Einsatzverlaufsprotokoll: Dienstwaffe Arnold erst 16:28 aus NSU-Wohnmobil geborgen!

Während ich die Analyse von Kay-Uwe Hegr studierte, fiel mir ein Zitat aus einem amtlichen Dokument ins Auge. Die Linken-Abgeordnete Katharina König zitierte aus dem polizeilichen Einsatzverlaufprotokoll. Dort protokolliert die Polizei ihre Aktivitäten und Ermittlungsergebnisse:

„Aus dem Einsatzablaufprotokoll, das wir haben, das ist Band 9 LPI Gotha, geht hervor, dass um 16.28 Uhr die Waffe Arnold, nein, nicht die Waffe Arnold, sondern eine Waffe Heckler und Koch gefunden wird. Da ist aber noch nicht bekannt, wem die Waffe gehört. Da ist natürlich die Identifizierung noch nicht gelaufen usw. usf. Sind Sie sich sicher, dass Sie am Einsatzort erfahren haben, dass eine Tatwaffe, die dem Mord an Michele Kiesewetter zuzuordnen ist, gefunden wurde?

Herr Ba.:
Also spätestens vor dem Dienstende habe ich es gewusst. Entweder war es auf der Dienststelle oder halt in Stregda.“

Im Einsatzverlaufsprotokoll steht also, dass eine Waffe der Marke Heckler und Koch im Wohnmobil um 16:28 gefunden wurde. Diese amtliche Feststellung ist außergewöhnlich, aus folgenden Gründen:

  • Es gab im Wohnmobil lediglich zwei Waffen der Marke Heckler und Koch. Es waren die Dienstwaffen der überfallenen Heilbronner Polizisten. Anhand der Dokumentation in den Ermittlungsakten steht fest, dass die Waffe Kiesewetter noch in der Nacht des 04.11.11 im Wohnmobil lag.  Die Abfrage der Waffennummer erfolgte erst nach 23:00 Uhr. Daher muss es sich bei der im Protokoll erwähnten zweiten Heckler und Koch Waffe um die Dienstwaffe von Arnold gehandelt haben.
  • Um 15:30 wurde das Wohnmobil aus Stregda abgeschleppt, in eine Halle in Eisenach. Laut Darstellung des thüringer NSU-Untersuchungsausschusses wäre noch in Stregda „eine Dienstwaffe der Polizei gefunden. Diese Waffe konnte schnell in den Zusammenhang mit dem Mord an Michèle Kiesewetter gerückt werden.“ Was ist die Grundlage dieser Darstellung, wenn ihnen selbst das Einsatzverlaufprotokoll bekannt ist?
  • Polizisten bestätigen dagegen die Darstellung des Protokolls.

Ronald Kö. vom Landeskriminalamt (LKA) Thüringen nahm eine Waffe aus dem Wohnmobil entgegen, als es noch in Stregda stand. Als Zeuge im NSU-Verfahren sagte er am 22.01.14 aus, dass erst nach der Abschleppung, also in der Halle, die zwei Heckler und Koch Waffen gefunden wurden. Bei der Waffe, die ihm noch in Stregda aus dem Wohnmobil übergeben wurde, hätte es sich um eine „topaktuelle Waffe“ mit Behördenmunition gehandelt.

„Seine Aufgabe sei es gewesen, sich um die Waffen zu kümmern. Eine sei eine topaktuelle Waffe gewesen, wie sie bei den Polizeien der Länder angesagt seien. Er habe die Munition aus dem Lauf geholt, es sei Behördenmunition gewesen.

Das Wohnmobil sei dann abgeschleppt worden, sie hätten weiter die Tatortgruppe unterstützt. Es seien dann noch weitere Waffen am Tatort gefunden worden. An einer weiteren Waffe sei die Waffennummer vorhanden gewesen, so dass hier ein Zusammenhang mit Heilbronn ersichtlich geworden sei. Er habe das sofort seiner vorgesetzten Stelle mitgeteilt. Es habe sich um eine Heckler & Koch Pistole gehandelt. Eine Inpol-Anfrage habe ein Treffer ergeben, dass es eine Dienstpistole aus Baden-Württemberg vom Kollegen Martin A. gehandelt habe. Es sei eine weitere Pistole H&K im durchgeladenen Zustand im Wohnmobil gewesen.“ (nsu-watch)

Es ist jedoch eine „Entwicklung“ der Zeugenaussagen festzustellen. Es besteht der Verdacht, dass Polizisten ihre Aussagen veränderten, um Kollegen zu schützen.

Laut des damaligen Polizeichefs von Gotha Michael Menzel wäre gegen 16:30 in den Lagefilm eingetragen worden, dass eine Heilbronner Dienstwaffe im Wohnmobil gefunden und identifiziert worden ist.

Vors. Abg. Marx
„Also, das ist der Lagefilm der LPI (…) Führung Lagefilm ab 04.11.2011, 17:05 Uhr. (…).“

Michael Menzel

„Und zwar zeitlich vorgelagert, circa eine halbe Stunde vorher, dürfte ein Eintrag in den Lagefilm sein, dass eine Waffe aus dem Wohnmobil geborgen worden ist, identifiziert worden ist. Anhand der Waffennummer ergab sich der Hinweis auf das Tötungsdelikt zum Nachteil von Frau Kiesewetter in Heilbronn. (…).“

  • Die INPOL-Abfrage der Waffennummer der Arnold-Waffe fand jedoch schon um 16:20 statt. Kann es sich hier um die Waffennummer der Waffe handeln, die zuerst um 15:00 geborgen wurde? Könnte es sich einfach nur um eine verspätete Aufnahme in Lagefilm und Einsatzverlaufprotokoll handeln? Aber warum steht dann im Einsatzverlaufsprotokoll, dass die erste Heckler und Koch Waffe erst um 16:28 überhaupt gefunden worden wäre?
  • Bis heute ist nicht geklärt, welche Waffe in Stregda gefunden wurde. Es gibt keine ausreichende Foto-Dokumentation, obwohl die Spurensicherung bereits in Stregda mit einer Fotokamera nachweislich Fotos machte. Es ist unglaublich, dass von der dort zuerst entnommenen Waffe keine guten Fotos existieren sollen. In den Ermittlungsakten gibt es lediglich ein einziges unscharfes Foto, welches eine unbestimmbare Waffe in der Nasszelle des Wohmobils liegen zeigt.

7 Gedanken zu „Einsatzverlaufsprotokoll: Dienstwaffe Arnold erst 16:28 aus NSU-Wohnmobil geborgen!“

  1. Warum lässt Du KUH seine Sicht der Dinge (und Anschuldigungen) auf dem anderen Thread vortragen, sperrst ihn aber für Kommentare von Dritten? Es bliebe immer Deine Moderationsoption gegen unfaire Kommentare.
    Ich habe nicht den Eindruck, dass KUH mit seinem Kommentar viel aufgeklärt hat. Dass er die Auseinandersetzungen um die Dokumente auf eine Ebene stellt mit den Fälschungen und Vertuschungen im NSU-Komplex selbst, finde ich ziemlich befremdlich. Auch das Anwaltsschreiben an MOH ist zumindest erklärungsbedürftig, aber gar nicht erwähnt.

    1. Okay, es ist unfair, dass nur Kay-Uwe Hegr kommentieren durfte. Deswegen habe ich seinen Kommentar jetzt zurückgezogen.
      Da ich die Hintergründe als dubios bewerte, möchte ich keine Diskussion darüber und damit nur Energie verschwenden.

      Hinzufügung: Trotz Bedenken werde ich die Kommentarfunktion für den Artikel öffnen. Mein Problem ist, dass die Hintergründe der Hegr-Veröffentlichung nicht direkt etwas mit dem NSU-Thema zu tun hat.

  2. Nicht genau klar, auf was der Beitrag hinaus will. Der Grundwiderspruch, welche Waffe Erstfund war, stellt auf Grund seiner Dominanz den Rest in die zweite Reihe.

    Wir nehmen das aber mal als Beispiel für die Tricksprache der Ossis. Ich habe früher öfters mal auf solche versteckten Informationen hingewiesen. Leider hat der Fluchtenmaurer des AK keinen Zugang zur Spracharchitektur. Also gibt es die für ihn nicht oder nur als eigene Erfindung, wie die Behauptung Polizistin Knobl. hätte ausgesagt, Behördenmunition abgefragt zu haben. Hat sie nicht ausgesagt.
    Aber ihr Kumpel Ko. hat was gesagt, das ich mal vorstellen möchte, weil interessant.

    Ko. ist der Waffenexperte, dem die erste Dienstwaffe Nachmittag aus dem Womo übergeben wird. Er bekommt sie in die Hand, untersucht sie angeblich nicht genauer und lenkt sofort auf die Behördenmunition ab.
    Dann macht er aber noch was.

    Er, der als Experte für die Waffenidentifizierung zuständig ist, weist die Identifizierung der Waffe als Arnoldwaffe von sich. Das kann er so nicht sagen. Also sagt er es indirekt.
    Er sagt:
    Die Waffennummer 016-010514 wurde mir „übergeben“.

    Hammerharter Satz.
    Heißt, er macht die Waffe in seiner Hand zu einer unbekannten Waffe, für die Dritte eine Nummer festgelegt haben. Bei Inpol wurde von ihm nicht die Waffe zur Abfrage gegeben, die er in der Hand hielt, sondern die Nummer, die er zur Abfrage bekommen hat.

    Genauso reagiert er auf die Frage der Anzahl der Waffennummern auf der Waffe.
    Antwort, eigentlich gibt es nur eine.
    Richtig, denn die Frage hätte lauten müssen, wie oft sich diese eine Nummer auf der Waffe befand. Das er der Frage so geschickt auswich, heißt im Umkehrschluss eben auch, was er weiß und was in der Beschreibung des Asservats steht, ist nicht das gleiche.

  3. Hatte ich vergessen.

    In der Gegenüberstellung oben von KUH wird der Inpolabfrager als Thüringer Polizist ausgewiesen. Zur Befragung im Ausschuss war der aber BKA.

    Heißt das, bei der Inpolabfrage war er Thüringer Polizist?
    Wo?
    Kann mich bitte einer erleuchten, muss ja im Protokoll des UA der Thüringer stehen.

      1. Stimmt, danke.
        Bei NSU-Leaks standen die beiden untereinander und ich habe da fälschlich einen draus gemacht. Zu lässig gelesen, denn der eine ist S. und der andere D.

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