Woher hatte Bundeskriminalamt am 08.11.11 Wissen über kommende „Selbstenttarnung des NSU“

Als „Selbstenttarnung des NSU“ (National-Sozialistischer-Untergrund) wird oftmals angeführt: Aufgrund ihres Ablebens hätten sich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos selbst als NSU-Terroristen enttarnt, indem Beate Zschäpe ihren sogenannten „Bekennerfilm“ am 04.11.11 verschickte. Bereits am 08.11.11 ging das Bundeskriminalamt (BKA) von einem rechtsextremistischen Hintergrund verschiedener Verbrechen aus, obwohl dem BKA zu dem Zeitpunkt noch keine Bekennerfilme vorlagen!  Handelt es sich um Vorwissen?

Dem „stern“ liegen Geheimpapiere vor, worüber das Magazin am 16.10.12 berichtete:

„Berlin, 8. November 2011, Nachrichtendienstliche Lage im 4. Stock des Bundeskanzleramts. Auf der Tagesordnung:
„Leichenfund in Eisenach – mögliche Bezüge zu Rechtsextremisten“.

Laut des „stern“ hätte das Bundeskriminalamt das Trio als mordende und bombende Rechtsterroristen „präsentiert“, just an dem Tag als sich Beate Zschäpe der Polizei stellte.

„Das Bundeskriminalamt (BKA) präsentiert Staatssekretären aus vier Ressorts und Vertretern der Geheimdienste den Ermittlungsstand. Videos mit Tatortwissen und Analysen gefundener Tatwaffen lassen keinen Zweifel: Rechtsterroristen sind verantwortlich für die viel diskutierte Mordserie an ausländischen Kleinhändlern, für Bombenanschläge und einen Polizistenmord.“

Worauf könnte dieses Wissen beruhen?

Die Ceska-Waffe mit Schalldämpfer wurde laut Ermittlern erst am 09.11.11 gefunden, im Brandschutt vor Zschäpes Wohnung in Zwickau. Die Filme wären laut Zeugenaussagen ebenfalls nach dem 08.11.11 sichergestellt und begutachtet worden!

„Erster Zeuge ist der Kriminalbeamte Frank Le. vom BKA Meckenheim. Le. berichtet, dass er den Auftrag bekommen habe, eine „Erstauswertung“ der „so genannten NSU-DVD“ durchzuführen. Das Exemplar sei am 10. November 2011 im Brandschutt in der Zwickauer Frühlingsstraße gefunden worden und er habe die Auswertung am 12. November durchgeführt. Er habe dann erfahren, dass parallel dazu in Meckenheim schon ein weiteres Exemplar ausgewertet worden sei.“ (nsu-watch)

Am 21.11.11 sagte der damalige BKA-Chef Jörg Ziercke dem Innenausschuss des Bundestages, dass seine Beamten die 15-minütigen Bekennerfilme in der abgebrannten Wohnung und im Wohnmobil entdeckt hätte. Darüberhinaus hätten „wir acht solcher CDs, die in den Versand gekommen sind, detektieren können.“

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Am 04.11.11 hätte Beate Zschäpe die Bekennerfilme per Post verschickt. Die Adressaten meldeten die Filme nicht sofort bei der Polizei und unterrichteten die Öffentlichkeit nicht. So konnte der „Spiegel“ einen Vertrag mit dem antifaschistischen Büro „ababiz“ abschließen und als einziges Medium am 13.11.11 „exclusiv“ vom Bekennerfilm berichten.

Woher könnte das BKA am 08.11.11 die Information bekommen haben?

Mögliche Antworten, abgesehen von der Möglichkeit, dass der Film aus dem eigenen Haus kam: Einer der Adressaten der Filme war die „PDS“ in Halle, Sachsen-Anhalt. Am 11.11.11 beschreibt das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt den Weg, den die DVD von dort an nahm:

„Demnach ist die DVD am 07.11.2011 im Wahlkreisbüro von MdL Hendrik L. (DIE LINKE) (ehemals PDS Geschäftsstelle, siehe oben) eingegangen. Am 08.11.2011 erfolgte die Information zum Eingang der DVD an Herrn K. Herr G. (phon.) wurde am 09.11.2011 beauftragt die DVD zu begutachten. Ergebnisse hierzu sind nicht bekannt.“

„Am 11.11.2011 wurde dem Direktor des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt (LKA) vom Ministerium für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt mitgeteilt, dass Herrn Minister S. von der Landtagsabgeordneten, Frau T., (DIE LINKE) ein Schreiben mit einer DVD mit offenbar rechtsextremistischen Inhalt übergeben worden ist.“

Es weist im gleichen Schreiben darauf hin, dass das LKA Sachsen die DVD bereits begutachtete!

„Durch bereits durchgeführte Ermittlungen im LKA Sachsen ist bekannt, dass die DVD am 27.11.2007 finalisiert (endbearbeitet) ist.“

Wie gelangte die DVD in den Besitz des LKA Sachsen? Händigte die „Linke“ ihre DVD schnell der sächsischen Polizei aus, später eventuell auch dem „ababiz“? Davon ist bis heute nichts bekannt, vor allem wie „ababiz“ an den Film gelangte. In diesem Zusammenhang könnte jedoch die Drohung des damaligen Polizeichefs von Gotha, Michael Menzel, verstanden werden, die Büroräume der thüringer Linken Martina Renner durchsuchen zu lassen. Die Drohung fiel am 08.11.11. Die Begründung: Es könnte sich Beweismaterial dort befinden.

Desweiteren wurden USB-Sticks im Wohnmobil eine „Vorgängerversion“ des Bekennerfilmes sichergestellt, u.a.:

1.4./150.0 ein silberner USB-Stick
Typ: Sonstige Spur
Typ: ein silberner USB-Stick – Farbe: silber, Kopf
versenkbar, gesichtet: rechtsradikaler Hintergrund, NSU
Gesichert am 05.11.2011
Beschreibung: Gesichert wo: Bildtafel 13.9; aus schwarzer Bauchtasche (Sp. 1.4./233.0) im Original in Pappkarton gesichert
Gesichert von: Sopuschek, KOK
Verbleib: BKA

Der Inhalt ist offen. Es könnte sich darin eine Vorgängerversion des Bekennerfilmes befunden haben. Dort werden aber nur ein Teil der Verbrechen dargestellt. Der Heilbronner Polizistenmord wird nicht erwähnt, genausowenig wie der Anschlag in der Keupstraße sowie nur die ersten fünf der insgesamt neun Ceska-Morde. 

„Im ersten Video sei der erste Mord und der Anschlag in der Kölner Probsteigasse dargestellt, im zweiten die ersten vier Morde und der Anschlag in der Probsteigasse. Hier habe ein Zeitungsartikel den vierten Mord thematisiert, er sei aber dem Datum des zweiten Mordes (13. Juni 2001) zugeordnet. In der finalen Version seien dann alle neun Morde thematisiert.“ (nsu-watch)

Diese Vorgängerversion kann daher schlecht zu der BKA-Lagebesprechung am 08.11.11 geführt haben.

Auf dem USB-Sticks war diegleiche Version des Bekennerfilmes abgespeichert, wie der Film, den die Linke erhielt:

„Pf. sagt, dass darüber hinaus im Wohnmobil im Aufenthaltsraum drei USB-Sticks gefunden worden seien. Der Inhalt habe die gleiche Struktur aufgewiesen wie die DVD. Sie habe sich das von einem Techniker auch nochmal erklären lassen und an den Dateien könne man erkennen, dass es der gleiche Inhalt wie bei der DVD sei. Pf. sagt, der Abgleich sei so vorgenommen worden, dass die erste DVD, die festgestellt worden sei bei der PDS Halle als Referenz-DVD genommen worden sei und dann hätten die Techniker einen Hashwertabgleich gemacht und festgestellt, dass die USB-Sticks den gleichen Inhalt haben wie die Referenz-DVD.“

Dabei ist der Film das einzige „wirklich belastbare Indiz“, dass „Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Bombenleger“ der zwei Kölner Sprengstoff-Anschläge waren. Diese Aussage traf Georg Oswald im zweiten Bundestag-U-Ausschuss. Er ist Kriminalkommissar des BKA und war Mitglied der besonderen Aufbauorganisation „BAO Trio“, die „nach der Enttarnung des NSU im November 2011“ die Ermittlungen führte.

Die Frage ist, woher das BKA am 08.11.11 die Anschläge dem Trio zuordnen konnte.

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