Worauf basierte die NSU-Terrorwarnung im Jahr 2000?

Am 28.04.2000 warnte der sächsische Geheimdienst, vier Monate vor dem ersten Ceska-Mord: Der Zweck des untergetauchten Trios wäre „schwere Straftaten gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung zu begehen“. So konnte der Dienst genehmigt bekommen, das Trio und ihr Umfeld abzuhören.

 „Das Vorgehen der Gruppe (gemeint ist das Neonazi-Trio) ähnelt der Strategie terroristischer Gruppen, die durch Arbeitsteilung einen gemeinsamen Zweck verfolgen.“

„Report Mainz“ titelt:

Mit dieser Begründung beantragte der sächsische Verfassungsschutz die Abhörmaßname „Terzett“ gegen das flüchtige Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe und weiteren vier Personen. Die „welt“ liegen Akten der Operation vor, nach der sie „endgültig erst mit der Benachrichtigung der Betroffenen mit Schreiben vom 5. Oktober 2009 abgeschlossen – bzw. mit einem Vermerk des SMI vom 31. November 2010“ wurde (Friedensblick).

Obwohl das „Terzett“ in Sachsen lebte, obwohl drei der vier Abgehörten jetzt zum NSU-Umfeld gezählt werden, hätte der sächsische Geheimdienst das Trio aus den Augen verloren!

In den öffentlichen Berichten der bundesdeutschen Geheimdienste stand in den 2000er Jahren, dass „keine rechtsterroristischen Organisationen und Strukturen erkennbar“ gewesen wären. Begründung:

Die NSU-Terrorwarnung wäre „nicht weitergereicht“ worden!

„Das Papier sei jedoch nicht weitergereicht worden.

Ein Beispiel für Versagen?

„Na ja, es zeigt zumindest, dass man die Gefährlichkeit der Szene schon an bestimmten Punkten erkennen konnte“, sagte Friedrich weiter im DLF-Interview. Man werde sich genau anschauen müssen, was da im einzelnen passiert sei, wer den Bericht geschrieben habe, wo der Bericht hingegangen sei, wer wie reagiert habe und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen worden seien.“ (deutschlandradio)

Worauf basierte diese Terrorwarnung?

„Bei dem Trio ist „eine deutliche Steigerung der Intensität bis hin zu schwersten Straftaten feststellbar …“. Die schnelle, professionelle und praktisch spurlose Flucht des Trios im Jahr 1998 ist ein Anhaltspunkt dafür, dass sie „ohne die entsprechende Unterstützung … so nicht realisierbar gewesen wäre. Nur durch engste Bindungen in einem abgeschlossenen Zirkel mit wenigen verschwiegenen Mitwissern wird eine solche Flucht möglich.“ (überhauptgarnix)

Das Trio befände sich „auf der Stufe von Rechtsterroristen“

NSU-Nebenklage:

„In der Vernehmung von Jürgen He. (112. Verhandlungstag) habe sich ergeben, dass der MAD schon 1999 wusste, dass sich das Trio auf der Stufe von Rechtsterroristen bewegt.“ (nsu-watch)

Jürgen Helbig konnte jedoch keine plausible Erklärung geben, bzw. im nsu-watch-Protokoll ergibt sich keine:

„Stahl geht auf die Befragung durch den MAD ein, wo He. angegeben habe, dass die Drei auf einer Stufe mit Rechtsterroristen seien, He. bestätigt, das habe er so angegeben. Stahl fragt, wann He. sich damit befasst habe, dass die Drei untergetaucht seien. He. antwortet, als er die ersten Telefondienste gemacht habe, außerdem habe das in der Zeitung gestanden. Er habe das vor allem für Böhnhardt gemacht, weil er diesen am besten kannte. Es wäre ihm aber klar gewesen, dass es drei Personen gewesen seien. Er wisse von Zschäpe in dem Zusammenhang des Bombenbastelns nichts. Die Frage nach dem bewaffneten Kampf durch das MAD habe er nicht in Erinnerung.“ (nsu-watch)

Bis heute unbekannter Hinweisgeber

„(…) seine Behörde sei schon kurz nach der Flucht des Verbrecher-Trios aus Jena im Jahr 1998 auf den Aufenthaltsort der Gesuchten hingewiesen worden.

Auch der MAD – quasi der Verfassungsschutz der Bundeswehr – arbeitet mit V- Leuten. Und, so ergaben FOCUS-Recherchen, es war tatsächlich ein solcher Informant, der den Tipp an die MAD-Außenstelle in Leipzig weitergegeben hatte.

Die brisante Information wanderte weiter in die Zentrale nach Köln in die zuständige Abteilung II (Extremismus und Terrorabwehr) – und blieb dort liegen. Warum, vermochte Brüsselbach nicht zu erklären.“ Focus am 21.11.2011.

Wer war der MAD-V-Mann im Thüringer Heimatschutz, der 1998 Bescheid sagte, wo das Trio war? Helbig wäre kein Informant gewesen. Übrigens floh das Trio nach Chemnitz zum „langjährigen Vertrauensmann“ Thomas Starke. Interessanterweise gab es einen MAD-Informanten namens Ralf Wohlleben, der jedoch nicht identisch mit dem Angeklagten Ralf Wohlleben wäre.

Eine Zielfahndung suchte ab 1998 mehrere Jahre erfolglos nach dem Trio. Für sie hatte die Fahndung keine große Priorität, da die Gefährlichkeit des Trios nicht bekannt gewesen wäre.

«Die drei Rechten waren für uns untergeordnete Fahndungsfälle», sagte ein damaliger Zielfahnder vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages in Erfurt. Die Gefährlichkeit der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sei damals noch nicht bekannt gewesen.“ (weser-kurier)

Auch diese Einschätzung ist nicht nachvollziehbar, angesichts der Funde in Beate Zschäpes Garage.  Dort hob Anfang 1998 die Polizei eine Bombenwerkstatt aus, Rohrbomben, kiloweise Sprengstoff TNT. Im Zuge der „NSU-Selbstenttarnung“ berichteten 2012 Medien, dass in der Garage auch eine Diskette sichergestellt wurde, in der eine Todesdrohung gegen Menschen mit türkischen Immigrationshintergrund abgespeichert war. Die Kollegen, die ab 2000 in Ceska-Mordserie ermittelten, wären darüber aber nicht informiert worden.

Angesichts der ungenügenden Beweise einer Täterschaft des sogenannten „NSU-Trios“ erscheint es, dass das Trio 1998 gezielt in den Untergrund geschleust wurde, um sie später als Sündenböcke für verschiedene offenbar geplante Verbrechen verantwortlich zu machen.

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