Warum wählten 2012 Japaner Atom-Parteien an die Macht?

Im Fukushima-Blog analysiert der in Japan tätige Professor Dr. Jörg Raupach das Wahlergebnis der Parlaments-Wahlen Ende 2012.

Japan hätte bei den Wahlen einen „massiven Rechtsruck“ erlebt; die „Anti-AKW-Bewegung muß sich auf einen massiven Gegenangriff der Staatsgewalt und Atomlobby gefaßt machen.“ (fukushima-blog) Tatsächlich plant die neue konservative Regierung den Bau neuer Atomkraftwerke (spiegel), obwohl eine große Mehrheit der Japaner den Atomausstieg befürwortet (welt). Anti-Atomkraft-Parteien wurden kaum gewählt:

„Die von der Governeurin der Präfektur Shiga, Frau Kada, kurz vor der Wahl gegründete Zukunftspartei hat trotz ihrer klaren Anti-Atompolitik ihre Wahlziele weit verfehlt. Die Grünen spielten keine Rolle.“ (fukushima-blog)

Nationale Sicherheit

Im Wahlkampf wäre es den Rechtsparteien gelungen, vom Thema „Atomkraft“ abzulenken. Stattdessen machten sie sich im Bereich „nationale Sicherheit“ stark. Es halfen ihnen dabei die Gebietskonflikte mit China und Südkorea und der Raketenstart Nordkoreas, kurz vor der Wahl. Das erinnert an die Anschläge vom 11. September 2001, die den konservativen Präsidenten George W. Bush zur Wiederwahl verhalfen. Er präsentierte sich in Medien als starker Führer.

Geringe Wahlbeteiligung

Vor allen Dingen die junge Generation hätte von ihrem Grundrecht nicht Gebrauch gemacht und ging nicht zur Wahl – „trotz Fukushima, trotz politischer Krise, trotz wirtschaftlicher Stagnation.“

Herr Raupach sieht als Ursache auch das Bildungssystem an. Junge Japaner …

„… lernen eben nicht in der Schule, eigenständig nachzudenken, Dinge kritisch zu hinterfragen und in kontroversen Diskussionen eigene Meinungen kundzutun.“(ebd)

Das würde er fast „tagtäglich an der Universität“ erleben.

Dies erinnert jedoch an die Zustände in Deutschland:

Der Kabarettist Georg Schramm spricht über die systematische Verblödung eines Teils der Bevölkerung. Er redet über das Bildungssystem, nimmt die Qualität der Medien treffend aufs Korn und fragt “Was hat das zu bedeuten? (…) Soll das ein Versehen sein? Nein” [7:30] und fragt „Was ist wichtig für das Land“:

“Wachstum! (…) Wir brauchen sie nur als Konsumenten (…) – ein gerütteltes Maß an Dummheit kann da nur nützlich sein! Wir züchten sie vielleicht. Überlegen Sie mal, dann lösen sich die ganzen Widersprüche auf. Die Wut wird noch größer, aber die intellektuelle Verwirrung lässt nach. (…)

Der Pöbel soll doch nicht nachdenken, zögern und vergleichen, er soll den erstbesten Dreck kaufen, der angeboten wird in der Werbepause zwischen zwei Schönheits-chirurgisch-optimierten Elendsgestalten, Heidi Klum und Verena Feldbusch, „Du kannst mich essen ich bin ein Spinat-Blubb.“ (youtube)

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