Freiwirtschaft

Freiwirtschaft heißt, dass sich die Menschen gemäß ihrer Natur entwickeln können, dass sie davon frei sind, als Knechte ausgebeutet zu werden. Der Wohlstand soll denjenigen zugutekommen, die ihn auch erarbeitet haben. Das Ziel des Gründervaters der Freiwirtschaftslehre Silvio Gesell (1862-1930) war, dass die arbeitslosen Einkommen, die mittel- und langfristigen Zinsen für Geldvermögen, auf ein geringes Niveau von 0-1 % zurückgehen und arbeitslose Einkommen aus Grund- und Bodenbesitz gänzlich wegfallen.

Weniger Zins ist mehr, für den Schuldner und für den Sparer! 

Keineswegs spricht sich Gesell grundsätzlich gegen Schulden und Zinsen aus. Es geht „nur“ um deren Höhe. Er kritisiert, dass sich die Schuldenlast durch den Zinses-Zinseffekt von der Wirtschaftsentwicklung abkoppelt und am Ende die Schuldner erdrückt. Der Kapitalismus ist wegen dieses Selbstzerstörungsmechanismus nicht im Interesse der Sparer! In einer Freiwirtschaft hätten dagegen Menschen die Gewissheit, für Investitionen, Konsum oder Alter vorsorgen zu können, ohne das wie heute Inflation, Weltwirtschaftskrisen oder Kriege ihre Ersparnisse gefährdet. 

Auf diese Weise könnte die Macht des Kapitals gebrochen werden

Eine Umlaufsicherungsgebühr von Bargeld lässt die Zinsen sinken: Das funktioniert, weil das private Horten von Bargeld mit einer Gebühr belegt ist. Durch das Anheben der Umlaufgebühr steigen die Tresorkosten. Das gehortete Bargeld wird deswegen vermehrt ausgegeben oder zu einem geringen Zins mittel-und langfristig bei der Bank angelegt. Damit bricht die Null-Prozent Untergrenze der Banken bei Sichtguthaben weg. Desweiteren kann die Zentralbank die Umlaufgeschwindigkeit des ausgegebenen Bargeldes kontrollieren. Die „Peitsche“ Inflation ist nicht mehr notwendig, sprich eine hohe Bargeldmenge!

Weiter schlägt Gesell vor, dass der Staat Grund und Boden aufkauft und verstaatlicht. Die Enteigneten werden mit verzinsbaren Wertpapieren entschädigt. Die Zinslast trägt der Staat. Die Höhe der Zinsen orientiert sich an der Zinshöhe des Kapitalmarktes. 

Grund und Boden wird meistbietend Pächtern zur Nutzung überlassen. Mit den Einnahmen kann sich der Staat finanzieren und im Gegenzug Steuern streichen. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre, wenn die Höhe der Grundsteuer auf dem Bodenwert basiert.

Die Einnahmen aus der Verpachtung sowie dem Verkauf von Bodenschätzen wollte Silvio Gesell allen Müttern der Welt gestaffelt nach Kinderanzahl ausbezahlen. Die „Arbeit“ der Mütter sind Kinder und ihre Ausbildung. Damit schaffen sie überhaupt die Grundlage aller zukünftigen Wertschöpfung. Desweiteren gäbe es durch die Boden-Verstaatlichung keinen Grund für kriegerische Auseinandersetzungen mehr, da Kriege immer auf der Aneignung von Boden und seiner Schätze basieren. 

Die Umlaufsicherung muss von der Bodenreform begleitet werden – ansonsten würde mit den Geldvermögen Grund und Boden „gehortet“ werden. Auch hier ist das Ziel des Vermögenden, bequem und sicher arbeitsloses Einkommen zu erzielen. Der Boden-Besitzer braucht lediglich für seinen Grund Pacht zu verlangen. Der Pächter arbeitet, der Grundbesitzer kassiert die „Bodenrente“.

Gesell nannte sein Hauptwert „die natürliche Wirtschaftsordnung“, da sich Menschen gemäß ihrer Natur und Fähigkeiten entwickeln können. Seine Ordnung kann durch „Freigeld“ (möglichst frei von Zinsen), „Freiland“ (frei von Grund- und Bodenbesitz) und weltweitem freien Handel ohne Zollbeschränkungen erreicht werden. Wenn diese Reformen nicht durchgeführt würden, kann die Macht des Kapitals nicht gebrochen werden, weder von Gewerkschaften, noch von Parteien:

„Wenn wir unfähig bleiben, die Aufgabe, die uns gestellt wurde, zu lösen …, wird die Regierung von links nach rechts und von rechts nach links pendeln. Und jeder Pendelschlag wird die Verwirrung, die Hilf- und Ratlosigkeit vermehren.“ 

Silvio Gesell im Winter 1929/30, in: Gesammelten Werke Band 11, S. 402

Die Ausbeutung der Menschen funktioniert im Kapitalismus über Verschuldung und der Aneignung von Boden-Privilegien durch Reiche.

Verschuldung

Die Ausbeutung kann zum Beispiel darin gesehen werden, dass das Geldvermögen 2010, allein in Deutschland, fast 8.000 Milliarden Euro betrug. Der Wirtschaftsanalytiker Helmut Creutz berechnete, dass Geschäftsbanken allein von 1990 bis 2010 4.460 Milliarden Euro Zinsen an ihre Anleger zahlten. Das heißt, dass die Zinseinnahmen 2010 mehr als der Hälfte der Geldvermögens-Bestände entsprachen. (sozialökonomie) Im Kapitalismus wird Geld zunehmend aus Geld verdient und nicht durch ehrliche Arbeit von Unternehmern oder Arbeitern, sondern aus „arbeitslosen Einkommen“.

Die Konsequenz ist eine spiegelbildliche Überschuldung privater Haushalte, Unternehmen und des Staates. Die Vermögen des einen, sind die Schulden des anderen. Die Vermögenden lassen das Geld für sich arbeiten, sprich die Schuldner.

Der monetäre Teufelskreislauf

Die verschuldeten Privatpersonen erwirtschaften ihre Zinsausgaben durch Arbeit, wie auch die Unternehmer. Der Staat wälzt seine Zinszahlungen in Steuern und Abgaben auf seine Bürger ab.

Während Anfang der 50er Jahre 3 % des Bruttosozialprodukt (BSP) für Zinslasten gearbeitet werden musste, sind es 2010 bereits 15-18 % des BSP gewesen! Darin sind nicht die „kalkulatorischen Zinsen“ für schuldfreies Kapital enthalten, die Unternehmen in den Preisen einkalkulieren. Nach Helmut Creutz würden „sich dann der Prozentsatz mindestens noch einmal um die Hälfte erhöhen.“ (Helmut Creutz)

Folgende Abbildung verdeutlicht den Teufelskreislauf zwischen Geldvermögen, deren Zuwachs durch Zinszahlungen und so zwangläufig steigender Verschuldung und wachsender Zinslasten:

Quelle: Helmut Creutz

Die Schuldner, volkswirtschaftlich betrachtet, kommen aus ihrer Schuld nicht heraus, im Gegenteil: Die Verschuldung muss immer weiter zunehmen, genauso wie die ungerechte Verteilung des Reichtums. Der Zinses-Zins ist für diese problematische Entwicklung verantwortlich. Der Renten“experte“ Bernd Rührup lobte ihn als „8. Weltwunder“. 

Quelle: Helmut Creutz, „Das Geldsyndrom“

Folgende Abbildung verdeutlicht, dass sich die Geldvermögen durch den Zins wesentlich stärker vergrößerten als die Wirtschaftskraft (BSP). Weder Inflation, Lohnerhöhungen, Besteuerung noch Steigerung der Wirtschaftsleistung konnten den Zins-Zins Effekt aufwiegen. Zunehmend macht nicht Arbeit sondern Geld Menschen reich und immer reicher!

Grafik: Helmut Creutz, „das Geldsyndrom“

Die Vermögen und Schulden sind ungleich verteilt! Gewinner in diesem Geldsystem sind lediglich 10% der Bevölkerung.

Ungleichverteilung der Geldvermögen

Die Überschuldung führt zu einer immer stärker werdenden Belastung. Unternehmen geben den Druck auf die Angestellten und Arbeiter weiter. Gleichzeitig wächst die Arbeitslosigkeit und Armut, dadurch die Ausbeutung. Immer mehr Menschen haben kein Geld in der Tasche. Die Ungleichheit zwischen verschuldeten Habenichtse und Super-Reichen nimmt immer weiter zu bis endlich die Volkswirtschaft wegen der entstandenen Nachfragelücke zusammenbrechen muss. Die Weltwirtschaftskrise 1929 steht exemplarisch.

Sinkende Zinsen

Den Zins fordern die Geld-Besitzenden vom Staat, Banken ein. Der Zins muss den Vorteil aufwiegen, Geld zurückzuhalten und so jederzeit zahlungsbereit (liquide) zu sein. Der Wirtschaftsanalytiker John Maynard Keynes nannte es den „Liquiditäts-Vorteil“ des Geldhalter. Dieser Vorteil lässt sich nach Keynes auf etwa 3 Prozent schätzen. Eine „Liquiditätsfalle“ tritt ein, wenn die Zinssätze „so weit gegen null gefallen sind“, dass das Geld den Geldkreislauf entzogen wird (wiki). In genau dieser Situation sind wir heute! Warum?

Die „Übervermögen“ und „Überschuldung“ stehen zunehmend irrational zur Wirtschaftskraft. Wer soll die Schulden zurückzahlen und hohe Zinsen erwirtschaften? Das führt zu Vertrauenskrisen der Geldbesitzer. Dementsprechend geben Banken weniger Kredite. Banken wie Geldbesitzer halten ihr Geld zurück und spekulieren lieber. Im Zuge dessen kommt es zu deflationären Tendenzen und Wirtschaftskrisen.

Die Zinsen für Sichtguthaben werden sogar von der (minimalen) Inflation „aufgefressen“. Das reicht jedoch nicht aus, um das Geld in den Wirtschaftskreislauf zu treiben, wegen der Liquiditätsprämie. Daher wird weiter gehortet oder spekuliert. Das Geld wird nicht mittel- und langfristig angelegt.

Grafik: Deka Research

Tatsächlich ist die Hortung von Bargeld angesichts geringer Zinsen und Inflation beträchtlich. Von 100 Euro liegen 90 Euro „unter dem Kopfkissen“! Die Deutsche Bundesbank gab im Monatsbericht …

“… vom Juni 2009 die Ergebnisse einer neuen Untersuchung bekannt (…). Daraus ergab sich, dass die gesamten Hortungen im In- und Ausland, bezogen auf die von der Bundesbank ausgegebenen Euro-Scheine, bis zwei Drittel des Bestandes liegen, der Ende 2019 mit 203 Mrd ausgewiesen wurde. Und der Anteil der in Deutschland regelmäßig kursierenden Bestände wird sogar nur auf rund 10 Prozent des ausgegebenen Banknotenwertes geschätzt, also bezogen auf jenen Gesamtbestand, der immer noch als die “umlaufende Geldmenge” bezeichnet wird.” (Helmut Creutz, Geldsyndrom, S. 168)

Auch die Sichtguthaben erreichen wahnwitzige Höhen, sie betragen fast 1 Billion Euro. Diese Summe übersteigt die von der Zentralbank herausgegebenen Bargeldmenge bei weitem. Wenn Sparer ihr Vertrauen verlieren und es zu einem schnellen Abzug der Sichtguthaben käme, wären augenblicklich die Banken zahlungsunfähig und würden die Schalter schließen.

Sündenbock Zentralbank

Die Spekulationsblasen und sinkenden Zinsen hängen nicht mit “Gelddrucken” der Zentralbanken zusammen, sondern mit der abgelaufenen Haltbarkeit unseres Zinses-Zins-Systems. Es waren die jahrzehntelang zu hohen Zinsen der Geschäftsbanken, die zur momentanen Situation führten.

Mit der Ausweitung der Geldmenge und die monetären Flutung der Märkte zögerte die europäische Zentralbank nur den Crash hinaus und verhinderte Deflation und Weltwirtschaftskrise.

Ausweg Freiwirtschaft

Die Freiwirtschaft von Silvio Gesell bedeutet, dass sowohl Unternehmer wie Beschäftigte von ihrer Arbeit voll profitieren, ohne dass die Geld- und Bodenbesitzer ihnen die Früchte streitig machen können. Wie geht das konkret:

Umlaufsicherungs-Gebühr

Ein freiwirtschaftliches Instrument ist die Umlaufsicherungs-Gebühr auf gehortete Bargeld-Bestände und ggf. Sichtguthaben. Wer Geld nicht ausgibt, investiert oder bei der Bank anlegt, muss diese Steuer bezahlen.

Der Freiwirt Steffen Henke veranschaulicht in Vorträgen Freigeld in Form einen 10 Euroscheins…

freigeld-euro

 Quelle: transition-minett

Damit können Zentralbanken die Umlaufgeschwindigkeit der Zahlungsmittel kontrollieren. Je höher die Gebühr, desto schneller gerät das Geld wieder in den Umlauf: Die Liquidität-Prämie gibt es nicht mehr. Die kurzfristigen Zinsen auf Sichtguthaben können ins Minus rutschen. Dadurch können auch die mittel-und langfristigen Zinsen fallen. Im Zuge des so möglichen Wettbewerbs und einer Marktsättigung sind geringe mittel- und langfristige Zinsen um 0-1 Prozent die Folge. 

creutz-umlaufsicherung

Quelle: Helmut Creutz

Die Gefahr einer Inflation aber auch Deflation sind gleichzeitig gebannt, da es keine Hortung mehr gibt. Das Zurückhalten von Bargeld kann nicht mehr den Geldkreislauf stören und Volkswirtschaften schädigen. Die Geldmenge ist den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst und nicht mehr aufgeblasen wie heute. Der Vorteil der Geldbesitzer auf Hortung und Erpressung des Zinses entfällt, die Macht des Geldes ist gebrochen. 

9 Gedanken zu „Freiwirtschaft“

  1. mit dem boden wird es nicht getan sein. was ist mit patenten? wenn ich sie kaufe, habe ich doch eine rente (ein leistungsloses einkommen). bei sachkapital ist es übrigens genauso. woher nimmt gesell die idee, dass der sachkapitalzins mit dem geldzins auf 0 gedrückt werden könnte? er hat das ohne argumentation postuliert, die nationalökonomen hingegen zeigen, dass der zins nicht aus dem geld kommt. (siehe mises, nationalökonomie).
    es würde damit enden, dass das GANZE privateigentum abgeschafft werden muss. damit wären wir wieder im totalitarismus angelangt.

  2. Es gibt kein „leistungsloses Einkommen“!
    Wenn ich etwas kaufe, welches später einen Erlös abwirft, dann habe ich den Kauf genau deshalb getätigt. Andernfalls hätte ich nicht gekauft.
    Nur für den, der Geld nicht als Summe von Ersparnissen oder als Wert an sich ansieht, ist der vorangegangene Kauf unerheblich.
    Er sieht nur den Erlös- und will sich in marxistischer Manier daran bereichern. Immer diesselbe Leier, langsam wird es langweilig.

    1. schön, dann nehmen sie lieber den begriff „besitzeinkommen“. es ist klar was ich meine, ich wollte nur in der sprache des artikels bleiben.

  3. Es ist doch völlig klar, um den Faden des Artikels wieder aufzunehmen, dass das jetzige ungedeckte Geld kein langes Leben mehr vor sich hat. Die marktwidrigen Aktionen der EZB sorgen einzig dazu, dass die Zinsen niedrig bleiben.
    Da die Risiken für die Gläubiger aber gestiegen sind, müsste der Marktzins aber steigen und höher sein wie noch vor Jahren und auch höher sein wie auf dem Höhepunkt der Eurokrise.
    Falls letztere überhaupt vorbei ist.
    Die Zinsen müssen auch deshalb niedrig sein, weil die Staaten sonst die fälligen Raten nicht mehr bezahlen könnten. Griechenland ist überall. Aber um u einem wertgeeckten Geld zu kommen müssten die Schulden wie in einer echten Währugsreform reduziert werden.
    Und das geht nur administrativ oder durch den Crash.

  4. Silvio Gesell war zweifellos ein genialer Mann – zu seiner Zeit.
    ‚Freigeld‘ (nach Silvio Gesell, in Wörgl) war erfolgreich
    https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6rgl#Das_W.C3.B6rgler_Schwundgeld_.28Freigeld.29
    , wurde aber abgebrochen –
    – wie es sich auf Dauer ausgewirkt hätte, kann daher nicht beurteilt werden –
    ich glaube, dass es zum ökologischen Zusammenbruch führt,
    denn „Gier frisst Hirn“ ist eine jahrtausende alte Tatsache.

  5. Verteilungsprobleme kann man nur als Verteilungsprobleme (d.h. durch Umverteilung) lösen.
    Egal ob man das radikal sieht (durch die Brille des kommunistischen Revolutionärs) oder gemäßigt (durch die Brille einer Sozialen Marktwirtschaft, z.B. per gerechten Steuern und Löhnen).

    Es macht einfach keinen Sinn, Verteilungsfragen in Währungsfragen umzudeuten, denn zum einen:
    Den vielen („nachfrage-willigen“, aber nicht „nachfrage-fähigen“) Habenixen hilft eine höhere „Umlaufgeschwindigkeit“ nichts, denn wo nix ist, kann nix (um-)laufen. Und Umlauf ist nicht gleich Umlauf, sonst wäre durch die Mega-Umsätze an den Zocker-Börsen (wo die Reichen unter sich bleiben) das Problem schon vorab gelöst.

    Zum anderen: Wer mehr als genug hat, der muss halt AB-GEBEN (es heißt ja nicht grundlos Abgaben / Steuern!). Der Über-Reiche kann sein Geld (in der Realwirtschaft) nämlich gar nicht AUS-GEBEN, er hat doch schon alle (Konsum-)Artikel.
    Nötigt man ihn durch „Anreize“, sein Schwundgeld schneller loszuwerden, dann kann er nur in Sachanlagen fliehen – er „hortet“ dann halt „Assets“ statt Bargeld.

    Sprich: Er wechselt aus der schlechten (Schwund-)Währung in eine stabilere „Sachwährung“. Und seine „Assets“ sind dann notgedrungen eher Goldbarren als Konsumgüter-Fabriken, denn die Habenixe haben immer noch kein Geld, um ihm die Waren einer (zusätzlichen) Fabrik abzukaufen.

    Und warum will man den bösen Reichen das „Horten“ von „Assets“ wie Immobilien madig machen? Damit sie unrentable Fabriken bauen, d.h. Schwundgeld in Schwundeigentum tauschen? Erst die Reichen vor einer (gemäßigten) Umverteilung verschonen sowie „im Prinzip“ Privateigentum und Unternehmertum erlauben, um anschließend (wie in der DDR-Anfangszeit) konkretes Eigentum zu schikanieren und per Rentabilitätsfalle zu erdrosseln?

    Dann doch lieber gleich vernünftig erhöhte, planbare Steuern für einen Unternehmer, der dann den Anreiz hat, im Lande zu bleiben und zu investieren: einerseits („eigennützig“ / eigene schwundfreie Altersvorsorge) in Immobilien etc. und andererseits („gemeinnützig“) in „Fabriken“, weil nach der (z.B. steuerlichen) Umverteilung auch die Habenixe genug ausgeben können, um die Produkte seiner „Fabriken“ zu beiderseitigem Nutzen zu kaufen.

    „Vaterlandsloses Kapital“ sehen wir schon genug in Spekulationswellen um den Globus rollen; bodenständige Unternehmer braucht es!
    Der Artikel fordert (schmerzhafte) Grundsteuern, wo er erst mal eine Finanzmarkt-Transaktionssteuer fordern sollte!

    Schwundgeld hat vielleicht mal gelegentlich in Notzeiten als Notgeld funktioniet, also in (kurzen) Übergangszeiten, regional begrenzt und auf elementares Wirtschaften (weder Langfrist- noch Groß-Investitionen!) beschränkt.
    Und nur deshalb konnte / wollte niemand auf stabile Ersatzwährungen ausweichen, weil so gut wie alle pleite waren und nichts zu „horten“ hatten! Mit dem zurückkehrenden Wohlstand verschwand dann die Lust auf Schwundgeld wieder schnell und gründlich.

    Das Akzeptanz-Problem bei einer „großen“ bzw. allgemeinen Einführung von Schwundgeld ist nicht mit Argumenten zu lösen, weil es m.E. keine solchen stichhaltigen Argumente gibt.

    Also müsste schon die Einführung (wie beim EURO) undemokratisch mit Tricks und Täuschung bewerkstelligt werden. Und das zu erwartende anschließende Ausweich- und Umgehungsverhalten (das es zumindest beim Euro nicht gibt) würde ständig noch mehr staatliche Gegenmaßnahmen erfordern (siehe @rote_pille), bis Privateigentum und Privatinitiative vollständig durch Planwirtschaft ersetzt sind.

    Das wäre dann eine Art unfreiwillig herbeigeführter Kommunismus, aber im Ergebnis bestimmt nicht die (utopische) „Freiwirtschaft“, die die Gesell-Anhänger eigentlich erträumen.

    1. Ich schätze Ihre Beiträge. Sie könnten gerne als Autor Artikel veröffentlichen, aber mit Ihrem Namen. Bei Interesse einfach bei mir persönlich melden.

      Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit mit „Bekir“ schrieb ich übrigens den langen Artikel:
      http://friedensblick.de/17541/mit-welcher-wirtschaftstheorie-kann-die-ungleiche-vermoegensverteilung-ueberwunden-werden/
      Hier legte ich möglichst genau meine Argumentation dar. Eine Erwiderung würde mich interessieren.

      Jetzt zum neuen Kommentar von „bekir“:

      Die Verteilungsfrage ist untrennbar mit der Währungsfrage verbunden. Mit fließendem Geld ist die Volkswirtschaft größtenteils von der Zinslast befreit. Beispielsweise profitiert Deutschland heute sehr von den geringen Zinsen, leichter Verfügbarkeit von Krediten. Trotz geringem Wachstum, geht es vielen Menschen gut. Auch die Nettolöhne steigen. Diese Entwicklung müsste gesichert werden. Leider verschläft die Linke komplett den günstigen Zeitpunkt. http://www.inwo.de/medienkommentare/sozialdemokraten-gruene-und-linke-verschlafen-einzigartige-historische-situation/?sword_list%5B0%5D=verschlafen&sword_list%5B1%5D=linke

      Mit einer umlaufgesicherten Währung würden auch „Habenixe“ einen Job bekommen und könnten sich mit ihren eigenen Händen Arbeit aus der Misere herausarbeiten, im Rahmen ihrer Fähigkeiten. Das umlaufgesicherte Geld fließt, sogar mit einem leicht negativen Zins! Mittel- und langfristige Zinsen werden sich bei 0-1% einpendeln. Ohne Gelddrucken, wie jetzt, ohne Inflation und den damit einhergehenden Gefahren von Zinserhöhungen (siehe Russland). Die derzeitige ungerechte Vermögensverteilung kann mit Minus-Zinsen umverteilt werden, von oben nach unten. http://friedensblick.de/8336/mit-fliessenden-geld-in-eine-bessere-welt/
      Aber nur mit einer Bodenreform, sonst würde das Geldvermögen natürlich noch stärker als bisher dorthin fließen! Deswegen ist die Bodenreform ja Teil der Freiwirtschaft.

      Im Moment gibt es viel „Umlauf“ aber beim Erwerb von „Markteintrittsmonopolen“, etwa garantieren Aktien Zugang zu „Renten“. Prof. Dirk Löhr analysierte den parallelen Verlauf von wachsenden Grund- und Bodenpreisen und Aktienkursen. Große Aktienunternehmen sind „Land- und Rentenbanken“. http://friedensblick.de/13841/die-marktwirtschaft-ist-zur-privilegien-misswirtschaft-verkommen/
      Diese heutigen Spekulationsblasen haben nichts mit einer gesunden Volkswirtschaft zu tun, wo echte Werte erarbeitet werden.

      Wo ist das Problem, wenn Leute Goldbarren / Kunstschätze horten? Sollen Sie doch, damit können sie kein arbeitsloses Einkommen erzwingen. Vorausgesetzt die Währung ist nicht goldbasiert.

      Das Problem mit den heutigen Umverteilungsssteuern ist, dass sie nicht unterscheiden, wie das Einkommen erzielt wurde: Durch „echte“ erarbeitete Werte oder durch arbeitsloses Einkommen aus Grund- und Bodenbesitz oder Zinsen aus Geldvermögen? Leider verstehen viele Linke nicht diesen wichtigen Unterschied und erwürgen mit hohen Steuern die Leistungserbringer der Volkswirtschaft: Arbeit muss sich lohnen. Der Eigennutz ist die Triebfeder der Menschen.

  6. bekir:
    „Der Artikel fordert (schmerzhafte) Grundsteuern, wo er erst mal eine Finanzmarkt-Transaktionssteuer fordern sollte!“

    So ist es. solches bzw. eine vernüftige Vermögensseuter und eine Banken-und Staatsfinanzierungsreform an Haupt und gliedern sind nötig, nicht die Abschaffung bzw. die Kontrolle von Bargeld .

    G.Lehle: „Mit fließendem Geld ist die Volkswirtschaft größtenteils von der Zinslast befreit.“

    F a l s c h. Die Zinslast steigt im wesentichen (natürlich gibt es noch andere, sekundäre Kriterien) mit der Höhe der Verschuldung eines Staates und die Masse des Volkes mutiert dadurch zu Zinssklaven welche die Zinsen und Zinseszinsen der privaten (!) Banken Tag für Tag bedienen dürfen.

    Nix da mit Befreiung von der Zinslast. Der ganze Popanz mit Bargeldbesteuerung etc. dient doch nur der Kontrolle der Masse des Volkes (die Reichen juckt eine Bargeldbesteuerung nicht!) und um den Banken die (Konten) zu füllen und deren Kreditvergabe und damit Zinspotential zu erhöhen.

    G.Lehle:
    „Mit einer umlaufgesicherten Währung würden auch “Habenixe” einen Job bekommen und könnten sich mit ihren eigenen Händen Arbeit aus der Misere herausarbeiten, im Rahmen ihrer Fähigkeiten.“
    Welche Jobs? in welchen Bereichen, die nicht anderswo billiger erledigt werden? Zu welchen Bedingungen? Deutschland ist doch (u.a.) nur durch die ca. 1/3 Geringverdiener der Gesamtarbeitnehmerschaft (Folge der Agenda 2010) wettbewerbsfähig.

  7. @bekir

    „Mit dem zurückkehrenden Wohlstand verschwand dann die Lust auf Schwundgeld wieder schnell und gründlich.“

    In Wörgl wurde das Freigeld von der Oesterreichischen Nationalbank durch Androhung von Armeeeinsatz abgewürgt.

    „Das Akzeptanz-Problem bei einer “großen” bzw. allgemeinen Einführung von Schwundgeld ist nicht mit Argumenten zu lösen, weil es m.E. keine solchen stichhaltigen Argumente gibt. “

    Das übliche Geldsystem ist auch ‚Schwundgeld‘ durch die Inflation.
    Die heutigen Spar-Zinsen decken die _wirkliche_ Inflation nicht mehr ab und
    es sind bereits ’negative Sparzinsen‘ angedacht, siehe
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/nachrichten/negative-einlagenzinsen-sparen-wird-bestraft-12677868.html
    Wir können da in Zukunft einiges erwarten 🙂

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