Oberstaatsanwältin Greger: Undenkbare NSU-Tatorte Heilbronn, Kassel unplanbar!

Im Gegensatz zu den Medien berichtete die Pressestelle des Bundestags von der letzten Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses. Dies ist immer Hinweis darauf, dass etwas für die Regierung nicht gut gelaufen ist. Oberstaatsanwältin Anette Greger war geladen. Sie ist seitens der Bundesanwaltschaft mit den NSU-Ermittlungen beauftragt. Sie sagte, dass die Mordanschläge in Heilbronn und Kassel „undenkbar“ gewesen wären, da die Täter jederzeit hätten gestört oder beobachtet werden können. 

Im Fall des letzten Ceska-Mordes wären Böhnhardt und Mundlos in ein gut-besuchtes Internetcafe gegangen und hätten den Internetbetreiber erschossen. Yalit Yozgat war beim Anschlag von 6 Gästen umgeben, davon telefonierten zwei in Yozgats unmittelbarer Umgebung. Ohne Mithilfe von Innen wäre der Anschlag für Mundlos und Böhnhardt kaum machbar gewesen!

Auch auf der Heilbronner Theresienwiese war der Tatort ähnlich. Wenige Meter vom Tatort entfernt gab es Radlwege, auf der Theresienwiese war geschäftiges Treiben, ein Volksfest wurde aufgebaut. 

Ohne Mithilfe weiterer Personen waren diese beiden Anschläge undurchführbar, da sich Zeugen in unmittelbarerer Gegenwart der Opfer aufhalten hätten können. Es musste jemand den Tatort ausspioniert und den Tätern ein Zeichen gegeben haben.

Darauf aufbauend schilderte Annette Greger ihre unlogische Einschätzung: Weil die Tatorte „undenkbare“ Orte für Mordanschläge waren, konnten die Täter ihre Taten nicht geplant haben! 

„Sie sei während der Ermittlungen selbst in Heilbronn gewesen, sagte Greger. Der Tatort habe sie beeindruckt: “ Als Täter hätte ich niemals diesen Tatort und diese Tatzeit gewählt“, gab sie zu Protokoll. Die Straßenbahn fahre in unmittelbarer Nähe vorbei. Tagsüber könne man sich keine 30 Sekunden unbemerkt dort aufhalten, ohne das ein Passant vorbei käme. Der Heilbronner Parkplatz sei – wie schon das Internetcafé in Kassel – eigentlich ein undenkbarer Ort für einen Mord. Hätten die Mörder ihre Tat geplant, hätten sie die Polizisten woanders abgepasst, sagte Greger.“ (Bundestag)

Genau das Gegenteil ist logisch: Aufgrund der Gefahr gesehen bzw. gestört zu werden, mussten die Täter die Angriffe genau geplant und Leute gehabt haben, die „Schmiere“ standen. 

Bei Oberstaatsanwältin Greger wird deutlich:

„Du kannst keinen Menschen dazu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, es nicht zu verstehen.“

21 Gedanken zu „Oberstaatsanwältin Greger: Undenkbare NSU-Tatorte Heilbronn, Kassel unplanbar!“

  1. Etwas anderes ist genauso logisch : dass die Taten ganz woanders bzw. ganz anders ausgeführt wurden, wie die sog. „Ermittlungen“ ergeben haben.

    MfG

    1. Dies wäre im Fall Kassel nur gelungen, wenn die sechs surfenden/telefonierenden Besucher des Cafes und der Vater des Opfers beim Mordanschlag indirekt beteiligt gewesen wären. Warum? Sie bezeugen nicht, dass das Opfer nachträglich in das Cafe getragen wurde, im Gegenteil: Sie sagen aus, dass der lebendige Halit Yozgat im Cafe war und danach dort tot gefunden wurde. Ähnlich verhält es sich in Heilbronn.

      Ein nachträgliches Verbringen der Opfer zum Tatort wäre nochmals schwieriger für die Täter gewesen, unentdeckt zu bleiben.

  2. Die Staatsanwältin ist weisungsgebunden. Viel erstaunlicher ist für mich weiterhin die Masse an Journalisten, die nicht verstehen will, was Sache ist. Hier habe ich jemanden, der nach eigener Aussage für dpa aus dem NSU-Prozess berichtet, an zwei Beispielen damit konfrontiert, dass die Fakten nicht stimmen:
    http://uebermedien.de/8319/journalisten-hoeren-stimmen-im-zschaepe-prozess/
    Der Mann scheint in dem Dialog absolut verfahrensgläubig zu sein, geht auf Argumente gar nicht ein. Das Erstaunliche daran ist, dass er (wenn er wirklich Christoph Lemmer ist) anscheinend am „Fall Peggy“ mitgeschrieben hat, wo ja auch ein Verfahren „ordnungsgemäß“ durchgeführt wurde, aber „ein Skandal“ herausgekommen ist:
    https://www.youtube.com/watch?v=v_DVTu6hxj0
    Wie ist so etwas möglich? Ich muss sein Buch mal lesen. Tatsächlich liegt es seit einigen Wochen schon auf dem Stapel.

  3. Der Oberstaatsanwältin Greger muss man insoweit zustimmen, dass – zumindest für das Uwe-Duo – ein planmäßiges Zuschlagen im Internetcafé Kassel „undenkbar“ gewesen sein muss.
    Dort als Ortsfremde gezielt ein einzelnes Opfer zu töten, birgt einige Risiken, z.B. Erkannt-Werden durch Zeugen oder evtl. mitlaufende Kameras, Gestellt-Werden durch evtl. bewaffnete Familienmitglieder etc.

    Es ist jedenfalls einiges riskanter als eine Massaker-Strategie, die die Uwes angeblich auch drauf hatten (Köln) und die viel besser zu ihrer angeblichen politischen Motivierung gepasst hätte: Ein Einzelmord (und zwar zum wiederholten Male an einem Geschäftsmann) wird halt eher als Mafiamord wahrgenommen denn als ethnische (Ausrottungs-)Bedrohung und damit „Anreiz“ zur Rückwanderung dieser nicht gerade kleinen Ethnie in ihren Herkunftsstaat.

    Für einen anderen Täter-Kandidaten war es dagegen wohl ganz und gar nicht „undenkbar“, als Nazi Klein-Adolf im Türkencafé zu surfen und nach vollendetem Mord zu türmen.
    Wenn man von einem Mord(-Plan) weiß, dann geht man dort nicht hin – diese Schlapphut-Weisheit soll Schlapphut Temme ignoriert und dies seine VS-Kollegen ihm vorgehalten haben. Zusätzlich soll er gegenüber Kollegen mit (vor-polizeilichem) Wissen zur Serien-Verwendung der Tatwaffe geprahlt haben.

    Dass so jemand nicht verhaftet wird, ist „undenkbar“ und in der Tat landete er in Haft. Haftentlassung ohne Anklage ist hier eigentlich „undenkbar“, wenn man nicht „zufällig“ die eiserne Patronage des obersten Chefs aller Polizisten und Schlapphüte genießt.
    Somit bleibt nur noch Bouffiers Motiv für die Patronage „undenkbar“ – schlicht und einfach, weil es dauerhaft hinter den Zauberworten „Staatswohl“ und „Staatsgeheimnis“ versteckt wird. Handelt es sich bei der Unpässlichkeit des Andreas Temme doch „nur“ um ein Tötungsdelikt.

    Wenn ein staatlich gewollter und durchgedrückter Sicherheits- bzw. Vertuschungsbedarf das Aufdecken der Wahrheit nicht zulässt, dann kann ein Prozess wie der in München von vorneherein nur ein Schein- und Schauprozess sein – alles andere wäre „undenkbar“.

    1. @bekir
      Deine Betrachtung ist zu geschlossen.
      Sie übersieht, das Temme, nach gegenwärtiger Aktenlage, so wie geschildert, überhaupt nicht am Tatort war.
      Neben den fehlenden Fingerabdrücken am Computer, dem fehlenden Auto vor der Tür, fehlen bis auf eine, auch die Bestätigungen der Zeugen im Raum.
      Gerade der „kleine Türke“, der hinter ihm gesessen hätte, zählt schwer. Der hat klare Aussagen gemacht, von Temme kein Wort.

      Temmes Geldstück ist in dem Kontext eher ein absichtlicher Anwesenheitsnachweis für eine tatsächliche Abwesenheit.

      1. Der Ärmste – Temme als Opfer eine Identität-Diebstahls?
        Und musste (damit seine schwangere Holde nicht ausrastet)dann wohl auch noch zähneknirschend-stumm die Service-Gebühren zahlen, die der unbekannte Räuber auf seiner Handy-Nummer beim Sex-Chat angehäuft hatte?

        Aber Spaß beiseite: Bevor die „gegenwärtige“ Aktenlage (?) sich vielleicht schon morgen in eine ganz andere verwandelt – die Akt(i)enkurse schwanken manchmal stark -, bleib ich doch lieber bei meiner „geschlossenen“ Betrachtung.
        Wer hier „für alles offen“ ist, der erweist sich am Ende vielleicht bloß als „nicht ganz dicht“?

  4. @bekir
    Da ein paar mitlesen, muss dir klar widersprochen werden.
    Es geht nicht darum, was du annimmst was neue Akten bringen könnten.
    Es geht um die vorhandenen Widersprüche.
    Die musst du erklären und nicht ignorieren.

    Zunächst hat kein Zeuge im C-Raum Temme gesehen.
    Keiner!
    Dann hat der „Kiffer“ Temme Tage später nachgeschoben.
    Nur er!
    Erst dann hat man angeblich den Broserverlauf der Computer angeschaut. Unfug, das machen Ermittler gleich, um zu wissen, welcher Platz war belegt.
    Auf Tastatur/Maus fehlen dann aber die Fingerabdrücke von Temme. Chat ohne Tastatur/Maus. Aber hallo …
    Sein angebliches Auto vor der Tür stand da auch nicht.
    Dafür aber Zeugen mit ihren Autos, die bestätigen, der Platz war zu der Zeit frei.

    Bezeichnend, das vor dem OLG niemand den „kleinen Türken“ nach Temme befragt. Der wäre sein Banknachbar im Computerraum gewesen.
    Warum wohl fragt keiner?
    Weil der bis heute keinen Temme vor sich sitzen gesehen hat.
    Den Satz will man nicht, also fragt man nicht.
    Auch Nichtfragen produziert Antworten!

    Temme ist ein Bauernopfer.
    Ins Rennen geschickt, um alle Fährtenhunde abzulenken.
    Wenn er überhaupt da war, dann anders … was es zu verschleiern gilt.
    Das oder was anderes.

    1. Zunächst hat kein Zeuge im C-Raum Temme gesehen.
      Keiner!Dann hat der „Kiffer“ Temme Tage später nachgeschoben.
      Nur er!

      Auf Temme wurden die Ermittler doch überhaupt erst aufmerksam, nachdem einer der Zeugen sich an ihn erinnerte.

      Auf Tastatur/Maus fehlen dann aber die Fingerabdrücke von Temme. Chat ohne Tastatur/Maus. Aber hallo

      Das las ich auch schon bei nsu-leaks, jedoch fehlt dafür der Aktennachweis. Hättest Du einen Link?

      Bezeichnend, das vor dem OLG niemand den „kleinen Türken“ nach Temme befragt. Der wäre sein Banknachbar im Computerraum gewesen.

      Das bezweifel ich.

      1. @georg

        Du bist ein Faulhuber … 😉
        Ich habe für dich vier Begriffe eingegeben und schon hatte ich den Aktenauszug Fingerabdrücke.
        http://arbeitskreis-n.su/blog/2016/07/05/temme-und-der-nsu-reisen-durch-raum-und-zeit/
        Pkt. 7 ist Kassel.

        Bei der Sitzordnung gibt es auch nichts zu bezweifeln.
        Der „kleine Türke“ saß hinten, genauer Platz unklar, mal so mal so.
        Unmittelbar davor aber hätte Temme gesessen, schau dir das Video an, wie Temme sein über 190 cm da rein klemmt. Da wird es beim kleinen Türken aber eindrucksvoll dunkel … 😉

        1. Dort steht aber nicht, von wo die Spuren stammen, die mit Temmes nicht übereinstimmen.
          Der Nachweis steht aus, dass bei Temmes Tastatur/Maus überhaupt Fingerabdrücke gesammelt wurden.

          1. „Der Nachweis steht aus, dass bei Temmes Tastatur/Maus überhaupt Fingerabdrücke gesammelt wurden.“

            Nach der Logik, waren B&M an allen Tatorten.
            Die Spurensicherung hat nur nicht alle Spuren gesichert.
            Du bist eine Maus Georg … 😉
            Ein Spurensicherung sichert nicht nur Spuren, zuerst suchen sie selbige. Sieben Mäuse 😉 von sieben Computern gehören definitiv dazu.

            Nein, die Schlussfolgerung ist eine ganz andere. Danach hat auch keine Münze einen Fingerabdruck von Temme. Stützt These, Temme benutzt fremde Münze um unbedingt zu dem Zeitpunkt Anwesenheit zu simulieren.

  5. Temme ist ein ganz starker Indikator für 3 Dinge:
    – die Geheimdienste und ihre offiziellen Aufseher (Bouffier aufwärts) haben in Kassel schon 2006 sichtbar die Finger drin gehabt.
    – Die offizielle Geschichte mit dem isolierten Uwe-Mörder-Duo ohne Staatsbezug führt in Kassel (im Gegensatz zu den anderen Tatorten, wo „nur“ die Beweise fehlen) zu objektiven Widersprüchen, die sich nicht überzeugend auflösen lassen.
    – der NSU-Prozess in München hat im Fall Yozgat exakt Null Aufklärung geleistet. Alles ist in diesem Tatkomplex genauso wirr und verlogen, wie es vor dem Prozess schon war.
    Mir reicht das vollauf. Ich lese zwar immer wieder Details, bin aber letztlich zu dumm und zu misstrauisch, um zu verstehen, ob sie stimmen (können). Die Details bestätigen aber immer wieder die 3 Punkte oben. Wegen dieser 3 Punkte ist der Mord in Kassel extrem wichtig. Wenn man ihn anspricht, kommt immer nur heiße Luft.
    Lest hier mal nach, wie Christoph Lemmer, dpa-Berichterstatter im NSU-Prozess, um den Fall Temme herumeiert, wenn er darauf angesprochen wird:
    http://uebermedien.de/8319/journalisten-hoeren-stimmen-im-zschaepe-prozess/
    Der Kasseler Mord ist und bleibt der GAU im NSU-Prozess, das kann man von links ebenso gut sehen wie von rechts. Es ist völlig unnötig, sich für eine Sichtweise zu entscheiden.

  6. Temme selber hat doch angegeben, nach beendetem Sex-Chat vor dem Schreibtisch vergeblich auf Yozgat „gewartet“ zu haben (und implizit somit dessen sterbenden / toten Körper dahinter „übersehen“). Auch das von Yozgats Vater gefundene Geldstück auf dem Schreibtisch will Temme doch gemäß seiner eigenen Darstellung höchstpersönlich dort hingelegt haben? Ob er selbst schoss oder „nur“ (in der Plastiktüte mit dem schweren Gegenstand) die Tatwaffe transportierte oder „nur“ einen angekündigten Mord beobachten wollte, ändert nichts an seiner (Mit-)Täterschaft bzw. Mitwisserschaft – Zschäpe und Wohlleben werden schließlich auch keine eigenhändigen Schüsse vorgeworfen und dennoch droht ihnen lebenslänglich.

    „Temme ist ein Bauernopfer“ – Mit Temme wird evtl. ein Spiel gespielt, aber eines, bei dem (bzw. bei denen) er freiwillig mitmacht und nicht annähernd solche Beschwernisse (Haftdauer) tragen muss wie z.B. Zschäpe und Wohlleben. Selbst bei deren Verhalten drängt sich vorrangig eher der Gedanke an heimliche Absprachen auf als der Gedanke an einen „Opfer“-Status (i.S.v. nicht eingeweihten unfreiwilligen Sündenböcken). Obwohl jahrelange U-Haft (selbst als ggf. vereinbarter Teil eines Deals) gewiss als hartes „Opfer“ gelten muss.

    Zschäpe und Wohlleben als ehemalige V-Leute – das ist eine starke, aber noch nicht eindeutig bewiesene Vermutung. Temme hingegen war und ist Beamter ohne jegliche disziplinarische Beeinträchtigung, aber mit voll verlässlichem, inzwischen 10-jährigen Schutz seines obersten Dienstherrn vom Anfang an bis heute.
    Alle drei wurden ab dem 4.11.11 (wieder) in Geschichten hineingezogen, die innenpolitisch und medial eigentlich längst gegessen waren.
    Drehbuch sowie die aufwändige „Bühnen“-Ausstaffierung in Wohnwagen und Wohnung mit überreichlichen „Beweisen“ können nur Behörden arrangiert haben, für die die beiden toten Uwes bestimmt nicht der Anlass, sondern nur ein (allerdings wichtiges) Bühnen-Element waren. Der Anlass dürfte höchstwahrscheinlich im außen- bzw. geopolitischen Bereich zu suchen sein und ist jedenfalls in einem mehrschichtigen Narrativ gut versteckt.

    Das alles ändert aber nichts daran, dass Halit Yozgat tot ist und sein(e) Mörder in Freiheit. Und dass an diesem letzten Ceska-Tatort der „Staat“ selber (d.h. Temme, protegiert durch Bouffier) in der Rolle des (Mit-)Taterdächtigen steckt. Wer nicht Richter Götzl auf den Leim gehen will, der nach anfänglichem Pseudo-Ermittlungseifer den einzigen dringend Tatverdächtigen für entlastet erklärt – [1], der sollte sich nicht blenden lassen, von den unzweifelhaft vorhandenen vielfältigen Verschleierungs- und Ablenkungsfunktionen des Andreas Temme. Unser Staat deckt höchstwahrscheinlich Mörder – inwieweit „er selbst“ mitgemordet hat, ist die zweite Frage, die bestimmt nicht gegenstandslos wird, bloß weil die erste zu bejahen ist.

    [1] http://friedensblick.de/21656/richter-goetzl-glaubt-ex-geheimdienstler-temme-entbloesst-nsu-schauprozess/

  7. „(…) Stützt These, Temme benutzt fremde Münze um unbedingt zu dem Zeitpunkt Anwesenheit zu simulieren.“ (roger 14.10.)

    Das Nicht-Auffinden von Fingerabdrücken auf den gefundenen Münzen kann auf Abwesenheit einer Person hindeuten, jedoch genauso gut auf Handschuhe des Zahlers oder gar das behördliche Nicht-Suchen nach Fingerabdrücken etc.

    Wie nutzt aber ein Abwesender eine „fremde Münze“, um seine Anwesenheit zu „simulieren“? Dafür bräuchte er doch zumindest einen ferngesteuerten Roboter oder – unauffälliger und leichter machbar – einen anwesenden Komplizen.

    Dann bräuchten wir nur noch einen Namen für letzteren, um diese Anwesenheits-Simulierungs-These als einigermaßen diskussionswürdig betrachten zu können. Bis dahin kann man getrost davon ausgehen, dass Temme selber vor Ort war und sich nicht durch den großen Unbekannten vertreten ließ. Er selber versteckt sich jedenfalls nicht hinter Kumpanen und bestreitet nicht seine Anwesenheit. Er will bloß ein paar Sekunden zu früh gegangen sein und dadurch die Brisanz der Situation und des Sich-Melden-Müssens verkannt haben.

    Götzl – ganz in der Rolle des „Staatsschutz“-Senats-Richters – glaubt an Temmes Unschuld nun letztlich doch, trotz der von ihm argwöhnisch bemerkten Lücken und Lügen in mehreren Befragungen. Auch die bleibenden Zweifel eines Clemens Binninger hinsichtlich Temme jucken einen Manfred Götzl nicht mehr (falls überhaupt jemals).

    Um Binningers Zweifel hinsichtlich 26 Tatorten ohne (DNA-)Spuren der von vornherein als schuldig geltenden Uwes „kümmern“ sich hingegen aktuell die Regisseure der ge- bzw. er-fundenen Peggy-Böhnhardt-DNA. Lektion für ihn (und für uns alle, jedenfalls für den „NSU“-Prozess): DNA ist nicht so wichtig, mal fehlt sie fälschlicherweise, mal ist sie fälschlicherweise vorhanden.

    Aber wenn man bei den Uwes auf so was an 26 Tatorten verzichten kann, warum sollen dann Temmes Fingerabdrücke an dem einen Tatort auf einmal so wichtig sein?

    1. @bekir

      Du musst schon die Fakten in eine eigene Logik bringen.
      Welche bietest du an?

      Fakt ist, das zuerst kein Zeuge Temme (um die 1.93 cm) gesehen hat! Keiner! Erstprotokolle temmefrei!
      Fakt ist, das dann nur der Kiffer später einen Temme nachreicht. Nur er. Seine Aussagen sind auch in anderen Punkten sehr variantenreich.
      Der kleine Türke nicht! Bei dem hätte es aber dunkel werden müssen, wenn Temme sich davor setzt.
      Keine Fingerabdrücke am Computer von ihm, trotz chatten.
      Keine Fingerabdrücke von ihm auf dem Geldstück.
      Nicht mal sein Auto wurde durch Zeugen bestätigt, die vor dem Tatort waren.

      Da ist er jetzt mehrheitlich nicht dagewesen, als da.
      Keinesfalls aber so, wie erzählt!!!

      Das Geldstück braucht keinen Komplizen.
      Er behauptet einfach eines der rumliegenden wahr seins. Es lagen ja mehrere auf dem Tisch. Plausibel, denn die drinnen haben damit bezahlt. Schau mal in die Protokolle.

      Stell dir mal die Frage, warum Temme das mit dem Geldstück erzählen soll?
      Für ihn nur Nachteile, denn damit muss er das Opfer gesehen haben. Das Geldstück gibt er also nur zu, wenn es ihm vorgehalten wird. Nur rauslaufen ist deutlich die entspanntere Variante für ihn.
      Er drängelt sich mir der Nummer aber regelrecht auf.
      Für einen Geheimdienstler darf man da schon Absicht unterstellen.

      1. Keine Fingerabdrücke am Computer von ihm, trotz chatten.
        Keine Fingerabdrücke von ihm auf dem Geldstück.

        Diese Aussagen basieren nicht auf den veröffentlichten Ermittlungsakten. Wo steht, dass die Tastatur des Computers von Temme und das Geldstück auf dem Tresen nach Fingerabdrücken untersucht wurden? Die Frage nach der Spurensicherung ist relevant, was überhaupt untersucht wurde. Fest steht, dass dort, wo gesucht wurde, nicht seine Fingerabdrücke waren.

        1. „Fest steht, dass dort, wo gesucht wurde, nicht seine Fingerabdrücke waren.“

          Deine Logik heißt, B@M waren an 27 Tatorten, ihre DNA ist dort, wo NICHT gesucht wurde … 😉
          Justiere dich mal neu Georg.

          Die Spurensicherung kann keine Fingerabdrücke am Computer und dem Geldstück nachweisen. Dann gilt, es gibt keinen Nachweis für einen Bezug der Gegenstände zu Temme.

          1. Ich sagte nicht, dass ich das nicht seltsam finde. Den fehlenden Fingerabdrücken müsste mal der hessische oder Bundestags-Ausschuss nachgehen und Ermittler fragen: „Wo habt ihr denn nach Fingerabdrücken und DNA gesucht und warum dort nicht?“ Beispielsweise fände ich die Münze schon ein wichtiges Beweisstück, dass untersucht hätte werden müssen. Wenn dort nicht Temme gewesen wäre, dann wäre das für seine Version ein Schlag gewesen.

  8. „Nur rauslaufen ist deutlich die entspanntere Variante für ihn.“

    „Entspannter“ aber nur, wenn man den Fokus ausschließlich auf die „(Nicht-)Leichenschau“ legt. Und damit vernachlässigt: Wer entspannt und ahnungslos das Café verlassen haben will, der kann dies nicht als Zechpreller gemacht haben, sondern muss auf den Kassierer gewartet oder ihn gesucht haben. Das Geldstück war schließlich keine milde Gabe und sein Fortgehen kein Feueralarm.

    Man brauchte ihm das Geldstück also nicht „vorhalten“, denn der Zahlwunsch (nicht die Münze) war Ursache seines Wartens – die Münze brauchte er von sich aus als Begründung, wie er dann sein Warten / Suchen beendete, ohne Yozgat gesehen zu haben.

    Konnte er (als angeblich Abwesender) im ersten polizeilichen Verhör überhaupt wissen, dass da eine / mehrere Münzen lagen?
    Ein vernünftiger Verhör-Beamter würde ihm das nicht „vorhalten“, sondern ihn erst mal plaudern lassen, ob und wie er beim Weggehen als biederer Bürger denn seinen „Zahlwunsch verwirklicht“ hat.

    „Fakt ist, das dann nur der Kiffer später einen Temme nachreicht“
    Wie soll der Kiffer das gemacht haben? Kannte er Temme und seine Sexchat-Neigung? Und vielleicht noch Handy-Nummer und Passwort, denn irgendwer hat ja um den Mordzeitpunkt herum sich mit Temmes Daten eingeloggt?

    Oder müssen wir von der ganz großen Verschwörung ausgehen: Hatte die Polizei gar nicht so wacker gesetzestreu gegen den Geheimdienstler ermittelt, sondern selber den Account (im wahrsten Sinne des Wortes) „getürkt“, um einen Verhaftungsgrund fingieren zu können? Wurde die Polizei gar nicht von Bouffier (zugunsten der Schlapphüte) ausgebremst, sondern hat dies einvernehmlich nur als Rolle in voller Kenntnis des Drehbuches übernommen und heuchlerisch mit-inszeniert?

    Wer so weit geht, geht aber an die Geschäftsgrundlage der Fatalisten-Gruppe: Wer soll dann den Aktenbergen noch glauben schenken? Welche Akte wurde dann noch von einem ahnungslos-wackeren Beamten geführt und welche von einem eingeweihten Drehbuch-Assistenten frisiert, der damit nur den (ahnungslosen?) fatalisten mit roten Heringen füttern will?

    1. „Wie soll der Kiffer das gemacht haben?“

      Ich nehme das nur als Beispiel, das du nicht im Stoff stehst. Deine Ausführungen sind eine nette Plauderei, aber keine Analyse von Quellen für Schlussfolgerungen.
      Der Kiffer hat in einer späteren Vernehmung den Kunden „nachgereicht“ und beschrieben. Er ist ihm wieder eingefallen. Das hat nichts mit Namen oder Sexchat von Temme zu tun. Das brachten dann im Weiteren die Ermittlungen.

      Alleine das ist aber schon fragwürdig.
      Konsultiere mal einen Ermittler. Es ist 1×1 der Ermittler, die Browserverläufe der sieben Computer selbstverständlich sofort zu überprüfen. Saß jemand zur fraglichen Zeit am Platz oder nicht. Dafür brauchst du den Computer nur anmachen und den Browserverlauf checken.

      Für alle sieben höchstens 30 Minuten für Erstcheck.
      Benutzung zur Tatzeit wäre sofort auf den Tisch gekommen, anschließend Besuch beim Anbieter.
      Fand nicht statt.
      Dann war da auch kein Chat drauf.

      Angeblich brauchte man den Kiffer als Informant, um auf die Idee zu kommen in den Computer zu schauen.
      Das glaubst du?

  9. Mit deiner (nicht meiner) Formulierung „einen Temme nachgereicht“ erhält der Kiffer grundlos eine aktivere Rolle als die Polizei, um deren Drehbuch es aber wohl geht, wenn man die Polizei nicht als ahnungslos-missbrauchtes Opfer der Schlapphüte und deren Drehbuch betrachten will.

    Die ganz große Verschwörung (mit einer aktiv mitwirkenden Polizei) habe ich gerade eben nicht ausgeschlossen, sondern nur auf die logische Denk-Folge einer solchen Variante verwiesen: Eine „Analyse von Quellen“ (insbesondere auch „geleakter Akten“) ist dann nämlich nur noch eingeschränkt möglich.

    Denn eine Gruppierung, die sozusagen sämtliche Vollmachten hat, ein kriminelles Drehbuch abzuarbeiten und eine Show aufzuführen, wird kaum darauf verzichten, zugehörige Akten zu filtern und zu fälschen. Und manchmal komplett zu erfinden, vielleicht auch nachträglich.
    Welche „Quellen“ sind dann noch unseres Vertrauens und einer eingehenden inhaltlichen Analyse würdig?

    Hat man Temmes Log-in nun ge- oder er-funden? Warum gibt er seine Anwesenheit zu, wenn „die Quellen“ angeblich dagegen sprechen und für eine für ihn „entspanntere Variante“? Warum soll das Fehlen seiner Spuren an diesem einen Tatort seine Abwesenheit belegen, bei den Uwes aber die fehlenden Spuren an über zwei Dutzend Tatorten völlig bedeutungslos sein?

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