NSU-Umfeld: Die seltsame Rohrbombe des Henning H.

Auch im persönlichen Umfeld des Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gab es Personen mit Bomben. Im Jahr 1997 wäre laut „mdr“ bei Henning H. eine „funktionsfähige Nagelbombe“ gefunden worden. Dagegen sagen andere Quellen, dass die Bombe nur eine Attrappe gewesen wäre oder nur aus Bestandteilen bestanden hätte. Bis heute ist auch ungeklärt, wer einen Sprengkörper in einem Wohnhaus für Gastarbeiter legte, der nur mit Glück nicht explodierte.

H. gehörte „dem harten Kern der rechtsextremistischen Szene in Jena an“ und wurde 1995 auf einer „Verdächtigenliste“ geführt: „Im alten Jenaer Horten-Kaufhaus“ wurde  ein Sprengsatz entdeckt. „In dem Dokument stehen auch die Namen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt, Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben und André K“ (mdr). Der parlamentarische NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages (B-PUA) schreibt:

„Seit 1996 führten die Staatsanwaltschaft Gera und das LKA Thüringen ein Ermittlungsverfahren gegen Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe und weitere Personen (Ralf Wohlleben, André Kapke und Henning H.) wegen mehrerer im Stadtgebiet Jena platzierter Bomben und Bombenattrappen.“

Bei der polizeilichen Suche nach den Hintermännern der Bombenfunde wäre Henning H. ins Visier geraten. Für den leitenden Thüringer Ermittler Jürgen Dressler zählte er jedoch nicht zu den „priorisierten Tatverdächtigen“.

„Kurzzeitig geht es jetzt auch um den Stadtrodaer Henning Haydt, für den es eine Einsatzanordnung auf Observation gegeben habe. Haydt wurde auch Durchsucht, gehörte dadurch aber nicht zu den priorisierten Tatverdächtigen für die Kofferbomben.“

Im „Schäfer-Gutachten“ steht, dass am 07.06.1997 eine Durchsuchung in Henning H.´s Wohnung stattfand.

„Im Rahmen der Ermittlungen fand am selben Tag bei Haydt eine Wohnungsdurchsuchung statt, bei der unter anderem eine Rohrbombe gefunden wurde.“

Der Hintergrund war seine Beteiligung an einer Schlägerei in einem Freibad. Zuvor spielte man dort, zum Missfallen anderer Badegäste, rechtsextreme Musik ab (mdr).

Der „mdr“ bezeichnete sie als “eine funktionsfähige Nagelbombe” (mdr).

„Was die Beamten dann bei H. entdecken ist wesentlich brisanter: Eine Rohrbombe. Die Polizisten rufen sofort die Sprengstoffexperten des Thüringer Landeskriminalamts (LKA). Die röntgen den Sprengsatz und entdecken darin Sprengstoff, Nägel und Schrauben. Laut dem LKA-Untersuchungsprotokoll wird die Bombe noch am gleichen Tag entschärft.“(mdr)

Der B-PUA nannte den Fund dagegen einen „Rohrbombenbausatz mitsamt Metallteilen“. Der Münchner Merkur berichtete, dass Ermittler „den Fund damals als eine Bombenattrappe“ bezeichneten. (merkur) Auch Henning H. widerspricht:

„Wie oft soll ich die Geschichte mit der Rohrbombe noch erzählen? Es war als Silvesterkracher gedacht. Dafür war ich vor Gericht, nicht ohne Grund wurde die Anklage in diesem Punkt fallen gelassen! Die ‚Deutschlandkarte mit Markierungen‘ war in meinen Arbeitsunterlagen aus meiner Zeit (…) in Mainz. Wer die verschiedenen Orte gekennzeichnet hat und warum er das tat, weiß ich nicht.“ B-PUA, Abschlussbericht, S. 1044

In seiner Wohnung „in Stadtroda“ wurde außerdem …

“… eine Karte sichergestellt, auf der mögliche Anschlagsziele, darunter KZ-Gedenkstätten markiert waren.”(mdr)

Ein halbes Jahr später, Ende Januar 1998, hätte die Polizei in Zschäpes Garage in Jena einen Bombenwerkstatt ausgehoben. In den Rohrbomben wäre Sprengstoff TNT gewesen. Im Gegensatz zu diesem Fund schien H.´s “Fall damals nicht ganz so brisant zu sein.” Das Verfahren wegen seiner Bombe wurde eingestellt!

“Für die Staatsanwaltschaft Gera schien der Fall damals nicht ganz so brisant zu sein. In einem Vermerk vom Juni 1997 teilte der diensthabende Staatsanwalt, Herr J., der Polizei mit, dass weitere rechtliche Möglichkeiten nach der Hausdurchsuchung erschöpft seien. Er werde den Fall an den Thüringer Verfassungsschutz abgeben. Trotzdem wird H. vom Amtsgericht Jena später verurteilt. Das hat das Thüringer Justizministerium dem MDR THÜRINGEN jetzt auf Anfrage bestätigt. Allerding lautete die Anklage auf Volksverhetzung. Das Verfahren um den Nagelbombenfund wurde damals vom Gericht eingestellt.” (mdr)

Es existiert ein Foto einer Rohrbombe, die der „Spiegel“ aus Zschäpes Garage kommend beschreibt.

Jedoch wären ihre 4 Rohrbomben gesprengt worden – aus Sicherheitsgründen. Jürgen Dressler erklärte den Parlamentariern, warum dort keine DNA / Fingerabdrücke des Trios gefunden werden konnten:

„Das war nicht möglich, weil diese USBVs als gefährlich eingeschätzt wurden und erst delaboriert werden mussten. Delaborieren sah zu dem damaligen Zeitpunkt so aus, dass eine Haftladung da drankam, man hat das Ganze gesprengt, und anschließend konnte ich diese Brocken in Empfang nehmen.“ (Bundestag)

Da dieses Foto keine gesprengte Rohrbombe zeigt, könnte es sich um die von Henning H. handeln. Im Thüringer U-Ausschuss erinnert sich der Ermittler Hans-Jürgen Hartung an ein „Polaroid-Foto“. Es zeigt einen „Explosivstoff sowie einen Zeitgeber“. Ist es obiges Foto?

„Katharina König befragt den Zeugen weiter zu einem USBV-Fund in Stadtroda, der Zeuge könne sich noch an ein Polaroid-Foto erinnern, das einen Explosivstoff sowie einen Zeitgeber zeigte, wohl auch einen Zünder.“

Weitere Verdachtsmomente

Ein „Henning“ wird im Vorfeld der SMS-Nachricht „Was ist mit den Bums?“ thematisiert. Was ist unter den „Bums“ zu verstehen, Waffen? Diese Frage ging an das Handy des Brandenburgischen Geheimdienst-Informanten Carsten S. („Piato“). Gestellt wurde sie von Jan Werner, dessen polizeiliche Vernehmungsakte in der Zwickauer Wohnung des Trios gefunden wurde (Friedensblick). Wäre das Paket an „Henning“ unterwegs?

– SMS vom 16. August 1998, 2.07 Uhr3564:
„BITTE UM 8.45 UHR MICH MIT DEINER
STIMME BEL[STIGEN. JAN“
– Verbindung am 16. August 1998, 8.47 Uhr, eingehend3565
(auf dem Mobiltelefon von Jan Werner)
– SMS vom 16. August 1998, 11.48 Uhr3566:
„IM US#10 STAND ETWAS ZU B.B!“
– SMS vom 16. August 1998, 11.55 Uhr:
„H[?“3567
– Verbindung am 16. August 1998, 12.14 Uhr, eingehend3568
– SMS vom 20. August 1998, 13.24 Uhr3569:
„IST DAS PAKET AN HENNING
UNTERWEGS? CS@“

– SMS vom 20. August 1998, 13.25 Uhr3570:
„JA!“
– SMS vom 20. August 1998, 13.30 Uhr3571:
„O.K.,DANKE! CS“
– SMS vom 20. August 1998, 13.31 Uhr3572:
„DANKE F“R DEN ANRUF AM MONTAG.“
– SMS vom 20. August 1998, 14.03 Uhr3573:
„KEINE GELEGENHEIT, DA OHNE HANDY!
BIN JETZT GERADE IM UNTERICHT! CS“
– Verbindung am 23. August 1998, 16.53 Uhr, eingehend3574
– Verbindung am 25. August 1998, 19.19 Uhr, abgehend3575
– SMS vom 25. August 1998, 19.21 Uhr3576:
„HALLO. WAS IST MIT DEN BUMS?“

Henning H. Name taucht auch in Verbindung mit Frank L. auf. Von seinem Laden „Madley“ wäre im Jahr 2000 die Ceska-Mordwaffe an das Trio gegangen. Der „mdr“ berichtete:

Dass H. für die Ermittler auch nach 1997 interessant war, zeigt ein weiteres Dokument in der mehrbändigen Akte des Thüringer LKA. Bis zum Dezember 2003 wurde gegen H. im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe ermittelt. In der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Gera finden sich neben seinem auch die Namen von Ralf Wohlleben und André K..

In einem Überwachungsvermerk der Polizei vom 22.09.1997 ist zu lesen, dass er sich mit dem Rechtsextremisten Frank L. getroffen hat. L. spielt im aktuellen NSU-Verfahren ein Rolle. Das Bundeskriminalamt und das LKA durchsuchten Ende Januar 2012 seine Wohnung in Laasdorf bei Jena. Diese Aktion stand, so die Bundesanwaltschaft, im Zusammenhang mit der Beschaffung einer der Waffen die für die mutmaßliche Mordserie von Mundlos und Böhnhardt verwendet wurde. L. hatte bis 2009 in Jena das „Madley“ betrieben, einen der wichtigsten rechtsextremistischen Szeneläden in Thüringen.“ (mdr)

Fazit

Es besteht kein wirkliches Interesse aufzuklären. Zwar verurteilen Politiker partei-übergreifend die Anschläge, jedoch lassen sich die parlamentarischen Untersuchungen für das „Staatswohl“ einspannen und hinterfragen nicht entschieden die aufgetischten Erzählungen von Behörden-Vertretern. Sie erscheinen als zahnlose Tiger, die am Nasenring durch die Manege geführt werden.

Ein Gedanke zu „NSU-Umfeld: Die seltsame Rohrbombe des Henning H.“

  1. “ Jedoch wären ihre 4 Rohrbomben gesprengt worden – aus Sicherheitsgründen. Jürgen Dressler erklärte den Parlamentariern, warum dort keine DNA / Fingerabdrücke des Trios gefunden werden konnten: “
    Ging es nicht um 2 Rohrbomben ? Gesprengt wurden sie übrigens am 2. Februar 1998, also eine Woche nach dem Fund.
    http://www.thueringen.de/th3/polizei/lka/presse/aktuell/pm/66821/

    “ Das war nicht möglich, weil diese USBVs als gefährlich eingeschätzt wurden und erst delaboriert werden mussten. Delaborieren sah zu dem damaligen Zeitpunkt so aus, dass eine Haftladung da drankam “
    Es gab aber generell angeblich keine Fingerabdrücke in der Garage, und da diese nicht gesprengt wurde greift die Erklärung also nur teilweise.
    http://haskala.de/2013/04/15/ua-15-april-2013/ ( 17.11 )
    Mögliche Erklärungen :
    a)eine Verkettung von Zufällen
    b)das Trio hat die Garage nicht genutzt
    c)die Datenbanken wurden frisiert
    d)Ermittler schreiben irgendwelchen Quatsch
    e)Handschuhe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.