NSU: Bundesanwaltschaft überprüfte nicht anonyme DNA-Tatortspuren

Dank der veröffentlichten Ermittlungsakten ist seit Jahren bekannt, dass es nicht nur an sämtlichen NSU-Tatorten keine Fingerabdrücke oder DNA des Trios Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt gibt, nein es wurden stattdessen bis heute anonyme DNA-Körperspuren festgestellt. Dies ist auch bei der sogenannten „Selbst-Enttarnung“ am 04.11.11 der Fall. An wichtigen gefundenen Beweismitteln befand sich unbekannte DNA: Die Schusswaffen der überfallenen Heilbronner Polizisten Martin Arnold, Michele Kiesewetter und die Waffen, mit denen sie überfallen wurden; desweiteren die Schusswaffen, mit denen die Banken in Arnstadt und Eisenach überfallen wurden.

Der parlamentarische NSU-Ausschuss befragte zum Sachverhalt Bundesanwalt Jochen Weingarten und erfuhr, dass der ganzen Sache keine große Bedeutung beigemessen wird.

Jetzt berichtet der mdr, dass von 100 Kontaktpersonen des Trios „nur 19 Personen geprüft“ wurden, „ob sie als Verursacher der anonymen DNA-Spuren in Frage kommen.“ 

Der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger kritisiert die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft:

„Anonyme DNA-Spuren an Tatorten und an Tatwaffen, die man sonst niemandem zuordnen kann, sind für uns schon beachtlich. Wir erwarten, dass da maximal recherchiert wird, um es auszuschließen. Man darf nicht einfach sagen, es spielt keine Rolle. Man darf nicht mit dem Mangel leben, dass die Haupttäter es geschafft haben sollen, an 27 Tatorten gar nichts zu hinterlassen.“ (mdr)

Das Trönen des Schweigens in den Medien ist gewaltig:

Es gibt bis jetzt, bis auf den mdr, kein weiteres großes privates oder öffentlich-rechtliches Medium, dass den Skandal thematiert! Stattdessen werden Böhnhardt, Mundlos als Massenmörder dargestellt, auch weil sie tot sind und sie sich rechtlich nicht mehr wehren können. Zum Beispiel propagiert die „welt“ frech sie wären die „NSU-Mörder“ gewesen.

Zur dieser Desinformations-Strategie gehört auch, über die Arbeit des Bundestags-Ausschusses kaum zu berichten. Eine aufgeklärte Öffentlichkeit könnte am Mantra der „Haupt-Täterschaft“ des Duos rütteln, oder gar den propagierten Doppel-Selbstmord, sprich Ermordung, aufklären helfen.

Hier ist die Audio-Version des mdr-Artikels:

6 Gedanken zu „NSU: Bundesanwaltschaft überprüfte nicht anonyme DNA-Tatortspuren“

  1. Georg, man darf nicht mal einfach so unschuldige Menschen daraufhin überprüfen, ob sie Spender der DNA waren. Dafür gibt es strafprozessual strenge Vorgaben. Meistens jedenfalls.

    Es geht also völlig in Ordnung, wenn bisher 81 Personen außen vor bleiben müssen, da es sich wohl um unbescholtene Bürger handelt.

    Ich hoffe, wir sind uns einig, diesen Zustand des Rechtsstaates wenigstens erhalten zu können.

  2. @ Anmerkung

    Zustimmung! Trotzdem der Hinweis: Es geht um Massenmord. Bei jedem Sexualdelikt wird die DNA der Männer ganzer Regionen überprüft. Jede Norm ist wie ein Gummiband. Je mehr man es dehnt, desto größer werden die Löcher . Dies gilt auch hier. Es gibt jur. Löcher. Man muss nur wollen.

  3. Zur Vermeidung einer Replik wegen angeblicher Freiwilligkeit bei diesen Massenüberprüfungen:
    Vor einiger Zeit hatten zwei Handtaschenräuber in Berlin PECH. Zivilpolizisten kamen gerade um die Ecke. Die Räuber erschossen einen der Polizisten und türmten unter Zurücklassung der geraubten Handtasche. Mit ihrer DNA. Vier Tage später klickten die Handschellen. Ihre DNA hatte die Täter überführt. Wie kam die Polizei an die DNA dieser kleinen Kriminellen? Es gab mehr als 100 Verdächtige.

    Sehr einfach: Polizisten spielten BSR. Sammelten Zigarettenkippen, benutzte Kaffeetassen, Teegläser usw. Von allen Verdächtigen . Viel Arbeit und ein toller Erfolg. Völlig legal.

  4. Ist vielleicht Haarspalterei, aber „Massenmord“ und „Serienmord“ sind nicht das Selbe.
    Massenmord = viele Tote durch gezieltes Handeln – mindestens zeitnah; meistens ortsnah(etwa ein Sprengstoffanschlag).
    Serienmord = wenigstens Drei Tote – der räumliche und zeitliche Abstand spielt eine untergeordnete Rolle. Die „Serie“ definiert zum Einen der Täter(durch ein mehr oder weniger erkennbares Muster) und zum Anderen ein Irgendniemand im Dienst der Justiz/Medien;-)
    —–
    Aber wenn „maximal recherchiert“ werden kann, dann ist „Recherche“ sehr relativ…
    … „maximal“ übrigens auch.

    1. Kein Thema;-) Ist mir in letzter Zeit bei mehreren Medien aufgefallen, dass die Begriffe falsch gesetzt werden.
      Sie laden allerdings auch dazu ein, den „informativen Overkill“, den wir täglich mehrfach erleben, etwas Form zu geben.

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