Mitten in Deutschland NSU bietet Einblicke in Ungereimtheiten

Gestern Nacht lief der letzte Teil der Filmtrilogie „Mitten in Deutschland NSU“. Die Werbung ließ ein Propaganda-Werk befürchten. Jetzt, rückblickend, muss ich meinen Respekt aussprechen.

Der erste Teil porträtierte die sogenannte NSU-Terrorzelle um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Klar zum Vorschein kam, dass es sich bei den Dreien um eher einfach gestrickte, einfältige Neo-Nazis handelte. Dementsprechend erwischte sie die Polizei vor 1998 bei „kleineren“ Straftaten. Wie kann es sein, dass dies danach bei ungemein größeren Verbrechen nicht mehr gelang? Der CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemaliger Polizist Clemens Binninger spricht auch diese Ungereimtheit an und und zweifelt:

„Es kann nicht sein, dass sie dann in den Jahren bis 2011 ohne aufzufallen mordend und raubend durch Deutschland ziehen“, findet  der Politiker. „Das wäre in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig.“ (EF)

Foto: Berliner Zeitung

Die große Szene kam zum Schluss: Es zeigt, wie Böhnhardt an einer Garage der Polizei „entwischen“ kann, sprich gewarnt wird. In dieser Garage fand die Polizei Anfang 1998 eine Bombenwerkstatt, ohne DNA oder Fingerabdrücke des Trios. Der erste thüringer Untersuchungsausschuss scheiterte, hier die Hintergründe zu klären. Ließen sich die Parlamentarier den Garagen-Mietvertrag vorlegen oder suchten nach anderen Beweise, etwa Kontoauszügen, dass Zschäpe tatsächlich die Garage von einem Polizisten angemietet hätte? Uwe Mundlos hätte kommentiert, dass sie bei der Garage „hereingelegt“ worden wären. Seitdem befand sich das Trio „im Untergrund“.

Der zweite Teil stellt die Ermittlungen im Zuge der Ceska-Mordserie vor. Meistens geschieht dies aus der Perspektive der Tochter des ersten Opfers, Herrn Simsek. Es wird vermittelt, welche skandalösen Vorverurteilungen und verrückten Anschuldigungen Familienmitglieder aushalten mussten. Anders als in der Werbung zum Film vorverurteilt der Film keineswegs Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Die Täter bleiben unerkannt. Ein interessanter Abschnitt ist, als die Mörder Simseks ihn in seinem Bus liegend fotografieren. Es werden Polaroidfotos gemacht. Diese Fotos landen im sogenannten „NSU-Bekennerfilm“. Tatsächlich machten auch die ersten Polizisten am Tatort Polaroids. Diese Fotos werden aber nicht dem Prozess vorgelegt, sie werden offenbar auch nicht gerichtlich angefordert. Was wäre, wenn diese Polizeifotos im NSU-Bekennerfilm gelandet wären? Auch bei einer anderen Aufnahme von der Heilbronner Theresienwiese gibt es diesen Verdacht. 

Der dritte Teil veranschaulicht die Ermittlungen aus den Augen eines erfolglosen Zielfahnders, der tatsächlich in seiner realen Karriere alle verhaften konnte, nur nicht das Trio. Der Geheimdienst „Verfassungsschutz“ und hochrangige Polizeichefs werden verdächtigt, seine Fahndung sabotiert zu haben. Leider fehlt hier ein Hinweis, dass während der „Flucht“ des Trios das Bundeskriminalamt drei Wochen das Handy von Böhnhardt abhörte.

Der Zielfahnder zweifelt das Geschehen im letzten Wohnmobil an, genauso wie die Qualität der dort stattgefundenen „Spurensicherung“. Es wird am Ende auch ein Hinweis auf das NSU-Zeugensterben gegeben, kontrastiert von der perfiden Rede Merkels, bei der sie den Angehörigen Aufklärung verspricht.

Es ist Verdienst der „ARD“, die Ungereimtheiten einem Millionenpublikum aufgezeigt zu haben.

21 Gedanken zu „Mitten in Deutschland NSU bietet Einblicke in Ungereimtheiten“

  1. Vom dritten Teil war ich auch einigermaßen beeindruckt. Sie haben nicht schlecht herausgearbeitet, mit welchem Einsatz mancher Polizist gekämpft hat und von der Spinne um den Erfolg betrogen wurde – ebenso wie die Opfer und die Bürger um das Recht.
    Was Merkel angeht, muss man sagen, dass sie das Gesicht von drei Desastern geworden ist, die nicht nur zeitlich eng ineinandergreifen: Euro, Migration und NSU. Sie ist entweder eine hochkriminelle oder eine ganz besonders tragische Figur.
    Dass sie gestern praktisch die Schlussworte der Trilogie gesprochen hat, ist perfide und wirft für mich erneut die Frage nach einer Gesamtregie auf: Kann das Zufall sein? Ist die Entlarvung ein Unfall oder Teil der erfolgreichen Gesamtinszenierung?

  2. Noch besser war die Doku im Anschluss an den Film. Heute haben alle Medien die Rolle des V mannes Marschner aufgegriffen. In der Doku kam zudem Temme ganz schlecht weg.

  3. Ich halte das zeitgleiche Auftauchen des V Mannes Temme und dem oder den Ceska Mördern in einem Kasseler Internetcafe nicht für einen Pappdrachen sondern Vorsatz bzw keinen Zufall. Die Chance für so einen Zufall beträgt 1: mehreren Millionen. Weiss nicht warum du Temme aus der Schusslinie nehmen willst wenn doch schon der Fall Kassel und das abrupte Ende der Serie danach ein prima Beleg für die Staatsverstrickung im Nsu Komplex ist.

    1. Nochmal: Die Schüsse auf Yozgat fielen mehr als 30 Minuten und weniger als 90 Minuten vor dem Auffinden. Okay, super Gutachten, Juni 2006, abheften, erledigt, und weiter den Mörder bei 17 Uhr suchen, statt früher.

      Ob Temme zufällig dort war? Eher nicht, der war wohl zum Aufräumen dort, und meldete auf einer Geheimnummer um 17:19 Uhr Vollzug.

      Aber wie gesagt: Weiter tapfer die Fakten (und die notärztlich festgestellten Beulen!) ignorieren…

      1. Du interpretierst den Sachverhalt in eine EINSEITIGE Zeitachse per Führer-Befehl aber nicht über einen Beweis.
        Da kann keiner Folgen.
        Wenn er aus diesem Grund widerspricht, werde nicht immer hysterisch, was vielen den Mut nimmt eigene Gedanken zu äußern, sondern zeige die Logik deines Gedankens sachlich auf.
        Wieso muss man die 30 Minuten zurückrechnen?
        Die Betonung liegt auf muss.

        Du gehst doch nicht im Ernst davon aus, dass diese im Gutachten aufgeführten neurologischen Zuckungen vom Notarzt untersucht und als nicht mehr vorhanden auf den Totenschein eingetragen wurden?

  4. Habe das Gutachten gelesen, wo dies (dass Yozgat angeblich ca. 30 Min.früher tot war als offizeille angenommen, als eine (äusserst unsichere!) Möglichkeit genannt wird. Diese Ansicht steht auf tönernen Füßen. Würde ich nicht unterschreiben!

    1. Wieder falsch. Mindestens 30 Minuten überlebt, aber weniger als 90 Minuten.

      Auch falsch: Desinfo, das sei eine äusserst unsichere Möglichkeit.

      Arbeitest Du im Sicherheitsapparat? Lerne lesen…

    2. Wurde dieses Yozgat-Gutachten inzwischen veröffentlicht?
      Bitte Link zeigen (ich meine nicht die beiden Screenshots).

      Wie passt das zur Aussage des Neuropathologen Wolfgang Brück, wonach es keine Reaktion des Hirngewebes gab, also Halit Yozgat sofort tot war?

      Warum ist in den Screenshots des Gutachten der Name falsch geschrieben, warum fehlen Datum und Name des Gutachters?

      Wie kann jemand trotz doppeltem Kopfschutz noch mit Kunden reden und zur Toilette gehen?

      Wie passt der angeblich um 30 Minuten vorgezogene Kopfschuss zur Aussge von Faiz Hamadi Shabab, wonach er die Schüsse zu Beginn seines zweiten Telefonates gehört hatte, also die Zeit recht exakt festgestellt werden konnte?

  5. Zu Temmes ungeklärter Rolle kommt die seines V-Mannes Benjamin Gärtner: Jetzt bestreitet die rechtsextreme Deutsche Partei (DP), dass Benjamin Gärtner ihr Mitglied war. Das steht im Widerspruch zu Temmes jahrelangen Treffberichten, die demnach massiv gefälscht sein müssten. Das hesssiche LfV hätte demnach BKA, OLG München und die PUA über Rolle und Bedeutung von V-Mann Benjamin Gärtner getäuscht,
    http://www.jungewelt.de/2016/04-08/037.php

    Wenn Gärtner am 9.6.2005 in Nürnberg war, am 15.6.2005 in München (Nr. 6 und 7 der Ceska-Serie) und am 6.4.2006 mit Temme in Kassel, dann fragt man sich sowieso, inwieweit die beiden ein gesteigertes „Vollzugs-Interesse“ (Vorwissen?) an Migranten-Morden verband und warum Gärtner als einzelner Rechtsradikaler überhaupt Temme zugeordnet war (der sonst Quellen in der islamistischen Szene führte und fleißig Arabisch lernte),
    https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/02/22/neuer-nsu-morder-der-nebenklage-benjamin-gartner/

    Was hätte es denn für einen (erst nach dem Mord alarmierten?) Temme am Tatort „aufzuräumen“ gegeben? Angenommen, er sei wirklich erst 30-45 min. nach den Schüssen eingetroffen: Musste er sich als Kunde tarnen, um von den (erst nach ihm eingetroffenen) Polizeibeamten nicht nach der Quelle seiner „Alarmierung“ gefragt zu werden? Und wer hätte demnach „alarmiert“ – der traditionell bestens vorab informierte Benjamin Gärtner?

    Was konnte Temme die Gewissheit geben, dass bei seinem Eintreffen nicht schon längst alles polizeilich abgeriegelt war?
    Nun gut, er hatte „Glück“ und die Polizei war noch nicht da –
    also gleich mal 10 Min. Sex-Chat einlegen, die Leiche kann ja warten und das Tatü-Tata der Polizei wird man noch rechtzeitig hören ?

    Wie und wo soll die Erschießung eigentlich erfolgt sein, wenn über eine halbe Stunde lang das Internet-Café im Normalbetrieb geblieben sein soll und keiner eine im Eingangsbereich liegende Leiche bemerkt haben soll, weder die Kunden noch der Vater des Opfers?

    1. Wie kommst du darauf, dass der die ganze Zeit lag? Der sass eher auf seinem Stuhl, jedenfalls dann, wenn man der Zeugin hinter ihm (Zwischenraum) glauben mag. Die sagte aus, es hörte sich an wie als ob etwas gegen die Wand stiess. Tak Tak Tak, so steht es in ihrer Aussage.

      Der Kurde vorn beim Halit sagte aus, er habe mehr als 2 Geräusche gehört, als ob eine Tür zuschlüge, oder ein Luftballon platze.

      Ist doch alles geleakt, wo ist das Leseproblem?

      1. „Im Eingangsbereich liegend“ ist völlig falsch, der lag nicht mitten im Raum, sondern zwischen Schreibtisch und Zwischenwand.

        Bekir, die Basics muss man draufhaben… lies Dir die Aussagen von Vater durch, dann weisst Du auch, wo der lag, Gesicht nach unten, glaub ich, und wer ihn vorzog, in den Raum, bevor die Polizei kam, und ihn zu reanimieren versuchte…

        1. Es geht nicht um die Füße der Eintretenden, sondern um ihre Augen. Mit „Eingangsbereich“ (klingt „Empfangsbereich“ unmissverständlicher?) ist natürlich der Raum als ganzes gemeint, denn den Mann hinterm Schreibtisch können (und wollen) die Eintretenden nicht einfach ignorieren: Er ist schließlich der „Pförtner“, bei dem man Telefonie- bzw. Surfwunsch anmeldet und später beim Weggang bezahlt.

          Daher ist auch relativ egal, ob er dort auf dem Stuhl sitzt / liegt oder auf dem Boden und wohin das Gesicht zeigt: Selbst wenn der Eintretende ihn nur für friedlich schlafend hält, kann er ihn nicht nicht einfach höflich ignorieren, sondern muss ihn wecken, weil er ihn braucht (und man darf einen Diensthabenden durchaus aus seinem „Dienstschlaf“ wecken; peinlich ist das nur für den Geweckten).
          Davon abgesehen bezweifle ich, dass die Zeugin ohne Sichtkontakt das Opfer verlässlich „sitzen gehört“ hat, bloß weil sie ein Tak Tak Tak hörte, das klang „wie als ob etwas gegen die Wand stiess“.

    2. bekir: „Wie und wo soll die Erschießung eigentlich erfolgt sein, wenn über eine halbe Stunde lang das Internet-Café im Normalbetrieb geblieben sein soll .“

      Exakt das ist die richtige Frage. Zusammen mit dem tatsächlichen Inhalt des Gutachtens verweist dies fatalists Behauptung zu Yozgats frühen Todeszeitpunkt ins Reich der Fabel!

  6. fatalists Fehleinschätzung stützt sich auf Folgendes im Gutachten vom 7.6.2006 bzgl. Halit Yozgat

    “ In beiden Hippocampi sieht man ausserdem in den CA1-Regionen eosinophile Nervenzellnekrosen. Diese morphologischen Veränderungen der beginnenden frischen Nervenzellnekrosen mit begleitender glialer Reaktion sprechen dafür, dass der Patient mindestens 30 Minuten nach dem Ereignis noch lebte. Die Immunhistochemie für das Amyloidprecursorprotein (APP), welche ab ca.90 Minuten nach axonaler Schädigung zu sehen ist, ist jedoch negativ. “

    Also, bestimmte Nervenzelluntergänge in beiden sog. Hippocampus Anteilen des Gehirns sprechen dafür (fatalist verwechselt das mit „beweisen“) dass H.Y. mindestens 30 Minuten nach den beiden Kopfschüssen noch lebte.

    Allerdings, (jedoch!) und das hat fatalist überlesen, ist die Immunhistochemie für das APP n e g a t i v !

    Und genau das beweist m.E. , dass die Annahme von fatalist H.Y. habe nach den Kopfschüssen noch mindestens 30 Minuten gelebt, ein Fehlschluss und somit falsch ist. Abgesehen von den eingängigen und vernüftigen W Fragen von bekir, „Wie und wo soll die Erschießung eigentlich erfolgt sein, wenn über eine halbe Stunde lang das Internet-Café im Normalbetrieb geblieben sein soll .“
    die fatalist nicht beantworten kann bzw. will.

    Merke: die Immunhistochemie ist der Mikroskopie (hier mit dem Erkennen eosinophiler Nervenzellnekrosen) eindeutig überlegen.

  7. Was spielt das überhaupt für eine Rolle wie lange Yozgat noch gelebt hat? Entscheidend ist der Zeitpunkt der Schüsse. Und da ist Fakt dass bei der Ankunft Temmes im Cafe nichts anderes bekannt ist als das Yozgat noch stand oder sass als Temme eintraf und der Tresen voller Blutspritzer war als Temme dort Geld hingelegt haben will weil. Wer ist denn hier der Staatsdiener der den dubiosen Temme mittels Todeszeitpunkt Nebelkerzen aus der Schusslinie nehmen will?

    1. Genau. „Noch gelebt“ hieße einfach nur Koma statt Sofort-Tod. Und dass jemand Wiederbelebungsversuche für sinnvoll hielt statt wegen völliger Aussichtslosigkeit darauf zu verzichten.

      Es wäre aber kein Hinweis darauf, ob diese Wiederbelebungsversuche am Anfang oder gegen Ende der 30 (oder x) „Überlebensminuten“ stattfanden und damit keinerlei Anhaltspunkt zur einzig wichtigen zeitlichen Fixierung: die der Schüsse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.