11. September: US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld desertierte während Anschläge, Teil 4

Die Schaltzentrale des US-Militärs, das NMCC, brauchte die Erlaubnis von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, Kampfflugzeuge gegen die angreifenden Flugzeuge einzusetzen. Um 09:39 verlangte es, dass Rumsfeld in ihrer Telefonkonferenz teilnimmt, Begründung: „Ein Luftangriff auf die USA dürfte im Gang sein“. Doch Rumsfeld ist nirgends zu finden.

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Nach dem ersten Flugzeugeinschlag um 08:46 befand sich der Verteidigungsminister in seinem Büro im Pentagon. Dort verblieb er bis Flug 77 um 09:37 ins Pentagon flog, während er dort von einem CIA-Agenten unterrichtet wurde. Er begab sich nicht zum NMCC, obwohl er von Mitarbeitern über den zweiten Flugzeugeinschlag, 09:03, informiert wurde. Seine Begründung: Er wollte noch ein paar Telefonanrufe machen und bei seiner regulären Besprechung mit dem CIA-Agenten bleiben. Das ist unglaublich, war doch klar, dass das Land gerade angegriffen wird („America under attack“)!

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Kurz nach 09:37 machte sich Rumsfeld zum Einschlagsort auf, wo Flug 77 in das Pentagon flog. Dies teilte er jedoch seinem Stab nicht mit. Er ist bis 10:00 wegen technischer Schwierigkeiten nicht erreichbar, für geschlagene 20 Minuten. Ein Regierungsmitglied aus dem weißen Haus kommentierte sein Verhalten folgendermassen:

„Was tat Rumsfeld am 11. September? Er desertierte seinen Posten. Er verschwand. Das Land wurde angegriffen. Wo war der Junge, der Amerikas Verteidigung kontrollierte? Nicht erreichbar. („out of touch„)“ Cockburn, 2007, S. 2-4

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Erst gegen 10:00 kam Rumsfeld zurück und redete telefonisch mit Präsident Bush, erstmals seit Beginn der Anschläge! Laut der 9/11 Kommission wurde bei diesem Gespräch eine Abschuss-Genehmigung nicht thematisiert. Auch diese Aussage ist unglaublich: Der US-Präsident und Verteidigungsminister haben zusammen die absolute Befehlsgewalt über die Streitkräfte, die sogenannte „National Command Authority“. Erst um 10:30 trudelte er im NMCC ein!

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Im Jahr 2007 konnten sich Rumsfeld und Bush offenbar wieder erinnern, doch über eine Genehmigung gesprochen zu haben. In dem Buch „Dead Certain“nimmt uns Robert Draper mit ins Innere von Bushs weißem Haus und schreibt:

„Nachdem (Bush) schließlich Rumsfeld erreichte und den Abschuss-Befehl mit ihm diskutierte, rief Bush Cheney zurück. „Darauf kannst Du wetten“, sagte er. „After finally getting hold of Rumsfeld and discussing the shoot-down procedure with him, Bush called Cheney back. „You bet,“ he said.“

Das seltsame Verhalten von Rumsfeld könnte nicht nur seltsam sein, sondern eine gezielte Sabotage, letztlich Hochverrat bedeuten. Ist es nicht verwunderlich, dass in seiner ersten öffentlichen Stellungsnahme nach dem 11. September Rumsfeld indirekt jemand anderen die Verantwortung zuschob?

„Sekretär der Armee Tom White, der die Verantwortung für Fälle wie diesen als „executive agent“ für das Verteidigungsministerium hat, begleitet mich auch.“

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Tom White erhielt erst am 31. Mai 2001 die Position und wurde nach dem 11. September gefeuert – offiziell wegen Meinungsverschiedenheiten mit Rumsfeld in Aufrüstungs-Angelegenheiten.

Neben der FAA hätte eine Person den Start von Abfangjägern anfordern können: Der Generalstabschef der US-Streitkräfte genannt „Chairman of the Joint Chiefs of Staff“.

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Darüberhinaus war das NMCC verpflichtet, bei Entführungen den Generalsstabschef in die Befehlskette einzubinden, auch dann wenn Rumsfelds Genehmigung vorhanden gewesen wäre.

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Wer und wo war Generalstabschef der Streitkräfte?

Richard Myers war zu der Zeit noch Vize-Generalstabschef. Jedoch befand sich der amtierende gerade auf Auslandsreise. Daher war Myers in dem Moment der höchste Soldat der Streitkräfte.

Zwischen 08:30 und 08:50 befand sich Myers im Pentagon beim Frühstück mit Donald Rumsfeld, zusammen mit weiteren hochrangigen Militärs und Politikern, zufolge der Aussage des Sekretärs der Armee John White. Während dieses Treffens wurde darüber geredet, dass das Militärbudget seit dem Fall der Berliner Mauer verringert wurde. Laut Aussage des republikanischen Politikers Mica drehte sich das Gespräch dann über einen „Vorfall“ und „was wir mit dieser Situation machen würden“. Rumsfeld hätte angedeutet, dass sie vorbereitet sein sollten auf einen solchen Vorfall, den sie möglicherweise nicht erwarten würden.

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Richard Myers fuhr anschließend zum Senat; er hatte um 9 Uhr eine Verabredung mit einem demokratischen Kongressabgeordneten, Max Cleland. Als er dort ankam, erfuhr er vom ersten Flugzeugeinschlag und dachte an einen Unfall. Cleland und er machten sich eine Tasse Tee.

Danach fangen die Widersprüche von Myers an:

Die erste Version von Myers, 5 Wochen nach dem 11. September, war, dass „niemand sie informierte“ über den zweiten Flugzeugeinschlag; erst als sie das Frühstück gegen 09:30 beendeten, „es offensichtlich wurde“.

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Im Jahr 2003 redete Myers in seiner zweiten Version davon, dass, als der zweite Turm getroffen wurde, sie wussten, das „etwas los war“, und er deswegen zum Pentagon zurückeilte.

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Im Jahr 2009 veröffentlicht Myers seine Memoiren, dritte Version:

Kaum hätten Cleland und er einen Schluck Tee getrunken, als ein Mann ins Büro kam und sie informierte, dass der zweite Turm getroffen wurde. Dann sahen sie im Fernsehen den brennenden Südturm.

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Laut Aussage von Cleland, blieben sie in seinem Büro bis etwa 09:30. Diese Aussage wird indirekt von Myers bestätigt, denn laut ihm wäre er vom Pentagon-Anschlag (09:37) informiert worden, als er das Senatsgebäude verliess. 

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Den Darstellungen von Cleland und Myers wird widersprochen durch die Aussage von Richard Clarke, dem Anti-Terrorbeauftragten der Bush-Regierung. Er hätte Myers während einer Videokonferenz bereits um 9:10 gesehen.

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Richard Clarke schrieb in seinem Buch, dass er um 09:28 mit Myers über den Start von Abfangjägern geredet hätte.

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Wo ist Myers nach dem Pentagon-Einschlag?

Laut Aussage von Myers wäre er vom Pentagon Einschlag informiert worden, als er das Senatsgebäude verliess, und in Richtung Pentagon zurückwollte.

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Das NMCC fragte um 09:46 im Büro von Myers nach, wo er sich befände. Das Büro antwortete, dass es es nicht weiß. Wann genau Myers im NMCC eintrudelte, ist bis heute unklar. Irgendwann zwischen 09:55 und 10:30!

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Die Sabotage bestand darin, die Befehlskette zu brechen: Die Luftstreitkräfte bekamen in der entscheidenden Zeit nicht Rumsfelds Genehmigung, Abfangjäger den entführten Maschinen hinterherzuschicken. Darüberhinaus war der kommissarische Generalstabschef Myers abwesend, obwohl er eine mitentscheidende Rolle in der Befehlskette spielte. Ende Teil 4

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