Wer stellte Polizisten Kiesewetter/Arnold Todesfalle?

Die Hintergründe des Heilbronner Polizistenüberfalls vom 25.04.2007 liegen weiter im Dunkeln. Zugespielte Polizeiakten der Sonderkommission „Parkplatz“ zeigen, dass erst ab dem Jahr 2009/2010 ernsthaft ermittelt wurde. Der Kollegenkreis der Polizisten geriet ins Fadenkreuz, etwa durch freiwillige DNA-Tests. Die Ermittlungen wurden erst durch die „Selbstenttarnung des National Sozialistischen Untergrunds (NSU)“ am 04.11.11 beendet. Ein weiterer Ansatz der Sonderkommission waren Ermittlungen, die Handys der erschossenen Michele Kiesewetter betreffend. Wer schickte die Streife „Kiesewetter/Arnold“ in die Todes-Falle?

Die Sonderkommission (Soko) „Parkplatz“ fragte Kollegen der überfallenen Polizisten Michele Kiesewetter und Martin Arnold massiv nach ihrer Handybenutzung aus. Warum fuhr die Streife am 25.04. gleich zweimal die „Theresienwiese“ an, obwohl dort weder der Pausenort von Kiesewetter noch der von Arnold war?

Kiesewetter parkte versteckt hinter einem Trafohäuschen im hinteren Teil der heilbronner „Theresienwiese“. Dort geschah der Überfall: Gegen 14:00 schlichen sich die Attentäter hinter dem Häusschen an das Polizeiauto, überraschten die im Auto sitzenden Polizisten und schossen durch die geöffneten Fenster in die Köpfe. Es gab keine Zeugen. Die Täter konnten flüchten.

Großer Zufall?

Nach offizieller Darstellung wäre alles ein großer Zufall gewesen.

Zufälligerweise machte die Streife gleich zweimal Pause in der „Theresienwiese“, zufälligerweise wussten die Attentäter von der sich dort bietenden Gelegenheit eines heimtückischen Überfalls.

Um von dieser Ungereimheit abzulenken, log der Geheimdienst „Verfassungsschutz“. Der damalige CDU-Obmann des Bundestags U-Ausschusses Clemens Binninger betonte, dass …

 … die Theresienwiese bei Heilbronn “keinesfalls ein üblicher Treffpunkt” für die Polizistin Michèle Kiesewetter gewesen wäre, anders “wie zunächst der Verfassungsschutz erklärt hatte.”

Tatsächlich befragte die Soko ausgiebig die Kollegen, ob die „Theresienwiese“ überhaupt ein bekannter Pausenort gewesen sei. Sie kam zu einem verneinenden Ergebnis.

„Der Standort Theresienwiese als Ruheraum oder Standort für Vespereinnahme war einigen wenigen Kollegen bekannt. Der überwiegende Teil der Kollegen erklärte dies nicht gewusst zu haben. Das gleiche galt für die Frage Theresienwiese als Kontrollort.“

Doch wie konnte die Streife in die Todesfalle geschickt worden sein?

Zum einen durch ein persönliches Gespräch während der „Schulungsveranstaltung“ um 13.00, davor oder danach.

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Der Gruppenführer von Kiesewetters, Timo H., befand sich am Bahnhof, als er vom Überfall erfahren hätte.

„Ich meine die Lage wurde über 4m-Funk durchgegeben. Ich bin mit Kollege B. im Auto gewesen, ich meine es war in der Nähe des Bahnhofes. Über Funk wurde mitgeteilt, dass ein Kollege „Ex“ und ein Kollege schwerverletzt sei.“

Die Schulungsveranstaltung fand im Polizeirevier in der John-F.-Kennedy Str. statt. Nachdem die Streife Kiesewetter/Arnold dort teilnahm, wäre sie wieder auf die „Theresienwiese“ gefahren. Jedoch machte sie bei der Anfahrt einen kleinen Umweg, da sie am Bahnhof vorbeifuhr! Von einem Kontakt zu Timo H. ist nichts bekannt.

„Bei der Anfahrt zum Tatort erinnerte sich Martin ARNOLD daran, dass sie am Tattag am Bahnhof vorbeigefahren sind. Die Unterführung vor der Theresienwiese habe er rechts gesehen. Durchgefahren seien sie nicht.“

Zum anderen könnte die Streife angefunkt worden sein. Dies wäre jedoch für die Attentäter mit Risiken verbunden gewesen, da der polizeiliche Funkverkehr von Kollegen mitgehört hätte werden könnte.

Es wurden zwei Handfunkgeräte im Ablagefach der Beifahrertüre gefunden, davon war eines angeschalten. Die Auswertung des Funkverkehrs ergab, dass die Streife um 11 Uhr eine Person überprüfen ließ.

Ermittler stellten eine Blutspur an einem Funkgerät fest. Dies überrascht nicht, erlitten die Polizisten im Fahrzeugraum ja Kopfschüsse. Die Spur wurde einem DNA-Test unterzogen. Unglaublicherweise schlug die Analyse fehl – die „DNA-Konzentration“ wäre „zu gering“ gewesen – „nicht analysiert“. Weiter gab es im Ablagefach der Geräte eine „mutmaßliche Hautabriebespur“. Die DNA-Analyse ergab wieder keine Übereinstimmung mit Kiesewetter oder Arnold. Es war eine „unvollständige Mischspur durch mind. 2 Personen.“

Zum anderen könnte die Streife durch ein Handygespräch oder eine SMS-Kurzmitteilung angewiesen worden sein. Kiesewetters Kollege und (ehemaliges) Ku Klux Klan – Mitglied Timo H. bestätigte, dass Anweisungen manchmal sogar über private Handys gegeben wurden.

Frage:
Hast du am 25.04.2007 oder auch bei anderen Einsätzen mit deinen Kräften über Handy Kontakt aufgenommen?
Antwort:
Wir haben bei Einsätzen nicht immer dienstliche Handys dabei, da wir nicht immer genügend dienstliche Handys zur Verfügung haben. So kommt es auch vor, dass wir während des Einsatzes mit unseren Privathandys telefonieren.

Im Ermittlungsbericht der Staatsanwaltschaft Heilbronn steht, dass die Streife drei Handys mitführte. Jeweils ein privates Handy und das gemeinsam genutzte dienstliche. Die Auswertung wäre „unauffällig“ gewesen. Doch wurden überhaupt alle Handys überprüft? Nahm Kiesewetter zwei Handys mit?

Die Auswertung der zugespielten Akten legen Ungereimheiten im Fall von Kiesewetter offen.

Es fehlt in den Akten die Auswertung eines privat genützten Handys von Michele Kiesewetter. Eines war am Tatort, der Verbleib des zweiten ist bis heute unbekannt.

Ein Nokia-Handy befand sich in ihrer Wohnung. Laut der Soko „Parkplatz“ hätte Kiesewetter dieses Handy benutzt, bevor sie ihr neues Handy Ende 2006 kaufte. Die Soko übergab es der Mutter.

Der “Nokia Handy mit Ladegerät. Es dürfte sich um das Gerät handeln welches sie benutzte bis zum Kauf des aktuellen Handys im November 2006. Das Handy wird sichergestellt. Asservat Nr. 0 12.” (Soko “Parkplatz”)

Diese Darstellung widerspricht jedoch die Mutter. Michele behielt nicht ihr altes Handy sondern überließ es der Mutter, nachdem sie Ende 2006 den neuen Vertrag abschloss!

„Frau Kiesewetter erklärte ferner zum Handy ihrer Tochter, dass Michele im Frühjahr 2007 oder Ende 2006 einen neuen Vertrag abschloss. Ihr altes Handy mit der Rufnummer habe ihr Michele gegeben.

Desweiteren sagte die Mutter aus, dass ihr „lediglich eine Nummer bekannt ist“, die Tochter hätte jedoch zwei private Handys besessen. Ein “Sony Ericsson und ein rosarotes Klapphandy“.

Auch die Polizistin Elena H. bestätigte, dass Kiesewetter zwei private Handys hatte, mit zwei unterschiedlichen Nummern! Sie begründete dies mit dem Abschluss des neuen Handyvertrages. Außerdem hätte Kiesewetter sogar noch ein drittes private Handy gehabt, „von ihrer Mutter“, jedoch „nur das Gerät“.

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Wo sind die Handys Kiesewetters?

Der Verbleib des „Sony Ericsson“ – Handys ist unbekannt. Dafür gibt es gleich mehrere Funde von Nokia-Handys.

In unmittelbarer Nähe des Tatortes fanden Sporttaucher im Neckar ein Nokia-Handy mit SIM-Karte. Entsorgten es die Attentäter dort nach dem Überfall? Ein weiteres Nokia-Handy fanden Ermittler, wie oben schon geschrieben, in ihrer Wohnung. Desweiteren sah Timo H. ein „rosa Handy“ in der Hand der toten Kiesewetter.

Laut des Onkels von Kiesewetter, Mike Wenzel,  hätte er ein Handy von Kiesewetter besessen. Es wäre “über Jahre nach dem Mord zunächst weder sichergestellt noch die darauf befindlichen Daten ausgewertet” worden. Erst 2010 hätte es eine Kontaktaufnahme der Soko gegeben. 

Laut Akte Nr. 191 hätte ihn die Sonderkommission gebeten, nach einem Handy zu suchen:

„Ferner erklärte der Onkel, Herr Wenzel, dass er von der Bereitschaftspolizei verschiedene Uniformteile und Stiefel von Michele bekommen habe. Auf meine Bitte hin erklärte er sich bereit, am Wochenende nachzusehen, ob sich darin Zettel oder sonstige Notizen oder ein Handy befinden. Er werde sich in den nächsten Woche melden.“

Auch hätte die Familie ein Handy mit Spurenaufklebern von der Soko erhalten. Leider ist nicht bekannt, um welche Modelle es sich dabei handelte.

Fazit

Es besteht für den U-Ausschuss in Baden-Württemberg die Möglichkeit, sowohl den Heilbronner Polizistenüberfall aufzuklären wie auch die Ceska-Mordserie und die Ermordung von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die Entflechtung der Handyspur wäre eine Möglichkeit. Die Verbrechen gehen auf die selben Hinterleute zurück – das zeigt die sogenannte „Selbstenttarnung des NSU“. 

Die Hürden liegen jedoch hoch. Mächtige Kreise mit guten Verbindungen zu den Medien gelingt es, Teile der Öffentlichkeit zu desinformieren und zu verschleiern, dass Ermittlungen von höchster Stelle aus sabotiert werden. Der U-Ausschuss in Baden-Württemberg müsste massiv in Konflikt mit der herrschenden Mediokratie treten und mutig auch gegen die eigenen Behörden ermitteln. Doch wer soll eine Hausdurchsuchung im Innenministerium veranlassen und durchführen? Nach den Erfahrungen der letzten U-Ausschüsse ist davon leider nicht auszugehen.

16 Gedanken zu „Wer stellte Polizisten Kiesewetter/Arnold Todesfalle?“

  1. Schade das Onkel Mike Wenzel sich nicht mehr genau an seine Aussage bzw die Motivation zu dieser Aussage kurz nach dem Mord an Kiesewetter erinnern kann. Die eigene Nichte wird ermordet und Onkel Polizist Mike Wenzel kann sich nicht mehr vollständig erinnern? Wirklich bedauerlich.

  2. Onkel Mike war damals übrigens beim Drogendezernat in Saalfeld, da erkennt man Zusammenhänge zwischen Polizistenmord in Heilbronn und Dönermordserie natürlich sofort.

  3. kein schmauch an kopfstützen und an türen/karosserie, also auch keine nahschüsse auf im auto sitzende. muss man mal kapieren.
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    von einem weiteren kasperles-pua ist auszugehen, das hat georg richtig erkannt.
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    klar ist die dia/mevluet kar-story eine desinfo. nübels märchenstunde 2011 ist nur die erweiterung des märchens aus 2010.
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    bei aust/laabs ist nachzulesen, welcher islamist dort wirklich war. ahmad chehade. amal-miliz, hizbollah-iran-nähe.
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    damit dürfte auch die zielperson des LfV an jennem Tag benannt sein.

  4. Na ja.
    Wenn Fatalists Aktenlage stimmt, dann hast du den falschen Ansatz gewählt.

    Gibt es tatsächlich keine Fingerabdrücke am Lenkrad, dann ist der Trafo auch nicht von Kiesewetter als Standort angefahren worden.
    Dann macht Arnolds Erinnerung in einem T4 gefahren zu sein durchaus Sinn, auch das seine Brille auf dem Beifahrersitz lag, auf der er ja wohl kaum die ganze Zeit gesessen hat und keine Schmauchspuren am Mercedes passen dann auch.

    Denn das alles macht Sinn, wenn der Tatort woanders war und dann die ganze Fuhre zum Trafohäuschen gebracht wurde.

      1. Einwand berechtigt, aber nur zum Teil.
        Beweisführer und Behaupter Fatalist ist hier etwas ungenau. Ein Umkehrschluss ist kein Beweis, stimmt.
        Aber das lässt sich ja von dir mit ihm klären.
        Die Frage ist Kriegsentscheidend für den Tatort.
        Und T4 und die Brille bleiben.
        Wir sind uns einig, da kann Arnold nicht die ganze Zeit drauf gesessen haben. Also kann da so auch nicht stimmen.

        1. Da steht tatsächlich, dass sie die türrahmen nach Schmauch untersucht haben.
          „In gleicher Weisen wurden die pval-abzüge von den türrahmen des dienstfahrzeuges (kfz. 2 und kfz. 3) (…) bearbeitet.“
          Gibt es in den Akten wirklich keine Hinweise auf die Ergebnisse der Untersuchung? Das ist seltsam.

          1. Da steht doch, rot eingerahmt, das Ergebnis.
            Tipp: Da steht „Ergebnis“ drüber.
            Schau mal hin 😉

          2. Das ist unglaublich – die Polizei hat wirklich am Türrahmen nach Schmauch gesucht und keinen gefunden. Das steht da.

            „4. Ergebnisse
            4.1 Dienstfahrzeug
            Weder an den Nackenstützen noch an den Türrahmen des Dienstfahrzeuges konnten Schmauchantragungen nachgewiesen werden.“

  5. Ist es glaubwürdig, dass weder am Schaltknauf noch am Lenkrad Fingerabdrücke und DNA überprüft/gesucht wurde?

    Gefunden wurde jedenfalls nichts.

    https://sicherungsblog.files.wordpress.com/2015/01/dakty-28.jpg?w=620

    Wenn gar nicht erst gesucht wurde, ist das auch eine „Aussage“: Man wusste, dass der Tatort arrangiert ist…

    hxxps://sicherungsblog.wordpress.com/2015/01/11/fingerabdrucke-beim-nsu-keine-auf-der-selbstmordwaffe-im-heilbronner-streifenwagen-gar-keine-und-bei-kohlers-auto-die-falschen/

    1. Fatalist zitiert doch (zurecht) ständig Aust/Laabs, wonach die Mordermittlungen in diesem Fall extrem schlampig gewesen seien. Natürlich ist es plausibel auf Schaltknauf und Lenkrad NICHT nach Spuren zu suchen, wenn es kein Indiz dafür gibt, dass da jemand anders am Werke war als die Opfer selbst. Außerdem konnte man doch bald die vermeintliche „Phantom“-Spur vorweisen.

      Es ist schon wahnsinnig riskant am hellichten Tag an dieser Stelle jemanden zu ermorden. Die Annahme aber, jemand habe Wagen und Opfer da unbemerkt hindrapiert, ist nur noch hirnrissig, pardon. Das lenkt doch nur von den wichtigen Fragen ab.

  6. Fragt Euch doch einfach mal, was könnte ein junger Mann gesehen haben, der dort herumlungerte… oder was der junge Mann von Weitem sah? Sah der vielleicht 2 Polizeiautos, einen BMW und einen T4, und als der T4 wieder weg war, da lagen/sassen da 2 Polizisten im BMW, tot und fast tot?

    ist das nicht mal überlegenswert, dass dieses Wissen tödlich sein könnte? Das vom 2. Polizeifahrzeug?

    Es gibt sogar eine Zeugenaussage dazu. 2. Polizeifahrzeug, eventuell ein Van/Bus. Steht im Blog…

  7. Zu dem T4 fällt mir vielleicht was ein.
    Ich arbeite bei der Müllabfuhr im Landkreis Calw.
    All unsere Fahrzeuge haben ein zwei Wege Tomtom.
    Das heißt, wir können es zum Navigieren verwenden und der
    Chef kann gleichzeitig sehen wo wir uns befinden, damit er
    weiß, wen er vielleicht noch schicken kann, um irgendwo
    auszuhelfen. Außerdem werden unsere Routen damit
    aufgezeichnet und gespeichert.
    Wenn sogar eine kleine Landmüllabfuhr sowas hat, müßte
    die Polizei sowas nicht erst recht haben?
    Die müssen im Notfall doch auch wissen, wo der nächste Streifenwagen ist.
    Gibt’s da vielleicht was in den Akten?

    Gruß

    Simon

  8. Ich hab mir aus dem NSU Forum die Heilbronn-Akte heruntergeladen. Anscheinend hatten die nur ein Tomtom Go 300. Das hat die Funktion nicht.
    Komisch.

  9. 8.3.2.1 5 Heiko NOWAK
    Der Zeuge NOWAK fuhr am 25.04.2007, 14:1 5 Uhr mit der S-Bahn von der Haltestelle
    Sonnenbrunnen zum Hauptbahnhof. Als der Zug die Eisenbahnbrücke über den Kanal
    überquerte sah der Zeuge auf der Theresienwiese neben dem Backsteingebäude einen
    Streifenwagen stehen. Beide Türen seien offen gestanden, ein Mann sei auf dem Beifahrersitz gesessen, auf dem Fahrersitz habe eine weitere Person gesessen, die sich aus
    dem Fahrzeug herausgebeugt habe. Ca. 3 m von dem Streifenwagen entfernt sei ein
    silberfarbener Pkw gestanden, der schräg geparkt gewesen sei. Sonst seien ihm keine
    Personen in dem Bereich aufgefallen. Eine Rekonstruktion des Geschehensablaufs ergab, dass bei einer Fahrt mit der beschriebenen S-Bahn der Tatortbereich für ca. 8 Sekunden einsehbar ist.
    _____________

    da hing also MK schon aus dem auto raus, MA sass noch im Auto, und ein silbernes Auto steht schräg daneben.

    die waffendiebe?

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