Die NATO, „führerloser Widerstand“ und die NSU

1962 wurde Lyman L. Lemnitzer Oberkommandeur des Nordatlantikpakts (NATO) in Europa. Brachte er das Konzept des „führerlosen Widerstands“ nach Europa und strukturierte geheime Terror-Einheiten „Gladio“ um? Tatsächlich schlug er im gleichen Jahr als US-Generalstabschef US-Präsident John F. Kennedy „Terror unter falscher Flagge“ vor, die Operation „Northwoods“. Es sollten Anschläge in den USA von geheimen Einheiten inszeniert werden, um dafür Fidel Castros Kuba verantwortlich zu machen. Kennedy lehnte ab und wurde später ermordet. Davor servierte er noch Lemnitzer ab, der nach Europa zur NATO versetzt wurde.

Das Konzept „führerloser Widerstand“ wurde erstmals öffentlich in den frühen 60er Jahren vorgestellt durch den US-Geheimdienst-Offizier Ulius Louis Amoss. Er sah „führerlosen Widerstand“ als Möglichkeit die kommunistische Diktatur in Kuba zu bekämpfen, innerhalb und außerhalb des Landes (wiki).

Die geheimen Widerstandszellen hätten zwar eine gemeinsame ideologische Basis, bleiben aber ohne gemeinsame Führung, Organisation oder Vernetzung.

Amoss arbeitete für genau den Frank Wisner von der CIA (Spartacus), der die europäischen Geheimeinheiten der NATO aufbaute (Ganser) und den Wehrmachts-Kriegsverbrecher Reinhard Gehlen in Deutschland positionierte (CIA-Encyclopedia).

1961 rekrutierte Amoss Robert Emmett Johnson, der engen Kontakt mit Exil-Kubanischen-Gruppen hatte und 1962 Mitglied der Gruppe „Interpen“ (Intercontinental Penetration Force) wurde (Spartacus). „Interpen“ war für verschiedene militärische Attacken in Kuba verantwortlich. Dort wurde auch geplant, einen Krieg zwischen den USA und Kuba zu provozieren, indem ein kubanischen Angriff auf die US-Militärbasis „Guantanamo Bay“ vorgetäuscht wird.

Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die vom US-Generalstab vorgeschlagene staatsterroristische „Operation Northwoods“:

Operation Northwoods war ein US-amerikanischer Geheimplan, der 1962 vom Generalstab des Pentagon verfasst und am 13. März 1962 Präsident John F. Kennedy vorgelegt wurde. Neben Operation Mongoose sah dieser Plan vor, die verdeckte Kriegsführung der USA gegenüber Kuba weiter auszubauen. Durch inszenierte Terroranschläge unter falscher Flagge gegen den zivilen Luft- und Schifffahrtsverkehr innerhalb der USA, für die man im Nachhinein Fidel Castro verantwortlich machen wollte, sollte ein Vorwand zur Invasion Kubas geschaffen werden. Im Gegensatz zu Mongoose wurde Northwoods jedoch nicht umgesetzt, weil Kennedy seine Zustimmung verweigerte. (…) Unterzeichnet war das Dokument von allen Mitgliedern der Vereinigten Stabschefs, Lyman L. Lemnitzer, dem Vorsitzenden und späteren Oberkommandeur der NATO in Europa, sowie von Brigadier General William H. Craig.[2] Nach über dreißigjähriger Geheimhaltung kam er 1997/98 durch den Freedom of Information Act an die Öffentlichkeit.“ (wiki)

Einige US-Wissenschaftler sind der Meinung, dass eine Verschwörung aus „Interpen“, CIA-Agenten und Exil-Kubaner an der Ermordung von John F. Kennedy beteiligt war (Spartacus).

Europa

Der amerikanische Rechtsextremist Louis Beam propagierte die Idee eines „leaderless resistance“ 1992 (wiki). Das Konzept der „Bewegung in Waffen“, des „führerlosen Widerstands“ wurde in Deutschland aufgenommen. Im  Verfassungsschutzbericht 2004 steht, dass …

„… verschiedene gewaltorientierte Strategien, die das „Werwolfkonzept“, den so genannten „führerlosen Widerstand“ (…) zum Vorbild nehmen, üben gegenwärtig in Teilbereichen der Szene eine gewisse Faszination aus.“

Blood and Honour & NSU Handbuch für „politische Soldaten“

In Deutschland stach in ihrer Militanz die im Jahr 2001 verbotene Organisation „Blood and Honour“ hervor. In ihrem Handbuch namens „politische Soldaten“ wird über eine „Einsame-Wolf-Taktik“ geschrieben. Der Feind solle direkt angegriffen, aber keine Bekennerschreiben am Tatort hinterlassen werden.

„Diese seien unnötig, Zeichen eines „Ego-Trips“ des Täters: „Tatsächlich könnte es das einzige Beweisstück der Polizei sein, also warum sollte man es ihr geben?“ (Mut).

Der bewaffnete Arm „Combat 18“ gab Anleitungen für Nagelbomben, „die als Vorlage der 2004 in Köln verwendeten Nagelbombe gedient haben könnten.“ (n-tv). In der Tat wurde auch in Köln kein Bekennerschreiben veröffentlicht.

Führung durch Informanten?

Werden diese abgekapselten und geheim operierenden Gruppen durch Informanten geführt?

Der Verfassungsschutz Thüringen würde zwei hochrangige V-Leute in der Thüringer „Blood and Honour“ Szene (FR) führen. Die Thüringer Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren Teil der „Weißen Bruderschaft“, die sich als Teil von „Blood and Honour“ verstand:

„Die Ende der 90er Jahre gegründete „Weiße Bruderschaft Erzgebirge“ verstand sich dem Bericht zufolge als Teil des internationalen rechtsterroristischen Netzwerks „Blood & Honour“. (n-tv)

Im Blood & Honour-Handbuch heißt es:

„Führerloser Widerstand ist in Deutschland zwingend notwendig für überzeugte Nationalsozialisten. Die Rote Armee Fraktion wird zur Braunen Armee Fraktion.“

Foto: Morgenpost, aus dem NSU-Bekennerfilm

Mitte Februar 2012 kamen Spekulationen auf, dass der sächsische Verfassungsschutz Informationen zu André E., einem Mitglied der „Weißen Bruderschaft“, zurückhalte, „ein möglicher Grund könnte der Zeitung zufolge sein, dass ein Informant geschützt werden sollte.“ (welt)

Ende November sendete Frontal 21 einen Bericht über die Verbindungen des rechtsextrem-militanten „Blood & Honour“ Netzwerkes zum „NSU“ (Bündnis gegen Rechts):

Der wegen Unterstützung der Zwickauer Geheimzelle verhaftete André E. soll im Sommer 2011 Kontakt mit Hannes K., einem früheren Mitglied von „Blood & Honour“, gehabt haben. Die Beiden hätten sich freundschaftlich begrüßt. K. gelte in der rechtsextremen Szene als Schlüsselfigur des seit 2001 verbotenen Netzwerkes. Der ehemalige Soldat betrieb bis 2009 eine Wehrsportschule. „Mit einem Präzisionsgewehr präsentierte sich der Rechtsextremist K. auf seiner Homepage.“

„Wir treffen einen Mann, der Hannes K., Holger G. und die rechte Szene seit Jahren beobachtet. Er möchte nicht erkannt werden. O-Ton Ingo P. Antifaschistisches Infoblatt (Wortprotokoll):

Hannes K. ist ein Netzwerker, der Verbindungen zu Militärs und Ex-Militärs im In- und Ausland hat und in das gut organisierte Blood & Honour-Netzwerk. Er ist in der Lage, hochwertiges Militär-Know-how direkt in die Naziszene zu bringen und da zu vervielfältigen, um die Möglichkeiten von Blood & Honour zu vergrößern.

Wir fragten Hannes K mit versteckter Kamera nach seinem Ausbildungsangebot.

O-Ton Hannes K., ehem. Blood & Honour-Aktivist (Wortprotokoll): „Wir machen militärische Lehrgänge, escape and evasion, Flucht und Gefangennahme, Verhörtechniken, alles, was man im legalen Rahmen so machen kann.“

Die Kursinhalte lesen sich wie die Anleitung zum Guerillakrieg. Kurse für Präzisionsgewehrschützen, bei denen fortgeschrittene Scharfschützentechniken gelehrt werden.“ (zdf)

Laut Ermittlern hätte die „Weiße Bruderschaft“ Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe „entscheidende Hilfestellung“ bei deren Abtauchen in die Illegalität geleistet. Man gehe davon aus, dass das Trio zeitweise bei einem schweizer Blood & Honour Aktivisten untergetaucht gewesen wäre, auch weil 1998 mindestens ein Telefonat aus der Schweiz geführt wurde. Außerdem …

„… war das Trio bei einem Ostseeurlaub in einem Fahrzeug mit Schweizer Kennzeichen unterwegs. Auch stammt die Waffe, mit der die meisten Taten der Mordserie an Migranten verübt worden waren, aus der Schweiz.“ (FR)

Zu dem Unterstützerkreis zählte auch Holger Ge. Er kannte sie von Thüringer Zeiten in der „Kameradschaft Jena“.  Laut Frontal 21 blieb das „Beziehungsgeflecht zwischen den Thüringer Neonazis um Holger G. und der Blood & Honour.-Truppe von Hannes K.“ (…) den Ermittlern weitgehend verborgen. Der nach Niedersachsen umgezogene Ge. wurde vom Niedersächsischen Verfassungsschutz 1999 observiert, es hätte eine Spur zum gesuchten Trio gegeben. Die Akten dazu wurden „vorschriftsmäßig“ vernichtet, wie auch (nicht vorschriftsmäßig) die Akten zum Informanten, Deckname „Tarif“.  Es heißt in einem geheimen Papier des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV):

„Das BfV hatte in diesem Zusammenhang eigene Quellen, insbesondere den u. a. aus der niedersächsischen Neonazi-Szene berichtenden VM Tarif, sensibilisiert und befragt.“(taz)

Dass der Verfassungsschutz Holger Ge. aus den Augen verlor, wird von der Niedersächsischen Antifa bezweifelt:

„Holger G. ist uns seit seinem Auftauchen 1998 permanent aufgefallen. Er war in der Kameradschaft „Verena“ dabei, die permanent überwacht wurde. Von daher kann es nicht sein, dass der Verfassungsschutz Holger G. nicht wahrgenommen hat. Uns ist der die ganze Zeit aufgefallen. Das kann nur Absicht sein oder Ignoranz.“ (frontal21)

Ge. hätte laut Anklageschrift der Bundesanwaltschaft „dem NSU Führerschein, einen Reisepass, ADAC- und AOK-Karte besorgt.“ (BGH).

Mehr Infos:

„Gladio, NSU, Terror von Rechts“

„NSU-Wer war alles Informant?“

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