Manipulierten Polizisten Zeugenaussagen über Florian Heilig?

Die Behörden von Baden-Württemberg und der NSU-Untersuchungs-Ausschuss sind überzeugt, dass sich der 19-jährige Florian Heilig mit Benzin selbst verbrannt hätte, kurz vor seiner Vernehmung durch das Landeskriminalamt (LKA) zum Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter. Wichtige Stütze dieser Version sind zwei Zeugenaussagen, laut denen sich Heilig kurz vor seiner (angeblichen) Selbstverbrennung einen Benzinkanister kaufte und ihn an einer Tankstelle befüllte. Die Zeugen hätten dies während einer gemeinsam Fahrt von Heilbronn zur gemeinsamen überbetrieblichen Ausbildungsstätte in Geradstetten beobachtet. 

Unstrittig ist, dass Florian Heilig Mitschüler in seinem Auto mitnahm. Die Fahrt ging am 15.09.13 in Heilbronn gegen 18:00 los und endete in Geradstetten, wo Heilig die Mitfahrer absetzte. Was danach passierte, ist völlig unklar. Laut der Polizei wäre er zum Stuttgarter Festplatz „Wasen“ gefahren, wo sein Auto mit ihm gegen 09:00 Vormittag in Feuer aufging.

Trotz der zwei Zeugenaussagen konnte die Polizei die betreffende Tankstelle nicht ausfindig machen. Die Zeugen verstrickten sich in ihren Aussagen vor dem U-Ausschuss von Baden-Württemberg in grundsätzliche Widersprüche. Zum anderen widersprechen ihnen indirekt auch die Aussagen und Ermittlungen eines in Eigenregie ermittelnden Polizisten.

Erste Ermittlungen widersprechen Zeugenaussagen

Kriminalhauptkommissar Robert M. war „bei einer ersten Vernehmung im Bereich Geradstetten“ am 16.09.13 dabei. Die Abgeordneten fragten nicht, welche Schüler befragt wurden. Der vernehmende Polizeibeamte war Herr „D. V.“, der bisher nicht vom U-Ausschuss geladen wurde. 

„Um die Mittagszeit“ fingen die Vernehmungen an. Sie sprachen „mit dem Leiter der Schule“, „mit dem Werkslehrer, und dann meiner Erinnerung nach eine Vernehmung gemacht mit einem Mitfahrer von F. H., des Abends.“

Dagegen steht die Aussage des Mitfahrer Philip R.. Es hätte am Montag keine Vernehmungen gegeben, stattdessen hätten sie die die Nachricht vom Tod Florian Heiligs in den Nachrichten gehört! Bei Nachfrage verbessert er sich, er hätte es stattdessen „irgendwie mitbekommen“.

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Im Anschluss an die Zeugenvernehmungen wurde das Zimmer von Heilig in der Ausbildungsstätte durchsucht, „ob irgendwelche Sachen wie ein Abschiedsbrief oder so was zu finden wären.“

„Das war alles negativ.“

Daraufhin überprüfte Robert M. auf Eigeninitiative hin die Videoaufzeichnungen der Überwachungsanlage an der Shell-Tankstelle an der „Wasen“.  

Diese Darstellung deckt sich mit der Aussage des Vaters von Florian Heilig. Er teilte dem Ausschuss mit, dass am 16.09.  Polizisten ihm mitteilten, dass sein Sohn an dieser Tankstelle Benzin kaufte und dementsprechende Aufnahmen der Videoüberwachung existierten.

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Wann die Auswertung der Videoaufnahmen stattfand, grenzte Kriminalhauptkommissar Robert M.  zwischen 16.- und 18.09.13 ein. An das genaue Datum kann er sich nicht erinnern.

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In den gesichteten Videoaufnahmen (Sonntagnachmittag bis Montag früh) wurden jedoch …

„… keine Hinweise gefunden auf das Fahrzeug, das dort gewesen ist, in der gesamten Zeit, die ich ausgewertet habe.“ 

Er hat keine Erinnerung, wie es dazu kam, dass er die Videoaufzeichnungen überprüfte, er legte auch keine Aktennotiz an.

Z. R. M.: Vielleicht haben sie es mitbekommen, dass ich das mache. Das ist schon möglich, ja. Aber ich weiß nicht mehr, mit wem ich das besprochen habe, dass ich das tue, und ich weiß auch nicht mehr, wem ich das Ergebnis direkt gesagt hab.

Dann hätte Robert M.  erfahren, dass der Kanister „woanders gekauft wurde oder wahrscheinlich gekauft wurde.“

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Der Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Drexler fasste zusammen, dass erst „durch die Nachermittlungen festgestellt wurde, „wo der Kanister gekauft wurde“, „das ist auf jeden Fall nicht die Shell-Tankstelle“.

„Das hat man damals aber noch nicht gewusst, sage ich mal.“

Die Mitschüler bzw. Mitfahrer von Heilig können also bei ihrer ersten Vernehmung das Auftanken des Benzinkanisters nicht ausgesagt haben! Ein Blick auf den Routenplaner zeigt, dass die Shell-Tankstelle an der Stuttgarter „Wasen“ nicht auf dem Weg zwischen Heilbronn und Geradstetten liegt.

Wolfgang Drexler fragte Robert M., ob denn Heiligs Mitfahrer „von einem Kanisterkauf gar nichts erwähnt“ hätten.  Der Polizeibeamte kann sich nicht erinnern.

Z. R. M.: Ich weiß es nicht, ich kann es nicht mehr sagen, wann das mit dem Kanister aufkam. (…).“

Bis heute ist unklar, welche Route Florian Heilig mit seinen Mitfahrern von Heilbronn nach Geradstetten nahm und an welcher Tankstelle die (angebliche) Auffüllung des Kanistern erfolgte.

„Abg. Matthias Pröfrock CDU: Die Frage nach der Tankstelle, wo der Benzinkanister gekauft wurde, bzw. nach dem Burger King, wo gegessen sein worden soll.
Z. A. K.: Ja, da hat, glaube ich, entweder der Kollege W. oder der Kollege V. nachgeguckt, was das gewesen sein könnte, sind aber auf keinen grünen Zweig gekommen.“ (die-anstifter)

Der Abgeordnete Matthias Pröfrock CDU weist auf einen gegenteiligen „internen Vermerk“ in den Polizeiakten hin, dort steht frech:

„Wir wissen ja schon, wo es gekauft wurde.“ Nur: Die ermittelnden Beamten haben hier alle ausgesagt, sie wüssten nicht, welche Route sie damals genommen haben. (die-anstifter)

Der Ausschuss verhörte auch Kriminaloberkommission Jörg B., der mit Ermittlungen im Fall Florian H. betraut war und familiäre Kontakte zu Mitgliedern des Ku Klux Klans hatte. Zufälligerweise machte er gerade ein Praktikum im Bereich „Brandermittlungen“ und war deshalb am ausgebrannten Wagen Heiligs an der Stuttgarter „Wasen“ am arbeiten.

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Er stellte im Gegensatz zur Feuerwehr Benzingeruch im Auto fest.

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Er überbrachte am 16.09.13 auch die Todesnachricht der Familie Heilig und behauptete wahrheitswidrig, dass Florian Heilig an der Shell-Tankstelle an der Stuttgarter „Wasen“ den Kanister aufgetankt hätte. Die Abgeordneten fragten ihn nicht, von wem er diese Fehlinformation hatte. Die Mitfahrer Heiligs konnten dies nicht ausgesagt haben.

Immerhin fragte der Abgeordnete Dr. Ulrich Goll, ob ihm das „Stichwort Videoaufzeichnung irgendetwas“ sagt.

Als Antwort verweist Jörg B. dreist auf die Zeugenaussage über die Betankung in einer Shell-Tankstelle in Bietigheim! Aber er könne sich nur „vage erinnern“. Die Abgeordneten hinterfragen nicht, warum er Bietigheim mit Stuttgart verwechselt, genauso fragen sie nicht, ob die Überwachungsvideos der Shell-Tankstelle in Bietigheim überhaupt überprüft wurden. 

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.Nachträglich erfundene Betankung, Zeugenmanipulation?

Zufälligerweise nach der erfolglosen Überprüfung der Videoaufzeichnung der Tankstelle an der „Wasen“, fuhren am 18.09.13 Jörg B. und Kollege „W.“ nach Geradstetten. Sie führten eigene Zeugenbefragungen durch, „um gewisse Informationen zu erlangen.“ Die Abgeordneten hinterfragten partei-übergreifend den Vorgang nicht, in unglaublicher Naivität und Gutgläubigkeit. Eine polizeiliche Zeugenbefragung fand in Geradstetten bereits am 16.09.13 statt, die keine Hinweise auf eine Betankung lieferte.

Offenbar erst jetzt, bei der zweiten Befragung, erinnert sich der Zeuge R. an die Betankung des Benzinkanisters, in Bietigheim!

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Der Ausschuss lässt sich von Zeugen hinters Licht führen

Der Ausschuss befragte deshalb gleich zwei Mitfahrer, die mit Heilig von Heilbronn nach Geradstetten gefahren wären: Phillip R. und Mehmet A..

Hier taucht schon die erste Ungereimtheit auf: Kriminaloberkommission Jörg B. erwähnte Mehmet A. nicht als einen der Mitfahrer! 

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Auch Phillip R. dementierte, dass Mehmet A. in der Fahrt dabei gewesen sei.

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Dagegen behauptet Mehmet A., dass er mitgefahren wäre.

Mehmet A. sagte, dass Heilig einen Benzinkanister auffüllte, in einer Tankstelle „vor Ludwigsburg“, „in Heilbronn irgendwo“. Er kann sich nicht an die Tankstelle erinnern.

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In seiner Vernehmungsakte steht dagegen, dass er nur von Erzählungen von Mitschülern wusste, dass Heilig einen Benzinkanister auffüllte.

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Wie kann es sein, dass sich Mehmet A. als Mitfahrer in den Ausschuss einschwindeln kann? Welche Motivation hat Mehmet A.? 

Warum befragte der Ausschuss den offensichtlich lügenden Zeugen überhaupt und schickte ihn nicht direkt in Beugehaft? Warum wurden die zwei weiteren Mitfahrer stattdessen nicht befragt? 

Der U-Ausschuss befragte einen zweiten Mitfahrer, Philip R.:

Entgegen der Aussage von Kriminaloberkommission Jörg B. sagte Philip R. aus, dass er nicht der Beifahrer von Florian Heilig gewesen sei, sondern hinten links sass. Der Beifahrer wäre M.R. gewesen. Neben Philip R. sass M.S..

Florian Heilig hätte sich erst verfahren, dann wäre er „hinter Ludwigsburg“ von der Autobahn abgefahren und hätte an einer Tankstelle gehalten, an die er sich nicht erinnern kann.

„Vorsitzender Wolfgang Drexler: Können Sie sich noch erinnern, wo denn die Tankstelle war? War es eine Shell-Tankstelle? War es eine Aral? Können Sie sich daran noch entsinnen?

Z. P. R.: Kann mich nicht mehr erinnern. Ist auch schon – – War ja im Herbst 2013.“

Dort hätte sich Heilig einen Benzinkanister gekauft und ihn mit 10 Liter aufgefüllt. Der Zeuge hätte den Auffüllungsprozess „verfolgt“ und wäre sogar zusammen mit Heilig an der Kasse gestanden.

„Z. P. R.: Das war – – Ich stand mit ihm – – Wir standen an der Kasse, und da ging es halt um die 10 l.“

In dem Vernehmungsprotokoll von R. steht dagegen, dass 7,9 Liter getankt worden wären.

Der Zeuge kann sich nicht an den gezahlten Betrag erinnern, obwohl er ja mit Heilig an der Kasse stand!

„Abg. Jürgen Filius GRÜNE: Wie viel Geld das dann war, haben Sie das vielleicht noch in Erinnerung? 

Z. P. R.: Wie viel Geld das war?

Abg. Jürgen Filius GRÜNE: Weil normalerweise sagt man an der Kasse den Zahlungsbetrag und nicht die Literangabe.

Z. P. R.: Nein, also wie viel Geld das war, weiß ich jetzt nicht.“

Anschließend hätten sie in einem Burger King gegessen. Wo der Burger King war, in welcher Stadt, ist dem Zeugen nicht erinnerlich, denn: „Es war sehr dunkel.“

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.Philip R. kannte Florian Heilig, wie übrigens auch der Zeuge Mehmet A., erst seit zwei Wochen. Ab Beginn der zweiten Woche hätten sie eine Veränderung festgestellt: Florian Heilig hätte manchmal auf Ansprache „gar nicht mehr reagiert“. Er wäre verändert gewesen. Mehmet A. beschreibt Heilig seit Beginn der zweiten Woche als verändert: Lustlos, zittrig, Heilig „hat gar nichts mehr gemacht.“ 

In seinem Whats-App. Profil hätte Florian Heilig indirekt seinen Selbstmord angekündigt, er würde nicht mehr zurückkommen. Die Polizei hätte laut Philip R. die Nachricht „abfotografiert“.

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Kriminaloberkommission Jörg B. sagte aus, er Heiligs Selbstmord-Ankündigung nicht selbst „eingesehen“ hätte, sondern sein Kollege.

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.Dazu im Gegensatz bemerkte das persönliche und familiäre Umfeld von Florian Heilig keine Anzeichen einer Selbstmordabsicht. Heiko W. traf ihn beispielsweise wenige Tage vor seinem Tod und bezeichnete dessen Verhalten als „normal“. Sie hätten sich sogar für kommende Woche verabredet. (die-anstifter)

Die Schwester Heiligs bemerkte gegen 12 Uhr nachts, dass ihr Bruder einen für ihn untypischen WhatsApp-Status veröffentlichte. Obwohl er die Sängerin „Nena“ nicht hörte, zitierte er sie: 

„Du weißt nicht, was du morgen erlebst, du weißt nicht, ob du morgen noch lebst.“ An dem Punkt möchte ich eine Anmerkung machen. Wenn man dieses Zitat bei Google oder so eingibt, dann kommt da, dass es ein Lied von der Nena ist. Noch eine Bemerkung: An der Beerdigung von der M. K. lief auch ein Lied von Nena.(…)

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