Teil 3) Stellte Internetflirt TanyMany Geheimdienst-Agenten Andreas Temme eine Falle?

Ich vermutete in einem früheren Artikel, dass der (damalige) hessische Geheimdienst-Beamte Andreas Temme „reingelegt“ worden sein könnte. Betraten die Mörder das kasseler Internetcafe und erschossen den Betreiber Halit Yozgat just in dem Moment, als Temme mit seinem Auto wegfuhr? 

Nach meiner Einschätzung hätte der Iraker Hamadi Sh. die ideale Beobachterposition gehabt, das Opfer auszuspähen und den passenden Moment zum Angriff per Telefongespräch mitzuteilen. Er telefonierte nur 3-4 Meter neben Yozgat, als er erschossen wurde. Just in dem Moment als Temme das Cafe verließ, startete sein zweiter Anruf.

Wurde Temme beschattet?

Benjamin Gärtner war einer der Informanten Temmes. Sie trafen sich einige Tage nach der Ermordung Yozgats. Gärtner schildert seinen Eindruck:

„Mir fällt jetzt noch ein, dass der Alex [Aliasname Temmes] bei diesem Treffen besonders nervös war, weil er sonst sein Jackett auszog und über den Stuhl hängte. Bei diesem Treffen hat er das nicht gemacht. … Außerdem hat er sich dauernd umgeschaut. Für mich hatte das den Eindruck, dass er sich beobachtet fühlte.“ (Bundestag, erster NSU-Untersuchungsausschuss, Protokoll 27, S. 43) 

Wurde Temme von Hamadi Sh. beschattet?

Um 16:50 betrat Temme das Cafe und begab sich in den hinteren Bereich an einen Computer. Vier Minuten später, um 16:54, startete Hamadi Sh. vorne, direkt neben der Theke, sein erstes Gespräch. Er beendete es just um 17:01, als Temme das Cafe verließ. Daraufhin fing Hamadi Sh. sein zweites Gespräch an.

In den Anlagen des zweiten NSU-Bundestags-Untersuchungsausschusses fand ich Material, welches ausgerechnet Hamadi Sh. weiter ins Zwielicht rückt – er informierte nachweislich die Ermittler falsch!

Zwei im Cafe im hinteren Bereich sitzende Zeugen hörten verdächtige Geräusche, aber erst nachdem Temme seinen Computer um 17:01 verließ. Zum Beispiel hörte eine Person ein „dumpfes Geräusch“, aber erst „2-3 Minuten“ nachdem Temme seinen Platz verließ.

Ausgerechnet Hamadi Sh. will Schüsse kurz vor 16:54 gehört haben, als Temme noch im Internetcafe anwesend war. In einem Bericht der Staatsanwaltschaft Kassel steht, dass Hamadi Sh. …

„… unmittelbar zu Beginn seines Telefonates (um 16.54 Uhr) Knallgeräusche wahrgenommen habe. Kurz danach habe vermutlich eine Person das Internet Cafe verlassen.“ (Anlage 40, S. 11)

Seine Darstellung ist falsch, denn zu Beginn des ersten Gespräches war Yozgat noch am Computer aktiv.

„Bezüglich dieser Zeitangabe ist aber festzustellen, dass 50 Sekunden nach Beginn des ersten Telefonats von [geschwärzt], d.h. um 16.54.51 Uhr noch eine Action am PC des Getöteten (Aufruf einer Internetseite) erfolgte.“ (Anlage 58, S. 5)

Außerdem gibt es eine Zeugin, die Yozgat um 16:57 lebendig hinter dem Schreibtisch sitzen gesehen hat:

„Im Nachhinein konnte noch die Zeugin [geschwärzt] ermittelt werden. Sie (…) führte anschließend von ihrem Handy aus mehrere Telefonate. Eines dieser Telefonate führte sie in Höhe vom Internet Cafe. Sie wollte das Cafe betreten, um eine Telefonkarte zu kaufen, unterließ dies aber, weil das zu „schmuddelig“ auf sie wirkte. Durch die Schaufensterscheibe konnte sie einen Mann hinter dem Schreibtisch sitzen sehen. (…) Feststellungen ergaben, dass das besagte Telefonat der [geschwärzt] um 16.57 Uhr geführt wurde.“ (Anlage 40, S. 7)

Die Falschauskunft könnte dazu gedient haben, eine genaue Rekonstruktion der Tat zu vereiteln. Tatsächlich nahm die Sonderkommission einzig aufgrund der Aussage von Hamadi Sh. an, dass der Mord auch schon um 16:54 sich ereignet haben könnte. Des Weiteren nahm sie an, dass der Mörder nur ein kleines Zeitfenster von 40 Sekunden gehabt hätte, um nach 17:01 Yozgat unbemerkt zu erschießen. Hamadi Sh. sagte nämlich aus, dass er nach Beendigung seines zweiten Telefongespräches um 17:03:26 die Telefonkabine verließ und keine verdächtigen Beobachtungen machte. Er hätte Halit Yozgat vergebens bis zum Eintreffen dessen Vaters um 17:05 gesucht.

Warum ging Temme ins Internetcafe?

Temme stempelte sich gegen 16:45 von seiner Arbeitsstelle beim Amt für „Verfassungsschutz“ aus und sass seltsamerweise schon ein paar Minuten später im Internetcafe hinter einem Computer.

„Ich habe mich gegen 16:45 Uhr [im Büro] ausgestempelt. Um 16:50 Uhr hab ich mich [am PC im Internetcafe] eingeloggt und um 17:00 Uhr wieder ausgeloggt.“ (Zeugenaussage Temmes im NSU-Prozess, Wortprotokoll von Jürgen Pohl)

Nach Temmes Darstellung hätte er sich dort aus privaten Gründen aufgehalten, um mit einer Frau im Internet zu flirten.

… oder um Halit Yozgat zu ermorden?

Dies ist abwegig, denn Temmes Verhalten wäre sehr unvorsichtig gewesen. Er wäre mit der Waffe ins Cafe gegangen und hätte dort mit ihr erstmal 11 Minuten verbracht. Er war jedoch im Internetcafe seit Jahren persönlich bekannt und hätte daher damit rechnen müssen, gesehen und erkannt zu werden! Dann surfte er laut der polizeilichen Auswertung im Internet auf der Flirtseite „iLove.de“, wo er mit seiner Handynummer registriert war. Auf diese Weise konnte er von der Polizei auch aufgespürt werden.

Wer könnte Temme in die Falle gelockt haben?

Die Mörder hätten im Vorfeld wissen müssen, dass Temme ins Cafe fahren würde. Es ist unbekannt, ob er seinen Besuch jemand im Vorfeld mitteilte. Er chattete jedoch im Flirtportal laut Polizeiauswertung ab 16:50 mit der bis heute unbekannten „TanyMany”, für die sich seltsamerweise niemand interessiert. Dabei wäre sie eine wichtige Zeugin, da sie sich offenbar mit Temme verabredete. Die weitere Frage ist, warum die beiden schon nach 11 Minuten ihren Austausch wieder beendeten. 

Die Bundestagsabgeordneten des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses ignorierten die Möglichkeit, dass Temme in eine Falle gegangen ist. Es ist davon auszugehen, dass auch der hessische NSU-Ausschuss dementsprechend  ungenügend untersuchte und den Sachverhalt nicht beleuchtete oder gar aufklärte.

23 Gedanken zu „Teil 3) Stellte Internetflirt TanyMany Geheimdienst-Agenten Andreas Temme eine Falle?“

  1. Es ist irgendwie alles denkbar.

    Wenn es nur eine Falle war bzw. er dort hingelockt wurde, wieso macht er nicht einfach seinen Mund auf und sagt das klipp und klar?

    Ich denke deshalb, er hat Dreck am stecken.

    Es gab doch auch die Aussage, er hätte eine Plastiktüte dabei gehabt, in der sich ein schwerer Gegenstand abgezeichnet hat. Außerdem soll er sich laut Polizei im Vorfeld informiert haben, wie man den Pistolenknall dämpfen kann – nämlich mit einer Plastiktüte.

    Sportschütze war er ja auch noch und in den abgehörten Telefonaten seiner Frau soll sie gesagt haben „was interessiert mich welchen Kanacken er heute wieder abgeknallt hat“. Zudem war es der letzte „Döner-Mord“.

    Bisschen arg viele Zufälle auf einmal mal wieder.

    Besonders helle scheint er ja nicht zu sein (siehe Verhalten und Interviews), evtl hat er einfach unterschätzt dass die Polizei ihm durch den PC auf die Schliche kommt.

    Oder er hat den Mord einfach nur überwacht und die Pistole vom VS mitgebracht, damit die Wehrsportgruppen-Leute des VS ihre Aktion, Aufnahmeprüfung usw. durchziehen konnten.

  2. Mir sind beim recherchieren zum „Heilbronner Phantom“ bzgl. der uwP-DNA Spur noch einige interessante „Zufälle“ aufgefallen.

    Man kann sicherlich davon ausgehen, dass diese Spur gezielt gelegt wurde, um die Ermittlungen zu sabotieren und die wahren Täter zu schützen. Ob von einer einzelnen Person oder auf höherer Ebene sei mal dahingestellt (siehe auch Uwe-DNA bei Peggys-Leiche, gleiches Muster). Denkbar ist, dass diese Spur von den Geheimdiensten als eine Art „Joker“ eingesetzt wurde und evtl. langfristig aufgebaut wurde.

    https://hintermbusch.wordpress.com/2018/07/10/phantom-gegen-die-wissenschaft/

    Hier sind die Daten und Orte aufgelistet, wo diese uwP-Spur aufgetaucht ist:

    https://www.stimme.de/heilbronn/polizistenmord/archiv/Das-Phantom-hinterlaesst-die-32-Spur;art133317,1254649

    – 1993: Um diese Zeit wurden die ersten Wehrsportgruppen gegründet, auch mit tatkräftiger staatlicher VS-Unterstützung , siehe Szczepanski. Spielt entscheidende Rolle beim NSU.

    – 2001-2002: Ca. die Zeit der ersten drei Morde

    – 2003 taucht die Spur nirgends auf, in diesem Jahr gab es auch keine Morde

    – 2004 taucht wieder eine Spur auf: Auffällig: DNA an Jogginghose (wie in Zwickau)

    – April 2007: Mord an Kiesewetter, Spur taucht auf

    – August 2007 Kornwestheim: Hier war auch der „Luna-Club“ wo Kiesewetter bei einer Razzia eingesetzt wurde und laut Akten enttarnt und verfolgt wurde.

    – März 2008: Spur taucht bei mordverdächtigem V-Mann im Auto auf ! Will der VS ihn mit der Spur entlasten?

    – Mai 2008: Einbruch in Oberstenfeld (!). Hier wurde doch auch angeblich das Uwe-Wohnmobil erfasst nach dem Mord an Kiesewetter.

    (- Juni 2008: Einbruch in Niederstetten: Ca. 35km von Niedernhall entfernt, wo laut einiger Russen-Aussagen in den Akten nach dem Mord an Kiesewetter die Mord-Klamotten und ich glaube die Waffen gelagert wurden. (Hier gebe ich zu, eine sehr schwache Verbindung).)

    Aber den Rest finde ich durchaus interessant, vorallem die Verbindung zu dem Mordfall mit den 3 Georgiern und dem V-Mann! Auch hier geht es um gesperrte Akten usw.

    Angeblich wurde die DNA-Spur im BMW-Dienstfahrzeug von einem Spritzer Schweiß auf dem Armaturenbrett abgenommen.
    Wir alle wissen wie sich Armaturenbretter im Sommer aufheizen, und an dem Tag war es sehr warm in Heilbronn. Findet man da wirklich ohne weiteres einen Spritzer Schweiß ?
    Diese berühmten Spritzer hatten wir ja auch schon an der Jogginghose, die unbeschädigt und innen DNA-frei im ausgebrannten Haus gefunden wurde, nur mit Blutspritzern.

    Es wurde ja auch immer gesagt, dass auch neue Wattestäbchen auf Spuren untersucht wurden – nur tauchte da nie DNA der Verpackerin auf. Aber dann genau bei den brisanten Fällen wie Kiesewetter und dem V-Mann Mord an den Georgiern? Das waren doch gezielt gelegte Spuren die die Dienste für brenzlige Fälle in petto hatten, über längere Zeit aufgebaut mit Fällen auch im nahen Ausland und bei Kleinverbrechen wie Gartenhauseinbrüchen (schnell durchführbar), um maximale Verwirrung zu stiften.

    1. Die Phantom-Spur war ursprünglich vermutlich echt, hat die Ermittler dauerhaft irritiert, ohne dass in irgendeinem der Mordfälle (Schlenger/Idar-Oberstein und Watzenbach/Freiburg) jemand auf die Idee gekommen wäre, diese DNA-Spur als wichtigste oder einzige breit in die Öffentlichkeit zu pusten. Sie wussten, was sie tun und dass es Kontaminationen geben konnte und haben professionell gearbeitet. Das alles änderte sich schlagartig mit dem Polizistenmord. Dieselbe Spur wurde nach Heilbronn benannt , poppte plötzlich überall auf und wurde breit in den Medien ausgewalzt: Desinformation der Öffentlichkeit + Zersetzung der Ermittlungsarbeit. Sie haben aber nach dem Mord 2 Monate gebraucht, um das in gang zu bringen.
      Deine Konzidenzen sind interessant und sollten im Hinterkopf behalten werden. Es ist aber schwer etwas daraus zu machen. Nur so viel: die DNA-Spurenanalyse lief im LKA zentral zusammen. Hier war die optimale Stelle, um das Ganze zu zu steuern:
      https://www.zvw.de/inhalt.die-landeskriminaler-jeder-noch-so-kleinen-hautschuppe-auf-der-spur.39116ad1-19c3-474d-9903-3e24dbbdd852.html
      Dieselbe Stelle, sogar dieselbe Person hat später auch die Kollegen-Spuren zu Heilbronn bearbeitet:
      http://friedensblick.de/20681/polizist-manfred-nordgauer-wird-zur-schluesselfigur-bei-nsu-selbstenttarnung/
      Und er hat auch wieder in Zwickau im Bauschutt gewühlt, wo ja auch Sachen aus Heilbronn gefunden wurden:
      https://sicherungsblog.wordpress.com/2015/07/20/manfred-nordgauer-der-dna-spender-in-eisenach-und-zwickau-vom-lka-laendle/
      Wenn man Hotspots sucht, wo Fäden zusammenliefen und die gesamten Ermittlungen gezielt beeinflusst werden konnten, muss man u.a. im LKA in Stuttgart anfangen. Rechtzeitig zur Abwicklung des Phantoms wurden die Ermittlungen mit dünner Begründung ins LKA gezogen. Und der Chef, der den größten DNA-Unsinn erzählt und die Heilbronner Polizei zum Witz gemacht hatte, ging dorthin mit:
      https://www.stimme.de/heilbronn/polizistenmord/archiv/Heilbronn-Mannheim-Polizistenmord-Soko-Parkplatz-Phantom-Heilbronner-Polizistenmord-br-LKA-uebernimmt-Phantom-Fall;art133317,1458796

  3. „„Bezüglich dieser Zeitangabe ist aber festzustellen, dass 50 Sekunden nach Beginn des ersten Telefonats von [geschwärzt], d.h. um 16.54.51 Uhr noch eine Action am PC des Getöteten (Aufruf einer Internetseite) erfolgte.“ (Anlage 58, S. 5)“

    Dies widerlegt klar die Auffassung des Fatalisten (und des Arbeitskreises) , die er aus einem (von ihm fehlinterpretierten) Gutachten nimmt, H.Yozgat sei bereits ca. 20-30 Minuten früher ermordet worden.

    1. Aha!…. und was sagt eine Aktion am PC des getöteten über
      den Todeszeitpunkt aus? Nichts! Da kann doch der Yozgat schon eine halbe Stunde da liegen und jeder der Anwesenden oder jemand anderes kann noch etwas am PC machen um z.B. die Tatzeit zu verschleiern. Das ist nun wirklich kein stichhaltiges Argument! Der Fatalist hat da schon nicht ganz unrecht…..

      1. Hallo Freigeist,

        stimmt, wer da um 16.54.51 Uhr am PC Yozgats eine Internetseite aufrief, ist unklar, höchstwahrscheinlich war es aber er selbst, weil dieser PC nun mal sein Arbeitsbereich/Gerät war.

        Zum einen gibt das Gutachten auf das sich der Fatalist stützt. Seine Annahme (allein auf diesem Gutachten fußend), eines um 20 oder 30 minütigen früheren Todeszeitpunkts gibt dieses Gutachten nicht her (bei der Interpretation von medizinisch- pathologischen Gutachten sollte man auch was von der Materie verstehen) .
        Zum zweiten würde das von G.Lehle hier dargestellte, mögliche Szenario ebenfalls ungefähr zum „amtlichen“ Todeszeitpunkt passen. So what?

        1. Mag sein, manchmal schießt der Fatalist auch über das Ziel hinaus. Was man ihm aber zugute halten muss, dass er einen guten Riecher hat und im nach hinein mit seinen Thesen oft richtig liegt. Des weiteren denke ich, dass verschiedene Denkansätze oft hilfreich sein können.

          Was Yozgat betrifft, können sie natürlich recht haben.
          Ich wollte nur darauf hinweisen, dass in diesem Fall ja die Örtlichkeiten so waren, dass der „Arbeits PC“ mehr oder weniger im „Flur“ stand, zwischen Eingangstür, Telefonzellen und dem Internetraum und jedermann zwangsläufig daran vorbei gelaufen ist und es sich um keinen abgetrennten Bereich oder Büro gehandelt hat.
          Somit wäre es ein leichtes gewesen, wenn jemand, zum Beispiel durch öffnen und schließen einer Internetseite
          eine Aktion hätte vortäuschen wollen. Ob es so war ist natürlich eine andere Frage.
          Ketzerisch könnte man ja auch fragen, wer loggte sich
          am 25.04.2007 um 15:18 in Arnolds Privat PC ein.
          War ja schließlich auch sein Arbeitsgerät.
          Dieser befand sich ja nun aber mit Kopfschuss im Hubschrauber nach Ludwigsburg………

    2. Johannes, lass uns gemeinsam die Akten lesen:

      Zeuge Dr. Karschunke:
      … sind wir zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass der Verstorbene aufgrund massiver Gewalteinwirkung auf einen Kopf den Verletzungen erleben war.

      Zeuge Henrik Reichenberg:
      Mir viel dann noch an der toten Person auf, dass diese Beulen am Kopf hatte.

      Die Erstretter waren nur wenige Minuten nach dem Auffinden Halits am Tatort.
      Auffinden ca. 17:05, Notruf 17:05, Eintreffen der Sanis und des Notarztes 3‑4 Minuten danach.
      Merke: Tote kriegen keine Beulen.

      Prof. L. W. Drück in seinem Gutachten:
      Die morphologischen Veränderungen der beginnenden frischen Nervenzellnekrosen mit begleitender glialer Reaktion sprechen dafür, dass der Patient mindestens 30 Minuten nach dem Ereignis noch lebte“.

      Wenn das Mordopfer gegen 17:05 leblos aufgefunden wurde, muss die Tat also 16:35 oder früher geschehen sein.
      Der Fatalist hat sich nichts ausgedacht. Er die Beobachtungen der Mediziner und das Gutachten von Prof. Brück referiert.
      Vielleich ist das falsch. Aber zu Falsifizierung solltest Du schon mehr bringen als dass irgendjemand irgendwas an einem PC gemacht hat.

      https://sicherungsblog.files.wordpress.com/2015/06/beulen2.jpg

      https://sicherungsblog.files.wordpress.com/2015/06/karschunke.jpg

      https://sicherungsblog.files.wordpress.com/2015/06/gutachten.jpg

      Im Übrigen möchte ich wieder mal auf mein Machwerk verlinken:
      http://arbeitskreis-n.su/nsu/Blog-Sicherungen/EinstiegNSU.pdf

      1. Taucher, wir hatten die Diskussion schon mal:
        http://friedensblick.de/20399/mitten-deutschland-nsu-bietet-einblicke-ungereimtheiten/
        Bitte mal diesen FB ARtikel lesen und auch lesen was ich in der Diskussion zu diesem Beitrag am 10.April 16 , 9.20 PM schrieb:
        “ fatalists Fehleinschätzung stützt sich auf Folgendes im Gutachten vom 7.6.2006 bzgl. Halit Yozgat

        “ In beiden Hippocampi sieht man ausserdem in den CA1-Regionen eosinophile Nervenzellnekrosen. Diese morphologischen Veränderungen der beginnenden frischen Nervenzellnekrosen mit begleitender glialer Reaktion sprechen dafür, dass der Patient mindestens 30 Minuten nach dem Ereignis noch lebte. Die Immunhistochemie für das Amyloidprecursorprotein (APP), welche ab ca.90 Minuten nach axonaler Schädigung zu sehen ist, ist jedoch negativ. “

        Also, bestimmte Nervenzelluntergänge in beiden sog. Hippocampus Anteilen des Gehirns sprechen dafür (fatalist verwechselt das mit „beweisen“) dass H.Y. mindestens 30 Minuten nach den beiden Kopfschüssen noch lebte.

        Allerdings, (jedoch!) und das hat fatalist überlesen, ist die Immunhistochemie für das APP n e g a t i v !

        Und genau das beweist m.E. , dass die Annahme von fatalist H.Y. habe nach den Kopfschüssen noch mindestens 30 Minuten gelebt, ein Fehlschluss und somit falsch ist. Abgesehen von den eingängigen und vernüftigen W Fragen von bekir, „Wie und wo soll die Erschießung eigentlich erfolgt sein, wenn über eine halbe Stunde lang das Internet-Café im Normalbetrieb geblieben sein soll .“
        die fatalist nicht beantworten kann bzw. will.

        Merke: die Immunhistochemie ist der Mikroskopie (hier mit dem Erkennen eosinophiler Nervenzellnekrosen) eindeutig überlegen.

        1. Im Blog NSU-Leaks liegt das Schwergewicht eigentlich nicht auf den 30 Minuten, sondern auf der Menge von Ungereimtheiten und Weglassungen. Dazu gehört auch das 30min-Gutachten (ob das richtig ist, kann ich nicht beurteilen, allerdings wachsen Beulen nicht bei Toten).

          Das Problem ist, dass (wie im gesamten NSU-Dings) auf der ganzen Linie dumm getan wird.
          Das ist ein Unding, wenn immer nur über Temme geredet wird, und die anderen vier Besucher aus der medialen Berichterstattung fast vollkommen verschwunden sind. Damit wird von vollkommen falsches, tendenziöses Bild gemalt.

          Warum machen die so was?

          Dabei wäre es doch ganz einfach:
          Alles auf den Tisch.

          Die Namen der anderen vier Besucher, ihre Zeugenaussagen bei der Polizei .
          Die Aussagen der Notärzte, das 30min-Gutachten und was noch so vorliegt.
          Und dann wird man schon sehen (vielleicht stellt sich dann das 30min-Gutachten als falsch heraus).

          Machen die aber nicht.
          Die bringen immer nur das, das jedoch tausendfach, was denen in den Kram passt.
          Dann ist es kein Wunder, wenn andere eben das bringen, was der polit-mediale Komplex weglässt.

          1. Hallo Taucher,
            verstehe ja was Sie meinen, bin auch (wie wohl die meisten interessierten Mitmenschen überzeugt daß im“NSU Komplex“ vom Staat und manchen Medien gelogen und betrogen wird, aber in diesem Fall liegen die Dinge m.E. völlig klar und es wird unnötigerweise überinterpretiert.

            Wie das medizinische Gutachten zu lesen ist, hatte ich bereits geschrieben. Nun noch zu den anderen Punkten:

            „Zeuge Dr. Karschunke:
            „… sind wir zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass der Verstorbene aufgrund massiver Gewalteinwirkung auf einen Kopf den Verletzungen erleben war.“

            Kommentar: über Notruf werden oft Dinge kommuniziert, die nicht stimmen, in Aufregung und Hast gesagt werden, so what?

            „Zeuge Henrik Reichenberg:
            Mir viel dann noch an der toten Person auf, dass diese Beulen am Kopf hatte.“

            Kommentar: Beulen am Kopf o.k. , aber daraus ein vermeintliches Schädeltrauma zu konstruieren (wie fatalist) geht aus mehreren Gesichtspunkten n i c h t.
            Es kann sich auch z.B. um Lipome (Fettgeschwülste) handeln, oder um Atherome oder Osteophyten oder, oder.
            Wäre der Tode durch stumpfe Gewalt eingetreten, dann hätte es keine Beule/n sondern Platzwunde/n und andere Schädigungen an der Kopfschwarte und am knöchernen Schädel gegeben.

            „Die Erstretter waren nur wenige Minuten nach dem Auffinden Halits am Tatort.
            Auffinden ca. 17:05, Notruf 17:05, Eintreffen der Sanis und des Notarztes 3‑4 Minuten danach.
            Merke: Tote kriegen keine Beulen. “

            Kommentar: aus dieser Angabe kann kein weiterer Erkenntnisgewinnn gezogen werden.

            In der Gesamtschau kann also die fixe Idee des um 30 Minuten früheren Todeszeitpunktes (auch aufgrund eines fehlinterpretierten medizinischen Gutachtens) nicht stimmen.

    1. „Freigeist“ hat ein so ausgezeichnetes Wissen über die heilbronner Polizistenakten, dass ich spekuliere, dass er bei den Ermittlungen dabei war. Es wäre schon sehr ungewöhnlich, wenn sich eine unbeteiligte Privatperson dermaßen einlesen würde. Auf der anderen Seite lese ich mich seit Jahren ja auch ein.

      1. Danke für die Blumen,
        aber leider liegen sie hier falsch Herr Lehle.
        Der Freigeist ist nördlich der Mainlinie beheimatet,
        arbeitet in der Elektroindustrie und ist daher weder privat noch beruflich in polizeiliche Arbeit involviert.
        In Heilbronn war ich noch nie. Ja, das eine Privatperson sich so einliest, ist selten und sie wissen ja selber
        am besten, wie viel Arbeit dahintersteckt,
        aber dann sind wir ja mindestens schon zwei.
        Gruß FG

  4. @Freigeist
    ja, „manchmal schießt der Fatalist auch über das Ziel hinaus“

    Sehe ich auch so, allerdings geschieht dies öfter vor allem beim bashing „der Linken“, und damit verprellt er sich viele Leser.

    Aktuelles Beispiel heute mit KenFM, weil Ken FM da jemanden einen oberflächlichen Artikel (wo ausdrücklich stand, daß KenFM auch sowas veröffentlicht und diskutieren läßt, was in der Folge des Artikels auch passiert) zum NSU freigeschalten hat.
    Also, Hut ab vor dem Mut von Fatalist die Akten zu leaken, Fakten darzulegen, viele Artikel, Kommentare und die des Arbeitskreises dazu sind hilfreich, schießen aber oft übers Ziel hinaus und sind in weiten Teilen leider nur noch Beschimpfungungen.
    Das was beim Fatalisten so über die Jahre geschrieben wurde, findet man z.B. wesentlich kompakter, verständlicher und ohne unnötige Spekulationen und Beschimpfungen im Blättchen mit den Gabriele Muthesisus Artikeln über den NSU oder hier in FB.

  5. Temme erscheint auf den ersten Blick als merkwürdiger Kauz (Klein-Adolf / Einzelgänger) und mehr naiv-triebgesteuert als analytisch veranlagt (Sex-Chat beim ungeliebten Zuwanderer).

    Er genießt aber seit 12 Jahren nicht nur den zuverlässigen Schutz des Ministers / Ministerpräsidenten Volker Bouffier, sondern die beiden kennen sich evtl. persönlich aus einem „ominösen CDU-Arbeitskreis im Verfassungsschutz“, wie sich letztes Jahr herausstellte:
    http://www.fr.de/rhein-main/nsu-kannte-bouffier-temme-a-1247300

    Wäre er im Yozgat-Café wirklich in eine Falle oder auch nur unabsichtlich in ein Fettnäpfchen getappt, dann könnte man sich als verständliche Reaktionen Verschiedenes vorstellen:
    Abtauchen, Angst / Panik, Schweigsamkeit, Misstrauen, Verärgerung / Patzigkeit.

    Seine VS-Kollegen „berichten“ bei der Polizei jedoch von einem merkwürdig prahlerischen Temme, der brisantes nicht-öffentliches Wissen z.B. zur Tatwaffe hat (und vor Stolz kaum für sich behalten kann), insbesondere zur bisherigen Verwendung der Tatwaffe in einer Anschlagsserie.

    Wie kommen VS-Beamte überhaupt dazu, detailliert bei der Polizei auszusagen?
    Selbst wenn Bouffier als oberster Chef von Polizei und Verfassungsschutz Temme nicht als Schützling betrachten würde: Beamte wissen, dass sie immer eine Aussage-Genehmigung einzuholen haben, auch wenn sie nicht im Sicherheitsbereich arbeiten und auch wenn es nicht um behördeninterne Abläufe, Ereignisse und Personalien geht. Und sogar (bzw. gerade erst recht), wenn die Fragesteller nicht von den Medien kommen, sondern wie Polizei und Gericht unverdächtige staatliche Stellen sind.

    Wer hat ihnen diese Genehmigung erteilt? Der Entscheider im sowie allgemein recht verschwiegenen VS hat da bestimmt nicht routinemäßig den Antrag durchgewunken und seine Zustimmung gegeben, sondern sorgfältig bei Temme und bei Vorgesetzten nachgehakt, ob dienstliche Belange entgegenstehen, ab wo genau die Grenzen für evtl. Aussagen zu ziehen sind und ob / wie aussage-taktische Vorgaben zu machen sind.

    Inzwischen unterliegen die „restlichen“ Geheimnisse um Temme und seine Café-Besuch einer 120-jährigen Aktensperre. Entgegen allen Beteuerungen kann Temmes Anwesenheit im Yozgat-Café also nicht privat gewesen sein, sondern diese Beteuerungen müssen – wie die Aktensperre – als fürs Staatswohl notwendig erachtete Tarn- und Verschleierungsaktionen betrachtet werden. Angesichts einer für 120 Jahre zu schützenden Brisanz kann es aber auch ganz am Anfang (2006) keine „normale“ Aussagenehmigung für die Temme-Kollegen gegeben haben.

    Genausowenig wie man sich einen Temme vorstellen kann, der überrumpelt bzw. reingelegt worden wäre und laut „genehmigten Aussagen“ zugleich stolz (auf was eigentlich?) sein soll statt frustriert, verärgert, verunsichert.

    Temmes schon fast diebische Freude an der eigenen Rolle (und nicht zuletzt wohl an seiner staatstragenden Notwendigkeit und dem privilegierten Zugang zu Bouffier) zeigen einen „Sündenbock“, der die Gewissheit hat, dass seine Rolle langfristig gefahrlos bleiben wird und z.B. auch einen plötzlichen Herztod Bouffiers überstehen wird. Denn so wenig wie Temme ein Kauz und Einzelgänger ist, so wenig kann Bouffier der Mann sein, von dessen physischer und politischer Existenz Temmes Schicksal (und Freiheit) auf Gedeih und Verderben abhängig ist. Bouffier ist der austauschbare Vertreter des tiefen Staates und erst dieser (nicht bloß Bouffier allein) garantiert verlässlich Temmes faktische Immunität.

    Die Aussagen der Temme-Kollegen zu seinem Vorwissen hinsichtlich (Serien-)Tatwaffe waren hochbrisant und bestimmt nicht ohne ausführliche Vorbesprechung im VS selber erfolgt. Sie erfolgten 2006 und knüpften daher schon rein zeitlich an die 2005 „entdeckten“ zwei Serienmerkmale der Tatwaffe an, die zum einen aus bisherigen verschiedenen „Dönermorden“ erst „die“ Ceska-Mordserie gemacht hatten und zum anderen eine Spur zu deutschen Geheimdiensten legten.

    Denn letztere hatten mindestens die Hälfte der Ceska-Miniserie (ca. 50 Stück) irgendwann oder immer noch in ihrem Besitz und signalisierten den türkischen Mitbürgern somit, dass die tiefen Staaten Deutschlands und der Türkei auch unter dem ungeliebten Erdogan immer noch bestens kooperierten und sie Linke und Kurden ebenso wie Erdogans Islamisten (die sich alle damals im Aufwind sahen) weiterhin in ihre Schranken weisen konnten. Die „Dönermord“-Opfer (vermutlich Mafia-Opfer) waren 2005 also amtlich zu bestraften Gegnern des tiefen Staates umfunktioniert worden, um sie und die „neuen“ (d.h. angeblichen) Umstände ihrer Ermordung als Abschreckung einsetzen zu können.

    Spätestens 2007 war öffentlich sichtbar, dass die NATO (also auch die von ihr getragenen tiefen Staaten) nicht mehr gegen den ungeliebten Erdogan putschen wollten, sondern sich mit ihm zumindest mittelfristig arrangieren wollten: Es gab eine Verhaftungswelle gegen einen Teil (evtl. einen nur vermeintlichen Teil?) des tiefen Staates und in der Folge die „Ergenekon“-Prozesse, ohne dass der tiefe Staat (bzw. die NATO) sich dagegen wehrte.

    Das Muskel-Zeigen von 2005 passte daher nicht mehr in die Landschaft. Bevor der Schwenk ab 2007 für die Öffentlichkeit sichtbar wurde, mussten die deutschen Geheimdienste ihre gerade noch zur Schau gestellte Mordbereitschaft aufheben, abschwächen oder umdeuten. Temme als mordbereiter Einzelgänger führte die 2005 geschaffene Legende der geheimdienstlichen Mordbereitschaft weiter, aber jetzt (2006) eben nur noch als Einzelgänger, nicht mehr im Namen der Organisation als Ganzes.

    Das half aber nur vorläufig; dem unkontrollierbaren Erdogan musste 2011 eine staats- (sprich: geheimdienst-)freie Bande von Türkenmördern und eine zerknirschter deutscher Staat gezeigt werden, um ihn (nebst anderen Maßnahmen) ins Boot des Westerns bzw. der NATO zu holen. Das war im November 20011 die Geburtsstunde des NSU, der eilig in Zwickau und Stregda angehäuften Beweisberge, des eiligen Schuldurteils von Bundestag und Merkel gegenüber NSU als Mörderbande und Deutschland als Pannen-Behörden-Staat in der Schuld der Türkei.

    1. „eine VS-Kollegen „berichten“ bei der Polizei jedoch von einem merkwürdig prahlerischen Temme, der brisantes nicht-öffentliches Wissen z.B. zur Tatwaffe hat (und vor Stolz kaum für sich behalten kann), insbesondere zur bisherigen Verwendung der Tatwaffe in einer Anschlagsserie.“

      Dafür hätte ich gerne eine Quellenangabe.

      Ich gehe auch davon aus, dass Temme nicht privat im Internetcafe war und bei dem lebendigen Yozgat noch bezahlt hat, dass er lügt wie gedruckt. Mit der Darstellung, er hätte Halit Yozgat nicht gefunden, belastet er sich selber, weil seine Darstellung unglaubwürdig ist.

      1. Die WELT zitiert am 01.03.2015 den abgehörten Temme:
        „Wenn der ganze Spaß rum ist, dann kann ich dir das mal erzählen, das ist am Telefon ein bisschen schlecht. Auch wegen dem ganzen anderen Drumrum, von wegen, dass ja auch niemand außerhalb auch nur irgendwas darüber erfahren darf.“
        So redet keiner, der reingelegt wurde, sondern jemand, der als Mitglied eines eher kleinen Teams mit geheimen Auftrag seinerseits die Öffentlichkeit reinlegt. Keiner, der sich in Gefahr wähnt, sondern einer, der ganz cool einen (für Außenstehende heikel scheinenden) Ablauf zu einem „Spaß“ verniedlicht, den er voll im Griff habe und über den er bei passender Gelegenheit (in gemütlicher Runde?) „mal erzählen“ werde.
        https://www.welt.de/politik/deutschland/article137918258/Wie-nah-war-der-Verfassungsschutz-den-NSU-Moerdern.html

        Weiter vorne im gleichen Artikel geht es um mutmaßliches Täterwissen, das Temme einerseits nicht von der Polizei erlangt haben konnte und das andererseits ein Wissen ist, das er seinen „normalen“ (VS-)Bürokollegen wohl voraus hatte:
        „Ebenfalls am Vormittag unterhielt sich Temme mit einer Kollegin über den Mord in dem Kasseler Internetcafé. Temme sagte dabei, dass die Tat ,keinen regionalen Bezug‘ habe, weil die Waffe bei einer bundesweiten Serie eingesetzt worden sei. Doch dass beim Mord im Internet-Café mit der Ceska geschossen wurde, war zu diesem Zeitpunkt öffentlich noch gar nicht bekannt. Die Polizei trat mit der Meldung, dass der Kasseler Mord zu der Ceska-Serie gehört, erst am Nachmittag vor die Presse. Woher Temme zu dieser Zeit vom Einsatz der Ceska in Kassel wusste, ist nach wie vor unbekannt. Ermittlungstechnisch gesehen war es Täterwissen, das Temme in dem Gespräch mit seiner Kollegin offenbart hatte.“

        Dass er bei dieser (ahnungslos sich gebenden?) Kollegin auspackte, scheint von dieser Kollegin im Rahmen einer Aussage weitergegeben worden zu sein. Temme wird jedenfalls nicht gegen sich ausgesagt haben und von einem Belauschen der beiden durch Dritte ist zumindest im Artikel keine Rede. Es dürfte auch naheliegenderweise eher ein persönliches Gespräch („Flurfunk“) gewesen sein, denn Heikles wollte Temme ja nicht telefonisch verbreiten (s.o.) und beim Gespräch in der Dienststelle hat er sich wohl sowieso im gleichen Gebäude befunden wie die Kollegin.

        Das Gespräch sieht aus nach einem unerlaubten Plaudern Temmes über den engen Kreis der Eingeweihten hinaus. Auch innerhalb einer Behörde sind Dienstgeheimnisse zu wahren, auch unter Kollegen darf nicht jeder mit jedem über jede x-beliebige Akte plaudern.
        Bei dieser Ausgangslage auf einen Drang Temmes zum Prahlen zu schließen, ist deshalb sehr naheliegend.

        Man hat den Eindruck, Temmes habe auf die Verschwiegenheit der Kollegin vertraut und diese habe das Vertrauen enttäuscht bzw. gebrochen. Wenn das ganze allerdings ein Schaupspiel ist, dann soll man wohl gezielt gerade diesen Eindruck bekommen.

        Denn wir stehen hier wieder vor der Frage, wer die unumgängliche Aussagegenehmigung nach welcher peniblen Prüfung erteilt hat. Dass die Kollegin neugierig ist und einen geschwätzigen Kollegen plaudern lässt, ohne seine Plauder-Berechtigung zu hinterfragen, ist nichts Besonderes – seine auch interne Schweigepflicht muss er selber erkennen und einhalten. Etwas ganz Anderes ist es aber, dass diese Kollegin die erhaltenen Infos „einfach so“ nach außen weitergibt; der Artikel sieht darin kein Problem oder thematisiert es jedenfalls im Gegensatz zu mir nicht.

        Selbst wenn die Kollegin geglaubt haben sollte, einen kriminellen Außenseiter vor sich zu haben, den es an die Polizei zu übergeben gilt, hätte sie erst mal ausführlich mit Vorgesetzten beraten müssen, ob die das auch so sehen oder ob da was „Amtliches“ und somit – auch gegenüber der Polizei – streng geheimzuhaltendes Geschehen dahinter steckt. Es ist für mich weder vorstellbar, dass die Kollegin diese Notwendigkeit „übersehen“ hat, noch dass in Temmes Dienstgebäude dumme ahnungslose Chefs saßen, die die Kollegin mit einer unbegrenzten Aussagegenehmigung zu Polizei hätten gehen lassen, wo sie „einfach so“ alles gegen den Bouffier-Schützling aussagt, was sie weiß.

        Somit kann man sowohl die Plauderfreude Temmes als auch die weiterleitende Aussage seiner Kollegin als Teil eines gezielten Schauspiels betrachten, das der Öffentlichkeit Temme gezielt als Sündenbock vorführen soll, mit evtl. Tatbeteiligung, aber zumindest mit braunen Vernetzungen, die sein Brötchengeber angeblich nicht kannte.

        Ein reingelegter und daher zu Recht besorgter Einzelgänger Temme hätte keinen Grund gehabt, ein schwatzhaftes Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Ein verlässlich geschützter „Mitverschwörer“ Temme sollte zwar auch keinen besonders starken Mitteilungsdrang haben. Aber ausnahmsweise doch, wenn nämlich der Drang kein eigenmächtiger, sondern ein auf Bestellung von ihm nur hergezeigter bzw. gespielter ist. Und danach sieht alles aus – vor allem, weil über das Schauspiel ein öffentliches Narrativ in eine bestimmte Richtung gebogen werden sollte.

          1. „Pfoser (BKA, KT 21) bestimmt die Ceska 83 beim Mord Kassel schon am 8.04.2006“
            … war nicht das Datum einer öffentlichen Nachricht und tritt daher zunächst mal zurück hinter:
            „Die Polizei trat mit der Meldung, dass der Kasseler Mord zu der Ceska-Serie gehört, erst am Nachmittag [des 10.4.] vor die Presse.“

            Temme besuchte allerdings am 10.4. in Sachen Islamismus (Mohammed-Karrikaturen) die Staatsschutzabt. der Polizei Kassel, „wo er häufig zu Gast war“ laut WELT, die sich nicht auf eine Tageszeit festlegt – laut „nsu-leaks“ sei es am „Montag Morgen“ gewesen. Eine mündliche Vorab-Info durch die Polizei-Kollegen ist also nicht ganz auszuschließen – falls Temme mit der Kollegin erst nach dem Besuch der Polizei gesprochen hat.

            Wenn aber Temme seiner Kollegin die Quelle genannt hat („kein regionaler Bezug weil bei einer bundesweiten Serie eingesetzt“ …klingt schon mal recht Amtsdeutsch), hätte deren Aussage nicht als brisante Nachricht an die Presse weitergegeben werden können. Den Wunsch, dass dies doch so sei, sehe ich auf Seiten der Schlapphüte, die für ihr Wunsch-Narrativ was durchzustechen hatten. Spätestens die Polizei hätte der Nachricht nämlich die Brisanz nehmen können – nach Befragung von Temme und der Staatschutz-Polizisten, ob die anstehende Veröffentlichung schon einen halben Tag vorher dem Dauergast Temme offenbart worden war.

            Aber die Polizei wurde in Sachen Temme ja von Bouffier zurückgepfiffen und das gewiss nicht aus Gründen gesteigerter Wahrheitsliebe.
            Für den anschließenden Nachrichten-Wirrwarr dürfte hier die Ursache zu suchen sein, nicht bei der WELT und deren angeblichen Wunsch nach „totaler Desinformation“.

            Den Mordverdacht gegen Temme hat der VS schon selber kultiviert; einer „eigenmächtigen“ Presse bedurfte es nicht. Schon gar nicht seitens der Springer-Presse (WELT oder BILD), die immer zeitnah weiß, was die wirklich Mächtigen wünschen.

  6. Danke, bekir, das war mir in diesem Umfang nicht bewusst (oder habe es schon wieder vergessen).
    Dann ist es wohl so wie Du schreibst: Teil eines gezielten Schauspiels.

    Damit haben wir einen Fingerzeig, warum die Todeszeitpunktbestimmung im ganzen Verfahren unklar gehandhabt wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.