Von Minus-Zinsen würden 90% der Bevölkerung profitieren

Die Legende vom guten Zins ist in den Köpfen fest etabliert worden, ansonsten würde die momentante mediale Propaganda gegen Minus-Zinsen in den Leserforen nicht auf solche Zustimmung stoßen. Dabei ist die Ausbeutung durch den Zins gerade beim Beispiel der 3. Welt gut ersichtlich und auch bekannt.

Der Geld- und Bodenreformer Helmut Creutz zitierte in seinem Artikel „Wirtschaftliche Triebkräfte von Rüstung und Krieg“ den brasilianische Arbeiterführer und Präsidenten Brasiliens Luis Ignacio Silva. Für ihn gäbe es einen Krieg gegen die 3. Welt, die schärfste Waffe wäre der Zinssatz deren Auslandsschulden, ihre Wirkung wäre tödlicher als die einer Atombombe!

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Nur hierzulande stoßen fallende oder gar Minus-Zinsen auf wütende Proteste. Dafür gibt es keinen Grund, im Gegenteil: Steffen Henke hat in seinem Blog „neues Geld“ sich über „Negativ-Zinsen“ sehr verständlich geäußert:

„Da ca. neun von zehn Menschen über Konsum, Steuerzahlung und eigener Verschuldung immer mehr Schuldzinsen zahlen, als sie je in der Lage sein werden Guthabenszinsen zu generieren, nützt der „positive“ Zins nur einer kleinen Minderheit.“ (neues Geld)

Da die Zinszahlungen verschuldeter Unternehmen und des Staates eingepreist sind, zahlen wir auch dann Zinsen, wenn wir keine eigenen Schulden bei der Bank haben! Nur für die reichsten 10% der Bevölkerung lohnt sich massiv das System. Sie nehmen deutlich mehr Zinsen ein, als das sie zahlen müssen. 

Minus-Zinsen würden also 90% der Bevölkerung entlasten, weil (sich entschuldende) Unternehmen ihre Preise senken, Bundesländer und der Bundesstaat Abgaben senken könnten oder größeren Spielraum für Lohnerhöhungen, Investitionen oder Sozialleistungen hätten.

Die Berechnung kann jeder selber machen. Grundlage ist, dass in den Preisen und Abgaben mindestens 30% Zinskosten einkalkuliert sind:

Zählen Sie ihre Kosten der Lebensführung (Miete, Lebensmittel, Versicherungen etc.) zusammen und nehmen Sie den Betrag mal 30 Prozent, dazuzuzählen sind eventuell anfallende Zinszahlungen bei Privatschulden. Den Betrag abziehen von den eigenen Zinsseinnahmen bei der Bank.

Die Zeitschrift „Humane Wirtschaft“ bietet eine online-Kalkulation an und fragt … 

„Sind Sie ein Gewinner im aktuellen Geldsystem?

Bei den allermeisten Menschen ist der Betrag deutlich negativ. Sie sind Netto-Zinszahler! Wer hätte das gedacht?

Der Kabarettist Volker Pispers drückte den Zusammenhang sehr gut aus:

„Wenn die 10% richtig Reichen bereit wären, die Hälfte ihres Vermögens aufzugeben, dann wäre die Staatsverschuldung praktisch weg.

Und das bräuchten sie gar nicht auf einen Schlag zu tun. Wenn die reichsten 10% in diesem Land bereit wären, 10 Jahre lang jeweils 5% von ihrem Vermögen abzugeben, das würden die in dem einzelnen Jahr überhaupt nicht mitkriegen (…) und das Problem ist gelöst.

… und die Gesetze können wir morgen machen, da spricht nichts im Grundgesetz dagegen, es gibt nur ein einziges Problem:

Wir haben eine Demokratie und Sie kriegen in einer Demokratie keine Mehrheit für eine Politik von der 90% der Bevölkerung profitieren würde. Schade.” (friedensblick)

11 Gedanken zu „Von Minus-Zinsen würden 90% der Bevölkerung profitieren“

  1. Georg denk doch mal nach: Würden die Machtgläubigen wohl uns einen Minuszinssatz anbieten, wenn das der Mehrheit der Menschen helfen würde? Das kann so nicht stimmen, das kann ich Dir versprechen. Sieh es doch vielleicht als vorübergehenden Geck um die Bargeldlosigkeit zu erzwingen vielleicht, denn das würde den großen Schweinchen natürlich noch viel mehr nützen als ein paar Zinsen, denn es würde Macht bedeuten über jeden Einzelnen, der sich von dem Dreck noch nicht emanzipiert hat. Vielleicht gibt es auch noch andere Gründe, ich bin ja kein Banker, viel Freude beim Finden.

  2. Die Rahmenbedingungen sind heute nicht mehr die gleichen, als die Aussagen von u.a. von Creutz gemacht wurden.

    Damals wurde die „steigende Geldmenge = Entwertung der bisherigen Geldmenge“ durch Zins von den Banken generiert – zugunsten der Kapitaleigner. Mit durchaus den Auswirkungen wie beschrieben, auch für die 3. Welt.

    Heute wird durch QE die steigende Geldmenge von den Zentralbanken generiert – zugunsten der Kapitaleigner bzw. Assethalter (Assetpreisinflation = die Werte die du schon hattest werden immer mehr Wert, Vermögen – unter anderem für den Lebensabend – anzuhäufen wird immer schwieriger) und deren Steuerschlupflöcher.

    Dadurch hat der Minus-Zins auch nicht mehr die (positiven) Auswirkungen wie damals.

    Das große Problem bei Minus-Zinsen sehe ich eher darin, das dies mit Bargeld nicht durchzusetzen ist.

    Die Folge davon wäre nur noch bargeldloser Zahlungsverkehr – die komplette Aufgabe von Freiheit und Selbstsbestimmtheit.

    Mit einer Kontensperrung – warum und durch wen auch immer – wäre jeder sofort ausgeliefert.

  3. Pure Demagogie!!!
    Was passiert mit den Sparern, den Altersvorsorgern, und allem was damit zusammenhängt?
    Im herrschenden System bedeuten Negativzinsen für über 90 % der Bevölkerung Konsumzwang und Altersverelendung.
    Erst in einem anderen Geld-, Finanz- und Wirtschaftssystem könnten Negativzinsen eventuell positive Impulse für die Gesellschaft bewirken; so ist das auch von Creutz und Anderen gemeint.

  4. Der gute Herr Lehle kann sich nicht wirklich vorstellen, dass es mehr als 10 % der Bevölkerung sind, die Geldersparnisse haben.
    Für ihn besteht die Welt nur aus Schuldnern.
    Schuldnern wie dem Staat; der bezahlt (und kann das auch nicht anders) keine Zinsen mehr.
    Das eröffnet ganz neue Verschuldungshorizonte für die Zukunft.
    Eine Welt ohne Zinsen ist kurzfristig möglich; aber eben nur kurzfristig. Dahinter gähnt der Abgrund.

  5. Wie sollen bei negiven Zinsen Selbständige als wichtigste Stütze der Wirtschaft eine Altersversorgung aufbauen.
    Gesetzliche Rente : Fehlanzeige,
    Private Rente : Fehlanzeige,
    Anleihen : Fehlanzeige.
    Sparplan : Fehlanzeige
    Bleiben noch Gold und Aktien. Bei dem täglichem rauf und runter als Altersverorgung eher ungeeignet weil unsicher. Reiche Leute können sich Renditeimmobilien anschaffen und profitieren dann wirklich vom negativem Zins.

    1. Die gesetzliche Rentenversicherung wäre leistungsfähig, wenn Lohnerhöhungen möglich gewesen wären! http://friedensblick.de/14111/der-zinses-zins-frisst-die-renten-auf/

      Stattdessen wurde versprochen, dass die kleinen Leute in Form der privaten (kapitalgedeckten) Riester-Rente vom 8. Weltwunder Zinses-Zins (Rürup) teilhaben könnten. Angesichts des Überangebots an Geldkapital war das von Anfang an übertrieben.

      Jetzt beschweren sich die kleinen Leute über die Mini-Zinsen und merken nicht, dass gerade die hohen Zinsen der Vergangenheit die Nachhaltigkeit ihrer gesetzlichen Rentenversicherung zerstörte.

      1. Ich wüsste nicht welche Dummköpfe sich über den Ertrag der Riesterrente aufregen sollten, denn diese war doch schon erledigt, noch ehe das Thema richtig Fahrt aufnahm!
        Die Zeitschrift „Finanztest“ bewertete gleich nach Erscheinen der „Riesterrente“ diesselbe als negativ.
        Insofern dürfte die Mehrzahl der Interessenten vorgewarnt gewesen sein.
        Außerdem beisst sich das mit dem von Ihnen als positiv bewerteten Minuszins.
        Eine Quadratur des Kreises aber ist nicht möglich.

        1. Die Bild-Zeitung, die Werbung für die Riester-Rente machte, ist jetzt an führender Stelle bei der Propaganda gegen Minus-Zinsen dabei.

  6. Es gibt zwei Aspekte. Natürlich kann ein Entwicklungsland billiger an Geld herankommen. Doch der große Gewinn der Superreichen ist der Ankauf von unverkäuflichen Schrottpapieren, hinter denen z.B. Deponien als Bauland verbrieft sind, durch den Staat gegen Euros, die dann in harte Sachwerte (Boden) und privatisierte soziale Infrastruktur (TTIP, Public Private Partnership, Wasser) investiert werden. Am Schluss bleiben Papierschnipsel für die Armen mit Negativzinsen und die o.g. Werte und Machtstrukturen für die Reichen. Auch das privatisierte Trinkwasser in Entwicklungsländern.

  7. @ Mike

    Es geht hier doch nicht um „Reiche oder Superreiche“!
    Das betrifft auch Klein- und Mittelsparer.
    Dann ist der Verlust zwar niedriger, aber 2.000 Euronen, die für den Superreichen wenig sind, sind für diesen Personenkreis aber viel. Das muss man sehen und nicht versuchen das kleinzureden um den Banken und dem Staat einen Gefallen zu tun.
    Das Ganze, hier von Georg Lehle vorgetragene Gedankengebilde ist auch nicht ungefährlich. Denn die Sparer suchen nach Alternativen. Dass diese außerhalb der EU liegen weiß auch jeder.

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