NSU: Warum keine Fingerabdrücke an „Beweisen“?

Am 15. Oktober 2013 sagte ein BKA-Beamter im NSU-Verfahren aus und sprach über „umfangreiches Kartenmaterial“, welches im Brandschutt des Zwickauer Wohnung gefunden wurde.

„Insbesondere seien ADAC- und Falk-Pläne sowie Routenplaner-Ausdrucke zu den Städten Nürnberg, München, Dortmund und Kassel gefunden worden. Überall dort gab es Mordanschläge der Gruppe.“ (stern)

Dort fanden Ermittler auch „Ausspähnotizen“. Sie gelten neben dem NSU-Bekennerfilm als wichtiges Beweisstück, dass die Ceska-Mordserie auf einer „rassistischen Ideologie“ basierte.

„Einmal habe die Anmerkung gestanden „Personal ist nicht optimal, vorher noch mal prüfen“, ein anderes Mal „Person gut, aber alt – über 60“. Es wird vermutet, dass die Terroristen im Sinne ihrer rassistischen Ideologie gezielt Opfer suchten, die noch im zeugungsfähigen Alter waren.“ (ebd)

Können diese Beweise nachträglich in den Brandschutt abgelegt / gepflanzt worden sein? Dazu gibt es tatsächlich Anhaltspunkte:

Andreas Förster schreibt in der Frankfurter Rundschau auch über diese Notizen und merkt dazu kritisch an: DNA-Spuren oder Fingerabdrücke gibt es aber nicht.“

Warum sollte das Trio Ihre Karten, Notizen, Ausdrucke von DNS-Material und Fingerabdrücken reinigen, dann aber in ihrer Wohnung lagern? Anders herum hätten die wahren Mörder großes Interesse daran, ihre Spuren zu entfernen, bevor sie das Material im Brandschutt ablegen.

Darauf aufbauend fragte Andreas Förster zurecht die Grundsatzfrage:

„Wer hat die NSU-Morde begangen?

Dafür, dass ausschließlich Mundlos und Böhnhardt die zehn Morde begangen haben, gibt es keine eindeutigen Beweise. Zwar wurden die Tatwaffen im Schutt der Zwickauer Wohnung sichergestellt. Dort lag zudem eine offenbar seit 2007 ungewaschene Trainingshose mit Blutflecken der getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter sowie eine Skizze des Kasseler Internetcafés, wo 2006 Halit Yozgat erschossen wurde. DNA-Spuren oder Fingerabdrücke gibt es aber nicht. Die Möglichkeit weiterer Tatbeteiligter, schließt die Bundesanwaltschaft dennoch kategorisch aus.“ (fr-online)

… und er fragte zurecht im Mai 2012 nach weiteren Tatbeteiligten. Solche vernünftige Beiträge sind jedoch immer weniger zu finden, stattdessen singen die meisten Medien das Lied des Sicherheitsapparates von der perfekt mordenden „Kleinstzelle“. Einen Hinweis auf fehlende Fingerabdrücke und DNS findet man in den Artikeln vom 15.10.13 nicht mehr, weder in der Frankfurter Rundschau noch im spiegel, noch im stern, noch in der „welt„.

2 Gedanken zu „NSU: Warum keine Fingerabdrücke an „Beweisen“?“

  1. Im welt-Artikel fand ich jetzt einen Hinweis auf eine „nicht ganz vollständige“ DNA-Spur:
    „So schrieb einer aus dem Trio – das BKA geht nach einem Handschriftenvergleich und einer nicht ganz vollständigen DNA-Spur davon aus, dass es Uwe Mundlos war – zu einem möglichen Anschlagsziel in Kassel: „Ali“ und „Verein der Moslems“. Zu der nordhessischen Stadt, in der Mundlos und Uwe Böhnhardt am 6. April 2006 den Internet-Cafébetreiber Halit Yozgat ermordeten, fanden sich Kartenausschnitte und Listen.“

  2. Aus Focus Nr. 10/2014:

    »Nur wenige NSU-Pistolen auf Fingerabdrücke geprüft
    Samstag, 01.03.2014

    Die Polizei fand im Versteck der Terroristen elf Waffen, untersuchte aber nur vier auf Fingerspuren. Opferanwälte sind empört, das Gericht in München forderte neue Analysen.
    […]

    So hat das Bundeskriminalamt (BKA) nach FOCUS-Informationen nur vier der elf Schusswaffen aus der Zwickauer Wohnung des Terror-Trios auf Fingerabdrücke untersucht. Das geht aus einem Fax des BKA vom 16. Januar 2014 an die Bundesanwaltschaft hervor. Entsprechende Aktenvermerke aus dem November 2011 seien den leitenden NSU-Ermittlern der Behörde „erst jetzt“ – also mehr als zwei Jahre später – bekannt geworden, heißt es in dem Schreiben.

    Einen Tag nach der Bundesanwaltschaft erfuhr auch das OLG München von der offenkundig lückenhaften Spurensuche. Umgehend veranlasste der Vorsitzende Richter Manfred Götzl, die „bislang noch nicht untersuchten Waffen“ zu analysieren. Nicht nur Götzl, der für seine akribischen Nachforschungen bekannt ist, mag sich verwundert gefragt haben: Warum wurden damals nicht sämtliche Beweismittel überprüft? Handelt es sich um normales kriminalistisches Handwerk, oder muss man von einer Panne sprechen?

    Nach FOCUS-Recherchen hatten sächsische Polizisten die elf Waffen im Brandschutt der NSU-Wohnung entdeckt und am 10. November 2011 an das BKA übergeben – mit der Bitte, Gen- und Fingerspuren zu sichern. Doch auf einer „Spurenkonferenz“ wählten die Beamten in Wiesbaden nur vier Asservate aus: zwei Pistolen vom Typ Walther PP und Erma, einen Revolver Smith & Wesson sowie eine Maschinenpistole.

    Die Untersuchung der anderen sieben Waffen auf Fingerabdrücke erschien den BKA-Mitarbeitern laut einem Aktenvermerk nicht „erfolgversprechend“ und wurde deshalb gar nicht erst veranlasst. Das betraf auch die wichtigste NSU-Waffe, eine Pistole Ceska 83. Damit ermordeten die Terroristen zwischen 2000 und 2006 neun Einwanderer aus der Türkei und Griechenland.

    Auch wenn die Waffen durch Feuer und Löschwasser teilweise zerstört waren – angesichts der Dimension des Falles mutet die Entscheidung, auf den Beweisstücken keine Fingerabdrücke zu suchen, seltsam an.

    Natürlich mussten die Fahnder Sinn und Reihenfolge ihrer Analysen (Beschussversuche, Sichtbarmachen der Waffennummer, DNA-Tests) sorgsam abwägen. Doch wie konnten die Experten so sicher sein, keine Fingerspuren zu finden? So sicher, dass sie es nicht einmal versuchten?

    […]«

    http://www.focus.de/politik/deutschland/nazi-terror/report-nur-wenige-nsu-pistolen-auf-fingerabdruecke-geprueft_id_3649236.html

    @ fatalist:

    Du schreibst drüben zu den Bankräubern von Schmiedefeld (Feb. 2008):

    »Seine Kumpane nehmen ihn mit, versenken die Leiche später in einem Baggersee bei Jonasthal. Im Grimnitzsee (bei Eberswalde), Fund 2010«

    Das Jonastal ist aber in der Nähe von Ohrdruf in Thüringen, nicht weit von Arnstadt, Oberweißbach und Schmiedefeld entfernt.

    Oder meinst Du Joachimsthal? Das liegt in Brandenburg bei Eberswalde.

    Gruß
    Ro 80

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.