Tatortgruppe der Polizei übersah im NSU-Wohnmobil Schusswaffen, Handgranate

Der thüringer NSU-Untersuchungsausschuss befragte in seiner letzten Sitzung im September Kriminalpolizisten, die das Wohnmobil mit den erschossenen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos untersuchten. Die Tatortgruppe der Polizei hatte die Aufgabe, die Beweismittel im Wohnmobil zu sichern. Dabei sollen die Ermittler wesentliche Beweismittel einfach übersehen haben, die dann erst am nächsten Tag und noch später nachgefunden worden wären. 

Der thüringer Kriminalpolizist Ronald Köllner war Teil der Tatortgruppe. Er beschreibt den Schwerpunkt der Arbeit damit, dass die Gruppe „alles“ am Tatort erfasst. Ob in den neun Stunden am NSU-Wohnmobil die Tatortgruppe dort die Schränke geöffnet hätte, „weiß er nicht, denkt aber schon.“

„… dass man normalerweise alles erfasst, fotografiert, den Urzustand aufnimmt, eventuell eine Skizze anfertigt. Ob in den 9h der Arbeit am Freitag Schränke geöffnet wurden,weiß er nicht, denkt aber schon.“ (haskala)

Er war zuständig für die Entladung und Dokumentation der Waffen, die im Wohnmobil gefunden wurden. Als es noch in Stregda stand, wäre nur eine einzige Waffe aus dem Wohmobil entnommen und ihm überreicht worden, die er entlud. Es war die Dienstwaffe, des in Heilbronn überfallenen Kollegen Martin Arnold. 

„Der Abg. Höcke (AfD): „Sie sind gelernter Büchsenmacher, also ein wirklicher Waffenexperte. Sie sind sich sicher, dass sie in Stregda nur eine einzige Waffe entladen haben?“, „Ja, relativ sicher“, „Also nicht sicher?“, Doch sicher“.

Gegen 15:00 wurde das Wohnmobil (mit den offenbar ungesicherten Schusswaffen) in die Halle eines Transportunternehmens geschafft. Erst dort ging die Tatortarbeit richtig los. Die Kollegen überreichten Köllner die anderen Schusswaffen. Gegen 23:00 Uhr in der Nacht bekam er schließlich die Dienstwaffe der in Heilbronn getöteten Polizistin Michele Kiesewetter.

„(…)die Waffe die auf dem im Wohnbereich des Wagens lag sei später der Beamtin Kiesewetter zugeordnet und um 23.11 Uhr gesichert worden. Der Zeuge gibt an, auch diese Waffe entgegen genommen zu haben. (…) diese konnte auch nicht entladen werden, war teilweise verformt und der Schlitten war nicht bewegbar.“

Kurz darauf befragte der Ausschuss den Kriminapolizisten Lutz Harder. Sein Auftrag war, am 05.11. weitere Beweismittel im Wohnmobil zu sichern. Explizit erwähnt war das fehlende Bargeld vom Banküberfall am 04.11. in Eisenach. 

Laut seiner Aussage hätte die Beweissicherung zweimal abgebrochen werden müssen; die Tatortgruppe übersah am 04.11.11 als gefährlich erscheinende Waffen! Sein Kollege hätte „im Wohnraum des Wohnmobils eine Maschinenpistole“ gefunden, die schussbereit erschien.

„Aus Gründen der Eigensicherung habe man die Untersuchung gestoppt und eine Verbindung zu Waffensachverständigen herstellen lassen, dort gab es dann Infos, wie man die Waffe sichern muss, so das keine Gefahr mehr von ihr ausgeht.“

Die Maschinenpistole wäre auf der Sitzbank gelegen, eine weitere Schusswaffe befand sich „hinten auf der Matratze.“ Währenddessen wäre in „einer Tasche oder einem Beutel“ eine Handgranate aufgetaucht. Daraufhin stoppte ihre Arbeit ein weiteres Mal, da der Sprengmitteldienst gerufen werden musste.

„Nach dem Fund der Handgranate haben wir wieder abgebrochen“, weil keiner der Polizisten vor Ort den Sachverstand besitze, um einordnen zu können ob es eine scharfe oder eine Übungshandgranate sei. Man habe dann die USBV-Einheit vom LKA angefordert [=“Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung“, Entschärfer].“

Versteckter Text/Bild Zeigen

Sein Kollege hätte in einem Schrank die Beute aus dem Banküberfall gefunden.

„Sein Kollege hat das Geld im Wohnraum hinten im Schrank gefunden (…). Der Abgeordnete fragt, ob das bedeutet, dass die Tatortgruppe am Vortag (4.11.) bei ihrer Untersuchung den Schrank nicht geöffnet hat? Zeuge Harder: das ist folgerichtig.“

Was tat die Tatortgruppe am 04.11. in dem Wohnmobil eigentlich neun Stunden lang? Folgendes Tatortfoto zeigt, dass die rote Plastiktüte mit dem Beutegeld nicht gerade versteckt war. 

tatortgruppe-nsu-eisenach-wohnmobil

Tatortfotos zeigen die Maschinenpistole auf der Rückbank und die Pistole auf dem Klappbett. Es ist so gut wie ausgeschlossen, dass eine Tatortgruppe sie übersehen kann!

Nachdem Harder und sein Kollge ihre Arbeit abends am 05.11.11 beendeten, …

„… stand die Frage im Raum Bewachung ja oder nein und soweit ich weiß wurde das mit Nein entschieden“.

Im offenbar unbeaufsichten NSU-Wohnmobil gab es weitere Nachfindungen. Zum Beispiel fanden am 17.11. Ermittler noch eine leere Patronenhülse auf dem Boden des Wohnmobils herumliegen. Im Februar 2012 tauchte dann noch ein Geschossmantel auf dem Fahrersitz des Wohnmobils auf. Über weitere nachträglich gefundene Beweismittel gibt es den Artikel „NSU-Beweise Böhnhardt, Mundlos untergeschoben?

Besonders erwähnenswert: Im Gegensatz zu den anderen Ausschüssen stellt die Abgeordnete Katharina König Protokolle über die Befragungen auf ihrer Internetseite „haskala“ ins Netz. Nur dadurch ist es möglich, ein authentisches Bild über die Aussagen zu bekommen. Das Problem bei den anderen Ausschüssen ist, dass auf die Medienberichte, Twittermeldungen kein Verlass ist. Es ist nicht sicher, ob wahrheitsgemäß oder kompetent berichtet wird, wenn überhaupt ein parlamentarisch aufgedeckter Skandal medial Beachtung findet. Dazu im Gegensatz gibt es in Thüringen dank König keinen staatsschützenden „Filter“. 

15 Gedanken zu „Tatortgruppe der Polizei übersah im NSU-Wohnmobil Schusswaffen, Handgranate“

  1. Also die 2 kamen vom Banküberfall und haben eine gefechtstaugliche MPi auf einem Sitz zu liegen, wo man diese von außen sehen kann. Also entweder haben sie diese nach der Rückkehr einfach so dort hingelegt (wofür?) oder die lag schon vor dem Raub dort (wozu?). Beides klingt nicht nur völlig idiotisch, insbesondere im Bezug zu („Selbstmord“ wegen der 2 nahenden Streifenhörnchen).

    Die Geschichte ist so lächerlich dümmlich, daß alle die dieses Lügenmärchen verbreitet haben ins Irrenhaus gehören.

    Und die Tatortgruppe kann keine MPi sichern, sondern muß erst „anrufen“ und mit einer Handgranate kann auch keiner umgehen (wohl alle ungediente Verweigerer).

    1. Vielleicht gehört ja die MPi auch zu einem anderen Mord. 😉 Das hebt man sich jetzt so lange auf, bis in ein paar Jahren irgendein anderer Dreck langsam unter dem Teppich hervorkommt.

      … Die heutigen Zweifel (stark untertrieben) an der ganzen Geschichte interessieren dann keinen mehr.
      … Es ist nur noch als Realsatire zu ertragen.

  2. ich wußte ja schon immer, bei der polizei arbeiten experten.
    deshalb sieht es in deutschland genau so aus.
    alles sicher im griff, nur nicht richtig.
    haupsache das volk nach strich und faden belügen!!!

  3. Mit großer Wahrscheinlichkeit lügt Harder! Das Einsatzverlaufsprotokoll ist mit ernstzunehmender Wahrscheinlichkeit gefälscht. Aber dazu später.

    Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wie der UA vorgeht.

    Harder war zusammen mit Sopuschek am 05.11.2011 im WoMo tätig. Warum werden dann nicht beide zusammen in EINER Sitzung befragt? Nun kann der Sopuschek erstmal studieren, was sein Freund dem UA so an Märchen aufgetischt hat, um selbst nicht ins Fettnäpfchen zu treten.

    Schöne Rochade bei der Identifizierung der Dienstwaffen übrigens. Zurück geht ja nun wohl nicht mehr, zumal es ja auch so im Einsatzverlaufsprotokoll steht. Mich würde hier interessieren, ob dieses Einsatzverlaufsprotokoll zu den „neuen“ Unterlagen gehört, welche Frau Marx ja lt. Thüringer Allgemeinen erhalten hat. Meiner Meinung nach, hat sich Harder mit seinen Aussagen erst richtig reingeritten.

    @Fatalist

    Auf Seite 279 der Thüringer WoMo Akte hält ein markanter Bart eine 11 ins Bild. Da es nicht Harder ist – es sei denn er hätte sich den Bart vor der Sitzung des Ausschusses abnehmen lassen, kommt dafür eigentlich nur Soupuschek in Frage. Ich bilde mir ein, dass ich diesen markanten Bart auf einem der Stregdafotos vom 04.11. gesehen habe. 90 prozentige Sicherheit. Das Foto muss irgendwann im Blog gestanden haben. Was hatte Sopuschek am 04.11. in Stregda zu suchen. Mir ist keine Quelle bekannt, welche einen offiziellen Hinweis darauf gibt. Vielleicht kann dieses Foto jemand finden. Ob es Bedeutung erlangt weiß ich nicht, aber Soupschek und Harder sind zwei ganz heiße Kandidaten.

    1. Übrigens sieht man Seite 279 der Thüringer WoMo Akte auch den Harder im Blaumann. Da der Bart aber die 11 ins Bild hält, könnte noch ein 3. Mann anwesend sein, welcher fotografiert, es sei denn, Sopuschek hält die Kamera in der anderen Hand und fotografiert selbst.

      Was hatte der Bart am 04.11. in Stregda am WoMo zu suchen?

        1. Ja, klar am 05.11.2011. Da waren Sopuschek und Harder im WoMo. Möglicherweise noch ein 3 Mann dabei.

          Aber was hatte Sopuschek (der Bart von Seite 279 WoMo-Akte) schon am 04.11. 2011 in Stregda zu suchen? Da gibt es ein Foto. Der Bart war auch am WoMo in Stregda.

          1. Was nützen Brillen, wenn man nicht in der Lage ist, einen Text zu Ende zu lesen und inhaltlich zu erfassen?

            „Aber was hatte Sopuschek (der Bart von Seite 279 WoMo-Akte) schon am 04.11. 2011 in Stregda zu suchen? Da gibt es ein Foto. Der Bart war auch am WoMo in Stregda.“

            https://sicherungsblog.files.wordpress.com/2015/06/womo1.jpg

            Da gab es noch andere Fotos von Stregda und dort war der Bart mit dabei.

            Das war von Beginn an die zentrale Frage. Ob der Bart von Seite 279 in Stregda war und ob Du dieses Foto kennst. Die 2. Frage war, wem dieser Bart gehören könnte. Muss also nicht zwangsläufig der Soupuschek sein. Harder ist es jedenfalls nicht. Den gibt es auf Haskala und Seite 279 der WoMo-Akte.

    2. „Mit großer Wahrscheinlichkeit lügt Harder!“

      Harder muss nicht zwingend lügen.
      Er sagt nur nicht alles, weil die Fragen nichts taugen.
      Als die AfD richtiger Weise nach dem Rucksack fragt, regierte er clever und fragt nach der Spurennummer.
      Heißt übersetzt, erpresse mich mit Fakten und dann vielleicht.
      Der Fragesteller passt, hat er gerade nicht.

      Welcher Beamte soll für solche Stümperanfragen was riskieren, selbst wenn er willig ist?
      Er braucht das Alibi des Unausweichlichen und das Fragemuster muss der UA liefern.

      Den UA da zu unterstützen, aber auch zu testen, wäre eine wichtige Säule der Aufklärung des NSU-AK. Der genügt sich aber im Flagschiff Pöbelstrang, geführt vom Sektenbeauftragten für die ultimative NSU-Wahrheit, Fatalist. Wieso ein Kommunikationsprofi wie Meyr (Profiredenschreiber) diese Isolationsecke bedient, wohl wissend um die Abwertung der Fakten durch diese falschen Worte von F., führt ultimativ zu der Frage, wessen Herren dient so ein Profi eigentlich?

      Noch mal ganz klar, der THU hat nicht alle Unterlagen, schrieb ich schon mal. Also stellt man ihm in Vorbereitung der Sitzung Fragen, die mit AKTENAUSZÜGEN belegt sind. Da führt dann kein Weg mehr raus, zumal die AfD bisher zeigt, das sie so was aufgreifen würde. Alleine baut sie Mist, siehe Schlittenfehler Pistole, aber sie hat es gemacht.
      Das es diesen Versuch, diese einzige Chance, ein UA mit AfD zu nutzen, vom AK-NSU nicht gibt, steht für sich.

      Zum Schluss nochmal ein Schwenk zu Harder.
      Im Protokoll steht ein zusammenhangloser Satz zu chemischen Verfahren für Fingerabdrücke.
      Es war aber nicht zusammenhanglos.
      Es ging konkret um die Fahrerkabine. Harder hat von sich aus die Möglichkeit der Bedampfung und damit der besseren Sicherstellung erklärt. Er hat auch noch einen draufgelegt und erklärt eigentlich hätte man das machen müssen …
      Eigentlich?
      Keiner im UA fragt und hakt nach
      Man stellt sogar fest, das man keine Infos zum Spurenband Fahrerkabine hat, nur ein weißes Blatt.
      Also mit Absicht nicht geliefert.

      Einzige Aktivität, Problem und Lösung Spurenerhebung Fahrerkabine wird im Protokoll isoliert verbuddelt.

      1. Ich bleibe dabei. Mit hoher Wahrscheinlichkeit lügt Harder. Da gibt es ganz andere Erkenntnisse als die hier Veröffentlichten.

        Die Ausschussmitglieder sind halt keine Profis. Aus einer laufenden Befragung heraus richtig zu reagieren ist tatsächlich schwer. Selbst viele Strafverteidiger können das nicht. Hier mache ich den Ausschussmitgliedern keinen Vorwurf. Frau Marx hat schon ein paarmal wirklich geistesgegenwärtig reagiert und treffend nachgefragt.

      2. Sektenbeauftragten für die ultimative NSU-Wahrheit, Fatalist. Wieso ein Kommunikationsprofi wie Meyr (Profiredenschreiber) diese Isolationsecke bedient…

        Was ist denn die ultimative Wahrheit beim NSU, die der Fatalist verkündet hat?

        Herr Dr. Meyr hat meines Wissens zusmemn bisher ca 5 posts zum NSU geschrieben, vielleicht auch zwei mehr. Zur Aufklärung der Sachlage, darauf deutet die Zahl hin, kann er, will er und wird er nichts bis gar nichts beitragen, seine schauspielerische Begabung mal außen vorgelassen.

        Noch leben wir in einem freien Land. Wenn du so ein schlauer Bursche bist, setz dich hin, schreibe die dräuendsten Problem auf einen Zettel, einen verzweigten Fragenkatalog drunter und schicke die den Ausschußmitgliedern zu.

        Ersatzweise hülfe auch, einfach die Klappe zu halten.

        1. @anmerkung
          Deine Kommentare haben immer Hand und Fuß. Vor dem Hintergrund starte ich mal den Versuch, dich argumentativ zu erreichen.
          Was muss dir bei Sektenführer Fatalist erläutert werden?

          Er besteht auf unteilbare Deutungshoheit der NSU-Wahrheit. Das erzwingt er mit verbaler Gewalt. Wer widerspricht, eine andere Meinung hat oder gar einen Gedankenfehler macht, wird herabgewürdigt, beschimpft und diffamiert. Seine eigenen Fehler manipuliert er aus der Schusslinie, zu Lasten jeder Glaubwürdigkeit einer Aufklärung.
          Brauchst du wirklich Beispiele?

          Das Ergebnis ist ein Pöbelblock, Flaggschiff des AK-NSU, also das bist auch du, der die Aufklärung und Wahrheiten des AK ins komplette Abseits stellt.
          Wem das wohl gefällt?
          Was aus diesem sprachlichen Untergrund kommt, ist ad hoc abgelehnt. Niemand kann und will auf eure Inhalte Bezug nehmen oder sie zitieren, er ist sofort verbrannt.
          Selbst AfD Höcke, der sonst schmerzfrei gegen jede Tabuwand springt, zieht Deckung vor. Als er im TUA Material von euch für eine Frage nahm, kam sofort das Fangeisen, woher das Bild stammte. Er stieg drüber und meinte, „Quelle privat“. Warum wohl???

          Wie realitätsfremd ist euer Frontmann bezüglich der Wahrnehmung seiner „Aufklärer“- Bedeutung durch Dritte? Ihr solltet mal zusammenlegen und ihm in Kambodscha ein Sonnendach spendieren, vielleicht hilft es.
          Was bei euch hilft, die Frage Qualität der Außendarstel-lung als Thema der Aufklärung zu erkennen, keine Ahnung.
          Da wären wir dann beispielsweise beim Fragezeichen Meyr. Aber das zusammen zu kombinieren, überlasse ich jetzt dir.

          Was keinesfalls hilft, ist, andere aufzufordern, die Klappe zu halten.
          Wer in die Öffentlichkeit drängt, hat sich selbstredend auch zu stellen.

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