Multifunktionstool gehörte Kiesewetter – von polizeilicher Asservatenkammer direkt in die Zwickauer NSU-Wohnung?

Im März 2016 schrieb ich verschiedene Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages an, um die Abgeordneten über ein Multifunktionstool „Victorinox“ zu informieren, siehe Artikel „Wurde ein dienstliches oder privates Taschenmesser gefunden?„. 

„Aufgrund geleakter Ermittlungakten aus dem Jahr 2007 ist
bekannt, dass beide dienstlichen Taschenmesser der überfallenen Heilbronner Polizisten kurz darauf gefunden bzw. zurückgegeben wurden. Wie kam 2011 eines der Taschenmesser in den Schuttberg vor Beate Zschäpes Wohnung?“

Das dienstliche Tool Kiesewetters wurde laut Aktenstand nachträglich „zurückgegeben“.

„Hallo Soko, Hallo Claus,

Kollege Robert M., WUG der Einsatzabteilung von der 5. BPA (…), teilte mir heute Vormittag telefonisch mit, dass sich das im Intranet der Polizei BW veröffentlichte und zur Fahndung ausgeschriebene Taschenmesser, Marke Victorinox, (…) 5.122, von Michele Kiesewetter am 22.05.07 an den WUG zurückgegeben wurde und sich somit im Besitz der Polizei (BePo) befindet.“ (Friedensblick)

Am Ende kam ich 2016 zum Schluss, dass in Zwickau eher kein dienstliches Tool der baden-württemberger Polizei gefunden wurde. Die Bundesanwaltschaft sah in dem gefundenen Tool „keine Verfahrensrelevanz“. Deshalb weil am Taschenmesser keine Polizeinummer eingraviert war?

Mit Erstauen lese ich jedoch gerade im Abschlussbericht des NSU-U-Ausschusses des Bundestages, dass in Zwickau das dienstliche Multifunktionstool von Michele Kiesewetter gefunden worden wäre! Das würde bedeuten, dass das Tool von der Asservatenkammer der Sonderkommission in die Zwickauer Wohnung gelangte.

Im Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Bundestages steht:

fff) Multifunktionstool
Gemäß der Schilderung des Zeugen KHM Lenk wurde im Bereich der dritten Schusswaffe ein Multifunktionstool festgestellt. Der Zeuge hat dazu erklärt, bereits im Rahmen der Überprüfung der Handfessel am Vortag erfahren zu haben, dass im Zusammenhang mit dem Polizistenmord auch ein solches Multifunktionstool erwähnt worden sei. Insoweit habe er dieses Werkzeug der Polizei in Baden-Württemberg zugeordnet.“

„5. Tatkomplex Heilbronn
a) Tatgeschehen
Am 25. April 2007 wurde in Heilbronn die Polizistin PMn Michèle Kiesewetter getötet und ihr Kollege PM Martin A. schwer verletzt. Zum Tatgeschehen hatte der 2. Untersuchungsausschuss der 17. Wahlperiode bereits Feststellungen getroffen.

Im Bericht der Polizeidirektion Heilbronn, Sonderkommission „Parkplatz“, wird das Geschehen wie folgt dargestellt:

(…) Die Dienstwaffen beider Kollegen sowie dienstliche Ausrüstungsgegenstände von PMn Kiesewetter fehlen.“

Laut Ermittlungsbericht des BKA vom 20. Juli 2012 waren dies im Einzelnen bei PMn Kiesewetter:

Pistole Heckler & Koch, Modell P2000,
2 Magazine mit insgesamt 26 Patronen, Kaliber 9 mm,
1 Handschließe, Marke Clejuso,
1 Reizstoffsprühgerät (RSG), Marke Hoemecke, sowie
1 Mini-Mag-Lite Taschenlampe.
Bei PM Martin A. wurden folgende Gegenstände entwendet:
Pistole Heckler & Koch, Modell P 2000,
1 Magazin mit insgesamt 13 Patronen, Kaliber 9 mm sowie
1 Multifunktionstool, Marke Victorinox.

„In der Wohnung wurden zudem weitere Hinweise auf die Tat in Heilbronn vom 25. April 2007 gefunden: eine mit Blutspuren
von Michèle Kiesewetter versehene Jogginghose (Asservatennummer 2.9.70, Fundort Brandbereich
I, sog. Katzenzimmer), in deren Hosentasche sich Taschentücher mit DNA von Uwe Mundlos befanden (Asservatennummer 2.9.70.1), ebenso wie das Multifunktionstool (Asservatennummer 2.7.71, Fundort Brandbereich G, Flur links) und die Handfessel (Asservatennummer 2.8.2.1; Fundort Brandbereich H, Schlafzimmer) der ermordeten Polizeibeamtin
Kiesewetter.“

Ein Gedanke zu „Multifunktionstool gehörte Kiesewetter – von polizeilicher Asservatenkammer direkt in die Zwickauer NSU-Wohnung?“

  1. @ Bio

    Nicht verwunderlich, wenn man sich folgende Fragen stellt :
    Was wurde aus einigen Kollegen von MK und MA, also aus den Beamten der damaligen BFE 523?

    Und, was ergab eine (besser zwei unabhängig voneinander durchgeführten) Recherche(n) zu den Zeugen, also jenen Personen die etwas gesehen haben wollten?

    Antwort auf beide Fragen:

    Manch einer war in einem Hutgeschäft und kaufte sich einen Schlapphut.

    Im Klartext: Es ist völlig normal das Zeugen und Kollegen der Opfer – nach einer Schamfrist – Karriere bei Nachrichtendiensten machen oder etwa nicht?

    Ich halte die Theorie von „Dieter“ (KUH) für Idiotie. Aber völlig neben der Kappe liegt er nicht. Er zieht in seinem Seewiesenbad 😏 nur die falschen Schlüsse, nach meiner Meinung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.