Polizisten schmissen Gehirnmasse von Mundlos, Böhnhardt in den Müll

Nachdem die Angeklagten Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben sich Ende 2015 im Sinne der Anklageschrift äußerten, sieht sich die Bundesanwaltschaft in ihrer Darstellung bestätigt. Die „Geständnisse“ der beiden Angeklagten sind jedoch nichtssagend und konnten nicht die Ungereimtheiten in der Darstellung der Bundesanwaltschaft aufklären. Dazu gehört das ungeklärte Ableben der medial als Mörder abgestempelten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Sie wurden am 04.11.11 mit zerschossenen Köpfen in einem Wohnmobil voll Beweismaterial gefunden. Zschäpe und Wohlleben betonten in ihren Aussagen vor Gericht, dass ein Selbstmord in Erwägung gezogen worden sei, um sich einer Festnahme zu entziehen. Dementsprechend stellt die Bundesanwaltschaft die Vorgänge im Wohnmobil dar: Mundlos schoss erst Böhnhardt mit einer Pumpgun ein 18 mm Projektil in den Kopf, dann verpasste er sich selbst eine Ladung in den Mund. Mundlos stand während der Schüsse im hinteren Teil des Wohnmobils, Böhnhardt an der Eingangstür.

Der Blog „parlograph“ stellte im Artikel „Black Box“ die räumliche Situation im Wohnmobil grafisch dar. „Parlograph“ zeigt Tatortfotos der Auffindesituation der Leichen im Wohnmobil, außerdem veranschaulichen darauf aufbauend grafische Abbildungen die Schussrichtungen der Projektile und die herausgeschleuderten Gehirnmassen.

Dadurch wird auch Laien klar, dass die Darstellung der Bundesanwaltschaft unmöglich ist: Die Leiche von Böhnhardt liegt mit dem Kopf in Richtung der Schussrichtung, genauso wie seine Gehirnmasse (obere Grafik). Wenn Mundlos wirklich Böhnhardt erschossen hätte, dann hätte es den Körper Böhnhardts samt Gehirnmasse vom Schützen Mundlos wegschleudern müssen (grüner Pfeil, Kreis), also in Richtung der Fahrerkabine (untere Grafik).

Abb. 13: Bewegungsrichtung der herausgeschleuderten Gehirnmasse bei Böhnhardt mit Schussrichtung nach vorn

Auch bei Mundlos gibt es eine Ungereimtheit: Seine Gehirnmasse landete vor seinen Füßen und nicht an der Rückwand bzw. im ausgeklappten oberen Bett. Im Gegenteil die graue Fläche hinter dem toten Mundlos erscheint sauber, genauso wie das Bett über der erschossenen Person.

Abb. 16 und 17: Links: Auffindesituation der Leiche Mundlos, hervorgehoben wenige bluttypische Anhaftungen im unteren Bereich der Badtürinnenseite

In einem menschlichen Kopf befindet sich 1400 Gramm Hirnmasse. Die Obduktion fand im Schädel von Böhnhardt 100 Gramm. Im Kopf von Mundlos gab es noch 500 Gramm. Der Rest wurde von dem 18 mm Projektil herausgeschleudert.

„Bis auf ein paar Gramm war das Hirn komplett weg.“ (nsu-watch)

Auf Grundlage dieser offenkundigen Ungereimtheiten und dem Auffinden der Dienstwaffen der überfallenen Heilbronner Polizisten, wäre eine genaue Tatortarbeit anzunehmen gewesen. 

Die auf dem Boden liegende Gehirnmasse wäre als Beweismittel zu sichern gewesen. Die Obduktion hätte sie wiegen und untersuchen müssen. Beispielsweise hätte dadurch festgestellt werden können, ob Gehirnmasse fehlt. Das würde zum Schluss führen, dass die Männer außerhalb des Wohnmobils erschossen wurden. Dafür würde übrigens sprechen, dass keine Gegenstände mit Fingerabdrücken der Männer im Inneren des Wohnmobils gefunden wurden, beispielsweise an der Pumpgun.

Desweiteren hätte eine Untersuchung der Gehirnmasse ergeben können, ob verdächtige Munitionsreste vorhanden waren. Beispielsweise müssten die gefundenen Projektile stets mit der Pumpgun-Munition „Brenneke“ übereinstimmen. Tatsächlich stellte die Obduktion sechs Projektilreste im verbliebenen Gehirn Böhnhardts fest. Die Projektilreste wurden jedoch als nicht verfahrensrelevant eingestuft und daher erst gar nicht untersucht.

Quelle: nsu-leaks

Mitte Januar 2016, vier Jahre später, befragte der thüringer Untersuchungsausschuss die an der Tatortarbeit beteiligten Polizisten. 

Der aus Baden-Württemberg stammende Polizist KHK „Nordg…“ sicherte im Wohnmobil Spuren. Er hätte zwar Hirnmasse außerhalb des Fahrzeuges gesehen, jedoch „asserviert haben wir die nicht, sie war nicht mehr im Fahrzeug, sie war anschließen vor dem Fahrzeug“.

„Ich gehe davon aus, dass das nicht asserviert wurde“, da es nicht als relevant betrachtet wurde und die Leichensachbearbeitung nicht in ihre Zuständigkeit fiel. „Vielleicht hätte man das einpacken können mit den Leichen…mh ja schwierig, aber es war deutlich und viel Gehirnmasse da, aber sie war nicht mehr im Fahrzeug, weil das ausgekehrt und besenrein war“, so der Zeuge.“ (haskala)

Die Gehirnmasse wurde offenbar einfach als Sondermüll angesehen und in einem Müllsack entsorgt:

„Außerdem äußert der Kriminalhauptkommissar Nordg.: „Brandschutt isch immer Sondermüll, ob da jetz Gehirn drin isch oder net!“ Die Abg. König fragt weiter zum rausgeschossenen Gehirn im Wohnmobil: Wo wird das entsorgt? In einem großen blauen Müllsack? Der Zeuge antwortet: „Da lag ein Müllsack auf dem Boden und da lagen auch diese Haufen, aber wer das dann entsorgt weis ich nicht.“ Er geht davon aus, dass man die Gehirnmasse dann in den Sondermüll werfen müsste.“ (ebd)

Es ist anzunehmen, dass die beiden Grosshirnanteile von Mundlos und Böhnhardt, unterhalb der Wohnmobilspüle liegend, nicht zur Mord/Selbstmordtheorie gepasst haben. Höchstwahrscheinlich deswegen wurden diese Leichenteile nicht asserviert und stattdessen einfach weggeschmissen.

Auf alle Fälle war es ein skandalöser, unerhörter Vorgang! Menschliche Überreste dürfen nicht einfach weggeworfen werden. Die Würde des Menschen muss auch nach seinem Ableben geschützt sein.

Ein anderer beteiligter Polizeibeamter, KOK Hoffm, sagte sogar aus, es sei „unüblich“ das Hirn aufzusammeln, wenn es einen dazugehörigen Kopf gäbe. Immerhin gibt er zu, dass es sinnvoll gewesen wäre, die Gehirnmasse von der Gerichtsmedizin untersuchen zu lassen.

„Also ich habe auch schon Leichen mit Hirn gehabt, das man das Hirn aufsammelt und zur Leiche zurück bringt ist unüblich“, so der Zeuge. Wenn es am Tatort keine Leiche, sondern nur Gehirn gebe, sei das was anderes, aber aus seiner Sicht sei der Tatort schlüssig, „es war schlüssig, wo es herkommt“. Daher bestand keine Notwendigkeit. Ob er wisse, was dann mit dem Hirn passiere? „Normalerweise geht das in den Sondermüll“.
(…)
Die Abg. König hält dem Zeugen ein Bild vor mit der Nummer 5353, aufgenommen vom Beamten Sop. Es geht auch nochmal um das Gehirn. Die Abgeordnete fragt, ob es nicht sinnvoll wäre, das Gehirn sicherzustellen, um es der Gerichtsmedizin zu Verfügung zustellen, damit auch nachvollzogen werden könne, ob dort ggf. noch eine Kugel im Gehirn stecke oder zu wem von beiden das Gehirn gehört? „Ja“ antwortet der Zeuge.“ (ebd)

Wer von solchen Erzählungen noch nicht genug hat, kann mehr über andere sogenannte Ermittlungs“pannen“ lesen, manche Polizisten erklärten sich in U-Ausschüssen sogar selbst für „blöd“:

Eine Sammlung unglaublicher NSU-Ermittlungspannen der Polizei

Die Politiker in den U-Ausschüssen lassen sich auf ihren Nasen herumtanzen.

9 Gedanken zu „Polizisten schmissen Gehirnmasse von Mundlos, Böhnhardt in den Müll“

  1. P 10 statt P 2000 Dienstwaffe kommt mehrfach vor, Georg, und Nordgauer bestätigt PD Menzel: Anruf am 4.11.2011, Dienstwaffe Kiesewetter aufgefunden in Eisenach.

    Nicht Arnolds Pistole, sondern Kiesewetters!

    1. Nordg. belastet also Menzel. Anscheinend wird Menzel als Bauernopfer „aufgebaut“. Sein Problem ist, dass Polizisten im U-Ausschuss aussagten, dass zuerst die Dienstwaffe von Arnold gefunden wurde und dem überfallenen Heilbronner Polizisten zugeordnet wurde. So wäre am 04.11. die Verbindung zum Heilbronner Polizistenüberfall da gewesen.

      Die Darstellung von Menzel, er hätte die Waffennummer in der angeschmorten, mit geschmolzenen Plastik verschmutzten Dienstwaffe von Kiesewetter lesen können ist unglaubwürdig, und der Boden ihrer Waffe wäre weggeschmolzen gewesen, so dass die vollen Patronen rausgerollt wären, siehe… http://friedensblick.de/11767/nsu-ausschuss-polizeichef-michael-menzel/
      Ich bin gespannt, welche goldene Brücke die thüringer Politiker Menzel bauen werden, das er irgendwie heil aus der Nummer wieder rauskommt. Inzwischen ist er ja zum Referatsleiter im Innenministerium aufgestiegen. http://friedensblick.de/16804/kapituliert-auch-bodo-ramelow-vor-nsu-netzwerk/

      1. Da es 3 Waffennummern gibt, je Pistole, und diese Nummern in Metall graviert sind, also unzerstört waren ist es schon sehr merkwürdig, dass nie jemals die Zeugen nach der Anzahl befragt wurden.

        Ist zu einfach, scheidet demnach aus. Schon klar. Vor allem bei voellig unbeschädigten Badwaffen.

  2. Das mit dem Hirn kommt mir auch spanisch vor.

    Ich wohne in einem Dorf welches von Schienen umgeben ist. Hier werfen sich ab und zu mal Leute vor den Zug.

    Das gibt dann jedesmal viele Brocken und Bröckchen die von der freiwilligen Feuerwehr (die armen Schweine) Stück für Stück aufgesammelt und dem Bestattungsinstitut uebergeben werden.

    Da wird nichts weggeworfen.

    Die Wuerde des Menschen ist antastbar…

  3. Die angeblich eiskalt mordenden Uwes verfallen in Turbo-Verzweiflung mit Blitz-Selbstmord-Brandstiftung, obwohl sie schwerbewaffnet aus der Deckung heraus schießen und den Überraschungseffekt nutzen und ihren Suizid fast beliebig aufschieben / nachholen könnten.
    „Übersehener“ 3. Mann (Mörder? Leichen-Spediteur?), unklare ärztliche Todeszeitpunkt-Feststellung, 2. Obduktion kurz vor Einäscherung, hochoffiziell herbeigelogene Rußlunge, postmortales Repetieren, beschlagnahmte Fotos verschwinden, viel zu schnelle Identifizierung der Toten, WoMo-Inhalt (mit unsinnig vielen gehorteten Beweismitteln) kräftig durcheinander geschüttelt.

    Das Trio hatte wahrscheinlich V-Leute-Status (ausgetauschte Fingerabdrücke in der Polizei-Datenbank bei der Kontrolle „Sachsencenter“ Chemnitz 2002, [1]).
    Die amtliche „Böhnhardt-Leiche“ war evtl. jemand anderes [2].

    Die vielen Inszenierungs-Details erhöhten natürlich die Pannen-Gefahr, aber angesichts überaus vieler Pannen scheint ein guter Teil der Pannen selber bewusst inszeniert zu sein. Sozusagen eine mehrstufige Verschleierung, bei der es immer noch eine Wahrheit hinter der Wahrheit gibt und nie ein Ende der Suche (außer man ermüdet und gibt auf).

    Die „vergessene“ Platzierung von ausreichend Hirn im Wohnmobil ist die fleischgewordene Metapher für das behördliche Wirken im NSU-Theater.

    [1] http://friedensblick.de/5040/nsu-die-unglaublichsten-pannen-der-polizei/
    [2] http://friedensblick.de/12406/die-leiche-im-nsu-wohnmobil-war-gar-nicht-uwe-boehnhardt/

    1. Ich würde bei Ihrer Zusammenfassung gerne anfügen, dass der Journalist Andreas Förster für einen Mord an Böhnhardt, Mundlos „keine Indizien“ sieht!

      „Für einen Mord an den beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gibt es zwar keine Indizien (…)“. http://www.cicero.de/berliner-republik/nsu-leichenhirn-im-sondermuell/60384

      Das passt zur jüngsten Auslassung von der thüringer Linken-Politikerin Katharina König, dass sich viele „Verschwörungstheorien“ rund um den 04.11.11 ranken. https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/12/22/nsu-erfurt-der-stand-zum-jahresende/

      Ich frage mich, ob der thüringer Untersuchungsausschuss die Zeugen befragen wird, die den Brand im Wohnmobil rochen, bevor die zwei Polizisten kamen, und/oder einen Person aus dem Wohnmobil gehen sahen.

      Das wäre ein großer Skandal, eine Vertuschung, wenn diese Zeugen auch beim zweiten thüringer U-Ausschuss wieder nicht befragt werden.

      1. Andreas Förster wirft wild mit Nebelkerzen um sich und bleibt sich dabei treu. Die Taktik sieht so aus, dass er gegen glasklare Belege wider den Selbstmord neue fadenscheinige Behauptungen zitiert wie die vom Ruß, der erst an die WoMo-Decke steigen muss, bevor er eingeatmet werden kann, wobei das noch viel beweiskräftigere CO2 vollständig unter den Teppich gekehrt wird. Natürlich schweigt er auch über die Frage, warum Ziercke und alle den Ruß in der Lunge so dringend gebraucht haben, wenn er jetzt plötzlich nicht mehr nötig ist.
        Dazu heult er in bewährter Manier herum, weil die Arbeit am Tatort so unglaublich unprofessionell und „schlampig“ gewesen sei, um sich einen kritischen Anstrich zu geben. Es gibt keinen Zweifel daran, dass solche Leute wie er und die Königin keine Stunde investieren, um ein Krümelchen Wahrheit zu sichern. Sie wissen ganz genau, dass sie lügen und dass Schorlau das Spiel korrekt entlarvt haben. Deshalb behaupten sie einfach stur weiter dagegen an.
        Die gute Nachricht ist, dass Schorlau offensichtlich ein Problem für sie ist: Pseudoaufklärer wie Förster müssen sein Buch erwähnen und können ihn nicht brutal in die Pfanne hauen, weil er irgendwie denselben Stallgeruch und ein ähnliches Stammpublikum hat.

  4. Weshalb waren eigentlich die Schwaben so ratzfatz an den Tatorten Stregda / Zwickau ? Selbst wenn man mal davon ausgeht, dass die Taten aufgrund der aufgefundenen Waffen zusammenhängen, wieso bedarf es deren Hilfe bei der simplen Beweissicherrungsarbeit an den Tatorten ? Sind dafür nicht die lokalen Behörden ( incl. LKA Thüringen ) zuständig ? Wieso müssen die im Schutt rumwühlen ? Wer hat diese Amtshilfe angeordnet / angefordert ? Fahren die aus Lust und Laune mal eben ein paar hundert Kilometer weil sie die Thüringer so gut leiden können ? Hat man das in den „Untersuchungs“ausschüssen jemals thematisiert ?

    MfG

  5. Wie in Köln hatte die Polizei altbewährt getäuscht: „entspannte Einsatzlage“.. romanhaft: Im Westen nichts Neues. Whistleblower zeichnen ein anderes Bild: mauscheln, vertuschen, prügeln“ [Inside Polizei].
    Im Video Strafsache Polizei erlebt man die verlogene, kriminelle Seite des Systems, das die upper class schützt und die „Outsider“, „Pöbel“ „niederhält“ [Zitate an uns]. Da man Beziehungen zur Unterwelt hält, ist von Diskriminierungen, Schlägern, MKUltra-Methoden, falschen Verdächtigungen, Beweise manipulieren „Fälscherwerkstatt“ [s. Pfarrer König] alles möglich, erinnert an den NSU-Komplex:
    „das geht zum BGH“ (AG Riesa), “da hört der Rechtsstaat auf“, „das ist der Gesundheit nicht förderlich“, „fertig machen“, „nesteleder… lekkasjer“, „BGS, ingen ulv“, “der will das öffentlich machen, Bekämpfen, ist schon kristallisiert“, „keine Beweise hinterlassen“, „der Geheimdienst macht mit“, „Klagen nicht möglich“, „du weißt nicht, in welcher Gefahr du schwebst“.. „bis zum politischen Mord“ [Zitate an uns]. In Norwegen hatte man auf den Tatort Puppenspieler hingewiesen, der zeigt, dass Wahrheit/Recht kein Schutz für die Opfer der Mächtigen sind… zumal „wir haben unsere Richter dafür“ gilt.

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