Die sabotierte Jagd der NSU-Ermittler nach dem Terrornetzwerk

Die weisungsgebundene Bundesanwaltschaft ist die federführende Behörde bei den Ermittlungen, die den „National-Sozialistischen-Untergrund“ (NSU) betreffen. Laut der Anklageschrift gegen Beate Zschäpe hätte sie zusammen mit Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt eine NSU-Terrorgruppe gebildet und neun Kleinunternehmer mit einer Handfeuerwaffe der Marke „Ceska“ erschossen, außerdem zwei Bombenanschläge und sechzehn Banküberfälle begangen. Veröffentlichte NSU-Ermittlungsakten beweisen jedoch, das die Darstellung falsch ist. Wichtige Beweismittel tragen Körperspuren (DNA) von bis heute unbekannten Personen. Ermittler unterließen Nachforschungen und Untersuchungen, nachgewiesenermaßen in einem Fall nach Eingabe der Bundesanwaltschaft. 

Ein entscheidendes Ziel der NSU-Ermittlungen war, den Doppelmord an Uwe Mundlos (UM) und Uwe Böhnhardt (UB) zu vertuschen, und die sogenannte „Selbstenttarnung des NSU“ zu propagieren. Dafür schraken der frühere Generalbundesanwalt Harald Range und der Ex-Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) Jörg Ziercke nicht davor zurück, den Bundestag anzulügen, die „Rußlungenlüge“. Die Darstellung diente dazu, die Abgeordneten von der Schuld von UM und UB zu überzeugen.

Die seitdem als rechtsextremistische Serienmörder und Bombenleger vorverurteilten UM und UB hätten sich nach einem Banküberfall in Eisenach am 04.11.11 selbst umgebracht, inmitten eines Wohnmobils, welches als fahrende Asservatenkammer bezeichnet werden kann.

Die Polizei stellte im Wohnmobil 40 Umzugskartons mit Beweismitteln sicher. Darunter ein Waffenarsenal, etwa die Schusswaffen der überfallenen Polizisten Michele Kiesewetter und Martin Arnold, NSU-Bekennerfilme, Banknoten vergangener Banküberfälle, Kinderspielzeug oder Kinderschuhe etc.

Viele dieser aufgefundenen Beweismittel führen zum Täterkreis und sind von großer Relevanz, die Verbrechen aufzuklären. Deshalb wäre davon auszugehen, dass allen Spuren mit starkem Ermittlungsdruck nachgegangen werden. Die ihm zugespielten Ermittlungsakten wertet der Blogger „fatalist“ aus. Inzwischen veröffentlichte er eine große Anzahl interessanter Artikel und Ermittlungsakten. Es treten die unfassbaren Zustände bei den NSU-Ermittlungen ans Licht der Welt.

Fingerabdrücke

Laut „fatalist“ geben die Ermittlungsakten kaum Auskunft über vorhanden sein müssende Fingerabdrücke im Wohnmobil. Kann es sein, dass nicht ausreichend danach gesucht wurde? 

Dafür spräche, dass die „Ceska“-Schusswaffe nicht nach Fingerabdrücken untersucht wurde. Das kritisierte Richter Manfred Götzl während des münchner NSU-Prozesses. Die „Ceska“ fanden Ermittler in einem Schutthaufen vor der Zwickauer Wohnung des Trios. Die von Götzl verfügte Nachuntersuchung brachte zu Tage, dass es keine Fingerabdrücke gibt.

Der „Focus“ berichtete mit der Überschrift „Report: Nur wenig NSU-Waffen auf Fingerabdrücke untersucht“. Der „Focus“ weist in seinem Bericht jedoch seine Leser nicht darauf hin, dass an keiner der untersuchten Waffen, Hülsen oder Patronen Fingerabdrücke gefunden wurden. Die Polizei erklärt dies in den Akten mit Brandeinwirkung und Löschwasser. Die „fatalist“-Zusammenstellung „pumpguns alfa hk2000 dna und fingerabdruecke.pdf“ gibt einen Überblick.

Es gab auch keine Fingerabdrücke an den Fahrrädern, mit denen UB und UM vom Banküberfall zum Wohnmobil geflüchtet sein sollen.

Lediglich außen an den Türen des Wohnmobils sind Fingerabdrücke von Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in den Akten nachgewiesen.

„Fingerabdrücke im Innenraum des Wohnmobils von den Nutzern “Uwe” gibt es nicht. Nicht auf den Waffen, auch nicht auf der “Selbstmordwaffe”, nicht auf Brillen im Fahrerhaus, nicht auf Munition, nicht am Lenkrad.

Präziser: Die gab es mit Sicherheit, aber sie “passten nicht”. Was es gibt: Mundlos und Zschäpe an den Türen. Aussen.“ (nsu-leaks)

Verhinderte Untersuchungen

In den Akten sind zwei Fälle dokumentiert, wo Ermittler die Untersuchung von Beweismitteln gezielt verhinderten.

  • Es lagen zwei Brillen im Wohnmobil. Gemäß „Vorgabe“ wurden sie nicht nach DNA untersucht, sondern nur (erfolglos) nach Fingerabdrücken.

„Die Asservate 1.3.6.0 und 1.3.7.0 wurden gem. Vorgabe nur auf Fingerabdruckspuren -nicht aber auf molekulargenetisch- untersucht.“

  • Im Wohnmobil gab es Bargeld von der stuttgarter Landeszentralbank. Die Bundesanwaltschaft schrieb den Ermittlern, dass es nicht nach Fingerabdrücken untersucht werden bräuchte.

“In Falle des Bargeldes aus Asservat 1.4.49.1 und 1.7.26.0 (incl. Banderole) ist die Untersuchung möglicher daktyloskopischer Spuren entbehrlich.”

DNA

Die Ermittlungsakten geben Auskunft über Anträge, verschiedene Gegenstände aus dem Wohnmobil und aus der Zwickauer Wohnung auf DNA zu untersuchen. Laut „Fatalist“ wären das Lenkrad und Schaltknauf des Wohnmobils nicht dabei gewesen, obwohl die Relevanz ersichtlich ist.

Die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen müssten jeden kritischen Geist aufhorchen lassen:

Es gibt es eine große Anzahl Spuren von bis heute unbekannten Personen! Ein Mitglied des „Arbeitskreises NSU“ namens „Wackerstein“ erstellte eine DNA-Spurenliste, wo er die unbekannte DNA gefundenen Beweismitteln zuordnete. Es handelt sich um Spuren von mindestens zwanzig bis heute unbekannten Personen! Von großem Interesse sind:

  • Es wurden die Schusswaffen vom Typ „Radom“ und „Tokarev“ gefunden, mit denen der Heilbronner Polizistenüberfall begangen wurde! Dort gibt es keine DNA des Trios aber die von bis heute unbekannten Personen!
  • Es gab Schusswaffen mit denen drei Banken (Eisenach und Arnstadt im Jahr 2011 sowie Zwickau 2006) überfallen wurden. Es handelte sich dabei um eine Pistole Ceska 70, 7,65 mm, einen Revolver Melcher, 9 mm, und einen Revolver Alfa-Proj, Kal. .38 spezial.  An der “Ceska” und “Melcher” war die DNA von zwei bis heute unbekannten Personen! Dies ist vor allem deshalb relevant, weil beim Banküberfall in Zwickau die DNA des Bankräubers festgestellt werden konnte. Sie stimmt nicht mit der von Böhnhardt und Mundlos überein!
  • Unbekannte DNA wurde an Fahrradhandschuhen gefunden, die im Wohnmobil lagen. Gerade dieser Sachverhalt lässt aufhorchen, da UB und UM per Fahrrad nach ihrem eisenacher Banküberfall geflüchtet sein sollen.
  • Person 33/24: Unbekannte DNA befand sich an Kiesewetters Polizei-Handschellen, die in der Zwickauer Wohnung gefunden wurden. Mehr zwei Monate nach Beginn der Untersuchungen wurde die DNA auf einmal einem „berechtigten“ Ermittler zugeordnet, „Person 33“:

„Der nachträglich Vergleich dieser DNA-Musters mit dem am 27.01.12 vom LKA Sachsen übersandten Mustern von Berechtigten erbrachte eine Übereinstimmung mit der Person 33 (…).“

  • An Geld-Banderolen der überfallenen Eisenacher Sparkasse gab es DNA der bis heute unbekannten Person 33. An dem Bargeld selbst fand keine Spurensicherung statt.
  • An verschiedenen Gegenständen sowohl in der Zwickauer Wohnung, wie auch im Wohnmobil fand sich DNA der unbekannten Person „P12/P28“. Dessen DNA wurde ein Jahr später 2012 bei einem anderen Tatort auf einer Hülse festgestellt. 

„Der genetische Code von P12 war im Juli 2012, also mehr als ein halbes Jahr nach dem Auffliegen des Trios, an einem Tatort in Berlin sichergestellt worden. Er fand sich an der Hülse einer Patrone, die auf zwei Mitglieder des Rockerclubs Bandidos abgefeuert worden war.“(nsu-leaks)

Der Journalist Andreas Förster schrieb darüber im Jahr 2012 den Artikel „Spuren ins Nichts„.

“Und noch eine weitere unbekannte DNA-Spur aus dem Wohnmobil gibt Rätsel auf. Sie wurde an einer Plastikflasche mit Erdbeermilch isoliert, die im Kühlschrank des Fahrzeugs stand. Dieselbe DNA-Spur, in den Akten als P12 bezeichnet, fanden die Ermittler an weiteren sieben Asservaten aus der Wohnung in Zwickau: an schriftlichen Unterlagen, einer mit „PDS/SPD Liste“ beschrifteten Diskette, einem Munitionsteil sowie einem Rucksack, der vermutlich für einen Bankraub in Chemnitz benutzt wurde.” [“Freitag”]

Beate Zschäpe soll im Jahr 2010 einen Prozess gegen einen Bandido-Rocker besucht haben. Laut dessen Anwaltes hätte ihn Frau Zschäpe angesprochen und um Rechtsbeistand gebeten.

„(…) dass bei einem Prozess gegen Mitglieder des Rockerclubs „Bandidos“ am Landgericht Erfurt eine Frau im Gerichtssaal auf ihn zugekommen sei. Die Frau sei in Begleitung von zwei Männern gewesen und habe gesagt, dass sie einen Anwalt brauche.

Nach dem Auffliegen des Neonazi-Trios im November 2011 glaubte der Anwalt, die Frau auf den Fahndungsplakaten als Beate Zschäpe zu erkennen. „Als ich die Bilder gesehen habe, habe ich mich an die Szene im Gerichtssaal erinnert“, sagte der Anwalt weiter. Auch einer der beiden Begleiter habe Ähnlichkeiten mit einem der gesuchten mutmaßlichen Terroristen gehabt.“ (mdr)

Es gab DNA von Böhnhardt und Mundlos an Beweismitteln im Wohnmobil. Sie könnten aber daher rühren, dass die Gegenstände mit den Körpern der erschossenen Männern in Kontakt kamen.

Von wem stammen die Beweismittel? 

Die Gegenstände könnten nach der Ermordung von UM und UB an den Fundorten verteilt worden sein. Neben den DNA-Funden von bis heute Unbekannten, sprächen auch Nachfindungen von Beweismitteln dafür. Nachfindungen heißt, dass Beweise, die zu einem früheren Zeitpunkt von Ermittlern an dieser Stelle im Wohnmobil nicht gefunden wurden, auf einmal dort auftauchten. Dafür sprächen auch die Fundorte selber: Obwohl es im Wohnmobil brannte, waren Beweismittel sauber in nagelneuen, vom Feuer unbeschädigten Taschen und Rucksäcken verstaut. Dafür spräche auch die (angebliche) Schlamperei in der polizeilichen Tatortarbeit, die in Wahrheit der Vertuschung dienen könne. 

Daneben kommen verschiedene Personen in Verdacht, die teilweise auch auf der Anklagebank im münchner NSU-Prozess sitzen. Zum Beispiel Holger Ge.

Die Vermieter des Wohnmobils erkannten den Mitangeklagten Holger Ge. und Beate Zschäpe wieder. Sie hätten das Wohnmobil Ende November 2011 ausgeliehen. Es wäre ein Mädchen dabei gewesen, welches „Mama“ zu Zschäpe sagte. Bis heute ist ungeklärt, um welches Kind es sich handelt, genauso wie ungeklärt ist, wer die anderen Kinder waren, die Beate Zschäpe in ihrer letzten Wohnung regelmäßig besuchten. Siehe „die verschwundenen Kinder des NSU„.

Im Wohnmobil wurden Kindersachen sichergestellt. Auf einer Puppe fanden Ermittler DNA. Wortwörtlich heißt es darüber in den Ermittlungsakten:

„Eine Verfahrensrelevanz ist nicht ersichtlich.“

Desweiteren wurde eine rosafarbene Badeschlappe eines Kindes untersucht und mit einer Person negativ überprüft. Daraufhin wurde auch diese Spur als nicht mehr „vorgangsrelevant“ eingestuft.

„Die Überprüfungen hinsichtlich einer möglichen Trägerin/eines möglichen Trägers verliefen ergebnislos.“

„Unter Verweis auf vorstehende Auswertung ist keine Vorgangsrelevanz erkennbar.“

Es wäre von großer Bedeutung die Vorkommnisse in dem Wohnmobil zu rekonstruieren, allen Spuren nachzugehen und sie mit Verdächtigten und deren Umfeld zu vergleichen. Warum wird dies nicht gemacht?

Könnte der Grund darin liegen, die Ermordung von UB und UM zu vertuschen und ihnen Beweise unterzuschieben? Sollen ihnen Verbrechen angehängt werden, die sie gar nicht begangen haben? Werden Informanten von Geheimdienst und Polizei vor Strafverfolgung geschützt, oder meldet ein „befreundeter“ Geheimdienst den Schutz seiner gesetzlich verankerten Interessen an, weshalb die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen stoppte?

2 Gedanken zu „Die sabotierte Jagd der NSU-Ermittler nach dem Terrornetzwerk“

  1. Nicht nur die Ermittlungen wurden sabotiert, sondern auch die Berichterstattung, mit Hilfe von gezielt, durchstochenen Informationen für die so genannten Leitmedien.

    Auch hier gibt es eine Spur zu einem der mutmaßlich Verantwortlichen. 2012 wurde die Berliner- Patronenhülsenspur vom Pressesprecher der Bundesanwaltschaft zerredet, noch bevor das in Auftrag gegebene BKA Gutachten vorlag. Den damaligen Pressesprecher des GBA, Marcus Köhler, kennen alle, die sich mit dem Mordfall Halit Y. wirklich beschäftigten. Damals war der Herr noch bei der Staatsanwaltschaft in Kassel zu finden und die Soko Cafe lieferte bei dieser „Herrin des Ermittlungsverfahrens“ Ermittlungsakten ab, welche diese Bezeichnung nicht verdienten. Die Schlampigkeit der Mordermittlungen wurden von der StA Kassel nicht gerügt. Ein Schelm der Böses dabei denkt. 🙂

    Nur Schade, das sich die „Aufklärer“ bekriegen oder ignorieren, anstatt das Gespräch miteinander zu suchen. Selbst einem Brain Freeze ist das Feindbild „Thomas Moser“ wie ein Brett vor dem Kopf genagelt, wie einige seiner jüngsten Kommentare auf diesem Blog zeigen und Thomas Moser schweigt (ignoriert) erhaben. Schade, das jeder nur immer die Wahrheit sucht, die sich mit seinem politischen Weltbild in Einklang bringen lässt.

  2. In Sachen der von nur drei Leuten selbsternannten „NSU“ ist wohl inzwischen alles möglich.
    Der Prozess zieht sich hin und weckt zumindst von der Länge her Erinnerungen an den Thälmann Prozess in der Weimarer Republik.
    Politisch ist er allemal. Egal was jetzt noch alles ans Licht kommt oder hinterfragt wird: Die Politik hatte sich von Anfang an der Sache bemächtigt um „den Rechten“ eins auszuwischen.
    Das zog, wenn ich mich an den ersten Prozess gegen Frau Zschäpe erinnere, auch Rachegelüste ausländischer Prozessbeobachter mit ein.
    Inzwischen könnte die Zschäpe, selbst wenn zweifelsfrei außer Indizien kein Beweis vorliegt, nicht mehr freigelassen werden. Hier hat die Politik und deren Medien sich ein eigenes Gefängnis gebaut. Deshalb kann dieser letztlich politische Prozess noch endlos so weitergehen.

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