Der vertuschte „RAF“-Mord an Alfred Herrhausen

Der Mordfall Alfred Herrhausen ist noch immer ungeklärt. Der Wagen des Vorstandssprechers der Deutschen Bank fuhr am 30. November 1989 in eine Sprengfalle. Schnell wurde vom Bundesinnenministerium propagiert, dass sich die linksextremistische „Rote Armee Fraktion“ (RAF) zum Anschlag bekannte. Auch der Verfassungsschutz präsentierte einen Kronzeugen. Dies entpuppte sich jedoch als frech zusamen-gelogen. Wenn die RAF Herrhausen nicht ermordete, wer dann? Die wdr-Dokumentation „Wir wissen definitiv wer die Täter waren“ spekuliert über einen Konflikt mit US-Banken, da Herrhausen einen Schuldenerlass für die 3. Welt vorschlug.

„Wir wissen definitiv wer die Täter waren“ – Das Attentat auf Alfred Herrhausen, Rekonstruktion einer Irreführung, DLF/SFB/SR/WDR, Autor: Paul Kohl

Zitierte Auszüge:

Alfred Herrhausen als Vorstandssprecher der Deutschen Bank galt als der „bestgeschützteste Wirtschaftsmanager der Bundesrepublik“ (youtube). Sein persönlicher Schutz lag beim Personenschutz der Deutschen Bank, bestehend aus aus ehemaligen Polizeibeamten.

Für seine Villa, Umfeld und Fahrtstrecken war das Hessische Landeskriminalamt zuständig, „es setzt dafür ein mobiles Einsatzkommando ein“. Es übernahm etwa die Observation von „Baustellen, Grabungen und die Verlegung von Kabeln entlang der Fahrstrecken.“ Terroristen sollen schon während bei der Ausspähung und Vorbereitung gestört oder festgenommen werden.

Knapp zwei Monate vor dem Anschlag begannen Bauarbeiten an einer der Fahrstrecken Herrhausens. Quer über die Straße wurde ein Kabel verlegt, um „wie sich später herausstellt, für das Attentat gegen Herrhausen eine Lichtschranke zu installieren.“ Dann führten die „Bauarbeiter“ das Kabel durch eine Grünanlage „bis zu einem Gebüsch“. Der Hausmeister der Anlage „entdeckt das 86 Meter lange Kabel auf dem Grundstück und entfernt es. Als Gartenarbeiter getarnt verlegen die Attentäter das Kabel neu.“

Wenige Tage vor dem Attentat hantierten die Attentäter tagelang mit Messlatten am späteren Anschlagsort. „Sie richten die Lichtschranke ein, die den Sprengstoff zünden soll.“ Am 24, 29. und 30. November schlossen ein Mann und eine Frau immer am gleichen Ort ein Fahrrad an, „wieder an der Stelle, wo die Explosion stattfinden wird. Auf dem Gepäckträger ist, wie am Tag des Anschlages, ein Paket befestigt.“

30. November 1989, eine Stunde vor der Explosion: die Terroristen justieren eine Lichtschranke und auf der anderen Straßenseite einen Reflektor gegenüber dem Lichtschrankengerät. (…)

… eine halbe Stunde vor der Explosion. Die in Observation geschulten Spezialisten bestreifen, wie in den Wochen zuvor, den Seedammweg, wieder bemerken sie nichts: Nicht das Fahrrad mit dem Sprengstoffpaket, nicht das Lichtschrankengerät am Straßenbegrenzungspfahl an dem das Fahrrad lehnt, nicht das 1,5 m lange freihängende Kabel zwischen dem Lichtschrankengerät und dem Sprengstoff, nicht den Reflektor auf der anderen Straßenseite, nicht das 86 m lange Kabel durch die Grünanlage zu einem Gebüsch, nicht die Batterie unter dem Gebüsch. (…) nicht das Bekennerschreiben, das neben der Batterie liegt (…), ihnen fallen auch nicht die 12 Personen auf, die die letzten Vorbereitungen treffen.“

„Der Wagenkonvoi von Herrhausen besteht wie immer aus 3 Fahrzeugen, ein Wagen fährt vor Herrhausen Mercedes, ein weiteres Fahrzeug hinter ihm. Der erste Personenschutzwagen der Deutschen Bank fährt an diesen Morgen fast 200 Meter weit voraus, viel weiter als sonst üblich. Die Personenschützer der Deutschen Bank müssten eigentlich die präperierte Sprengstofffalle bemerken und ihnen müsste der Wagen aufffallen, der am Seedammweg den Gegenverkehr blockiert und verhindert, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug versehentlich vor dem Herrhausen-Mercedes die aktivierte Lichtschranke durchfährt.

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Nach dem Attentat kann der Terroristen-Wagen fliehen, …

„… der den Gegenverkehr aufgehalten hat.  Vor ihm der zertrümmerte Mercedes, hinter ihm das Vorausfahrzeug des Personenschutzes. Wie konnte er entkommen?“

Erst 8 bis 9 Minuten nach der Detonation kümmerten sich die Personenschützer um den schwerverletzten Herrhausen.

„Er ist inzwischen verblutet. Hätten ihn die Personenschützer sofort das Bein abgebunden, dann hätte er eine Überlebenschance gehabt.“

Bald darauf wurde im Gebüsch unter einem Messgerät das Bekennerschreiben gefunden: Ein DIN5 Blatt mit dem RAF-Symbol, mit ausgestanzten Buchstaben, die nur 3 Wörter bilden: „Kommando Wolfgang Beer“. Das ist untypisch:

„Die RAF hinterläßt am Tatort üblicherweise ausführliche Erklärungen.“

Außerdem verwendete die RAF niemals zuvor ausgestanzte und aufgeklebte Buchstaben in Bekennerschreiben.

„Dennoch steht für das Bundesinnenminister am 30. November 1989 fest: „Die Brutalität des Vorgehens, die Auswahl des Opfers, das in unmittelbarer Nähe aufgefundene Blatt mit RAF-Symbol und die Aufschrift „Kommando Wolfgang Beer“ belegen die Täterschaft der RAF.“

Am 04. Dezember 1989 ging ein „neues, ein ausführliches Bekennerschreiben“ ein. Es nannte jedoch keinen genauen Grund, „warum gerade Herrhausen das Opfer sein musste (…).“ Der Deutschen Bank wurde die Ausbeutung der Dritten Welt vorgeworfen.

„Die Anklage ist jedoch so allgemein formuliert, dass sie auch auf andere Wirtschaftsmanager angewendet werden könnte. Die RAF hat immer in einem sehr komprimierten Stil genau beschrieben, warum sie ihre Opfer ausgewählt hat. Der Text ist so nichtssagend formuliert, dass sogar Innenminister Schäuble an der Echtheit dieses Schreibens Zweifel hat, er nennt den Text „plakativ“. Schäuble am 07.12.89:

„Die Substanz des Täterschreibens steht in einem Gegensatz zur Schwere und technischen Perfektion des Anschlages. Dieses Schreiben bleibt deutlich hinter dem Niveu früherer Selbstbezichtigungen und Äußerungen von RAF-Häftlingen zurück.“

Am 25. Juni 1991 traffen sich zwei Beamte des Hessischen Geheimdienstes „Verfassungsschutz“ mit Siegfried Nonne. Nach Angaben des Verfassungsschutzes legte er ein „umfangreiches Geständnis“ ab. Er wurde deshalb als Kronzeuge behandelt. Nonne war von 1983 bis 1986 ein Informant des Hessischen Verfassungsschutzes und wurde in die Frankfurter linke Szene eingeschleust.

„Er wurde jedoch entdeckt und ausgegrenzt. Seitdem ist „Siggi“ in der Frankfurter linken Szene als V-Mann bekannt. 1986 wurde er wegen seiner Unzuverlässigkeit, Alkohol- und Drogenabhängigkeit von diesen beiden Verfassungsschützern abgeschaltet.“

Er gestand, steckbrieflich gesuchten RAF-Mitgliedern beim Anschlag geholfen zu haben. Dazu quartierte er sie in seiner Wohnung ein und organisierte Bauarbeiterkleidung.

„Für keine seiner Behauptungen kann der Kronzeuge Siegfried Nonne auch nur einen einzigen Beweis vorlegen. Die ermittelnden Behörden verlangen auch keine Beweise, für sie ist Nonne glaubhaft.

Nicht glaubhaft ist an seinen Aussagen ist allerdings: Wenn „Siggi“ in der Frankfurter linken Szene allgemein als V-Mann des Verfassungsschutzes und als Alkohol- und Drogenabhängiger bekannt war, dann wussten dies auch die angeblichen RAF-Mitglieder (…). So ist es auch recht unwahrscheinlich, dass sie sich für ihre Attentatsvorbereitungen einen ehemaligen Verfassungsschutz-Informanten anvertrauten.“

Ekkehard Sieker überprüfte die Angaben der Sicherheitsbehörden. So befragte er Nonnes Nachbarn:

„Zu unserer Überraschung hat von diesen Leuten, unmittelbare Nachbarn, keinerlei fremde Leute bemerkt während des Zeitraumes, wo dort Terroristen gewesen sein sollen.“

Die Nachbarn erzählten, dass Nonne zeitweise mit seinem Halbbruder zusammenlebte. Der Halbbruder (…) wurde erst ein halbes Jahr nach Nonnes Aussage am 21. Januar 1992 vom BKA befragt.

Hugo Föller widersprach den Aussagen seines Halbbruders Nonne:

„Zur Zeit der Attentats-Vorbereitungen habe nur er zusammen mit Nonne (…) gelebt. Fremde seien in der Wohnung nicht untergebracht worden.“

Außerdem zeigten Journalisten Tatort-Zeugen Fahndungs-Fotos der RAF-Mitglieder, die Nonne belastete . Die Zeugen sprachen mit den (angeblichen) Bauarbeiter und konnten sie nicht wiedererkennen. Sie bestätigten: „Die Ermittler haben Ihnen nie diese Fotos vorgelegt.“

Auch die Behauptung des Bundeskriminalamtes (BKA), es wären Reste des beim Anschlag verwendeten Sprengstoffes „TNT“ in Nonnes Keller gefunden worden, erwies sich als falsch. Journalisten fanden heraus, dass es gar keine TNT-Reste gab! Das erklärte das BKA so:

„TNT löse sich durch bakterielle Zersetzung auf.“

Der Sprengstoffexperte Dr. Eberhard Löw erklärte zu dieser vermeintlichen „natürlichen“ Vernichtung des TNT im Keller des Siegfried Nonne mit Hilfe von Bakterien:

„Wenn das so wäre, hätten wir keine Probleme mit Rüstungsaltlasten, denn das TNT liegt dort vierzig Jahre im Boden unter teilweise besseren Bedingungen und wird nicht abgebaut bzw. nicht so abgebaut, daß es tatsächlich ganz verschwunden ist. (bundestag)

Als Ekkehard Sieker schließlich Nonne ausfindig machen konnte, befragte er ihn. Nonne gab die Falschaussage zu. Im November 1990 hätte er sich mit den Agenten getroffen. Zuvor habe er sich 4 Jahren nicht mehr mit ihnen getroffen.

„Über 100.000 DM hätten sie ihn angeboten, wenn er zu einer Falschaussage bereit wäre. Er habe behaupten sollen, er hätte die Attentäter in seiner Wohnung beherbergt, und er habe als Täter die Namen angeben sollen, die ihm die beiden Beamten des Hessischen Verfassungsschutzes nennen würden. Nonne sei aber nicht auf das Angebot eingegangen. 

8 Monate später im Juli 1991 hätten sich die Verfassungsschützer wieder bei Nonne gemeldet. Sie hätten gedrängt. Sie hätten sich wieder mit ihm treffen wollen. Bei diesem zweiten Treffen sei von Geld nicht mehr die Rede gewesen. Siegfried Nonne:

„Und diesmal war das Gespräch auch ganz anders geworden, dass ich eben da mitmache … müsste. Da habe ich eben nachgefragt, so muss ich das, auf einmal. (…) Und da wurde ungefähr so gesagt, es kann ihnen passieren, dass Sie mal in die Klinik kommen und kommen gar nicht mehr raus. Oder eben auch sie wüssten natürlich, dass ich laufend in Behandlung wäre und ich eben selbstmordgefährdet wäre, und sie dann nachhelfen würden.“

Nonne habe Angst gehabt, die Verfassungsschützer könnten ihn irgendwie beseitigen und habe eingewilligt.“

„Generalbundesanwalt von Stahl ignoriert diese Aussagen mit dem Argument,  der Widerruf Nonnen sei nicht glaubwürdig.“

Die Fernseh-Sendung „Brennpunkt“ berichtete über die „Zerstörung der RAF-Legende“. Dabei kommt die Sprache auf den hessische Verfassungsschützer Peter Nocken, alias “Nordmann”. Nach dem Skandal baut er in Thüringen als stellvertretender Vorsitzender des „Verfassungsschutzes“ den „Thüringer Heimatschutz“ auf, aus dem der „National-Sozialistische-Untergrund“ (NSU) entsprang.

„Kurz nach der Sendung Brennpunkt am 1. Juli 1992:

Bei einem der Autoren ruft ein Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes an. Er ist Terroristenfahnder, er hat die Sendung gesehen und bestätigt ihren Inhalt und die Behauptungen von Nonne. Er möchte dazu sogar noch einiges ergänzen. Bald darauf Mitte Juli 1992 kommt es zu einem Treffen (…).

Er legt Unterlagen auf den Tisch. Daraus geht hervor: 4 Tage nach dem Attentat auf Herrhausen fand am 04. Dezember 1989 beim Hessischen Landesamt für Verfassungsschutz eine Abteilungsleiter-Besprechung statt.  Der Abteilungsleiter „Beschaffung“ mit dem Decknamen „Nordmann“ schlug damals vor, in der Angelegenheit Herrhausen wieder mit dem früheren Informanten Siegfried Nonne mit dem Decknamen „Bolka“ Kontakt aufzunehmen. Der Vorschlag wurde angenommen. So trug der Direktor des Hessischen Verfassungsschutzes Günter Scheicher am 04. Dezember 1989 in sein privates Tagebuch den Vermerk ein: „Herrhausen Beschaffer Bolka“. (…) Der BKA Mann legt eine Kopie dieser Tagebuch-Seite vor. (…)“

Bevor der Verfassungschutz wieder mit Nonne Kontakt aufnahm, hatte ihn um die Jahreswende 1989/90 observieren lassen. Im abschließenden Observations-Bericht von Mitte Januar 1990 heißt es:

„Eine Wiederansprache Nonnes mit dem Ziel Informationen zum Mordfall Herrhausen zu gewinnen, wird für wenig sinnvoll gehalten. Nonne scheint sich weder in seiner sozialen Situation gefangen zu haben, Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme, noch war eine Wiederaufnahme der gänzlich abgebrochenen Kontakte zum RAF-Umfeld feststellbar.“ (youtube)

Fazit

„Die Täter wurden nie ermittelt, die vermeintliche Aufklärung des Mordes im Jahr 1992 auf Basis einer Kronzeugenaussage eines V-Manns des Verfassungsschutzes entpuppte sich Jahre später als völliger Fehlschlag.“ (wiki)

Die Doku fragt …

„Wenn es also nicht die RAF war, wer war es dann?

… und spekulierte über mögliche Hintergründe:

„Seit Herrhausen vorschlug, den Ländern der 3. Welt einen Teil ihrer Schulden zu erlassen, hatte er sich vor allem die US-Banken zu Feinden gemacht. Die Deutsche Bank war zum größten Teil abgesichert, die instabilen US-Banken nicht. Würden sie auf Rückzahlung bestehen, würden sie vor der Welt als gewissenlose Raffer dastehen. Würden sie zustimmen, wäre viele auch bei einem geringen Schuldenerlass ruiniert. Wollte Herrhausen sie auf diese Weise ruinieren, um sie auf diese Weise aufzukaufen?

Am 13.5.2010 fragte ZDF-Journalisten Maybrit Illner den Banker Josef Ackermann nach einem Schuldenerlass für die dritte Welt. Sie weist in diesem Zusammenhang auf die damaligen Vorschläge Herrhausens hin. herrhausen-mord-ackermann

„Illner: Herr Ackermann, Sie sind auch Chef des Internationalen Bankenverbandes. Hätten Sie eine solche Forderung nicht einfach stellen können an all Ihre Kollegen, die richtig sauber aus dieser Krise herausgekommen sind?“

Ackermann: „Ich glaube, es wäre mir genauso gegangen wie Herrn Herrhausen…“ (youtube)

6 Gedanken zu „Der vertuschte „RAF“-Mord an Alfred Herrhausen“

    1. Die RAF als Mörder macht bei Herrhausen überhaupt keinen Sinn. Er entspricht nicht dem typischen rücksichtslosen Bonzen. Er hatte Gewissen. Allein das reicht um aus dem Schussfeld der RAF zu kommen. Hier sind – wieder mal – die Systemlinge am Werk. Genau wie z.B. Barschel hatte er Macht UND Gewissen. Und das macht einen Mann für dieses System extrem gefährlich. Ob es nun der MOSSAD war oder die CIA oder sonst ein Auftragskiller. Wer weiß das schon. Das spielt aber keine wirkliche Rolle.
      Die Auftraggeber sind definitiv die Männer, die von diesem widerlichen System profitieren. Also die superreichen Familien (Rothschild, Rockefeller, Windsor etc…)

  1. Ich bin mir sicher, gelesen zu haben, dass die Personenschützer drei Routen für den täglichen Weg mit der gepanzerten Limousine vom Wohnhaus HG -> Büro F hatten. Es könnte bei Veiels Blackbox gestanden haben. Und zwar taten sie es aus dem Grund, den Angreifern durch regelmässigen Wechsel der Routen die Arbeit so schwer wie möglich zu machen. Die seelenruhige – offen sichtbare – Arbeit der Vorbereiter des Sprengstoffanschlages an einem Punkt *nur der einen* Route ist sehr fragwürdig. Hat jemand einen Routenplan, eine Geländekarte mit den relevanten Punkten? Liegt der tatsächliche Anschlagsort auf einem verzweigten oder einem unverzweigten Teil der drei Alternativrouten? Hat jemand die Akten vorliegen, die z.B. Protokolle der polizeilichen Kontrolle und Überwachung der Umgebung enthalten. Daraus müsste hervorgehen, welcher Beamte wann wo patroulliert / observiert hat, wo in diesem Einsatzplan ein zeitliches Loch ist. Oder welche Ausreden die HLKA-Leute haben, warum sie die Vorbereitungen nicht bemerkt haben wollen (wenn z.B. in den Patroullien-Protokollen stünde: „keine Vorkommnisse“, „keine Anschlagsvorbereitungen“ in Bezug auf konkrete Orte und Zeiten). Eingegriffen hat ja nur einmal einer, der mit dem ganzen Herrhausen-Sicherheitsapparat nichts zu tun hat: „Der Hausmeister der Anlage“, der den Draht weggemacht hat.

    Es gibt denkbare Szenarien:

    – Team Anschlag hatte Informanten, die genau wussten, wann Herrhausen wo lang fährt (welche der drei Verwirr-Alternativrouten), also Infos aus dem Innersten des Sicherheitsapparates ODER
    – es stand ein spähender Helfer oder mehrere an der Verzweigung / den Verzweigungen der Route und gab die tatsächlich genommene in Echtzeit weiter

    Es muss also zum Zeitpunkt des Anschlages ein Team gegeben haben: 1. Maulwurf mit Vorabinfo zur Route ODER Späher, 2. Fahrer des Blockierfahrzeugs für den Gegenverkehr zur Vermeidung von Fehlauslösung der Lichtschranke, 3. 1 bis 2 Pers. vor Ort zur Aktivierung der Lichtschranke zum Auslösen der Sprengung. Bei 3. ist entscheidend, dass die Lichtschrankenperson so dicht am Spreng-Ort sein muss, dass sie die gesamte Situation in dem sehr kleinen Zeitfenster zweifelsfrei überblicken kann a) um Herrhausen zuverlässig zu töten b) keine Fehlzündung zu riskieren c) ggf. um Schaden an unbeteiligten Personen zu minimieren (was – folgte man der offiziellen RAF-Legende – in deren Interesse gelegen haben musste).

    Es erscheint denkbar, dass es noch mehr Beteiligte gegeben hat wie z.B. Fluchthelfer, weitere Späher, die Schmiere standen.

    Andere Frage: Hatte denn das Siegfried-Nonne-Gastspiel Konsequenzen: politische, strafrechtliche, dienstaufsichtliche? Hat eigentlich bei den Offiziellen jemals einer die Frage gestellt, wie es kommt, dass eine Behörde des Sicherheitsapparates derart plump in Ermittlungsverfahren bei einem derart schweren Delikt hereinpfuscht? Was können die damit zu erreichen gewollt haben? Wohin wollten sie die Wahrheitsfindung lenken? Aber vor allem warum? Wer gab ihnen die Weisung? Kohl muss es angeordnet oder zumindest gewusst haben. Beauftragter der Geheimdienste im Bundeskanzleramt war seinerzeit wahrscheinlich diese Person: http://de.wikipedia.org/wiki/Lutz_Stavenhagen.

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