Italiener lassen sich keine Angst vor Euro-Austritt einjagen

Genauso, wie die gemeinsame Währung der deutschen Bevölkerung wirtschaftlich nützt, schadet sie der Bevölkerung im Süden. Der „Euro“ macht Angebote aus Deutschland billiger, da der Wechselkurs des Euros im Vergleich zur DM günstiger ist. Beispielsweise können US-Amerikaner mit ihren Dollars mehr Euros eintauschen, als sie DM bekommen hätten. So können sie mehr deutsche Produkte einkaufen, da sie in Euro bezahlen und nicht mit DM. Genauso, wie deshalb eine große Mehrheit der deutschen Wähler die Systemparteien CDUCSUSPDGRÜNE wiederwählt, die alle im EURO bleiben wollen und nichts verändern, werden die Systemparteien in Südeuropa vermehrt abgewählt.

Es ist zwar eine sehr oberflächliche Wahlentscheidung, seine eigene wirtschaftliche Situation als Grundlage zu nehmen, aber verständlich.

Im Grunde müsste es innerhalb des Währungsraumes einen „Finanzausgleich“ zwischen den Staaten geben, um die Ungerechtigkeit auszugleichen. Der deutsche Staat würde dann einen Teil seiner Steuereinnahmen nach Italien überweisen. Das ist politisch nicht durchsetzbar, auch aufgrund Medienkampagnen, die Südländer als faule Schuldner darstellen. Siehe die Hetze gegen Griechenland.

Zur Erkenntnis, dass die Währung „Euro“ der eigenen wirtschaftlichen Lage schadet, kommen immer mehr Südländer. Sie lassen sich immer weniger durch politische Spiele „Links-Rechts“ täuschen, die stets mit kosmetischen Veränderungen der Politik enden. Beispielsweise ließ der italienische Ministerpräsident Mattheo Renzi bei seinen Ansprachen die EU-Flagge abnehmen, um gegen die EU-Politik zu protestieren.

Die jeweilige Partei in der Opposition verspricht alles besser zu machen, einmal an der Macht, verbessert sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung aber nicht. Zu dieser Erkenntnis zu gelangen, ist ein langer Weg, aber die wirtschaftliche Krise in Südeuropa dauert bereits zu lange an. Immer mehr Menschen lassen sich dort von sich kritisch gebenden Politikern nicht mehr blenden. Vor allem in Italien steht inzwischen eine knappe Mehrheit für einen Austritt aus dem Euro.

Die Mehrheit der Italiener wird sich keine Angst einjagen lassen. Sie wissen aus der Vergangenheit, dass es ihnen mit ihrer eigenen Währung „Lira“ wirtschaftlich besser gehen würde. Es ist jedoch klar, dass die Eliten ihnen einen großen Kampf liefern werden, inklusive politischen Verrates. Hier würde mir beispielsweise ein Silvio Berlusconi einfallen. Es wird eine populistische Angst-Kampagne geben, wie in Griechenland. Dort sagte ein linker Spitzenpolitiker den Griechen voraus, dass das Land ohne Euro in die „Steinzeit“ zurückgeworfen werden würde.

Wenn Italien aus dem Euro ausscheidet, wird das Land für viele Deutsche zum Sündenbock gemacht werden, im Sinne „die sind alle blöd und fallen auf Clowns, Populisten rein“. Die frühere ARD-Osteuropakorrespondentin Gabriele-Krone Schmalz kritisierte dementsprechend die mediale Berichterstattung des Trump-Wahlsieges:

„Ich finde es bedenklich, wenn sich irgendwo Mehrheiten finden, die man nicht erwartet hätte, wie arrogant das auch in unserem Gewerbe kommentiert wird. So nach dem Motto: „Die sind alle blöd.“ Ob das in England ist mit den Brexit-Befürwortern, in Frankreich mit (der Front National-Chefin) Marie Le Pen, oder bei uns mit der AfD – man sollte vielleicht einmal untersuchen, welche Rolle die Medien dabei spielen.“ (nordbayern)

Nach meiner Meinung müssten sich die Wähler der Merkel-Koalitionsparteien selbst hinterfragen:

Wie konnten sie ernsthaft davon ausgehen, dass es ihnen dauerhaft auf Kosten der anderen gut gehen kann?

Die sogenannte „Euro“-Rettung war immer auf Sand gebaut und ein medial aufgeblasenes Hirngespinst. Wer die hoffnungslose Wirtschaftslage in Südeuropa kennt, weiß das. Gabriele-Krone Schmalz plädiert daher dafür, sich über die Situation im Land zu informieren:

„Wissen Sie, wenn ich „Russland verstehen“ als Motiv habe, ist die Betonung nicht auf Russland, sondern auf verstehen. Und ich denke, es wäre hilfreich, wenn man auch Amerika verstehen und das Augenmerk darauf richten würde, wie es in dem Land aussieht. Vor der Wahl wurde zum Beispiel intensiv darüber berichtet, wie fürchterlich arm weite Teile der Bevölkerung sind. Also: Mal verstehen, was in der Gesellschaft abgeht. Dann kann man dieses Wahlergebnis – ob man das gut findet oder nicht – anders einsortieren und als Basis dafür nutzen, intelligente Antworten zu finden.“ (ebd)

30 Gedanken zu „Italiener lassen sich keine Angst vor Euro-Austritt einjagen“

  1. Sehr guter Kommentar.
    Die Italiener leiden am Euro und haben jedes Verständnis dafür verdient, dass sie aus dieser Zwangsjacke herauswollen. Das Gute an der italienischen Opposition gegen den Euro ist, dass sie nicht in einem ideologischen Block auftritt, so dass Totalitarismusängste unbegründet sind. Das Spektrum von der Lega Nord über Berlusconi bis zu den Cinque Stelle ist enorm und kein Menschenfresser in Sicht. Italien ist vielfältig und gesellschaftlich so liberal, wie es Deutschland immer nur beschwört, um einen bestimmten Konformismus durchzusetzen.
    Die deutsche Leier von den „Reformen“, die Italien verweigert, gehört auf den Müll. Italien ist Italien und nicht verpflichtet, so zu werden, wie Deutschland es verlangt. Man nennt das Freiheit.
    Transfers vom Norden nach Italien sind allerdings ein Irrweg, nicht nur nicht durchsetzbar, sondern auch giftig für die Beziehungen zwischen normalen Italienern und Deutschen. Es wird sich immer einer übervorteilt fühlen, oder beide. Die Entkoppelung über einen Wechselkurs ist viel besser für die Beziehungen.

  2. Schon dieser erste Satz ist falsch:
    „Genauso, wie die gemeinsame Währung der deutschen – Bevölkerung – wirtschaftlich nützt, schadet sie der Bevölkerung im Süden.“
    Der € hat der deutschen Bevölkerung geschadet und der Bevölkerung im Süden einen Kaufkraftsegen beschert, das sind die Fakten. Mit dem € konnten sie sich wesentlich mehr kaufen als mit den heimischen Währungen zusätzlich sanken noch die Schuldzinsen.
    Aber diese Länder haben nichts daraus gemacht. Mittels höherer Steuern wäre es ihnen gelungen Wirtschaft und Infrastruktur aufzubauen, ohne das die Kaufkraft der Bevölkerung gesunken wäre, wogegen die Kaufkraft der € Nordstaaten sank.
    Ein Ausstieg aus dem € bewirkt das sich dieses wieder umkehrt. Die Kaufkraft des Südens wird sinken und ihre Konkurrenzfähigkeit steigt. Die Arbeit, welche man wegen der gestiegenen Kaufkraft nicht mehr brauchte, kehrt in den Süden zurück.
    Ob das diesen Staaten klar ist und ihren Menschen? Ich habe daran Zweifel. Sie werden wieder jammern und Entschädigungen verlangen. Dabei hat sie niemand gezwungen dem € beizutreten. Sie wollten es unbedingt trotz Nichterfüllung der Kriterien. Das ist eine kriminelle Politik. Die einen kriminellen kommen in den Knast, während die anderen dafür Orden und Auszeichnungen einheimsen, welche mit großen Geldsummen verbunden sind.

    1. Ich spreche über den Ist-Zustand, nicht über die Situation nach der Euro-Einführung. Da geben ich Ihnen Recht, es verhalf vielen Menschen, etwa in Südeuropa, aber auch Irland, zu einer Kaufkraft-Steigerung.

      Es verschuldeten sich in Italien, Irland oder Spanien nicht der Staat, sondern Unternehmen und Privatleute. Bis 2008 war alles gut, dann platze die Schuldenblase, die Staaten übernahmen die privaten Schulden.

      Dafür kam es zu neoliberalen Reformen, die dazu führen, dass diese Kaufkraft-Steigerungen bei vielen sich zum Gegenteil gewendet haben. Immer mehr Leuten geht es schlechter. Natürlich genießen alle, die sichere Gehälter, Pensionen haben, weiter diesen Kaufkraft-Vorteil. Aber sie sind im Italien bereits in der Minderheit.

      Aber durch den Einbruch der Nachfrage, ausgelöst durch die neoliberale Wirtschaftspolitik, wegen der Hortung von Bargeld, den noch immer zu hohen Zinsen, kommen die Volkswirtschaften dort nicht aus der Krise heraus. Die Politik einer Abwertung nach innen, eine Austeritätspolitik, funktioniert nicht.

      Desweiteren:
      „Der eigentliche Grund für die Ungleichgewichte innerhalb des Euro-Währungsraums ist die Währungsunion selbst. Der Euro kann nur als ganzer ab- oder aufwerten; die zunehmenden Disparitäten innerhalb der Eurozone können weder nach innen noch nach außen widergegeben oder ausgeglichen werden. Mit dem gemeinsamen Euro ist die deutsche Exportwirtschaft stark unterbewertet (preislich „subventioniert“) und Griechenland etwa stark überbewertet (preislich „bestraft“).“

      aus http://blog.openeuropeberlin.de/2015/04/ben-bernanke-liegt-falsch-zum-problem.html

  3. „Aber durch den Einbruch der Nachfrage, ausgelöst durch die neoliberale Wirtschaftspolitik, wegen der Hortung von Bargeld, den noch immer zu hohen Zinsen, kommen die Volkswirtschaften dort nicht aus der Krise heraus.“

    Die Nachfrage ist nicht eingebrochen wegen Bargeldhortung oder der (seit Jahren) relativ niedrigen(!)Zinsen. Der Großteil der Bevölkerung hat nichts von den Gewinnen, bzw. der Produktivität der Multis in der Lohntüte abgekriegt, die Schere hat sich geöffnet , viele Private haben sich noch dazu verschuldet !
    Extrembeispiel die USA (die sind uns ein paar Jahre in Bezug auf Neoliberalismus voraus). Da hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht mal 500 Dollar Spargeld, kann erst Recht nicht Bargeld „horten“. Wäre nett diesen Mythos Bargeldhortung von Otto Normalverbraucher und die daruas folgende angebliche Kausalkette mal zu verlassen und über sinnhafte Lösungen nachzudenken.

    1. … eingebrochen durch Bankenrettung, neoliberale Reformen. Jetzt befinden sich die Südeuropäer in einer deflatorischen Wirtschaftskrise, obwohl die Zentralbank die Banken- und Wirtschaft mit Nachfrage flutet, sprich mit Bargeld zbw. Guthaben auf Zentralbankgeld.
      Alleine diese Tatsache müsste eine Umlaufsicherung von Bargeld sinnvoll erscheinen lassen. Das Bargeld muss endlich in der Realwirtschaft ankommen, sprich investiert und ausgegeben werden, um sinkende Nachfrage, sinkende Preise, fallende Wirtschaftsleistung zu überwinden.
      Die entscheidende Stellschraube ist Bargeld! Auch Überweisungen beruhen letztlich darauf, nicht auf „Geldschöpfung aus dem Nichts“. Durch eine Gebühr auf nicht-umlaufendes Bargeld können Banken deshalb auch die Zinsen auf Sichtguthaben ins Minus drücken. So wird unrentabel zu spekulieren, stattdessen wird rentabel zu investieren oder das Geld langfristig zu 0% bei der Bank anzulegen.
      Das Beispiel USA zeigt, dass eine Umlaufsicherung nicht die Armen trifft, sondern die Super-Reichen und Spekulanten.

  4. „Jetzt befinden sich die Südeuropäer in einer deflatorischen Wirtschaftskrise, obwohl die Zentralbank die Banken- und Wirtschaft mit Nachfrage flutet, sprich mit Bargeld zbw. Guthaben auf Zentralbankgeld.
    Alleine diese Tatsache müsste eine Umlaufsicherung von Bargeld sinnvoll erscheinen lassen. Das Bargeld muss endlich in der Realwirtschaft ankommen, …“

    Also: in der Realwirtschaft kann nur Geld ankommen (egal ob Bargeld oder Buchgeld) und ausgegeben werden was die Leute h a b e n bzw. mit Arbeit v e r d i e n t haben .
    Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, hohe Arbeitslosigkeit,
    Lohndumping, private Schulden , hohe MIeten. Wem soll da eine Bargeld(umlaufgebühr) nützen? Die schadet doch der großen Masse des Volkes nur! Viele pfeifen doch aus dem letzen Loch, haben kaum Ersparnisse, fahren trotzdem (auf Kredit) dicke Autos und manchmal sogar auf Kredit in Urlaub!
    Diejenigen die Du da im Visier hast, die Multis, große Konzerne, Banken und private Reiche, die vielleicht große Bargeldmengen „horten“, lachen sich doch einen Ast über Deine „Bargeld(umlauf)Gebühr und werden den Teufel tun in der Realwirtschaft mit Bargeld (!!) nachzufragen, bzw. die Realwirtschaft anzukurbeln!
    Die lassen, wenn sie Bargeld haben, das schön im Tresor, wechseln vielleicht auf andere Währungen und nehmen ggf. den Abschlag in D in Kauf. Diese Firmen und Leute zocken mit Buchgeld (!!) im wallstreet Casino bzw. in der Finanzwirtschaft. So läuft das.

    Um diese Firmen und die Reichen zu treffen, was ja Deine Absicht ist, benötigt man eine Finanztransaktionssteuer und eine Reichensteuer bzw. und um Längen besser die Mikrosteuer, vgl. meinen Vorbeitrag.

    1. Ergänzung zum oben Erklärten:
      https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/12/06/notfall-plan-wie-der-iwf-einen-crash-der-usa-verhindern-kann/
      “ Seit 2008 haben sie Billionen in verschiedenen Währungen gedruckt und die Leitzinsen mehr als 660 Mal gesenkt.

      So kann es auf Dauer nicht weitergehen

      Offiziell heißt es, diese Maßnahmen dienten der Ankurbelung der Wirtschaft. Das ist nachweislich falsch: Investoren haben den Löwenanteil des billigen Geldes nicht in die Realwirtschaft, sondern in die Spekulation gesteckt. Die Folge sind inflationäre Blasen an den Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten.
      Wegen ihrer Nebenwirkungen lässt sich diese Geldpolitik nicht unbegrenzt fortsetzen: Weiteres Gelddrucken wird die Blasen an den Märkten platzen lassen und dazu in eine Hyperinflation führen. Zinssenkungen bis in den Minusbereich zerstören das klassische Bankgeschäft der Kreditvergabe und zwingen traditionell konservative Anleger wie Rentenkassen und Pensionskassen, unkalkulierbare Risiken einzugehen. Noch billigeres Geld wird wegen der höheren Renditemöglichkeiten auch weiterhin in die Spekulation fließen, die Realwirtschaft wird wegen mangelnder Investitionsbereitschaft (auf Grund der viel höheren Renditen im Finanzsektor), sinkender Nachfrage (wegen der Sättigung vieler Märkte) und nachlassender Kaufkraft der Konsumenten (wegen fallender Reallöhne) nicht wieder in Gang kommen.“

      1. Minus-Zinsen entlasten Schuldner, die das freiwerdende Geld ausgeben, investieren:

        „Die „Financial Times“ berichtete 2009, dass eine Studie der US-Zentralbank „FED“ zum Ergebnis kommt, dass der ideale Zinssatz für die US-Wirtschaft (Minus) -5% wäre. Grundlage der Einschätzung war die geringe Inflation und die hohe Arbeitslosigkeit. Die Minus-Zinsen wurden anhand der „Taylor Regel“ errechnet, die nach dem US-Ökonomen John B. Taylor benannt ist.
        http://friedensblick.de/16512/studie-der-us-zentralbank-fed-wirtschaft-braucht-minus-zinsen-von-5-prozent/

  5. So wie es in Europa ein Nord-Süd-Gefälle gibt, hatte und hat Deutschland seit Jahrzehnten ein internes Süd-Nord-Gefälle. Dass Deutschland und seine DM trotzdem nicht auseinanderfielen (wie künftig evtl. die EU und ihr Euro), liegt nicht an einer besonderen deutschen Solidität oder Mentalität. (Deutschland war z.B. vor Napoleon ein Flickenteppich aus Klein- und Kleinst-Staaten.)

    Eine gemeinsame Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik war die (Mindest-)Voraussetzung dafür und wurde als solche auch vor der Euro-Einführung von vorausschauenden Experten angenmahnt – aber dann nicht wirklich ernsthaft angegangen.

    Zweite wichtige Säule in Deutschland war und ist der Länderfinanzausgleich. An Steuerkraft ärmere nördliche / östliche Bundesländer erhalten Ausgleichszahlungen von den südlichen / westlichen. Dieses System, das schon lange vor der Wiedervereinigung von Ost und West galt und in den Zahler-Ländern immer wieder zu Unmut und auch zu Gerichtsprozessen führt, wird letztlich allgemein als unvermeidlich akzeptiert.

    Aber nur innerhalb Deutschlands, obwohl unser Währungsraum jetzt die EU ist! Wir „gönnen“ den Südländern dasjenige nicht, was wir intern bei unseren „Armen“ für unvermeidlich halten.

    Nicht alle geben offen zu, dass sie die Südländer für faul und korrupt halten, obwohl genau hier die Hauptsorge liegt – aber auch zu Recht? Seit den Zeiten der Gastarbeiter-Anwerbung müsste eigentlich klargeworden sein, dass Italiener und Spanier nicht „faul“ sind und Kulturbeflissene könne ja mal im Urlaub besichtigen, wieviel mehr (und bessere) Bauwerke die zwei Länder über Jahrhunderte erstellt haben als wir.

    Und zur Korruption, wenn wir das (kleine) Griechenland mal als Sonderfall ausklammern: Der spanische Staat hatte sich nicht überschuldet, sondern seine Bürger konsumierten über ihre Verhältnisse – zur Freude und zum Vorteil deutscher Exporteure. Die Kredite hierfür gaben nicht nur spanische Banken, sondern insbesondere auch deutsche, auf deren Konten ja die Exportüberschüsse deutsche Firmen sich „stapelten“.

    Als es dann um die „Rettung“ der spanischen Banken ging, war es unsere Merkel, die die zögernde spanische Regierung mehrfach drängte, nun endlich den 100-Mrd.-Euro-Kredit der EU anzunehmen (und das Geld den Banken zu geben). Muttis Sorge war allerdings keineswegs das Wohl der Spanier oder ihrer Banken – sie wusste: Pleite gehende Banken in Spanien würden die Banken in Deutschland mit in den Abgrund reißen.

    Und in Italien mag es eine unselige Tradition von Mafia und Steuerhinterziehung geben, aber der Norden Italiens ist da viel „deutscher“ als der Süden, von dem er sich seit Aufkommen der „Lega Nord“ ja auch zeitweise trennen wollte. Inzwischen ist Italien in Sachen Finanzpolizei wesentlich weiter als Deutschland:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuerhinterziehung-warum-deutschland-eine-finanzpolizei-braucht-1.1643911

    Es ist Deutschland, das inzwischen auf Platz 9 der weltweiten Steueroasen steht, getoppt durch vermeintlich nicht-korrupte „nordeuropäische“ Länder wie Schweiz und Luxemburg:
    http://www.taz.de/!5110512/

    Wie der Artikel richtig andeutet, profitiert Deutschland vom Euro, weil durch unsere Exportüberschüsse wie zu DM-Zeiten „unsere“ Währung eigentlich unvermeidlich aufwerten (und künftige Exporte dadurch immer weiter erschweren) würde – ein natürlicher Ausgleich, der exportstarke Nationen immer wieder mal zwingt, auch mal die eigene Binnennachfrage zu fördern (und nicht nur die des Auslands anzapfen zu wollen).

    „Unsere“ Währung wird durch die EU-Südstaaten aber niedrig gehalten. Nicht niedrig genug, wie die es eigentlich bräuchten, aber niedrig genug, um uns Deutschen ungerechtfertigte Export-Vorteile zu verschaffen, durch die die Ungleichgewichte – statt abgebaut zu werden – immer weiter wachsen bis zum großen Knall.

    Da können Merkel und Schäuble noch so sehr die soliden sparsamen Schwaben geben, die sich für vorbildlich halten und alle anderen Länder zur Nachahmung ermahnen: Ohne Euro (d.h. Währungsraum wieder nicht viel mehr als Deutschland allein) werden auch wir Deutsche uns warm anziehen müssen. Der Exportweltmeister wird ohne die derzeitige künstliche Exportförderung über den „künstlich“ billig gehaltenen Euro härteren Zeiten entgegenblicken.

    1. Da stimme ich voll zu.
      Es kommt noch hinzu, dass der Kapitalexport u.a. nach Spanien während der frühen Eurojahre von hiesigen neoklassischen Ökonomen als Konkurrenzfähigkeit dieser Länder und als Mangel derselben in Deutschland fehlinterpretiert worden ist. Heute preisen Sie wieder die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Bashen die Südländer, die endlich „Reformen“ umsetzen müssten. Die Geschichte des Euro ist eine bösartige Verschwörung, in der deutsche Ökonomen in ihren sadistischen Vorurteilen bestätigt werden, bis uns ganz Europa um die Ohren geflogen ist.

  6. Bargeldgebühr nun kein Thema mehr, keine Diskussion nun die Minuszinsen.

    G.L. „Minus-Zinsen entlasten Schuldner, die das freiwerdende Geld ausgeben, investieren“
    Nein, durch Minuszinsen wird kein Geld frei, das Geld ist bereits weg, ist bereits ausgegeben.
    Und das Geld (ob nun 100 % plus Zinsen oder 95 % ohne Zinsen) muß zurückbezahlt werden.

    Wo soll denn da der Witz sein? Geld was bereits aufgenommen wurde (um ein Projekt zu realisieren, ein Auto zu kaufen, etc.) kann man nicht nochmal ausgeben.

    Ausserdem ist es völlig wirklichkeitsfremd zu postulieren, die Banken würden Geld ohne Zinsen verleihen und dann noch 5 % von der Darlehenssumme Abschlag schlucken. 5 % der Darlehenssumme aus dem Fenster werfen?

    Die Geldbesitzer zocken doch (mit dem derzeit 0 % Geld z.B. der EZB) im wallstreet Casino und werden das weiter und mit 5 % Abschlag erst Recht tun, weil da die Ausgleichchancen für eventuelle Minuszinsen sind und nicht beim Verlehen von Geld ohne Zinsen und mit 5 % Abschlag.
    Und die Habenichste (die Masser der Leute) werden dann auf ihren Spar und Girokonten mit Negativzinsen belastet und bezahlen bei Kontoüberziehung statt bisher 10 % -15 % n u r 5 %-10 % Zinsen.
    W o bitte soll bei diesem bösen Spiel der Witz sein? Was sind das für Vorschläge ?

  7. Ergänzung:
    den letzten Abschnitt in DWN nicht gelesen?

    „Zinssenkungen bis in den Minusbereich zerstören das klassische Bankgeschäft der Kreditvergabe und zwingen traditionell konservative Anleger wie Rentenkassen und Pensionskassen, unkalkulierbare Risiken einzugehen. Noch billigeres Geld wird wegen der höheren Renditemöglichkeiten auch weiterhin in die Spekulation fließen, die Realwirtschaft wird wegen mangelnder Investitionsbereitschaft (auf Grund der viel höheren Renditen im Finanzsektor), sinkender Nachfrage (wegen der Sättigung vieler Märkte) und nachlassender Kaufkraft der Konsumenten (wegen fallender Reallöhne) nicht wieder in Gang kommen.“

    1. Ja, es ist ein sehr guter Kommentar, auch menschlich schön, den ersten positiven Leserkommentaren kann ich mich anschließen. Dazu im Kontrast ist es tragisch, was im Moment im Euro-Raum passiert. Die Europäer werden gegeneinander aufgewiegelt.

  8. Aus meiner Sicht ein leicht schräger Blick einiger Kommentatoren.

    Es ist unstrittig, das sich die zuvor Währungsschwachen dank Euro mit viel und vor allem billigen Schulden eingedeckt haben. Italien hätte mit der Lira ganz andere Zinsen gefangen. So aber sind die Staatsschulden in den letzten zehn Jahren dann auch mal locker um 700 Milliarden gestiegen. Machte sich unterm Eurohut einfach. Nur, damit hat man Strukturprobleme einfach „zugeschuldet“.

    Jetzt fällt auf, das man mit der harten Währung Euro, aus der Nummer nicht mehr raus kommt. Die Italiener leiden also nicht unter dem Euro, sondern unter dem billigen Weg, den sie mit ihm gegangen sind.
    Die Kehrseite einer Gemeinschaftswährung haben sie ignoriert.

    Ganz am Rande, da immer Deutschland als der Euro Profiteur hingestellt wird. Einfach mal zur Kenntnis nehmen, das Deutschland DIE Einkaufslokomotive in der EU ist.
    Natürlich in Euro.
    Auch bei Italien ist Deutschland Einkaufsweltmeister und liegt mit einem Anteil von ca. 15 Prozent einsam an der Spitze. Der nächste Frankreich, hat schlappe 8,7 Prozent.
    Die Volkswirtschaft Deutschland ist in den meisten EU-Länder einer wichtige Säule, das dort Kaufkraft generiert wird.

  9. Die Italiener waren immer eine weiche Währung gewohnt und kamen damit gut zurecht – und das läge ihnen wohl auch künftig eher, wie der oben zitierte WELT-Artikel vermutet.
    Für uns Deutsche undenkbar; für uns muss die Währung hart und daher die Währungsunion deutsch geprägt sein. Strukturprobleme haben dann immer die anderen – und zwar genau deshalb, weil sie nicht genau so sein wollen wir.
    Merkel und Schäuble haben viel schulmeisterlichen Rat übrig, damit sie endlich so werden wie wir – Geld vom starken Vorbild gibt’s aber keines, ganz anders als im innerdeutschen Länderfinanzausgleich.

    Nicht alle können oder wollen jedoch „am deutschen Wesen genesen“. Mit dem Instrument Abwertung der eigenen Währung haben übrigens nicht nur romanische Nationen gute Erfahrungen gemacht: Die eigentlich erzkapitalistischen USA haben nach dem Börsencrash von 1929 ihre lahmenden Exporte wieder angekurbelt, indem sie 1934 durch die drastische Erhöhung des amtlichen Goldpreises den Dollar um stolze 59 Prozent abwerteten.

    Sogar die stabilitäts- und export-besessenen Deutschen sind sozusagen heimliche Abwertungs-Fans, die zu DM-Zeiten sich gegen die fällige Aufwertung zumindest stemmen wollten – wenn auch mit wenig Erfolg, während jetzt der Euro durch die Dauer-Nöte unsere südlichen Partner-Staaten verlässlich-beständig maßvoll schwächelt und es unseren deutschen Verantwortlichen mit diesem unverdienten Geschenk ermöglicht, mühelos die die ungesunde Export-ÜBERSCHUSS-Politik endlos fortzusetzen.

    Das Problem sind nämlich nicht die (hohen) Exporte an sich, sondern ihr Missverhälntis zu den (niedrigeren) Importen – und die chronische Fixierung dieses Missverhältnisses über viele Jahre. Weltweit ist die Summe aller Überschüsse exakt so hoch wie Summe aller Defizite. Ob der „Exportweltmeister“ zugleich auch „Einkaufsweltmeister“ ist, sagt allenfalls etwas aus über die Größe des Landes – wichtig ist allein der Netto-Saldo.

    Je höher und dauerhafter unsere Export-Überschüsse, desto höher und dauerhafter müssen zwangsläufig anderswo die Import-Überschüsse sein. Wer eine Währungsunion will, muss ein Gleichgewicht der Importe und Exporte zumindest als erstrebenswertes Ziel sehen und kann daher nicht egoistisch-stolzgeschwellt die eigene Überlegenheit als Dauerzustand anstreben (die zur Unterlegenheit der anderen führt).

    Und er muss als Starker wissen, dass er nicht nur Gesetzes- und andere schlaue Ideen, sondern auch ein Scherflein (Finanzausgleich) dazu beitragen muss, dass ein gesundes Gleichgewicht eine echte Chance hat, stabile Basis der Währungsunion zu sein.

    Eine (automatisch harte) Neu-DM würde uns viele Milliarden an sinkenden Exporten kosten. Wenn man das mal ausrechnen würde und nur z.B. die Hälfte (Drittel? Viertel?) einerseits in die strukturschwachen Südstaaten investieren würde und andererseits in die Importförderung (höhere deutsche Löhne), dürfte das für uns lohnender sein als auf den Crash zu warten.

    Tatsächlich tun wir aber genau nur das eine: auf den Crash warten (und hoffen, die deutsche Überlegenheit werde sich schon irgendwie fortsetzen). Für Italiener, Spanier und Franzosen ist das keine Option. Sie erkennen immer mehr, dass eine Ende mit Schrecken für sie besser ist als ein Schrecken ohne Ende. Nicht dass Euro und Währungsunion alternativlos schlecht wären – aber stur zu deutschen Bedingungen durchgepeitscht, kommen die auf keinen grünen Zweig mehr.

    1. Ich stimme Dir in der Analyse voll zu. Aber nicht in der Therapie. Die Währungsunion wird untergehen. Es kann nicht darum gehen, eine Transferunion zu etablieren. Eine faire Abwicklung oder ein deutscher Austritt sind bessere Ziele.

  10. @bekir
    Aus meiner Sicht ist deine Betrachtung leider zu ideologielastig. Deshalb auch einseitig und im Kern schlicht falsch.

    Ganz grundsätzlich, die Länder die du bedauerst, weil sie am deutschen Wesen genesen sollen, sind freiwillig in den Euro. Sie wussten auch warum. Verschuldung nunmehr leicht gemacht, wird’s ernst, werden entgegen den Regeln, alle anderen dafür bluten.
    So geschehen. Wenn ich hier schreibe, das Italien seine Staatsschulden in den letzten zehn Jahren um 700 Milliarden erhöht hat, sind das Fakten der Selbstbedienung. Eine Selbstbedienung zu Lasten der Stärkeren in einer Währungsunion. Wo ist das in deiner Analyse?
    Die scheitern also nicht wegen dem Euro, sondern wegen dem Weg, den sie mit ihm eingeschlagen haben, Staatsverschuldung statt Strukturanpassung.
    Zum Vergleich, als die DDR den Löffel abgegeben hat, waren deren Verbindlichkeiten um die 15 Milliarden Euro.
    Also Erdnüsse.

    „Eine (automatisch harte) Neu-DM würde uns viele Milliarden an sinkenden Exporten kosten.“

    Plakatives Argument. Es hebt auf die Wirkung einer Währung auf die Exportpreise ab. Das stimmt grundsätzlich. Nur praktisch übersiehst du, das Deutschland bei Euroeinführung genau mit dem Fakt konfrontiert wurde.
    Schon vergessen?
    Nach Einführung um die 1:1 zum Dollar viel die Währung, um dann durchzustarten. In der Spitze 1,5:1 zum Dollar. Also eine gigantische Aufwertung des Euro zu Lasten einer Exportnation wie Deutschland. Der Euro als Exportkiller.
    Wo sind da jetzt deine Exportzusammenbrüche?
    Es gibt eben auch Anpassungsstrategien.

    1. „die Länder die du bedauerst, weil sie am deutschen Wesen genesen sollen, sind freiwillig in den Euro. “
      Es ist dort wie überall: die Bürger wurden in das Konstrukt hineingedrängt von einer Elite, die keine ist. Kritiker wurden ins Eck gestellt. In Deutschland wurden wir noch nicht einmal gefragt. Es ist übrigens völlig klar, dass im Süden die Kritiker politisch eher von links kamen und im Norden eher von rechts, denn im Süden sind die Arbeitnehmer die Leidtragenden, also die mittlere bis untere Mittelklasse, im Norden die Besitzer von Sparbüchern, Lebensversicherungen und anderen Geldanlagen, also eher die mittlere bis obere Mittelklasse.
      Das ist aber alles kein Grund, dass Volkswirtschaften bis in alle Ewigkeit bluten und vor sich hin siechen müssen, nur weil das einmal so durchgesetzt wurde. Entweder geht die Demokratie vollends den Bach runter oder der Euro wird fallen. Da bin ich mir inzwischen ziemlich sicher.

      1. @hintermbusch
        Ich teile diese einseitige Sicht nicht.

        Die Italiener wurden nicht in was rein gedrängt, sondern ihnen wurde temporär der Arsch gerettet. Sie waren beim Eintritt Oberpleite.
        http://www.spiegel.de/politik/ausland/spiegel-kohl-kannte-risiken-des-beitritts-von-italien-zum-euro-a-831590.html

        Mit dem Euro haben sie absichtlich und gezielt ihr Aus auf Kosten der anderen Mitglieder verlängert. Offensichtlich übersiehst du, das mit den 700 Milliarden mehr Schulden in zehn Jahren, auch der Sozialstaat über Wasser gehalten wurde, der sich aus eigener Leistungskraft, gar nicht mehr finanzieren ließ. Ganz zu schweigen vom sozialistischen Versorgungsmodell, ab in den Staatsdienst.
        Der normale Italiener hat also sehr wohl von der Geldflut, und damit dem Euro als billigen Schuldenesel, profitiert.
        So wie die bei den Griechen.

        Strategisch war das auch so gewollt. Europa schwächen über Osterweiterung und Eurozwang. Die starken Wirtschaften werden über die Kollektivkeule ausgenommen und an die EU-Kette gelegt.

        1. „ihr Aus“
          Für Staaten und ihre Bürger gibt es kein „Aus“. Der Gläubiger ist immer mit im Boot und macht deshalb bei der Insolvenzverschleppung mit. Ich habe immer den Standpunkt vertreten, dass es in diesen Fragen nie ein wirtschaftliches Endspiel geben kann, sondern immer ein politisches gibt. Wenn der Gläubiger merkt, dass er dauerhaft Überschüsse produziert und dafür Kredite ausgibt, muss er sich überlegen, wie er sich entweder mehr leistet oder selbst mehr auf die faule Haut legt. Alles andere ist irrational. In Deutschland mit seinem Wahn von der „Wettbewerbsfähigkeit“ war diese Debatte immer Tabu. Den Leuten mehr gönnen: Gott behüte!
          Das muss man sich mal reinziehen:
          http://archiv.rhein-zeitung.de/on/98/04/02/topnews/euro2.html
          „aus rein populistischen Gründen“ die Wahrheit gesagt! LOL! Soviel zum Thema die Linken sind an allem Schuld.
          Aber es nützt halt alles nichts!
          Die entscheidende Frage lautet:
          Wie sehen heute die Handlungsoptionen aus?

        2. Der zitierte SPIEGEL-Artikel hat nicht viel mehr aufzudecken als die in der (1998 abgewählten) Kohl-Regierung gehegten heimlichen Bedenken gegenüber Italien. Zum Ausdruck kommen aber mehr Bauchgefühle als harte Tatsachen.

          Am Schluss des Artikels dann kleinlaut das Eingeständnis, dass auch Musterknabe Deutschland die Maastricht-Kriterien verletzt. Aber kein Wort dazu, dass die Italiener sich die ersten 7-8 Jahre Währungsunion ganz passabel „benahmen“, während in den nächstenn 4 Jahren bis zur Artikel-Abfassung (2012) durch die (nicht von den Italienern verursachte) Finanzkrise überall die Staatsschulden explodierten.

          Als wäre (anders als bei den vermeintlichen italienischen Charakterfehlern) die Finanzkrise ein Naturereignis gewesen, bei dem es keine menschlichen Verantwortlichen gibt. Und als wäre die Finanzkrise endgültig überwunden und es gäbe (außer eben bei den bösen Italienern & Co.) keine ungelösten Strukturprobleme zu betrachten, die uns in den nächsten Finanzcrah stürzen werden.

  11. Seit der Währungsunion 1999 bis zur Finanzkrise 2008 pendelte die italienische Staatsschuldenquote zwischen 100 und 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Von Verschuldungsorgie und Party zu Lasten der anderen ist da nichts zu sehen.
    Erst ab der Finanzkrise stieg die Quote auf über 135 Prozent. [1]

    In Deutschland stieg die Quote 2000 – 2006 von 59 auf 67 Prozent. Das ist im Verhältnis die größere Steigerung; außerdem riss hier selbst der Musterschüler die anfangs von ihm als heilig verteidigte Maastricht-Quote von 60 Prozent. Im Einvernehmen mit den Franzosen befreite man sich zudem von den dafür eigentlich vorgesehenen Sanktionen. Von 2008 – 2010 stieg die deutsche Quote weiter: von 65 auf 81 Prozent.

    Das ist im Verhältnis zu Italien eine Steigerung von ebenfalls ca. einem Drittel und wurde auf die Finanzkrise zurückgeführt: Staaten retten ihre privaten Banken und tragen anschließend deren Schuldenlast.

    Wer aufmerksam Nachrichten liest, merkt: Die sich in Italien jetzt anbahnende Krise ist wiederum eine Bankenkrise, die erst durch Einspringen des Staates zu seiner Krise werden wird. So wie damals Merkel sich heuchlerisch um spanische Banken sorgte (in Wirklichkeit um die deutschen), so sorgt sich derzeit Bundesbankpräsident Weidmann. [2]
    Er „schließt staatliche Bankenrettung in Italien nicht aus“, lässt er diplomatisch-gnädig verlauten, was im Klartext der Startschuss für den Schuldentransfer ist.

    Spätestens hier müsste man sich vergegenwärtigen, dass Dauer-Export-Überschüsse anderswo Dauer-Import-Überschüsse sind – und damit Konsum auf Pump.
    Die unbezahlten Rechnungen sammeln sich als Schulden bei den Banken, denn der Konsument hat ja langfristig nicht genug Geld, während der Exporteur sein Geld sehen will.

    In dieser Beziehung darf man die Banken ausnahmsweise mal nicht nur als böse Spekulanten betrachten; die Rahmenbedingungen (Handelsungleichgewicht) stammen ja nicht von ihnen und alle erwarten, dass sie die finanzielle Abwicklung der Exporte ohne Meckern vornehmen, jedenfalls sich grundsätzliche Bedenken verkneifen.

    Deutschland gleicht dem Wirt, der fleißig ausschenkt und ausschenkt. Wenn der Kunde dann stockbesoffen und pleite ist, schimpft er ihn einen Alkoholiker, der nicht Maß halten könne und nur schmarotzen wolle. Fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre.

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Staatsschuldenquote
    [2] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/geldpolitik-weidmann-schliesst-staatliche-bankenrettung-in-italien-nicht-aus-14568322.html

    1. Genau so ist es „bekir“.
      Die Gesamtverschuldung muss immer steigen. Wenn der Staat nicht die Schulden macht, dann Unternehmer oder Privatpersonen. Im Falle von Deutschland ist es das Ausland, was sich verschuldet und deutsche Produkte kauft.

  12. @roger 13.12 9:52 AM :
    Der Euro hatte in der Tat mal eine Phase des Höhenflugs. Und genau damals ging es zwar nicht vorrangig um Exportzusammenbrüche, dafür jedoch gleich um den Zusammenbruch des ganzen Ladens. Es war nämlich am Beginn der Finanzkriste und daher im Kern viel eher eine Dollar-Schwäche als eine Euro-Stärke.

    Neben (weltweiten) Fehlentwicklungen und Fehlentscheidungen kam gerade aus den USA eine verhängnisvolle Betrugswelle.
    Nicht (bzw. nicht nur) individuelle Gauner wie Madoff raubten den USA vorübergehend den Status als sicherer Hafen, sondern der Betrug hatte System bzw. das System war ein einziger Betrug: Große Massen an wertlos gewordenen US-Immo-Krediten wurden von angeblich innovativen Finanzkonzernen (Goldmann Sachs & Co.) in neuartige, angeblich risikolos-ertragreiche Wertpapiere gepackt und – von den Rating-Agenturen wider besseres Wissen mit Best-Noten versehen – den Anlegern weltweit angedreht.
    Die USA missbrauchen nämlich nicht nur die Leitwährung Dollar zur eigenen Bereicherung und Machterhaltung, sondern beherrschen mit den „Big Three“ (Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch) fast monopol-artig die Bonitäts-Benotung von Staaten und Konzernen der Welt.

    1. @ bekir
      Das kenne ich alles und da will ich auch nicht widersprechen.
      Ich hatte nur einen anderen Zusammenhang. Es war nicht die Frage, was hat damals zur Stärke des Euro geführt.

      Ich habe der Behauptung widersprochen, das eine harte DM uns Milliarden Exporte kostet. Das kann, muss aber nicht sein, wie eben mein Beweis des harten Euro gezeigt hat.

      Insofern ist das Totschlagargument mit der harten DM was plakatives und in der ständig kolportierten Einseitigkeit eben was gewollt Falsches.

      1. Wenn die (bei teurem Euro / schwachen Dollar) fällige „kleine“ Exportkrise sich in der ganz großen weltweiten Rezession bzw. Finanzkrise versteckt hatte bzw. von ihr überlagert wurde, dann kann man ihre „Unsichtbarkeit“ halt schlecht isoliert nehmen als Argument für oder gegen etwas. Insoweit wird der Vorwurf des „plakativen Totschlagarguments“ zum Bumerang.

        Im Kampf gegen die „große“ (finanzcrash-bedingte) Rezession war unsere neoliberale Austeritäts-Regierung übrigens höchst ausnahmsweise so vernünftig, Geld in die Hand und die verpönten Keynes-Werkzeuge aus dem Giftschrank zu nehmen: PKW-Verschrottungsprämie und großzügige Kurzarbeitergeld-Regelung gaben den breiten Massen Geld zur Aufrechterhaltung des Konsums, d.h. der Binnen-Nachfrage.
        Und siehe da, ein voller kunjunkturpolitischer Erfolg stellte sich ein, dessen man sich aber nicht rühmt, weil er halt so schlecht zur Ideologie passt.

      2. Außerdem sollte man nicht übersehen:
        Auch bei einem nach außen harten Euro können innerhalb des Euro-Raums zum Glück unserer deutschen Exporteure die Südstaaten nicht abwerten (zu deren Pech, aus deren Sicht).

        Ein steigender Euro verteuert also für Deutschland NICHT ALLE Exporte – eine ggf. neue, nur deutschlandweite DM würde dagegen mit ihrem Anstieg sehr wohl SÄMTLICHE Exporte verteuern!

      3. Was zu Wechselkursänderungen führt, ist für den Exporteur übrigens nicht völlig gleichgültig, denn Euro-Stärke oder Dollar-Schwäche sind nur dann austauschbar bwz. zwei Seiten ein und derselben Medaille, wenn es um Exporte vom Euro-Raum ausschließlich in den Dollar-Raum geht.

        Die ab 2004 beklagte Gefahr einer Dollarschwäche betraf daher nur die europäischen Exporte dorthin. Und erst als der entsprechend steigende Euro dann 2007 mehr als 1,35$ kostete, hatte der Euro die gleiche (Verbraucher-) Kaufkraft wie der Dollar erreicht – die ganzen Jahre zuvor war er (zum Nutzen unserer Exporteure) unterbewertet!

        Als die Krise dann mit der Lehman-Pleite 2008 voll da war, floh das Geld der Investoren zu den „sicheren Häfen“. Dazu zählte nicht der Euro, sondern – zu deren großem Leid – insbesondere der Yen, der raketenartig in die Höhe schoß. Wie gesagt, genau beim Ausbruch der Krise, als die Japaner das am wenigsten brauchen konnten.

        Das Schicksal der Japaner (jahrezehntelange Dauer-Rezession wegen eines meist viel zu hohen Yen) sollte uns „Vorbild“ sein, was eine neue DM uns bringen würde.
        Eine Weltmacht mit Leitwährung und allerlei Manipulations-Möglichkeiten sind nämlich nur die USA (und künftig ggf. China); Japaner und Deutsche sind da viel passiver den Märkten ausgeliefert.

  13. Zur den Urhebern einerseits und den Profiteuren andererseits der deutschen Export-Stärke hat die SZ einen interessanten Bericht [1], wonach die meisten Deutschen weniger besitzen als andere Europäer.
    Vergleiche zwischen europäischen Staaten hinken zwar gewaltig, da unterschiedlich gerechnet wird (bei uns erscheinen Immobilien nicht mit dem hohen echten Wert und Ansprüche gegen die gesetzliche Rentenversicherung zählen gar nicht, nur gegen private Versicherungen), [2].

    Wenn jedoch bei uns (trotz geringerer Arbeitslosigkeit) die Unterschiede zwischen Arm und Reich am größten sind, dann dürfte unsere Export-Stärke (die unübersehbar den Reichtum der Reichen anschwellen lässt) nicht nur deutschen Tugenden (Fleiß, Produktivität) zu verdanken sein, sondern dem jahrzehntelangen Lohn-Dumping. Der Verzicht des kleinen (deutschen) Mannes – angeblich notwendig gewesen, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein – subventionierte also die Extra-Gewinne der Reichen.

    Nicht umsonst war Kanzler Schröder (der „Genosse der Bosse“) stolz auf seine Hartz-IV-Gesetze und seine vermeintliche Leistung:
    „Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt“. Dass die rund 25% prekär Beschäftigten nicht auf neuen Arbeitsplätzen
    sitzen, sondern zu einem guten Teil auf umgewandelten, ehemals sozialversicherten Vollzeit-Stellen, konnte jeder Durchschnittsbürger am Beispiel Einzelhandel beobachten;
    ein Kanzler mit einer neoliberalen ideologischen Brille kann bzw. will so etwas nicht sehen.

    Dass die (deutschen) Bosse dann auch die großen Zahler sein werden, wenn nach einem großen Crash Hilfszahlungen Richtung Süden anlaufen werden, darf bezweifelt werden.

    [1] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/studie-der-ezb-die-meisten-deutschen-besitzen-weniger-als-andere-europaeer-1.3308252
    [2] http://www.nachdenkseiten.de/?p=36452#h06

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.