Rekonstruktion des NSU-Mordes an Halit Yozgat

Am 6. April 2006 fand in Kassel das letzte Attentat mit einer Schusswaffe der Marke „Ceska“ statt, das Mordopfer war Halit Yozgat. Zuvor wurden ab dem Jahr 2000 ein griechisch-stämmiger und sieben türkisch-stämmige Menschen erschossen. Da die Mordserie mit diesem Mord aufhörte, spekulierten Kriminalisten, dass die Ermittler dem Täter bzw. Täterkreis zu nahe kamen. In der Tat wurde eine Person festgenommen, die „die erste heiße Spur in dieser Serie überhaupt“ war (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6). Es war ein Verfassungsschützer. Der Spiegel und die sueddeutsche meinen, er wäre nur „am falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen“. Doch wie kommen solche Freisprüche zustande, wenn die zeitlichen Umstände unterschiedlich dargestellt werden, die Aussage eines wichtigen Zeugen ignoriert, überhaupt ein Informations-Chaos besteht?

06. April 2006

13 Uhr, 6 Minuten

Der hessische Verfassungsschützer Temme führt „mit seinem Diensthandy ein 17 Sekunden dauerndes Gespräch mit einer in Kassel registrierten Festnetznummer (…). Angemeldet war dieser Anschluss auf die Wohnung des V-Manns „GP 389“. Der Kasseler Neonazi mit Verbindung zum Blood & Honour Netzwerk wird von Temme seit November 2003 als Verfassungsschutz-Informant (V-Mann) geführt. (Freitag)

16 Uhr, 11 Minuten

„GP 389“ ruft um 16.11 Uhr die Kasseler Außenstelle des hessischen Landesverfassungsschutzes (LfV) an. „Sein Gesprächspartner dort dürfte sein Verbindungsführer Temme gewesen sein.“ (ebd.)

16 Uhr, 23 Minuten

„Andreas T. verlässt früh die Kasseler Außenstelle des hessischen Verfassungsschutzes, laut Stempeluhr um 16.43 Uhr.“ (welt)

16 Uhr, 50 Minuten, 56 Sekunden

Andreas Temme loggt sich in dem Internetcafe von Yozgat ein – als „wildman70“ in die Kontaktbörse iLove.de. (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40).

„Von seinem Platz hatte er durch die offenen Türen  einen Ausschnitt des Eingangsbereichs sehen können.“(ebd, S. 41)

Laut spiegel befänden sich 5 Zeugen im Internetcafe: Eine Frau mit ihrem Kind, zwei 14- und 16 jährige männliche Jugendliche und eine Person in der Telefonkabine (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40). Spiegel-Online rekonstruierte die räumliche Begebenheit und positionierte Andreas Temme (Platz 2):

Quelle: Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40

Ahmed A. ist über einen unbekannten Gast im Cafe verwundert und gibt später im Polizeiprotokoll an:

„Diese Person [wäre] ca. 10-15 Minuten am PC gesessen und dort auch aktiv gewesen. Er habe sich noch gewundert, weil man für 50 Cent ja eine halbe Stunde am PC arbeiten kann.

Der Zeuge erwähnte auch eine Tüte, die der T. in der Hand gehabt haben soll. Er sagte noch, dass er diese Tüte bemerkt habe, als der Mann das Internet Cafe betrat. Wo er sie hingestellt hat, konnte er nicht sagen. Ob der Mann die Tüte beim Gehen wieder mitgenommen hat, konnte er auch nicht sagen.“ (daseerste, panorama)

Die Zeit schreibt, dass dieser Zeuge Temme weiter schwer belastet: Erst nachdem Temme seinen Computer verließ, hörte der Zeuge ein „dumpfes Geräusch“.

„Ein Zeuge hatte kurz vor dem Mord einen Mann in den Computerraum hineinkommen sehen, mit einer Plastiktüte in der Hand, in der ein schwerer Gegenstand den Boden durchdrückte. Für wenige Minuten saß dieser Mann an einem Computer, dann verschwand er aus dem Blickfeld des Zeugen. Kurz darauf hörte der Zeuge ein dumpfes Geräusch, als sei etwas umgefallen. (…)

Den Mord hatte niemand gesehen, aber alle hatten das dumpfe Geräusch gehört, das der erste Zeuge beschrieb. Nur T. hörte nichts.“(Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Kurz vor 17.01, 2 Sekunden

Laut Darstellung des zdf steht Andreas T. „kurz vor dem Mord“ auf und …

„… will am Tresen bezahlen, doch der Internetbetreiber Yozgat ist nicht da. T. geht vor die Tür, um ihn zu suchen. Jetzt fallen zwei Schüsse – so die Aussage von Hamadi S., der zur selben Zeit im Internetcafé telefoniert. Andreas T. geht zurück ins Internetcafé, findet den Betreiber aber immer noch nicht. Er legt eine Münze auf den Tresen und geht, so seine Aussage.“ (zdf)

Diese zdf-Darstellung wird von der Kasseler Stadträtin Esther Haß gestützt:

„Soviel ich weiß ist der Verfassungsschutzmann zwar vorher angeblich rausgegangen, aber sein Computer lief beispielsweise noch“(youtube, zeitindex 5.00)

Kurz vor 17.01, 2 Sekunden Uhr

Der Iraker Faiz H. hielt sich in unmittelbarer Nähe des Mordes auf:

Kurz bevor Faiz H. um 17:01 Uhr und zwei Sekunden sein Telefongespräch beendete, hört er neben sich Knallgeräusche. Er steht mit dem Rücken zur Glastür seiner Telefonkabine. Vermutlich in diesem Moment erschießen die NSU-Terroristen ihr Opfer Halit Yozgat mit einer schall-gedämpften Ceska, über die zusätzlich eine Plastiktüte gestülpt ist – so die Rekonstruktion der Polizei.“ (ebd, S. 40)

„Ein Poster an der Glastür der Telefonkabine versperrte dem irakischen Zeugen den Blick auf den Tatort. Kurz darauf sah er durch einen Spalt einen „kräftigen Mann, etwa 180 cm groß, mit heller Kleidung“, der zum Tisch geschaut habe und in Eile gewesen sei.“ (ebd, S. 41)

Am gleichen Tag wäre ein Herr „Sh.“ verhaftet worden, der „zur Tatzeit am Tatort in einer der Telefonzellen im linken Bereich“ sich aufhielt (nsu-watch).

Es wird ein „Mann südländischen Typs“ beobachtet, der „zur Tatzeit vom Internetcafé quer über die vielbefahrene Holländische Straße in Richtung Kasseler Hauptfriedhof gelaufen sein“ soll (Spiegel). Laut der Welt hätte diese Person dunkle Haare gehabt (welt).

Der sterbende Mensch liegt hinter der Theke, die polizeiliche Tatortskizze:

Halit Yozgat wird durch zwei Kopfschüsse mit einer schallgedämpften Ceska erschossen.

„Nur T. hörte nichts. Die Computerdaten belegen, dass er bis 17.01 Uhr im Netz surfte. Zu diesem Zeitpunkt war Yozgat aber, das schloss die Polizei aus den Zeugenaussagen, wahrscheinlich bereits tot. “ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Ein Zeuge beschreibt die beiden Schussgeräusche als „wie wenn ein Luftballon explodiert“ (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40).

17 Uhr, 1 Minute, 40 Sekunden

„Andreas Temme loggt sich am Terminal 2 aus.“ (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 40)

Kann es sein, dass Yozgat Temme noch ausloggen konnte, bevor er erschossen wurde? Auch die 50 Cent auf seiner Theke würden dafür sprechen.

Die „Zeit“ vertritt jedoch den Standpunkt, dass Yozgat zu diesem Zeitpunkt bereits tot war:

„Die Computerdaten belegen, dass er bis 17.01 Uhr im Netz surfte. Zu diesem Zeitpunkt war Yozgat aber (…) wahrscheinlich bereits tot. (…) Er habe Yozgat gesucht, um zu bezahlen, ihn aber nicht gefunden. Also habe er 50 Cent auf die Theke gelegt und sei gegangen. Gesehen habe er nichts.“ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Auch die Welt beschreibt dies so:

Er findet Yozgat im Cafe nicht, sucht ihn daher auf der Straße, findet ihn dort auch nicht, Temme kehrt zurück ins Cafe, legt eine Münze auf den Tisch und verlässt das Cafe. Jedoch merkt die Welt kritisch an, dass Temme …

„(…) beim Verlassen des Lokals mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den niedergestreckten Besitzer Halit Yozgat registriert haben [müsste].“

In diesem Polizeifoto sieht man die niedrige Theke an der Temme (190 cm groß) seitlich vorbei-gelaufen ist. Er hätte den dahinter liegenden Menschen also leicht sehen können.

17 Uhr, 2 Minuten, 45 Sekunden

“… will er [Andreas Temme] das Café erneut verlassen haben und in seinen Mercedes eingestiegen sein. Das muss, so die Analyse der Polizei, spätestens 15 Sekunden vor 17.03 Uhr gewesen sein.” (welt)

vor 17 Uhr, 3 Minuten, 26 Sekunden

Laut „panorama“ hätte Hamadi S.„um 17:03:26 Uhr sein Telefonat“ beendet. (panorama)

Laut zdf hätte Hamadi S. während seines Telefonates die Schüsse gehört, hätte jedoch weitertelefoniert (zdf). Genau in dieser Zeit wäre Temme auf der Straße vor dem Internetcafe gewesen.

„Jetzt fallen zwei Schüsse. So die Aussage von Hamadi S., der zur selben Zeit im Internetcafe telefoniert. Andreas T. geht zurück zum Internetcafe, findet den Betreiber aber immer noch nicht. Er legt eine Münze auf den Thresen und geht.“

„Kurz darauf“ beendet Hamadi S. das Gespräch und findet mit Yozgats Vater den sterbenden Menschen (zdf).

Panorama schreibt davon abweichend, dass Hamadi S. zwar „in einer Telefonkabine nur wenige Meter neben der Ladentheke, hinter der Halit Yozgat erschossen wurde“ telefonierte, aber wie Temme nichts gehört, auch nichts gesehen hätte!

„Es könnte aber auch daran liegen, dass er [Temme] ganz einfach nichts gehört und nichts gesehen hat – so wie es anderen Zeugen auch ergangen ist. Etwa Hamadi S.: Der telefonierte in einer Telefonkabine nur wenige Meter neben der Ladentheke, hinter der Halit Yozgat erschossen wurde. (…)

Als S. um 17:03:26 Uhr sein Telefonat beendete und aus der Telefonkabine trat, ging er in Richtung Theke um zu zahlen. Dort sei aber niemand gewesen. Als er den Betreiber auch in dem anderen Raum des Internetcafés nicht fand, ging er zurück und wartete etwa eine Minute. Dass Yozgat nicht weit von ihm blutend hinter seiner Ladentheke lag, bemerkte er nicht. Erst der Vater Yozgats fand seinen Sohn.“ (daseerste, panorama)

17 Uhr, 3 Minuten, 26 Sekunden

Laut welt.de hätte um diese Uhrzeit der Vater seinen verblutenden Sohn gefunden.

„26 Sekunden nach 17.03 Uhr findet Vater Yozgat seinen toten Sohn.“ (welt)

Schlussfolgerungen

Ist Hamadi S. identisch mit Faiz H.? Wenn nein, dann ist die Frage, warum ein zweiter telefonierender Zeugen bisher nicht bekannt war! Interessanterweise wurden in der Tatortskizze (siehe oben) drei Telefonkabinen fett markiert. Haben wir es sogar mit drei Telefonierenden zu tun? Falls ja, dann hätten die beiden „Telefonierenden“ in Kabine 1 und 5  die ideale Position gehabt, um Yozgat zu beobachten und bei günstiger Gelegenheit anzugreifen. Tatsächlich berichtete die Welt am 30.04.2006, dass es drei Telefonierende gab:

„Die drei Gäste, die zu diesem Zeitpunkt in Nischen des Cafés telefonierten, wollen nur einen dumpfen Knall gehört haben.“ (welt)

Es waren 7 Personen (ohne Yozgat, Temme) im Internetcafe?

Die Frau mit ihrem Kind, zwei Jugendliche und drei Personen in den Telefonkabinen. Dagegen behauptet der NSU-Untersuchungsbericht, dass 5 Personen anwesend gewesen wären:

„Die Ermittlungen ergaben, dass sich zur Tatzeit bzw. zum Zeitpunkt des Auffindens des Opfers durch den Vater İsmail Yozgat fünf Personen in dem Internet Café befanden, die als Zeugen in Frage kommen.“ S. 498

Im Buch „die Zelle“, S. 203, elektronische Ausgabe, wiederrum steht:

„Sechs Kunden befinden sich im Laden.“

Spekulation

Mal angenommen, die drei Telefonierenden wären identisch, es gäbe also tatsächlich nur einen einzigen Telefonierenden, dann ergäben sich folgende Schlussfolgerungen:

1. Es herrscht Unklarheit, wann der telefonierende Zeuge sein Telefonat beendete – entweder um 17:01 oder um 17:03. „Kurz davor“ wären die Schüsse gefallen. Damit geht die wichtige Frage einher, ob sich Temme vor oder nach den Schüssen vom Internet ausloggte.

2. Falls der Telefonierende bis 17:03 telefonierte, dann hörte er die Schüsse nachdem Temme sich ausloggte oder ausgeloggt wurde. Dann wäre das Alibi des Andreas T. widerlegt, er wäre während des Mordes bis 17:02 im Internet eingeloggt gewesen.

3. Panorama machte einen schwerwiegenden Fehler, als es behauptete, dass dieser telefonierende Zeuge „nichts gehört“ habe. Laut Darstellung aller anderen Medien hörte der Zeuge die Schüsse.

4. Es dürfte kein Problem sein, die Telefonverbindungen der Kabine nachzuvollziehen. Warum herrscht diese Unklarheit?

Polizeiliche Klarstellung

Durch die Vernehmung eines Polizisten im Rahmen des Zschäpe-Prozesses wurde klar, dass insgesamt 6 Zeugen kurz vor oder nach dem Mord anwesend waren:

Temme, 2 jugendliche Internet-Surfer, 2 Telefonierende und eine Person, die wohl kurz nach dem Mord in den Laden kam.

„Er berichtet, dass sechs Zeugen während der Tat im Internetcafé gewesen seien, zwei hätten im Internetbereich gesurft, zwei im Telefonbereich telefoniert (…) und dann sei ein weiterer Kunde herein gekommen und habe gefragt, ob noch jemand da sei.“ (nsu-watch)

Weiter wird klargestellt, dass die genaue Zeitpunkt des Mordes weiter unklar ist.

„Die Tatzeit sei einigermaßen einzuschränken gewesen, ein irakischer Zeuge habe von 16.54 bis 17.03 Uhr telefoniert, also sei vor 16.54 Uhr noch alles in Ordnung gewesen. Als der Zeuge um 17.03 Uhr seine Telefonzelle verlassen habe, sei die Tat schon begangen gewesen.“ (ebd)

17 Uhr und „einige Minuten“

Laut dem Spiegel hätte der Vater seinen Sohn „einige Minuten“ nach 17 Uhr gefunden:

„Einige Minuten später kommt Ismail Yozgat, der Vater des Opfers, in den Laden. „Mein Sohn! Mein Sohn“!, ruft er, als er Halit hinter dem Schreibtisch entdeckt. ((Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 41)

„Als İsmail Yozgat seinen Sohn hinter der Theke liegen sah, ging er zu ihm und sah Blut im Bereich beider Ohren. Daraufhin schrie er laut, so dass ein 17jähriger Jordanier, der im Nebenraum an einem Internetrechner surfte, zur Hilfe kam.

Während der jordanische Staatsangehörige Erste- Hilfe-Maßnahmen durchführte, versuchte der İsmail Yozgat zunächst, vom Café aus den Notruf zu erreichen und lief dann in eine benachbarte Teestube, von wo aus dann angerufen wurde.“ NSU-Abschlussbericht, S. 497

Die Zeugen konnten noch am Tattag befragt werden (Freitag). Andreas Temme meldet sich nicht auf den Fahndungsaufruf. Durch eine Zeugenaussage wäre die Polizei überhaupt erst auf ihn gekommen, sagt der NSU-Ausschuss des Bundestages.

„Nachdem ein Zeuge in seiner zweiten Vernehmung am 12. April 2006 von einer weiteren Person berichtete, die sich am Tatort aufgehalten hatte, konnte diese am 19. April 2006 durch eine Anschlussermittlung beim Anbieter der von 16.51 Uhr bis 17.01 Uhr besuchten Flirt-Internetseite als Andreas Temme identifiziert werden.“ (NSU-Abschlussbericht, S. 624)

17 Uhr, 5 Minuten

„Gegen 17.05 Uhr fand der Vater des Opfers den Sohn blutüberströmt unter der Theke.“ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Der Vater sah erst Blutstropfen am Tresen, er trat näher heran und sah ihn dahinter liegen:

„Ich habe den Wagen geparkt, bin reingegangen. Kein Halit. Ich rief: „Halit, wo bist du, sitzt du grad selbst an einem der Computer?“ Mein Blick richtete sich auf das Pult am Eingang, dort, wo die Kunden bezahlen. Ich sah drei kleine rote Tropfen darauf. Ein, zwei, drei kleine rote Tropfen, akkurat nebeneinander. Ich ging näher an das Pult heran. Wieder rief ich: „Halit, was machst du denn hier mit der roten Farbe?“ Da sah ich ihn. Er lag dahinter, auf dem Boden. (Zeit)

Die Geldmünze zeigt ein 20 Cent Stück, nicht 50 Cent. Temme hätte jedoch ein 50-Cent Münze auf den Tisch gelegt! Dahinter ist jedoch eine weitere Geldmünze zu sehen! Könnte sie Temmes 50 Cent Stück sein? Dann könnten die 20 Cent das Wechselgeld sein, welches Temme vom noch lebendigen Yozgat herausgeben wurde. Eine halbe Stunde kostete 50 Cent. Da Temme nur 15 Minuten blieb, hätte er aber 25 Cent zurückbekommen müssen.

17 Uhr, 20 Minuten

Ein Informant aus der Islamisten-Szene ruft Temme an. (Freitag)

4 Tage später

 „Laut Kalender war T. (…) mit seinem V-Mann [GP 389] zu einem Treffen verabredet.“ (ebd.)

Etwa 2 Wochen später und die nachfolgenden Wochen

Der Unbekannte kann schließlich ausfindig gemacht werden. Es ist der Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme (Spiegel, Ausgabe 36/2012, S. 42). Er wird kurzzeitig wegen Tatverdacht festgenommen. Jedoch kann der Tatverdacht nicht erhärtet werden, obwohl sich Temme in Widersprüche verstrickt:

„Der Beamte bestritt zunächst, zur fraglichen Zeit überhaupt am Tatort gewesen zu sein. Er habe den Internetladen einen Tag vor dem Mord besucht. Schließlich musste er sich korrigieren, bestand aber darauf, den Laden verlassen zu haben, bevor die Schüsse fielen.

Die Fahnder stutzten: Wenn T.s Version stimmt, hätten die Mörder maximal 41 Sekunden Zeit gehabt. Die Kripo-Spezialisten hielten dies zwar für möglich, aber äußerst unwahrscheinlich.“ (ebd., S. 41)

„Hoffmann und seinen Kollegen blieb schleierhaft, wie der über 1,90 Meter große T. in dem kleinen Café die Leiche nicht gesehen haben will, er habe ja schließlich den Laden abgesucht. Zudem war die Thekenoberfläche voller Blutspritzer.“ (Die Zeit, 05.07.12, Nr. 28, Seite 6)

Unbekannter Zeitraum nach dem Tod Yozgats

Laut eines Spiegel-Berichts am 22.08.2011 gab es …

„Festnahmen, doch die Verdächtigen musste man wieder laufen lassen, und sie verschwanden Stunden später aus Deutschland, Richtung Schweiz und Türkei.“ (Spiegel, 34/2011, S. 32)

Behinderung der Aufklärung

Der Polizei werden weder die dienstliche Erklärung Temmes zu den Mordvorwürfen übergeben, noch seine Sicherheitsüberprüfung, noch die Identitäten der „V-Leute, mit denen T. am Tattag gesprochen haben wollte, gab das hessische LfV […] preis (…).“ Laut des Sonderkommission-Chefs Gerald Hoffmann habe es „von Beginn an kein Interesse an sachfördernder Kooperation“bestanden.

„Rückendeckung erhielt das LfV vom damaligen Innenminister, dem heutigen Regierungschef Volker Bouffier.“(Quelle: ebd )

Die damalige Vorgesetzte beim Verfassungsschutz trifft Temmes konspirativ. Es fand nicht im Dienstgebäude statt, sondern in einem Vieraugengespräch an einer Autobahnraststätte. „Die Polizei beobachtet das konspirative Treffen der beiden Verfassungsschützer.“ (Quelle: ebd, S. 43)

Monate später

Die Ermordung von Halit Yozgat ist der einzige „Ceska-Mord“ „bei dem es zwischenzeitlich einen Tatverdächtigten gibt“ (Quelle: stern). Trotzdem kann  sie nicht aufgeklärt werden, doch hören die „Ceska-Morde“ auf.

2008

Andreas Temme wird entlastet, jedoch bleiben Restzweifel bei den Ermittlern.

„Die Ermittler kamen laut Bericht der Kasseler Staatsanwaltschaft 2008 zu dem Fazit, „dass T. und sein persönliches Umfeld mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit … nicht an einer oder mehreren zur Serie zuzuordnenden Tötungsdelikte beteiligt waren“. Allerdings räumten die Fahnder schon damals „geringe Restzweifel“ an T.s Unschuld ein.“ (Quelle: Freitag)

2006-bis dato

Es ist ungeklärt, was die offenbar existierenden Überwachungskameras in Yozgats Cafe aufzeichneten. Mit den Aufnahmen dürfte es kein Problem sein, die verfahrene Beweislage zu klären. Das zdf zeigte folgendes Bild:

(Foto aus zdf-doku)

24 Gedanken zu „Rekonstruktion des NSU-Mordes an Halit Yozgat“

  1. Das Rätsel ist doch einfach zu lösen.

    Der Verfassungsschützer hat an dem Tag mit einem V-Mann mit sehr engen Bezug zum „Freien Widerstand Kassel“ telefoniert. Die Gruppe hatte Verbindungen zur Band „Kommando Freissler“ in Kassel, die von Thorsten H. produziert worden ist. Somit erklärt sich der Bezug zum NSU-Netzwerk.

    Der Verfassungschützer wird wohl kaum im Netz gesurft haben mit Merkmalen, die seine Identität preisgeben könnten, wenn er von einem Mord gewußt hätte. Wahrscheinlich hatte er von seinem V-Mann den Hinweis erhalten, dass zum fraglichen Zeitpunkt eine Aktion in dem Cafe kaufen sollte und wollte sich das mal anschauen. Als er dann mitbekam, was für eine Aktion das war, hat er sich schleunigst verpisst. Er war ohnehin ein zu kleines Licht, um davon informiert zu sein. Das war ein Unfall.

    Übrigrens hatte ein Mitglied des Freien Widerstand Kassel nach der Aufdeckung der Mordserie einen rosaroten Panther auf seiner Facebook-Seite.

  2. Nun, die Polizei hat offensichtlich jede Glaubwuerdigkeit verloren – man denke an die vernichteten NSU Akten durch den Verfassungsschutz, Observationsfotos, abgeblasene Zugriffe und jede Menge V-Leute.
    Darum sollte man jegliche polizeilichen Aussage als eine Mischung aus Luege und Wahrheit betrachten, die den Zweck einer gezielten psychologischen Manipulation hat.

    Temme hat sich vielleicht die potentiellen Zeugen und deren Plazierung angesehen, als er durch das Internetcafe an seinen Platz ging. Er beobachtete den Eingang um zu schauen, ob vielleicht noch jemand kommt.

    An der Theke hat er dem Opfer vielleicht einfach nur eine Frage gestellt, um dessen Aufmerksamkeit auf den Computer zu lenken. So sah das Opfer nicht, als eine Pistole auf ihn gerichtet wurde. Es ging alles sehr schnell. Das Opfer hatte noch nicht einmal eine Schrecksekunde, um zu schreien.

    Temmes Verhalten bei der Bezahlung wirkt eher so, als wolle er sich ein Alibi verschaffen.
    Schade, dass er der Oeffentlichkeit nicht mitgeteilt hat, aus welchem Grund er dachte, der Inhaber haette sein Geschaeft einfach verlassen und sich auf die Strasse
    begeben – als ob die Strasse der wahrscheinlichste Ort sei, den Inhaber zu finden.

    Leider war es unter seiner Wuerde, einfach einen anderen Gast im Internetcafe zu fragen, ob er/sie wisse, wo er den Inhaber finden koenne.
    Vielleicht wollte er nicht, dass man ihm hilft und den Inhaber sucht – und findet.

    Die Kontaktanzeigen haette er auch bei der Arbeit im Buero begutachten koennen. Die Kollegen haetten es bestimmt verstanden, wenn er gelegentlich nach einer Spur im Rotlichtmilieu schaute.

    Wenn Temme ueber dieses Internetcafe und dessen Inhaber weitere Informationen haben wollte, dann haette er einfach einen seiner V-Maenner damit beauftragen koennen.

    Nun, der Staat ist ziehmlich bankrott und er sollte sparen, indem er bei der Polizei Stellen abbaut.

  3. Da wo die Kunden einzeln aufgezählt werden wird es wohl so hinkommen : ein Mann in der Telefonzelle( da wo der Pfeil ist ), eine Frau mit Kind die um die Ecke telefoniert, und zwei Teenager( der eine ist mal 16 und mal 17, vielleicht hatte er zwischendurch Geburtstag. )
    In dem welt-Artikel vom 30.04, also 24 Tage später, steht noch nichts von Temme drin, vermute mal es sind drei zahlende Gäste gemeint, Kind&Frau und 2Teenager je zusammengefasst.
    In dem Buch „Die Zelle“ werden die sechs Kunden ja einzeln aufgezählt, das Kind geht mal als Kunde durch und dann kommt noch Temme hinzu. Ich denke die Angaben im Spiegel sind am besten. Da werden auch die Zeitangaben stimmen, erst die Schüsse, der Mann in der Telefonzelle hört um 17:01:02 auf, um 17:01:40 wird Andreas T. ausgelogt. Dann gibt es für das Auffinden der Leiche von Halit Yaozgat durch seinen Vater zwei Angaben, die eine ist 17:03:26 und wird in dem Panorama-Bericht stattdessen für das Ende des Telefonats verwendet. Das wird eine Zeitangabe sein die durch Rekonstruktion zustande kam, da wird ja keiner mit einer Stopuhr daneben gestanden haben. Die von Panorama( Link geht nicht ) werden wohl noch nicht die Verbindungsdaten gahabt haben, die im Spiegel auftauchen, und haben dann einfach den rekonstruierten Auffind-Zeitpunkt genommen. Die „Gegen 17:05“ in der Zeit für das Auffinddatum sind offensichtlich grob geschätzt. Bis dahin ist es nicht so widersprüchlich, es gibt ja auch Entwicklungen, das nach und nach mehr Details rausgerückt werden, ungenauere frühere oder auch von Journalisten die in einem Punkt nicht so informiert sind werden dann übertrumpft, sozusagen, da kann man nicht alle Artikel gleichwertig nebeneinander stellen.
    Das mit dem Namen ist etwas merkwürdig, Hamadi S. oder Faiz H., ich vermute mal der hat mehrere Namen, und die werden Vor-und Nachnamen durcheinandergebracht haben. Das der Telefonierende laut Panorama nichts gehört hat ist wahrscheinlich verallgemeinernd dahergesagt, und keine Schüsse gehört ist gemeint. Interessant ist die Darstellung das auch der die Leiche zunächst nicht gesehen haben will. Aber viel bringt das T. wahrscheinlich nicht, seine Angaben sind zu widersprüchlich. Ich denke die Frage ist zunächst : wie wurde er ausgelogt ? Daran kommt man wohl nicht vorbei.
    Wenn nichts auf der Überwachungskamera ist könnte es sein das sie nichts aufgezeichnet hat, nur livegestreamt hat, der Vater hätte wohl Alarm geschlagen wenn da was wäre, vermute ich mal.
    Und mit Wechselgeld zurück is nich, man bezahlt die halbe Stunde, darum haben sich ja auch die Teenies gewundet.

  4. Zu den 50cent, wenn das 20cent-Stück dazu gehört, dann hat Andreas T. nicht mit einem 50cent-Stück bezahlt, sondern hatte es kleiner, mit dabei zumindest ein 20cent-Stück. Interessant an dem Tatortfoto sind zwei Details : zum einen liegt diese Münze direkt vor der Tastatur, und zum anderen liegt sie auf einem Blutspritzer, der Tropfen ist im Gegensatz zu den anderen anscheinend verschmiert worden. Die Wischspur wird wohl nicht mit der Münze erzeugt worden sein, denn diese ist nicht breit genug, ich vermute da lag ein Zettel, der wurde weggezogen, vielleicht lag die Münze da drauf.
    Und diese Angaben 17:01:02 und 17:01:40 sollen tatsächlich die Verbindungsdaten sein :“ Sie überprüften den Computer an Platz 2 und stellten fest, dass der Nutzer 10 Minuten und 44 Sekunden online gewesen war. “ http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-87997161.html , ich meine die sind in dem Artikel das erste mal aufgetaucht, am 03.09.12. Nun ist die Frage wie man in dem Café offline geht, ich denke meistens wird es so sein das es der Betreiber manuell am Tresen macht. Halit Yozgat ist zu dem Zeitpunkt aber schon tot, wenn also nicht die Verbindung nach einer Weile automatisch unterbrochen wird, dann muss sich T. selbst ausgelogt haben. Egal ob am Tresen oder am Pc. Der Fundort der Münze würde gut zum Tresen passen, mal davon ausgehend das sie zu der 50cent-Gebühr zählt.
    Beim Panorama-Faktencheck http://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/nsu153.html erfährt man unter Punkt 6., das der Zeuge H. aus der Telefonzelle auch nichts sah( und nichts hörte, ich denke da ist Panorama etwas übers Ziel raus… ), er sah sich kurz um, ging dann in den Computerraum, und wieder zurück. Dabei ist er anscheinend nicht T. über den Weg gelaufen, das hätte er wohl erwähnt. T. erzählt, er sei raus auf die Strasse und dann wieder zurück. Diese Angabe entlastet ihn nicht, er muss sich ja dementsprechend länger beim Café aufgehalten haben…und es passt mit den Angaben zu H. zusammen. Dann müste T. dem Mörder gefolgt sein, und während T. draussen war verliess H. die Telefonzelle, ging in den Pc-Raum, nun betrat T. wieder das Café, und loggte sich am Tresen aus. T. verschwand, und H. begab sich wieder zum Tresen.
    Ich denke das müsste der Ablauf gewesen sein, vorrausgesetzt man muss sich am Tresen ausloggen. Das sollte man wissen…(bevor man spekuliert)

  5. Es gibt viele Ungereimtheiten, ihre Interpretationen könnten auch stimmen. Ich müsste einfach mal die Ermittlungsakten bekommen oder mit einem der Polizisten sprechen können, um Klarheit zu bekommen. Es ist eine frustrierende Situation für mich.

  6. An Zufaelle kann ich nicht glauben. Viele Dinge die sich klaeren koennten sind ungeklaert. Z.B. muesste man Temmes Surfgewohnheiten ueberpruefen. Hat er sich oefters in Internetcafes aufgehalten, hatte er die Kontakte im Internet schon laengere Zeit und diese auch von zu Hause aus gepflegt, waren die Kontakte glaubhaft oder nur ein Alibi fuer was auch immer, ist der Flirtkontakt ueberpreuft wurden auf Glaubwuerdigkeit, war er bereits schon einmal in diesem Internetcafe, wie ist die Wahl des Internetcafes zu erklaeren, war dieses in Naehe seiner privaten Wohnung oder Dienstwege, war es einfach einen Parkplatz fuers Auto zu finden usw., wie waren seine Dienstzeiten geregelt, woher weiss man, dass er privat unterwegs war? Dann kann es auch sein, dass man vielleicht Temme reinlegen wollte. Irgendjemand hat ihn observiert, dann als Temme bezahlte, wurde zeitgleich Halit erschossen, worauf Temme floh weil er eine Falle waehnte. Vielleicht hat Temme auch extra eine Spur auf sich selbst gelegt (die Flirtverbindung auf seinen Klarnamen), um eine glaubhafte Entkraeftung zu haben oder es war Teil einer Dienstanweisung die ihm Vorgaben machte eine bestimmte Seite aufzusuchen, moeglicherweise um ueber den Chat Anweisungen zu empfangen, vielleicht hatte er erst den Auftrag „ein Konto zum Flirten fuer sich zu eroeffnen“, was erklaert dass es auf seinen Namen war den er ja auch bei seinen uebrigen Geheimdiesntkontakten pflegte, und es dann im Auftrag genutzt wurde.

  7. Diese Temme-Version scheint wenig Sinn zu machen, sie steht auch schon in dem Buch „Das Zwickauer Terror Trio“ auf S.159. Er will das Café verlassen haben um Yozgat zu suchen, nur wenn der nicht in dem Tresenraum war hätte Temme ihn dann eigentlich finden sollen. Eine Rauchen oder auf Toilette, draussen war er nicht, und bei letzterer Variante hätte er davor direkt an Temme vorbeigehen müssen. Temme läuft dann zu seinem Auto was 1:05 gedauert haben soll, und wieder zurück, also dann wohl nochmal. Hat er Yozgat bei seinem Auto gesucht ? Und dann eine Minute zurück, 50 cent auf den Tresen direkt auf einen Blutstropfen, da sollte nun aber seit 19 Sekunden eigentlich Hamadi stehen, 17:02:45 verlässte Temme spätestens zum zweiten mal das Café, und Hamadi will ca eine Minute gewartet haben, also in etwa ab 17:02:26. Die aktuelle offizielle Version hat das Manko das Temme sich erst ausloggt und dann zwischendurch spazieren geht, aber dafür muss man die Aussage von Hamadi und die Verbindungsdaten ignorieren und den Mord muss man dann auf nach dem Ausloggen um 17:01:40 datieren. Sonst wird das nichts mit dem 40-Sekunden Zeitfenster. Also, ich denke Temme geht erst raus, und dann zurück um sich auszuloggen. Anders geht es eigentlich nicht. Temme müsste den Pc-Raum spätestens um 17:01:02 verlassen haben. Laut dem einen Jugendlichen, der ja als nicht glaubwürdig gilt weil er gekifft hatte, kurz vor den Geräuschen. Legt Temme 50cent auf den Tresen und spaziert danach 3:15 hin und her um sich zwischendurch auszuloggen ?
    @QED : Temme soll diese Datingline genutzt haben da seine Frau schwanger war, es soll nicht in Wohnortsnähe gewesen sein und nicht das erste mal. So aus der Erinnerung.
    Ich denke das ganze wird auf eine Machtdemonstration gegenüber Temme hinauslaufen, das dieser Mord so plaziert wurde das er auch diese Funktion hat. Wenn die Angaben des Teenagers zutreffen wäre es sogar möglich das Temme den Mörder dort traf, ihm die Waffe übergab, und dieser sogleich den Mord damit beging. Temme wird wohl nicht erwartet haben das so etwas geschieht, dagegen spricht sein Surfverhalten.

    1. Zitat:
      „Temme läuft dann zu seinem Auto was 1:05 gedauert haben soll, und wieder zurück, also dann wohl nochmal.“

      Diese Zeitangabe erzeugt einen weiteren Widerspruch, denn laut Temmes Aussage vor Gericht parkte er direkt vor der Eingangstür des Internet-Cafes.
      Also kann es nicht 1:05 gedauert haben, sondern nur ca 15 Sekunden.

      Zitat:
      Götzl: (Genervt) “Wo stand ihr Auto genau?”
      Temme: “Direkt vor der Tür.”
      http://juergenpohl.wordpress.com/2013/10/06/nsu-prozess-tag-41-wortprotokoll-die-komplette-vernehmung-von-andreas-temme/

      „Hamadi S.“ bzw „Faiz H.“ sind meiner Meinung nach einfach nur die von der Presse üblichen Namensänderungen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte und beide Namen gehören zu einer einzigen Person in Telefonzelle 3.
      Ein damals anwesender Herr „Sh.“ ist laut NSU-Watch allerdings festgenommen worden, daher könnte das „S.“ bei Hamadi stimmen, denn dafür gibt es dann zwei Quellen.

      1. das die Kids nicht alles mitgekriegt haben kann daran gelegen haben das sie mit Ballerspielen beschäftigt waren, zumindest der eine.
        Die 1:05 sind Ermittler-Angaben, die müssen dann wohl auf einer früheren Aussage von T. basieren :
        „Götzl fragt, wie viel Zeit T. benötigt habe bis zum Einsteigen in seinen PKW. Bi. sagt, das sei 1 Minute und 5 Sekunden gewesen.“
        http://www.nsu-watch.info/2013/10/protokoll-40-verhandlungstag-30-sept-2013/

        Das T. direkt davor geparkt hat wurde ihm von Herrn Götzl ja mehr so abgerungen, nun hat er Yozgat nicht mehr bei seinem eigenen Auto gesucht.
        Das hier ist interessant :
        „E. berichtet, man habe sich entweder irgendwo hinsetzen können und dann habe Yozgat den Platz freigeschaltet oder man habe vorher gesagt, man gehe für eine Stunde ins Internet und dann sei nach einer Stunde der PC gesperrt worden. Also habe man sich nicht einfach hinsetzen können, sondern habe immer erst freigeschaltet werden müssen, fasst Langer zusammen. “
        http://www.nsu-watch.info/2013/10/protokoll-41-verhandlungstag-1-oktober-2013/

        Demnach müsste T.’s Verbindung auch vom Tresen aus unterbrochen worden sein, da müsste eigentlich jemand am Rechner gewesen sein. Yozgat war um 17:01:40 aber schon tot, denn der wurde ja erschossen während der Mann in der Zelle sich das zweite mal einwählte. Das ausloggen von dem T. redet wird dann wohl das Ende seiner Chat-Verbindung sein.
        ( Zumindest soweit ich da im Moment durchsteige )

          1. Der Vater hat den Tisch zur Seite geschoben als er seinen Sohn Halit Yozgat sah, und auf dem Tisch soll sich noch mehr Wechselgeld befunden haben(Aussage vor Gericht). Daher wird man aus der Lage der Münzen wohl nicht viel schliessen können(die Wischspur vom Blutstropfen scheint mir aber eigenartig, Zettel weggezogen könnte dazu passen).
            Tja, ist das Chat-Ausloggen oder das offline-Gehen gemeint ? Ohne genaue Angaben komt man da nicht weiter.

      1. 2006 löste Temme seine Schusswaffen-Sammlung auf und ging auch nicht mehr zum Schützenverein „zum Schießen“.
        „T. sei im Schützenverein Vellmar gewesen, berichtet St. weiter, und habe eine Waffenbesitzkarte gehabt. Er habe eine Pistole 22, Pistole 45, eine Pistole 9mm und ein Gewehr gehabt. Die Waffen habe T. im weiteren Verlauf verkauft an eine Waffenfirma in Kassel, 2006 sei T. auch nicht mehr zum Schießen gegangen.“ nsu-watch

  8. “ Außerdem sorgte er sich um seinen Ruf als verantwortungsbewusster Verfassungsschützer, denn eine Moschee, eines seiner „Beobachtungsobjekte“, befand sich in derselben Straße. Eigentlich war das Internetcafé dienstlich also „tabu“. “
    -Vielleicht war T. ja dienstlich da, aber die Agenten sind halt so, chatten lieber nebenan mit „tanymany“ und „feuchtrasiert17″. Wäre aber auch nicht unmöglich das es so ist wie es QED befürchtet. Wann hat er sich wohl bei denen ausgelogt ?

    “ Das Protokoll der Unterhaltung ist bemerkenswert: Zunächst gibt ihm der hohe Beamte im LfV einen deutlichen Tipp: Andreas solle „so nah wie möglich an der Wahrheit“ bleiben. “
    -Warum erzählt T. das er den Tatort verliess und dann wieder betreten hat ? Ich vermute mal weil dem so war, es kann nicht ausgeschlossen werden das ihn jemand dabei sah, und wenn dann T.’s Angaben 10min oder mehr daneben liegen wäre es nachher schwerer zu vertuschen. Die haben ihre Prinzipien.

    “ Vier Tage nach der Tat hatte T. tatsächlich aus Wiesbaden die Order bekommen, mit der Staatsschutzabteilung der Kasseler Polizei über den Fall Yozgat zu sprechen. Das LfV war zu diesem Zeitpunkt bereits darüber informiert, dass dies die bundesweite Ceska-Mordserie war. Und ausgerechnet Andreas T. wurde damit beauftragt, mit den Ermittlern einen Informationsaustausch durchzuführen. “
    -Ab wann war das T.’s Fall, seitdem er an diesem Tatort auftauchte oder schon davor ?
    ( das ist 10 Tage bevor ihn die Fahnder ausfindig machen…)

    http://www.stern.de/politik/deutschland/nsu-prozess-so-nah-wie-moeglich-an-der-wahrheit-2061859.html

  9. Hier gibts nochmal Angaben dazu :

    “ ein irakischer Zeuge habe von 16.54 bis 17.03 Uhr telefoniert, also sei vor 16.54 Uhr noch alles in Ordnung gewesen. Als der Zeuge um 17.03 Uhr seine Telefonzelle verlassen habe, sei die Tat schon begangen gewesen…Der Zeuge Sh. habe zwei Knallgeräusche gehört, während er telefoniert habe bzw. schon als er seine PIN eingegeben habe…Sh. habe die Geräusche spätestens bei der zweiten PIN-Eingabe gehört, er, Bi., meine, das sei um 17.01 Uhr gewesen. “
    und
    “ Der Zeuge Ta., der ihm gegenüber gesessen habe, habe ausgesagt, dass Andreas T. das Internetcafé verlassen habe, dann habe Ta. ein Plumpsen gehört und dann sei ein weiterer Kunde herein gekommen und habe gefragt, ob noch jemand da sei. “
    http://www.nsu-watch.info/2013/10/protokoll-40-verhandlungstag-30-sept-2013/

    Also, der Iraker H./Sh. führt zwei Gespräche, die geräusche hört er kurz bevor er das zweite um 17:01:02 beginnt, das geht dann bis 17:03:26, dann verlässt er die Telefonzelle. Das Problem ist nach wie vor das T. laut Teenager-Angaben, die der Kripo-Beamte ja verwenden will, das Cafe verlässt bevor das Geräusch zu hören ist. Dann muss er sich aber danach ausgeloggt haben. Am Tresen hätte er dafür über 2 Minuten Zeit gehabt. Hätte er den Pc-Raum nochmal betreten hätten ihn die Teenager sehen sollen, aber der nächste war H./Sh..
    Die Fragen bleiben also bestehen : Wo loggte sich T. aus, am Tresen oder am Pc, und wann meldete er sich vom Chat ab ?

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