Professor Dirk Löhr begründet bodenwertbasierte Grundsteuer

Dr. Dirk Löhr ist Professor für Steuerlehre und ökologische Ökonomie an der Fachhochschule Trier. Er veröffentlichte eine ganze Reihe von interessanten Artikeln in seinem Blog „Rent-Grabbing„. Vor kurzem stellte er im Internetportal „Telepolis“ „Die beste von allen schlechten Steuern“ vor: Eine reformierte Grundsteuer, deren Höhe sich am Bodenwert orientiert. Überraschenderweise kritisierten die meisten Kommentatoren den Vorschlag scharf. Auf diese Kritik wird hiermit eingegangen, indem aus verschiedenen Blogbeiträgen Löhrs zitiert wird.
..
Kritik entzündete sich in erster Linie an der verständlichen Befürchtung, dass die Reform die teilweise sehr hohen Mieten weiter erhöhen könnte. Der Grund- und Bodenbesitzer könnte seine Belastung einfach auf die Mieter weitergeben. In diesem Zusammenhang wird zurecht darauf hingewiesen, dass Steuern und Abgaben bis zu 70% der Arbeitseinkommen verschlingen.
..
Dabei teilt Prof. Löhr diese Kritik an der ungerecht hohen Belastung der Bürger. Immer wieder weist er in Artikeln auf die entscheidende Schwachstelle des Steuerstaates hin:
..
Von der Allgemeinheit geschaffene Werte werden privatisiert, privat geschaffene Werte dagegen sozialisiert. 
..
Machtvolle Interessensverbände erzielen Monopolgewinne, auf Kosten der Allgemeinheit!

Zum Beispiel sind das Mieteinnahmen aus besten Lagen in Innenstädten. Erst die Arbeit des Staates und der Allgemeinheit schaffen die hohen Bodenwerte. Von den Einnahmen daraus, von der Bodenrente, profitieren jedoch die Grund- und Bodenbesitzer, die verpachten, mit Grund und Boden spekulieren, Miete kassieren oder dort selbst lukrative Unternehmen betreiben. Der Teil ihres Gewinnes, der von der Bodenrente herrührt, hat nichts mit ihrer unternehmerischen Fähigkeit zu tun, sondern wurde überhaupt erst durch Steuern möglich gemacht. Prof. Löhr führt aus:
..
„Nehmen wir an, Hans sucht eine Mietwohnung in Hamburg oder München. Zuerst muss sich Hans in eine unglaublich lange Schlange von Wohnungssuchenden einreihen. Dennoch soll Hans – im Glück – den Zuschlag erhalten. Nun darf er eine Wuchermiete an den Eigentümer der Immobilie abdrücken. Diese beträgt vielleicht das fünf- bis siebenfache der Miete in Gelsenkirchen oder Salzgitter.
.
Wofür aber zahlt Hans diese hohe Miete? Sind die Häuser in Hamburg oder München stabiler und besser gebaut oder haben sie eine bessere Ausstattung? Mitnichten. Sind die Ziegelsteine, der Mörtel, die Stahlträger oder die Bauarbeiter in München und Hamburg so viel teurer als in Gelsenkirchen oder Salzgitter? Wäre dies der Fall, würde man sich beim Bau des Hauses das entsprechende Material und die Arbeitskraft eben aus Gelsenkirchen oder Salzgitter besorgen. Hans zahlt einzig und allein für den Standort, dessen Eigentümer höhere Bodenerträge – also eine höhere „Bodenrente“ – als in Gelsenkirchen oder Salzgitter einfordern.
.
Aber wer macht die Bodenrente? Die besagten Eigentümer der Grundstücke? Hamburg hat einen wunderbaren Blick auf ein Gewässer – noch schöner ist vielleicht der Blick auf das Meer an der Küste Somalias. München bietet einen wunderbaren Blick auf die Berge, noch besser ist aber der Blick auf den Hindukusch. Dennoch sind Bodenrenten und Bodenwerte in Hamburg und München offensichtlich wesentlich höher als an der Küste Somalias oder am Hindukusch. In Hamburg und München wird nämlich öffentliche Sicherheit großgeschrieben, es gibt ein funktionierendes Gesundheitssystem, es existiert eine erstklassige Infrastruktur, und zudem ballen sich Industrie, Gewerbe sowie hoch spezialisierte Dienstleistungen. Diese und andere Vorteile entstehen durch öffentliche und gemeinschaftliche Anstrengungen, nicht durch besondere Leistungen der Bodeneigentümer. Nur aufgrund dieser hat Hans die hohen Bodenrenten zu bezahlen – und zwar an den privaten Bodeneigentümer.
.
Hans im Glück hat einen Job, so dass von seinem Arbeitgeber Lohnsteuer einbehalten wird. Er kauft ein, und bei fast jedem Einkauf ist Umsatzsteuer fällig.
.
Aber wie werden die Steuereinnahmen verwendet? Zu einem hohen Teil für öffentliche Infrastruktur, Sicherheit, Bildung, Gesundheit – kurz, für alles, was am Ende das Grundstück seines Vermieters in Wert setzt. Hans darf damit doppelt zahlen: Die Bodenrente in der Miete direkt an seinen Vermieter, und die Kosten der Inwertsetzung für das Grundstück an den Staat – was dem Vermieter indirekt zu Gute kommt. Nutznießer ist also in beiden Fällen der Grundstückseigentümer, ohne dass dieser einen Finger gekrümmt hätte.“ (Rent-Grabbing: aus „Luxemburg: Die Steueroase am Pranger„)
..
Daher schlägt Prof. Löhr vor, dass die Bodenrente gezielt besteuert wird und beschreibt, wie sie abgeschöpft werden könnte. In seinem telepolis-Artikel bringt er das Beispiel der Bodenwertzonen in der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao, im heutigen China. Er zeigt einen alten Stadtplan des damaligen Reichsmarineamtes, zu sehen ist die Hafenstadt Tsingtau. Die zu zahlende Grundsteuer hing vom Bodenwert ab. Je näher am Hafen, desto höher war offensichtlich die Steuer.
.
Höhere Mieten wegen bodenwertbasierter Grundsteuer?
.
Diese Steuer würde nicht zu Preissteigerungen in den Mieten, der Pacht, den Grundstückpreisen etc. führen, im Gegenteil. Immobilien-Spekulationen würden die Gewinnmöglichkeiten genommen. Da dem Grund- und Bodenbesitzer keine Kosten für die Bodenrente entstehen, kann er ohne Pleite zu gehen auf sie verzichten. Die Bodenrente ist leistungsloses Einkommen. Sie der Rest des Gewinnes, der übrigbleibt, wenn Kosten für Kapital und Arbeit vom Gewinn abgezogen werden. Wenn der Grund- und Bodenbesitzer jedoch die bodenwertbasierte Grundsteuer auf die Miete, Pacht oder seinen Preisen aufschlagen würde, dann würde er Mieter und Pächter verlieren oder die Nachfrage nach seinen Angeboten würde zur Konkurrenz ausweichen, zur Not in der Randzone, weit ab vom Schuss. Der erzielbare Preis am Markt wird von dem Grund- und Bodenbesitzer bestimmt, der „gerade noch kostendeckend“ wirtschaftet (Grenzkosten).
.

„Anders als herkömmliche Steuern entmutigen und verzerren Abgaben auf die Bodenrente die wirtschaftliche Betätigung nicht. Abgaben auf die Bodenrente sind – anders als die heutigen Steuern – neutral, wenn sie durch eine entsprechende Landnutzungsplanung flankiert werden. Mit ihnen gehen dann weder positive noch negative Zusatzlasten einher. Die Öffentlichkeit, die Bodenrenten und Bodenwerte geschaffen hat, bekommt diese wieder zugewiesen. Viele Fehlentwicklungen, die sich ansonsten aus der Entkopplung von Nutzen und Kosten ergeben („Rent Seeking“), können so vermieden werden. Dwyer (2014) bezeichnet daher die Abschöpfung der Bodenrenten sogar als „super-neutral“. Und: Nach dem u.a. von Arnott und Stiglitz (1979) formalisierten Henry George-Theorem lassen sich allein durch die Abschöpfung der Bodenrente die fixen Kosten des Kernstaates finanzieren.“ (Postwachstum)

Ein erwünschter Nebeneffekt wäre, dass mit der reformierten Grundsteuer der Hortung von Grund und Boden, die Immobilienspekulation, die Grundlage entzogen werden könnte. Besitzer von Grund und Boden werden sanft gezwungen, ihre Flächen einer Nutzung zuzuführen. Die Immobilienpreise würden sinken und damit auch die Mieten.
.
„Beispiel Göppingen: In den vergangenen zehn Jahren hat die Stadt 2000 Einwohner verloren. Bis zum Jahr 2030 soll ihre Zahl noch einmal um 1500 auf dann unter 54 000 fallen. Dennoch gibt es nicht genügend Grundstücke – 50 Familien stehen derzeit auf der Warteliste.Die Gemeinde versucht, mit Maßnahmen wie Bauverpflichtungen für Neubaugebieten oder der Androhung des Entzugs des Baurechts bei offensichtlicher Hortung dem Missbrauch Einhalt zu gebieten.
.
Doch warum solche Kaliber? Viel sanfter könnte doch ein Nutzungsdruck durch eine Reform der Grundsteuer erreicht werden, wie ihn die Initiative “Grundsteuer: Zeitgemäß!” vertritt. Grundstückseigentümern, die ihre Grundstücke brach liegen lassen, erwächst durch eine am Bodenwert orientierte Steuer, die unabhängig von der konkreten Nutzung erhoben wird, dieselbe Belastung wie jemandem, der das Grundstück optimal nutzt (“Highest and best use”). So entsteht ein Druck, das Grundstück entweder selbst zu nutzen oder an einen Nutzungswilligen zu verkaufen – ganz ohne wilde Drohungen, sozusagen auf die “sanfte Tour” korrigiert die Bodenwertsteuer so Marktversagen.“
.
Prof. Löhr kritisiert die „zweifelhafte Logik“ der Politiker. Statt gezielt die Bodenrente abzuschöpfen, werden Mietbremsen eingeführt und Vermieter gesetzlich gezwungen, den von ihnen beauftragten Makler selbst zu bezahlen (Bestellerprinzip). Es wird damit nur an den Symptomen herumgedoktert. Das Prinzip der Politiker ist:
.
„Gefallen uns die ökonomischen Gesetze nicht, setzen wir sie einfach per Dekret außer Kraft. Mag man beispielsweise Mietpreissteigerungen als Resultat der Knappheiten auf dem Wohnungsmarkt nicht, handelt die Politik mit einer Mietpreisbremse. Das Gleiche gilt für das Bestellerprinzip. Dass es hier zu massiven Ausweichhandlungen kommen wird, ist abzusehen. Problem gelöst? Machen wir doch so weiter: Bekämpfen wir die Arbeitslosigkeit, indem wir ein Recht auf Arbeit in das Grundgesetz schreiben.  Bekämpfen wir das Lohndumping durch einen Mindestlohn (wenngleich dies von allen genannten Maßnahmen vielleicht noch am meisten Sinn ergibt).“
.

Eine Konsequenz dieser Entwicklung ist, dass „gerade die größten Städte (mit wenigen Ausnahmen) am höchsten verschuldet“ sind.

„Die Attraktivität der (kreisfreien) Städte ergibt sich aufgrund ihrer zentralörtlichen Funktionen. Hier stehen Infrastruktureinrichtungen wie Theater, Hochschulen, Krankenhäuser, hier gibt es auch Einkaufszentren und ein buntes Nachtleben. All dies treibt die Bodenrenten nach oben. Tatsächlich kommt dieses Finanzierungspotenzial aber den (kreisfreien) Städten nicht zugute. Oftmals profitieren vielmehr die Kommunen im „Speckgürtel“ des Umlandes, während die großen Städte die immens hohen fixen Kosten der zentralörtlichen Einrichtungen am Bein haben.“

Tabelle 2 stellt die Top-Five der pro Kopf am höchsten verschuldeten kreisfreien Städte denjenigen der kreisangehörigen Kommunen gegenüber:

  Kreisfreie Städte (ohne Stadtstaaten) Kreisangehörige Kommunen
1 Darmstadt 12.662 Alb-Donau-Kreis 6.493
2 Kaiserslautern 12.334 LK Ravensburg 4.568
3 Offenbach am Main 12.136 LK Wesermarsch 4.451
4 Mainz 11.521 Bodenseekreis 4.236
5 Pirmasens 9.764 LK Friesland 3.847

Quelle: www.haushaltssteuerung.de)

Prof. Löhr sieht für die Städte die Chance über Parkgebühren einen Teil der Bodenrenten abzuschöpfen, auch eine City-Maut während Stoßzeiten wäre eine gute Idee. Aber auch hier machen Unternehmen dem Staat die Bodenrente streitig.

„Stellt man es richtig an, könnte man zudem Autofahrer, die ohne Not zu Stoßzeiten in die Innenstädte einfallen, auf andere Zeiten oder den ÖPNV ablenken und so die Innenstädte von Ballungskosten entlasten. Viele Kommunen machen von diesen Möglichkeiten allerdings bislang keinen richtigen Gebrauch. Statt dessen wollen sich zunehmend private “Unternehmer” den dicken Fisch an Land ziehen: Am frechsten ist wohl die Blockade von Parkplätzen zum Zwecke der anschließenden Versteigerung mittels Apps. Dieses asoziale Geschäftsmodell wurde in den USA (San Francisco) von der Firma „Money Parking“ als „Social Parking“ verkauft (Kyriasoglou 2015). Tatsächlich handelt es sich um „Rent Grabbing“. Die private Firma schöpft die Bodenrenten ab, auf die die Stadt – aus welchen Gründen auch immer – verzichtet; die neuen Technologien machen es möglich.“

Die Kosten des Straßenbaus dürfen nicht nur die Anwohner tragen, sondern all diejenigen, die von der Straße profitieren.

„Dies gilt nicht zuletzt auch für Straßenausbaubeiträge, die heutzutage ein Quell steter Freude sind: Oft wird der Zusammenhang zwischen Nutzen und Kosten zerrissen, wenn z.B. wenige Anlieger für tausende Autofahrer zahlen, welche die Straße passieren. Die Abgaben kommen oft unerwartet und in einer Höhe auf die Bürger zu, welche deren Leistungsfähigkeit überfordert. (…) Report München (ARD) vom 30.09. zeigt im Beitrag Horrende Abgaben für örtliche Straßensanierung” die Problematik sehr plastisch auf.“

Macht- statt Marktwirtschaft?

Das Prinzip der Rentenökonomie beherrscht auch die Wirtschaftswelt. Für Prof. Löhr gäbe es keine Marktwirtschaft, sondern eine Machtwirtschaft. Unternehmen trachten nach Markteintrittsmonopolen, wälzen Kosten auf die Allgemeinheit ab. Der Faktor „Land“ umfasst mehr Bereiche als nur Grund und Boden, alle Privilegien, die einen exklusiven Zugang zum Markt garantieren.

Betrachtet man die wertvollsten Marken, gibt es immer eine „Geschichte dahinter“: Google hat viele Charakteristika eines natürlichen Monopols, Apple, IBM und Microsoft sind auf Patenten gebaut, und McDonald’s ist keineswegs ein Burgerbruzzler, sondern ein Immobilienkonzern (s. den Blogbeitrag: “Womit Unternehmen wirklich ihr Geld verdienen“). Sowohl natürliche Monopole, das Privateigentum an Grund und Boden sowie das diesem nachgeäffte Patentwesen sind jedoch Fremdkörper in einer Marktwirtschaft – sie beschränken den Wettbewerb und schützen die ökonomischen Renten der alteingesessenen Unternehmen.“

 „Der Klassiker ist die Jagd nach Rohstoffrenten. Diese findet auch in Deutschland statt, wie der Beitrag von Frontal 21 (ZDF) vom 11.11. „Vulkaneifel: Umstrittener Rohstoffabbau“

Die Schürfrechte für Basalt und Lava befinden sich in den Händen einer Hand voll „Lavabaronen“, welche fleißig einen Vulkanberg nach dem anderen abtragen. Sogar der Naturpark Vulkaneifel ist im Visier des Rohstoffabbaus – werden wirtschaftliche Gründe vorgetragen, macht das Bergrecht den Abbau selbst hier möglich. Die abgetragenen Vulkanberge sollen z.T. durch Deponieberge „ersetzt“ werden, wie beispielsweise im Eifeldorf Strohn.

Es ist davon auszugehen, dass die „Lavabarone“ beim Rohstoffabbau nur einen geringen Bruchteil der erbeuteten Rohstoffrenten als Konzessionsabgabe der Gemeinschaft zurückgeben – von einer Kompensation mit Blick auf die erzeugten Umweltschäden ganz zu schweigen. Wenige Rohstoffkonzessionäre (die de facto mit zuvor öffentlichem Eigentum beschenkt wurden) ziehen unter Zuarbeit von 350 Mitarbeitern die Rohstoffrenten ein, wogegen v.a. der Tourismus und die Gastronomie als Branche mit über 4.000 Mitarbeitern immer stärker bedroht ist.“

Angesichts sinkender Zinsen, steigen die Investoren immer mehr auf „Land-Grabbing“ um.

„Stattdessen stiegen die ökonomischen Renten, was sich sowohl in den Gewinnen der Großunternehmen [7] wie auch in den Bodenrenten bemerkbar machte: Sowohl das operative Ergebnis nichtfinanzieller börsennotierter Großunternehmen als auch die Mieten in Großstädten wie München, Hamburg, Frankfurt oder Berlin stiegen zwischen 2005 und 2013 um ca. 30 % an [8]. Die Werte von Unternehmen und Boden stiegen während der Niedrigzinsphase also, weil diese sich in wachsenden Erträgen niederschlug. Die niedrigeren Zinsen verhinderten zwar weitere offene oder verdeckte Steuererhöhungen (v.a. zu Lasten der Arbeitnehmer). Dies hat den dargestellten Trend in der Einkommensverteilung aber nur abgeschwächt und nicht etwa umgekehrt.“

„Den steigenden Anteil der Bodenrente am Volkseinkommen stellt Abbildung 2 dar. (…)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen
Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

.

Legitimationsproblem des Steuerstaates

Mit den heutigen Einkommens-, Verbrauchs- und Unternehmenssteuern basierend auf dem erzielten Gewinn oder Umsatz kann nicht gezielt die Bodenrente abgeschöpft werden. Der Steuerstaat kann nicht unterscheiden, ob der Unternehmergewinn bzw. der Umsatz aus eigener Arbeit resultiert oder aus Arbeit der Allgemeinheit. Dieses Staatsversagen „verursacht die Entkopplung von Staatseinnahmen und Staatsausgaben“.

Der Steuerzahler weiß nicht, für welche staatliche Leistungen genau er die Steuern bezahlt. Als Resultat gibt es eine Zentralisierung „des öffentlichen Finanzwesens, das eigentlich ein Fremdkörper in einer freiheitlich-demokratischen Ordnung darstellt.“

„Steuern sind geradezu als Zwangsabgaben ohne Anspruch auf individuelle Gegenleistungen Seitens des Staates definiert. Als Konsequenz versuchen sich die Bürger der Belastung so gut wie möglich zu entziehen; Steuerverkürzung wird zum Volkssport.“

„So berichtet der Journalist Lütgert in seinem verdienstvollen Beitrag in der ARD-Sendung Panorama vom 6.11.2014 „Luxemburg: Die Oase der Steuervermeider“ vom Beispiel E.ON, das in Luxemburg ebenfalls seine Gewinne mindert. Natürlich wird nicht darüber gesprochen, dass die Gewinne von E.ON im Kern v.a. „versteckte“ Bodenrenten sind. 

E.ON profitiert immer noch in erheblichem Maße von Grundlastkraftwerken, hier v.a. Braunkohle (Löhr 2013). Ein Braunkohlekraftwerk kann aber nicht irgendwo betrieben werden; wegen der hohen Transportkosten von Kohle und Kalksteinmehl sollte entweder ein Braunkohletagebau, eine Eisenbahnlinie oder aber ein Hafen in unmittelbarer Nähe gelegen sein. Aus diesem Grunde entstanden Braunkohlekraftwerke historisch v.a. um die Vorkommen im Ruhrgebiet, in Mitteldeutschland und in der Lausitz (die sich ebenfalls in der Hand der großen „Energieversorger“ befinden – und die zu einem Spottpreis erworben wurden, der nicht im entferntesten den Wert der Kohlevorkommen abbildet), aber auch an Standorten, wo die Anlieferung über Binnenschiffe erfolgen kann. Zudem sollte ein Verbrauchsschwerpunkt weniger als 70 km vom Ort der Erzeugung entfernt sein und es sollte sich möglichst eine Stromautobahn (Höchstspannungsnetz) in unmittelbarer Nähe befinden. Die betreffenden Kraftwerke bedürfen schließlich der Planung und Genehmigung; längst nicht jedes geplante Kraftwerk hat diesbezüglich Erfolg. Weil die unterschiedlichen Kraftwerkstypen (Grund-, Mittel- und Spitzenlast) unterschiedlich hohe ökonomische Renten generieren und eben nicht jeder beliebige Kraftwerkstyp überall entstehen kann, ist die Standortfrage von hervorragender Bedeutung. Die planerische Zuweisung solcher Standorte ist ein Privileg, dass das exklusive Einstreichen der ökonomischen Renten erlaubt. Solche Privilegien werden den großen Unternehmen heutzutage nahezu kostenlos gewährt. 

Wie wäre es, wenn statt dessen die Renten aus der Standortnutzung, der Nutzung der Kohleressourcen und der Nutzung der Atmosphäre abgeschöpft und vergemeinschaftet würden? Dann hätte E.ON nichts mehr nach Luxemburg abzuführen. Das Übel wäre an der Wurzel angegriffen.“

Steuern schaden Wirtschaft

Die durch die heutigen Steuern betriebene (unzureichende) Abschöpfung der Bodenrenten geht einher mit einer Belastung des Produktionsfaktors Arbeit, da Kapital zunehmend von Steueroasen aus agiert und fliehen kann. Daher bringt der Steuerstaat den Verlust von Arbeitsplätzen hervor, in den schwachen Regionen außerhalb der Zentren, in der „Peripherie“.

„In einem Staat mit einer hohen Abgaben- und damit Kostenbelastung wie Deutschland leidet zuallererst die raumwirtschaftliche Peripherie. Hier können gerade die Kosten des Wirtschaftens gedeckt werden, große Gewinne und Renten (als Differenz zwischen Einkommen und Kosten des Wirtschaftens) sind – im Gegensatz zu den raumwirtschaftlichen Zentren – nicht möglich. Höhere Steuern und Abgaben (sowie andere Kostentreiber, wie z.B. die EEG-Umlage) erhöhen die Kostenbelastung. Können die Kosten des Wirtschaftens nicht mehr gedeckt werden, wird die Peripherie stranguliert.

Als Folge bewegen sich v.a. die jungen, arbeitsfähigen Menschen in die raumwirtschaftlichen Zentren hinein. Aufgrund der zunehmenden Dichte kommt es hier zu einem Anstieg der Bodenrenten und damit der Mieten. Und die von der Mietpreisbremse ausgenommenen Modernisierungen werden beispielsweise gerade deswegen durchgeführt, um ein besseres Ausschöpfen der gestiegenen Bodenrenten zu ermöglichen. Gefallen solche Konsequenz nicht, kann man sie nicht einfach per Gesetz „abschaffen“ (genauso wenig wie man Arbeitslosigkeit durch ein Recht auf Vollbeschäftigung abschaffen kann), sondern man muss an den wirtschaftlichen Ursachen etwas ändern (Löhr 2013).“

Deswegen sind in Staaten mit geringen Steuern, die Bodenwerte höher, als in Staaten mit höheren. 

„Durch die Einkommensteuer und die Sozialabgaben werden aber die Kosten v.a. für Arbeit erhöht. Kapital kann nämlich flüchten (oder wird einfach nicht neu gebildet) und wird daher steuerlich bevorzugt behandelt (Stichwort „duales Einkommensteuersystem“). Und die Umsatzsteuer wirkt wie eine Flat-Rate-Einkommensteuer unter Ausnahme der Ersparnis. Somit wird am Ende das Residuum Bodenrente wegen der höheren Kosten, die v.a. auf dem Faktor Arbeit lasten, geschmälert.

Die Bodenrente ist also keine absolute Größe, sondern v.a. im Zusammenhang mit den Abgabenlasten zu sehen: In den Ländern mit geringeren Abgabelasten ist die Bodenrente vergleichsweise höher (abzulesen an einem höheren Bodenwert, wie z.B. in der Schweiz oder in Luxemburg), in Ländern mit einer höheren Abgabenbelastung (wie in Deutschland) ist die Bodenrente vergleichsweise geringer.“

Wenn Steuern gesenkt werden könnten, würde dies die abschöpfbaren Bodenrenten erhöhen.

„Um die Größenordnungen zu skizzieren: In meinem Buch „Prinzip Rentenökonomie: Wenn Eigentum zu Diebstahl wird“ (Marburg 2013) habe ich die kinetische Bodenrente in Deutschland (2010 / 2011) auf knapp 100 Mrd. Euro geschätzt. Geht man von einer Abgabenbelastung (Steuern und Sozialabgaben) von knapp 50 % des Volkseinkommens aus (das sich in den besagten Jahren bei ca. 2.000 Mrd. Euro bewegte), dürfte das Bodenrentenpotenzial vielleicht das 10-fache der kinetischen Bodenrente ausmachen (wenn auch steuerliche Zusatzlasten wegfielen). Dies gilt zumindest für zentrale Volkswirtschaften wie Deutschland; das Bodenrentenpotenzial in peripheren Volkswirtschaften dürfte wesentlich geringer sein. Zum selben Ergebnis gelangt auch Harrison (2014).

Kritik an Privatisierungen

In Prof. Löhrs Blog kommt auch Eckhard Behrens (* 1937, wohnhaft in Heidelberg) zu Wort. Der Jurist und Volkswirt war „langjähriger Vorsitzender des Landesfachausschusses für Bildung und Wissenschaft in Baden-Württemberg und stellvertretender Vorsitzender des Bundesfachausschusses in der FDP.“ 

In Schottland würde „in Bezug auf bestehenden Eigentumsverhältnisse und der Art und Weise, wie die Großgrundbesitzer damit umgehen,“ Reformbedarf bestehen:  

„Die notwendige Reform bestünde in der entschädigungspflichtigen Enteignung der Großgrundbesitzer, meistbietenden Verpachtung an fähige Landwirte und Umverteilung der Bodenrente an alle Lebenden – zunächst in Schottland und in der Zukunft in der ganzen Welt. Die Erde gehört allen Menschen (John Stuart Mill); ein gleicher Anteil an der Bodenrente sollte als ein Menschenrecht anerkannt werden.“ (rent-grabbing)

Prof. Löhr kritisiert, dass die derzeitige Entwicklung in die genau entgegengesetzte Richtung geht:

„Privatisierung der Berge in Österreich, von Inseln und Stränden in Griechenland, des Waldes in Irland, von Kulturdenkmälern in Italien bis hin zum öffentlichen Raum um den Mauerpark in Berlin: Die ARTE-Doku “Ausverkauf Europa” vermittelt einen guten Eindruck von dem Wahnsinn, der sich langsam aber sicher als angeblich alternativlose  Politikoption durchsetzt.“

Plädoyer für einen Gebührenstaat

„Wie sieht eine nachhaltige Steuerverfassung aus? Gar nicht – Steuern und Nachhaltigkeit schließen sich kategorisch aus. Die Kopplung von Nutzen und Kosten kann grundsätzlich nur über Gebühren hergestellt werden, mit denen bei Zahlungen an Vater Staat eine individuelle Gegenleistung verbunden ist. So wäre auch Schluss mit der gigantischen Umverteilung – von unten nach oben (und nicht etwa umgekehrt!) – für die der Steuerstaat steht. Ob schließlich die Politik gut ist oder nicht, können Wähler und Regierungsverantwortliche an einer Größe ziemlich gut ablesen: Der Höhe der Bodenrenten – als dem erzielten sozialen Überschuss.“

„Gewinne sollen dort besteuert werden, WO (Hervorhebung durch den Verf.) die zugrundeliegende unternehmerische Aktivität und die tatsächliche Wertschöpfung stattfinden“ (Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014).

„Dazu müsste man aber die ökonomischen Renten abschöpfen – allen voran die Bodenrenten. Land kann nämlich auch schwer flüchten. Leider ist die Privatisierung der ökonomischen Renten eine heilige Kuh, die nicht nur von konservativer Seite mit Zähnen und Klauen verteidigt wird.“

„Mein Appell geht vor diesem Hintergrund vor allem an die “vierte Gewalt” – die Medien: In ihrer Hand liegt es, die Öffentlichkeit auch einmal über Alternativen zu informieren, anstatt immer wieder die alten abgedroschenen wie nutzlosen Phrasen zu kolportieren.“ 

14 Gedanken zu „Professor Dirk Löhr begründet bodenwertbasierte Grundsteuer“

  1. Und wie wollen sie diese Steuer durchsetzen? Gegenüber denjenigen die da nicht mitmachen wollen? Zwang? Notfalls, GV und Gewalt?
    Dann sind sie nicht besser als das jetzige System.

  2. Der Artikel ist lang, um dem gerecht zu werden muss die Kritik in mehrere Teile aufgespalten und auch über mehrere Tage verteilt werden. Es gibt natürlich auch viele Sachen die Zustimmung verdienen, wie „private Werte werden sozialisiert“, der Hinweis auf die Abgabenbelastung usw.

    Die ersten Fehler finden sich in der Benutzung dieses Arguments zur Rechtfertigung von Steuern:
    „Erst die Arbeit des Staates und der Allgemeinheit schaffen die hohen Bodenwerte. Von den Einnahmen daraus, von der Bodenrente, profitieren jedoch die Grund- und Bodenbesitzer, die verpachten, mit Grund und Boden spekulieren, Miete kassieren oder dort selbst lukrative Unternehmen betreiben. Der Teil ihres Gewinnes, der von der Bodenrente herrührt, hat nichts mit ihrer unternehmerischen Fähigkeit zu tun, sondern wurde überhaupt erst durch Steuern möglich gemacht.“
    – Selbst wenn der Staat irgendetwas aufgebaut hat (mit Geld, dass er irgendwem weggenommen hat), wie kann er dafür von einem Bodenbesitzer, der dem nicht zugestimmt hat, eine Gegenleistung verlangen? Das ist so als würde ein Vertreter einen Staubsauger vor ihrer Tür abstellen und 2 Wochen später die Rechnung schicken weil Sie vielleicht davon profitiert haben…
    – Die Spekulation wird auch angeprangert. Mit „Spekulation“ ist wahrscheinlich das Kaufen in der Hoffnung auf einen Verkaufsgewinn gemeint. Auf welche Weise unterscheidet sich der Spekulant vom gewöhnlichen Händler? Ab wieviel % Gewinn wird die Weigerung zu verkaufen plötzlich unmoralisch?
    -Dass die Bodenrente kein Teil unternehmerischen Gewinns ist, stimmt. Und jetzt? Wenn man irgendetwas mietet kassiert der Mieter auch einen Teil, der kein unternehmerischer Gewinn, sondern Zins ist. Wenn ein Supermarkt irgendwas verkauft, dann gibt es auch einen Teil des Gewinns, der nicht von unternehmerischen Tätigkeiten herrührt, sondern von der Tatsache, dass da dieser Laden steht und es Zeit bräuchte, das Geld zusammenzusparen, selbst den Laden aufzubauen und das eingesetzte Kapital wieder rauszuholen. Dasselbe gilt für JEDE erdenkliche Produktionslinie GENAUSO. JEDE. EINZELNE. Wenn also besteuert werden sollte, warum speziell den Boden besteuern?

    „Wofür aber zahlt Hans diese hohe Miete? “
    -Er zahlt dafür, dieses bestimmte Wohnung bewohnen zu können. So wie Menschen auch bezahlen um Kleidung oder Smartphones einer bestimmten Marke zu tragen, auch wenn das Material oder die Technologie sich nicht qualitativ unterscheiden. Wieder die Frage, was macht diesen Fall so besonders, und welches ist das Kriterium, nachdem man etwas als Wucher bezeichnen kann? Gibt es jemanden, der Hans zwingt dort zu wohnen wo es zu teuer ist?

    “ […] Diese und andere Vorteile entstehen durch öffentliche und gemeinschaftliche Anstrengungen“
    – Öffentliche Anstrengungen? Hat jemand jemals einen Politiker arbeiten gesehen? Aber mal ganz davon abgesehen, es ist natürlich kein Argument für irgendeine Art von Besteuerung, dass ein Grundstück durch wirtschaftliche Aktivität in der Nähe an Wert gewonnen hat. Denn der Besitzer hat niemandem etwas gestohlen, er besteuert die umliegenden Leute, auf deren Konto die gemeinschaftlichen Anstrengungen gehen, nicht. Also aus welchem Grund sollte er die Verpflichtung fühlen irgendetwas zurückzugeben?

    Das Argument darauf, dass Hans mehr Steuern zahlt als der Bodeneigentümer hätte wenigstens im sozialistischen Denken seine Berechtigung- wenn man nicht unterschlagen würde, dass auch der Bodeneigentümer indirekte Steuern auf jeden Fall und Kapitalertragssteuern, stellvertretend für Hans‘ Lohnsteuer, bezahlen müssen, deren Höhe die der Lohnsteuer oft übertrifft.
    Sinnvollerweise wird dem Bodeneigentümer vorgeworfen auf indirekte Weise von den Staatsausgaben zu profitieren, aber Hans und co. nicht, direkt zu profitieren, als Nutznießer von Bildungs-, Gesundheits-, etc -systems. Zu wem das Steuersystem letztendlich zu welchem Teil direkt umverteilt müsste durch Daten festgestellt werden.

    Der Vorwurf, dass etwas verdient wurde ohne dass jemand einen Finger gekrümmt hat verfehlt sein Ziel. Der Lotteriegewinner hat durchs Ankreuzen auch keinen Burnout bekommen. Was zählt ist doch, ob der Verdienst dadurch zu Stand kommt, dass jemandem etwas gegen seinen Willen weggenommen wird oder nicht.

    Fortsetzung folgt..

    1. Der Grund- und Bodenbesitzer kann auf die staatlichen Leistungen, und der der Allgemeinheit verzichten, und sein Häusschen in der Pampa bauen.
      Es geht hier darum, dass Spekulanten Monopolgewinne (Rent Grabbing) erzielen, die nicht auf ihrer eigenen Arbeit beruhen, sondern auf der Arbeit der Allgemeinheit! Das ist auch der Unterschied zur Tätigkeit von Händlern, wenn das Handelsgut nicht auf Monopolen beruht. Die Marktwirtschaft wird hier zur Machtwirtschaft.

      Grundsätzlich laufen Monopolgewinne genau darauf hinaus, was wir auch jetzt beobachten können. Die Reichen (10%) werden automatisch immer reicher, der Rest (90%) wird abgezockt und um die Früchte ihrer Arbeit betrogen. Es empfiehlt sich „Monopoly“ zu spielen.

      Gerade der Steuerstaat, der vorgibt die Ungerechtigkeit zu beseitigen, begünstigt diese Entwicklung. Die Steuer- und Abgabenlast für den Mittelstand liegt bei 70%.

      1. @ Georg Lehle

        Hier habe ich das Recht, anderer Meinung zu sein und ich habe die überwiegende Zunft der Wirtschaftswissenschaftler auf meiner Seite.
        Ich besitze auch ein Haus auf eigenem Grund und Boden und ich habe dies dort errichtet, wo ich leben und arbeiten möchte.
        Und das ist nicht in der Pampa. Es bringt auch nicht viel, sich hinter ausländischen Begriffen wie „Land Grabbing“ zu verstecken. Es gibt keinen Inflationsgewinner, außer dem Staat. Wenn ein Normalbürger durch den Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Hauses (und das sind sehr viele Menschen!) zeitweilig von der staatlich induzierten Inflation profitiert, so ist dieses Profitieren nicht dauerhaft und kann nicht dauerhaft sein. Denn er bezahlt mit seiner sonstigen Lebensführung die inflationären Preise. Und in der Hyperinflation verliert er ohnehin wieder alles.
        Nicht umsonst haben die Menschen in der deutschen Hyperinflation von 1923 bis 1927 ihr Vermögen eingebüsst.
        Wer kein Vermögen hatte, konnte auch nichts einbüssen.
        Sie hatten an anderer Stelle geschrieben, dass der Staat sich das Geld eben einfach selbst erzeugt- und zwar grenzenlos.
        Warum erkennen Sie dann nicht, dass genau diese ungedeckte Geldschöpfung (nicht werthaltig gedeckt) zur Inflation führt?
        Warum erkennen sie nicht, dass die jetzt Vermögenden von einer Hyperinflation am stärksten betroffen sein werden?
        Warum erkennen Sie nicht, dass nicht die Flüchtenden aus der Inflation (indem diese eben auf Steine und Mauern setzen) für die Inflation verantwortlich sind?
        Holten die Häuslebauer wie ich auch, das Geld aus der Schatztruhe? Nein, die Mehrheit der Grundbesitzer hat sich verschuldet bei den Banken. Und oft genug gehören den Banken die Häuser und nicht den Grundbesitzern.
        Wenn wir Inflation vermeiden wollen, dann muss es endlich ein Ende haben mit dem Aufkauf von Anleihen durch die EZB, durch die Bundesbank und durch die von der Bundesbank ermächtigten Banken.

      2. Der Bodenbesitzer hat den Staat nicht gezwungen oder angewiesen, in der Nähe irgendetwas aufzubauen. Somit hat er ihm gegenüber auch keinerlei Verpflichtungen. Wie gesagt, denken Sie an den Staubsaugervergleich. Man kann nicht für eine Handlung verantwortlich sein, wenn man nicht ihr Urheber ist.
        Warum reden Sie von Monopolen? Ein Monopol ist nach der gängigen (übrigens schlechten, aber das ist jetzt unwichtig) Definition die unilaterale Kontrolle über das Angebot einer Ressource oder Ware. Beim Boden ist das nicht gegeben, es gibt ziemlich viele Bodenbesitzer. Darum können die auch logischerweise keine Monopolgewinne erzielen. Sie erzielen Einkommen aus Kapitalbesitz, aber wie schon gesagt, das tut JEDER Kapitalbesitzer, auch die, die in der Produktion tätig sind und nur eine Fabrik haben. Nein, der Sachkapitalzins wird nicht auf magische Art verschwinden, wenn man nur den Boden sozialisiert. Gesell hat das in seinem Werk einfach nur postuliert aber nicht begründet. Schauen Sie noch einmal nach.
        Das ist auch keine „Machtwirtschaft“, das sind die Eigentumsverhältnisse. Wenn Sie diese untergraben, dann macht die Marktwirtschaft, also der Austausch von Eigentum, auch keinen Sinn mehr.
        Die Steuerlast zu kritisieren und gleichzeitig weitere Steuern zu fordern ist übrigens seeeehr originell. Ihnen ist doch klar, dass Teile davon über den Marktmechanismus (z.B. Pacht erhöhen->Produktion verteuert sich->Endpreis steigt->Konsument zahlt mehr) umgelegt werden und dann wieder wer weiß wen treffen?

        Ich verstehe nicht wieso die Menschen sich bezüglich der Regierung weigern die einfachsten Fakten zu sehen. 70% Steuerlast bedeutet dass wir von 1000 Euro nur über 300 selbst entscheiden können. Und wenn wir da nicht mitspielen wollen holen die uns ab und schmeißen uns ins Gefängnis wo wir dann länger sitzen als Aggressoren, die andere Leute totgeschlagen haben. Die sind böse, sie rauben uns aus und richten die Regeln so ein, dass einige wenige davon profitieren. Das geht nicht über das Eigentumssystem, welches im privaten Bereich von einer überwältigenden Menge akzeptiert wird, auch von denen die wenig haben, sondern über die Androhung von Gewalt durch die Regierung. Ohne die Macht der Regierung können uns diese „Monopolisten“ (die Bezeichnung ist und bleibt falsch) überhaupt nichts.

  3. Es ist außerdem so, dass alle Inflation vom Staat kommt und nur vom Staat kommen kann, nämlich durch übermäßige „Geldschöpfung“. Wenn dann Leute aus nachvollziehbaren Gründen durch Kauf von Immobilien den Inflationsverlust vermeiden wollen, dann kann dieser „Inflationsgewinn“ nicht als „Gewinn“ besteuert werden.
    Gewissermaßen als Strafe dafür, dass die Bürger versuchen der Enteignung durch die staatlich induzierte Inflation zu entgehen.

  4. @ rote Pille
    volle Zustimmung

    G.Lehle:
    „Der Grund- und Bodenbesitzer kann auf die staatlichen Leistungen, und der der Allgemeinheit verzichten, und sein Häusschen in der Pampa bauen.
    Es geht hier darum, dass Spekulanten Monopolgewinne (Rent Grabbing) erzielen, die nicht auf ihrer eigenen Arbeit beruhen, sondern auf der Arbeit der Allgemeinheit! Das ist auch der Unterschied zur Tätigkeit von Händlern, wenn das Handelsgut nicht auf Monopolen beruht. Die Marktwirtschaft wird hier zur Machtwirtschaft.“

    Die Annahme im ersten Satz ist allgemein nicht zu halten, wenn jeder in der Pampa bauen würde/müsste, was dann?

    Die Annahme im zweiten Satz (Spekulanten) betrifft eine Minderheit von Vermietern/Hausbesitzern und kann somit nicht für die M e h r h e i t der Grund/Hausbesitzer gelten.

    G.Lehle
    „Grundsätzlich laufen Monopolgewinne genau darauf hinaus, was wir auch jetzt beobachten können. Die Reichen (10%) werden automatisch immer reicher, der Rest (90%) wird abgezockt und um die Früchte ihrer Arbeit betrogen.Es empfiehlt sich “Monopoly” zu spielen.“

    Dass die Reichen immer reicher werden und der Rest (90%) abgezockt und (finanziell und vor allem durch die mainstream Medien) betrogen wird stimmt.

    Und nein, es empfiehlt sich Regierungen zu wählen, welche z.B. die Grossbanken an die Kandarre nehmen, Börsenumsatzsteuer und Spekulantengewinnsteuern einführen, Wuchermieten verhindern, Hedge fonds und ähnliches verbieten, dem Lobbyismus wirksam (!)einschränken.
    G.Lehle:
    „Gerade der Steuerstaat, der vorgibt die Ungerechtigkeit zu beseitigen, begünstigt diese Entwicklung. Die Steuer- und Abgabenlast für den Mittelstand liegt bei 70%.“

    Wenn es darum geht Spekulanten mit Monopol m i e t g e w i n n e n zu besteuern (vgl. Eingangssatz worum es geht) , kann es doch nicht darum gehen die Steuerlast gerade des Mittelstandes weiter zu erhöhen!!

    Es gibt z.B. bereits die Grundsteuer, von der z.B. die Kirchen als Grossgrundbesitzer in Deutschland per Nazi Konkordat ausgenommen sind. Solche Privilegien abzuschaffen und die Mieten vernüftig in den Griff zu bekommen, darum geht es doch, statt das Kind mit dem Bade auszuschütten.

    Aus dem Artikel:
    “ Wenn Steuern gesenkt werden könnten, würde dies die abschöpfbaren Bodenrenten erhöhen. “

    Folge: das was Steuern eingespart wird über die dann zwangsmässig erfolgenden Mieterhöhung wieder aufgefressen.
    Nein, Flickschusterei am System o h n e grundlegende Reformen des Wahlsystems (in Richtung direkte Demokratie wie in der Schweiz), der Bekämpfung des Lobbyismus auf allen Ebenen (auch in den Massenmedien), Änderung des (Privat)Monopolbanken Systems und des (Privat)Monopol Grosskonzerne Systems, bringt nichts!

  5. Langsam regt mich das auf. Wozu rede ich mir denn hier den Mund fusselig und weise darauf hin, dass alle Inflation vom Staate kommt und ergo der Grundstücksbesitzer nur ernten kann, was der Staat vorher gesät hat!

    Und jetzt schreibt wieder einer, dass die „Allgemeinheit“ für die Preissteigerungen verantwortlich sei. Das ist doch Käse!
    Welche Allgemeinheit genau? Meine Eltern, Eure Eltern?
    Die Einzigen die sich über solche Blogeinträge freuen, sind die Finanzminister und die EZB, kurz: alle Inflationisten.

  6. „Wozu rede ich mir denn hier den Mund fusselig und weise darauf hin, dass alle Inflation vom Staate kommt…“
    Einspruch.
    „Inflation (lat. „Sich-Aufblasen“, „Aufschwellen“) bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre eine allgemeine und anhaltende Erhöhung des Güterpreisniveaus, gleichbedeutend mit einer Minderung der Kaufkraft des Geldes“

    Zur Erinnerung: “ Wirtschaftliche Güter werden in Realgüter (Sachgüter, Dienstleistungen und Rechte) sowie Nominalgüter (Geld und geldwerte Papiere) eingeteilt.“

    Es gilt: “ Diese Untersuchungen zeigen, dass Inflation entsteht, wenn die Zentralbank die Geldmenge zu stark ausweitet“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge#/media/File:Geldmengen.jpg

    M1: Bargeldumlauf plus Sichteinlagen der Nichtbanken;
    M2: M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten;
    M3: M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren.“

    Es geht um M3 (also inklusive M1+M2).

    Inwieweit an der Inflation a u c h und insbesondere die (privaten) Banken durch Geldschöpfung ( neben den (strenggenommen) nicht staatlichen Zentralbanken , in den USA die „private“ FED) u n d Zins und Zinseszins Generierung die Inflation verursachen bzw. an ihr mitdrehen, kann sich jeder selbst ausrechnen.

  7. Na also, Johannes! Wozu dann den Einspruch?
    Wenn die Geldmenge m3, für diese interessiere ich mich aber in diesem Zusammenhang überhaupt nicht, steigt, dann steigt mit zeitlicher Verzögerung auch das Preisniveau.
    Das ist doch nun wirklich etwas, was jeder Student der „Volkswirtschaftslehre“ (die früher noch so hieß) schon im ersten Semester lernt. Dazu brauche ich kein Wikipedia.
    Um aber den Inflationsprozess verstehen zu können, muss man längere Zeiträume betrachten und mehrere Volkswirtschaften. Warum kam es in England, Frankreich und den USA nach dem 1. WK nicht zur Hyperinflation?
    (Sondern nur in Deutschland)
    Hatte das vielleicht etwas mit Versailles zu tun?
    Das war jetzt nicht als Frage gemeint der Art, dass ich die Antwort nicht wüsste.

  8. Hallo Kuno,
    es ging um Ihre Aussage „… weise darauf hin, dass alle Inflation vom Staate kommt.“
    Diese Aussage ist nun mal (in dieser Ausschliesslichkeit) nicht korrekt.

  9. Noch ein bisschen Kritik:
    Was ist gemeint mit „planerischer Zuweisung von Standorten“? Bekommen die das Land geschenkt? Wie auch immer, diese Privilegien für Energiekonzerne können selbstverständlich nicht als Begründung für eine allgemeine Steuer herhalten.
    „Wie wäre es, wenn statt dessen die Renten aus der Standortnutzung, der Nutzung der Kohleressourcen und der Nutzung der Atmosphäre abgeschöpft und vergemeinschaftet würden?“
    -ziemlich übel, denn die Höhe dieser Renten ist gar nicht zu bestimmen. Wie sollte das denn auch aussehen? Woher weiß man welche Rente sich aus der Nutzung der Atmosphäre ergibt? Der Staat würde irgendwas fordern, nach willkürlichen Kriterien, und die Wirtschaftsrechnung verfälschen. Die Kohlepreise wären gar nicht zu bestimmen, wenn man das ganze Kohleangebot verstaatlichen würde. Der Staat wäre dann ein Supermonopolist der verlangen kann was er will, höchstens begrenzt durch politische Notwendigkeiten. Genau das ist übrigens der Grund, warum der Sozialismus generell nicht funktioniert: in ihm ist es bei allen Waren so. Investitionen wären schwierig wenn man weiß, dass die nächste grüne Regierung die Kohlepreise mal eben verdoppeln kann, da sie den Strom mit Windrädern herstellen will.
    Ist dem Autor unterbewusst klar, dass die Realität vielleicht etwas weniger rosa aussieht als die Theorie und wird vielleicht deswegen das beschönigende marxistische Wort „vergemeinschaftet“ verwendet anstatt „verstaatlicht“, worauf es am Ende immer hinausläuft?

    1. “planerischer Zuweisung von Standorten”? Bekommen die das Land geschenkt?“ Das erklärte Prof. Löhr genau, was darunter zu verstehen ist. Die bekommen die Infrastruktur und Netze geschenkt. Das zahlen wir und die privaten Unternehmen machen den Gewinn mit dieser Standortrente. Gewinn privatisieren, Kosten sozialisieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.