War die Oktoberfest-Bombe eine NATO-Gladio-Aktion?

Nachdem die geheime NATO-„Gladio“-Gruppe „Bund Deutscher Jugend“ wegen Terror-Verdachts aufgelöst wurde (Friedensblick), gab es offenbar eine strategische Neuausrichtung:

„An Stelle einer zentralen rechten Organisation wurde ein Netz von verflochtenen Gruppierungen geschaffen.“ (dossier)

Es scheint, dass seitdem militante Gruppen bis heute indirekt durch den Einsatz von bezahlten Informanten (V-Leuten) gegründet, mitfinanziert und mit Waffen versorgt werden.

Laut des ehemaligen militanten Neo-Nazis, V-Manns und Aussteigers Manuel Bauer gäbe es „viel mehr rechtsradikale Untergrund-Gruppen als bisher vermutet“:

„Wenn im Verfassungsschutzbericht von 100 Kameradschaften die Rede ist, dann gibt es mindestens 50 zusätzliche militante Untergrund-Organisationen“.

Laut Bauer wären viele bekannte Kameradschaften „nur Ablenkungsmanöver„:

„Wenn der Staat durch eine gezielte Falschinformation auf eine Gruppierung oder eine Veranstaltung aufmerksam gemacht wird, die es gar nicht gibt, dann kann man in aller Ruhe eine andere Aktion durchführen.“

Die zahlreichen V-Männer liefern dem Verfassungsschutz falsche Informationen:

„Die V-Leute kassieren das Geld vom Staat, geben es weiter – und melden dem Staat im Gegenzug bewusst falsche Informationen.“

Im Verfassungsschutz wiederum gäbe es Leute, die „nicht anders gedacht haben als wir“ (SZ).

Bei der ZDF-Comedy-Sendung „Heute-Show“ wird die staatliche Unterstützung rechtsextremer Gruppen (18.11.2011) mit tief-schwarzen Humor kommentiert [Zeitindex 4:58]:

„Bevor Sie eine rechtsradikale Szene beobachten können, müssen Sie erst-mal eine aufbauen. (…)“

Auf die Feststellung, dass es seit der Wiedervereinigung 137 Tote durch rechten Terror gab, aber keinen einzigen Toten durch linken, antwortet der Reporter (5:24):

„Das können sie der linken Szene jetzt wirklich nicht vorwerfen, die hat ja auch viel weniger Geld vom Staat gekriegt.“

Es gibt dazu passen eine ganze Reihe von aufgedeckten „Pannen“:

Der V-Mann Werner Gottwald vermittelte der Neo-Naziszene Waffengeschäfte und orderte „Faustfeuerwaffen, Maschinenpistolen, Handgranaten und Plastiksprengstoff im Wert einer halben Million Mark.“ Norbert Schnelle gründete und baute die heute verbotene Nazi-Partei „Nationalistische Front“ auf, die ohne Verfassungsschutz-Aktivitäten vermutlich gar existiert hätte. Der V-Mann Werner Lock war bei einem konspirativen Treffen am 19.06.1977 anwesend …

„… bei dem Nazi-Terroristen der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ und der „Deutschen Aktionsgruppen“ des Manfred Roeder Absprachen für Anschläge und Überfälle getroffen hatten. Ein Zehntel der Anwesenden Nazis bei diesem Treffen waren V-Männer.“ (Heise)

Oktoberfest-Anschlag

Wenige Tage vor der Bundestagswahl explodierte am 26. September 1980 am Haupteingang des Oktoberfestes eine Bombe. Es verstarben 13 Menschen, darunter auch der angebliche Einzeltäter, Gundolf Köhler. Zu später Stunde erschien Franz Josef Strauß“ (spiegel). Der damalige Kanzlerkandidat und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) sah einen linksextremistischen Hintergrund und warf der sozialliberalen Bundesregierung Schwäche gegen Terroristen vor.

… tatsächlich verdächtigten Strauß und andere CSU-Politiker zunächst die RAF und Linksextremisten als Urheber des Attentats und warfen der Regierung Schmidt-Genscher schwere Versäumnisse bei deren Bekämpfung vor.“ (Heise)

Jedoch wurde bald klar, dass Köhler zeitweise Mitglied der rechtsextremen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ war. Köhler spielte mit den Gedanken, durch einen Anschlag den Ausgang der Bundestagswahl zu manipulieren:

„Aus dem Umfeld Köhlers sind Zeugenaussagen bekannt, wonach Köhler offenbar die Bundestagswahl zugunsten von Franz-Josef Strauß beeinflussen wollte. Das sollte zum Beispiel mit Hilfe eines Attentats gelingen, das man dann linken Gruppen wie der RAF zuschieben könnte. (…)

Laut der Polizei, „Soko Theresienwiese“, war der Anführer der Wehrsportgruppe, Karl-Heinz Hoffmann, und das Gruppen-Mitglied und Informant des Geheimdienstes Walter Ulrich Behle nicht beteiligt gewesen. Sie wären zur Tatzeit nicht in München gewesen und einen Tag vor der Tat bis zur Festnahme „ständig unter Kontrolle“ gestanden (Heise). Nach ihrer schnellen Freilassung quartierten sie sich Anfang Oktober im Hotel Byblos in Damaskus, Syrien ein. Im Hotel hätte Behle mit dem tunesischen Barkeeper über den Anschlag gesprochen und gesagt: „Ja, deswegen kann ich nicht mehr nach Deutschland zurück, wir waren das selbst.“ Diese Aussage wird von Behle bestritten. (Heise)

Informationen aus Akten des Bundesnachrichtendienstes (BND) stärken den Verdacht, dass es eine Gladio-Verbindung geben könnte:

„Hoffmann und seine Wehrsportgruppe hatten vor dem Anschlag Kontakt zu italienischen Rechtsextremisten, die vermutlich für den Anschlag in Bologna verantwortlich waren. In einem Trainingslager im Libanon wurden sie mit Mitgliedern aus Hoffmanns Wehrsportgruppe ausgebildet. Zitat aus den BND-Akten: „Zum gleichen Zeitpunkt waren im gleichen Lager italienische Rechtsextremisten. Es sei über mögliche Anschläge in der Bundesrepublik Deutschland und Italien gesprochen worden.“ Man kannte sich also. Hoffmann sieht darin eine Intrige des BND: „Ich weiß nichts über Italiener im Libanon.“ (zeit)

Der Spiegel recherchierte 2011 über mögliche Verbindungen zwischen Köhler und Hoffmann (spiegel).

Waffenverstecke von Heinz Lembke

Der Rechtsextremist Lembke organisierte „Wehrsportübungen“ und wurde zum „umtriebigsten Beschaffer von Waffen für die rechten Terroristen“.

Lembke unterhielt Beziehungen zu den rechtsterroristischen „Deutschen Aktionsgruppen“ um Helmut Roeder, die 1980 fünf Sprengstoff- und zwei Brandanschläge, überwiegend gegen Ausländerunterkünfte, verübten.

„Den Vernehmungsprotokollen Roeders bei der deutschen Bundesanwaltschaft (BAW) ist zu entnehmen, daß Roeder und Lembke gute Freunde waren, die sich oft trafen, um Anschläge zu besprechen.“ (Hagalil)

Bereits einen Tag nach dem Oktoberfest-Anschlag sagten die damals inhaftierten Mitglieder der „Deutschen Aktionsgruppen“ Raymund Hörnle und Sibylle Vorderbrügge aus, dass Lembke ihnen Waffen, Sprengstoff und Munition anbot und von seinen umfangreichen Waffendepots erzählte. Dieser Hinweis wurde nur dilettantisch verfolgt. Eine Verbindung zur Münchner Bombe wurde nicht gezogen. Mehr Infos: „Buch-Zusammenfassung: “Oktoberfest, das Attentat”, Ulrich Chaussy, Teil 2“ (friedensblick)

Jedoch entdeckte ein halbes Jahr nach dem Anschlag ein Waldarbeiter in der Lüneburger Heide ein umfangreiches Waffendepot. Das Waffenversteck enthielt neben automatischen Waffen, chemischen Kampfmitteln und etwa 14.000 Schuss Munition auch 50 Panzerabwehrrohre, 156 kg Sprengstoff und 230 Sprengkörper sowie 258 Handgranaten, sowie Bundeswehrunterlagen über Sprengen, Minenlegen und Panzerabwehr (hagalil). Für den Historiker Daniele Ganser deutet die Menge und Qualität der gefundenen militärischen Ausrüstung darauf hin, dass Lemke Gladio-Mitglied war. Solche Waffendepots wären charakteristisch (wiki).

Wenige Wochen später wurde Heinz Lembke festgenommen. Allerdings …

„… aus einem anderen Grund. Er wurde beschuldigt, sich gesetzwidrig geweigert zu haben, in einem Verfahren gegen seinen Freund, den rechtsradikalen Anführer der deutschen terroristischen Gruppe „Deutsche Aktionsgruppen“ Manfred Roeder, auszusagen. Im Gefängnis änderte Lembke plötzlich seine Meinung, und er erklärte, dass er aussagen werde, sowohl im Fall Roeder als auch zu den Waffenverstecken. (…). (Ganser)

Lembke gab in Haft Auskunft über 33 weitere Waffenverstecke und kündigte darüber hinaus an, am nächsten Tag auszusagen, …

„… wer die Waffen und die Sprengstoffe nutzen sollte.“

Selbstmord

Jedoch wurde Lembke am nächsten Tag, dem 1. November 1981, an einem Seil hängend in seiner Zelle tot gefunden. Selbstmord. „Es ist Wolfszeit“ stand auf einem hinterlassenen Zettel in seiner Zelle. In dem Abschiedsbrief begründet er seinen Selbstmord damit, „nicht seine Kameraden verraten zu wollen.“ (Chaussy, Oktoberfest, 2014, S. 219)

Die Ermittlungen wurden nach seinem Tod eingestellt und Lembke als Einzeltäter dargestellt, „der die Waffendepots aufgrund seiner Furcht vor einer sowjetischen Invasion angelegt habe.“

2008 schrieb Tobias von Heymann in seinem Buch „Die Oktoberfestbombe“ über Unterlagen der ehemaligen Staatssicherheit der DDR, die einen „Gladio“-Bezug haben.

„Heymann entdeckte Dokumente und Karten, in der die Stasi all jene vor allem grenznahen Orte eingezeichnet hatte, von denen aus periodisch Funkverkehr mit der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes aufgefangen werden konnte. Aus der Nähe von Lembkes Wohnort funkte nach Heymanns Feststellung eine Stay-behind-Einheit, die die Stasi in ihren Dokumenten „Gruppe 27″ nannte.“ (Chaussy, „Oktoberfest“, 2014, S. 221)

In den polizeilichen Spurenakten steht über seinen Aussagen der Vermerk: „Erkenntnisse über Lembke sind nur zum Teil gerichtsverwertbar.“ Der Opferanwalt Dietrich kommt zum Schluss:

„Solche Vermerke gibt es normalerweise nur bei V-Leuten oder Mitarbeitern von Geheimdiensten.“ (sz)

Mitglieder von Lembkes Gruppe wurden zu geringen Geldstrafen verurteilt, „der geständige Waffenlieferant, ein Lüneburger Oberfeldwebel der Bundeswehr, wird zu 2.000,- Mark Geldstrafe verurteilt.“ (hagalil)

Heinz Lembke belieferte die „Bombenleger um Peter Naumann“ (wiki). Zusammen mit Naumann verübten er 1978 einen Sprengstoffanschlag in Italien. 1979 sprengte Naumann zwei Fernsehmasten (wiki).

Im März 1995 wurden bei Naumann …

„… zwei Rohrbomben sichergestellt, im gleichen Jahr offenbarte er dem Bundeskriminalamt 13 Waffen- und Sprengstoffdepots mit insgesamt 17 Kilo TNT, die er nach seinen Angaben schon Anfang der achtziger Jahre angelegt haben will.“ Chaussy, Oktoberfest, 2014, S. 240)

Peter Naumann fehlt eine Hand.  Am Tatort der Oktoberfest-Bombe wurde eine abgerissene Hand gefunden, die keinem der Opfer zugeordnet werden konnte (friedensblick). Laut der Bundesanwaltschaft „versehrte“ er seine Hände aber 1974 bei  „Sprengexperimenten, ein Feuerwerker starb bei dem Versuch, eine seiner Bomben zu entschärfen.“ (focus)

Laut Aussage von Andreas Kramer wäre sein Vater Johannes Kramer im Rahmen von Gladio an verschiedenen Terroranschlägen beteiligt gewesen. Beispielsweise wäre der Oktoberfest-Anschlag von seinem Vater geplant worden. „Er habe zusammen mit Gundolf Köhler (21) auch die Bombe gebaut.“ Johannes Kramer war bei der Bundeswehr, das wäre jedoch nur eine „perfekte Tarnung“ gewesen. „Ab Mitte der 60er Jahre war er aber in erster Linie Agent des BND.“ (abendzeitung)

3 Gedanken zu „War die Oktoberfest-Bombe eine NATO-Gladio-Aktion?“

  1. Der Nachfolger des BdJ war die Wikingjungend, am Attentat beteiligt. vgl. Heymann

    Die Wikingjungend wurde augelöst zugunsten der Hammerskins und Blood & Honour. Die aktuelle Stay Behind Struktur läuft über die Hammerskins. Die zentrale Figur ist Thomas G., bis zum Auffliegen des NSU Leiter von Stay Behind in Deutschland.

    Über die für das fehlgeschlagene Attentat verantwortliche Struktur gibt es einen ausführlichen Beitrag.
    http://www.zeit.de/2012/49/Spionage-CDU-CSU-Willy-Brandt

    Die Projektleitung hatte La., Zauberlehrling von Gehlen.

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