Frank Schäffler verkennt Grundproblematik des Geldsystems

Der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler fordert ein anderes Geldsystem. Welches System ihm vorschwebt, schreibt er in seinem Artikel nicht direkt. Er zitierte jedoch den Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises, der eine Goldbindung des Geldes befürwortete und damit eine fürchterliche deflatorische Wirtschaftskrise in Österreich auslöste.

„Mises spielte eine führende Rolle bei der Beendigung der Hyperinflation in Österreich im Jahre 1922 und war eine führende Stimme bei der Reorganisation der Österreichischen Nationalbank auf der Grundlage eines Goldstandards unter der Aufsicht des Völkerbundes.“ (wiki)

Dementsprechend analysiert Frank Schäffler die Grundproblematik im Kapitalismus: Die heutige Überschuldung ist nicht Resultat des Zinses-Zins-Effektes, nein sondern der lockeren Geldpolitik der europäischen Zentralbank, also zu geringer Zinsen! Daher betrachtet Schäffler lediglich die vergangenen 10 Jahre.

„Die weltweite Verschuldung hat in den Industrieländern in den vergangenen 10 Jahren um 50 Prozent zugenommen. Heute sind diese Länder, ihre Banken, Unternehmen und privaten Haushalte zu fast 400 Prozent zu ihrer Wirtschaftsleistung verschuldet. (…) Der Kreditboom, der durch das billige Geld der Notenbanken erzeugt wurde, führt zu Investitionen in Kapitalgüter wie Aktien und Immobilien, die es unter normalen Zinsbedingungen nie gegeben hätte.“

Stattdessen basierte die steigende öffentliche Verschuldung der europäischen Staaten auf den Banken- bzw. Euro-Rettungen im Zuge der Verschuldungskrise, die 2008 aufplatzte. Seitdem gibt es trotz des billigen Geldes bei Unternehmen oder privaten Haushalten eben keinen „Kreditboom“. Im Gegenteil die Wirtschaft leidet unter einer deflatorischen Entwicklung!

Es gibt stark steigende Grund- und Bodenpreise, da die Reichen ihre angelegten Gelder umschichten, weg von niedrig-verzinsten mittel- und langfristigen Geldanlagen, hin zu Sichtguthaben.

Zu einer möglichen Propagierung der Goldbindung des Geldes würde auch diese (falsche) Darstellung von Frank Schäffler passen: Geschäftsbanken würden Kredite „aus dem Nichts“ schaffen, nicht auf Grundlage zuvor gebildeter Sparvermögen.

„Investitionen finden nicht auf der Grundlage von zuvor gebildeten Sparvermögen statt, sondern beruhen auf Krediten aus dem Nichts, die Banken per Knopfdruck erzeugen.“

Mit einer Goldbindung des Geldes wäre ein wirtschaftlicher Niedergang vorprogrammiert. Es würde zu einer Weltwirtschaftkrise wie 1929 kommen. Damals kam es zum „Wunder von Wörgl“, dank Freigeld:

Ein Gedanke zu „Frank Schäffler verkennt Grundproblematik des Geldsystems“

  1. Sehr geehrter Herr Lehle, lese gerade Ihren Kommentar zu meiner Kolumne bei Tichy. Ich bin zwar ein großer Anhänger der Österreichischen Schule und damit auch von Ludwig von Mises, aber nicht so sehr des Goldstandards. Ich halte ein Modell des free banking und des Geldwettbewerbs für krisenfester. Dazu habe ich auch ein Buch geschrieben: Nicht mit unserem Geld – Die Krise des Geldsystems und die Folgen für uns alle, Finanzbuchverlag München. In einem Modell des Geldwettbewerbs würde es auch ein Modell „Wörgl“ geben können, obwohl ich es für grundfalsch halte. Gruss Frank Schäffler

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