11. September 2001: Deswegen reagierte das Pentagon nicht auf Flugzeugentführungen, Teil 3

Laut Legendenbildung der parlamentarischen 911-Kommission organisierte das US-Verteidigungsministerium deshalb keine militärische Reaktion auf die Flugzeugentführungen, weil die zivile Luftüberwachung es nicht informiert hätte. Gegen alle Vernunft stellten sich die Parlamentarier auf Seiten des Militärs und schenkten Vertretern der zivilen Luftüberwachung keinen Glauben. Es wird als ein Tiefpunkt der Demokratie in die Geschichte der USA eingehen. Eine genaue Rekonstruktion der Abläufe widerlegt die politische Darstellung der 911-Kommission. 

Bei Flugzeug-Entführungen aktiviert das Hauptquartier der zivilen Luftüberwachung, englisch FAA, das Entführungsnetz, (hijack-net). Der Entführungs-Koordinator (hijack-coordinator) nimmt Kontakt mit dem NMCC im Verteidigungsministerium (Pentagon) auf. NMCC heißt englisch National Military Command Center, auf deutsch Nationales Militärkommandozentrum. Das NMCC ist die Schaltzentrale, in der alle Informationen zusammenfließen. Es organisiert die militärische Reaktion auf Flugzeug-Entführungen, aber erst nach politischer Genehmigung.

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Das „hijack-net“ wurde erst um 09:20 eingeschaltet. Jedoch öffnete das FAA-Hauptquartier bereits vorher Telefon-Brücken zu ihren regionalen Ablegern, aber auch zum Pentagon, zum Geheimdienst des Präsidenten „secret service“ im weißen Haus und anderen Regierungsstellen. Die Kanäle standen ab dem ersten Flugzeugeinschlag um 08:50. Laut Darstellung der FAA leitete sie Informationen in „Echtzeit“ („real-time“) weiter. 

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So wurde beispielsweise Richard Clarke, der damalige Anti-Terrorbeauftragte der Bush-Regierung, gegen 09:40 seitens des FAA-Hauptquartiers, Lisa Garvey, informiert, dass es zu der Zeit zwei mögliche entführte Passagiermaschinen gäbe: Flug 93 und Delta 1989.

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Am 11. September war Major Mike Canavan „hijack-coordinator“ gewesen. Er verließ kurz nach dem 11. September die FAA wieder und machte mit seiner Karriere im militärisch-industriellen Bereich weiter. Insgesamt war er nur 10 Monate im Amt. Noch 9 Monate vor dem 11. September verfolgte er Osama bin Laden in einer Spezialeinheit.

Canavan war am 11. Sepember im Urlaub. Sein Stellvertreter war Lee Longmire. An seinen Aussagen fällt auf, wie oft er Fragen vorsichtig und ausweichend beantwortet, indem er behauptet, dass er sich nicht oder kaum erinnern könne. Er kann sich etwa nicht an Diskussionen erinnern, Abfangjäger anzufordern.

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Mike Weikert eröffnete zusammen mit Sharon Battle die verschiedenen Kommunikationsnetze mit allen beteiligten Stellen um 08:50. Er war auch für den Kontakt mit dem Militär verantwortlich, er baute das „primary net“, das „hijack-net“, auf.

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Peter Falcone war zuständig für das „tactical net“. Das war das FAA-interne Kommunikationsnetz. Es wurde um 08:55 aktiviert. Es verband die regionalen FAA-Büros direkt mit dem Hauptquartier. Er versucht auch das NMCC zu kontaktieren, stellte jedoch überrascht fest, dass es nicht erreichbar war.

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Laut Lee Longmire war es Falcones Aufgabe sicherzustellen, dass das NMCC im Netz eingebunden war.

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Laut Longmire wäre das Militär und FBI im Entführungsnetz nicht eingebunden gewesen. Dieser Behauptung widerspricht Battle, das Militär wäre schon im Netz angebunden gewesen.

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Laut Weikert war das NMCC im „Zuhör-Modus“ da. Er sprach auch mit einer Person – kann sich jedoch nicht erinnern, ob sie sich mit Namen identifizierte, ob er mit einer Frau oder mit einem Mann sprach.

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Das Scheitern

Laut Weikert bemühten sie sich, dass NMCC in den Kommunikationsnetzen aktiv einzubinden, ohne Erfolg.

„Es war eine offene Frage: „Hat irgend Kontakt zum Militär gerade? Es war Monte Belger der diese Frage stellte. „(…) Eine Verbindung von der FAA zum Verteidigungsministerium muss aufgebaut werden bevor das vierte Flugzeug einschlägt.“

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Sündenböck FAA

Die 9/11 Kommission machte das FAA-Hauptquartier für das Scheitern verantwortlich, das Militär einzubinden. Es stützt sich dafür auf Aussagen des NMCC selbst:

Das Entführungsnetz der FAA wäre nur sporadisch und von geringem Wert gewesen, deshalb hätte das NMCC es nur periodisch verfolgt. Das NMCC hätte wichtigere Aufgaben gehabt.

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Aufgrund des geringen Informationswertes hätte das NMCC ein zweites Entführungsnetz gestartet, um 09:29! Das FAA-Hauptquartier nahm dort erst ab 10:17 teil – laut 9/11 Kommission wegen „technischer Schwierigkeiten“. Deswegen wären die Führer von NORAD und FAA während der Krise nicht in Kontakt gewesen.

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Bei diesem Netz war eine bis heute unbekannte Person von der FAA zugeschaltet gewesen. Sie wäre ausgesprochen inkompetent gewesen.

Das 9/11 Kommissionsmitglied, ein demokratischer Abgeordnete, Bob Kerrey sprach über dieses zweite, vom NMCC aufgebaute Netz mit dem damaligen Vize-Chef der FAA, Monte Belger. Kerrey warf Belger vor, dass sein Hauptquartier einen höchst inkompeteten Vertreter geschickt hätte. Kerrey verurteilte Belger und griff ihn massiv an:

„Wie, in Gottes Name, konnte die FAA nur nur jemand zum Telefon schicken, der keine Ahnung von Entführungen, keinen Zugang zu Entscheidungs-Trägern und keine Informationen gehabt hatte?“

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Herr Belger antwortete:

„Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, wie ich sagte, wen das NMCC versuchte anzurufen. Was ich sagen werde …“

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Kerrey schnitt ihm das Wort ab und wiederholte anklagend:

„Ja. Aber warum habt ihr jemanden ans Telefon getan, der nichts wusste?“

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Belger unterstreicht, dass er an dieses Telefon niemanden setzte. Kerrey: „Wer dann? Gut, wer tat es?“ Belger: „Ich weiß es nicht“.

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Am 11. September ging es für die Verschwörer nach Plan

Das FAA-Hauptquartier übermittelte Informationen ins Nichts. Schnell wurde es dem Hauptquartier klar, dass etwas mit dem „hijack-net“ und den Telefonbrücken nicht in Ordnung ist.

Monte Belger erlebte so eine Situation in seiner 30-jährigen Karriere bei der FAA noch nie: Das Fehlen des Militärs in den FAA-Netzwerken. Er hätte schon dutzende Flugzeug-Entführungen mit dem NMCC gemanagt und so-etwas noch nie erlebt. Belger hätte dies laut Aussage des 9/11 Kommissionsmitglieds Jamie Gorelick mit ziemlich deftigen Worten kommentiert.

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Nichtsdestoweniger übermittelte das FAA Hauptquartier über das „hijack-net“ weiter alle Informationen an das NMCC und hielt sich an das Standard-Verfahren. Belger vertraute darauf, dass das NMCC reagieren würde, da „es im Netz zugeschaltet gewesen war“.

Bis 2003 behauptete selbst das Militär, dass die FAA das NMCC über Flug 93 informierte. Das bestätigte sogar der hochrangige General Montagu Winfield, der das NMCC normalerweise kommandierte. Obwohl er am 11. September im Pentagon anwesend war, ersetzte ihn der Neuling Hauptmann Charles Leidig – genau in der Zeit als die Anschläge stattfanden – von 08:30 bis 10:30 vormittags! General Winfield:

„Wir bekamen den Bericht seitens der FAA, dass Flug 93 seinen Transponder ausgeschalten hat … und jetzt Richtung Washington, DC, fliegt … Die Entscheidung wurde getroffen zu versuchen, Flug 93 abzufangen.“
„We received the report from the FAA that Flight 93 had turned off its transponder . . . and was now heading towards Washington, DC. . . . The decision was made to try to go intercept Flight 93.“ Quelle

In der FAA-Kommandozentrale und im FAA-Hauptquartier gab es Militärangehörige, die an allen Informationskanälen beteiligt waren und Informationen selbstständig, mit einer eigenen Verbindung dem Militär weitergaben. 

Im FAA-Hauptquartier waren jedoch, genau an dem Tag, statt 4 Soldaten lediglich eine einzige Person anwesend, Oberst Sheryhl Atkins. Sie widerspricht der Darstellung der FAA, sie wäre im Telefonnetz bereits gegen 8:50 eingebunden gewesen. Erst gegen 09:37 wäre dies der Fall gewesen. 

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Es gab gleich mehrere Verbindungssoldaten in der FAA-Kommandozentrale: Oberst John Czabaranek, Leutnant Oberst Michael-Anne Cherry und Major Kevin Bridges. Laut Ben Sliney, dem Leiter Kommandozentrale, wären sie informiert worden; etwa über das entführte Flugzeug (UAR 93); und aktiv am Geschehen beteiligt gewesen. Dies bestätigt er auch im Gespräch mit der 911-Kommission:

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Auch der Controller Jeff Griffith sagte dies der 911-Kommission. 

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Im Entführungsnetz verfolgte die zivile Luftüberwachung gespannt den Kurs von Flug 93, in der Hoffnung, dass das Militär irgendwann reagieren würde.

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Beispielsweise wurde die Kommandozentrale um 9:36 seitens der lokalen Flugüberwachung in Cleveland gefragt, ob NEADS direkt wegen des vierten Flugzeuges (Flug 93) alarmiert werden sollte. Dies lehnte es ab, da es nicht nur auf das NMCC vertraute, sondern auch auf Äußerungen der Verbindungssoldaten vor Ort. Offenbar sicherten sie der Luftüberwachung zu, dass das Militär informiert und eingebunden wäre.

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Aufgrund der mangelnden Kommunikation mit dem NMCC, war die Luftüberwachung verständlicherweise irritiert, wie man weiter verfolgen sollte: Den NMCC übergehen und direkt bei NEADS Abfangjäger anfordern, also das Standard-Verfahren brechen?

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Ben Sliney fragte sich gegen 09:49 -angesichts des vierten, entführten Flugzeuges, das der Hauptstadt zuraste, …

„Ich sagte etwas wie, „Das ist unglaublich. Es gibt lediglich eine Person. Es muss jemanden Beauftragten geben oder jemand, der die Verantwortung hat, einen Befehl zu geben, wissen Sie.“ „Wir wurden frustriert, in unseren Versuchen Informationen zu bekommen. Was war die Reaktion des Militärs?“.

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Warum gab das NMCC keine Hilfe?

Im Juni 01 2001 kamen neue Richtlinien bzgl. AIRCRAFT PIRACY (HIJACKING) heraus. Dort wurden die Verfahren erklärt, was im Falle einer Entführung seitens FAA und NMCC gemacht werden musste.

NMCC brauchte, um auf Anforderungen der FAA zu reagieren, die Genehmigung des Verteidigungsministers – außer es liegen „Anforderungen einer sofortigen Reaktion“, die als Unglücke, Unfälle definiert werden.

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„Der Verteidigungsminister behält die Zustimmungs-Autorität (…) bei militärischer Unterstützung, (…) mit dem Potenzial einer Konfrontation mit speziell identifizierten Individuen oder Gruppen oder was resultieren wird in einer tödlichen Gewalt. Nichts in dieser Direktive verhindert einen Kommandanten seine sofortige Notfall Einsatz – Autorität wie aufgeführt in DOD Direktive 3025.1 (reference (g)) auszuüben.“

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Die Befugnis des Militärs, auf Anforderungen eines sofortigen Einsatzes („immediate emergency response authority“) bei Flugzeugentführungen, ohne Genehmigung des Verteidigungsministers zu reagieren, gilt nur bei bestimmten Notfällen, worunter eben keine Konfrontationen mit Entführern fallen. Das macht DODD 3025.15, das Bezug nimmt auf Notfall-Situationen (in DOD Direktive 3025.1) deutlich:

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Traten am Juni 2001 gesetzliche Veränderungen ein, die die militärische Reaktion verlangsamten oder sabotierten? Dafür ergaben meine Recherchen keine Anhaltspunkte – der Geschichtsforscher Robin Horden machte aber dazu folgenden Punkt:

Ab Inkrafttreten dieser Revision, von Juni 2001, bis zum 11. September 2001, gab es keine Meldungen mehr, dass Abfangjäger wegen verdächtiger Flugzeuge aufgestiegen sind. Angesichts der Zahlen aus der Vergangenheit hätten es um die 45 solcher Starts geben müssen! 

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Von dieser Frage unberührt, bleibt jedoch die Tatsache:

Ohne Genehmigung des damaligen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld hätte das NMCC keine Abfangjäger starten lassen dürfen!

Auch nach Erklärung der Luftstreitkräfte brachen die Anrufe der FAA-Controller in Boston das Gesetz: Bei Flugzeug-Entführungen fällt dem Pentagon die militärische Reaktion zu, die der Verteidigungsminister genehmigen muss. Diese Genehmigung lag aber nicht vor, weswegen alle Einsätze am 11. September laut „1st Air Force“ gesetzeswidrig gewesen waren. NEADS hätte die FAA-Anfragen nicht annehmen dürfen.

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Diese Position stützt auch 9/11-Kommission: Der Verteidigungsminister hätte den Einsatzbefehl des NMCC genehmigen müssen!

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Die wichtige Frage ist also: Wo war Verteidigungsminister Donald Rumsfeld? Ende Teil 3.

Ein Gedanke zu „11. September 2001: Deswegen reagierte das Pentagon nicht auf Flugzeugentführungen, Teil 3“

  1. Besten Dank für die detaillierte Aufarbeitung interner Vorgänge rund um 9/11. Zwar werden jene, die der offiziellen Verschwörungstheorie rund um 19 superintelligente, mit Hightech-Teppichmessern bewaffnete Terroristen immer noch Glauben schenken wieder aufstöhnen, aber auch 15 Jahre nach der kalkulierten Einäscherung von rund 3.000, überwiegend amerikanischen Zivilisten, sollte diese Ungeheuerlichkeit auch in den nächsten 50 Jahren nicht in den Tiefen des kollektiven (Un-) Bewußtseins versenkt werden dürfen.
    Ebensowenig wie der Mord an John. F. Kennedy, oder die Machtübernahme der Nazis (inkl. Reichstagsbrand) anno 1933 – alles Ereignisse die gewaltige weltpolitische Umbrüche nach sich zogen , die bis in die kleinsten Ecken des (welt-)gesellschaftlichen Zusammenlebens reichten.
    Natürlich wäre es den Verantwortlichen nur recht und billig jene Vorgänge sukzessive (und über Generationen) im Gedächtnis der Völker auszuradieren, ebenso wie die hysterischen, bisweilen fanatischen Diskussionen über den 11.9., in denen von allen Seiten Fakt mit Fiktion, Analyse mit Spekulation, Information mit Desinformation wild vermischt wird, gerade recht kommen.
    Aber wer immer noch nicht sehen kann oder will, dass Nineeleven der entscheidende Angelpunkt ist, von dem aus die erschreckende Radikalisierung der letzten 15 Jahre ausgeht – von der fortgesetzten Destabilisierung in Nahost – unter dem Deckmantel d. Kriegs gegen den Terror, bunter „Regime Changes“, gar „Nato-Friedensmissionen“, hochaggressiver Neolib-Wirtschaftspolitik, bis hin zu Ukraine-Krise, Migrantenströmen als auch TTIP und CETA (von der Gleichschaltungstendenz des Mainstreams in allen politschen Bereichen bis hin zur Justiz mal ganz abgesehen), dem ist nicht mehr zu helfen.
    Deswegen ist es wichtiger denn je, dieses „House of Cards“ vom „Anschlag auf Amerika“ durch pöse Moslem-Fanatiker endlich zum Einsturz zu bringen und somit auch kein Wunder, dass eine solche Entlarvung (nicht nur des Mythos 9/11) mit mittlerweile schon faschistoiden Mitteln verhindert werden soll.
    Dass es ein empörender Anschlag war ist unbestritten- aber darum geht es in der Tiefe auch garnicht.

    Cui bono ?

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