnte die Ungereimtheiten erklären.

Ab 2005 befasste sich Geier mit der Ceska-Mordserie

Im Jahr 2012 befragte der parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) des Bundestags den pensionierten ehemaligen Kriminaldirektor Wolfgang Geier, der ab 01.07.2005 der Leiter der neugegründeten „Besonderen Aufbauorganisation“ (BAO) war. Die sogenannte BAO „Bosporus“ war im Polizeipräsidium Mittelfranken angesiedelt. Sie koordinierte die Ermittlungen der verschiedenen Sonderkommissionen miteinander. 

Zuvor war Geier Chefermittler im Mordfall „Peggy“

Der damalige Innenministers Günther Beckstein kürte Geier im Februar 2002 zum Leiter der (zweiten) Sonderkommission (Soko) „Peggy II“. Das 8-jährige Mädchen Peggy verschwand im Mai 2001. Im Gegensatz zur ersten Soko rückte der geistig-behinderte Ulvi Kulac in den Fokus zweifelhafter Ermittlungen. Trotz fehlender Beweise wurde Kulay aufgrund seines Geständnisses 2004 verurteilt. Das Urteil wurde 2014 revidiert und Kulac freigelassen.

Warum kam „Einzeltäter-Theorie“ auf?

Bereits nach dem ersten Ceska-Mord, im September 2000 an Enver Simsek, hatte Beckstein den Ermittlern folgende handschriftliche Anmerkung unter einem Zeitungsartikel zukommen lassen: „Bitte genau berichten. Ist ausländer-feindlicher Hintergrund denkbar?“

Geier sagte, dass seine BAO im Dezember 2005 eine neue Fallanalyse in Auftrag gab. Bisher arbeiteten die Ermittler nach der sogenannten „Organisationstheorie“, die eine kriminelle Organisation als Täterin annahm. Der neue Ansatz ging von einem Serientäter aus. Diese Theorie wurde jedoch als „sehr unwahrscheinlich“ verworfen, es hätte „keinerlei Anhaltspunkte“ dafür gegeben.

„Bereits im Herbst 2005 gab es innerhalb der BAO „Bosporus“ Diskussionen, ob die Tatserie nicht doch auch einen anderen Hintergrund als die Verstrickung in der organisierten Kriminalität haben könnte. Dies führte im Dezember 2005 zu einem weiteren Auftrag an die OFA Bayern. Es sollte die Arbeitshypothese „Sniper“ analysiert werden. Ergebnis der OFA-Analyse: Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür; es wird als sehr unwahrscheinlich eingestuft.“

Im ersten NSU-Abschlussbericht des PUA wird hinterfragt, was im „Dezember 2005“ dazu führte, auf einmal einen rechtsextremen Täter anzunehmen.

„Aus welchen Gründen ist im Dezember 2005 von wem eine weitere OFA in Auftrag gegeben worden, wann ist sie vorgelegt worden und auf Grund welcher Umstände ist in dieser OFA die Theorie vertreten worden, Urheber der Mordanschläge könne auch ein ‚missionsgeleiteter’ Einzeltäter mit Hass auf Ausländer, im speziellen auf Türken, sein?“

Diese Frage ist berechtigt, aus folgendem Grund: Josef Wilfing war der führende Ermittler bei den zwei münchner Ceska-Morden, beim vierten (29.08.2001) und beim siebten Mordfall vom 15. Juni 2005. Laut Wilfing hätten seine Ermittlungen erbracht, dass ein NSU „nicht erkennbar“ gewesen wäre:

„Die 100 Zeugen, die wir befragt haben, wurden auch alle gefragt, ob sie eine Vorstellung haben, und jetzt darf ich Ihnen sagen, es war kein einziger dabei, der angeben hat: „Ich glaube an einen Übergriff durch Nazis.“ Kein einziger Zeuge hat das angegeben. Alle Zeuginnen und Zeugen, die wir vernommen haben, haben genauso wie wir auf einen Hintergrund von dem organisierten Verbrechen, Schutzgelderpressung, manche haben getippt auf die PKK, einer hat gesagt: „Ich glaube, es war ein Türkenhasser.“

Auch der bis 2008 zuständige nürnberger Staatsanwalt Dr. Walter Kimmel bestätigte dem PUA, dass es keine Anhaltspunkte für die Einzeltäter-Theorie gab.

„Also, das war ja gerade der Punkt, den wir damals hatten. Wenn wir Anhaltspunkte dafür gehabt hätten, die diese Richtung verfestigt hätten, wäre es keine Frage gewesen. Aber diese Anhaltspunkte waren eben nicht vorhanden.“

Gerade Geier hätte jedoch „immer“ auf diese Möglichkeit hingewiesen, was zu Diskussionen führte.

„Und der Herr Geier war immer derjenige, der gesagt hat: Auch der andere Bereich muss mit abgedeckt werden. – Das gab immer wieder auch Diskussionen intern, innerhalb der BAO. Da gab es die Meinungen und jene Meinungen.“

Operative Fallanalyse Bayern (OFA), Polizeipräsidium München

Der „Profiler“ Alexander Horn war schon für die erste Fallanalyse mitverantwortlich, die vom 24.08.2005 datierte. Nach dem sechsten und siebten Mordfall wurde sie bei der OFA in Auftrag gegeben. Das Kernergebnis war, dass hinter den Morden eine kriminelle Organisation steht. Vor dem PUA des Bundestags bestätigte dies Horn:

„Das ist richtig.“

Erst die letzten beiden Morde hätten zu der Einzeltäter-Theorie geführt.

„Vorsitzender Sebastian Edathy: Okay. – Also, die erste Fallanalyse: August 2005. Die zweite ist dann fertiggestellt worden, also übermittelt worden an die BAO „Bosporus“, am 9. Mai 2006.
Zeuge Alexander Horn: Ja. (…)
Vorsitzender Sebastian Edathy: Aufgrund welcher Fakten haben Sie dann das geändert? Es waren ja zwei Taten hinzugekommen, Dortmund und Kassel, innerhalb von drei Tagen 2006. Die Fakten müssen ja eigentlich in diesen beiden Fällen begründet sein. Oder haben Sie über die ersten sieben Fälle neue Fakten erfahren, die Sie veranlasst haben, Ihre erste Bewertung zu ändern?
Zeuge Alexander Horn: Es ist so, Herr Abgeordneter: Bei einem Serienmordfall muss ja jeder neue Fall, der hinzukommt, neu bewertet werden. Und dieses wird Auswirkungen auf die gesamte Analyse haben; denn ein einzelner Fall kann Ihnen unter Umständen eine Information geben, die Sie eine Information in den anderen Fällen komplett neu beleuchten lässt. Und so war es natürlich auch hier.
Für uns wesentliche Punkte waren zum einen, dass wir jetzt zwei zusätzliche Handlungsorte hätten, in denen eine solche Organisation tätig sein müsste, Dortmund und Kassel. Das Nächste, was für uns sehr wichtig war: Die Opfer waren außerplanmäßig an den Tatorten zu diesem Zeitpunkt. Und dass
man auch weiter sagen muss, vom Opferhintergrund:
Es gab keine Anzeichen zu dem Zeitpunkt unserer Analyse, dass es dort irgendwo Verstrickungen ins kriminelle Mlieu gab, und es deswegen für uns wahrscheinlich machte, dass die Opfer vermutlich eher stellvertretend ausgewählt wurden.“

Horns Darstellung entspricht nicht der Wahrheit: Auch die letzten beiden Opfer, sowohl Herr Kubasik als auch Herr Yozgat, wurden kurz vor ihrer Ermordung von Kriminellen bedroht, genauso wie die anderen Mordopfer. Die beiden letzten Morde passen ins Gesamtbild. 

Horn erklärte 2016 in Austs/Laabs Propaganda-Doku „NSU-Komplex“, dass der Gebrauch der immer gleichen Schusswaffe die Botschaft der rechtsextremen Täter gewesen sein könnte.

Profiler Alexander Horn

Quelle: youtube

„Und wenn man auf eine situative Opferauswahl geht, dann sind sie austauschbar (…). Und dann ist darunter eine andere Motivlage, eben eine fremdenfeindliche Motivlage. Dann macht auch das Beibehalten der Waffe Sinn. Denn dann ist die Waffe sozusagen die Botschaft.“

Dazu im Gegensatz steht im Sachstandsbericht der BAO vom November 2005, dass die Ceska eine Botschaft der kriminellen Organisation gewesen sei:

 „Die Verwendung der gleichen Waffe kann als ein Zeichen der Bedrohung für einen bestimmten Personenkreis interpretiert werden. Die Taten sorgen zudem für europaweites Aufsehen in der Presse und für Unruhe in der Bevölkerung. Dadurch erreichten die Täter, zumindest in ihren kriminellen Kreisen, ein gewisse „Berühmtheit“, die durchaus als gewollt unterstellt werden kann.“

Eine im Anfang 2007 vorgestellte dritte Fallanalyse widerlegte ausführlich die zweifelhaften „Einzeltäter-Theorie“. Sie legte die außerplanmäßige Anwesenheit der Opfer am Tatort genau umgekehrt als Horn aus – gerade als Argument für eine gezielte Ermordung, für einen Kontakt des Opfers mit seinen Mördern.

„Die Täter haben sich an einigen Tatorten ausgekannt (Ortskenntnis) und gleichzeitig haben sie mehr oder weniger konkretes Wissen zur Verfügbarkeit der jeweiligen Opfer gehabt. Dies spricht gegen den Täter, der willkürlich nach Zufallsopfern Ausschau hält.“

Staatsanwalt Kimmel erklärte den Meinungswechsel der bayerischen Ermittler im Mai 2006 hin zur Einzeltäter-Theorie damit, das die bisherigen Ermittlungen zur „Organisationstheorie“ ja erfolglos geblieben wären.

„Ich glaube, dass wir mit zunehmendem Lauf der Ermittlungen und zunehmender Erfolglosigkeit der Ermittlungen immer mehr zu dem Ergebnis kamen: Je unwahrscheinlicher am Anfang uns sich was dargestellt hat, desto wahrscheinlicher wird es vielleicht im Laufe der Zeit, wenn wir auf den anderen Bereichen nichts feststellen können. Und das, glaube ich, war auch ein Punkt, warum man dann erst relativ spät in diese Richtung ermittelt hat.“

Zweite OFA, zwei rechtsextreme Männer als Serienmörder

Die Einschätzung der OFA Bayern änderte sich also im Jahr 2006 grundlegend – nach den zwei letzten Ceska-Morden, dem achten und neunten Mord, stattgefunden am 04.04.06 und 05.04.06. Vom 2. bis 5. Mai wurde die „Einzeltäter“-Theorie entwickelt, die am 09. Mai 2006 im BAO vorgestellt wurde! Diese Analyse hat große Parallelen zu der heute propagierten dreiköpfigen NSU-Kleinstzelle.

„In der Zeit vom 2. bis 5. Mai 2006 wurde die 2. Operative Fallanalyse unter Beteiligung der OFA NRW in München entwickelt.“ (Abschlussbericht, PUA, Nordrhein-Westfalen, S. 455)

Genau in der Zeit, Mai 2006, wiederholte der damalige bayerische Innenminister Beckstein seinen Hinweis auf einen möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund der Ceska-Morde:

„Erst im Mai 2006, also nahezu sechs Jahre nach dem ersten Mord, hat der Zeuge Dr. Beckstein erneut auf einem Zeitungsartikel über die Mordserie vermerkt: „Könnte bei den Türken-Morden Fremdenfeindlichkeit das Motiv sein?“ (PUA-Abschlussbericht, Bundestag, 2013)

Wolfgang Geier bestätigte den Bundestags-Abgeordneten die zeitliche Darstellung:

„Ich komme nun zur Serientätertheorie. Im Rahmen der Beauftragung zur zweiten OFA Analyse unter Einbeziehung der letzten beiden Taten wurden bereits die bisherige Hauptermittlungslinie, die sogenannte Organisationstheorie, kritisch hinterfragt und andere mögliche tatauslösende Theorien diskutiert. Deshalb erging auch von mir der Auftrag an die OFA, sogenannte Alternativhypothesen zu erarbeiten.

Die sogenannte Serientätertheorie, die in ihrer endgültigen Fassung im Juni 2006 präsentiert wurde, ging (…) von missionsgeleiteten männlichen Tätern aus, die eine Wut, Abneigung gegen türkisch aussehende Männer entwickelten, (…). Nachdem die oben genannte zweite Analyse der OFA bereits am 9. Mai 2006 bei der BAO „Bosporus“ erstmals im Entwurfsstadium vorgestellt war, erging von mir der weitere Auftrag, an diesen neuen Abschnitt (…).“

Jedoch fragte bereits Anfang April 2006, kurz nach dem achten Mord in Dortmund, eine vom Bereich „Staatschutz“ abgestellte türkisch-sprechende Polizistin eine Zeugin gezielt danach, ob sie „Nazis“ am Tatort gesehen hätte. Wie kam die Polizistin dazu, dies zu fragen, wenn doch die „Einzeltäter“-Theorie erst Anfang Mai 2006 ernstgenommen und entwickelt worden wäre?

Alleingang der BAO

Nachdem die BAO im Mai 2006 auf die Einzeltäter-Theorie umschwenkte, unternahm sie einen Alleingang: Ohne Rücksichtsnahme auf die Befürworter der „Organisationstheorie“ im Bundeskriminalamt und in den Sonderkommissionen stellte Wolfgang Geier bei „Aktenzeichen XY-ungelöst“ am 03. August 2006 die „Serientäter“-Theorie vor.  Wie Horn behauptete er, dass es bei den Opfern keine „Verstrickung“ mit „kriminellen Machenschaften“ gegeben hätte. Nach Nachfrage des Moderators „es gibt jedoch eine Gemeinsamkeit“ antwortete Geier:

„Bei allen Opfern handelt es sich um türkischstämmige Menschen, mit Ausnahme des Griechen, der allerdings türkisches Erscheinungsbild hat.“ (youtube

Auch im Jahr 2007 traten Geier und Horn im zdf auf und wiederholten ihre Einschätzung, dass die Opfer nur ihr ausländisches Erscheinungsbild verbindet. Geier beschrieb den möglichen Täter, wiefolgt:

„Es handelt sich um einen Deutschen, der so im Alter zwischen 24 und 45 Jahre alt ist.“

Dieses Festhalten an der Einzeltäter-Theorie ist bemerkenswert, da Geier eine Minderheiten-Position damit einnahm. Das Meinungsbild unter den Ermittlern beschreibt der Abschlussbericht des ersten NSU-Ausschusses des Bundestages:

„Im Übrigen sei das Meinungsbild in der Steuerungsgruppe so gewesen, dass die „Einzeltätertheorie“ nachrangig betrachtet und der „Organisationshypothese“ der Vorrang eingeräumt worden sei, und zwar von allen Ermittlungseinheiten mit Ausnahme der Bayern.“

Bis heute ungeklärte Frage

Welche konkreten Anhaltspunkte lagen für die vorgeschlagene Änderung der Ermittlungsrichtung vor? Wusste die BAO vom NSU? Tatsächlich gibt es dafür einen Hinweis:

Der Polizeibeamte Konrad Pitz sagte dem bayerischen PUA, dass während der Verabschiedung von Wolfgang Geier von der BAO, Anfang 2008, der Begriff NSU gefallen sei. „Die kam von oben, von der BAO-Leitung“. Als er sich kurz darauf erkundigte, sei ihm gesagt worden, dass die Spur inzwischen gestorben sei. Nach seiner Aussage eröffnete die münchner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Falschaussage.

In den kommenden zwei weiteren Teilen werden weitere Ungereimtheiten aufgezeigt, die für ein Vorwissen sprächen.

Ein Gedanke zu „Teil 1) Warum war Profiler Alexander Horn dem NSU bereits 2006 auf der Spur?“

  1. „Star“-Profiler Alexander Horn will die große Erleuchtung – rechtsradikales Duo – nach Dortmund und Kassel bekommen haben: „Die Opfer waren außerplanmäßig an den Tatorten zu diesem Zeitpunkt.“

    Halit Yozgat war aber Inhaber des Internet-Cafés und passte schon alleine daher ins gängige Opfer-Schema, selbst für den Fall, dass Horn nicht nur wahrheitswidrig bestritt, sondern wirklich „übersehen“ haben sollte, dass Yozgat wie die vorhergehenden Opfer „kurz vor ihrer Ermordung von Kriminellen bedroht“ worden war.

    Vater Yozgat kam zur Ablösung 5 Min. zu spät – und so wurde der Sohn getötet, obwohl (evtl.?) der Vater gemeint war.
    Soll das ein Beweis für die „Austauschbarkeit“ der Opfer sein (Motto: Hauptsache, die richtige Ethnie) und damit ein Zeichen für ganz heißen Rassismus?
    Angeblich „austauschbare“ Opfer bei sturer Verwendung der immer gleichen Waffe – ja, wie genau sendet das nicht nur irgendeine „Botschaft“ (z.B. eine der Mafia), sondern eine explizt braune?

    Wenigstens bestreitet er nicht, dass zur Terror-Tat immer die Terror-Botschaft gehört. Botschaften müssen aber auch vom angesteuerten Empfängerkreis richtig verstanden werden – daher hätte ihm zum fehlenden Hinterlassen brauner Texte (oder wenigstens brauner Symbole) etwas mehr einfallen müssen, denn Fahnder wie Öffentlichkeit bekamen ja den „richtigen“ Riecher nicht gerade zeitnah, wie es im Sinne terroristischer Täter gewesen wäre, sondern trotz vieler Morde nicht vor der Analyse des genialen Profilers.

    Zwischen Genie und Wahnsinn liegt manchmal nur ein ganz schmaler Grat und ebenso zwischen Erhabenheit und Lächerlichkeit. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus und Staatsdiener Horn nicht dem Staatsdiener Temme.
    Wenn er dessen braunes Erscheinungsbild („Klein Adolf“) im gerade erfolgten Kasseler Mordfall und den schon im Jahr zuvor veröffentlichten Schlapphut-Bezug der Mini-Ceska-Serie nicht mitbekommen hat oder für irrelevant hielt, dann sind seine restlichen Ergüsse auch nicht viel mehr als Kaffeesatz-Leserei.

    Horns einziger Fehler laut taz: Weil er von einem (braunen) „Ankerpunkt“ in Nürnberg ausgegangen war, habe sich die Suche auf den Großraum Nürnberg beschränkt und sei im Sand verlaufen, http://www.taz.de/!5095262/

    Sein zweiter Fehler könnte allerdings (ebenfalls gem. taz) sein, dass er doch nicht Deutschlands bester Profiler ist:
    „Nur wenige Monate später wurden dann baden-württembergische Polizeiprofiler gebeten, eine weitere Fallanalyse zu erstellen. An rechtsextreme Täter glaubten sie in ihrem im Januar 2007 vorgelegten Bericht aber nicht. Sie vermuteten eine kriminelle Bande aus Südosteuropa hinter den Morden“.

    Warum eigentlich suchen die sonst so stolzen Bayern nicht nach einem jüngeren Genie in den eigenen Reihen? Warum wenden sie sich nicht nach oben (BKA), sondern an die baden-württembergischen Kollegen? Selbige waren doch von keinem einzigen der Ceska-Morde betroffen. Und mehrere (gleichrangige) hinzugezogene Köche verderben bekanntlich oftmals eher den Brei als dass sie ihn verfeinern, sprich: sorgen für einen Meinungsstreit, der dann wieder geschlichtet werden muss. Denn auch die taz weiß, „dass es sich beim Profiling offenkundig nicht um eine exakte Wissenschaft handelt“.

    Oder war Ungewissheit und „Streit“ gewünscht, quasi als Nebelkerzen für die Öffentlichkeit, die möglichst nicht ahnen sollte, dass Insider hinter den Kulissen sehr viel von dem haben, was ihr selber mangelte: Wissen und Gewissheit?

    Die Kollegen vom Ländle, bekannt für zahllose merkwürdige Zufälle und Andock-Versuche im Umfeld des Heilbronner Polizistenmordes, lieferten jedenfalls schon mal eine Kostprobe ihres Könnens; Wortlaut taz:

    „Ironie der Geschichte: Das Treffen, bei dem die Polizeiprofiler dies beschlossen, fand genau an dem Tag statt, an dem die Mörder des NSU in Heilbronn zum zehnten Mal zuschlugen und die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordeten – der Zusammenhang zur Ceska-Mordserie an neun Migranten kam aber erst viereinhalb Jahre später ans Licht.“

    Bei ihrem Treffen beschlossen hatten die Profiler folgendes „Ergebnis: Sollte es zu einem ,Fall 10′ in der Mordserie kommen, werde ein gemischtes Team gebildet, dem neben den Bayern und den Baden-Württembergern ein ,Moderator‘ angehören solle“.

    Obwohl im Ländle noch gar nicht betroffen, stritten dessen Ermittler schon mit grimmigem Ernst und kontrovers mit Kollegen des betroffenen Nachbarlandes Bayern.
    Sie planten ermittlungs-organisatorisch voraus für den Fall eines „hypothetischen“ 10. Mordes, der sich „zufällig“ gerade zeitgleich in ihrem Ländle abspielte.

    Angeblich ahnungslos, denn sie dachten an einen 10. „Ceska“-Mord, wogegen es doch nur der 10. „NSU“-Mord war.
    Und „NSU“ war für sie damals nur das Namenskürzel für die Heilbronner Nachbarstadt Neckarsulm (und deren später zu Audi gekommene Motorenwerke).

    Oder hatten die Ländle-Beamten ihre überaus lästige Kiste Heilbronn schon damals (2007) zu Tarnzwecken nach dem Gefährt der Nachbarstadt auf NSU getauft, so wie die bayrischen Kollegen Blumenhändler (ohne Tarnzweck, einfach nur salopp) als Döner-Verkäufer bezeichneten?

    Da ein Polizistenmord nie vergessen wird und hier eine bestimmte Spur tabuisiert werden muss (die transatlantische), bedurfte es für diese Arbeit eines Arbeitstitels, in welchem weder „Kiesewetter“ noch „Heilbronn“ vorkommen durfte.
    „NSU“ war hingegen ideal: Eindeutig genug für Insider (Kürzel für die „Zwillingsstadt“ von Heilbronn), mehrdeutig bzw. nichtssagend genug für Außenstehende.

    Die ersten beiden Buchstaben (NS) ließen zudem die Option offen, den internen „Arbeitstitel“ für die Kiesewetter-Entsorgung später als Täter-Name einer rechten Bande zu verwenden, die ja bereits seit dem Mord in Kassel ins Narrativ eingeschleust werden sollte. Könnte daher bei der Geier-Verabschiedung der Begriff „NSU“ in einem solchen Tarn-Zusammenhang gebraucht worden sein und die hektischen staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen den vorm PUA aussagenden Polizeibeamten ausgelöst haben?

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