Silvio Gesell übte harte Kritik am Goldgeld

Der deutsch-argentinische Kaufmann Silvio Gesell veröffentlichte 1916 sein Hauptwerk “Die natürliche Wirtschaftsordnung”. Dort übte Silvio Gesell Kritik an der Goldwährung, der Deckung von Geld mit Gold.

Silvio Gesell erklärte, dass es sich bei Goldgeld um das Gegenteil eines umlaufgesicherten „Schwundgeldes“ handelt. Schwundgeld kann rosten, es verliert durch Minus-Zinsen an Wert, wenn es nicht schnell wieder ausgegeben wird. Dagegen stärkt die Goldwährung die Position der Geldbesitzer, vor allen Dingen während Krisenzeiten. Dann gewinnen die Besitzer des Goldgeldes, wenn sie horten, ihr Geld nicht ausgegeben. Es kommt zu sinkenden Preisen, die Nachfrage gerät ins Stocken. Der Zins kann erpresst werden. 

„Das bisher Gesagte zeigt uns, wie schlecht mit dem Gold die Arbeitsteilung gegründet ist. (…) Dank seinen körperlichen (Edelmetall) und seinen gesetzlichen Vorrechten (gesetzliches Zahlungsmittel) nimmt das Goldgeld eine Ausnahmestelle ein unter den Gütern, deren Austausch auf das Geld angewiesen ist. Das Goldgeld ist darum auch zum allgemeinen Sparmittel geworden, und der Sparer gibt es nicht wieder heraus, es sei denn, daß man ihm einen Zins verspricht. Früh oder spät verfällt aber alles Geld, das der Staat als Tauschmittel in Umlauf setzt, der Kasse irgendeines Sparers, so daß wiederum alles umlaufende Geld aus den Sparkassen kommt, also somit Zins belastet den Markt betritt, um seine Tätigkeit als Tauschmittel zu erfüllen.“

Gesells Warnungen wurden während der Weltwirtschaftskrise 1929 bittere Realität, als die goldgedeckten Währungen die Volkswirtschaften in eine schwere Nachfrage-Krise stürzten und in den Abgrund rissen.

„Ein ständiger Rückgang der Geldherstellung übt einen ständig wachsenden Druck auf alle Warenpreise aus. Dieser erstickt jeden Unternehmungsgeist, er gibt den Schwarzsehern recht, die da sagen, daß unter den obwaltenden Verhältnissen Nichtstun das bessere Unternehmen sei.“

Silvio Gesell kritisierte weiter an der Goldwährung, dass das Tauschmittel Geld nicht mit einem gestiegenen Volksprodukt mitwachsen kann, falls keine neuen Goldvorkommen gefunden oder erobert werden. Er forderte …

Die Preise dürfen niemals und unter keinen Umständen fallen! (…) Wir erreichen das:

1. indem wir das Geld vom Gold trennen und die Geldherstellung nach den Bedürfnissen des Marktes richten;

2. indem wir das aus Papier verfertige Geld so gestalten, daß dieses unter allen Umständen gegen Waren angeboten wird, und zwar selbst dann noch angeboten wird, wenn der Kapitalzins, der Zins des Geldes sowohl, wie der Zins der Sachgüter (Realkapitalien), fällt und verschwindet.“ S. 200

Der Mythos des Goldes

„Die Tatsache war da, daß bei Zufluß von Gold die Gewerbe, Künste und Wissenschaften gediehen. Nur verwechselten die Merkantilisten Geld und Gold. Sie glaubten, das Gold bewirke das Wunder mit Hilfe seines „inneren Wertes“; es gab für sie kein Geld, sondern nur Gold. Geld und Gold waren ein Begriff. Sie wußten nicht, daß das Geld, nicht das Gold, den Austausch der Waren vermittelt, und daß der Reichtum durch die Arbeitsteilung entsteht, die das Geld, nicht das Gold, ermöglicht. Sie suchten die Wirkungen der Arbeitsteilung in Eigenschaften des Goldes, statt in den den Geldes.“ S. 201

„So kam mit dem Gold und der Arbeitsteilung zugleich der große Friedensstörer, der Zins, auf die Welt. Die Arbeitsteilung an sich verlangt keinen Zins. Wer sollte da auch Zins zahlen und weshalb? Die Arbeitsteilung hätte also den Menschen allgemeinen Wohlstand bringen sollen, da sie ja kein Vorrecht einzelner, sondern allen Menschen zugänglich ist. Aber aus den Händen des Goldes empfing die Menschheit diese Götterkraft nur unter der Bedingung des Zinses, und damit auch der Trennung der Menschen in arm und reich. (…)

Das Gold läßt allgemeinen Volkswohlstand nicht zu. Es streikt, es versagt seine Dienste, wenn es mit freien Männern zu tun hat. (…) Goldgeld und ein freiheitliches Volksleben sind unvereinbar. Gleich am ersten Tage seines Erscheinens setzt das Gold, unter Benutzung der urgewaltigen Kräfte, die ihm die Menschen durch die Übertragung der Geldeigenschaften verliehen, die Trennung der Menschen in Arbeiter und Genießer durch.

Und mit dieser Teilung der Menschheit in eine schwitzende, fluchende, arbeitende Klasse einerseits und in schmarotzende Genießer anderseits setzt auch die Erziehung des Menschen zu dem kleinlichen, bösartigen, neidischen Alberich ein, zu dem verbrecherischen Wesen, das uns in der Geschichte der Jahrtausende überall auf Schritt und Tritt begegnet.“ S. 227

8 Gedanken zu „Silvio Gesell übte harte Kritik am Goldgeld“

  1. Seit einigen Jahren liege ich mit den Goldjunkies schon wegen genau dieser Sichtweise im Streit. Sehr merkwürdig ist jedoch, dass gerade diese Goldjunkies beständig den Systemcrash herbei beten, jedoch in der Hoffnung, dann den großen Reibach zu machen. Sie reden also mit gespaltener Zunge.

    Ein kleines Schmankerl der Wiedersprüchlichkeit habe ich erst vor kurzem bei mmnews entdeckt. Da schreibt doch der Chrashprophet Walter K. Eichelburg

    „Innerhalb von 3 Stunden soll das Finanzsystem kollabieren und der Goldpreis explodieren:“

    EIn kollabierendes Finanzsystem soll also den Goldpreis in die Höhe treiben…

    MfG

  2. Ich denke auch, daß es nicht viel Sinn macht das Geld, also einen „Platzhalter“ um Güter zu bewegen, auf Gold, oder andere Rohstoffe zu bauen, die knapp sind.

    Da ich ebenso ein Gegner dessen bin, Systeme zu konstruieren, nach denen Menschen dann zu leben haben, schaue ich lieber, wie macht es denn die Schöpfung in und an uns?

    Und wenn man sich an der Schöpfung ein Beispiel nimmt, dann nutzt diese zum hervorbringen allen Lebendigen hauptsächlich Dinge die im Überfluß da sind. Materiell gesehen baut die Schöpfung das Leben hauptsächlich aus den Chemischen Elementen, H, O, C. Also Wasserstoff, Sauerstoff, und Kohlenstoff, und diese in den unterschiedlichsten Verbindungen. Und das sind eben durchaus Stoffe, die es im Überfluß gibt.

    Auch der Blutkreislauf, der ja den inneren Handelskreislauf darstellt, handelt vornehmlich nicht mit raren Dingen, sondern mit Dingen die es reichhaltig gibt.

    Hätte die Schöpfung auf rare Rohstoffe gesetzt, um Lebendigkeit zu erzeugen, dann wäre unser Welt recht unlebendig.

    Ein Tauschmittel wie Geld, welches tagtäglich benutzt werden soll, also auf Gold zu basieren, halte ich darausfolgend für falsch, eben WEIL es recht knapp ist, und dadurch in Folge auch immer Knappheit erzeugt.

    Etwas was man ja eigentlich nicht will. Man strebt ja, wie auch die Schöpfung, nach Fülle, also sollte man Geld auch aus einem Stoff machen, der überall reichhaltig vorhanden ist.

    Das wichtigste ist zu Begreifen, daß Geld eben KEIN Gut ist, sondern nur eine Funktion des Gutes, nämlich dessen Bewegung ist, und weil das so ist, muß Geld auch in Bewegung bleiben.

    Es darf nicht hortbar sein, weil würde es hortbar, würde es die Bewegung aufgeben und zum Gut werden, was es aber ja nicht ist. Es ist lediglich ein Platzhalter eines bestehenden Gutes, das bewegt werden soll.

    Gruß aus Bremen

  3. „Das Gold läßt allgemeinen Volkswohlstand nicht zu. Es streikt, es versagt seine Dienste, wenn es mit freien Männern zu tun hat. (…) Goldgeld und ein freiheitliches Volksleben sind unvereinbar. Gleich am ersten Tage seines Erscheinens setzt das Gold, unter Benutzung der urgewaltigen Kräfte, die ihm die Menschen durch die Übertragung der Geldeigenschaften verliehen, die Trennung der Menschen in Arbeiter und Genießer durch.“ Zitat Ende

    Ich habe selten so einen Unsinn gelesen.

    Der Kauf von „Staatsanleihen“ durch die EZB läßt wohl allgemeinen „Volkswohlstand“ zu?!

    Gold und Silber in kleinen Stückelungen – Unzen sind im Krisenfall zur Deckung des täglichen Bedarfs wertlos – sind gerade für den kleinen Mann eine wichtige Überlebenshilfe. Was hier geschrieben wird, zeigt nur, das hier nicht die leiseste Ahnung über praktisches Verhalten in einer solchen Krisensituation vorliegt. Wer 2001 in Argentinien oder 1991 in der Ukraine war, der hat eine Vorstellung, was beim Zusammenbruch des Finanzsystems droht. Hier geht es für den Normalbürger nicht darum Profit zu machen, sondern seinen KIndern noch etwas zu essen kaufen zu können! Dieser linke Schwachsinn kostet gerade Arbeiterfamilien die Existenz.

    1. Es ist natürlich korrekt, dass Gold- und Silbermünzen in kleinen Mengen als Krisenreserve für normale Bürger sinnvoll sind, besonders für Währungskrisen. Das ist aber eine ganz andere Frage als die nach der Sinnhaftigkeit einer Goldbindung einer Währung. Währungstheoretiker interessieren sich für die zweite, vorsorgende Familienväter für die erste Rolle des Goldes — und reden dabei aneinander vorbei.
      Dass die Goldbindung volkswirtschaftlich in einer deflationären Krise wie der Weltwirtschaftskrise von 1929-1939 eine negative Rolle spielt, ist eindeutig. Großbritannien und Japan haben die Goldbindung damals früh gekappt und sich damit wirtschaftlich das Schlimmste erspart. Frankreich ist mit seinen Vorräten an und seinem Glauben an Gold voll in die Krise gefahren. Ein Autor, der wie kein zweiter das Für und Wider des Goldes in der aktuellen Krise hin und her diskutiert, ist Ambrose Evans-Pritchart im britischen Telegraph: google nach „site:telegraph.co.uk ambrose gold“

      1. Ich hatte ein Zitat an den Anfang meines Kommentars gesetzt und wiederhole mich noch einmal :

        “Das Gold läßt allgemeinen Volkswohlstand nicht zu. Es streikt, es versagt seine Dienste, wenn es mit freien Männern zu tun hat. (…) Goldgeld und ein freiheitliches Volksleben sind unvereinbarn “ Zitat Ende

        …das Gegenteil ist der Fall! Als Denkanstoß :

        https://www.youtube.com/watch?v=wfJitmHmPU0

  4. Die ganze Debatte krankt schon an den fehlenden praktischen Erfahrungen. Durch den grossen Tsunami 2004 kamen 200 000 Menschen um, aber bei den Eingeborenen auf den Andamanen – direkt neben dem Epizentrum – gab es keine Todesopfer, denn die Häuptlinge hatten von ihren Vätern gelernt, beim Zurückweichen des Ozeans den Stamm in die Berge zu führen!

    Wer seine Ahnen und ihr Wissen verdammt – und nicht aus eigener Erfahrung für das Leben gestählt wurde – dessen Prognose ist generell schlecht. Das gilt sowohl für den Umgang mit Gold, als auch für das richtige Verhalten bei Tsunamis. Die Einen rennen halt dem zurückweichenden Ozean hinterher und die anderen glauben den linken Spinnern! Beides endet tödlich!

    In keinem Land der Erde werden die Vorfahren so unsäglich besudelt wie im freiesten Staat, welchen es je auf deutschem Boden gab. Die Folgen können auch bei der Debatte ums Gold besichtigt werden.

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