Giftgas-Morde in Syrien: UNO-Bericht belastet Diktator Assad schwer

[Hinzufügung am 8/9/15: US-Experten entlasten Assad]

Am 21. August 2013 kamen bei einem schrecklichen Giftgas-Angriff in der Nähe von Damaskus Hunderte Menschen um, nach US-Angaben wären es sogar 1400 Menschen gewesen. Für den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wäre es „der bedeutendste bestätigte Einsatz chemischer Waffen gegen Zivilisten seit dem Angriff Saddam Husseins auf Halabdscha 1988“ gewesen. Ein unabhängiges Team der UN unter Führung des schwedischen Chemiewaffen-Experten Professor Åke Sellström (wiki) untersuchte den Tatort, die Ergebnisse belasten das Assad-Regime schwer. Ein Sturz des Assad-Regimes ist notwendig, um den Bürgerkrieg zu beenden.

Unter den Opfern befanden sich viele Kinder. Anfangs war nicht klar, von wem der Angriff ausging. Sowohl das Assad-Regime als auch Aufständische beschuldigten sich gegenseitig, verantwortlich zu sein.

Quelle: youtube

Es wird geschätzt, dass „Assads Truppen über mehrere 100 Tonnen an chemischen Kampfstoffen“ verfügen. Genaue Zahlen sind unbekannt, da Syrien nicht die Chemiewaffenkonvention unterzeichnet (focus) und eines der wenigen Länder der Erde ist, „das ein Abkommen gegen den Einsatz von chemischen Waffen nicht unterzeichnet hat.“ (dwn)

Wie beim Irak befinden sich unter den Zulieferern viele deutsche Firmen (spiegel), aber auch welche aus Großbritannien.

„Großbritanniens Regierung hat zugegeben, dass britische Firmen zwischen 2004 und 2010 Chemikalien nach Syrien exportiert haben. Entgegen den internationalen Vereinbarungen lieferten die Briten Natriumfluorid an syrische Kosmetik-Firmen. Der britische Geheimdienst muss zu diesem Zeitpunkt gewusst haben, dass diese Firmen nur Tarnung sind. (…)“

Im Laufe des Bürgerkriegs bewaffnete sich die Al-Qaida nahestehene Rebellen-Einheit „Nusra-Front“ mit diesen Beständen. Eine UN-Untersuchung sprach von einem „konkreten Verdacht“, dass Rebellen Giftgas auch eingesetzt hätten. Es fand jedoch keine Untersuchung vor Ort statt, sondern eine Befragung der Opfer in „benachbarten Ländern“, „sowie Ärzte und Mitarbeiter von Krankenhäusern“. In diesem Zusammenhang nahm die Schweizer UN-Vertreterin Carla Del Ponte Anfang Mai 2013 wiefolgt Stellung:

„Die syrischen Rebellen sollen mit dem tödlichen Nervengas Sarin gegen ihre Gegner vorgegangen sein. Dafür gebe es einen „deutlichen, konkreten Verdacht“, sagte Uno-Vertreterin Carla Del Ponte. Sie beruft sich auf Aussagen von Zeugen vor Ort.“ (spiegel)

Dagegen steht die Aussage eines geflohenen Syrischen Offiziers, der eine Chemiewaffen-Einheit befehligte. Er sagte, man hätte ihm befohlen, Chemiewaffen einzusetzen (youtube).

Bezüglich des Angriffs am 21. August sagte ein Sprecher der Uno-Menschenrechts-Kommission, dass es hier noch keine Erklärung über die Täter gäbe. (ria)

Wer verübte den Angriff?

Der russische Präsident Vladimir Putin warf US-Außenminister John Kerry vor zu lügen. Laut Kerry hätte das Assad-Regime den Angriff vorgenommen, er drohte dem Regime einen militärischen Angriff der USA an. Der US-Geheimdienst hätte Gespräche abgehört, „in denen die syrische Führung über den Giftgas-Einsatz streitet.“ (welt). Putin: „Sie lügen wunderschön.“ (ebd) Tatsächlich hat der US-Geheimdienst keinerlei Glaubwürdigkeit mehr bei informierten Kreisen – auch wegen der eingekrachten Lügengebilde bzgl. des 11. Septembers oder den irakischen Massenvernichtungswaffen.

Stattdessen zitierte das russische Außenministerium das Ergebnis einer Experten-Kommission, die zuvor in Moskau tagte: Fotos und Videos des „angeblichen Giftgas-Angriffs in Syrien (…) wären im voraus fabriziert worden.“ „Höchstwahrscheinlich handelt es sich um eine Provokation der Rebellen.“ (RT)

Putin warnte, dass die Rebellen sogar Israel mit chemischen Waffen angreifen könnten, nur um ein Eingreifen der USA zu provozieren (jta).

Die Sabotage der „kommenden Friedensgespräche in Genf“ wäre laut des russischen Außenministers Sergei Lawrow der Sinn des Angriffs gewesen.

„Gleichzeitig greife der Westen den Ergebnissen der UN-Inspekteure durch eigene Stellungnahmen und Festlegungen vor.  (info-kopp)

Ein möglicher Angriff auf das Assad-Regime wird auch seitens Jürgen Elsässer kritisiert. Er bot sogar …

500 Euro für den ersten abgeschossenen NATO-Bomber

Feuer frei für die syrische Luftabwehr! Holt die Aggressoren vom Himmel! (…)

Den Betrag soll er nach Belieben für seine Gemeinde verwenden – oder für die tapferen Soldaten an der Flak, die ihre Heimat verteidigen. Aus 5.000 Meter Höhe wollen diese Metzger “chirurgische Schläge” führen lassen – in das Fleisch des syrischen Volkes. “ (elsaesser)

Der Radioreporter Ken Jebsen, der die Menschenrechts-Verbrechen der USA und Israel zurecht kritisiert, nennt Diktator Assad einen „Präsidenten“, der versucht …

„… sein Land vor der Bombardierung durch die USA zu beschützen.“ Assad wolle „sein eigenes Volk schützen“ (facebook).

Dagegen macht der „bestinformierte Waffenexperte des syrischen Bürgerkriegs“ und Blogger Eliot Higgins das syrische Regime verantwortlich. Im Interview mit der welt führt er aus:

„Die Welt: Die UN-Inspektoren haben Fotos von Granaten in Damaskus gemacht. Könnte diese Art von Munition chemische Kampfstoffe enthalten haben?

Higgins: Indizien deuten darauf hin, dass zwei Versionen dieser Munition benutzt wurden. Eine davon ist hochexplosiv, die andere ist dazu gebaut, eine Ladung von Flüssigkeit oder Gas zu tragen. Letztere Version war bereits mit früheren Chemieangriffen in Verbindung gebracht worden.

Sollten die Tests der UN bestätigen, dass Chemiewaffen eingesetzt wurden, dann ist es die genannte Munition, die höchstwahrscheinlich den Kampfstoff beinhaltete. Und diese Munition scheint ausschließlich von den Regierungstruppen benutzt zu werden.

Die Welt: Der Iran behauptet, die Munition, mit denen der Chemienangriff ausgeführt wurde, sei nicht professionell produziert und könnte deshalb nicht aus Armeebeständen stammen. Kann das stimmen?

Higgins: Ich habe eine lange Liste dieser Munition dokumentiert, wie sie von den syrischen Regierungstruppen im Laufe des Konflikts immer wieder benutzt wurde. Es gibt keinerlei Hinweise, dass sie von der Opposition benutzt worden wäre. Ich würde gerne die Beweise der Iraner sehen.

Die Welt: Russland behauptet, die Rebellen hätten chemische Waffen benutzt und ihre eigenen Leute getötet. Es gibt Videos im Netz, in denen ein Hase vergast wird oder Rebellengruppen mit Chemieattacken drohen.

Higgins: Das Hasenvideo wurde auf einem Kanal gepostet, der von keiner Gruppe benutzt wird. Jeder könnte es hochgeladen haben. Ich glaube, man kann das nicht ernst nehmen.

Ich habe es schon vorher gesagt, die syrische Armee hat eine lange Geschichte im Gebrauch dieser Munition. Und das war ein koordinierter Angriff. Es wurden nicht nur einige wenige Granaten willkürlich zu Propagandazwecken verschossen.

Die Welt: Die Rebellen haben von der syrischen Armee alle nur erdenklichen Waffen und Munition erbeutet. Könnten diese besagte Munition nicht darunter gewesen sein?

Higgins: Der Angriff kam aus mehreren Richtungen. Das ist militärisch nicht einfach zu machen. Wenn man die existierenden Fakten nimmt und Verschwörungstheorien beiseitelässt – es gibt wirklich nichts, das in Richtung Rebellen als Täter deutet.

Zur Untermauerung seiner Aussagen veröffentlichte er eine ganze Reihe von Blogeinträgen (Brown Moses Blog), in den er die eingesetzten Waffen auf beiden Seiten analysierte.

Auch die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ kommt zum gleichen Schluss:

„Die Maße dieser Raketen passen (…) zu den nur in Iran produzierten Raketenwerfern des Typs Falaq-2 oder Kopien dieses Systems. Videos aus dem Bürgerkrieg zeigten Regierungstruppen beim Einsatz solcher Raketenwerfer.“ (sz)

Eine Video-Aufzeichnung (youtube) von Ende August 2013 zeigt Rebellen, die angeblich dasgleiche Waffensystem benützten. Dort wurde jedoch wesentlich kleinere Munition, 55 mm, verschossen.

Am 21. August wurden dagegen Raketen, 330-Millimeter, eingesetzt, auch 140-Millimeter. Sie gehörten zum Arsenal der syrischen Armee. „Sie seien nie in der Hand der Rebellen gesehen worden.“ (sz

„Die Rakete steckte noch im Krater. Das 6,30 Meter lange Geschoss, das teils kyrillische Buchstaben trug, war in den Terrassenfliesen eingeschlagen, hinter einem Wohnhaus in Muadamija, einem Vorort von Damaskus. Ähnliche Trümmer landeten anderswo auf dem Dach eines Hauses und in den Etagen darunter sowie in einem offenen Feld. Inklusive die eines Sprengkopfes, 70 Zentimeter lang – groß genug, um „56 Liter Flüssigkeit“ zu fassen, „plusminus sechs Liter“.

Auch gäbe es keine Beweise, dass Rebellen über so große Mengen Sarin verfügten.

„Insgesamt seien bis zu 350 Liter eingesetzt worden. Es war nach den Uno-Angaben der größte Chemieanschlag, seit Saddam Hussein 1988 in Halabdscha zwischen 3000 und 5000 Menschen vergaste. Eine derart große Menge von Sarin zu lagern und einzusetzen setzt eine hohe Professionalität voraus.“ (spiegel)

„Dagegen gebe es „keinerlei Informationen“, dass die Opposition jemals über die Mengen von Sarin verfügt habe, die für den Raketeneinsatz erforderlich gewesen seien. Alleine in den östlich des Stadtzentrums gelegenen Vorstädten Samalka und Ain Tarba dokumentierte Human Rights Watch den Einschlag von zwölf 330-Millimeter-Raketen, die mit Gefechtsköpfen bestückt waren, die jeweils etwa 60 Liter Sarin enthielten.“ (sz)

Ergebnisse der UN-Inspekteure

Die UN-Waffen-Inspekteure trafen bereits am 18. August in Damaskus ein. Sie sollten frühere (mögliche) Giftgasangriffe untersuchen. Jedoch schloss ihr UN-Mandat die Prüfung aus, wer die C-Waffen einsetzte. Es gibt unterschiedliche Darstellungen, wer diese Einschränkung durchsetzte.  Der Blogger „Einarschlereth“ schreibt sie dem „Druck der US-amerikanischen Regierung“ (einarschlereth) zu, die sueddeutsche schreibt dagegen:

„Die UN-Inspektoren hatten kein Mandat, die Verantwortlichkeit für den Angriff einer der beiden Seiten im Bürgerkrieg zuzuweisen. Russland hatte verhindert, dass der UN-Sicherheitsrat eine Resolution verabschiedete, die Syrien gezwungen hätte, den Inspektoren freie Hand bei ihrer Arbeit zu lassen. Die deutsche UN-Diplomatin Angela Kane hatte deswegen mit der Regierung in Damaskus ein Mandat aushandeln müssen, das auf die Bedingungen der syrischen Führung Rücksicht nahm.“ (sz)

Die Inspekteure wurden in Syrien beschossen: Es gab einen Mörser-Angriff auf ihr Hotel in Damaskus und sie gerieten unter Feuer von Scharfschützen, als sie auf dem Weg zum den Tatort waren. Das syrische Regime und die russische Regierung machten die Rebellen für die Angriffe verantwortlich, Lawrow: „Das macht nicht optimistisch.“ (rt).

Trotzdem konnten sie ihre Arbeit fortsetzen und beenden. Laut des UN-Generalsekretärs wären die Ergebnisse „überwältigend und unbestreitbar“.

„Die Fakten sprechen für sich.“ Es handele sich um den schwersten Giftgaseinsatz seit dem Angriff des irakischen Despoten Saddam Hussein auf die Kurden 1988.

„Der Uno-Bericht selbst umschreibt die Schuldfrage dezent. „Die Raketen kamen aus dem Nordwesten“, heißt es etwa über Muadamija. Auch in Zamalka und Ayn Tarma, zwei Einschlaggebieten nordöstlich von Damaskus, sei es möglich, „die wahrscheinliche Flugbahn der Projektile mit einem ausreichenden Maß an Genauigkeit festzustellen“.

Die gewonnen Koordinaten der Raketen-Flugbahnen belasten das Assad-Regime schwer:

„Eine Rekonstruktion der Flugbahnen der Geschosse nach den Angaben aus dem UN-Bericht ergibt, dass sie nicht nur jeweils aus von der Regierung kontrollierten Gebieten abgeschossen wurden, sondern aus Richtung wichtiger Militärinstallationen des Regimes kamen, darunter ein Stützpunkt der Republikanischen Garden, der Militärflugplatz Messeh sowie die zentrale Kaserne der 4. Gepanzerten Division, die unter dem Befehl von Assads Bruder steht, General Maher al-Assad.“ (spiegel)

„Insgesamt haben die Uno-Kontrolleure fünf Einschlagstellen untersucht. Nur für zwei konnten sie mit exakter Genauigkeit die Flugbahn der Giftgas-Raketen bestimmen und gaben sie in ihrem Bericht in Kompassgraden an. Die „New York Times“ und die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ trugen die Uno-Angaben in eine Karte ein. Ergebnis: Die zwei Flugbahnen führen in den Nordosten von Damaskus. Sie kreuzen sich in einem Punkt: dem Hauptquartier der Republikanischen Garde auf dem Kassiun-Berg.“ (spiegel)

Im UN-Bericht heißt es dazu:

Considerations on the likely trajectory of the rockets

Of the five impact sites investigated by the mission, three do not present physical characteristics allowing a successful study of the trajectories followed by the rockets involved, due to the configuration of the impact places. However, Impact site number 1 (Moadamiyah) and Impact site number 4 (Ein Tarma) provide sufficient evidence to determine, with a sufficient degree of accuracy, the likely trajectory of the projectiles.

Impact Site Number 1

The munition linked to this impact site, by observed and measured characteristics, indicatively matches one of the variants of the M14 artillery rocket, with either an original or an improvised warhead (not observed at the impact site). In the final stage of this trajectory, the projectile hit an pierced through a vegetal screen existing over on of the adjacent walls, before impacting the ground producing a shallow crater.

The line linkingg the crater an the piercing in the vegetal screen can be conclusively established and has a bearing of 35 degrees. This line represents an inverse azimuth to the original trajectory of the rocket, that is to say, the original trajectory of the projectile, as it hit the ground, had an azimuth of 215 degrees.

Impact Site Number 2 is located 65 meters away from number 1 and with an azimuth of 214 degrees. Botz relative positions are fully congruent with the dispersion pattern commonly associated with rockets launched from a single, multi-barrel, launcher.

Impact Site Number 4

The munition related to this impact site by observed and measured characteristics indicatively matches a 330 mm caliber, artillery rocket. The projectile, in the last stage of its trajectory, hit the surface in an area of earthy, relatively soft, ground where the shaft/engine of the projectile remained dug in, undisturbed until investigated.

The said shaft/engin, presenting no form of laterial bending, pointed precisly in a bearing of 285 degrees that, again, represent a reverse azimuth to the trajectory followed by the rocket during its flight. It can be, thus, concluded, that the original azimuth of the rocket trajectory had an azimuth of 105 degrees, in an East/Southeast trajectory.“ (indepentent)

„Human Rights Watch“ erstellte folgendes Diagramm mit den eingezeichneten gelben Flugbahnen:

hrw-syria-sarinQuelle: Human Rights Watch, 17.11.2013

Ein Kommentator des Spiegel-Artikel schreibt treffend, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass …

„… Rebellen sich heimlich, still und leise in den Stützpunkt von Assads Elite-Division schleichen und von dort aus unbemerkt Giftgas einsetzen um diesen Angriff dann Assads Truppen in die Schuhe zu schieben. (…) Insofern sollen die Russen endlich aufhören, für sich die Position des „neutralen Vermittlers“ in Anspruch zu nehmen. Die haben ihre ganz eigenen handfesten Interessen – ob es das Assad-Regime als Waffenkäufer oder die Flottenbasis in Tartus ist. Beide Optionen wären futsch, sollte Assad von der Macht verschwinden.“

Kein Wunder also, dass Russland auf einmal den UN-Chemiewaffenexperten „Parteilichkeit“ vorwirft. Deren Bericht sei „politisiert, parteiisch und einseitig“. Russland sei „enttäuscht“, dass die UN-Experten ihren Bericht „selektiv und unvollständig“ angefertigt hätten (tagesschau). Hier geht es zu einem Bericht über die UN-Inspekteure.

Quelle: youtube

Kurz nach dem verheerenden UN-Bericht kündigte der russische Außenminister Lawrow an, dem UN-Sicherheitsrat Beweise vorzulegen, die Russland vom Regime erhielt und die zeigten, dass die Rebellen hinter dem Giftgas-Angriff wären (reuters).

Diese „Beweise“ wurden daraufhin offenbar im Fernsehen „RT“ gezeigt, der im Westen ausgestrahlt und von Russland finanziert wird. Aufnahmen (angeblicher) Rebellen würden zeigen, dass tatsächlich sie die Giftgas-Angriff ausführt haben könnten. Dann führte „RT“ den Blogger Brown Moses als Quelle für diese Behauptung an. Dagegen wehrte sich der Blogger vehement, denn von Anfang an zweifelte er an deren Glaubwürdigkeit (Brown Moses). Zum Hintergrund:

Dem Blogger Brown Moses wurde ein Link per email zugeschickt, der ihn zur Platform „LiveLeak“ führte. Dort sah er mit als Erster die Aufnahmen. Angeblich hätten Kurdische Milizen drei „Terroristen“ an der Grenze getötet. In den Terroristen-Handys wären die Aufnahmen gefunden worden. Gleichzeitig landeten sie auch bei youtube. Bevor „RT“ darüber berichtete, schrieb der Blogger einen Artikel, wo er die „dubiose“ Natur der Aufnahmen herausstellte.

Als erstes wäre die Qualität der Aufnahmen schrecklich. So wäre es schwierig, viele Details zu erkennen.

„Ziemlich seltsam auch, dass es so dunkel ist, da am 21. August Vollmond war, und es keinerlei Lichter in der sichtbaren Stadt gibt. Davon abgesehen gibt es drei Dinge, die richtig dazu bestimmt sind, übermäßig konstruiert, gesehen zu werden: Die ungewöhnliche Munition „UMLACA“, das ständig wiederholte Datum 21. August und die Rebellengruppe „Liwa al-Islam“. Die Männer sagen nicht nur, dass sie von der Gruppe sind, sondern alles ist [mit Liwa al-Islam-Flaggen] behangen und beschriftet. Ein Blick in den Youtube-Kanal der tatsächlichen „Liwa al-Islam“ zeigt, dass sie nicht Flaggen über Waffen hängen, die sie benützen. (…)

Interessant ist, dass sie auch eine „D-30 Howitzer“ benützten, eine Waffe, die nicht identifiziert wurde, dass sie am 21. August zum Einsatz kam. Dennoch fühlen sie Notwendigkeit Gasmasken zu tragen (bis auf den Kameramann, den man klar hören kann, unbehindert von einer Gasmaske). Es gibt keine Zeichen eines „BM-14“ multiplen Raketenwerfer, der mit den Angriffen vom 21. August in Verbindung gebracht wird. (…)

Die Aufnahmen wurden auch hochgeladen von nagelneuen youtube- und liveleak-Konten, was sie gemeinsam haben mit anderen dubiosen Aufnahmen, inklusive dem Video, wo Rebellen angeblich einen Hasen vergast hätten.“ (Brown Moses)

Die Rebellen-Gruppe „Liwa al-Islam“ gab eine Stellungsnahme heraus, in der sie dem Assad-Regime vorwarf, die Aufnahmen „fabriziert“ zu haben. (ebd.)

Der neueste [20.09.13] „Erklärung“ des syrischen Regimes lieferte deren stellvertretender Premierminister Qadri Jamil:

Die am 21. August benutzten Raketen wurden in den 1970er Jahren von Russland nach Libyen exportiert. „Sie wurden mit Chemiewaffen durch Gaddafi beladen und zu den Fundamentalisten nach Syrien exportiert, nachdem Gaddafi gestürzt wurde.“ (engineeringevil)

Fazit

Ein militärisches Eingreifen, möglichst unter Beteiligung Russlands, ist dringend notwendig. Die Militärschläge müssen sich sowohl gegen das Assad-Regime als auch gegen Al-Qaida Einheiten richten.

Erst nach dem Assad-Sturz ist eine friedliche Lösung und eine von den Syrern gewünschte Demokratisierung möglich. Eine führende Rolle in einer Übergangsregierung könnte der frühere syrische Verteidigungsminister General Ali Habib einnehmen. Er trat aufgrund der brutalen Niederschlagung der syrischen Demokratiebewegung durch Assad zurück (friedensblick) und floh kürzlich aus dem Hausarrest in die Türkei (wiki). Er stammt aus der alewitischen Volksgruppe (jpost). 

Falls der Bürgerkrieg trotz eines Assad-Sturzes weiterginge, müssten die verschiedenen Volksgruppen getrennt werden, mithilfe von UN-Bodentruppen, nach dem Vorbild des Kosovo-Einsatzes.

Ein Bericht an den Uno-Menschenrechtsrat fordert die „Beendigung des Krieges“, dass sei „dringender denn je“. Es gäbe jedoch keine „militärische Lösung“.

„Auf beiden Seiten gebe es Kriegsverbrecher, die offenbar meinten, keine Bestrafung fürchten zu müssen, erklärte die Expertengruppe unter Leitung des brasilianischen Diplomaten Paulo Pinheiro. Die Täter müssten unbedingt strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.“ (spiegel)

Die Alternative wäre ein weiteres Erstarken der Radikalen auf beiden Seiten und ein weiteres Abschlachten, auch mit chemischen Waffen. Dies ist durchaus auch im Interesse des Assad Regimes. Wem nützt es, dass der Konflikt ständig radikalisiert wird? Damit wird eine Demokratisierung des Landes verhindert, mit dementsprechenden Sturz des Regimes.

Ein Gedanke zu „Giftgas-Morde in Syrien: UNO-Bericht belastet Diktator Assad schwer“

  1. Syrien ist ja vom Schicksal Libyens von der NATO zerbombt zu werden, verschont worden, wenn auch die US Hegemonial Politik un die der Vasallen neben Jugoslawien, AFg, Irak und Libyen auch Syrien destabilisiert und eine riesige Blutspur hinterlassen hat und immer noch lässt, inklusive der Millionen von Flüchlingen.
    Interessiert die Profiteure dieser markt/REssourcen/Kriegsgewinnler Politik nicht die Bohen und die Leute werden mit Fernsehen, I -Phones und reihenweise mainstream Falschinformationen und – Propaganda versorgt.

    So klar wie sich das die UN oder gar der Lügen/Belllingcatblogger Moses/bzw. Ellit Higgins (Glaskugelsehr) vorstellt waren die Giftgasmorde in Ghuta/OstDamaskus nicht.
    Vgl. http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Syrien/chemie-hersh.html

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