„Monetative“, „Monetarismus“, Weltwirtschaftskrise

Die Initiative „Monetative“ kritisiert zurecht die eskalierende Verschuldung. Die Gruppe sieht jedoch die Ursache nicht im Zinses-Zins und den so eskalierenden Geldvermögen, sondern einer (angeblichen) Erschaffung von Geld durch Geschäftsbanken. Diese Fehleinschätzung hat folgen-schwere Konsequenzen: Statt eines Vermögens- und Schuldenschnitts, sollen die aufgehäuften Vermögen durch sogenanntes „Vollgeld“ sogar voll staatlich in unbegrenzter Höhe garantiert werden. Dieser Artikel zeigt, dass dieser Vorschlag zu einer Weltwirtschaftskrise ala 1929 führen könnte.

Der Wirtschaftsanalytiker Helmut Creutz stimmt der Initiativ-Erklärung der „Monetativen“ in der Klage über eskalierende Schulden zu,  jedoch vermisst er …

„… den Hinweis, dass diese die Folge der zins- und zinseszins-bedingten Überentwicklungen der Geldvermögen sind! Denn bekanntlich müssen in jeder Volkswirtschaft diese Geldvermögen über Kredite wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden, wenn die Wirtschaft nicht unter Geldmangelleiden soll. Aber in der gesamten Vorstellung des Monetative-Modells taucht der Begriff „Zins“ oder „Zinsen“ überraschender Weise nicht ein einziges Mal auf!“(humane-wirtschaft)

Tatsächlich geht die „Monetative“ davon aus, dass sich Geschäftsbanken Giralgeld selbst auf Sichtguthaben gutschreiben würden, „aus dem Nichts“ selbst erschaffen – ohne vorherige Einlagenbildung durch eine Nicht-Bank. Laut ihr würden die Banken das angeblich selbst „geschöpfte“ Geld dann als Kredit verleihen. Dieses Geld würde „bloßen Finanzgeschäften“ dienen und der Realwirtschaft Schaden zufügen:

„Börsen- und Konjunkturzyklen werden durch die verselbständigte Bankengeldschöpfung verantwortungslos in Extreme getrieben – manisch überschießend in Hochkonjunktur und Hausse, verstockt und depressiv in den nachfolgenden Überschuldungskrisen.“ (monetative)

Wenn durch diese Spekulationen „die Banken dabei selbst in Schieflage“ geraten, würden die „Guthaben der Kunden auf dem Spiel“ stehen. Daher schlägt die „Monetative“ ein „staatliches Geld“ vor. Das Herzstück der Reform ist, dass …

„Die Guthaben auf Girokonten (…) zu gesetzlichen Zahlungsmitteln gleich Münzen und Banknoten erklärt [werden].“ (ebd)

Das heißt, dass die Einlagen auf Girokonten hinterlegt werden mit Zentralbank-Geld, direkt bei der Zentralbank. Die theoretisch jederzeit abrufbaren Sichtguthaben auf Girokonten betragen heute wahnwitzige 950 Milliarden Euro (Friedensblick). Diese Einlagen wären also durch Banken-Pleiten und Bank-Runs nicht mehr bedroht. Bisher werden durch den Einlagensicherungsfond lediglich Einlagen bis 100.000 Euro garantiert (wiki). Beim „Vollgeld“ werden also auch die darüber-hinaus gehenden Einlagen gesichert. Verluste durch Banken-Pleiten würde damit die Zentralbank übernehmen, also der Steuerzahler.  Für Wolfgang Waldner wäre dies gleichbedeutend mit einer Staats-Garantie für die Geld-Vermögen der Super-Reichen.

„Was hier als Vollgeld diskutiert wird, ist praktisch eine Garantie der Bankeinlagen. Nur das dies dem Publikum so nicht gesagt wird.

Die Banken schulden das vom Kunden auf seinem Konto liegende Geld nicht dem Kunden, sondern sie schulden in Höhe der Kontoeinlagen der Zentralbank ein von dieser zu leihendes Zentralbankgeld. Dafür wird das Geld der Kunden auf ihren Konten von den Banken nur verwaltet. Geht die Bank pleite, hat die Zentralbank das Nachsehen, also der Steuerzahler!“(keynesianer-blog)

Darüberhinaus befürchtet Waldner, wie auch Creutz, eine erschwerte Kreditvergabe der Giralgelder. Im Gegensatz zur privaten Hortung von Bargeld unter dem Kopfkissen oder im Tresor, können die Sichguthaben (Giralgeld) bisher von den Banken als Kredit in den Geldkreislauf zurückgegeben werden.

„Doch ausgerechnet diesen Vorteil möchten Huber und die „Monetative-Initiative“ abschaffen, in dem sie (…) Sichtguthaben (…) nun aus den Banken abziehen und als Vollgeld in die Bundesbank verlagern wollen.“(humane-wirtschaft)

Creutz sieht die Gefahr, dass das „Vollgeld“ zu einer „Verlangsamung des Geldflusses“ sprich der Kreditvergabe der Banken beitragen könnte. Daneben käme es zu einem „stufenweisen Entzug von Geld aus dem Wirtschaftskreislauf“, der sich „durch die Tilgungen der durch die Banken angeblich „geschöpften“ Kredite“ ergibt:

„Auch wenn für dieses Geld die zeitnahe Neuausgabe von dann mit Vollgeld unterlegten Krediten vorgesehen ist, würde die ganze Abwicklung wie eine künstliche Blockade der Wirtschaftsabläufe wirken mit unabsehbaren, aber gewiss nicht wünschenswerten Folgen.“

Auch Waldner teilt diese Einschätzung und fragt:

„Den Anhängern der Monetative wird nun versprochen, dass mit dem Vollgeld dafür gesorgt wäre, dass die Banken nicht mehr so einfach Geld schöpfen könnten, weil sie dafür ja immer erst noch einen gleichen Betrag an Zentralbankgeld bräuchten. Allerdings weiß auch der Prof. Huber, dass die Banken ihre Kreditkunden nicht einfach wegschicken können, weil die Zentralbank gerade kein Zentralbankgeld rausrücken will. (…)

Man kann ja nicht einfach eine Warteliste für Kreditnehmer aufmachen: „Schauen Sie mal nächste Woche wieder vorbei, vielleicht gibt es dann wieder neues Zentralbankgeld für ihren Kreditwunsch!“

(…) Nein, das geht praktisch nur durch rabiate Zinserhöhungen, bis die Leute freiwillig keinen Kredit mehr aufnehmen möchten. Und das heißt immer Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit. (keynesianer)

„Monetative“ – verstecker Neo-Liberalismus

Der grundsätzliche Fehler in der „Monative“ liegt in der Annahme, dass Geschäftsbanken Geld „aus dem Nichts“ erschaffen könnten (Friedensblick). Die Konsequenz ist einschneidend: Statt die riesigen Geldvermögen zu enteignen und damit die Verschuldung zurückzuführen, wird genau das Gegenteil vorgeschlagen: Die Sicherung der Geldvermögen, eine staatliche Garantie der Einlagen durch die Zentralbank. Auf eine gewisse geistige Verwandtschaft der Initiative „Monetative“ mit dem „Monetarismus“ des „Vordenkers des Neo-Liberalismuses“ Milton Friedman wird daher von Beobachtern und Kritikern hingewiesen.

„Der Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedmann war von der Idee überzeugt, der Freiburger Ökonom Walter Eucken ebenso und der Yale-Professor Irving Fisher erst
recht: Um das Finanzsystem stabil und sicher zu machen, solle der Staat Banken verbieten, im Zuge ihrer Kreditvergaben einfach neues Geld in Umlauf zu bringen.“ (Handelsblatt)

Wolfgang Waldner:

„Nun haben sich einige Anhänger des Milton Friedman, wie der Prof. Dr. Joseph Huber, geschickt als Kritiker und Erneuerer unseres Geldsystems verkleidet. Man erkennt sie allerdings gleich daran, dass sie sich mit ihrer Idee eines Vollgeldes auf den einschlägig bekannten Irving Fisher berufen, der in den 1930er Jahren das Geld nicht nur mit Gold, sondern auch noch zu 100% mit Zentralbankgeld decken wollte, um so die Schöpfung neuen Geldes zu verhindern.

(…) Wir haben es also beim „Vollgeld“ ganz klar mit reinstem Deflationismus zu tun. (…) Ganz kurzgefasst besteht die Absicht einfach darin, mit dem „Vollgeld“ das Bankensystem an der Schöpfung von Kredit zu hindern, was zu brutalen Wirtschaftskrisen führen muss, wie bei der einstigen Umsetzung des Monetarismus zu Beginn der 1980er Jahre durch Paul Volcker an der Spitze der FED, als in den USA die Zinsen auf 20% hochgetrieben wurden und eine Weltwirtschaftskrise mit Abermillionen Erwerbslosen die Folge dieser monetaristischen Politik war.“ (keynesianer)

Weltwirtschaftskrise 1929

Die Vorschläge der Monetativen erinnern stark an den Kurs der US-Zentralbank vor der Weltwirtschaftskrise 1929. Angesicht der Spekulations-Blase an der US-Börse erschwerte die Zentralbank kurz vor dem Ausbruch der Krise die Kreditvergabe der Geschäftsbanken und erhöhte die Zinsen:

„Aufgrund der Inflationsgefahr im Inland und der ständig zunehmenden Börsenspekulation erschienen höhere Zinsen angebracht. Lag der Diskontsatz von Mitte 1924 bis Anfang Januar 1928 bei 4% oder darunter, so wurde im Frühjahr 1928 eine geldpolitische Kehrtwendung vollzogen. Bis Juli 1928 stieg der Diskontsatz der Fed auf 5%. Maklerkredite lagen zwischen 6 bis 12%. (…) Am 14. Februar 1929 schlug die Federal Reserve Bank of New York vor, den Diskontsatz von 5 auf 6% zu erhöhen, da sie der Meinung war, die Spekulation unter Kontrolle bringen zu können. Es folgte eine lange Kontroverse. Am 9. August 1929 stieg der Diskontsatz auf 6%. (…)

ROMER (1993, S. 26) macht für die Konjunkturabkühlung im Sommer 1929 hauptsächlich die straffere Geldpolitik der Fed verantwortlich, die im Januar 1928 kontraktive Offenmarktoperationen unternahm. Die Geldmenge sank daraufhin nicht, weil die Banken weiterhin Kredite innerhalb des Diskontrahmens gaben. Der Boom am Aktienmarkt sorgte selbst bei gestiegenen Kosten für genügend Kreditnachfrage. Die Interaktion zwischen Offenmarktverkäufen und steigender Kreditnachfrage führte zu einem signifikanten Anstieg der nominalen wie auch der realen Zinssätze. Als erstes schränkten die Sektoren ihre Tätigkeiten ein, welche als besonders zinssensitiv gelten.“ (uni-münchen)

Die furchtbare Konsequenz war, dass die US-Wirtschaftsleistung um 25 % sank, die Arbeitslosigkeit 25 % betrug. Ganze Bevölkerungsteile verarmten.

Wie auch die Weltwirtschaftskrise 1929 resultieren die heutigen „Verschuldungskrisen“ aus den Folgen des exponentiell zunehmenden Geldvermögens. Der seiner-zeitige Chef der US-Notenbank, Marinner Eccles, beschrieb in den 1930er Jahren die Ursache der damaligen großen Krise:

„Bis 1929 und ’30; also bis zum Beginn der Wirtschaftskrise, hatte eine gewaltige Saugpumpe einen zunehmenden Anteil des erzeugten Reichtums in wenige Hände umgeleitet…und so die Kaufkraft aus den Händen der Mehrheit genommen …

Die Massenproduktionen der modernen Industriegesellschaft beruht aber auf einem Massenkonsum, und dieser setzt die Verteilung des Reichtums voraus … um die Menschen mit einer Kaufkraft auszustatten, die der Menge der von der Wirtschaft produzierten Güter und Dienstleistungen entspricht ….

Wie in einem Pokerspiel, wo sich die Chips in immer weniger Händen konzentrieren, konnten die übrigen Spieler nur noch weiter machen, indem sie Schulden machten. Gab man ihnen keinen Kredit mehr, war es auch mit dem Spiel zu Ende.“

Nutznießer dieser Politik

Die einzigen Nutznießer einer so herbei-geführten Kreditklemme und Deflation sind die Geldvermögen-Besitzer. Dank sinkender Preise ist ihr Geld mehr wert als vorher. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn die „Vollgeld“-Reformen seitens Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlen werden (Handelsblatt).

Es wäre sinnvoller ein Geldsystem zu schaffen, dass eine durch den Zinses-Zins eskalierende Geldvermögens-Bildung unmöglich macht. Damit wären auch die damit einhergehenden Spekulations-Blasen die Grundlage entzogen.

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