NSU-Anklage in Sackgasse – welche neuen Ermittlungsansätze gäbe es?

Am 21.11.2011 überzeugten Generalbundesanwalt Harald Range und BKA-Chef Jörg Ziercke den Bundestag vom indirekten Schuldeingeständnis von Uwe Mundlos. Von Polizeidirektor Michael Menzel in die Enge getrieben, hätte Mundlos sich selbst und seinen Freund Böhnhardt erschossenen, der vorhandene Brandruß in seiner Lunge bewiese das: Mundlos wäre einer von drei Haupttätern einer rechtsextremen NSU-Terrorzelle gewesen. Einstimmig nahm der Bundestag am Tag darauf einen Antrag an, der sich festlegte: Die zehn Ceska-Mordopfer und die Polizistin Michele Kiesewetter wären Opfer einer „Neonazi-Bande“ geworden, das Land war unter Schock. Jetzt Mitte Juni 2015 steht inzwischen seit einem Jahr fest: Es gab keinen Brandruß in der Lunge von Mundlos und Staatsministerin Aydan Özoguz hinterfragte im Bundestag, wer wirklich geschossen hatte. Bis heute ist unklar, was die wirklichen Hintergründe der Morde waren. Dabei gäbe es vielversprechende Ermittlungsansätze.

Die von Ermittlern gefundenen Beweise in Wohnmobil und Zwickauer Wohnung erscheinen zunehmend, dem Trio untergeschoben worden zu sein. Dank der im Internet veröffentlichten Ermittlungsakten wird das Trio von den Vorverurteilungen immer weiter entlastet. In welche Richtung könnten sich neue Ermittlungen richten?

Polizeidirektor Michael Menzel

Der damalige Polizeichef von Gotha Michael Menzel leitete am 04.11.11 den Einsatz gegen die (angeblichen) Eisenacher Bankräuber Mundlos/Böhnhardt und fand in ihrem Wohnmobil u. a. die Dienstwaffe Kiesewetters. Menzel war Vorgesetzter von Mike Wenzel, dem Patenonkel der (angeblich) vom NSU-Trio erschossenen Polizistin Michele Kiesewetter! Wenzel …

 “… arbeitete beim polizeilichen Staatsschutz in Saalfeld (…). Der Vorgesetzte von Wenzel ist jener Kriminaldirektor Michael Menzel aus Gotha.” (kontext)

Mike Wenzel

Mit diesem (angeblichen) Zufall ist es lange nicht genug: Bereits neun Tage nach der Ermordung seiner Nichte am 25.04.2007 vermutete Wenzel eine Verbindung zu den „Türkenmorden“. Der thüringer Kriminalbeamte aus Saalfeld Uwe Möller gab ihm die Information, dass das Kaliber der Schusswaffen beider Fälle identisch wäre, genauso wie die bei den Taten verwendeten Fahrräder!

Das entspricht jedoch nicht der Realität: Die Kaliber waren bei den Ceska-Morden 7,65 mm. Dagegen traf Frau Kiesewetter ein Projektil des Kalibers 9 mm und Herr Arnold ein Kaliber 7,62 mm. Auch zählten die beim Heilbronner Polizistenüberfall beobachteten Radfahrer nicht zum angenommen Täterkreis der 4-6 Personen, die teilweise blutverschmiert von der Theresienwiese zu Fuß flüchtend beobachtet wurden. 

Uwe Möller

Der thüringer U-Ausschuss vernahm Uwe Möller und Mike Wenzel am 06.03.14. Dabei traten aber noch mehr Widersprüche zu Tage, die sogar bei einer Gegenüberstellung nicht lösbar waren.

Dabei zeigte sich Wenzel überrascht, das die Kaliber der Ceska-Morde andere als die beim Polizistenüberfall gewesen waren.

[spoiler] Auf die Frage der Vors. Abg. Marx wie er 2007 auf die Verbindung zur Česká-Serie bzw. den beiden Tatmerkmalen kam gibt Herr Wenzel an: “Der Bezug Fahrrad und Kaliber… das ist aus dem Gespräch von mir und Uwe Möller”. Die Vors. Abg. Marx: Aber dieses Kaliber gab es dort gar nicht. Wenzel denkt, dass ein solches Kaliber innerhalb der „Türkenmorde“ zur Verwendung kam. Die Vors. Abg. Marx resümiert, dass dann ja nur noch die Fahrrad-Verbindung übrig bliebe. Wenzel: “Ich habe vom Hörensagen das Weitergegeben, weil ich der Meinung war, dass ist wichtig”. [/spoiler]

Klärte Wenzel bis zu seiner Befragung im U-Ausschuss niemand über den Irrtum auf?

Uwe Möller gibt als Grundlage seiner Einschätzung eine Meldung im polizei-internen Nachrichtensystem an, die am 3.8.2006 die Ceska-Morde betreffend verbreitet wurde. In dieser Meldung steht jedoch kein Wort über verdächtige Fahrradfahrer. Auf die unterschiedlichen Kaliber angesprochen sagte Möller schließlich, dass er vielleicht das Kaliber aus einer anderen Nachricht, einen anderen Mordfall betreffend, gehabt haben könnte.

Möller gibt im Ausschuss an, dass er Wenzel nicht unmittelbar nach dem Überfall von seiner Einschätzung erzählte. Laut Vernehmungsakte der SOKO „Parkplatz“ machte Wenzel jedoch seine Aussage neun Tage nach dem Polizistenmord, am 3. Mai 2007! Möller kommentiert: “Das es so nah nach der Tötung stattgefunden hat, glaube ich gar nicht”. “Ganz ausschließen kann ich’s nicht.” (haskala

Laut der Vernehmungakte wäre Wenzel in Baden-Württemberg gewesen. Dem widerspricht er entschieden. Er war dort nicht und ermittelte nicht mit. Das erste Mal war er im Jahr 2012 auf der Theresienwiese. Anlässlich des 5. Todestages seiner Nichte stand er dort an ihrer Gedenktafel.

[spoiler]

Der Abg. Adams dankt den Zeugen für seine bisherige Beantwortung der Fragen und knüpft an eine polizeiliche Zeugenvernehmung in Baden-Württemberg wenige Tage nach dem Mord an. Der Zeuge fragt, mit wem die Vernehmung durchgeführt wurde. Der Abg. Adams „Mit ihnen!“. Wenzel erwidert: dass stimmt nicht. Einige im Raum sind irritiert, steht doch auf den Vernehmungsprotokollen eindeutig der Name von Wenzel und das Datum Anfang Mai 2007. “Deswegen verblüfft mich dieses Datum. Ich krieg das zeitlich auch nicht mehr auf die Reihe. Ich weis auch nicht mehr, ob dass 2007 protokolliert worden ist, ich kann es nicht mehr mit Gewissheit sagen. Fakt ist, dass ich nicht in Heilbronn war und auch nicht in Baden-Württemberg und auch nicht dort mit ermittelt habe” gibt der Zeuge Wenzel an. “Ich war das erste mal auf der Theresienwiese an der Stele [seiner Nichte] an ihrem 5. Todestag 2012″. Wenzel beteuert, er habe keinen angerufen. Es fand ein Treffen in Thüringen statt, wo auch Angehörige der Polizei aus Baden Württemberg hier seine Eltern besuchten. Er fragt sich, ob zu dem Zeitpunkt der Herr Möller schon solche Infos hätte haben können [?], eine genaue zeitliche Einordnung kann er nicht mehr vornehmen.

Die Vors. Abg. Marx hält dem Zeugen vor, dass der Ausschuss aber über andere Informationen verfüge, wonach bei den anderen Morden ausschließlich die Česká zum Einsatz kam es beim Mordfall Kiesewetter keine Schusswaffenübereinstimmung gab. Möller: “Ich glaube, dass es zwischen den eingestellten Taten zumindest gleiche Kalibergrößen gab […] Über das Kaliber und den Radfahrer sind wir darauf zusprechen gekommen”.

Die Abg. König bemerkt auch, dass in der Extrapol-Meldung, die er offenbar zuvor sah und die ausweislich der Akten auf den 3.8.2006 datiert, keinerlei Bezug zu irgendwelchen Fahrrädern hervorgeht. Möller erklärt, dass ein Fahrrad-Bezug irgendwann bei den anderen Tötungsdelikten auftauchte und im Kontext mit Michèle Kiesewetter dann ebenfalls ein Fahrrad. Es folgen noch einige Vorhalte z.a. E-Postmeldungen an den Zeugen. Die Abg. König bemerkt, dass es zwei E-Postmeldungen mit Fahrrad-Bezug aus dem Jahr 2005 gibt, in dem Extrapol-Eintrag, den er 2006 offenbar las, stand nichts von einem Fahrrad.

Der Abg. Adams fragt den Zeugen, ob er noch ungefähr einordnen könne, wann er seine Kenntnisse über eine mögliche Verbindung der Verbrechen an den Onkel von Michèle Kiesewetter, Herrn Wenzel weitergab. Der Zeuge kann das nicht mehr genau einschätzen, könnte nicht mal mehr sagen ob 2007 oder 2008, aber er ist sich sicher: “Es war nicht unmittelbar nach bekanntwerden des Tötungsdeliktes”. Laut den Unterlagen soll das Gespräch zwischen Wenzel und den Ermittlern aus Baden-Württemberg am 3. Mai 2007 stattgefunden haben. Der Mord an seiner Nichte war am 25. April 2007. Der Abg. Adams fragt nochmal, ob es nicht die Möglichkeit gibt, dass er kurz nach dem Mord Mike Wenzel über seine These informierte. “Ganz ausschließen kann ich’s nicht” gibt Möller an. Er habe sich öfter auf eine Tasse Café mit Wenzel getroffen, weil es für ihn schwierig gewesen sei, mit dem Mord umzugehen. Möller erklärt, dass er es für unwahrscheinlich gehalten hätte, dass er seine Information über einen möglichen Zusammenhang zur Česká-Serie innerhalb von so kurzer Zeit nach dem Mord gegenüber Mike Wenzel vorgetragen hätte.

Die Abg. König kommt darauf zurück, dass er irgendwo etwas in den Fahndungsmeldungen o.ä. zu einem Mord mit einer 9mm Waffe in der Serie las. Das habe dort aber ausweislich der Unterlagen nirgendwo gestanden, berichtet die Abgeordnete. Seine Erinnerung sagt dem Zeugen etwas anderes. Dann meint Möller schließlich, dass er vielleicht auch ein ganz anderes Tötungsdelikt im Extrapol sah, was auf einem 9mm Projektil basierte aber keinerlei Bezug zur Česká-Mordserie hatte. König weist nochmal daraufhin dass bei der Meldung [aus dem Jahr 2006] zum Česká-Morden mit 7,65mm Projektil kein Fahrrad erwähnt wird und fragt woher er wusste, dass Fahrräder da eine Rolle spielten. Möller meint, dass sich die Infos zu dem Sachverhalt in unregelmäßigen Abständen ergänzt hatten. [Möglicherweise ist die Aktenlage schlicht nicht vollständig].

Die Abg. König kommt darauf zurück, dass der Zeuge zweifelt, dass er zwischen dem 25.4. und dem 4.5.2007 mit Herrn Wenzel über seine These gesprochen habe. Am 4.5.2007 taucht die Information in der Dokumentation der Baden-Württemberger Polizei zur Befragung des Herrn Wenzel erstmalig auf. Möller: “Das es so nah nach der Tötung stattgefunden hat, glaube ich gar nicht”. (ebd)[/spoiler]

Die aufgetischte Geschichte ist unglaubwürdig 

Warum aber sollten Wenzel und Möller über die wahren Hintergründe lügen? Angenommen sie hätten damals gewusst, dass der NSU die Ceska-Morde und den Polizistenmord begang, warum schweigen sie dann bis heute darüber? 

Gab Wenzel vielleicht Menzel einen Tipp, der zur „Selbstenttarnung des NSU“ am 04.11.11 führte? Warum sollte das Wenzel jetzt verbergen? Es wäre längst an der Zeit, das Netzwerk zu zerschlagen, das den Mord an seiner Nichte auf dem Gewissen hat.

Dieser Erklärungsansatz macht jedoch immer weniger Sinn, je mehr sich der Verdacht erhärtet, dass Böhnhardt/Mundlos ermordet, Beweismittel ihnen im Wohnmobil untergeschoben wurden. Warum wäre dies nötig, wenn sie tatsächlich die Täter waren?

Es fällt damit auf Mike Wenzel ein Schatten, ein Zweifel an seiner Darstellung. Es ist schwer vorstellbar, dass die Verbindung von der „Selbstenttarnung des NSU“, also von Menzel über Wenzel zu Kiesewetter nur ein großer Zufall gewesen sein soll.

Eine alternative Erklärung könnte sein, dass bereits kurz nach dem Heilbronner Polizistenüberfall Böhnhardt/Mundlos als alle Morde verbindende Sündenböcke verantwortlich gemacht werden sollten, und Möller von diesem Vorhaben etwas mitbekam, ohne voll in Kenntnis gesetzt worden zu sein. In Wenzels Vernehmung vom 03.05.2007 ordnete er ja die Tat nicht Rechtsextremen zu, sondern der „organisierten Kriminalität“, wegen ihrer Skrupellosigkeit der russischen oder georgischen.

Für eine Verschwörung zulasten Mundlos/Böhnhardt würde sprechen, dass der NSU-Bekennerfilm im Jahr 2007 bereits so gut wie fertig war. Auch die Kuverts waren bereits 2007 mit Adressen versehen, etwa an die „PDS“ gerichtet. Erst am 16. Juni 2007 verschmalz sie mit der Partei „WASG“ zur „Linken“. Das heißt, dass die Kuverts kurz nach dem Polizistenmord zum Versand vorbereitet worden sein könnten. 

Dafür spräche auch, dass Wenzel aus seiner beruflichen Arbeit schon von Böhnhardt/Mundlos hörte!

“Auf die Frage, ob ihm beim bekanntwerden der Trio-Fahndungsfotos nach der NSU-Selbstenttarnung 2011 die Namen des Trios noch bekannt waren äußert Wenzel. “Die Namen sagten mir schon was, Zschäpe eher weniger. Mundlos, Böhnhardt ja”. (haskala)

Doch damit noch immer nicht genug an Zufällen:

Am 10.03.2010 schrieb ein David F. das BKA an mit der Frage, ob es sein könne,

„…. dass die „Döner“-Mordserie von dem selben Täter wie beim Mordfall in Heilbronn begangen wurde, wenn ja könnte ich sicher weiterhelfen“ (vgl. MAT A BKA-2/25a, Bl. 476-478).

Das BKA sandte diese E-mail an die BAO Bosporus nach Nürnberg und an die Soko Parkplatz beim LKA Baden-Württemberg. Erst 2012 wurde David Friedel vernommen (vgl. MAT A GBA-4/16, Bl. 2 ff.). (Bundestag)

Kurz nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos schrieb Wenzels ehemalige Lebensgefährtin und Polizistin der Landespolizeiinspektion (LPI) Saalfeld Anja Wittig “mehrere SMS” an ihn. Sie bezeichnete ihn als “Verräter”. Im U-Ausschuss gab Wenzel vor, nicht den Grund zu wissen. Es würde sich auch seiner Kenntnis entziehen, …

“… dass der neue Mann seiner Ex-Freundin von den Behörden der rechten Szene zugeordnet wird. Später fiel es ihm dann doch ein.

Der Beamte bestätigte auf Nachfragen, dass er in der Zeit, in dem er beim Staatsschutz arbeitete, bei Ermittlungen direkt oder indirekt mit führenden Nazis zu tun hatte, darunter mit dem NSU-Helfer und Ex-Verfassungsschutzspitzel Tino Brandt. ”(ta)

Seine damalige Lebensgefährtin Wittig war 2003 mit Kiesewetter befreundet und sogar im Urlaub mit ihr gewesen! Im Thüringer NSU-Ausschuss dementierte sie, Wenzel einen „Verräter“ genannt zu haben.

„Die Zeugin dementiert das. “Nein und meine Handys sind ja auch mehrfach ausgewertet worden”, die Polizei hätte da nichts gefunden, so Frau Wittig. “Davon höre ich jetzt zum ersten mal”.“ (haskala)

Sie berichtete von Drohungen, die sie im Zuge der Ermittlungen zum NSU erhielt.

„Unter anderem hätten sie zwei Männer zu Hause aufgesucht und ihr geraten, sich „an bestimmte Dinge“ im Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter nicht zu erinnern, (…)“. (mz)

[spoiler]

Auf die Frage der Abg. König ob sie Vermutungen anstellte, wer das an der Tür gewesen sein könne: “Ich hatte vermutet, der Verfassungsschutz.”

„Die Abg. Pelke fragt weiter zum Besuch der beiden Männer, die sie einschüchterten. Ob sie diese Information auf dem Dienstweg weitergegeben habe? Nein, nur ihrem Mann, gibt Wittig an. Ob sie versucht habe, den Hintergrund zu erkennen? “Ich weiß es nicht. Es war ja auch nicht ungewöhnlich“, seit das BKA ermittelte hätten Angriffe stattgefunden, der letzte Angriff nach ihrer Vorladung zum Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss, so die Zeugin. [/spoiler]

Im U-Ausschuss gab sie über die Hintergründe der Drohungen und ihr Wissen kaum Auskunft. Sie machte keinen offenen Eindruck. Hatte Sie Angst?

Sie wäre zu Unrecht suspendiert worden, wegen „unberechtigten Abfragen in polizeilichen Informationssystemen“. Seit zwei Jahren wäre sie krankgeschrieben.

[spoiler]

“Das ist nie so richtig nachgewiesen worden […] Ich konnte es [die Rechtmäßigkeit] zumindest nachweißen und kann es auch jetzt an anhand von Geschäftszeichen [bzw. polizeilichen Vorgängen]. Auf eine mögliche Aktivität ihres Mannes in der rechten Szene angesprochen, gibt sie an: “Der war in der rechten Szene überhaupt nicht aktiv und ist es auch nicht”.

„Die Suspendierung konnte sie über das Verwaltungsgericht aufheben lassen, erklärt sie.“ [/spoiler]

Sie fragte u. a. einen Namen ab, der auch im Rahmen der NSU-Berichterstattung schon gefallen ist. Henning Haydt, bei dem 1997 Rohrbomben sichergestellt wurden.

[spoiler] „Auf Nachfrage ob sie mit einer der Personen auf Facebook befreundet ist, bestätigt sie eine FB-Freundschaft zu Sven Kalisch. Marx hält ihr außerdem vor, dass Sven Kalisch ein enger Freund von Frank Liebau sein soll, der in Jena das Szenegeschäft Madley betrieb. Davon gehört habe sie schonmal, drin war sie aber nicht. Dass Liebeau auch als Waffenlieferant für den NSU im Verdacht steht wusste sie nicht und habe erst im Rahmen der BKA Vernehmung davon erfahren. Auch der Name des Jenaer Kameradschafts-Aktivisten „Marcel Welsch“ wird wie bei der Ausschuss-Sitzung am Donnerstag nochmal genannt.“ [/spoiler]

Wo ist Kiesewetters zweites Handy?

Es gibt Ungereimtheiten bezüglich der von Kiesewetter benützten privaten Handys. Diese Frage ist relevant, da bis heute unbekannt ist, wer ihr welche Einsatzbefehle gab.

Eine  mir unverständliche aber interessant wirkende Analyse bei „nsu-leaks“ will diese Ungereimtheiten zum Teil ergründet haben. Wegen der auf mich chaotisch wirkenden Beweisführung kann dies leider nicht bestätigt werden.   

Laut Kiesewetters Mutter hätte ihre Tochter zwei private Handys gehabt, mit zwei unterschiedlichen Nummern! Es waren ein “Sony Ericsson und ein rosarotes Klapphandy”. Die Kollegin Elena H. bestätigte zwei private Handys. Eins war „ein silbernes kleines Nokia Handy zum aufschieben und um das Display war eine rosa Plastikfläche.“ Dazu kam ein weiteres Handy, welches nicht im Betrieb war.(Friedensblick)

Die Ermittlungsakten geben lediglich Auskunft über die Analyse eines Nokia-Handys. Es fehlt die Auswertung des „Sony Ericsson“. Der Gruppenführer Kiesewetters an dem Tag und das frühere Ku Klux Klan – Mitglied Timo H. sah in ihrer Hand ein „rosa Handy“, als er am Tatort eintraf. Unscharfe Fotos aus den Akten bestätigen dies nicht.

Verstrickt sich Mike Wenzel in Widersprüche?

Er wurde im U-Ausschuss darauf angesprochen, dass es …

„… im Zusammenhang mit der Soko Parkplatz 2010/2011 nochmal eine Kontaktaufnahme gab, da ging es um ein [oder mehrere] Handy von Michèle Kiesewetter.“ (haskala)

Laut der veröffentlichen Ermittlungsakte Nr. 191 der Sonderkommission (SOKO) „Parkplatz“ und Auskunft des Bloggers „fatalist“ hätte man Wenzel 2010 gebeten „nachzusehen“, ob er ein Handy seiner Nichte von der SOKO „bekommen“ hätte. 

Wenzel beschwerte sich im Zuge des Gesprächs, dass „der Familie ein Handy von Michele mit einem Spurenaufkleber übergeben wurde, ohne dass das Handy vorher ausgelesen worden ist.“ Es handelt sich hierbei höchstwahrscheinlich um ein zweites “Nokia Handy mit Ladegerät“, Asservat Nr. 0 12. Es wurde in der Wohnung Kiesewetters gefunden und der Mutter übergeben. (Friedensblick)

Quelle: nsu-leaks

Anschließend, berichtet die SOKO, …

“… erklärte der Onkel, Herr Wenzel, dass er von der Bereitschaftspolizei verschiedene Uniformteile und Stiefel von Michele bekommen habe.

Auf meine Bitte hin erklärte er sich bereit, am Wochenende nachzusehen, ob sich darin Zettel oder sonstige Notizen oder ein Handy befinden. Er werde sich in den nächsten Woche melden.”

Kann es sich hierbei um das oben genannte Nokia-Handy (Asservat Nr. 0 12handeln, welches der Mutter übergeben wurde? Das macht aber kaum Sinn, da die SOKO im Aktenvermerk nicht darauf einging.

Im U-Ausschuss wand sich Wenzel um eine klare Antwort herum, ob er ein Handy von Kiesewetter besessen hätte. Leider versäumte es der U-Ausschuss zu fragen, um welche Marke es sich handelte, und verzichtete auf Nachfragen.

Laut Wenzel wäre „richtig“, …

„… dass er und Michèle Kiesewetter ein baugleiches Gerät benutzten. Er habe offenbar die Rück- und Vorderschale des Gerätes von Kiesewetter auf sein Gerät ausgetauscht.“

Warum sollte Wenzel die Rück- und Vorderschale des Handys seiner Nichte ausbauen, um es bei seinem baugleichen Handy einzubauen? 

„Er habe erst später in dem Gespräch mit Polizisten mal gefragt, ob das Gerät denn schon ausgewertet wurde, daraufhin sei das Prozedere offenbar erst in die Gänge gekommen.“

Diese Darstellung steht scheinbar im Widerspruch damit, dass es ja die SOKO war, die Wenzel im Jahr 2010 nach einem Handy seiner Nichte fragte und nicht umgekehrt. Es gibt in den mir bekannten Ermittlungsakten auch keinen Hinweis darauf, dass Wenzel ein Handy Kiesewetters an die SOKO übergäben hätte! 

„Auf nachfrage, ob ihm das einfiel oder ob es da eine Nachfrage gab, kann er sich nicht mehr genau erinnern. Die Original-SIM-Karte sei scheinbar so lange weiterhin im Gerät verblieben.Seine Schwester habe zwischenzeitlich versucht, das Gerät für sich zu nutzen, es hätte jedoch nicht funktioniert.“

Mit dieser Darstellung wird es komplett unverständlich. Wie soll seine Schwester versucht haben, „das Gerät für sich“ zu nutzen, wenn es bei der SOKO gewesen wäre? 

Unbekanntes Netzwerk

Wie Möller kurz nach dem Tod Kiesewetters vermutete, gab es tatsächlich Parallelen zur Ceska-Mordserie. Es war jedoch nicht das Kaliber, Fahrradfahrer oder der rechtsextreme Hintergrund, wie ihn uns die Bundesanwaltschaft weismachen möchte.

Die Erschossenen wurden wie Kiesewetter im Vorfeld der Anschläge von bis heute Unbekannten bedroht, aber eben nicht von glatzköpfigen Nazis sondern von u. a. dunkelhaarigen Südländertypen. Das zeigen auch die Phantombilder.

Zur Bedrohung passt, dass die Täter genau über die Anwesenheit der Ceska-Opfer am Tatort Bescheid wussten, parallel zur tödlichen Falle, der Kiesewetter und Arnold zum Opfer fielen. 

Es ist also davon auszugehen, dass Kiesewetter im Zuge ihrer polizeilichen Tätigkeit in Konflikt mit einer kriminell-terroristischen Organisation kam, die auch Verbindungen in ihr privates Umfeld hatte. Sowohl sie wie auch ihr Patenonkel waren in der gleichen Zeit im Bereich „Drogen“ eingesetzt.

Wenn der thüringer U-Ausschuss feststellen würde, dass Beweismittel im Wohnmobil den toten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt untergeschoben wurden, wäre es für die hier Angesprochenen angeraten, alle Fakten auf den Tisch zu legen. 

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