Schweden verteidigt den Corona-Sonderweg

bekir: „Schwedens relativ hohe Zahl an Corona-infiziertenToten im Spätwinter / Frühjahr wird von unseren Massenmedien meist verkürzend mit Schwedens Sonderweg (kein Lockdown, mehr Eigenverantwortung der Bürger) in Verbindung gebracht – mit der überwiegend nur angedeuteten (aber dennoch sehr publikumswirksamen) Unterstellung, ein Lockdown von Schulen und Straßencafés hätte zu weniger Toten (in den Altersheimen!) geführt.
So hält es abermals aktuell der FOCUS: https://www.focus.de/gesundheit/news/experten-zweifeln-an-these-staatsepidemiologe-tegnell-hat-erklaerung-fuer-die-vielen-corona-toten-in-schweden_id_12458247.html

Dabei hatte Staatsepidemiologe Tegnell eigentlich schon längst klargestellt, dass die (im Zuge der auch über Schweden gerollten neoliberalen Modewelle) privatisierten Pflegeheime von profitgierigen Betreibern schlank & krank gespart worden waren und daher in der Corona-Krise wegen Überforderung versagten. Weil Staat und Gesellschaft diese Problematik zu spät erkannt und angegeangen haben, schämt sich Tegnell sozusagen offen und kollektiv mit allen Schweden.

Weder Tegnell noch Schwedens Politiker und Bevölkerung bereuen jedoch ihren Nicht-Lockdowon – weil der mit der Pflegeheim-Misere schlicht und einfach in keinem ursächlichen Zusammenhang steht. Letzteres wird in unseren Medien gelegentlich kurz erwähnt, meist aber verschwiegen. Man müsste ja sonst den Neoliberalismus kritisieren, statt das Ausbleiben der Panik, die wir doch Bill Gates, Merkel und Drosten schulden.

Im Grunde räumt der FOCUS – recht versteckt im Artikel – ja eigentlich ein, dass Schweden erfolgreich war:
„In der frühen Phase der Pandemie hatte Schweden lange Zeit auch ein Vielfaches an Infektionen im Vergleich zu Dänemark, Finnland und Norwegen. Doch das Bild wendet sich langsam. Während Dänemark in der zweiten Welle steckt, sind die Zahlen der täglichen Infektionen in Schweden inzwischen niedriger als im Nachbarland. Finnland hat durch seine geringere Einwohnerzahl von fünf Millionen zwar noch weniger neue Fälle als Schweden, kämpft aber derzeit mit einer zweiten Welle“.

Man könnte Schwedens aktuellen Vorteil auch kurz und knapp als eine sich auf natürlichem Weg einstellende Herdenimmunität bezeichnen – dieses Tabuwort wird aber krampfhaft vermieden (man will ja irgendwann die Leute impfen).

Jetzt ärgert Tegnell die Impf-Fans mit einer neuen Erklärung für die hohe Todesrate in Schweden: Er sieht in der milde verlaufenden Grippesaison im vergangenen Jahr die Hauptursache für die vielen Corona-Toten. „Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen einer geringen Übersterblichkeit durch Influenza und einer hohen Übersterblichkeit durch Covid-19“.

„Diese Relation beobachtet Tegnell auch für Großbritannien und Belgien. Dort starben ebenfalls wenige Menschen an der Grippe, aber relativ viele an dem Coronavirus.“
Aber weil Tegnell sich auf eine Studie bezieht, die noch nicht von anderen Experten überprüft worden sei, ist das für den FOCUS sozusagen noch eine wilde Spekulation, zu der er nur kurz und faktenfrei anfügt „Schwedens Nachbarn wundern indes eher über die Theorie“.

In Deutschland können wir uns dagegen wundern, warum Schweinegrippen-Versager Drosten mal dies, mal jenes sagt, ohne dass die Widersprüche thematisiert werden und ohne dass bei ihm mal jemand einen „Peer Review“ fordert.“

5 Gedanken zu „Schweden verteidigt den Corona-Sonderweg“

  1. In Stockholm starben im Verhältnis mehr Menschen, als auf dem Land. Auf dem Land war die Sterblichkeit ähnlich niedrig wie auf dem Land in den Nachbarstaaten.
    „Stockholm, for instance, accounts for 42% of all Sweden’s corona deaths even though only some 20% of the population lives there. Similarly, metro-area Copenhagen holds about 35% of Denmark’s population but 58% of its corona deaths and Oslo 24% of the country’s population but 36% of its corona deaths.

    Other densely populated regions of Sweden, such as the borderlands to Denmark, have seen death rates indistinguishable from Danish regions across Öresund, suggesting to us that there’s something special about Stockholm’s outbreak that doesn’t reflect the Swedish policies more broadly.
    https://www.zerohedge.com/medical/swedens-high-covid-death-rates-among-nordics-dry-tinder-other-important-factors

  2. „Covid-19 ist in Schweden beendet, obgleich das Land keinen vollen Lockdown vollzogen hat. Bericht eines Arztes“,
    veröffentlicht auf TELEPOLIS am 23. September,
    https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Hat-Schweden-die-Herdenimmunitaet-erreicht-4909231.html

    Dieser Arzt ( Sebastian Rushworth) hatte schon im August zum Thema „Wie schlimm ist Covid wirklich?“ darauf hingewiesen, dass die T-Zellen ein relevanterer Immunisierungsweg sein könnten als die Antikörper, aber „übersehen“ werden, weil es technisch schwieriger ist nach ihnen zu suchen statt nur nach Antikörpern:
    „Wir machen Antikörpertests, weil es einfach und günstig ist. Antikörper sind allerdings nicht die Hauptabwehr des Körpers gegen Virusinfektionen. Das sind die T-Zellen. Jedoch sind T-Zellen schwieriger zu messen als Antikörper, weswegen wir das klinisch selten machen. Es ist ziemlich gut möglich, T-Zellen zu haben, die spezifisch für Covid sind und einen daher immun machen, ohne dass man Antikörper hat. Persönlich denke ich, ist es das, was passiert ist“,
    https://www.heise.de/tp/features/Wie-schlimm-ist-Covid-wirklich-4868723.html

    „T-Zellen gegen saisonale Coronaviren erkennen auch SARS-CoV-2“, bestätigte im Juli das ÄRZTEBLATT,
    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/115217/T-Zellen-gegen-saisonale-Coronaviren-erkennen-auch-SARS-CoV-2

    Jens Berger von den Nachdenkseiten verwies im August auf die Kreuzimmunität und beklagte in diesem Zusammenhang, dass leider „auch in Deutschland nicht auf eine mögliche Immunität durch die T-Zellen getestet“ wird. „Dadurch verlieren z.B. die gerade laufenden Antikörpertests des RKI an Aussagekraft, zumal bekannt ist, dass die Konzentration der spezifischen Antikörper bereits nach wenigen Wochen so deutlich zurückgeht, dass man sie kaum mehr messen kann“,
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=63817#h01

    Zu einer Strategie „Impfen um jeden Preis – natürliche Herdenimmunität interessiert nicht“ würde natürlich gut passen, dass man das etwas mühsamere Testen auf T-Zellen unterlassen will und lieber auf die schnell verschwindenden Antikörper testet.

  3. Herdenimmunität ohne Antikörper?
    Vom o.g. Arzt Sebastian Rushworth hat TELEPOLIS einen Artikel übersetzt und am am 5. Oktober veröffentlicht, [1].

    Der Autor gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Immunität und möchte damit vor allem erklären, warum jemand eine funktionierende Immunität haben kann, obwohl die Antikörper nach einigen Monaten aus der Blutbahn verschwunden sind.

    Sucht man nach Antikörpern, dann gibt es also nicht nur eine Dunkelziffer durch die nicht Getesteten (und die immer noch unsystematische, nicht repräsentative Auswahl der zu testenden Menschen), sondern auch innerhalb der Gruppe der Getesteten eine Dunkelziffer von unerkannt Immunen.

    Sucht man hingegen nach Trägern des aktiven Erregers, dann ist laut Anmerkung des Übersetzers zu beachten, dass ein positiver Test Virenfragmente nachweist, die es auch nach erfolgreicher Immunabwehr geben kann, die bei Normalgesunden die Regel ist. Dazu passend:
    Die Entkoppelung der Testpositivzahlen von der medizinischen Realität ist in Schweden seit September deutlich sichtbar und es handelt sich laut einer Mail von Rushworth an TELEPOLIS nunmehr in Schweden „offensichtlich um eine Falldemie (casedemic)“, „die mit steigenden Testzahlen zu tun hat“.
    In Rushworths Krankenhaus sei Covid bei den Gesprächen unter dem medizinischen Personal kein Thema mehr, „die Leute finden das Thema langweilig“.

    Weiter: Diese Entkoppelung war schon 2009 bei der Schweinegrippe zu beobachten; der Übersetzer verweist auf ein YouTube-Video vom 12. August von Ivan Cummins [2]: „Nachdem die medizinische Situation im Sommer vorbei war, endete die Falldemie erst Anfang 2010, indem man das Testen eingestellt hat.“

    [1] https://www.heise.de/tp/features/Herdenimmunitaet-ohne-Antikoerper-4919315.html
    [2] https://www.youtube.com/watch?v=FU3OibcindQ

  4. Schwedens Weg vermied Zwang, Freiheitseinschränkungen und Frust im Volk – und war seuchenpolitisch dennoch erfolgreich, wie der FOCUS im o.g. Artikel einräumen musste, wenn auch etwas gewunden und versteckt.

    Jetzt das gleiche Spiel für den wirtschaftlichen Aspekt von Schwedens Sonderweg:
    „Ohne Lockdown durch die Krise: Schwedens Weg scheint sich für die Wirtschaft auszuzahlen“, [1].

    Aber: „Zu einem hohen Preis“ – die Mainstreammedien wollen nicht darauf verzichten, den Wermutstropfen eines angedeuteten Massakers pflichtschuldigst in ihre Berichte einzubauen. Denn ganz ohne schwedischen Pferdefuß geht es einfach nicht – müsste man ja zugeben, dass der deutsche Weg weder alternativlos noch besonders gut war. Und welches Presseorgan traut sich noch zu sagen „Die Kaiserin ist nackt“ in Zeiten, in denen Merkel einem Bill Gates ihre Freundschaft schenkt und dieser dem Marktführer SPIEGEL viele Millionen?

    Wirtschaftsprofessor Christian Kreiß räumt auf mit angeblichen schwedischen Pferdefüßen und scheut sich auch nicht, Pressegiganten wie der SÜDDEUTSCHEN Verdrehung der Tatsachen und schlichtweg Lüge vorzuwerfen [2]:
    „Betrachtet man die Sterbezahlen bis Ende August, so liegt das Jahr 2020 an sechster Stelle innerhalb der elf Jahre seit 2010 und bildet damit exakt den Median“ – 2020 liegt in einer nicht goldenen, aber ausgewogenen Mitte, weil fünf Jahre tödlicher waren und fünf Jahre weniger tödlich.

    Selbst das Schwedische Statistikamt will (oder darf?) laut Kreiß nicht darauf verzichten, mit gelegentlich äußerst irreführenden Formulierungen dem Panik-Modus Wasser auf die Mühlen zu geben.
    „2020 sei das schlimmste Todesjahr in Schweden seit 150 Jahren“ stimmt nämlich nur für die absoluten Zahlen, sprich: wenn man den Bezug zur Größe der Bevölkerung weglässt, „die sich in diesen 150 Jahren etwa verzweieinhalbfacht hat. So einfach trickst man mit Statistiken.“

    Und (als hätte man einen Textbaustein dafür) räumt der FOCUS wie schon in ersten Artikel ein, dass Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell für die hohen Todesraten eine Erklärung hat, indem er auf die milde Grippesaison des Vorjahres verweist: Diejenigen Risikogruppen und Alten, die im Vorjahr nicht der Influenza erlagen, treffe nun eben 2020 das Coronavirus.
    Für diesen naheliegenden Gedanken kann Tegnell sich sogar auf eine Studie stützen, „die allerdings noch nicht wissenschaftlich überprüft wurde“ und daher von Tegnells Kollegen in den Nachbarländern Finnland und Norwegen bezweifelt werde.

    Soll mit dieser Einschränkung dem ängstlichen deutschen Michel klargemacht werden, dass bis zum (wohl unmöglichen?) Beweis des Gegenteils die hehren Worte und Aussagen unserer Schutzheiligen Merkel und Drosten gelten?

    [1] https://www.focus.de/finanzen/boerse/konjunktur/daten-deuten-zuegige-erholung-an-ohne-lockdown-durch-die-krise-schwedens-wirtschaft-scheint-von-dem-sonderweg-zu-profitieren_id_12545548.html
    [2] https://www.rubikon.news/artikel/von-schweden-lernen

  5. Ein „Auffälliges Schweigen über Schweden“ beanstanden die NachDenkSeiten und sehen den Grund darin, dass Staatsepidemiologe Anders Tegnell seinen Kurs unbeirrt fortsetzt; er will es weiter „relaxed“ angehen, wie er vor einer Woche verkündete:
    „Wir rufen die ältere Bevölkerung auf, sich nicht mehr komplett zu isolieren, nur noch große Menschenansammlungen zu vermeiden.“ Denn ein Bericht habe gezeigt, dass sich die soziale Distanzierung bei vielen Älteren negativ auf ihre psychische Gesundheit ausgewirkt habe.

    Und weil er (wie bei uns die Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit sowie der Kassenärzte-Verband am Mittwoch forderten), nicht nur die (Test-)Positivrate im Blick hat, sondern auch die Krankenhauseinweisungen und vor allem die weiter gleichbleibend niedrigen Todesfälle mit Covid-19.

    „Wobei in Schweden die Inzidenz (Fälle/100.000 Einwohner) im europäischen Vergleich trotz massiver Anstiege niedriger liegt als in weiten Teilen Europas und in den letzten Tagen sogar knapp hinter Deutschland zurückgefallen ist.“

    Dies, obwohl es in Schweden momentan nicht gibt:
    – Masken(pflicht),
    – Beherbergungsverbote,
    – Sperrstunden,
    – kalte Klassenzimmer mit maskierten Kindern,
    – Aufrufe zum Denunziantentum,
    – Verordnungswahn,
    – Corona-Polizeikontrollen,
    – Diskussionen um die Unverletzlichkeit der Wohnung,
    – Demonstrationen gegen die Corona-Politik,
    – Bundeswehr im Innern,
    – Schulklassen in Quarantäne,
    – abgesagte Weihnachtsmärkte.
    Vor allem sind die Schweden fest entschlossen:
    „Wir werden weitermachen wie bisher und Lockdowns vermeiden“, berichtet der 64-Jährige deutsche Journalist und Fotograf Henning Rosenbusch für die NachDenkSeiten objektiv aus Schweden, wo andere Medien nur polemisieren oder eben schweigen.

    Interessanterweise gilt aber „auch in Schweden die Definition der Europäischen Seuchenbehörde. Diese schreibt bekanntlich vor, dass jeder, der binnen 28 Tagen nach positivem Befund verstorben ist, in die Statistik aufgenommen werden müsse. Das gilt auch für diejenigen, die ohnehin auch ohne Covid-19 verstorben wären.“
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=66378

    Vermutlich machen die Schweden letzteres nur mit aus Gründen der Einheitlichkeit bzw. Vergleichbarkeit.
    Der Fisch stinkt jedenfalls vom Kopf her: WHO, RKI und all die anderen bezahlten Billy Boys, die unbedingt die gesamte Menschheit spritzen wollen, haben an panik-senkenden Schritten kein Interesse – auch diesen Winter wird wieder jeder, der nur entfernt „mit“ oder „im Zusammenhang mit“ Corona sterben wird, als „an“ Corono verstorbener Virus-Toter gezählt werden.
    Die Obduktions-Erkenntnisse des Hamburger Professors Püschel sind hierbei nach wie vor so unerwünscht wie das vorbildliche Modell Schweden.

    Wie schlimm ist es eigentlich, positiv getestet zu sein und sich „vor der Quarantäne zu drücken“?
    In Frankreich und Spanien, wo alle strengen Ausgehverboten unterliegen, dürfte es fast den Rang eines Kapitalverbrechens einnehmen.

    In Deutschland, wo man etwas strenger aufs Geld schaut, gönnt man sich insoweit schwedische Gelassenheit:
    „Laut Robert Koch Institut (RKI) sollen Pflegefachpersonen, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, bei Personalknappheit trotz Infektion arbeiten dürfen“, kritisierte vorgestern der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, https://www.dbfk.de/de/presse/meldungen/2020/Pflegen-mit-Corona-Gesundheit-hat-Vorrang.php

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