Teil 7) Das ungeklärte Motiv des Heilbronner Polizistenmordes

Laut der offiziellen Darstellung hätten die Thüringer Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den Heilbronner Polizistenüberfall verübt, weil sie „Hass auf den Staat“ gehegt hätten. Laut der vom Justizministerium weisungsgebundenen Bundesanwaltschaft wären die Polizisten Michele Kiesewetter und Martin Arnold „Zufallsopfer“ gewesen. 

Diese offizielle Darstellung kann jedoch so gut wie ausgeschlossen werden – es gibt einfach zu viele Querverbindungen zwischen Kiesewetters Onkel Mike Wenzel, seinem Vorgesetzten Michael Menzel und ihren (angeblichen) Mördern Böhnhardt/Mundlos. 

Die Thüringer Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt lebten zum Zeitpunkt des Polizistenüberfalls in Sachsen. Sie wären ins hunderte Kilometer entfernte Heilbronn gefahren, um dort (angeblich) wahllos Polizisten zu überfallen. Sie erwischten aber (zufälligerweise?) die Thüringerin Kiesewetter.  

Der thüringer Polizist Michael Menzel war bereits in den 90er Jahren über die Organisation „Thüringer Heimatschutz“ informiert. In den folgenden Jahren analysierte er als saalfelder Kripochef die Unterwelt, wechselte dann als „Anti-Terrorexperte“ ins thüringer Innenministerium, bis er am 04.11.11 als Polizeichef von Gotha einen Einsatz gegen die Bankräuber von Eisenach anführte, der zur „Selbstenttarnung“ der Terrororganisation NSU geführt hätte.

Menzel selbst sagte in verschiedenen Untersuchungsausschüssen aus, dass ihm bis November 2011 eine „NSU-Terrororganisation“ unbekannt gewesen wäre, er hätte sogar die Namen Böhnhardt/Mundlos/Zschäpe in der Zwischenzeit vergessen gehabt. 

Vorsitzender Clemens Binningen Aber die Namen Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe haben Ihnen was gesagt? Oder waren Ihnen die nicht präsent und erst nach dem 04.11. in der Dimension?
Zeuge Michael Menzel: Also, ich muss zugeben, dass ich mich – – Oder: Ich kann midi nicht daran erinnern, wesentlich in den Jahren 98 bis 2001 – -und auch bei der Identifizierung von Herrn Mundlos am 05.11. brauchte ich noch eine Hilfe meiner Mitarbeiter, um das Ereignis einordnen zu können, wer Mundlos ist.“

„Konkret sagte Menzel vor dem ersten Thüringer NSU-Ausschuss aus, dass er „in Jena mit der Fahndung oder mit den Sachverhalten nichts zu tun hatte“ (UA 5-1, 60, S. 31) und dass „wir nichts mit dem Fall zu tun hatten, von Gotha“ (ebenda, S. 32).“ (das-blättchen)

Darüberhinaus gibt es keinerlei Hinweise, dass Michele Kiesewetter und Martin Arnold am 25.04.2007 gegen den NSU eingesetzt gewesen wären und: Die jahrelangen Ermittlungen ergaben keinerlei Hinweise, dass Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos überhaupt am Überfall beteiligt waren.

„ … keinen eindeutigen Nachweis erbringen, dass Böhnhardt und Mundlos am Tattag in unmittelbarer Tatortnähe Theresienwiese waren“. (Zitat BKA-Ermittlungsbericht, Oktober 2012)

Dies ist keine Ausnahme: Auch die Ermittlungen an den neun Tatorten der Ceska-Mordserie ergaben weder Hinweise auf Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch auf eine größere NSU-Terrororganisation. Stattdessen gibt es handfeste Indizien auf organisierte Kriminalität.

Daher müsste ein alternatives Szenarium in Betracht gezogen werden:

Sind Mundlos/Böhnhardt gar keine Täter, sondern Opfer?

Wurden 1998 Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe von der Polizei in den Untergrund „geschleust“, um sie vorgeblich als Spitzel gegen die organisierte Kriminalität einzusetzen? Waren sie in Wahrheit als Sündenböcke eingeplant, die man der Öffentlichkeit als rechtsextreme Täter der Ceska-Mordserie unterjubeln kann? Ist die thüringer Polizei von der Unterwelt unterwandert?

Das würde heißen, dass es eine andere Verbindung zwischen dem Polizistenüberfall und der Ceska-Morderserie geben könnte, statt Rechtsextremismus die organisierte Kriminalität.

War der Heilbronner Polizistenüberfall ein „Betriebsunfall“?

Die Ermordung der Thüringer Böhnhardt/Mundlos/Kiesewetter könnte vom demselben Täterkreis begangen worden sein, der auch für die Ceska-Mordserie verantwortlich ist. 

Der Überfall wäre dann kein Zufall gewesen, stattdessen ermittelte Kiesewetter in Heilbronn gegen die thüringer Unterwelt. Im Anschluss an den Überfall könnte der Täterkreis im November 2007 das sogenannte „NSU-Bekennervideo“ einfach um ein paar Bilder erweitert haben, um auch den Überfall beim NSU „entsorgen“ zu können. 

Dieses Szenarium macht wesentlich mehr Sinn als die offizielle Darstellung.

Desinteresse nach dem Motiv seitens der Staatsanwaltschaft Heilbronn

Abg. Nikolaos Sakellariou SPD: „Dann ist es gut, dass das noch mal richtiggestellt wurde. – Jetzt die dritte Frage, die letzte Frage. Sie haben sich offensichtlich auch Gedanken gemacht zu den Motiven der Täter, und Sie haben von „Bilanzterrorismus“ gesprochen. Jetzt, wenn ich Sie schon da habe, die Frage: Haben Sie auch eine Theorie, warum dieses Trio dann im Jahr 2007 mit dem Mord an der M. K. aufgehört hat?“

Christoph Meyer-Manoras – Ermittelnder Staatsanwalt in Heilbronn: „Ja, darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht. Und darauf weiß ich keine Antwort. Ist mir als Staatsanwalt, wenn ich die auf der Anklagebank habe, auch gänzlich wurscht. Mir ist es auch – – Ich muss auch sagen, diese ewige Fragerei nach dem Motiv, das ist mir bei Böhnhardt und Mundlos wirklich herzlich egal. Es ist jedenfalls unter keinen Umständen ein Motiv, das nicht verachtungswürdig ist, und da ist es mir egal, wie man das formuliert.“

Quelle: NSU-Untersuchungsausschuss Baden-Württemberg, 15. Landtag, Protokoll 25. Sitzung, Seiten 91/92

9 Gedanken zu „Teil 7) Das ungeklärte Motiv des Heilbronner Polizistenmordes“

  1. Der Überfall auf Michele Kiesewetter und Martin Arnold wurde vom demselben Täterkreis begangen, der auch für die Ceska-Mordserie verantwortlich ist.

    Sehe dies etwas anders.

    Für mich gibt es drei Fenster bei der sogenannten Selbstenttarnung des NSU.

    1. Fenster
    Eisenach und Zwickau
    Es werden in Eisenach und Zwickau nur Asservate gefunden, die im Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin Kiesewetter in Heilbronn und dem Mordversuch an ihren Kollegen Arnold stehen. Kein einziger Fund, der auf die Dönermorde oder Bombenanschläge deutet. Auch kein Bekenntnis zu einem NSU.

    2. Fenster
    Verteilung eines Bekennervideos
    Am 6.11.2011 gingen im Briefpostzentrum Leipzig- Schkeuditz „NSU- Bekennervideos“ ein. Keines dieser verschickten Videos wurde der Öffentlichkeit gezeigt. Die Videos sollen nur 90 Sekunden- Teaser gewesen sein. Der Spiegel brachte als erstes Medium am 13.11.2011 Auszüge aus einem anderen Video auf Spiegel-TV und Fotos in seiner Ausgabe am Tag drauf. Der Spiegel hat das Video mit Exklusivrechte vom „Antifaschistischen“ Verein apabiz für angeblich 3500 Euro gekauft. Abapiz erklärte, dass andere Medien dieses Video für 2000 Euro beim Verein kaufen können, es dürfe aber nicht vor dem Spiegel veröffentlicht werden.
    Die am 4.11. 2011 verschickten Videos wurden vermutlich abends in Leipzig in einem Briefkasten eingeworfen. In Leipzig gibt es Personen, die eine Sympathie zum rosaroten Paulchen Panther haben und die mit einen Tilo gut befreundet sind. Tilo ist auch ein Freund des apabiz- Videoverkäufers an den Spiegel.
    Nur durch dieses Video gibt es den Begriff NSU im Zusammenhang mit BMZ überhaupt. Beweise dass BMZ, dieses Video angefertigt haben und einen NSU angehörten und Verbrechen begangen haben enthält es aber nicht. Auch sonst existieren keinerlei Hinweise oder Beweise dass dieses Video von BMZ erschaffen wurde.

    3. Fenster
    Erst ab 9.11.2011 nach der Festsetzung von Beate Zschäpe und Ausschaltung dieser als Zeugin (wollte ursprünglich aussagen), dann plötzliches Auffinden von ersten „Beweismittel“ durch Unbekannte in Zwickau im „Brandschutt“ für die „Dönermorde“ und Bombenanschläge.

    Eisenach und Zwickau waren zuerst nur eine Inszenierung des Schwaben- Sachsen- Sumpfes. Frau Kiesewetter wusste hier einfach zu viel. Man beachte in diesem Zusammenhang dass am Tatort in Heilbronn eine Pfandmarke einer Leipziger Firma gefunden wurde, in der auch ein Herr Kapke aus Thüringen gearbeitet haben soll.

    Irgendjemanden aus der Sumpflandschaft muss da die einmalige Idee gekommen sein entsprechend der Kenntnis dieses Videos einen NSU ins Leben zu rufen dem man auch die „Dönermorde“ und die Bombenanschläge unterschieben kann und hat dann mit seinen Strukturen gehandelt. Dadurch war man sich auch sicher, dass durch diese politische Erweiterung „Dönermorde“ und Bombenanschläge den eigentlich kriminellen Mord an den Uwes niemand mehr aufklären will und kann.

    1. Das stimmt, dass die meisten der Beweise, die Ceska-Mordserie betreffend, erst ab dem 09.11. gefunden wurde. Aber es gibt folgende Ausnahmen:
      1. Im Bundeskanzleramt wurde der Film wohl bereits am 08.11 gezeigt, „Videos mit Tatortwissen und Analysen gefundener Tatwaffen lassen keinen Zweifel: Rechtsterroristen sind verantwortlich für die viel diskutierte Mordserie an ausländischen Kleinhändlern, für Bombenanschläge und einen Polizistenmord.“ – Quelle stern.
      2. Am 04.11.11 wurde (auch, nur?) die 15-minütige Version verschickt. Einer der Empfänger sagte:
      „Frage:
      Was befand sich auf der DVD?
      Antwort:
      Es handelt sich um einen klassischen Zeichentrickfilm des „Pink Panther“ von ca. 20 Minuten Länge.“
      3. Im Wohnmobil wurden am 05.11. USB-Speichermedien gefunden, mit „„rechtsradikaler Hintergrund, NSU“. Dort wäre der 15-minütige „Bekennerfilm“ abgespeichert gewesen.

      Des Weiteren wäre im November 2007 ein „Bekenntnis“ zum Heilbronner Polizistenüberfall in den „Bekennerfilm“ eingefügt worden.

      Daher ist Ihr Argumentation nicht wirklich stichhaltig, dass die Ceska-Mordserie erst nachträglich (Tage nach dem 04.11) dem „NSU-Trio“ auch noch untergejubelt wurde. Dagegen spricht auch meine Auswertung des sogenannten „Bekennerfilmes“, welcher ganz klar auf das „NSU-Trio“ als Urheber anspielt.
      http://friedensblick.de/21715/standen-bereits-1998-boehnhardt-mundlos-als-nsu-suendenboecke-fest/

      1. „„Frage:
        Was befand sich auf der DVD?
        Antwort:
        Es handelt sich um einen klassischen Zeichentrickfilm des „Pink Panther“ von ca. 20 Minuten Länge.““

        Wusste ich noch nicht. Wo kann man das nachlesen?

  2. „Der Überfall auf Michele Kiesewetter und Martin Arnold wurde vom demselben Täterkreis begangen, der auch für die Ceska-Mordserie verantwortlich ist.“
    Also ohne einen DNA Kreuztreffer von Heilbronnn und einem Dönermord ist diese Vermutung unglaubwürdig.

    1. Es gibt aber auch keine Kreuztreffer bei der Ceska-Mordserie, obwohl sie von einem Täterkreis begangen wurde! Der Täterkreis kann sich verschiedener Auftragskiller bedient haben.

      In diesem Zusammenhang bin auf etwas gestoßen, auf was ich gerne mal hinweisen möchte:
      Andreas S.(Madley-Geschäft) sagte in seiner ersten Aussage, dass er einen „Boban“ fragte, ob er ihm eine Waffe beschaffen könne. http://arbeitskreis-n.su/blog/2014/10/18/dichtung-und-wahrheit-teil-6-boban-wird-identifiziert-der-lieferant-der-ceska-83-sd/

      Dieser „Boban“ hat den gleichen Nachnamen (P.), wie „chico“, gegen den sich Ermittlungen der Soko Parkplatz richteten. „Chico“ wurde u. a. auch „Boban“ genannt. „Chico Boban P.“ und „Boban P.“ sind jedoch unterschiedliche Personen, die jedoch beide aus Serbien kommen und dorthin in den 2000er Jahren abgeschoben wurden.

  3. Sehr interessant ist übrigens auch das Interview mit Richter Heindl auf Youtube. Habe nicht den Eindruck, dass er Käse erzählt. Auch laut ihm waren es Sündenböcke, gängige Praxis wenn die Dienste in krumme Machenschaften verwickelt sind.

    Es ist m.M.n. sehr wahrscheinlich, dass Kiesewetter irgendwas wusste oder herausgefunden hat. Vielleicht im Zusammenhang mit Sachsensumpf, Peggy, eventuell auch den Dönermorden (deshalb auch andere Waffen, um die Verbindung zu vertuschen?)
    Es gab im Vorfeld ja die seltsamen Ereignisse in ihrem Heimatort. wo sie danach aufgewühlt war.
    Vielleicht wurde sie auch eingesetzt um intern zu spitzeln, dass sie nämlich (angeblich) mit so vielen aus der BFE ins Bett ging ist etwas ungewöhnlich, und dann ist zufällig auch noch der Onkel beim Staatsschutz… der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

    Da fand sie was raus, hat gedroht zu reden und musste weg, von den Diensten aus.

    Wäre sie wirklich nur Zufallsopfer gewesen, wären die Ermittlungen sicher nicht durchgehend so schlampig durchgeführt bzw. sabotiert worden.

  4. Ich muss auch sagen, diese ewige Fragerei nach dem Motiv, das ist mir bei Böhnhardt und Mundlos wirklich herzlich egal.

    Quelle: NSU-Untersuchungsausschuss Baden-Württemberg, 15. Landtag, Protokoll 25. Sitzung, Seiten 91/92

    🙂

  5. Wie schon im Artikel ausgeführt, lässt die Querverbindung Menzel/Wenzel/Kiesewetter, eine Zufallstat fast gänzlich ausschließen. Dies bedeutet andererseits, dass die beiden Polizisten am 25.04.2007 bewusst in eine Falle gelockt wurden.
    Ich denke ihr Tod hängt mit ihren Einsätzen als noeP zusammen.
    Auch die dubiosen und nicht weiter verfolgten Vorgänge in Oberweißbach mit mehreren Fahrzeugen, Monate vor der Tat, könnten eine Rolle spielen. Vielleicht wussten Wenzel und Menzel auch mehr über die eigentlichen Hintergründe der Tat und haben durch die Meldung:“Waffe Kiesewetter“ gefunden, die lieben Kollegen aus BW so richtig ins Schwitzen gebracht.
    Denn dokumentierte Waffenfotos mit Zuordnung aus dem Womo gibt es ja nicht. Vielleicht wurden sie ja aus BW mitgebracht!? Des weiteren stellt sich die Frage, warum die ehemalige Lebensgefährtin von Mike W., Anja W., diesen per SMS als Verräter bezeichnet, was sie ja im nach hinein bestritten hat. Dubios ist auch, warum Mike W. im August 2011, also über 4 Jahre nach der Tat und 3 Monate vor der „Selbstenttarnung“ des NSU, die verschollenen Schnittschutzhandschuhe von Kiesewetter, der Polizei übergibt. Warum da? Wo waren sie vorher all die Jahre?
    Warum der Hinweis, er hätte sie die ganzen Jahre selber getragen? Ein wahrscheinlich passender Damenhandschuh der Polizei BW der Größe S oder XS, passt eigentlich keinem erwachsenen Mann!
    Vielleicht alles nicht wichtig, aber schon sehr seltsam.

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