Gezielte Sabotage der Terror-Ermittlungen, nachgewiesen am Beispiel des 20. Flugzeugentführers Zacharias Moussaoui

Folgende Ausarbeitung beschreibt an einem Fallbeispiel, warum es den amerikanischen Sicherheitskräften nicht gelang, die 911-Verschwörung aufzudecken und zu vereiteln. Der Franzose Zacharias Moussaoui wird als der 20. Flugzeugentführer beschrieben. Er wurde Mitte August 2001 von der Polizei (FBI) in Minneapolis festgenommen, jedoch durften die Ermittler seine Unterlagen nicht vor dem 11. September 2001 durchsuchen. Dies wurde seitens des Polizei-Hauptquartiers verhindert.

Zacharias Moussaoui ist derzeit in einem amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert, er hat eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Während der Gerichtsverhandlung sagte er folgendermaßen aus: Ihr Plan war, Passagierflugzeuge zu entführen, aber nicht damit in Gebäude zu fliegen, sondern den blinden Scheich Sheikh Omar Abdel-Rahman, ein inhaftiertes Al-Qaida Mitglied, freizupressen. Die Informationen und das Ausweisfoto sind aus der 9/11-Datenbank „History Commons“ entnommen.

moussaouiFolgende Frage  der FBI-Polizistin Coleen Rowley beschreibt die Sabotage ihrer Terror-Ermittlungen treffend:

„Warum sabotiert ein FBI-Ermittler bewusst einen Fall? Die Vorgesetzten verhielten sich derart seltsam, dass einige Polizisten in Minneapolis offen scherzten, dass diese Höhergestellten „Spione oder Maulwürfe wären, die für Osama bin Laden arbeiten.“

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Ihr Kollege Harry Samit stimmt Rowley zu: Vorgesetzte beim FBI-Hauptquartier seien mitschuldig, wegen ihrer „Destruktivität, kriminiellen Nachlässigkeit und Karrieregeilheit.“

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Beteiligte Personen, teilweise kürzte ich die Namen mit Buchstaben ab:
Al-Qaida
Zacharias Moussaoui (ZM): Hauptperson
Bin Al-Shibh: Terror-Verdächtiger damals in Hamburg lebend, jetzt in Guantanamo Bay
Djamel Beghal: al-Quaida Aktivist in Arabien festgenommen
Al-Attash: Terror-Verdächtiger, Freund, Mitbewohner von ZM
Ibn Al-Khattab: tschetschenischer Widerstandskämpfer, Terror-Verdächtiger

US-Flugschule
Tim Nelson und Pilot Hugh Sims: Fluglehrer in Minneapolis

FBI-Polizei in Minneapolis (:abgekürzt M)
Harry Samit, Greg Jones, Coleen Rowley: FBI-Ermittler in Minneapolis, Minnesota. 
FBI-Polizei in Phoenix
Ken Williams: Ermittler im FBI-Büro in Phoenix, Arizona

FBI-Abteilungsleiter & Vorgesetzte im Hauptquartier
Dave Frasca: Chef der Radical Fundamentalist Unit (RFU) at FBI headquarters
Michael Maltbie: FBI-Ermittler bei RFU und Supervisory Special Agent
Elizabeth Matson, Fred Stremmel: Intelligence Operations Specialists in the RFU
Rita Flack: FBI-Ermittlerin bei der RFU
Rod Middleton: FBI-Abteilungsleiter “Usama bin Laden Unit (UBLU)
Jennifer Maitner: Intelligence Operations Specialist in the UBLU
Michael Rolince: Chef der FBI’s International Terrorism Operations Section

Geheimdienst-Vertreter der CIA beim FBI
Tom Wilshire: Er ist der Vertreter der CIA im Büro von Rolince. Zuvor war Wilshire kurz Chef bei „Alec“ (bin Laden Abteilung der CIA).

FBI-Ermittler bei der CIA
Charles Frahm: FBI, deputy chief von Alec = CIA bin Laden Einheit

Richter beim FBI
Marion (Spike) Bowman: Chef of the FBI’s National Security Law Unit

Anfang Februar 2001 erhält Zacharias Moussaoui (ZM) ein US-Studentenvisa, obwohl er auf der französischen Beobachtungsliste für islamische Extremisten steht.

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Am 23. Februar 2001 reist ZM in die USA ein und nimmt sogleich Flugunterricht, bis 3. Juni 2001 in Oklahoma. Diese Flugschule stand im September 1999 schon-einmal im Visier der US-Sicherheitskräfte, da dort Anhänger von Osama bin Laden trainiert wurden.

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Irgendwann zwischen Februar und August schreibt ZM die Telefonnummer eines Fitnesscenters der Sicherheitsfirma Blackwater in sein Notizbuch. Ein Telefongespräch zwischen ihm und Bin al-Shibh wird abgehört, seitens des deutschen Geheimdienstes. Bin al-Shibh ist Teil der Hamburger Zelle, die beobachtet wird.

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Am 10. Juli 2001 schreibt der Polizist Ken Williams das „Phoenix Memo“ an seine Vorgesetzten und andere Ermittler. Er warnt darin vor verdächtigen islamistischen Flugschülern, die in amerik. Flugschulen fliegen lernen. Sein Memo heißt:

„Osama bin Laden-, Al-Mujiroun -Anhänger lernen Fliegen in zivilen Flugschulen in Arizona“
„Osama bin Laden and Al-Muhjiroun supporters attending civil aviation universities/colleges in Arizona.“
Fortune, 5/22/2002; Arizona Republic, 7/24/2003

Im Memo steht, dass Islamisten versuchen könnten, amerikanische Passagierflugzeuge zu entführen.

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Erst am 27. Juli kommt dieses Memo im FBI-Hauptquartier an. Williams schrieb es an acht verschiedene Ermittler. Williams ruft zwei dieser Polizisten zusätzlich an: Elizabeth Matson, am 30. Juli. Er spricht auch mit ihrem Kollegen Fred Stremmel.

Elizabeth Matson redet mit Jennifer Maitner, die das Memo auch erhielt, eine Woche später. Die Beiden vereinbaren, dass Maitner weiter-recherieren wird. Matson denkt, sie habe ihren Vorgesetzten, Frasca, informiert, ist sich jedoch nicht mehr sicher, da Frasca dies bestreitet. Frasca bekommt jedoch das Phoenix-Memo von Williams direkt zugestellt. Maitner diskutiert das Memo mit ihrem Chef, Rod Middleton, und sendet es weiter an das FBI-Büro in Portland, Oregon. Auch an Middleton ist das Memo von Williams direkt gesendet worden.

Am 28. Juli wird das al-Quaida Mitglied Djamel Beghal in Dubai festgenommen. Er gibt Verbindungen zu Attas Hamburger Terrorzelle zu. Obwohl ZM am 16. August festgenommen wurde, wird Beghal zu ZM nicht befragt.

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Am 29. Juli sendet Bin Al-Shibh von Deutschland 14.000 Dollar zu Moussaoui, per Western Union. Ein gewisser “Hashim Abdulrahman” aus den United Arab Emirates hat zuvor an “Ahad Sabet” alias Bin Al-Shibh 15.000 Dollar zukommen lassen, per Banküberweisung.

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Am 10. August zieht ZM nach Minneapolis, um sich dort bei einer zweiten Flugschule anzumelden. In der Nacht zum 11. August wird in ZM ehemaligen Appartement eingebrochen, es wird verwüstet. Ein Nachbar sagt: Die Möbel sind umgestoßen, „als ob da jemand etwas durchsucht hätte.“ ZM ist jedoch Ende Mai mit seinen Sachen dort ausgezogen und seitdem ist niemand statt seiner dort eingezogen.

Vom 11. bis 15. August 2001 will ZM das Fliegen mit einer Boing 747-400 in der (zweiten) Flugschule, Pan Am International Flight School, in Minneapolis, lernen. Den Fluglehrern Tim Nelson und Hugh Sims wird ZM schnell verdächtigt:

  • ZM schreibt seltsame emails an die Flugschule mit vielen Rechtschreibfehlern, obwohl er sich als englischer Geschäftsmann ausgibt.
  • Er bezahlt die Rechnung der Flugschule über 8.300 Doller mit 100 Dollarnoten, hat aber keine Kreditkarte.
  • Er ist allein, nicht in einer Gruppe angereist.
  • Als Grund seiner Ausbildung gibt er „ego boosting“ an, er will nicht ernsthaft Pilot werden. Schnell wird klar, dass er kein durchgedrehter Neureicher ist, da er schäbig gekleidet ist. Aber er bucht keinen einzigen Flug mit einer Boing, sondern einen ganzen Kurs. Er ist entschlossen so viel wie möglich, in einer begrenzten Zeit zu lernen. Zusätzlich hat ZM keine Flugerfahrung. Neureiche mit der Absicht einmal eine Boing geflogen zu haben, haben diese meistens.
  • Er ist zwar schon 57 Stunden in der ersten Flugschule (für Kleinflugzeuge) in Oklahoma geflogen, aber seltsamerweise nicht solo. „Meine schlimmste Schülerin war eine Großmutter, aber ich bekam sie solo nach 21 Stunden.“ Er ist besonders am “control panel” und an den Sicherheitstüren zum Cockpit interessiert. Auch ist er an der Kommunikation mit der Flugaufsicht interessiert, obwohl er kein Pilot werden will.
  • Syrische Flugschüler sagen dem Fluglehrer, dass MS fließend arabisch kann.

Die Flugschule benachrichtigt daher die FBI-Dienststelle in Minneapolis.

Am 15. August informiert das FBI’s Minneapolis (M) das CIA, dass ZM am nächsten Tag festgenommen wird. Das Counterterrorist Center (CTC) wird informiert. Das CTC findet keine Infos über ZM. Es hat zwar Infos, aber abgespeichert unter einen seiner Alias-Namen.

ZM wird am 16. August festgenommen. Kurz vor der Festnahme, offiziell wegen Verstoß gegen die US-Visa-Bestimmungen, wird der FBI-Agent Samit gewarnt, die Festnahme nicht durchzuführen. Joe Manarang vom FBI Hauptquartier will Samit per Handygespräch überreden, vorsichtiger zu sein. Samit antwortet, dass er sich jetzt schon im Hotel von ZM befindet und nach ihm sucht. Es ist jetzt zu spät.

Schnell nach der Festnahme von ZM geht M von einer größeren Verschwörung zur Entführung von Verkehrsflugzeugen aus. Das Hauptquartier wird noch am gleichen Tag informiert.

Der Mitbewohner von ZM, Hussein al-Attas, verhält sich während des Verhörs ebenfalls verdächtig, belastet seinen Freund als radikalen Fundamentalisten. al-Attas wird sich später für schuldig bekennen, das FBI angelogen zu haben, dass er seinen richtigen Namen nicht kennt. Auch er wird festgenommen.

Der FBI-Ermittler aus Minneapolis Harry Samit verdächtigt ZM, dass er eine Passagiermaschine entführen will. Er schreibt einem Kollegen:

„Es ist ziemlich augenscheinlich, dass es irgendeinen Entführungs-Plan gibt.“

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In den Unterlagen von ZM befinden sich Hinweise, um die anderen angehenden Flugzeugentführer aufzudecken. Beispielsweise befindet sich dort ein Brief von Yazid Sufaat, in dessen Apartment im Januar 2000 in Malaysia ein Terror-Treffen stattfand. Das Treffen wurde seitens des CIA beobachtet. Über Moussaui hätten die Ermittler Namen der anderen Männer gewonnen, die sich bereits in den USA aufhielten, etwa Khalid al-Mihdhar. In Moussauis Laptop waren alle Infos gewesen, um das Komplott aufzudecken. Zwei handgeschriebene Seiten in Notizbüchern führten direkt zur Hamburger Terrorzelle um Anführer Atta.

Während des Verhörs verstrickt sich ZM in Widersprüche, Lügen und Ungereimtheiten. Er kann sich nicht erinnern, welche Freunde ihm Geld aufs Konto überwiesen haben. Oder er will nicht, dass der französische Konsul benachrichtigt wird.

Am 16. August scheitert das benachrichtigte FBI Hauptquartier, den eigenen Chef zu informieren. Der höchste informierte Repräsentant ist Michael Rolince, Chef der International Terrorism Operations Sektion. Sogar der Terrorbeauftragte der Bush-Regierung Richard Clarke wird nicht über den Sachverhalt informiert, obwohl dies Standardpraxis wäre. Clarke betonte noch im Juli 2001 vor Vertretern von FBI und CIA:

„Ich will über alles informiert werden, auch wenn ein Ast vom Baum fällt.“

Doch Clarke wird auch nicht über das „Phoenix-Memo“ informiert.

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Am 17. August und am 31. August unterrichtet CIA-Chef George Tenet US-Präsidenten George W. Bush. Dort sagte er jedoch nichts über den Fall ZM. Tenet ist jedoch mindestens seit dem 23. August informiert.

Unter Eid belog Tenet schon im April 2004 die 9/11-Kommission: Dort beeidet er die Aussage, dass er mit Bush im ganzen Monat August keine direkte Konversation gehabt hätte. Später stellte sich dies als Unwahrheit heraus – Tenet entschuldigte sich:

„Ich habe die Briefings vergessen.”

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Am 17. August nimmt M ein Telefonat zwischen dem inhaftierten Al-Attas und dem Imam El Hadj Ndiaye auf. Der Iman fragt Al-Attas: „Ihr wolltet doch auf Jihad gehen?“

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17. August: ZM gibt den Namen eines Komplizen preis, der ihm Geld zuschickte. Der Name ist Atif Ahmed. M schickte den Namen nach London zu dem legal attaché. Die Information über Ahmed erreichte jedoch erst Monate später, im November 2001, die USA. 

18. August: M kontaktiert Charles Frahm im CIA-Hauptquartier und informiert über den Fall. 

20. August: al-Attas wird freigelassen. Die Kaution wird bezahlt von Mujahid Abdulqadir Menepta. Menepta gilt als Terror-Verdächtiger.

20. August: Der Fall ZM ist von der Iran-Einheit zu der Radical Fundamentalist Unit (RFU) weitergeleitet. RFU-Chef Frasca kontaktiert Frahm. Frasca fragt die CIA mündlich an, alle Infos zu geben, sendet jedoch der CIA keine formale Anfrage. 

Am 20. August teilt Maltbie Samit mit, dass sich die Affäre negativ auf seine Karriere auswirken könnte.

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20. August: Bei einem Treffen von Maltbie (RFU), RFU Chef Frasca, FBI-Ermittlerin Rita Flack und einem Repräsentanten der FAA wurde die Entscheidung getroffen, die FAA nicht zu informieren. FAA heißt: Federal Aviation Administration. Sie ist die US-amerikanische Luftfahrtsbehörde und für die Sicherheit des Luftverkehrs mitverantwortlich. Erst am 04. September wird das FBI die FAA unbestimmt warnen, dabei nicht erwähnen, dass ZM höchstwahrscheinlich eine Verkehrsmaschine entführen wollte.

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21. August: Ahmed Ressam, ein inhaftierter al-Quaida Terrorist, wird nicht zu ZM befragt. 

Frasca lehnt eine Anfrage von Samit ab, einen Durchsuchungsbefehl („criminal warrant“) zu erhalten. Das Eigentum von ZM soll durchsucht werden. Samit ruft Frasca an und diskutiert mit ihm. Samit hat schon den Antrag ausgefüllt, Frasca sagt nur:

„Du wirst es nicht eröffnen.”

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21. August: Der FBI’s legal attache in London liefert eine Informations-Anforderung über Zacarias Moussaoui (ZM) den britischen Behörden aus.

22. August: Frankreich schickt umfangreiches Datenmaterial über ZM an das FBI-Hauptquartier. ZM wird als gefährlich bewertet. Der damalige Chef der französischen Anti-Terror-Ermittler Jean-Louis Bruguiere warnte das FBI persönlich vor Moussaui.

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Maltie lehnt jedoch weiterhin ein Durchsuchungsbefehl ab: ZM hat nachgewiesene Verbindungen zu einer tschetschenische Rebellenorganisation namens „Al-Khattab“, die Verbindungen mit Osama bin Laden hat. ZM rekrutiert Freiwillige im Nahen Osten für sie. Diese spezielle Rebellengruppe wäre jedoch keine „foreign power“, begründet Maltbie.

22. August: Rita Flack, eine FBI-Ermittlerin bei der FBI’s Radical Fundamentalist Unit, liest das „Phoenix Memo“. Dieses Memo warnt vor islamistischen Flugschülern, die vorhaben, Passagierflugzeuge zu entführen. Sie liest es nachgewiesenermaßen und hilft Samit trotzdem nicht, den Durchsuchungsbefehl zu erhalten. Offenbar gibt sie vor, das Memo nicht an ihre Vorgesetzten weitergeleitet zu haben.

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22. August: Maltbie blockiert eine Benachrichtigung des “Justice Department’s Criminal Division” durch Samit.

22-28. August: M verfasst einen Antrag (trotz der Bedenken von Frasca) für eine „FISA“-Befugnis, das Eigentum von ZM zu durchsuchen. Der Antrag wird an die RFU geschickt. Von dort geht er an vier Rechtsanwälte am FBI’s National Security Law Unit. Der Antrag muss von den Rechtsanwälten juristisch ausformuliert werden, bevor er an das Gericht geht. Alle vier Rechtsanwälte bezweifeln, ob der Antrag vor Gericht durchgehen kann. Jedoch bekommen die Anwälte nicht die originale Vorlage aus Minneapolis, und damit alle wichtige Informationen der Beweiskette. Zum Beispiel werden sie nicht informiert, dass …

  • … das FBI bereits im April gewarnt wurde, dass eine Zusammenarbeit zwischen dem Anführer der tschetschenischen Rebellengruppe und Osama bin Laden besteht.
  • … die beiden Gruppen zusammen Anschläge gegen die USA planen.
  • … der FBI-Mann Williams vor islamistischen Flugschülern im „Phoenix Memo“ warnt.

Rechtsanwältin Sherry Sabol wird später beeiden, dass sie Maltbie and Flack ausdrücklich fragte, ob es irgendwelche Anhaltspunkte gibt, dass verdächtige Menschen in die USA geschickt werden, um Flugunterricht zu erhalten. Flack, die zuvor das Phoenix-Memo las, hätte sie angelogen: „Nein“. Flack streitet diese Antwort ab, Maltbie kann sich an nichts mehr erinnern. Der Antrag auf Durchsuchung wird abgelehnt.

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Am 23. August wird CIA Director George Tenet über den Fall ZM informiert. Tenet informiert weder Bush noch seinen Sicherheitsbeauftragten Richard Clarke.

Am gleichen Tag besucht das FBI’s Oklahoma City field office ZM erste Flugschule in Oklahoma. Einer der Ermittler besuchte sie bereits früher, wegen eines anderen Terrorverdächtigen „Ihab Ali“, im Jahr 1999. Der Ermittler stellte offenbar keine Verbindung zwischen den beiden Verdächtigen her, gibt den „Zufall“ offenbar nicht weiter.

24. August: Die CIA teilt den britischen Behörden mit: ZM ist wahrscheinlich ein angehender Flugzeugentführer, der in verdächtigen Flugtrainings involviert war. Die CIA fragt nach Informationen, am 28. August. Auch das FBI fragt die Briten an, am 03. und 05. September. Die Briten reagieren nicht auf die Anfragen bis kurz nach den Anschlägen. Der franz. Geheimdienst hat seine pralle Informations-Mappe über ZM jedoch längst den Briten überreicht. Seltsamweise behaupten die Briten, sie hätten zum damaligen Zeitraum noch keine Infos, obwohl sie ZM im Jahr 2000 in England sogar selbst beobachteten.

24. August: Frustriert von dem Prozess kontaktiert Samit FBI-Ermittler, die im CIA’s Counter Terrorism Center arbeiten, und bittet um Hilfe. Die CIA schickte daraufhin eine Anfrage an alle CIA-Stationen. Frasca reagiert mit einer Rüge, da Samit ihn nicht um Erlaubnis fragte. In der Anfrage wird u. a. von einem möglichen Entführer einer 747-Passagierflugzeugs und Selbstmordattentäter gesprochen.

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Die CIA teilt M am 24. August mit, dass ZM zu einer terroristischen Gruppe zugeordnet werden kann. Ein CIA-Offizier fragt sich verwundert:

„Warum reicht die Verbindung von ZM zu der Rebellengruppe um Ibn Al-Khattab nicht, den Durchsuchungsbefehl zu erhalten?“ Der CIA Offizier: „Die Verbindung zwischen Ibn Khattab und Osama bin Laden ist uns schon lange bekannt.“

Die CIA’s Counterterrorist Center (CTC) sendet die gleiche Information, die sie dem FBI über ZM schon lange hat zukommen lassen, zusätzlich zu ihren Kontaktmännern beim FBI, höchstwahrscheinlich darunter Tom Wilshire. CTC bittet um Unterstützung, den Durchsuchungsbefehl zu erhalten. Der CIA-Kontaktmann beim FBI-Hauptquartier Wilshire unternimmt offenbar nichts.

Am 27. August kommt es zu einem mündlichen Schlagabtausch zwischen Samit und Maltbie. Samit fragte daraufhin seinen Chef beim FBI-Minneapolis, dass er Frasca anruft und fragt: “Wo ist Maltbies Problem?“ Frasca fängt bei diesem Gespräch sofort an, Maltbie energetisch zu verteidigen. Frasca sagte:

„Das ist nichts, worüber ihr euch Sorgen machen braucht.“

Frasca lügt diesen Ausspruch heute ab.

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28. August: M fasst alle Beweise in Form eines Memorandum zusammen und sendet es zur RFU. Mit diesen Beweisen soll der Durchsuchungsbefehl vor Gericht erwirkt werden. Bevor es weitergegeben wird, verändert und löscht Maltbie wichtige Angaben!

Vor allen Dingen löscht er die Aussage des CIA-Agenten, dass der tschetschenische Rebellenführer Ibn Khattab ein Verbündeter von bin Laden ist und die Beiden Anschläge gegen Amerikaner planen. Maltbie löscht diese Angabe, obwohl das FBI selber darüber informiert ist. M widerspricht diesen Änderungen energetisch und kritisiert folgende weitere Änderungen:

“Moussaoui macht sich bereit zu kämpfen“
… wurde gelöscht, ersetzt mit:
„trainiere, um sich zu verteidigen.“

Maltbie verändert den Satz:

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Maltbie verändert den Absatz, in dem es heißt, es gebe keine überzeugende Erklärung für die große Summe Geld, die ZM besitzt. Maltbie schreibt stattdessen, dass “Moussaoui would not explain the large sums of money known to have been in his possession.”

Ein Absatz über die Tschetschenien Verbindung von ZM wird zwar wieder eingefügt, darin wird aber nicht erwähnt, dass diese tschetschenische Gruppe mit Bin-Laden verbunden ist und Anschläge gegen Amerikaner geplant sind. Es wird nur erörtert, dass ZM für diese Rebellengruppe rekrutiert. Quelle: US Department of Justice, 11/2004, pp. 161-4, 209-211

28. August: Maltbie and Flack leiten den manipulierten Antrag zum Gericht weiter. Es ist das National Security Law Unit unter Richter Spike Bowman. Laut Bowman macht Maltbie vor Gericht Stimmung gegen den eigenen Antrag, es gäbe nicht genug Anhaltspunkte für den Durchsuchungsbefehl. Bowman stimmt dem zu und lehnt den Antrag ab.

29. August: Die RFU wird im FBI-Hauptquartier über ein mitgeschnittenes Gespräch zwischen al-Attas sowie dem Imam informiert. Imam: „Ich hörte, ihr Jungen wolltet zum heiligen Krieg gehen“. Außerdem lernt das Hauptquartier von al-Attas letzten Willen. Dort steht, dass der Tod nah ist, und diejenigen, die teilnehmen im „Jihad“, erwarten können, dass sie Gott sehen. Dies würde, laut Frasca, nichts bedeuten; im Gespräch mit Ermittlern begründet er seinen Standpunkt:

„Das Testament ist interessant. Der Jihad – Kommentar besorgt mich nicht. Das kann in muslimischen Kulturen viel bedeuten und wird oft aus dem Kontext herausgenommen.“

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29. August: Harry Samit schreibt eine Warnung über mögliche Flugzeugenführungen, adressiert an die FAA, und fast den Fall ZM zusammen. Maltbie weist ihn an, das Memo nicht zu versenden, da er selbst gerade ein Memo an das FAA schreibt. In Maltbies Memo vom 04. September fehlt jedoch eine Gefahreneinschätzung und Warnung vor möglichen Flugzeugentführungen.

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Samit regt außerdem an, einen arabisch sprechenden „undercover“ Ermittler in die Zelle von Moussaoui zu schicken. Diese Anfrage wird als lächerlich seitens Frasca abgelehnt.

30. August: Frankreich sendet an das FBI umfangreiches Beweismaterial. Darunter auch eine Fotokopie seines Ausweises. Er wird als gefährlicher Terrorist eingestuft. Frankreich warnt auch vor seinen Bekannten, Freunden. Daraufhin entscheidet das FBI-Hauptquartier, ZM nach Frankreich auszuweisen! Dort könnten dann seine Sachen durchsucht werden. Es wird jedoch abgelehnt, Ermittler aus Minneapolis mit nach Frankreich zu schicken. Die Deportation wird niemals vollzogen, da die Vorbereitungen viel Zeit kosten.

4. September: Maltbie schreibt ein Memo an die Geheimdienstszene über den Fall ZM. Er lässt u. a. aus, dass einige Ermittler glauben, dass Moussaoui Teil einer größeren Verschwörung sei, die das Ziel hat, Passagierflugzeuge zu entführen.

6. September: Das FBI’s Oklahoma City field office scheitert wieder, Hilfe zu gewähren. Die Dienststelle wurde seitens der Kollegen in Minneapolis gebeten, den Iman El Hadj Ndiaye zu befragen. Weitere sechs Personen stehen auf der Verhörliste. Nur eine einzige Person wird befragt und gerade Ndiaye nicht.

11. September: Innerhalb einer Stunde nachdem der erste Turm getroffen wurde, ersucht Harry Samit, einen Durchsuchungsbefehl von einem Richter zu erhalten. Maltbie ruft in Minneapolis an. Als die Ermittler Coleen Rowley ihm entgegnet, dass M den Durchsuchungsbefehl jetzt bekommt, beschwört Maltbie sie, die Durchsuchung nicht durchzuführen, da …

„… es eine Auswirkung auf Angelegenheiten haben könnte, die Euch nicht bewusst sind.“

Coleen Rowley antwortet, dass es ein großer Zufall wäre, wenn ZM nichts mit den Anschlägen zu tun hätte. Maltbie antwortet: „Zufall ist der richtige Ausdruck.“ Maltbie sucht daraufhin Rat bei einem FBI-Anwalt. Nachdem auch das Pentagon getroffen wurde, ändert Frasca seine Meinung, weg von einem Zufall. Er befürwortet eine schnelle Durchsuchung. Die Durchsuchung findet statt, und die Beweismittel werden schnell einem speziellen „evidence response team“ übergeben.

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Fazit

Laut des republikanischen Senators Grassley wurde niemand für sein Fehlverhalten bei FBI und CIA gefeuert oder bestraft, im Gegenteil – einige „Versager“ wurden befördert. Beispielsweise wurde CIA-Chef George Tenet von Präsident Bush mit der „Freiheitsmedaille“ ausgezeichnet.

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Im Jahr 2004 verdächtigte der Geschichtsforscher Mike Ruppert Frasca, dass er ein CIA-Agent gewesen sei. Sein Auftrag könnte gewesen sein, die Arbeit des FBI zu behindern.

3 Gedanken zu „Gezielte Sabotage der Terror-Ermittlungen, nachgewiesen am Beispiel des 20. Flugzeugentführers Zacharias Moussaoui“

  1. Bei der Frage, „warum es den amerikanischen Sicherheitskräften nicht gelang, die 911-Verschwörung aufzudecken und zu vereiteln“ müsste man differenzieren zwischen den Teilen der Sicherheitskräfte, die aufdecken und vereiteln wollten, und denjenigen Teilen, die das nicht wollten.

    Die spätere Whistleblowerin Sibel Edmonds wurde kurz nach 9/11 beim FBI als Dolmetscherin angestellt. Im März 2002 wurde sie entlassen, nachdem sie verschiedene Vorfälle von Unterschlagung von Beweisen, Landesverrat und Amtsverletzung gemeldet hatte,
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sibel_Edmonds

    Die von ihr Beschuldigten – nur Versager oder Schlimmeres – wurden nie belangt, sondern noch befördert. Die „dunklen Teile“ im Apparat wissen, was sie zu verlieren haben und schützen sich gegenseitig. Sie werden offensichtlich auch von ganz oben gedeckt (wo man mit der 9/11-Commission ja auch nur Pseudo-Aufklärung betrieb), so dass Whistleblower kaum eine Chance haben und das Personal, das zum unschuldigen Teil des Apparats gehört, lieber schweigt als sich in die Nesseln zu setzen.

    Das macht die Unterscheidung der beiden Teile alles andere als einfach. Die einen schweigen aus Angst vor gerichtlicher Bestrafung eigener Taten und die anderen aus Angst vor Mobbing und blutiger Rache.

  2. Diese Massaoui Geschichte ist ein „alter Hut“ Damit soll G.W.Bush’s Verschwoerungststheorie weiter unterstuetzt werden ? Einziger Lichtblick: Beim Massaoui-Prozess hat das FBI indirekt eingestanden, dass von den Fliegern keine Handy-Gespraeche gefuehrt wurden
    Bitte bei der NSU Geschichte bleiben wo Friedensblick und Kommentatoren wirklich grossartige Arbeit leisten.

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