Teil 8) Auswertung des privaten Handy von Martin Arnold

Der Kommentator „freigeist“ schreibt:

„Martin Arnold benutzte am Tattag sein privates Handy der Marke Nokia, Modell 6300, mit der Nummer 0163 /627XXXX. Der Provider war E-Plus. Das Handy wurde zwei Stunden nach dem Anschlag, also gegen 16 Uhr, im Krankenhaus Ludwigsburg seitens der Polizeidirektion Ludwigsburg sichergestellt. Genauso wie das private Handy von MK, wurde das Nokia 6300 weder auf Fingerabdrücke, Blutspuren, noch auf DNA untersucht.

Genauso wie beim Handy von MK wurde am 26. April 2007 per Beschluss des Amtsgerichtes Heilbronn ein Auskunftsersuchen an den Provider E-Plus gestellt, mit der Bitte um Übermittlung der Verbindungsdaten für den 25. April. Diese Anfrage nur für den Tattag und nicht für die Vortage zu erstellen, kann als fahrlässig betrachtet werden, da der Umstand, wie es am Tattag zur Streife Kiesewetter/Arnold kam, von entscheidender Bedeutung ist. Am 30. April wurden die entsprechenden Datensätze von E-Plus zur Verfügung gestellt. Parallel dazu wurde am 27. April durch den Arbeitsbereich Datenverarbeitung versucht, die Daten von Arnolds Handy auszulesen. Da das Gerät ausgeschaltet und die PIN-Nummer nicht bekannt war, wurde durch das Einsetzen einer „fremden“ D2 Vodafone Karte, mit der Nummer 0174/xxxxxxx, der Abfrageschutz umgangen. Trotzdem wurde der Gerätespeicher erst am 29. April ausgelesen. Im Auswertebericht steht: „Das Gerät war ausgeschaltet. Durch Einsetzen einer fremden SIM-Karte konnte die PIN-Eingabe umgangen werden.”1

Dies hat natürlich den Nachteil, dass nur die Gerätedaten, aber nicht die auf der SIM Karte gespeicherten Informationen ausgelesen werden können. Warum dies später, als ab 02. Mai 2007 die entsprechende PUK-Geheimnummer vorlag, nicht nachgeholt wurde, erschließt sich nicht.

Zur Datensicherung wurde, wie schon bei der Auswertung des Kiesewetter Handys, die Software „MobilEdit 2.3.0.0“ verwendet. Auch hier scheiterte angeblich die Auslesung der gespeicherten SMS aus dem Gerätespeicher. Deshalb sicherten die Experten, wie bei MK, am 30. April 2007, die im Speicher befindlichen SMS Daten mit der Software „PC Suite 6“. Sie erstellten die Exceltabelle „SMS-Daten“. Dies hat den Nachteil, dass sich in den Akten nicht die Rohdaten, sondern nur die eingegebenen Nachrichten befinden, die natürlich leicht manipulierbar sind.“

In Ordner 8 werden in der Excel-Tabelle „SMS-Daten“ zwölf SMS zitiert, die MA am Tattag geschrieben und empfangen hat. In dem Ordner befindet sich auch der EVN. Laut des Nachweises wählte sich sein Handy am 25. April acht Mal in Funkzellen ein – in der Excel-Tabelle stehen allerdings zwölf SMS. Ein Vergleich beider Datensätze ergibt ein klares Muster: Im Verbindungsnachweis ist dann die Verbindung verzeichnet, wenn Arnold eine SMS erhielt oder angerufen wurde. Wenn er jedoch eine SMS selbst schrieb oder jemanden anrief, ist die Verbindung nicht aufgeführt.

Es gibt eine einfache Erklärung

Der Verbindungsnachweis wird von E-Plus B-report genannt. Die Rufnummer von MA steht stets in der Spalte „B-Nummer“. Die Spalte „A-Nummer“ zeigt, von wem der Kontakt ausging: Wer schrieb Arnold SMS, wer rief Arnold an? Es gibt jedoch nirgends einen A-report. Dort müssten die Anrufe und SMS-Nachrichten aufgeführt sein, die Arnold selbst tätigte. Zur Vertuschung des A-report passt, dass im Gerätespeicher seines Handys keinerlei Daten zu geführten und verpassten Anrufen abgespeichert waren!2 Hat man die Anruflisten vorsätzlich gelöscht?

Gelöschte Daten im Verbindungsdatennachweis

Im e-plus Verbindungsnachweis B-report gibt es für jede Verbindung eine Spalte, die die geografischen Koordinaten der Basisstationen zeigt, „in welcher der Anrufer eingebucht war“3. Bei vier Verbindungen werden die Koordinaten der Basistationen der Handys angegeben, die Funkzellen können so ermittelt werden. Die Funkmasten befinden sich in weiter Entfernung von Heilbronn. Diese Koordinaten-Angaben sind allerdings bei drei Verbindungen entfernt worden. Es befinden sich in den betreffenden Zellen einfach leere Stellen, als ob mit „photoshop“ der Text herausradiert wurde.

Es handelt sich um drei Verbindungen, um empfangene SMS, die Arnold zwischen 10:12 und 15:06 von Manuel B., Paul B. und Antonia S. zugeschickt bekam. Was könnte der Grund sein, die Koordinaten der Funkzellen zu löschen, in die sich die Handys einwählten? Wo hielten sich diese drei Polizisten auf? Waren sie vielleicht in der Nähe des Tatorts?

Unterschiedliche Funkzellen

Da der A-report nicht in den Akten ist, gibt es keine Koordinaten der Funkzellen, in die sich das Handy Arnolds einwählte. In den Akten werden jedoch fünf Funkzellen angegeben, in die sich das Handy Arnolds einwählte. Wegen des fehlenden A-report, ist hier Manipulation Tür und Tor geöffnet:

00:10 Uhr: Sindelfingen, Wasserturm „Goldberg”

10:37 Uhr: Heilbronn-Böckingen, Wilhelm-Leuschner-Straße

12:14 Uhr: Heilbronn, Moltkestraße (Hotel Götz”)

12:23 Uhr: Heilbronn, Südstraße

13:20 Uhr: Heilbronn, Südstraße“4

Wenn die Angaben stimmen, beweisen sie, dass der Soko-alt der A-report vorlag: Im B-report stehen keine Verbindungen um 00:10, 10:37 und 13:20 Uhr. Das heißt, dass MA zu den Uhrzeiten entweder jemanden anrief oder selbst eine SMS schrieb.

Waren MA, Manuel B., Paul B. und Antonia S. gemeinsam eingesetzt?

Im Handyspeicher Arnolds gab es ein Telefonbuch. Die letzten drei abgespeicherten Nummern waren Simone F. (BFE 523), O. LKA (der Nachname eines Polizisten des bw LKA, der später für die Soko-neu tätig war) und Paul B. (ungeklärte Einheit). Zu den drei Polizisten steht wenig in den Akten:

  • Simone F. absolvierte wahrscheinlich mit Arnold die BFE-Fortbildung, da sie auch am 01. März zur BFE 523 wechselte. Sie steht im Gegensatz zu Arnold in den Einsatzlisten. Simone F. wurde „gesondert“5 vernommen, ihr Vernehmungsprotokoll befindet sich jedoch nicht in den Hauptakten. Sie teilte sich zuletzt das Umkleidezimmer in der Kaserne mit MK und Romy S..

  • Am 24. April um 22:12 Uhr fragte MA Simone F. (BFE 523) per SMS nach der Handynummer von Paul B.. MA schrieb Paul B. am 24. April um 22:32 Uhr und am 25. April um 13:19 Uhr jeweils eine SMS. Er hätte ihn gefragt, ob er ihm („Hallo BFE-Kollege“) eine Karte für eine Fachhochschul-Party in Pforzheim „mitorganisieren“ soll. Paul B. antwortete per SMS erst am 25. April um 13:19 Uhr, dass er ihm eine Karte reservieren solle. Diese SMS machen jedoch keinen Sinn: Laut Arnolds damaliger Freundin Rebecca V. hätte sie nur zwei Karten für die FH-Party gehabt, eine für sich selbst und eine für MA. Arnolds Freund Meik B., der sie begleiten wollte, hatte sich selbst eine Karte organisiert. Davon, dass MA eine zweite Karte gehabt hätte, wird von Rebecca V. nirgends gesagt. Es ist also wahrscheinlich, dass die SMS einen dienstlichen Hintergrund hatten – den gemeinsamen Einsatz in Heilbronn?

  • Paul B. wurde niemals förmlich befragt und wird in den Akten als „Angehöriger der BFE 523“6 bezeichnet. Sein Name findet sich jedoch weder auf der Einheitsliste der BFE 523, noch den Einsatzlisten, noch taucht sein Name in den Aussagen der Kollegen auf! Er war also in der böblinger Kaserne unbekannt gewesen. Es besteht daher der Verdacht, dass Paul B. kein böblinger Bereitschaftspolizist war. Sein Wohnort wird mit Pforzheim angegeben – er wohnte also nicht in der Nähe der böblinger Kaserne. Besteht ein Zusammenhang mit den pforzheimer Einsätzen von MK?

Weitere mögliche Mitglieder der Gruppe namens „123“

Arnold war Mitglied bei der Internetgruppe „2.BPA Göppingen“, der 2. Bereitschaftspolizei Abteilung Göppingen, die sich über die „StudiVZ Zentrale“ Nachrichten schrieb. Am Tattag sendete Florian Sp. (Bepo Bruchsal) über das Portal um 10:46 eine Nachricht an Arnold. Um 11:34 hinterließ er eine Nachricht auf seiner Pinnwand. Über den Inhalt der Nachrichten steht nichts in den Akten. „StudiVZ Zentrale“ schickte nur Bestätigungsemails an die gmx-emailadresse Arnolds und informierte über die dort eingehenden Nachrichten. Es wird nicht der Inhalt der eigentlichen Nachrichten ersichtlich. Das Problem war, dass die Soko-alt lediglich Arnolds gmx-Postfach abfragte, aber nicht die Nachrichten, die auf dem „StudiVZ Zentrale“ abgespeichert waren. Deshalb bleibt im Dunkeln, was sich die Bepo-Kräfte am Tattag über „Studi VZ Zentrale“ schrieben.7 Daneben schrieben sich Kiesewetter und Manuel B., sowie Arnold und Manuel B. am Tattag SMS.

Die Bepo Bruchsal hatte laut Manuel B. um 07:15 Uhr Dienstbeginn, und bis 11:30 Sport. Ab 13:00 fand dann eine Übung mit Einheiten von benachbarten Bepos statt. Seine Gruppe kam aus dem „Zug 123“. Florian St. (Bepo Bruchsal) führte den Zug. Kiesewetter speicherte die Nummer von Manuel B. mit „Manuel B. 123“ ab. Hatte für sie der Kontakt eher dienstlichen Charakter?

1O. 8, S. 18, Auswertebericht vom 01.05.07

2Vgl. O. 8, S. 37

3O. 8, S. 17

4O. 8, S. 9, Ermittlungsbericht vom 26.09.07

5O. 8, S. 12, Vermerk vom 30.04.07

6O. 8, S. 48, Vermerk vom 14.09.07

7Vgl. O. 8, S. 66, Vermerk vom 04.05.07

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