Stimmt Griechenland eigener Versklavung zu?

Die Parallelen zwischen der Entwicklung Griechenlands und Argentiniens sind augenscheinlich und geben Einblicke in Meinungsbildungs-Prozesse.

Ab den 90er Jahren war Argentinien der Musterschüler des Internationalen Währungsfonds (IWF). Unter Präsident Carlos Menem privatisierte es staatliche Öl- und Ergasunternehmen, die Eisenbahn, das Bildungswesen und bekämpfte die Inflation, indem die Regierung die Landeswährung Peso an den US-Dollar anband, zum Verhältnis 1:1.

Die Inflation konnte damit eingedämmt werden, da die Regierung nur noch soviel Peso drucken lassen konnte, wie die Zentralbank US-Dollarreserven hatte. Davon angelockt kauften internationale Investoren argentinische Staatsanleihen, die Auslandsverschuldung stieg. Auch die Argentinier freuten sich über die stabile Währung: Sie sparten in US-Dollar, kauften im Ausland ein oder machten dort Urlaub. Genauso wie momentan in Griechenland war das Defizit des Außenhandels immens. Nutznießer ist der Exportweltmeister Deutschland.

leistungsbilanz-argentinien

Quelle: Böckler-Stiftung

handelsbilanz-griechenland

Quelle: Querschüsse

Es wurde mehr importiert als exportiert. Die argentinische Wirtschaft hatte im Wettbewerb keine Chance, da der Peso überbewertet war! Die Wirtschaftskrise und Armut stieg, die Arbeitslosigkeit Ende der 90er Jahre auf 15%. Angesichts dessen schätzten immer mehr Investoren Argentinien als überschuldet ein.

Der Niedergang war jedoch für die Mehrheit der Argentinier kein Problem gewesen! Sie wählten Carlos Menem wieder. Angesichts der Wirtschaftsprobleme verschärfte sein konservativer Nachfolger de la Rua ab dem Jahr 2000 nochmals die neoliberalen Reformen. Es kam zu Kürzungen der Renten sowie der Bildungs- und Sozialausgaben.

Es kam vereinzelt zu Plünderungen von Supermärkten durch Arme sowie Streiks und Proteste linker Gruppen, die jedoch die Regierung nicht gefährdeten. Die Mehrheit der Argentinier, wie auch heute der Griechen beim Euro, wollten weiterhin die Vorzüge einer stabilen und international kaufkräftigen Währung nutzen.

Zu landesweiten Demonstrationen, Straßensperrungen und Streiks aus der Mitte der Gesellschaft kam es erst Ende 2001, als die Regierung die Bankkonten sperrte. Da Argentinien sein Tafelsilber schon in den 90er Jahren verkaufte, es privatisierte etwa das Ölunternehmen YPF, fehlten der Zentralbank ab Anfang 2000 zunehmend US-Dollar, um das Defizit zu tragen. Mangels Devisenreserven konnte die Anbindung des Peso an den US-Dollar nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Investoren forderten immer höhere Zinsen für die Staatsanleihen des Landes. Argentinien erhielt „Rettungskredite“ vom IWF. Als Reaktion verbrachten besorgte Sparer ihre „US-Dollar“ erst Recht aus dem Land in Sicherheit. Die Reserven neigten sich schließlich Ende 2001 endgültig dem Ende zu. Der IWF verweigerte weitere Rettungskredite, da die Regierung die geforderten noch tiefergehende Einschnitte im Parlament nicht durchsetzen konnte.

Die Regierung musste Kapitalverkehrskontrollen verhängen und machte sich damit zum Feind des Mittelstandes. Sparer konnten nur noch einen kleinen Teil der US-Dollar von ihren Konten abheben. Erst ab diesem Zeitpunkt schloss sich der Mittelstand den Protesten an, die zum Rücktritt der Regierung de la Rua führten.

Quelle: youtube

Was sagt uns das über Griechenland?

Wenn der IWF Argentinien mit US-Dollar versorgt hätte, dann wäre die große Mehrheit für die Beibehaltung der jahrelang betriebenen neoliberalen Wirtschaftspolitik gewesen. Diese Entwicklung ist auch in Griechenland ersichtlich. Nachdem die EU die Konten in Griechenland sperren ließ, vergrößerte sich die Befürwortung des Spardiktats deutlich.

Das Beispiel Argentinien zeigt, dass ein großer Teil der Griechen für die Beibehaltung der destruktiven EU-Politik stimmen wird. Dem Mittelstand ist eine stabile und kaufkräftige Währung wichtiger, als ein (dafür) geplündertes, wirtschaftlich und sozial zugrunde-gehendes Land.

Es erinnert an die Saga „Herr der Ringe“. Der „Ring der Macht“ ist vergleichbar mit einer starken Währung. Alle wollen sie haben. Wer den Ring trägt (wer das Geld hat), ist in großer Gefahr von der dunklen Macht selbst beherrscht zu werden und sich ihr zu unterwerfen, zulasten der Allgemeinheit.

„Der Ring ist im Herrn der Ringe das zentrale Objekt der Begierde, denn der Träger verspricht sich von ihm allumfassende Macht.“ (wikipedia)

Dieser entscheidende Ring hat die Macht, alle andere Ringe der Völker zu vernichten und dadurch deren Willen zu brechen, sie zu knechten.

„Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.“ (ebd)

Am Ende fällt selbst der Held der Sage. Sein Freund fordert ihn auf, sich vom „Ring der Macht“ zu trennen und ihn zu zerstören, er ruft verzweifelt:

„Los, mach schon wirf in ins Feuer! Worauf wartest Du denn noch? Lass ihn einfach los.“

Doch statt das Böse zu vernichten, ist die Antwort:

„Der Ring gehört mir.“


Quelle: youtube

Es gibt also berechtigte Zweifel, ob der Ring der Macht vernichtet werden wird, solange ihn noch eine Mehrheit trägt, sprich ein paar Euros in der Tasche hat. Daher ist wahrscheinlich, dass Griechenland „auf ewig gebunden“ „ins Dunkle“ getrieben seine staatliche Unabhängigkeit aufgeben wird.

Die Präsidentin Argentiniens Christina Kirchner sagte, dass falls die Dollar-Bindung der Landeswährung weiterbestünden hätte, sie jetzt „alle tot“ wären.

13 Gedanken zu „Stimmt Griechenland eigener Versklavung zu?“

  1. Leider muss ich dieser Analyse zustimmen. „Ein glücklicher Sklave ist der größte Gegner der Freiheit“. Aber die Frage ist, ob die Sklaven anschließend glücklich sind. Die letzten Tage der Regierung Tsipras sind gezählt. Er und Varoufakis haben körperliche Höchstleistung gebracht, aber für wen?
    Die klassische griechische Tragödie in Reinkultur.

  2. „Nutznießer ist der Exportweltmeister Deutschland.“
    Das gilt nur so lange, wie auch gezahlt werden kann, also für eine gewisse Zeit. Tatsächlich ist der Exportweltmeister aber langfristig immer gezwungen das Geld für den Einkauf mitzuliefern, anfangs als Kredit, später als Verlust oder Transfer in der einen oder anderen Form. Innerhalb Deutschlands führt das Exportweltmeister-Dasein unweigerlich zu einer Umverteilung, von den Bürgern zu den Eigentümern der Exportfirmen.
    Die Exportweltmeister-Wirtschaft ist in jedem Fall Teil des Problems und nicht der Lösung. Verantwortungsvolle, demokratische Länder sollten immer PixDaumen einen ausgeglichenen Aushandel anstreben, also in Summe so viel selbst verzehren wie sie produzieren. Auch die Verschiebung des Konsums auf der Zeitachse ist heikel und riskant und sollte sparsam eingesetzt werden.

    1. Schon richtig.
      Aber es gibt auch ein zweite Seite, die alle unterschlagen.
      Deutschland ist auch die Importlokomotive in der EU.
      Wir sind bei den westeuropäischen Ländern nahezu überall Chefeinkäufer oder zumindest Zweiter weltweit.

      Was wäre, wenn es das nicht gäbe?
      Die Einnahmen sind für viele Länder extrem wichtig und nicht beliebig erzielbar!

  3. Das wir eh alle freiwillige Sklaven sind
    Sollte Frau Merkel mal öffentlich bekannt geben aber selbst dann würde keiner aufmucken–der Mensch ist und bleibt eine allseits formbare willenlose Masse

  4. „Dem Mittelstand ist eine stabile und kaufkräftige Währung wichtiger, als ein (dafür) geplündertes, wirtschaftlich und sozial zugrunde-gehendes Land.“
    damit implizieren sie, dass eine stabile währung das land wirtschaftlich und sozial zugrunde gehen lässt. das ist unsinn. dann müsste deutschland zu den ärmeren ländern gehören und zimbabwe zu den reicheren. ein land geht an sozialistischer umverteilungspolitik zugrunde, von der es gerade in argentinien reichlich gibt, und nicht an der stärke seiner währung. die haben mehr pesos ausgegeben als sie dollars hatten um wahlversprechen zu finanzieren. auch wenn das von konservativen regierungen mitgemacht wurde, sind linke ideen daran schuld, die die politik vor sich hertreiben und zwingen geld zum fenster herauszuwerfen um an der macht zu bleiben. das wahlrecht müsste an die steuerleistung gekoppelt werden, um diesem kollektiven korruptionismus den wind aus den segeln zu nehmen. der iwf kann nicht dafür beschuldigt werden, dass er sich weigert geld zu verschenken.

  5. “Dem Mittelstand ist eine stabile und kaufkräftige Währung wichtiger, als ein (dafür) geplündertes, wirtschaftlich und sozial zugrunde-gehendes Land.”

    Attribute einer Währung (Stabil,kaufkräftig) interessieren nur dann, wenn man auch Geld h a t .
    Die Masse der Griechen hat das gerade nicht nach 5 Jahren Kaputtsparpolitik..
    Vgl. auch die derzeitige Arbeitslosigkeit und auch die Jugendarbeitslosigkeit ! Vgl. auch den Rückgang des Bruttoinlandsprodukt seit 2010 jährlich um bis zu 25 %!

    Weil der Mittelstand dann angeblich jede Menge Euro ( vgl. dessen “stabilen” (Achtung Ironie!) Kurs zum US Dollar z.B. oder zum Schweizer Franken!) hat (dazu passen nicht die die leergeräumten Banken, sagt der Mittelstand dann am Sonntag JA zum EU Diktat?
    Da sind Zweifel angebracht!

    Wenn die Mehrzahl der Griechen wirklich versteht worum es geht, dann wird die Mehrzahl mit NEIN stimmen, wie sich auch die Mehrzahl, wegen der katastrophalen Sparpolitik der Troika , im Januar 2015 für Syriza ausgesprochen hat.

    Syriza und Tzipras haben mit ihren Aussagen völlig Recht, merkt inzwischen sogar der IWF:

    http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/waehrungsfonds-analysiert-iwf-athen-braucht-neuen-schuldenschnitt-oder-20-jahre-ruhe_H582621864_189132/

    Worum es auch geht und was Merkel und Co fürchten:
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/dr-paul-craig-roberts/wieder-einmal-kann-griechenland-den-westen-retten.html

    Sarah Wagenknecht hat vor mehr als zwei Jahren im Bundestag das Disaster (für den europäischen Steuerzahler!!) und die Masse des griechishcen Volkes durch die Begünstigung für die Gläubigerbanken und Hedge Fonds bereits vorhergesehen:
    Merkel (die läuft weg, kneift ) und Schäuble begreifen wie üblich nichts oder tun zumindest so!
    https://www.youtube.com/watch?t=465&v=E1uFJytAFcs

    Übrigens: in einer hier im blog geforderten bargeldlosen bzw. Bargeld bestrafenden Gesellschaft hätten die Oligarchen und sonstigen Betrüger (“die Reichen”) in Griechenland ihr Banken “Buchgeld” schon längst ins Ausland transferiert, der Durchschnittsgrieche hätte das mit seinem Ersparten gerade nicht tun können, bzw. nicht gemacht.
    Ergo verliert er und somit die Masse des Volkes, z.B. bei einer Währungskrise/Umstellung fast sein ganzes (summenmässig geringes) Erspartes. Kleinvieh macht aber bekanntlich auch Mist.
    Die Leidtragenden einer Bargeldumlaufgebühr oder starken Einschränkungen beim Bargeld wäre da also wer? Die Reichen oder der Durchschnittsbürger?

    1. Wenn es Minus-Zinsen auf Sichtguthaben in einem Währungsraum gäbe, dann würden wahrscheinlich die ausländischen Banken aus kommerziellen Gründen mitziehen. Zur Not könnte auch das Zentralbankgeld-Guthaben der Banken bei der Zentralbank mit der Umlaufsicherung gesichert werden. (Dort gibt es schon teilweise Minus-Zinsen, aber nur bei den Tagesgeldern). Dann würde das Buchgeld auch dann an Wert verlieren, wenn es bei einer ausländischen Bank versteckt worden wäre. Ansonsten würde der Wechselkurs übermäßige Flucht der heimischen Währung unrentabel machen. Das sind alles technische Fragen, die mir lösbar erscheinen.

      1. „Wenn es Minus-Zinsen auf Sichtguthaben in einem Währungsraum gäbe, dann würden wahrscheinlich die ausländischen Banken aus kommerziellen Gründen mitziehen“

        Konjunktive und Vermutungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Masse der Bürger in „bargeldlosen“ oder „bargeldchipmarkierten“ Zeiten oder bei Minuszinsen auf Sichtguthaben (Sprich Girokontoguthaben!!) nochmals betrogen und ihrer letzten Freiheiten beraubt werden, zu 100 % zu (Konsum) Bankensklaven werden.

        Wir haben nun mal das Faktum dass z.B. in der jetzigen Situation die griechischen Oligarchen, Reichen und Betrüger am Volk den Grossteil ihrer Millionen im sicheren Ausland (als Buchgeld oder diversifiziert !) „horten.“

        Das Ganze dann noch durch eine Bargeldumlaufgebühr bzw. Gebühr auf Girokontenguthaben (Sichteinlagen) absolut zu verschlimmern und der Masse der Bürger die letzte Freiheit zu nehmen, da muss man erst mal darauf kommen!
        Man muss nur schauen aus welcher generellen Ecke diese Vorschläge zu Bargeldgebühr und Minuszinsen kommen.

        Die Banken (und Systemkonservative) machen das doch nur, weil sie genau wissen, dass sie die Einlagen ihrer Kunden systematisch veruntreuen und (vgl. auch Griechenland) die Guthaben der Kunden nur mit massiven EU Spritzen z.B. bei diesem griechischem „bankrun“ zurückzahlen und das nur in kleinen Raten, können.
        Ergo muss man am System was ändern und nicht neue unsinnige, die Masse der Leute weiter versklavende
        Verschlimmbesserungs Forderungen vertreten.

  6. Die Griechen haben weder einen Tsunami gehabt noch ein Erdbeben oder eine Feuerwalze.
    Sie haben sich Strukturen eingerichtet, in denen sie verbessert leben konnten, finanziert von Dritten. Dafür Solidarität zu fordern, ist schon mal problematisch.

    Wenn sie das nicht einsehen und auf Basis der Einsicht ihren Staat radikal umgestalten, dann werden sie weiter Geld verbrennen, so man es ihnen gibt, weil es andere bezahlen.

    Den Griechen fehlt die Einsicht der eigenen Verantwortung, das ist das innere Problem.

    Das äußere Problem ist das Finanzierungssystem der Staaten über den Finanzmarkt. Das ist nicht nur Betrug, das funktioniert auch nicht in einer Währungsunion. Sie ist offen wie ein Scheunentor. Völlig daneben, aber Absicht.

    1. Es muss dringend der Euro-Stecker gezogen werden, dass Griechenland wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen kann. Verständlicherweise will das der Teil der Bevölkerung nicht, der Euros in der Tasche hat, um weiter etwa deutsche Produkte kaufen zu können. Die hohe Verschuldung ist darauf zurückzuführen. Sie passierte bis 2008. Nicht der Staat verschuldete sich, sondern die Unternehmen und Privatpersonen.

      „Und so nahm die Verschuldung der europäischen Volkswirtschaften lange zu – in Griechenland von ca. 180 % 1999 auf ca. 280 % 2008 (und das ist noch niedrig; Spaniens Gesamtverschuldung stieg im gleichen Zeitraum von etwa 200 auf 500% an).[2] Diese Zunahme ging, zumindest in Griechenland, jedoch nicht auf den Staatshaushalt zurück. Dessen Verschuldung war, gemessen am BIP, zwar hoch, aber konstant, und schwankte 2001-2008 zwischen 105 und 110%. Der Anteil des Staats an der Gesamtverschuldung schrumpfte demzufolge von ca. 65% auf 40%; der Anstieg war vor allem von Finanzinstituten, Unternehmen, und Haushalten getragen.“http://www.heise.de/tp/artikel/45/45347/1.html

      Es ist eine Frechheit, dass die Konservativen in Griechenland und Deutschland mit dem Wahnsinn weitermachen wollen.

  7. Die Griechen haben doch von der angebliche Sparpolitik überhaupt nichts umgesetzt, mussten sie auch nicht, wir haben ja fleissig Geld nachgeschoben, es war ja genug da. Wurden die Griechen gezwungen sind in den EURO zu fälschen? Wurden die Griechen gezwungen diese immensen Schulden anzuhäufen und das Geld zu verballern mit der modernsten Armee Europas? Steuern dass ich nicht lache: die Reeder Milliardäre zahlen gar nichts, ein Hotel das 500 EUR im Jahr bezahlt wird nicht mal geprüft, braucht keine Steuererklärung einrichen. Halten die Griechen uns alle für blöde ?? Die Griechen haben im Bruderkampf von 1945 – 1949 ihr Land und die umliegenden Länder verwüstet, heute sagen sie das wäre die Wehrmacht gewesen?

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